ZU ABTEILUNG V.
(Arabische Pflanzennamen aus der Flora von Nordost-Algerien, nach G. Schweinfurth.)
Bei Herstellung dieser Aufzählung bin ich durch Herrn Edmond Gouvion in Bona, gewesenem Regierungsdolmetsch und im Lande geboren, wesentlich unterstützt worden. Herr Gouvion, der von Jugend auf mit allen Feinheiten der Aussprache und Sprechweise der algerischen Araber vertraut ist, hatte die Güte nach meinen Aufzeichnungen, meist auch an Ort und Stelle bei gemeinschaftlichen Ausflügen in der Umgegend von Bona, die Araber auszufragen, von denen mir die Pflanzennamen mitgeteilt worden waren, und diese alsdann mit den entsprechenden Lautwerten der arabischen Schrift aufzuschreiben. Für die arabischen Schriftproben dieser Abteilung kann daher Anspruch auf größtmögliche Genauigkeit erhoben werden. Es geschah leider nur bei Bona, während die von mir bei La Calle und im Berglande von Constantine bei Hhammam-Meskutīn verzeichneten Namen von mir nach dem Gehör wiedergegeben worden sind.
In Bona (1910) verdankte ich die meisten Namen einer sehr intelligenten arabischen Kräutersammlerin namens Scherīfa-ben-Mohhammed-el-Scherfe (شريفه بن حمد الشرفه؟), die auch der Kabylensprache mächtig, sehr wohl zwischen den Bezeichnungen verschiedener Herkunft zu unterscheiden wußte. Auch ein alter Krumirer namens Sussan (زوسان؟) war mir behülflich bei den Landleuten richtige Namen zu eruieren.
In La Calle (1908) gaben mir arabische Rinderhirten, die am Lac Oubira ihre Herden weideten, Auskunft, ferner ein arabischer Landwirt namens Ghāssem von der Ferme 'Amraui, dann ein arabischer Landmann 'Abdallah-ben-Beschīr, schließlich auch Kräutersammler, die in Körben große Mengen der Erythraea Centaurium zusammenbrachten, eine Pflanze, die als Fiebermittel frisch auf dem Markt von Marseille feilgeboten wird.
In Hhammam-Meskutīn und bei Roknia (1910) gaben mir verschiedene arabische Landleute Bescheid, vor allen Haïdscha-'Ammar-bel-Hhammed, vom Stamme der Bettam, und ein Arbeiter namens Isma'ïn.
Für ein Gebiet von der Ausdehnung Algeriens, von dessen Flora zurzeit über 3300 Arten phanerogamer Gewächse bekannt sind, bedeuten die in den Abteilungen IV und V aufgezählten Namen nicht vielmehr als eine Stichprobe und sie können natürlich nur einen kleinen Bruchteil ausmachen von der großen Zahl der im Lande gebräuchlichen Pflanzenbezeichnungen. Die Abt. V enthält 275 arabische Namen, die sich auf 212 botanische Pflanzennamen verteilen. Hierbei muß auf eine wenig verbreitete und wenig bekannte 127 Druckseiten in Quart umfassende Veröffentlichung hingewiesen werden, die als „Table alphabétique des noms arabes des principaux végétaux des Hauts plateaux et du Sahara Algériens“, dem großen von Turlin, Flamand und Accardo unter dem Titel „Pays du Mouton“ herausgegebenen Sammelwerke (Alger, publié par le Gouvernement général de l’Algérie, Imprimerie Giralt 1893) über das Hochland von Süd-Oran beigegeben ist und das weit über 1000 arabische Pflanzennamen in arabischer Schrift (untermischt mit einer größeren Anzahl von Berber-Namen) enthält, stets mit Angabe der ihnen zukommenden botanischen Artbezeichnung und der nach der Phonetik des französischen Alphabets wiedergegebenen Umschreibung.
Zusammengestellt wurde diese umfangreiche Namenliste vornehmlich nach dem gleichfalls wenig bekannten „Vocabulaire des noms synonymiques de A. Meyer, interprète militaire“ und nach den von M. Letourneux publizierten Namen. Es sind dort auch die in der Flore de l’Algérie von Battandier und Trabut enthaltenen Namen aufgenommen worden. Die Benutzbarkeit dieser umfangreichen Aufzählung wird dadurch erschwert, daß nur die umschriebenen arabischen (bezw. Berber-) Namen nach dem Alphabet geordnet sind, nicht die botanischen Speziesnamen. Fachmänner beklagen die Unzuverlässigkeit der Schreibung sowohl der mit arabischer Schrift gegebenen als auch der transkribierten Namen. Viele Namen sind in dieser „Table alphabétique“ offenbar nach solchen Aufzeichnungen eingetragen worden, die bei ihrer Zusammenstellung nur in ungenau oder falsch mit lateinischen Lettern umschriebener Form vorlagen. Nicht nur sind oft ganz falsche französische Formen getreu ins Arabische zurücktranskribiert, sondern auch viele Formen angegeben, die auf falscher Lesung eines arabischen Worts beruhen.
Eine nicht minder umfangreiche Zusammenstellung von über 1200 arabischen Namen (inkl. Varianten), die für 740 Pflanzenspezies Geltung haben, hat der Sahara-Forscher F. Foureau in seinem „Essai de catalogue des noms arabes et berbères des quelques plantes, arbustes et arbres algériens et sahariens ou introduits et cultivés en Algérie“ (Paris 1896) auf 48 Quartseiten gegeben. Alle Namen sind aber ausschließlich in französischer, nicht immer konsequenter Transkription aufgeführt und man vermißt zum Auffinden der Pflanzen schmerzlichst eine alphabetisch angeordnete Wiederholung der botanischen Speziesnamen. Ferner sind in desselben Autors großem Expeditionswerk „Documents scientifiques de la mission Saharienne“ (Paris 1905) gleichfalls nur in transkribierter Gestalt eine Anzahl von arabischen Pflanzennamen aufgezählt.