III.
„Er ist gesund, gesund!“ – rief den Eintretenden Sossimoff fröhlich zu.
Er war schon vor zehn Minuten gekommen und saß in seiner gestrigen Ecke auf dem Sofa. Raskolnikoff saß in der andern Ecke ihm gegenüber, vollkommen angekleidet und frisch gewaschen und gekämmt, was schon lange nicht mehr vorgekommen war. Das Zimmer war mit einem Male voll, aber Nastasja fand doch Zeit, den Besuchern zu folgen, um zuzuhören.
In der Tat, Raskolnikoff war fast gesund, besonders im Vergleiche mit gestern, er war bloß sehr blaß, zerstreut und düster. Dem Äußeren nach glich er einem Verwundeten oder einem, der einen starken physischen Schmerz duldet, – seine Augenbrauen waren zusammengezogen, die Lippen aufeinander gepreßt und der Blick fieberhaft. Er sprach wenig und widerwillig, wie mit großer Anstrengung oder als erfülle er eine Pflicht, und eine Unruhe zeigte sich zuweilen in seinen Bewegungen.
Es fehlte bloß die Binde um den Arm oder ein Verband um den Finger, um die völlige Ähnlichkeit mit einem Verletzten vollzumachen.
Aber dieses bleiche und düstere Gesicht erhellte sich auf einen Augenblick, als Mutter und Schwester eintraten, aber sein Gesicht nahm rasch statt der früheren düsteren Zerstreutheit den Ausdruck innerer Pein an, und Sossimoff, der seinen Patienten mit dem ganzen Eifer des Anfängers beobachtete und studierte, bemerkte voll Verwunderung, statt Freude über die Ankunft der Verwandten, die mühsam versteckte Entschlossenheit, eine mehrstündige Folterqual zu ertragen, die man nicht umgehen kann. Er sah später, wie fast jedes Wort der nachträglichen Unterhaltung irgendeine Wunde seines Patienten zu berühren und aufzuwühlen schien, gleichzeitig aber war er wieder erstaunt, wie dieser heute verstand, sich zu bemeistern und seine Gefühle zu verbergen, – der gestrige Monomane, der wegen des geringsten Wortes fast in Raserei geriet.
„Ja, ich sehe jetzt selbst, daß ich fast gesund bin,“ sagte Raskolnikoff, und küßte die Mutter und die Schwester freundlich, worüber Pulcheria Alexandrowna in Entzücken geriet, „und ich spreche nicht mehr wie gestern,“ fügte er hinzu, sich an Rasumichin wendend, und drückte ihm freundschaftlich die Hand.
„Ich habe mich heute nicht wenig über ihn gewundert,“ begann Sossimoff, der über die Eingetretenen sehr erfreut war, weil er in den zehn Minuten den Faden des Gespräches mit seinem Kranken schon verloren hatte. „Nach drei oder vier Tagen, wenn es so weiter geht, wird alles beim alten sein, das heißt, wie es vor einem oder zwei Monaten ... vielleicht auch vor drei Monaten war. Es hat sich doch seit langem vorbereitet und entwickelt ... ah? Wollen Sie jetzt eingestehen, daß Sie selbst vielleicht mit daran schuld waren?“ fügte er mit einem vorsichtigen Lächeln hinzu, als fürchte er, ihn schon dadurch zu reizen.
„Es ist sehr möglich,“ antwortete Raskolnikoff kalt.
„Ich sage es nur aus dem Grunde,“ fuhr Sossimoff fort, „weil Ihre völlige Genesung jetzt hauptsächlich von Ihnen allein abhängt. Jetzt, wo man mit Ihnen reden kann, möchte ich Ihnen vorhalten, daß es notwendig ist, die ursprünglichen, sozusagen die Grundursachen zu beseitigen, die Ihren Krankheitszustand hervorgerufen haben, dann werden Sie auch genesen, sonst kann es wieder schlimmer werden. Diese ursprünglichen Ursachen kenne ich nicht, aber Ihnen müssen Sie bekannt sein. Sie sind ein kluger Mensch und haben sich selbst sicher beobachtet. Mir scheint, der Anfang Ihrer Krankheit fällt teilweise mit Ihrem Austritt aus der Universität zusammen. Sie dürfen nicht ohne Beschäftigung sein, und darum können Arbeit und ein fest vorgenommenes Ziel, wie mich dünkt, Ihnen von sehr großem Werte sein.“
„Ja, ja, Sie haben vollkommen recht ... ich will sofort die Universität besuchen, und dann wird alles ... wie geschmiert gehen ...“
Sossimoff, der seine klugen Ratschläge teilweise wegen der Wirkung auf die Damen erteilt hatte, war natürlich verblüfft, als er seine Rede beendete und auf dem Gesicht seines Zuhörers einen entschieden spöttischen Ausdruck bemerkte. Das währte übrigens nur einen Augenblick. Pulcheria Alexandrowna begann sofort, Sossimoff zu danken, besonders für seinen Nachtbesuch im Hotel.
„Wie, er ist in der Nacht bei euch gewesen?“ fragte Raskolnikoff anscheinend beunruhigt. „Also habt ihr auch nach der Reise nicht geschlafen?“
„Ach, Rodja, das war doch vor zwei Uhr. Wir haben uns auch zu Hause nicht früher als um zwei Uhr schlafen gelegt.“
„Ich weiß nicht, wie ich ihm danken soll,“ fuhr Raskolnikoff finster fort und den Blick senkend, „abgesehen von der Geldfrage – entschuldigen Sie, daß ich es erwähnte“ (er wandte sich an Sossimoff), „ich weiß gar nicht, wodurch ich so eine besondere Aufmerksamkeit Ihrerseits verdient habe? Ich verstehe es einfach nicht ... und ... es lastet auf mir sogar, weil es mir unverständlich ist, – ich sage es Ihnen ganz offen –.“
„Werden Sie nur nicht gereizt,“ lachte Sossimoff gezwungen. „Stellen Sie sich vor, daß Sie mein erster Patient sind, nun, und unsereiner, der soeben zu praktizieren anfängt, liebt seine ersten Patienten wie eigene Kinder, und manche sogar verlieben sich in sie. Und ich bin an Patienten nicht reich.“
„Ich will gar nicht reden von dem dort,“ fügte Raskolnikoff hinzu und wies auf Rasumichin, „auch er hat außer Kränkungen und Sorgen nichts von mir erfahren.“
„Was er faselt! Bist du etwa heute in einer gerührten Stimmung?“ rief Rasumichin.
Wenn er etwas scharfsinniger gewesen wäre, hätte er gesehen, daß hier nichts von einer gerührten Stimmung da war, eher das Gegenteil. Awdotja Romanowna aber hatte es gemerkt. Sie beobachtete durchdringend und voll Unruhe den Bruder.
„Von Ihnen, Mama, wage ich nicht zu sprechen,“ fuhr er fort, als sage er etwas vorher auswendig Gelerntes auf. „Heute erst konnte ich einigermaßen einsehen, wie Sie sich gestern hier in Erwartung meiner Rückkehr gequält haben müssen.“
Dann reichte er plötzlich stumm und mit einem Lächeln der Schwester die Hand. In diesem Lächeln schimmerte ein wahres, unverfälschtes Gefühl. Dunja erfaßte sofort, erfreut und dankbar, die ausgestreckte Hand und drückte sie innig. Zum erstenmal wandte er sich an sie nach dem gestrigen Zerwürfnis. Das Gesicht der Mutter leuchtete vor Entzücken und Glück beim Anblick dieser endgültigen und wortlosen Aussöhnung zwischen Bruder und Schwester.
„Dafür liebe ich ihn!“ flüsterte, sich energisch auf dem Stuhle wendend, Rasumichin, der sich leicht begeisterte. „Er hat solche Regungen! ...“
„Und wie alles sich bei ihm gut macht,“ dachte die Mutter, „was für edle Regungen er hat, und wie schlicht und zart er das gestrige Mißverständnis mit der Schwester beseitigt hat – nur dadurch, daß er ihr die Hand im richtigen Augenblicke reichte und sie lieb anblickte ... Und was für schöne Augen er hat und wie schön das ganze Gesicht ist ... Er ist sogar schöner als Dunetschka ... Aber, mein Gott, was für einen Anzug hat er an, wie schrecklich ist er gekleidet! Der Markthelfer Wassja im Laden Atanassi Iwanowitsch ist besser gekleidet! ... Und ich möchte mich ihm an den Hals werfen und ihn umarmen, und ... weinen – aber ich fürchte mich, ich fürchte ... wie er es auffassen könnte, oh Gott! Er spricht wohl freundlich, aber ich fürchte mich! Nun, warum fürchte ich mich? ...“
„Ach, Rodja, du wirst nicht glauben,“ beeilte sie sich plötzlich, seine Bemerkung zu beantworten, „wie wir gestern, ich und Dunetschka ... unglücklich waren! Jetzt, wo alles vorüber und beendet ist, und wir alle wieder glücklich sind, – kann man es sagen. Stell dir vor, wir laufen hierher, um dich zu umarmen, fast direkt von der Eisenbahn, und diese Frau, – ah, da ist sie auch! Guten Tag, Nastasja! ... Sie sagt uns plötzlich, daß du im starken Fieber liegst und daß du soeben ohne Wissen des Arztes im Fieber weggelaufen seist, und daß man dich suchen gegangen sei. Du glaubst nicht, wie das uns traf! Ich stellte mir sofort vor, wie der Leutnant Potantschikoff, unser Bekannter, ein Freund deines Vaters, – du kannst dich seiner nicht erinnern, Rodja – tragisch endete, er hatte auch starkes Fieber und war in derselben Weise weggelaufen und in einen Brunnen im Hofe hineingefallen, am anderen Tage erst konnte man ihn herausziehen. Und wir haben es uns selbstverständlich noch schwärzer ausgemalt. Wir wollten hinausstürzen und Peter Petrowitsch suchen, um mit seiner Hilfe wenigstens ... denn wir waren allein, vollkommen allein,“ sagte sie mit kläglicher Stimme und verstummte plötzlich, als sie sich erinnerte, daß es noch ziemlich gefährlich sei, über Peter Petrowitsch zu sprechen, ungeachtet dessen, „daß alle schon wieder vollkommen glücklich sind.“
„Ja, ja ... das alles ist sicher ärgerlich ...“ murmelte Raskolnikoff, aber mit solch einem zerstreuten und fast unaufmerksamen Ausdrucke, daß Dunetschka ihn voll Erstaunen ansah.
„Was wollte ich doch sagen,“ fuhr er fort und versuchte sich zu besinnen, „ja, – bitte, Mama, und du, Dunetschka, denkt nicht, daß ich nicht als erster heute zu euch kommen wollte und etwa auf euren Besuch wartete.“
„Ja, was fällt dir ein, Rodja!“ rief Pulcheria Alexandrowna, die jetzt auch erstaunte, aus.
„Weshalb spricht er so konventionell?“ dachte Dunetschka. „Er söhnt sich aus und bittet um Verzeihung, als erfülle er eine Pflicht oder sage das Gelernte auf!“
„Ich bin soeben aufgewacht und wollte zu euch gehen, aber mich hielten meine Kleider auf; ich hatte vergessen, ihr ... Nastasja zu sagen ... dieses Blut auszuwaschen ... Jetzt, soeben erst habe ich mich angezogen.“ –
„Blut! Was für Blut?“ sagte Pulcheria Alexandrowna erschrocken.
„Es ist nichts ... regen Sie sich nicht auf. Das Blut kommt daher, weil ich, als ich gestern besinnungslos herumirrte, auf einen überfahrenen Menschen stieß ... auf einen Beamten ...“
„Besinnungslos? Aber du erinnerst dich an alles,“ unterbrach ihn Rasumichin.
„Das ist richtig,“ antwortete ihm Raskolnikoff mit Bedacht, „ich erinnere mich an alles, bis auf die geringste Kleinigkeit, aber dennoch, denk dir, – warum ich das getan und dort gewesen bin und jenes gesagt habe, – kann ich mir nicht erklären.“
„Das ist eine sehr bekannte Tatsache,“ mischte sich Sossimoff ein, „zuweilen ist die Ausführung einer Sache meisterlich, glänzend, die Direktion der Handlungen aber, der Ursprung der Handlungen, ist dunkel und hängt von allerhand krankhaften Empfindungen ab. Es ist wie im Traume.“
„Es ist vielleicht gut, daß er mich beinahe für einen Irrsinnigen hält,“ dachte Raskolnikoff.
„Aber das kann man vielleicht auch von Gesunden sagen,“ bemerkte Dunetschka und sah Sossimoff besorgt an.
„Ihre Bemerkung ist ziemlich richtig,“ antwortete er, „in diesem Sinne gleichen wir fast alle tatsächlich und sehr oft Verrückten, nur mit dem kleinen Unterschiede, daß die ‚Kranken‘ ein bißchen mehr verrückt sind als wir, man muß hier eine Grenze festhalten. Einen ganz harmonischen Menschen aber, – das ist wahr, – gibt es fast nicht; auf Zehntausende, vielleicht aber auch auf viele Hunderttausende findet man einen ...“
Bei dem Worte „verrückt,“ das Sossimoff unvorsichtigerweise entschlüpfte, als er auf sein Lieblingsthema zu sprechen kam, verzogen alle die Gesichter. Raskolnikoff saß in Gedanken und mit einem seltsamen Lächeln auf den bleichen Lippen da, als schenke er dem keine Aufmerksamkeit. Er fuhr fort etwas zu erwägen.
„Nun, was ist mit dem Überfahrenen? Ich habe dich unterbrochen!“ rief schnell Rasumichin.
„Was?“ schien er zu erwachen, „ja ... nun, da habe ich mich mit Blut beschmutzt, als ich half, ihn in seine Wohnung zu tragen ... Ja, Mama, ich habe gestern etwas Unverzeihliches getan, – ich war wirklich nicht bei Verstand. Ich habe gestern alles Geld, das Sie mir geschickt haben, ... seiner Frau ... zur Beerdigung gegeben. Sie ist jetzt Witwe, eine schwindsüchtige, beklagenswerte Frau ... drei kleine Kinder, Waisen, hungrig ... im Hause ist nichts ... und es ist noch eine Tochter da ... Vielleicht hätten Sie auch selbst gegeben, wenn Sie gesehen hätten ... Ich hatte übrigens gar kein Recht, ich gestehe es ein, besonders weil ich weiß, wie Sie dieses Geld sich verschafft haben. Um zu helfen, muß man erst ein Recht dazu haben, sonst – ‚Crevez, chiens, si vous n’êtes pas contents[3]‘.“ Er lachte. „Ist es nicht wahr, Dunja?“
„Nein, es ist nicht wahr,“ antwortete Dunja fest.
„Bah! Auch du hast ... Ansichten! ...“ murmelte er und blickte sie fast mit Haß an und lächelte spöttisch. „Ich hätte dies in Betracht ziehen müssen ... Nun, was ist dabei, es ist lobenswert und für dich besser ... und wenn du bis zu einer Grenze kommst, die du nicht übertreten kannst – wirst du unglücklich sein, und wenn du sie überschreitest, – wirst du vielleicht noch unglücklicher sein ... Übrigens aber, dies ist alles Unsinn!“ fügte er gereizt hinzu, ärgerlich über seine unwillkürliche Offenheit. „Ich wollte bloß sagen, daß ich Sie, Mama, um Verzeihung bitte,“ schloß er scharf und bündig.
„Aber Rodja, ich bin überzeugt, daß alles, was du tust, gut ist!“ sagte erfreut die Mutter.
„Seien Sie nicht davon überzeugt,“ antwortete er und verzog den Mund zu einem Lächeln.
Ein Schweigen trat ein. Etwas Gespanntes lag in diesem ganzen Gespräche und im Schweigen, wie auch in der Versöhnung und Verzeihung, und alle fühlten es.
„Als ob sie sich vor mir fürchteten,“ dachte Raskolnikoff und blickte die Mutter und die Schwester unter der gesenkten Stirn hervor an.
Pulcheria Alexandrowna wurde immer ängstlicher, je länger sie schwieg.
„Aus der Ferne schien sie doch zu lieben,“ durchzuckte es ihn.
„Weißt du, Rodja, Marfa Petrowna ist gestorben!“ platzte plötzlich Pulcheria Alexandrowna heraus.
„Was für eine Marfa Petrowna?“
„Ach, mein Gott, Marfa Petrowna Sswidrigailowa! Ich habe dir so viel über sie geschrieben.“
„Ach, ja ich erinnere mich ... also sie ist gestorben? Ach, in der Tat?“ fuhr er plötzlich auf, als sei er erwacht. „Ist sie wirklich gestorben? Woran denn?“
„Stell dir vor, ganz plötzlich!“ beeilte sich Pulcheria Alexandrowna ihm zu antworten, ermutigt durch seine Neugier, „und gerade in der Zeit, als ich dir den Brief schickte, sogar an demselben Tage! Denk dir, dieser schreckliche Mensch scheint auch die Ursache ihres Todes zu sein. Man erzählt, er habe sie furchtbar verprügelt!“
„Leben sie denn in dieser Weise?“ fragte er, sich an die Schwester wendend.
„Nein, im Gegenteil. Er war ihr gegenüber stets sehr geduldig und höflich. In vielen Fällen sogar zu duldsam ihrer Art gegenüber, volle sieben Jahre ... Mit einem Male scheint er die Geduld verloren zu haben.“
„Also ist er gar nicht so schrecklich, wenn er sieben Jahre ausgehalten hat? Du scheinst ihn, Dunetschka, zu entschuldigen?“
„Nein, nein, er ist ein schrecklicher Mensch! Ich kann mir nichts Schrecklicheres vorstellen,“ antwortete Dunja fast erbebend, zog die Augenbrauen zusammen und wurde nachdenklich.
„Es geschah am Morgen,“ fuhr Pulcheria Alexandrowna eilig fort. „Dann befahl sie, sofort anzuspannen, um gleich nach dem Mittagessen in die Stadt zu fahren, weil sie stets in solchen Fällen in die Stadt fuhr; sie aß zu Mittag, wie man sagt, mit großem Appetit ...“
„Verprügelt, wie sie war?“
„... Sie hatte übrigens auch immer diese ... Angewohnheit, und kaum als sie gegessen hatte, ging sie, um nicht zu spät abzufahren, sofort in die Badestube ... Siehst du, sie nahm aus Gesundheitsrücksichten Bäder; sie haben dort eine kalte Quelle, und sie badete dort jeden Tag, und als sie ins Wasser stieg, traf sie plötzlich der Schlag!“
„Kein Wunder,“ sagte Sossimoff.
„Und hat er sie stark verprügelt?“
„Das ist aber doch gleichgültig,“ sagte Dunja.
„Hm. Übrigens, was haben Sie für ein Vergnügen, Mama, solch einen Unsinn zu erzählen,“ kam es gereizt und plötzlich von den Lippen Raskolnikoffs.
„Ach, mein Freund, ich wußte nicht mehr, worüber ich sprechen soll,“ sagte Pulcheria Alexandrowna.
„Ja, was ist das, fürchtet ihr mich etwa?“ sagte er mit einem gezwungenen Lächeln.
„Das ist wahr,“ antwortete Dunja und sah den Bruder offen und streng an. „Als Mama die Treppe hinaufging, schlug sie sogar ein Kreuz vor Angst.“
Sein Gesicht verzog sich wie im Krampf.
„Ach, Dunja, was ist mit dir! Sei nicht böse, Rodja, ich bitte dich ... Warum hast du das gesagt, Dunja!“ sagte Pulcheria Alexandrowna verlegen, „das ist wahr, als ich hierherreiste, träumte ich den ganzen Weg, wie wir uns wiedersehen, wie wir einander alles erzählen werden ... und war so glücklich, daß ich die Reise nicht einmal belästigend fand! Ja, was sage ich! Ich bin auch jetzt glücklich ... Du hast unrecht, Dunja ... Ich bin schon allein dadurch glücklich, daß ich dich sehe, Rodja ...“
„Lassen Sie es, Mama,“ murmelte er in Verlegenheit und drückte ihr die Hand ohne sie anzublicken, „wir werden schon Zeit haben uns auszusprechen.“
Nachdem er das gesagt hatte, wurde er wieder verlegen und erbleichte, – wieder durchzog eine kurze schreckliche Empfindung in toter Kälte seine Seele, wieder wurde es ihm plötzlich vollkommen klar, daß er soeben eine furchtbare Lüge gesagt hatte, daß er nie wieder sich aussprechen könne, daß er nie mehr, niemals und mit niemandem, überhaupt sprechen dürfe. Der Eindruck dieses qualvollen Gedankens war so stark, daß er auf einen Moment sich fast vergaß, von seinem Platze aufstand und ohne jemand anzublicken, aus dem Zimmer zu gehen im Begriffe war.
„Was ist dir?“ rief Rasumichin und faßte ihn an der Hand.
Er setzte sich wieder hin und begann sich schweigend umzusehen; alle blickten ihn befremdet an.
„Ja, warum seid ihr alle so langweilig!“ rief er plötzlich, ganz unerwartet. „Sagt doch etwas! Warum sitzen wir so herum! Nun, so redet doch! Wollen wir uns unterhalten ... Sind zusammengekommen und schweigen ... redet doch etwas!“
„Gott sei dank! Ich dachte, mit ihm geschieht irgend etwas wie gestern,“ sagte Pulcheria Alexandrowna und bekreuzigte sich.
„Was ist mit dir, Rodja?“ fragte Awdotja Romanowna mißtrauisch.
„Nichts, ich denke gerade an etwas Komisches,“ antwortete er und lachte plötzlich.
„Nun, wenn es etwas Komisches ist, so ist es gut! Ich dachte beinahe selbst ...“ murmelte Sossimoff und erhob sich vom Sofa. „Ich muß jetzt gehen; ich komme noch einmal her, vielleicht ... wenn ich Sie antreffe ...“ Er verabschiedete sich und ging hinaus.
„Welch ein prächtiger Mensch!“ bemerkte Pulcheria Alexandrowna.
„Ja, er ist prächtig, ausgezeichnet, gebildet, klug ...“ sagte plötzlich Raskolnikoff schnell und mit einer an ihm nicht gewohnten Lebhaftigkeit, „ich erinnere mich nicht, daß ich ihn vor meiner Krankheit getroffen hätte ... und doch ist mir, als hätte ich ihn irgendwo schon getroffen ... Dieser da ist auch ein guter Mensch!“ er wies mit dem Kopfe auf Rasumichin, – „gefällt er dir, Dunja?“ fragte er sie und lachte plötzlich, ohne daß man wußte warum.
„Er gefällt mir sehr,“ antwortete Dunja.
„Pfui, wie ... gemein du bist!“ sagte Rasumichin furchtbar verlegen und errötend und stand vom Stuhle auf.
Pulcheria Alexandrowna lächelte ein wenig und Raskolnikoff lachte laut.
„Wohin willst du denn?“
„Ich muß auch ... gehen.“
„Du mußt gar nicht, bleibe hier! Sossimoff ist fortgegangen und da mußt du auch gehen? Bleib nur. Wieviel Uhr ist es? Ist es schon zwölf? Was du für eine nette Uhr hast, Dunja! Ja, warum schweigt ihr wieder? Bloß ich, ich allein rede die ganze Zeit! ...“
„Die Uhr ist ein Geschenk von Marfa Petrowna,“ antwortete Dunja.
„Und eine sehr teure Uhr,“ fügte Pulcheria Alexandrowna hinzu.
„So–o! Wie groß ist sie, fast keine Damenuhr mehr.“
„Ich habe solche gern,“ sagte Dunja.
„Also, es ist kein Geschenk vom Bräutigam,“ dachte Rasumichin und wurde froh darüber.
„Ich dachte, sie ist ein Geschenk von Luschin,“ bemerkte Raskolnikoff.
„Nein, er hat Dunetschka noch nichts geschenkt.“
„So–o! Erinnern Sie sich noch, Mama, daß ich verliebt war und heiraten wollte,“ sagte er plötzlich und sah die Mutter an, die von der unerwarteten Bemerkung und dem Tone, mit dem er sprach, betroffen war.
„Ach, mein Freund, ja ich erinnere mich!“ Pulcheria Alexandrowna wechselte mit Dunetschka und Rasumichin einen Blick.
„Hm! Ja! Was soll ich Ihnen erzählen? Ich erinnere mich dessen ganz wenig. Sie war ein sehr krankes Mädchen,“ fuhr er fort, anscheinend wieder in Gedanken versunken und mit gesenktem Blicke, „ganz krank war sie; sie liebte Almosen zu geben und träumte immer vom Kloster, und einmal weinte sie arg, als sie mir davon erzählte. Ja, ja ... ich erinnere mich ... ich erinnere mich dessen gut. Sie sah so ... häßlich aus. Ich weiß wirklich nicht, warum ich damals eine Neigung zu ihr faßte, vielleicht weil sie immer krank war ... Wäre sie noch lahm oder buckelig gewesen, ich hätte sie dann, glaube ich, noch mehr geliebt ...“ (er lächelte nachdenklich). „Es war so ... ein Frühlingstraum ...“
„Nein, es war nicht allein ein Frühlingstraum,“ sagte Dunetschka innig.
Er blickte aufmerksam und durchdringend die Schwester an, ohne ihre Worte recht gehört oder gar verstanden zu haben. Dann stand er in tiefem Nachdenken auf, trat an die Mutter heran, küßte sie, kehrte auf seinen Platz zurück und setzte sich wieder.
„Du liebst sie auch jetzt noch!“ sagte Pulcheria Alexandrowna gerührt.
„Sie? Jetzt? Ach ja ... Sie meinen sie! Nein. All das ist jetzt wie aus einer anderen Welt ... und so lange her. Ja und alles, was hier rings um mich geschieht, ist, als geschähe es nicht hier ...“
Er blickte sie aufmerksam an.
„Auch euch ... ich sehe euch, wie tausend Werst weit von hier ... Ja, und zum Teufel, warum sprechen wir darüber! Und warum fragt ihr mich aus?“ fügte er ärgerlich hinzu und verstummte, kaute an den Fingernägeln und wurde von neuem nachdenklich.
„Wie schlecht deine Wohnung ist, Rodja, sie ist wie ein Sarg,“ sagte plötzlich Pulcheria Alexandrowna, das peinliche Schweigen unterbrechend, „ich bin überzeugt, daß zur Hälfte dich diese Wohnung zu einem Melancholiker gemacht hat.“
„Die Wohnung? ...“ antwortete er zerstreut. „Ja, diese Wohnung hat viel dazu beigetragen ... ich habe es auch gedacht ... Wenn Sie aber wüßten, welchen merkwürdigen Gedanken Sie soeben aussprachen,“ fügte er plötzlich hinzu und lächelte eigentümlich.
Noch ein Weniges, und diese Gesellschaft, seine nächsten Verwandten, die er nach dreijähriger Trennung wiedersah, und diese Art von Gesprächen, die kein Thema festzuhalten vermochten, mußten ihm schließlich ganz unerträglich werden. Es gab jedoch noch eine unaufschiebbare Angelegenheit, die heute noch, so oder so, aber unbedingt entschieden werden sollte, – so hatte er vorhin schon, als er erwachte, beschlossen. Jetzt freute er sich darüber, wie über einen Ausweg.
„Höre, Dunja,“ begann er ernst und trocken, „ich bitte selbstverständlich wegen des Gestrigen um Verzeihung, aber ich halte es für meine Pflicht, dich noch einmal zu erinnern, daß ich von meinem Hauptverlangen nicht zurücktrete. Entweder ich oder Luschin. Mag ich ein Schuft sein, du aber darfst es nicht werden. Einer allein. Wenn du Luschin heiratest, höre ich sofort auf, dich als meine Schwester anzusehen.“
„Rodja, Rodja! Das ist doch dasselbe wie gestern,“ rief Pulcheria Alexandrowna kummervoll aus, „und warum nennst du dich immer einen Schuft, ich kann es nicht ertragen! Auch gestern war dasselbe ...“
„Bruder,“ antwortete Dunja fest und ebenso trocken, „in alledem liegt ein Irrtum deinerseits. Ich habe es heute überlegt und den Irrtum gefunden. Die Hauptsache ist, daß du, wie es mir scheint, denkst, ich bringe mich jemandem und um jemandes willen zum Opfer. Das ist nicht richtig. Ich heirate nur meinethalben, weil mir das Leben so zu führen selbst schwer fällt; dann aber will ich auch sicher froh sein, wenn es mir gelingen sollte, meinen Verwandten nützlich zu sein, zu meinem Entschlusse aber ist dies nicht der hauptsächlichste Beweggrund ...“
„Sie lügt!“ dachte er und kaute vor Wut an seinen Nägeln. „Sie ist stolz! Sie will es nicht eingestehen, daß sie Wohltaten erweisen möchte! Oh, diese niedrigen Charaktere! Sie lieben, als haßten sie ... Oh, wie ich sie alle ... hasse!“
„Mit einem Worte, ich heirate Peter Petrowitsch,“ fuhr Dunetschka fort, „weil ich von zwei Übeln das kleinste wähle. Ich habe die Absicht, alles ehrlich zu erfüllen, was er von mir erwartet, also betrüge ich ihn nicht ... Warum lächelst du jetzt?“
Sie errötete und in ihren Augen blitzte der Zorn.
„Du willst alles erfüllen?“ fragte er mit einem giftigen Lächeln.
„Bis zu einer gewissen Grenze. Die Art und die Form des Antrages von Peter Petrowitsch haben mir sofort gezeigt, was er braucht. Er schätzt sich gewiß vielleicht zu hoch ein, aber ich hoffe, daß er auch mich schätzt ... Warum lachst du wieder?“
„Und warum errötest du wieder? Du lügst, Schwester, du lügst bewußt, bloß aus weiblichem Eigensinn, um nur auf deinem Willen vor mir zu bestehen ... Du kannst Luschin nicht achten, – ich habe ihn gesehen und mit ihm gesprochen. Also, verkaufst du dich für Geld und also handelst du in jedem Falle niedrig, und ich freue mich, daß du wenigstens noch erröten kannst!“
„Es ist nicht wahr, ich lüge nicht! ...“ rief Dunetschka, ihre ganze Kaltblütigkeit verlierend, „ich würde ihn nicht heiraten, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß er mich schätzt und auf mich etwas gibt; ich würde ihn nicht heiraten, wenn ich nicht fest überzeugt wäre, daß ich ihn selbst achten kann. Zum Glück kann ich mich davon sicher und heute noch überzeugen. Und solch eine Heirat ist keine Schuftigkeit, wie du sagst! Und wenn du auch recht hättest, wenn ich tatsächlich mich zu einer Schuftigkeit entschlossen hätte, – ist es dann nicht grausam von dir, so mit mir zu sprechen? Warum verlangst du von mir ein Heldentum, das du vielleicht selbst nicht hast? Das ist Despotismus, das ist Gewalttätigkeit! Wenn ich jemand zugrunde richte, doch höchstens mich selbst ... Ich habe noch niemanden getötet ... Warum schaust du mich so an? Warum bist du so bleich geworden? Rodja, was ist dir? Rodja, lieber ...“
„Herrgott! Sie hat ihn bis zur Ohnmacht gebracht!“ – rief Pulcheria Alexandrowna aus.
„Nein, nein ... das ist Unsinn ... es ist nichts! ... Der Kopf schwindelt mir nur ein wenig. Es ist keine Ohnmacht ... Ihr wittert überall Ohnmachten ... Hm! ja ... was wollte ich sagen? Ja, – wie willst du dich heute überzeugen, daß du ihn achten kannst, und daß er dich ... schätzt etwa, wie du sagtest? Du sagtest, schien mir, heute? Oder habe ich mich verhört?“
„Mama, zeigen Sie dem Bruder den Brief von Peter Petrowitsch,“ – sagte Dunetschka.
Pulcheria Alexandrowna reichte ihm mit zitternden Händen den Brief. Er nahm ihn mit großer Neugierde. Ehe er ihn aber öffnete, blickte er plötzlich verwundert Dunetschka an.
„Sonderbar,“ – sagte er langsam, als wäre er durch einen neuen Gedanken überrascht, „warum rege ich mich so auf? Warum dieses ganze Geschrei? Heirate, wen du willst!“
Er sagte es scheinbar für sich selbst, sprach es aber laut aus und blickte eine Weile die Schwester wie verblüfft an.
Er öffnete endlich den Brief, wobei er immer noch den Ausdruck einer seltsamen Verwunderung behielt; dann begann er langsam und aufmerksam zu lesen und las den Brief zweimal. Pulcheria Alexandrowna war in großer Unruhe, auch die anderen erwarteten etwas Besonderes.
„Mich wundert es,“ – begann er nach einigem Nachdenken und gab den Brief der Mutter zurück, wandte sich aber zu keinem einzelnen, – „er führt doch Prozesse, ist Advokat, und seine Weise zu sprechen hat auch so einen ... Anstrich, – aber wie ungebildet er schreibt.“ Alle rührten sich, das hatten sie nicht erwartet.
„Sie schreiben doch alle so,“ – bemerkte Rasumichin kurz.
„Hast du den Brief gelesen?“
„Ja.“
„Wir haben ihn gezeigt, Rodja, wir ... haben vorhin uns beratschlagt,“ – begann Pulcheria Alexandrowna verlegen.
„Es ist eigentlich der Gerichtsstil,“ – unterbrach Rasumichin, – „Gerichtspapiere werden heute noch so geschrieben.“
„Gerichtsstil? Ja, wirklich, Gerichtsstil, Geschäftsstil ... Er ist nicht ganz ungebildet geschrieben und auch nicht sehr literarisch; ein Geschäftsbrief!“
„Peter Petrowitsch verheimlicht auch nicht, daß er wenig gelernt hat, und ist sogar stolz darauf, daß er seinen Weg selbst gemacht hat,“ – bemerkte Awdotja Romanowna, neuerlich durch den Ton des Bruders gekränkt.
„Nun, wenn er stolz darauf ist, hat er auch ein Recht dazu, – ich widerspreche nicht. Du, Schwester, scheinst gekränkt zu sein, daß ich aus dem ganzen Brief nur so eine frivole Schlußfolgerung gezogen habe, und meinst, daß ich absichtlich über solche Kleinigkeiten gesprochen habe, um mich über dich aus Ärger lustig zu machen. Im Gegenteil, mir kam in bezug des Stils ein in diesem Falle nicht ganz überflüssiger Gedanke. In dem Briefe ist ein Ausdruck – ‚woran Sie allein sich die Schuld zuzuschreiben hätten‘, der sehr bedeutungsvoll und klar hingesetzt ist, und außerdem enthält der Brief die Drohung, daß er sofort fortgehen werde, wenn ich hinkomme. Diese Drohung fortzugehen, ist gleichbedeutend der Drohung, euch beide zu verlassen, wenn ihr unfolgsam sein werdet, und gerade jetzt zu verlassen, wo er euch nach Petersburg gebracht hat. Nun, was meinst du, – kann man durch solch einen Ausdruck seitens Luschins ebenso gekränkt sein, wie wenn er es geschrieben hätte“ – (er zeigte auf Rasumichin) – „oder Sossimoff oder einer von uns?“
„N–nein,“ – antwortete Dunetschka, – „ich habe sehr gut verstanden, daß es zu naiv ausgedrückt ist, und daß er vielleicht bloß nicht versteht zu schreiben ... Das hast du gut beurteilt, Bruder. Ich habe das nicht mal erwartet ...“
„Das ist in Gerichtssprache ausgedrückt und im Gerichtsstil kann man es anders nicht schreiben, und es ist gröber herausgekommen, als er vielleicht wollte. Übrigens, ich muß dich ein wenig enttäuschen, – in diesem Briefe gibt es noch eine Äußerung, eine Verleumdung in bezug auf mich, und eine ziemlich gemeine. Ich habe das Geld gestern der Witwe, einer schwindsüchtigen und niedergeschmetterten Frau, gegeben, und nicht unter dem Vorwande, die Beerdigungskosten zu tragen, sondern einfach zur Beerdigung, auch nicht der Tochter, – einem Mädchen, wie er schreibt, ‚von verrufenem Lebenswandel‘ – und die ich gestern zum ersten Male in meinem Leben gesehen habe, sondern tatsächlich der Witwe. In diesem allen sehe ich den zu eiligen Wunsch, mich mit Schmutz zu bewerfen und mit euch zu verzwisten. Es ist wiederum in der Gerichtssprache ausgedrückt, das heißt mit einer zu deutlichen Klarlegung des Zweckes und einer sehr naiven Eile. Er ist ein kluger Mann, aber um klug zu handeln genügt nicht, nur Verstand zu haben. Dies alles zeigt den Menschen und ... ich glaube nicht, daß er dich hochschätzt. Ich teile es dir nur zur Belehrung mit, denn ich wünsche aufrichtig dein Gutes ...“
Dunetschka antwortete nicht; ihr Entschluß war schon vorhin gefaßt, sie erwartete bloß den Abend.
„Wie entschließt du dich denn, Rodja?“ – fragte Pulcheria Alexandrowna, noch mehr beunruhigt als vorhin, durch den plötzlichen, neuen, geschäftlichen Ton seiner Rede.
„Was heißt – entschließest du dich?“ –
„Peter Petrowitsch schreibt doch, daß du heute abend nicht bei uns sein sollst, und daß er fortgehen werde ... wenn du doch kommen solltest. Also, wie ... wirst du kommen?“
„Die Entscheidung hierüber kommt doch selbstverständlich nicht mir, sondern erstens Ihnen zu, wenn Sie dieses Verlangen von Peter Petrowitsch nicht kränkt, und zweitens Dunja, wenn sie sich auch nicht gekränkt fühlt. Und ich will handeln, wie es für sie am besten ist,“ – fügte er trocken hinzu.
„Dunetschka hat schon beschlossen, und ich bin mit ihr völlig einverstanden,“ – beeilte sich Pulcheria Alexandrowna zu bemerken.
„Ich habe beschlossen, dich, Rodja, zu bitten, eindringlich zu bitten, unbedingt bei dieser Zusammenkunft zugegen zu sein,“ – sagte Dunja, – „willst du kommen?“
„Ich will kommen.“
„Auch Sie bitte ich, bei uns um acht Uhr zu sein,“ – wandte sie sich an Rasumichin, – „Mama, ich fordere ihn auch auf.“
„Sehr gut, Dunetschka. Nun, wie ihr beschlossen habt, möge es bleiben,“ – fügte Pulcheria Alexandrowna hinzu. – „Und für mich ist es auch leichter; ich liebe nicht, mich zu verstellen und zu lügen; besser wollen wir die ganze Wahrheit sagen ... Mag Peter Petrowitsch jetzt böse sein oder nicht!“