ZU ABTEILUNG III.
(Arabische Pflanzennamen aus der Flora von Jemen nach G. Schweinfurth.)
Die von mir auf meiner „in memoriam divi Forskalii“ ausgeführten Reise in Jemen notierten Pflanzennamen habe ich absichtlich für sich und unvermengt mit den Forskål’schen zusammengestellt, damit beim Vergleichen der beiden manchmal zwar in denselben Distrikten, aber doch in einem so großen Zeitabstand voneinander gemachten Aufzeichnungen die Verwirrung vermieden werde, die immer entsteht, wenn die gleichen Namen mit veränderter Bezugnahme auf botanisch definierte Arten sich in den Listen wiederholen. Meine Aufzeichnungen können gewissermaßen zur Kontrolle der Forskål’schen dienen, war ich doch nach 120 Jahren der erste Botaniker, der es sich in Jemen besonders angelegen sein ließ, überall die einheimischen Namen der Gewächse zu erfragen. Denn mein geehrter Freund A. Deflers, der im Jahr vorher (März-September 1887) eine sehr ausgedehnte und alle Landesteile berührende Reise ausführte, hat sich ungeachtet seiner sonstigen Erfolge mit dieser Aufgabe wenig befaßt.
Die Übereinstimmung, die sich beim Vergleich zwischen beiden Aufzählungen für so viele Namen ergibt, bezeugt ihre Zuverlässigkeit sowie die sonst wohl auch kaum bezweifelbare Sicherheit des botanischen Begriffs und die Dauerbeständigkeit der jemenischen Pflanzennamen. Abweichungen müssen aus dem Umstande erklärlich sein, daß Forskål’s Itinerar nur im Bereich des Westabfalls des Berglandes die von mir besuchten Stätten berührte, andere Landesteile aber, namentlich die südlichen (Mocha, T'aēs, Ibb) nach Forskål, wenn man von nicht botanischen Reisenden absieht, allein nur, und auch nur teilweise, von Botta und Deflers besucht worden sind.
Meine Jemen-Liste umfaßt 735 Pflanzennamen, die für 463 verschiedene Arten Geltung haben. Meine Gewährsmänner waren wiederholt (namentlich am Gebel Bura und am Gebel Melhan) Kräutersammler von Profession, die Arten und Gattungen wohl auseinander zu halten wußten. Auf den Wochenmärkten des Berglandes sind immer mehrere Verkaufsstände mit Blumen (zum Schmuck der Männer!) und aromatischen Kräutern anzutreffen, die nicht nur aus den Gärten entnommen, sondern auch auf den höchsten Bergen eigens eingesammelt werden. In anderen Fällen habe ich mich an die auf Äckern und in Pflanzungen angetroffenen Landleute gehalten. Statt die zahlreichen Gewährsmänner, stets echte Jemener, die mir oft unter Bekundung von eigenem Interesse und vielem Verständnis zu Gebote standen, mit Namen aufzuführen, habe ich, um die Herkunft der Namengebung zu belegen, nur die Hauptstationen meiner viermonatlichen Reise (1888 bis 89) bei jedem Namen angegeben. Einige an der arabischen Südküste bei Schugra und el-Hhami 1881 verzeichnete wichtige Pflanzennamen habe ich dem Verzeichnisse beigefügt.
Über die Eigentümlichkeiten der Aussprache des Jemendialekts bin ich außerstande philologisch verwertbare Angaben zu machen, ich muß aber hervorheben, daß im Munde der Bewohner des Berglandes von Jemen das arabische gim ج überall wie ein gequetschtes g (gj) klingt.