Fußnoten

[1] Ein nicht wiederzugebendes Wortspiel, denn für „Schwester“ und „Cousine“ gilt im Russischen ein Wort.

[2] Ein Gericht aus Graupen oder Reis mit Honig und Rosinen, welches bei einer Totenfeier zum Einsegnen in die Kirche gebracht und später gegessen wird.

[3] Kosename für „Martha“.

[4] Der Fünfer ist eine große russische Kupfermünze. Der abgeflachte Rüssel des Schweines erinnert daran; daher der Vergleich.

[5] Bedeutet, daß in dem betr. Hause ein Mädchen lebt, das noch zu haben ist. Im Bilde: die Männer sollen am Teer kleben bleiben.

[6] Ein russischer Mädchenname.

[7] Russisches Nationalkostüm.

[8] Russische Nationaltracht.

[9] Null ist die schlechteste Note, fünf die beste.

[10] Es ist in Rußland Sitte, Bekannten, die in eine neue Wohnung gezogen sind, ein Gastgeschenk zu machen.

[11] Entspricht dem deutschen Doktortitel.

[12] Russischer Nationaltanz; wird in sitzender Stellung getanzt, — die Beine werden vorgeworfen.

[13] Ein kleines, hölzernes Schöpfgefäß; wird in russischen Badstuben gebraucht, ebenso der Birkenquast.

[14] Säuerliches Getränk aus Schwarzbrot mit Malz.

Im gleichen Verlage erschien:

M. Artzibaschew

Ssanin

Roman

Einzig autorisierte deutsche Übersetzung von
André Villard und S. Bugow

— 8. Auflage —

Geh. Mk. 5.—, geb. Mk. 6.50

Dieser Roman, der in Rußland eine sexuelle Revolution auslöste und bei Erscheinen der 2. Auflage wegen seiner beispiellosen Wirkungen konfisziert wurde, erregte auch in Deutschland gewaltiges Aufsehen. Fast einstimmig erkannte die deutsche Presse, und darunter namhafte Kritiker, den literarischen Wert und die außerordentlich hohe kulturgeschichtliche Bedeutung des Werkes an.

Kurt Aram schrieb in der „Frankfurter Ztg.“:

„Es wirkt fast wie tragische Ironie, daß dem Prediger der Kreutzersonate gerade in diesen Tagen dieser Gegner erwuchs, dessen „Ssanin“ die schärfste Reaktion gegen Tolstois Weltanschauung bedeutet. Gleich sind beide nur in ihrer leidenschaftlichen Einseitigkeit. Verdammt Tolstoi den Geschlechtsgenuß und rückt er um seinetwillen sogar der Ehe zu Leibe, so bedeutet für den jungen Ssanin der Geschlechtsgenuß das einzige, um dessentwillen zu leben sich lohnt. Darüber wird in unserem Roman sehr viel disputiert, und zwar durchaus nicht in frivoler Weise, sondern mit fast fanatischem, echt russischem Ernst. ... ein Buch von guter literarischer Qualität, dessen größter Wert jedoch sicherlich darin besteht, ein wichtiges Dokument zum Verständnis für den völligen Umschwung im Leben, Fühlen und Handeln der russischen Intelligenz abzugeben.“

Willy Rath urteilt im „Kunstwart“:

„Es zeigt sich, daß „Ssanin“ bestimmt keine Pornographie enthält, daß das Sexuelle darin nicht einmal gedanklich die Alleinherrschaft übt, sondern eine weitere, ganz geistige Anschauung den Ursprung bildet. Freilich bringt diese es mit sich, daß auch die Frage der Geschlechtsliebe höchst rücksichtslos erörtert und verwegen beantwortet wird; das Buch ist nur reifen Menschen in die Hand zu geben.“

Robert Saudek sagt in einem „Eine neue Kreutzersonate“ überschriebenen Feuilleton:

Seit Tolstois Kreutzersonate hat kein belletristisches Werk in Rußland eine ähnliche Wirkung ausgeübt. Bei der Lektüre dieses Buches, bei seiner Schilderung der Frauen hat man das Gefühl, als ob man am ersten Frühlingstag nach einem düstern Winter auf die Straße träte.“

Der Kritiker der „Berliner Morgenpost“ schrieb:

„Artzibaschew gehört seit seinem Ssanin zu den Dichtern, deren Name unumgänglich mit der Geschichte ihrer Zeit verknüpft ist. Selbst wenn er nicht durch seine künstlerischen Qualitäten zu einer der wichtigsten Erscheinungen in der modernen Literatur Rußlands geworden wäre, hätten ihm doch kulturhistorische Gründe bleibende Bedeutung gegeben. Man wird die gegenwärtige Epoche, also die, welche die revolutionäre ablöste, psychologisch und sozialistisch nicht beurteilen können, ohne den Ssanin als ihren charakteristischen Niederschlag in den Mittelpunkt der Betrachtung zu ziehen ... Die Personen und Charaktere gehen weit über das Einzelinteresse hinaus: sie stellen Menschheitstypen dar, deren äußere Charakterformen sich in jeweiligen Epochen anders spiegeln mögen, deren innere Wahrhaftigkeit und Treue aber unvergänglich bleiben wird ... Ssanin ist sicher für sein Land zu einem der revolutionärsten Werke der Weltliteratur geworden.“

Ferner erschien im gleichen Verlage:

M. Artzibaschew

Millionen
und andere Novellen

Einzig autorisierte deutsche Übertragung von
André Villard und S. Bugow

— 3. Auflage —

Geh. Mk. 5.—, geb. Mk. 6.50

Schon vor Erscheinen des „Ssanin“ trat Artzibaschew durch seine Novellen an die Spitze der jungrussischen Literatur. Er war der erste, der rein erotische Probleme zum Ausgangspunkt seines dichterischen Schaffens nahm. Mit tiefem psychologischen Verständnis zergliedert er die geistige Entwicklung der modernen Russen und baut dann auf der Grundlage seiner seelischen Analysen seine starke überschäumende Handlung auf. Prächtige Arbeiten dieser Art sind die beiden Novellen dieses Bandes: „Millionen“ und „Der Tod des Iwan Lande“. Mit gleichem Beifall wie Ssanin wurde dieser Novellenband aufgenommen, ja es mag Artzibaschews Künstlertum in diesen Erzählungen einen noch gesteigerten Ausdruck gefunden haben.

Ludwig Bauer schrieb u. a. in einer sehr anerkennenden Besprechung in den „Münchener Neuesten Nachrichten“: „Die erste Erzählung schildert uns die Leiden des Millionärs Mishujew, die zweite jene des Iwan Lande, eines wahren Christen, der an die Menschen glaubt. Diese beiden Seelen werden vor uns mit so behutsamer Hand ausgebreitet, wie nur Dichterhände es vermögen ... Die beiden Erzählungen könnten literarisch Anlaß zu noch manchem Tadel geben. Aber — was ist Literatur? Hier ist Besseres: Seele.“

Druck von Mänicke u. Jahn, Rudolstadt.

Anmerkungen zur Transkription

Fußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt.

Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Offensichtliche Fehler wurden stillscheigend korrigert. Weitere Änderungen, teilweise unter Zuhilfenahme des russischen Originaltextes, sind hier aufgeführt (vorher/nachher):