Charakteristik Pjotr Werchowenskis
„Eigentlich geht mich ja weder das Volk noch die Kenntnis desselben etwas an. Ich weiß nur, daß man das Volk jetzt zu einem Aufstand bringen kann, und das ist alles, worauf es ankommt.“
Wenn er vom Volk spricht, bekundet er plötzlich in einem Punkt eine himmelschreiende und ganz sonderbare Unwissenheit und Ahnungslosigkeit (eine unbedingt so sonderbare, daß die Ungeheuerlichkeit sofort in die Augen springt.) Unter Gelächter wird er überführt, werden seine Behauptungen widerlegt; aber bemerkenswert ist, daß ihn das nicht im geringsten verwirrt, weder wankt er, noch ist er pikiert, ja er fühlt sich nicht einmal in seiner Eigenliebe verletzt. Unglaublich kaltblütig und nachlässig nimmt er es hin:
„Vielleicht ist es auch so,“ sagt er, „aber das ist doch ganz einerlei, nicht darauf kommt es an, sondern darauf, daß man jetzt einen Aufstand machen kann, und so will ich ihn denn jetzt machen.“
Man antwortet ihm, daß auch ein Aufruhr ihm bestimmt nicht gelingen wird, wenn er nicht das Volk kennt, und daß die Proklamation eine Absurdität ist.
„Das ist Unsinn,“ antwortet er, „laßt mich nur eine Viertelstunde ohne Zensur mit dem Volke sprechen, und es wird mir sofort folgen.“
Man versichert ihm, daß das Volk weit fester sitze, er aber sagt: „Na, das ist erst recht Unsinn!“ und weist auf die Tatsachen hin – Räuberhorden, Brandstiftungen, von Sohn[75] –. „Und ihr seht es ja selbst ein, daß das eine unentschiedene Sache ist, da ihr jetzt selbst verstummt und nichts mehr zu sagen wißt. (Auf die goldene Urkunde[76] hin ging doch das Volk, warum soll es auf die Proklamationen hin nicht gehen?“)
Ist mitunter ganz entsetzlich unwissend. Den ernsten Einwendungen seines Vaters (z. B., daß nicht die ganze Natur des Menschen bekannt ist und der Verstand nur 1/20 des ganzen Menschen ausmacht) schenkt er überhaupt keine Beachtung und will und versucht auch nicht einmal, ihm zu entgegnen, gibt sogar offen zu, daß er das nicht weiß, aber: „nicht darauf kommt es an“.
Ist in seiner Unwissenheit vollkommen ruhig.
Die Rede seines Vaters bei der Fürstin hat er nicht einmal gehört.
Und dabei schlägt er den Vater doch vollkommen. („Mit ihm kann man nicht streiten,“ sagt der Vater.)
Die Streitfragen der Slawophilen und Westler sind ihm nicht einmal annähernd bekannt, er hat nur gehört, daß es so etwas wie Slawophile und Westler gibt, aber: „alles das ist Unsinn“ und „nicht darum handelt es sich.“
Schreibt sogar unorthographisch.