Rhythmus der Liebe im Jahr
Das einzelne Jahr hat seine Inbrunstzeiten und Leidenschaftszeiten. Das natürliche Jahr, das Sonnenjahr, das für die Tiere und ihre Liebesregungen so entscheidend ist, schlägt auch durch das Gefüge des menschlichen Jahres hindurch; gerüstweise bleibt es erkennbar. Die Jahreszeiten sind in ihrer Liebesgerichtetheit verschieden. Die großen Sammelzeiten des Jahres im späten Herbst, im tiefen Winter, die Zeit, wo der Sommer sich vorbereitet und die Früchte ansetzen, schließlich die Zeit, wo der Herbst sich vorbereitet (oft schon in den letzten Julitagen), diese Sammelzeiten des Jahres machen es dem Menschen, der mit dem Jahr zu leben gelernt hat, leicht, sich in seine Inbrunst zu versenken. Verschlossen zu sein ist dann der Natur gemäß. Es sind das die Zeiten, wo nichts sichtbar wird, sondern alles unter der Oberfläche geschieht.
Dem gegenüber stehen die leidenschaftlichen Zeiten des Jahres, Gebezeiten, in denen die Liebe sichtbar wird. Zu Anfang des Winters ist solche Zeit, die Frühlingszeit des Winters, die das alte Lied meint: es ist ein Ros entsprungen … Manchmal ist diese Gipfelzeit kurz, aber stets in der gesamten Natur zu spüren. Die eigentliche Frühlingsgipfelzeit ist sehr viel länger von den frühesten bis zu den spätesten Blüten. Um die Zeit der heißen Nächte liegt dann die oft nur kurze Gipfelzeit des Sommers. Und in den jauchzenden Tagen des reifen Herbstes schwingt sich die Natur wieder zu einer Gipfelzeit auf, die oftmals lange dauert, von der Zeit der Kornreife bis zur Zeit, wo die letzten Äpfel reif werden.
Freilich das menschliche Jahr flutet vielfach über diese naturgesetzten Zeiten hinweg, daß die Grenzen sich verschieben. Doch dies bleibt: es sind Gebezeiten und Inbrunstzeiten der Liebe im Jahr eines jeden Menschen deutlich zu spüren, und auch hier ist es Sache des führenden Erziehers, ferne zu halten und zu schaffen, wo seine Anvertrauten die Kraft des Jahres in sich sammeln, und mitzuschwingen, wo sie geben und blühen und jauchzen in ihrer Liebe.