Rhythmische Schwingungen

Alles was der Überlieferung wert erscheint, ist entweder Gekonntes oder Gewußtes. Jede Überlieferung hat die Absicht, die Jüngeren zu ihrer eigenen schöpferischen Leistung und zur eigenen liebenden Weisheit zu führen. Wer zu solch eigenem Können, eigenem Lieben, eigenem Wissen kommen will, muß zunächst einmal das Werkzeug seines Lebens in die Hand bekommen. Er muß seinen ererbten und durch die Umstände bedingten Körper sich zu eigen machen. Und dies kann nur geschehen, wenn der Mensch diesen seinen Körper einmal wirklich gespürt hat. Nur in einer günstigen Stunde wird das sein können. Diese Stunde wird eine Stunde der Bewegtheit sein. Das Lebendige wird dann als das Schwingend-Bewegte im eigenen Körper gespürt werden. Wer einmal so in sich das Leben gespürt hat, ahnt, daß diese innere Bewegung gesetzmäßig verläuft, daß die Schwingungen dies es selbst gelebten Einzellebens Abwandlungen des allgültigen Lebensgesetzes darstellen, des obersten Gesetzes, das in der sichtbaren wie der unsichtbaren Gesamtnatur herrscht und Aufbau und Abbau, Spannung und Entspannung, Kraft und Schwäche in rhythmischer Folge miteinander wechseln läßt.

Alle Schwingungen des eigenen körperbedingten Lebens, die kleinteiligsten wie die weitestschwingenden, sind also jedesmal neuartige Erfüllungen des allgemeinen Gesetzes und können als solche Erfüllungen empfunden werden. Dieses allgemeine Schwingungsgesetz vom Auf- und Abbau des Lebendigen ist nun so gebaut, daß zwischen Abschwellung und Anschwellung, zwischen Entspannung und neuer Spannung jedesmal eine Pause liegt, eine Pause, in der, ohne daß etwas getan wird, doch der neue Antrieb verborgen liegt. Und auf die schöpferische Bedeutung dieser Ruhelage vor allem kommt es an, bei all den kleinsten wie den größten Rhythmengefügen, durch die das Selbst des Menschen hindurchschwingt.