ZU ABTEILUNG II.

(Arabische Pflanzennamen aus der Flora von Jemen nach Peter Forskål.)

In den Ländern arabischer Zunge hat nie ein reisender Forscher so viel zur Bereicherung der arabischen Nomenklatur der Pflanzenwelt beigetragen wie der Kopenhagener Professor Peter Forskål, der nach gründlichen Forschungen in Aegypten eine ausgedehnte Reise durch Jemen machte, dort aber zu Jerim am 11. Juli 1768 infolge klimatischer Einflüsse seinen leider nur allzufrühen Tod fand. 758 arabische Namen, die sich auf 475 verschiedene Pflanzenarten beziehen, finden sich in den zwei Aufzählungen verzeichnet, die das von Carsten Niebuhr mit bewundernswerter Sorgfalt nach den von Forskål hinterlassenen Papieren redigierten Werk „Flora aegyptiaco-arabica“ (Havniae 1775) enthält.

Bei der wenig übersichtlichen Anordnung des Forskål’schen Werks, das noch dazu eines alphabetisch geordneten Registers entbehrt, war es nicht nur für den Botaniker mit erheblicher Mühe und mit Zeitaufwand verknüpft, bestimmte Pflanzennamen ausfindig zu machen. In höherem Grade mußte das der Fall sein, wenn ein Sprachforscher sich unter den 758 arabischen Pflanzennamen orientieren wollte, die allein für die Flora von Jemen Geltung haben.

Ich habe daher zum ersten Male[7] eine übersichtliche Zusammenstellung der botanischen Namen mit ihren arabischen Aequivalenten hergestellt. Zum Nutzen der Pflanzenkunde ist hier auch zum ersten Male eine, soweit es mir möglich war vollständige Richtigstellung der von Forskål für die Flora von Jemen aufgeführten botanischen Namen (zwar nur der mit arabischen Namen versehenen) hergestellt, nach dem Stande der jetzigen systematischen Nomenklatur.

Die von mir 1888-89 unternommene Reise verfolgte diesen Zweck als eine ihrer Hauptaufgaben.

Zum leichteren Auffinden der botanischen Pflanzennamen war eine Einschaltung von Synonymen unerläßlich. Die endgültige Festsetzung der für die Flora von Jenem zweckmäßigen Nomenklatur hat indes noch nicht zu einem befriedigenden Abschluß gebracht werden können.

Die von Forskål für das Vorkommen der verzeichneten Pflanzenarten angegebenen Örtlichkeiten und pflanzengeographischen Bezirke, wo für die nämliche Art oft verschieden lautende Namen erkundet wurden, sind in meinen Listen unerwähnt gelassen, statt dessen ist jedem Namen die betreffende Seitenzahl des Forskål’schen Werks beigefügt, wodurch ein leichtes Auffinden der geographischen Angaben ermöglicht ist.

In Bezug auf den nach den arabischen Namen alphabetisch angeordneten Teil A der Abteilung II sei bemerkt, daß bei den von Forskål ohne Beifügung der arabischen Schrift aufgeführten Namen ihre mit dem angenommenen Alphabet der Umschreibung in Einklang gebrachte Wiedergabe in der ersten Spalte nicht in jedem Falle einwandfrei sein dürfte, da Forskål die arabischen Laute nicht immer in folgerichtiger Weise umschrieben hat. Dr. E. Harder hat sich der Mühe unterzogen überall eine möglichste Übereinstimmung zwischen beiden Schreibweisen herzustellen. Was die Betonung der Silben betrifft, so ist ihre von Forskål meist unterlassene Kenntlichmachung bereits erwähnt worden. In diesem Punkte unterscheidet sich demnach die Abteilung II von den übrigen.

Es ist schon vorhin darauf hingewiesen worden, und ich komme geflissentlich nochmals auf diesen Umstand zurück, daß in Ländern, wo der Gegensatz zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung sich weit stärker ausprägt als im europäischen Norden, die Pflanzennamen oft nur den Dialektsprechenden und im vorliegenden fast ausschließlich den Analphabeten geläufig sind, die Gebildeten aber nur über eine armselige Zahl von pflanzlichen Ausdrücken verfügen. Das hat denn auch mittelbar zu dem ungerechten Vorwurf der Unzuverlässigkeit Veranlassung gegeben, den einige Sprachforscher[8] gegen Forskål und die von ihm in Aegypten und in Jemen aufgezeichneten Pflanzennamen erhoben. Es war eine fast als naiv zu bezeichnende Vorstellung, diese Namen wie allgemein gültige, d.h. bei den Schriftkundigen aller arabischen und arabisierten Völker gebräuchliche Bestandteile der arabischen Schriftsprache bewertet wissen und in den Wörterbüchern auffinden zu wollen.

Bald nach der Entdeckung von Amerika traten unter den Humanisten Zweifler auf, die das Vorhandensein eines Neulandes in verhältnismäßig geringem Abstand von Europa in Abrede stellten, mit der einfachen Begründung, daß seiner in den Schriften der Alten mit keiner Silbe gedacht sei.