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PAHNSTANGEN. Reuß ä. L. LA Greiz.
Dorf-K. Die Anlage ganz rom. erhalten; der Turm, wie in diesem Gebiet die Regel, über dem Altar.
PANNEWITZ. K. Sachsen AH Bautzen.
Rittergut 18. Jh., bmkw. geschickte und reizvolle Gruppierung der Wohn- und Wirtschaftsräume.
PAULINZELLA. Schwarzb.-Rudolst. LA Rudolstadt.
Benedikt.-Klst.-K. Im Bauernkriege 1525 beschädigt, bald darauf verlassen und nach Blitzschlag im 17. Jh. verfallen und zum Teil abgebrochen. Dank der Wetterfestigkeit des Materials haben sich in den aufrecht gebliebenen Teilen die Formen gut erhalten und lassen eine der stilkräftigsten Schöpfungen der mittelromanischen Epoche erkennen; Ruinenschönheit und Lieblichkeit der Lage in einem heimlichen Waldtal vereinigen sich zu einem Eindruck von hohem Reiz. — Gegr. vor 1109. Der bestehende Bau beg. 1112 von den aus Hirsau kommenden Mönchen. Bei der Weihe 1132 mindestens die Mönchskirche (Chor, Querschiff und Anfang des Lhs.) vollendet. Das Lhs. wahrscheinlich nach längerer Pause vollendet etwa 1160-70. Die Vorkirche etwa E. 12. bis A. 13. Jh. — Die Anlage nach dem »Hirsauer«, d. i. aus dem burgundischen Cluny herübergenommenen Bauschema: lateinisches Kreuz, zu Seiten des Chorquadrums parallele Nebenchöre in gleicher Breite mit den Sschiffen des Lhs., Schluß in 3 parallelen halbrunden Apsiden, 2 weitere an der OSeite der Qschiffsflügel, die ihretwegen etwas überhöhtes Quadrat haben. Das Lhs. (Br. : L. = 1 : 2) in 8 Arkaden. Das erste Stützenpaar Pfll., die folgenden Sll. Über dem Pfeilerjoch, im Winkel des Lhs. zum Querhaus waren Türme vorbereitet, sind aber nie ausgeführt worden. Dies alles Hirsauer Merkmale. Dazu als Negatives die Abwesenheit von Krypta und WChor, welche beiden einer sächs.-thüringischen Klst.-K. dieser Zeit nicht hätten fehlen dürfen. An Stelle des WChors Vorhof mit 2 Fronttürmen. Ein wichtiges Novum der Aufbau als reine Säulenbasilika (bisher nur einmal vorgekommen, in der Moritz-K. bei Hildesheim, auch hier unter süddeutschem Einfluß). Die Ostteile sind ganz zerstört, konnten [pg 323] aber durch, Ausgrabung im Gr. festgestellt werden. Die Würfelknaufsäulen des Lhs. gehören in der strengen Eleganz ihrer Proportionen und der ausdrucksvollen Schärfe der Linienführung zu den schönsten der ganzen Stilperiode. Spezifisch hirsauische Einzelheiten: die Eckzähne der Kapitelle, die von jedem Kapitell senkrecht zum Arkadengesims aufsteigenden und mit diesen gleichartig profilierten Leisten, die Umrahmung der kleinen Tür am nördl. Qsch. durch Herumführung des Sockelprofiles. Besonderes Interesse nimmt das großartige Hauptportal in Anspruch. Es ist im sächs.thüringischen Gebiet das erste große Sll.-Portal; je 4 schlanke Sll. freistehend vor den Rücksprüngen, die Bogenläufe in straffer, die Gegensätze von Licht und Schatten vorzüglich wahrnehmender Profilierung. Dies Portal ist mit der WWand gleichzeitig entstanden, nach rundem Rechnungsergebnis ca. 1160-70. Über dem Mauermassiv des Portals eine Empore (ausgesparte Wendeltreppe). Die mit der Wand bündigen Pfeiler zu Seiten des Portals lassen vermuten, daß im ersten Projekt ein offener Vorhof mit seitlichen Bogengängen beabsichtigt war. Die spätere Ausführung hat daraus eine basilikale Vorkirche gemacht. Ihre Pfll. in der spezifisch thüringischen Gliederung (vgl. Talbürgeln und Petersberg b. Erfurt). — Von den Klst.-Gebäuden erhalten ein kleiner rom. Steinbau mit Arkadenfenstern und einige (im Stall des Gasthauses eingebaute) Skulpturreste. Großes Wasserbecken aus der Tonsur. — Stattlicher Fachwerkbau, jetzt Oberförsterei.
PEGAU. K. Sachsen AH Borna.
Laurentius-K. Von der 1190 gegr. rom. K. hat sich der schmucklose, zweitürmige WBau erhalten; übrigens im 15., 16. und 19. Jh. erneuert. — Sakramentshäuschen um 1463, im Stil der Rochlitzer Kunigunden-K. — Grabmal des Grafen Wiprecht v. Groitzsch aus der abgetragenen Klst.-K., eines der schönsten aus dem 13. Jh. erhaltenen. Genauere Entstehungszeit schwer festzustellen, etwa zwischen 1240-1260. Wiprecht lebte im 11. Jh., also Idealporträt. Die 1,85 lange Gestalt ist stehend gedacht, trotz des Kissens unter dem Haupt; in der Rechten die Fahne, deren Tuch sich über das Kissen legt, in der Linken der wappenlose, nur mit Rankenornament gezierte Schild; blauer, mit Edelsteinen (durch Glasfüsse dargestellt) besetzter Leibrock, roter pelzgefütterter Mantel, Vollbart und kurzes Lockenhaar. Material: Sandstein mit Bemalungsresten. — Bibliothek mit bmkw. Handschriften und frühen Drucken.
Rathaus, erbaut 1559 nach den Plänen von Hieronymus Lotter, die Anlage ähnlich dessen Leipziger Rathaus.
PEGNITZ. OFranken BAmtsstadt.
Stadt-K. Stillos, jedoch »an Kanzel und Altar bemerkenswerte Schnitzereien.«
PEISSEN. Pr. Sachsen Saalkreis.
Dorf-K. mit einzelnen rom. Kunstformen; rom. Taufstein.
PENIG. K. Sachsen AH Rochlitz.
Bergkirche. Beg. vor 1499, gew. 1515. Große (15 : 41 m) 1sch. Anlage mit 7seit. Schluß. Die Gewölbe nicht ausgeführt; beabsichtigt war eine Halle mit sehr schmalen Sschiffen und vielleicht auch massiver Empore ähnlich Schneeberg. An der NSeite geräumige Kapelle 1306 und massiger, mit der K. nicht in Verband ausgeführter Turm. — Großer und prächtiger Steinaltar 1564 von Christoph Walther (gest. von Wolf v. Schönburg), Architektur in korrekter ital. HochRenss., große Menge von Alabasterreliefs, protestantisches Programm, viel Farbe, besonders Blau und Gold. — Holzkruzifix mit alabasterner Marienfigur 1660. — Taufstein 1609 vom Meister von Seyda (Ulrich Eckhardt) Kanzel 1607 von Nik. Schwarz. Hinter dem Altar Sandsteinepitaph Pistoris 1582, wohl aus der Werkstatt der Lorenz zu Freiberg. Ikon. Grabstein eines Altaristen 1517. Über der Sakristeitür Bronzeplatte 1530. Bmkw. Lutherbildnis von 1521 (Cranach?). Reliefbildnis Luthers aus Papierteig, vielleicht nach der Form Alberts v. Soest. — Die Kapelle der NSeite enthielt früher Begräbnisse der Burggrafen von Leisnig, jetzt der von Schönburg. Schönes Leichenschild des letzten Leisnigers † 1538. Sandsteinepitaph Ph. v. Hassenstein † 1557. Sandsteinplatte der Gräfin Agnes mit deren Relieffigur und den Wappen von Leisnig und Mansfeld. Großes Renss.Epitaph für Hans Ernst von Schönburg † 1586, bez. Samuel Lorentz. Epitaph Ch. H. v. Sch. 1607 bez. Uriel Lorentz. Beschädigte Sandsteinfig. des sitzenden Christkindes, (von einer Madonnenstatue) E. 12. Jh. Altarwerk 1510. Interessante Prozessionsfahnen. Auf dem Kirchhof Erbbegräbnisse der Bar.Zeit mit schönen Eisengittern.
Rathaus 1546, das 3teilige Portal im Charakter des Dresdener Georgenbaues.
Vorstadtkirche Altpenig. Rom. Anlage. Erhalten die Apsis und ein schönes Portal, E. 12. Jh.
PETERSBERG B. ERFURT. Prov. Sachsen.
Benediktiner-Klst.-K. Brände der älteren K. 1069, 1080, Neubau der bestehenden beg. unter Leitung des Laienbruders [pg 325] Ditmar 1103, als ältester Bau der »Hirsauer Schule« in Thüringen. Weihung der östl. Teile 1109, Brandschaden 1142, Weihung zweier Altäre im Chor 1143, Schlußweihe 1147. Zu erwägen wäre, ob nicht der Brand 1142 sehr umfassende Veränderungen nach sich gezogen habe; alle späteren unerheblich, bis auf den Brand bei der Beschießung 1813; worauf 1816-18 die Obermauern des Msch. und Qsch., sowie die Türme abgetragen und die Kirche als Militärmagazin eingerichtet wurde. Durch Größe und technische Vollkommenheit neben der Klst.-K. Paulinzelle der bedeutendste Bau Thüringens aus der Zeit des reifen rom. Stils. — Flachgedeckte Pfeilerbasilika mit gewölbtem Chor auf kreuzf. Gr. im Hirsauer Schema. Dahin gehört auch die starke Streckung der Längsachse (79 m) d. i. etwas mehr als das sechsfache der Msch.-Br. Der Chor quadr., begleitet von schmalen Nebenchören, mit jenen durch eine Doppelarkade in Verbindung, zusammen genau von gleicher Breite (18 m) mit dem Lhs. An das östl. Ende der Nebenchöre schließen sich Türme, deren Erdgeschoß sich gegen jene als Kap. öffnet; der Hauptchor um ebensoviel vertieft, so daß nach O eine gerade Abschlußlinie gewahrt bleibt. (Die Annahme, daß eine Apsis vorhanden oder beabsichtigt gewesen, ist irrig.) Die Flügel des Qsch. etwas mehr als quadr., ihre ganze OWand von je einer 1/2 kr. Apsis eingenommen. Das Lhs. hat 10 Arkaden, in der Grundrißstellung mit sorgfältig durchgeführtem quadr. Schematismus. Die beiden östl. Arkaden des Lhs. waren zum Mönchschor hinzugezogen und die entsprechenden Joche der Abseiten, gleich den Nebenchören, gewölbt (Tonne); außer durch zu vermutende Schranken war die Grenze durch stärkere Bildung der Pfll. bezeichnet; über ihnen im Hochschiff ein Bogen, ähnlich den Vierungsbgg. Dieser Teil der Schiffe war, ebenso wie die Nebenchöre, urspr. in der Tonne gewölbt. Ferner kommt die westlichste Arkade in Abzug: sie bildete eine Vorhalle zwischen zwei Türmen; die letzteren im Gr. etwas über die Fluchtlinie der Sschiffe vorspringend. Sonach bleiben für das Laienschiff 7 Arkaden. Die Pfll. dieses Abschnittes sind quadr. und mit 3 schlanken Halbsll. besetzt, je eine unter den Arkaden, die dritte an der Seite des Msch. in einer nischenartigen Vertiefung, an den Basen Ecksporen; einfache Würfelknäufe; Sockel und Kämpfer nach attischem Profil; gegliederte Archivolten; Gurtgesims mit Schachbrettmuster (vgl. für alle diese Eigentümlichkeiten die schulverwandten Kirchen in Paulinzelle, Talbürgeln, Hamersleben). Die durch einen Kupferstich überlieferten rippenlosen Kreuzgwbb. anscheinend aus 16. und 17. Jh. [pg 326] — Das Äußere erhält durch sein vollendet schön behandeltes Großquaderwerk (eine Errungenschaft der Hirsauer Schule aus ihren burgundischen Beziehungen) eine alle örtlich und zeitlich nahe liegenden Bauten hoch überragende monumentale Würde. Vollständig ausgebildet sind infolge der Geländeverhältnisse nur die O und SSeite, die letztere am besten erhalten. Die Ssch.-Wand im unteren Abschnitt (etwa 2/5) gänzlich ungegliedert; dann schräger Rücksprung, aus dem sich als Jochteilung Halbsll. mit Ecksporen-Basen und Würfelkaptt. erheben; besonders energisch empfunden und mit größter technischer Sicherheit ausgeführt der obere Abschluß durch Schachbrettfries und stark schattendes Gesims, darunter in flacherem Relief ein Bogenfries. Dieselbe Gliederung wiederholt sich am Hochschiff, zieht sich unverändert um das Querschiff und den Langchor hin und motiviert auch die Gliederung der Apsiden — ein nach den ma. Baugewohnheiten ungewöhnlich strenges Gleichmaß. Ungewiß bleibt die Gliederung der OWand des Hauptchors, da sie schon in spgot. Zeit größere Fenster erhalten hatte. Noch fehlt der Schmuck reich ausgebildeter Portale; das gut erhaltene am SKreuz ist am Gewände einfach abgestuft, ohne Sll., die Verbindung der Umrahmung mit dem Sockel im Sinne der Hirsauer Schule. Die WTürme wohl nie ausgeführt, die OstTürme zeigen auf älterer Abbildung Ecklisenen und in den zwei Obergeschossen gekuppelte Fenster; spgot. Holzhelme. Die jetzt ganz beseitigten Klst.-Gebäude an der NSeite nebst Kreuzgang neugebaut 1463-80; Obergeschosse Fachwerk. — Die Ausstattung war in der letzten Zeit des Klst. barock. Von den zahlreichen Skulpturen (allein 151 Grabsteine) nichts erhalten als der in den Dom übergeführte berühmte Grabstein des Grafen von Gleichen mit 2 Frauen aus E. 13. Jh. und am Ort ein Kreuzigungsrelief außen neben dem SPortal, dem Meister des Severisarkophages nahe stehend, 2. H. 14. Jh.
PETERSBERG B. FULDA. RB Cassel Kr. Fulda.
Ehem. Benedikt.-Klst.-K. (jetzt Pfarr-K.). Auf gewachsenem Basalt und hohen Substruktionen malerisch aufgebaut, zugleich architekturgeschichtlich interessant. Aus dem Stiftungsbau von 837 die Krypta, Tonnengwbb. mit altertümlich rohen Kappen. Marmormensen mit Weihinschriften des Rhabanus Maurus. Wandmalereien in den 3 parallelen Conchen. Im Verbindungsgang Steinsarg des hl. Lioba. Fenster im 13. Jh. eingebrochen. Der Hauptbau enthält Reste einer kleinen, schlicht, fast roh ausgeführten rom. Pfeilerbasilika aus nicht näher zu bestimmender Zeit; 1479 1sch. umgebaut. Achteckiger [pg 327] Vierungsturm 12. Jh. — Rom. Steinreliefs: Christus, Maria, Bonifazius, Pipin; roh, doch lange nicht so alt, wie angenommen wird, erst Spätzeit des 12. Jh.
PETERSBERG B. HALLE. Pr. Sachsen Saalkreis.
Benediktiner-Klst. gegr. 1124. K. gew. 1146. Der jetzige Chor und Qsch. unter Abt Eckehard 1184. — Kreuzf. Basilika nach dem Hirsauer Schema. Hauptchor oblong, Nebenchöre ohne Apsiden; anscheinend vor ihnen ausgeführt die Apsidiole am nördl. Kreuzflügel. Die Chorpartie gewölbt. Die Nebenchöre mit Emporen und unter dem Dach verhehlten Strebemauern sind später (nicht vor A. 13. Jh.) hinzugefügt. Durch diesen Umbau die Hochfenster des Hauptchors verdunkelt und alle 3 Chorschiffe nach außen unter einen einzigen kolossalen Giebel gebracht, eine schwerfällige, dem rom. Stil sonst fremde Gestaltung. — Im Lhs. 5 Arkaden bei auffallend schmalem Msch. Die Pfll. quadr. mit starker Abfasung der Ecken. Der WBau erhebt sich ohne Turm als breite Masse über rechteckigem Gr. und endet in ein Satteldach. Nach innen öffnete er sich mit Empore. — Außen die älteren WTeile sehr formenarm, die jüngeren etwas geschmückter. Durchgreifende Rest. von Quast 1853-57. Bmkw. das schön gegliederte Portal des NKreuzarms; es liegt in einem Rahmen, der das Sockelprofil fortsetzt (hirsauisch), im Tympanon sichere Gemäldespuren, Maria mit Engeln. Ein zweites hat am Gewände je 3 Sll. in eigentümlicher Gruppierung, die Türöffnung von Perlstab umsäumt. — Im 13. Jh. erhielt die K. ein großartiges Denkmal der Grafen von Wettin, 10 liegende Gestalten aus Bronze; sie sollen beim Brande 1565 zu Schaden gekommen sein (?); die 1567 hergestellten Nachbildungen in Sandstein, an sich geringwertig, zeigen in der Tracht und Haltung wohl ziemlich treuen Anschluß an die Urbilder. — Am Konventsgebäude schöne Details aus A. 13. Jh.
PETTSTÄDT. Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
Dorf-K. Der rom. Charakter einigermaßen erhalten am Chorturm; Spuren einer abgebrochenen Apsis, dürftig spgot. ersetzt. — Sakramentsnische und Schnitzaltar, auf den Flügeln die 12 Apostel in 2 Reihen, 2. H. 15. Jh.
PFAFFENDORF. UFranken BA Ebern.
Schloß. Erb. vor M. 18. Jh. unter den Stein-Altenstein. Eleganter Frührok.Bau, 2geschossig, große Estrade.
PFAFFRODA. K. Sachsen AH Freiberg.
Dorf-K. 1645 erneuert, architekturlos. — Taufstein, am Fuße 4 der im Lande typischen Kinderfigürchen, Kappen auf den Köpfen, 1655.
PFARRWEISACH. UFranken BA Ebern.
Pfarr-K. 1499-1516. Spgot. Hallenkirche zu 4 Achsen, 1sch. Chor; spitze Scheidbogen auf Rundpfeilern. Spgot. und renss. Epitaphien der Geschlechter Rauheneck und Lichtenstein (1504, 1506, 1507 und 1530).
PFERDINGSLEBEN. Sachsen-Gotha LA Gotha.
Dorf-K. spgot. — Großer Schnitzaltar, die Gemälde »interessant«.
PFORTA. Pr. Sachsen Kr. Naumburg.
Ehem. Cisterc.-Klst. S. Mariae de Porta gegr. 1136, seit 1543 Sitz der berühmten Schule. — Der künstlerische Charakter des Kirchengebäudes wird wesentlich bestimmt durch den 1251 (Inschr.) begonnenen got. Umbau; 1268 (I.) der Chor vollendet; Fortsetzung bis nach 1300. Der rom. Bau ist, bis auf den östl. und westl. Abschluß, im got. erhalten, und es ist kein Grund gegeben, seine Ausführung wesentlich später als die Gründung anzusetzen; also in runder Schätzung M. 12. Jh. Demgemäß für Deutschland das älteste Beispiel einer Cistercienser-K. von schon ausgeprägtem Typus: Kreuzf. Basilika mit stark gestrecktem Lhs. und je 2 Doppelkapellen an der OSeite des Qsch. Bergner fand an diesen Kapellen Ansätze zu Apsidiolen; es ergibt sich daraus eine staffelförmige Anordnung ähnlich den gleichzeitigen Kirchen in Talbürgeln und Georgental. Das ist die älteste Fassung des Cistercienserchors. Das Lhs. war eine flachgedeckte stützenwechselnde Basilika von 4 Doppeljochen, das letzte Joch im O zum Chor gezogen und voraussetzlich durch eine Lettnerschranke gegen das Laienschiff abgeschlossen. Erhalten haben sich die (gedrückten) Blendbögen, die je eine Doppelarkade zusammenfaßten; ferner die Oberlichter, ungewöhnlich niedrige Raumverhältnisse dokumentierend, und die ganz schlichten Profile der Pfll. Ursp. L. 55 m, erweitert auf 75 m. — Der got. Umbau begann nach M. 13. Jh. mit der Einwölbung des Qsch.; Detail verhältnismäßig reich, romanische Erinnerungen wechseln mit vorgeschrittenen (14. Jh.) Formen; nicht leicht zu erklären. Vielleicht war das Qsch. im 13. Jh. niedriger angelegt und ist gleichzeitig mit dem Chor noch einmal überarbeitet. — Chor. Inschr. am südöstl. Strebepfl. nennt das Jahr der Grundsteinlegung 1251. Anlage und Ausführung zeigen aber die reife Kunst der Spätzeit des Jahrhunderts. Sie haben auch nichts Cisterciensisches mehr an sich. Im Gr. ein gerades Joch und regelmäßig aufgeteilter 5/8 Schluß. Das Erdgeschoß, (4,40 m h.) hat keine Arkatur, sondern eine Folge vom Sitznischen, Piscinen und Wandschränken. Das Hauptgeschoß ist völlig aufgelöst. Auf der 2 m starken Sockelmauer ein Laufgang, die Fenster in tiefen Nischen, deren [pg 329] Wände von den äußern Widerlagern zu den inneren Dienstbündeln keilförmig verlaufen. Die Fenster im Polygon 2teilig, im geraden Teil 4teilig (Öffnung 9,7 m h., 1,25 m bzw. 2,50 m breit). Maßwerk aus Dreipässen, schon mit Nasen; an Kaptt. und Schlußsteinen reiches naturalistisches Laubwerk. Schulcharakter mittelrheinisch-hessisch. Ein abweichendes System im ersten Joch: hier öffnet sich ein weiter Spitzbogen gegen die über den alten rom. Querschiffskapellen angeordneten Oberkapellen (S. Trinitatis und S. Margarethe) und über diesen ist die Fensteröffnung als reich gemusterte Rose gestaltet. — Im Gegensatz zum vornehm formenreichen Charakter des Innern, das zu den hervorragenden Leistungen der Epoche gehört, ist das Äußere des Chors von herber Sparsamkeit; die Strebepfll. ohne Fialen oder sonstigen Schmuck, das Hauptgesims ohne Laubfries. — Verhältnismäßig unerfreulich wirkt das Langhaus; Altes und Neues sind im Umbau ungeschickt verbunden, die Bauführung wurde durch wiederholte Unterbrechungen konfus. Der gegebene Stützenwechsel ist beibehalten mit der bizarren Eigentümlichkeit, daß die Zwischenstütze höhere Kämpfer hat als die Hauptstütze, woraus für die Arkadenbögen ungleiche Schenkel entstehen. Erst das Hochschiff gewinnt reinere Formen in Anlehnung an diejenigen des Chors. Die Gwbb. sind schön zu nennen; ihre Dienste auf Konsolen wenig oberhalb der Arkadenpfll. Widerlagerung durch offene Strebebgg. (in der älteren Cisterc.-Archit. verpönt). Das äußere System hat Strebebgg., die ohne Vermittlung von Wandpfll. direkt gegen die Mauer stoßen. Die Strebepfll. am Ssch. spiegeln den Stützenwechsel des inneren gebundenen Systems wieder. Zum Schluß (nach 1300) erfolgte Verlängerung um 2 Doppeljoche gegen W und Herumführung des südl. Ssch. um das Qsch. — Die, wie immer bei den Cisterciensern, turmlose WFassade hat außerdem das Eigentümliche, daß sie allein auf das Msch. komponiert ist, während die Sschiffsfronten zurückspringen und durch wagerechten Abschluß mit abgewalmtem Dach noch unscheinbarer werden. Die eigentliche Fassade ist also ein sehr schmales und hohes Gebilde, eingerahmt zwischen 2 weit vorspringende Strebepfll., horizontal geteilt in 3 jedesmal zurückspringende Stockwerke: zu unterst großer Nischenvorbau, in dessen Hintergrund das an sich einfache Portal und über diesem an der Wand eine Statuengruppe; im Mittelgeschoß weites, 5teiliges Maßwerkfenster; zu oberst vor dem abgetreppten Giebel noch einmal eine spitzbg. Nische mit reicher Brüstung und Statuenwand. Sicher eine originelle Idee! Aber um sie überzeugend auszugestalten, reichte die künstlerische Kraft des Meisters nicht hin (von den Einzelheiten [pg 330] Mehreres freie Erfindung der Rest. 1854). Völlig ungenügend waren dann die Hände, denen die Ausführung des Statuenschmuckes, der in der Gesamtkomposition eine so wichtige Rolle spielen sollte, zugewiesen war; man sieht erschreckend deutlich, daß der große Naumburger Meister keine Schule hinterlassen hatte.
Innere Ausstattung. Spärlich erhalten; bedeutender nur der prächtige Dreisitz aus M. 14. Jh. und die schöne frgot. Mensa des Hochaltars. Unter den Grabdenkmälern das wichtigste die Tumba des Markgrafen Georg v. Meißen † 1402; 1641 von den Franzosen verstümmelt, 1705 notdürftig wiederhergestellt, Kupferstich in S. Reyhers Monumenta Landgraviorum; an den Seitenwänden Arkatur mit Kielbogenabschluß, in den 14 Nischen das leidtragende Gefolge (vgl. Arnstadt, Querfurt); das Werk läßt hohe Tüchtigkeit der Ausführung ahnen. Von den z. T. stark abgetretenen Grabsteinen fallen 11 ins 13. und 14. Jh., die besten der des Ritters Heinrich Varch † 1294, schöne Umrißzeichnung in der Typik der Naumburger Stifterbilder (Nordmauer der Evangelistenkapelle) und der eines »bürgerlichen Ehepaares«, nicht Kinderpaares, aus 1. H. 14. Jh. (3. Pfl. der SSeite). Von 1586 ab eine Reihe von Magisterdenkmälern. — Sonst zu beachten: Christuskopf aus Pappelholz, wahrscheinlich Rest des rom. Triumphkreuzes; got. Triumphkreuz, um 1400, der Gekreuzigte aufgemalt; Schmerzensmann aus Bronze etwa 1520-30, 80 cm h., Pietas aus Stein (Steinguß?), die Beschreibung läßt den Salzburger Typus vermuten. Bronzener Schmerzensmann aus der letzten Klosterzeit.
Klausur. Sie liegt, ein seltener, wenn auch nicht beispielloser Fall, auf der NSeite der K. Die inneren Gebäude mit der Zeit völlig entcharakterisiert. Etwas besser erhalten der Kreuzgang. Die nördl., südl. und westl. Front vom rom. Bau, wenn auch verstümmelt; die erhaltenen Pfll. und Bgg. umschlossen eine Gruppe von wahrscheinlich je 3 kleinen Arkaden auf Säulchen. Ähnliche Gruppen zeigt noch der am OFlügel gelegene Kapitelsaal; er war ursp., wie auch der Kreuzgang, ungewölbt. Das Refektorium am WFlügel ist in der Anlage zu erkennen, aber ohne ältere Kunstformen. — Die Abtwohnung lag abgesondert im O und ist im Erdgeschoß des späteren »Fürstenhauses« erhalten. Zugehörig die Abtskapelle, eine der feinsten Leistungen des Übergangsstils in Deutschland; um 1230-40 von einem Meister der Maulbronn-Magdeburger Schule, Ornament mehr thüringisch. Kleiner, in 2 kuppelige Kreuzgwbb. geteilter Saal mit polygonaler (5/10) Apsis. An Gewölbstützen und Fenstergewänden [pg 331] ein reicher Apparat gewirtelter Sll. Die Gurten durch starke Betonung des Anlaufs und somit der Entwicklung der reichen Profile aus rck. Werkform charakterisiert. Die Fenster gepaart, bis auf den Sockel herabgezogen; Abschluß der Gruppe durch Okulus. — Aus rom. Zeit noch die Klostermühle, wenn auch stark verändert. — Friedhofslaterne südöstl. vom Chor, gestiftet 1268, archäologisch eine große Merkwürdigkeit. — Betsäule 1521, das Bildwerk stark verwittert. — In der Schulbibliothek Bilderhandschr. (Augustin) des sp. 12. Jh.
PFÜNDHAUSEN. UFranken BA Schweinfurt.
Dorf-K. mit Westfassade um 1750. Rokokostuckaturen und Inneneinrichtung gleichzeitig.
PFÜTZENTAL. Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.
Dorf-K. mit schönem rom. Portal ähnlich Neutz.
PHILIPPSTAL. RB Cassel Kr. Hersfeld.
Ehem. Cisterc.-Nonnen-Klst.-K. gegr. 1190. Der vorhandene Bau aus dieser Zeit. Flachged. Säulen-Basilika. Querschifflos. Die Ssch. schließen mit 1/2kr. Apsis, das Msch. mit niedrigem Triumphbg., jenseits dessen der quadr. Vorchor und große 3fenstrige Apsis, unter ihr (nicht unter dem ganzen Chor!) kleiner Keller ohne Spuren liturgischer Benutzung. Im Lhs. 6 gut proportionierte Arkaden; die Säulenstämme stark geschwellt; Würfelkaptt. in die Breite gehend. Im W Doppeltürme und zwischen ihnen Empore. An der Hauptapsis lebhafte Gliederung durch Lisenen und Halbsll. in 3 sich stark verjüngenden Geschossen. — In got. und neuerer Zeit das alte Baubild erheblich entstellt, 1902 rest. — In der westl. Vorhalle landgräfliche Familiengruft 1743. — Die Klostergebäude zu landgräfl. Schloß umgebaut.
PILGRAMSREUTH. OFranken BA Rehau.
Pfarr-K. 1473. Stattlicher spgot. Bau, im Lhs. netzgewölbt. Sakramentshäuschen spgot. Hochaltar 1710.
PILLNITZ. K. Sachsen AH Dresden-N.
Bergkirche 1723 von Pöppelmann, einfaches Rck. mit Flachdecke und Emporen; Altarbau aus Sandstein mit großem Relief um 1650, das Ornament in sog. Knorpelmanier; großes Epitaph eines Herrn v. Pflugk, E. 16. Jh., Schule des Hans Walther; Grabstein v. Loß 1609; Grabstein eines Kindes der Familie v. Bünau 1637, hübsch und originell; Gedenktafel für Sophie v. Bünau 1640.
Schloß. Der alte Bau (1610-33) brannte 1818 ab. Wasserpalais (»indianisches Lustschloß«) für August den Starken 1720 von Pöppelmann und Longuelune; das als große Hohlkehle gebildete Gesims und die über den Mittel- und Eck-[pg 332]Risaliten hohlgeschweiften großen Dächer mit phantastischen Schornsteinen sollen exotisch wirken. — Eine symmetrische Wiederholung das Bergpalais 1723. — Flügelbauten 1788-91 von Exner und Weinlig. — Das neue Palais 1818-26. — Die Orangerie nach 1731, wahrscheinlich von Longuelune. — Der englische Pavillon (im englischen Park) 1789, die reizende Innendekoration in der Art Weinligs. Daneben Statue einer Vestalin 1781 von Trippel. — Chinesischer Pavillon 1804.
PINZBERG. OFranken BA Forchheim.
Kirche. 18. Jh. 1sch. flachgedeckt. Reiche Rok.Ausstattung. Der Kirchhof umgeben von hoher Verteidigungsmauer, der untere got., oben bar. Glockenturm dient als Tor.
PIRNA. K. Sachsen Amtshauptstadt.
Stadt-K. S. Marien. Schon die vorangehende K. war bedeutend; die Urkunden nennen 15 Altäre von 1338-1462. Von einem 1466 begonnenen Neubau der unregelmäßig in die SWEcke eingeschobene Turm. Der Hauptbau 1502-1546. — Hallenkirche mit schwach ausgebildetem Chor; die Ssch. schließen gerade mit abgeschrägten Ecken, das Msch. mit 3 Seiten des 8Ecks. Der 47 m lange Hauptbau geteilt in 7 Joche. Gesamtbreite 25 m, die Ssch. wenig schmäler als das Msch., H. 18 m. Also sehr weite und freie Raumverhältnisse. Die 8eckigen Pfll. von äußerster Schlankheit. Die in der Erzgebirgsschule zum Prinzip erhobene Vereinheitlichung der Decke durch Verwischung der Jocheinteilung noch konsequenter als dort durchgeführt; Grundform des Gwb. 1/2kr. Tonne mit Stichkappen, darauf einmaschiges Rippennetz im Msch., Sterne in den Ssch. Im Chorpolygon die Rippen von den Kappen ganz abgelöst und in kräuselnde Verschlingungen (»gewundene Reihungen«) gebracht, etwa an Hobelspäne erinnernd; die tiefsten Ausläufer ganz naturalistisch als Baumstämme charakterisiert; »wilde Männer« klettern an ihnen empor; die Kappen mit Rankenwerk bemalt. (Auch an den Gewölbeanfängern des Lhs. befanden sich 12 Freifiguren, 1778 abgeschlagen). Fenster hoch, schmal, mit abgeflachtem Spitzbg. geschlossen, Maßwerk spärlich und matt. Als Beispiel spätestgotischer Formengebung bmkw. die Sakristeitür. An der NSeite Renss.Emporen von 1570.
Altarwerk aus Sandstein 1611 von David Schwenke, Skulpturen von Antonius v. Saalhausen; 10 m hoch, 5 m br., ursp. reich in Farbe und Gold staffiert; an der Staffel Abendmahl zwischen Geburt und Kreuzigung; in der Mitte des Hauptgeschosses Sintflut und Auferstehung des Herrn, seitlich Jakobsleiter und Elias Himmelfahrt; an der Staffel des Obergeschosses [pg 333] die Geschichten des Jonas und Simson, in dem Hauptfeld Christi Himmelfahrt. — Kanzel aus Sandstein 1543 verkünstelt spgot., Schalldeckel 1576. — Taufstein 1561, Fuß 1802 (der alte zeigte Kindergruppen wie in Annaberg). — Unter den zahlreichen Grabsteinen und Epitaphen mehrere hervorragende Stücke: D. v. Sebottendorf 1585; M. L. Lauterbach 1569; Joh. Rosig 1612; besonders Sup. Kademann 1607, höchst lebendiges Bildnisrelief, Umrahmung nüchtern. Unter den Grabsteinen an der Außenwand hervorzuheben H. W. v. Schönberg † 1645. — Epitaphgemälde von H. Göding d. Ä. [Antependium aus 14. Jh. in Seidenstickerei, jetzt Altert. Ver. Dresden.] — An den Gwbb. großer Gemäldezyklus aus M. 16. Jh., »ein protestantisches Kunstwerk von hoher Bedeutung und Seltenheit«. — Orgel 16. Jh., verändert 1678. — Glocke 2. H. 14. Jh.
Dominikaner-Klst. Erhalten die K. und der Kapitelsaal. Die K. Rck. 35 : 12,5 m. Aufbau 2sch., Chor 1sch., etwas eingezogen (zerstört). Im Schiff 8eck. Pfll. von äußerster Schlankheit, Kreuzrippengwbb. auf reich skulptierten Kragsteinen (Farbspuren), der Kämpferpunkt an den Pfll. selbst nicht betont. Stilformen der 1. H. 14. Jh. Der kleine an der SOEcke angefügte Turm 15. Jh. Aus letzterer Zeit das 2sch. und 3jochige Kapitelhaus.
Rathaus spgot. nach Brand 1485 und ren. 1549 und 1581; aus der ersten Epoche die reich umrahmten Türen des Erdgeschosses.
Privathäuser. Pirna hat mehr als die meisten anderen Städte Sachsens vom Gepräge älterer Jahrhunderte bewahrt. Spätgotisches z. B. Markt 3 und 46, Dohnaische Str. 24, Schustergasse 5, Badergasse 6, Kirchplatz 2. — Aus Renss. besonders das Portal Niedere Burgstr. 1 von 1540, ganz in den Formen des oberitalienischen Terrakottastils, gekrönt mit dem Reliefbildnis des Architekten W. B. Ferner Markt 13, Schuhgasse 15, Markt 12 von 1548 im Charakter des Moritzbaues am Dresdener Schloß; Ecke Barbiergasse und Dohnaische Str. mit zierlichen Ecken; Markt 18, Schustergasse 4; Obere Burgstr. 1 von 1624, Markt 9 von 1673, Schustergasse 2 von 1676. Rokoko: Langestr. 10, Badergasse 5.
Schloß Sonnenstein, jetzt Irrenanstalt; von älteren Bauzeiten kaum etwas erkennbar.
PLASSENBURG B. KULMBACH. OFranken.
Erb. von Markgraf Georg Friedrich durch, Caspar Vischer unter Mitwirkung der Württemberger Alberlin Tretsch und Blasius Berwart. Hauptbauzeit 1559-1569. Die berühmten [pg 334] Festungswerke 1808 von den Bayern geschleift. Das meiste künstlerische Interesse haben folgende Teile: im äußeren Hof Zeughaus, origineller Kuppelbau mit trotzigem Portal von 1607, im mittleren Bogenfeld Hochrelief des Markgrafen Christian zu Roß; Hauptportal des inneren Baues. Eines der reichsten Dekorationsstücke der ganzen deutschen Renss. die Hoffassaden. Die großartige Wirkung der letzteren beruht auf dem Kontrast des ganz schlicht, ja formlos gehaltenen Erdgeschosses und der 2 in breite Pfll.Arkaden aufgelösten, an den Flächen über und über mit Flachreliefornament bedeckten Obergeschosse; abweichend der NFlügel, der ehemals den großen Rittersaal enthielt; die 4 Ecktürme mit den zur Kommunikation unentbehrlichen Treppen bilden wieder einfache Massen.
FLAUE. Schwarzb.-Sondersh. LA Arnstadt.
Liebfrauen-K. mit rom. Resten. Ruine Ehrenburg.
PLAUEN. K. Sachsen AH Dresden-A.
Dorf-K. 1700 durchgreifend umgebaut; vom Bau 1467 das einfache WPortal und die kleine Sakramentsnische.
PLAUEN. K. Sachsen Amtshauptstadt.
Johannis-K. Von der ursp. rom. Anlage die 2 WTürme und die OWand des Qsch.; nach Brand 1430 Umbau als spgot. Hallenkirche im Stil der K. von Annaberg, Schneeberg usw., doch unbedeutender als diese, stark rest. nach Brand 1548. — In die Superintendentur eingebaut die Reste des Deutschritterhauses mit interessanter innerer Einteilung.
Gottesacker-K. (Luther-K.) 1693-1708. Nächst der zu Carlsfeld der älteste Zentralbau im Lande; verschobenes 8Eck mit polygonem Chor und vorspringendem Turm im W, innen Emporen und Holzdecke. — Kleiner 4flügeliger Altar aus der Thomas-K. in Leipzig, umgearbeitet 1587 von Valentin Silbermann, die feinen figürlichen Reliefs um 1500.
Rathaus letztes Viertel 15. Jh. im Schulcharakter des Arnold v. Westfalen (Meißen) und wohl von demselben Meister wie die Schlösser in Sachsenburg und Netzschkau (Hans Reinhart). Der breite Backsteingiebel nach Brand 1548, gegliedert durch 5 nach der Höhe wachsende Pilasterordnungen, Eckfüllungen in Wellenlinien.
PLÖSSNITZ. Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
Dorf-K. Bescheiden rom. Kap. in guter Erhaltung; rck. OTurm, darunter Altarhaus und 1/2 kr. Apsis.
PÖDELISL. Pr. Sachsen Kr. Querfurt.
Dorf-K. Der ansehnliche rom. Chorturm mit 3teilig gekuppelten Schallöffnungen steht jetzt in der Mitte zwischen der spgot. ziemlich reich behandelten Chorerweiterung und dem schlicht [pg 335] bar. Schiff. — Schnitzaltar bez. H F und Pflugschar (derselbe Meister in Klein-Heringen, Görschen und S. Moritz in Naumburg).
PODELWITZ. K. Sachsen AH Leipzig.
Dorf-K. spgot. ohne Auszeichnung in Architektur und Ausstattung, aber im 19. Jh. gänzlich unberührt geblieben und dadurch von einem leider nicht mehr oft anzutreffenden Stimmungswert des Ensembles.
PÖHL. K. Sachsen AH Plauen.
Dorf-K. Nach Zerstörung im 30jährigen Kriege 1654-61.
Schloß 1572 für Kaspar v. Röder, einfach renss., große tonnengedeckte Halle. Gemäldesammlung. Bmkw. ein reicher Rahmen von J. H. Böhm.
POLENZ. K. Sachsen AH Pirna.
Schloß. E. 17. und A. 18. Jh., eindrucksvolle Anlage von Flur und Treppenhaus.
POLLEBEN. Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.
Dorf-K. Im Turm gekuppelte rom. Fenster mit Kaptt. in Würfelform. Spgot. Schnitzaltar.
POMMERSFELDEN. OFranken BA Höchstadt
Pfarr-K. 1687 und 1750. Zahlreiche Truchsessische Grabsteine 1543-1685. Einer um 1560 von Peter Dell d. J.
Altes Schloß. Wasserburg des 16. Jh.
Neues Schloß Weißenstein. 1711 bis 1718 für Lothar Franz v. Schönborn, Erzbischof von Mainz und Bischof von Bamberg. Entwurf von M. v. Welsch in Mainz, Ausführung von Joh. Dientzenhofer in Bamberg. Nach Größe und Wert einer der vornehmsten Schloßbauten des Jahrhunderts, auch interessant für die Entwickelung des Anlagetypus (vgl. rückwärts Marquardsburg). Gr. in Tricliniumform; nach der anderen Seite umgrenzt den großen Hof der Halbkreis der Stallungsgebäude. Der Mittelflügel des Hauptbaues wird durch einen beiderseits stark vorspringenden, auch etwas höheren Querbau durchbrochen, die Flügel enden in je 2 Pavillons. An der Gartenfront 27 Achsen, an den Flügelfronten 15. Der Aufbau in 3 differenzierten Geschossen. Die tragenden Glieder wechselnd Säule, Pilaster, Lisene, je nach der Bedeutung des zu schmückenden Bauteils. Übergroßes Mansarddach. Im Innern sind die stärksten Motive das Treppenhaus und der Festsaal, beide den mittleren Querbau ausfüllend. Das Treppenhaus war, bevor die Neumannschen Schloßbauten es überboten, das großartigste in Deutschland und wird von keinem französischen erreicht. Ein dem Quadrat sich näherndes Rck. an allen 4 Seiten von Galerien in 3 Geschossen umgeben; die im freien Mittelraum in 2 Läufen sich [pg 336] entwickelnde Treppe reicht nur bis zum ersten Obergeschoß; zum zweiten führen verborgene Nebentreppen. Beim Austritt zum obersten Treppenpodest erweitert sich der umlaufende Gang zu einem kleinen, besonders reich dekorierten Vorsaal, aus dem man in den Festsaal gelangt. Dieser geht durch beide Obergeschosse; unter ihm ein niederer, als Grotte charakterisierter Gartensaal. Im Festsaal ein schwerer, zugleich unruhiger Prunk; an den Wänden wechseln Pilaster und Vollsäulen; das Kranzgesims von willkürlich gebildeten Bgg. durchbrochen; eine sehr große, durch Stuck und Malerei in heftige Bewegung versetzte Kehle führt zum freskierten Spiegel über. Unter den übrigen Räumen ist das Vorhandensein einer Galerie für Gemälde bemerkenswert. Die kleineren Gemächer haben viel von ihrem einstigen Dekor (Leder- und Damasttapeten) verloren; doch bleiben manche anziehende Proben kleinkünstlerischen Schaffens, z. B. die zierlich angelegten Fußböden. — Der prächtige im Zirkel laufende Marstall 1717 von Welsch. Für andere Nebengebäude B. Neumann zu Rate gezogen. — Sehr bedeutend waren die Gartenanlagen; sie sind A. 19. Jh. »englisch« umgearbeitet. — Die große, früher über Deutschland hinaus berühmte Gemäldegalerie hat M. 19. Jh. ihre wertvollsten Stücke durch Verkauf verloren, ist aber noch immer beachtenswert.
POMSSEN. K. Sachsen AH Grimma.
Dorf-K. rom. Anlage. — Die Ausstattung, renss, und bar., gibt ein malerisches Ensemble, auch sind einzelne Stücke für sich bmkw. Großes Sandsteinepitaph der Familie v. Ponickau 1560; 18 weitere Denkmäler dieser Familie bis 1725.
PONICKAU. K. Sachsen AH Großenhain.
Dorf-K. Einfacher flachgedeckter Bau mit großem Turm von 1726. — Flügelaltar, geschnitzt und gemalt, A. 16. Jh.
PONITZ. Sachsen-Altenburg LA Altenburg.
Dorf-K., älteste Teile 14. Jh., 1653 durchgreifend umgebaut. — Gedenktafeln 1593 und 1613 in tüchtiger Renss.
Schloß, 1574, stattliche Außenerscheinung.
PORSTENDORF. Sachsen-Weimar VB Apolda.
Schloß. Ehemals Wirtschaftshof des Klst. Pforta, umfangreiche Baugruppe meist aus 18. Jh.
POSA. Pr. Sachsen Kr. Zeitz.
Ehem. Benedikt.-Klst.-K. Die Nachgrabungen von 1875 und 1899 ergaben für den Chor (gew. 1122) eine mit Paulinzelle genau übereinstimmende Fünfapsidenanlage (got. umgebaut). Pfeilerreste aus dem Schiff verwandt mit Talbürgel. WTürme durch Merians Stich bezeugt.
Am WAbhang des Berges rom. Palas, von den Rundbogenfenstern nur eines unvermauert, mit schöner Mittelsäule.
POSSENDORF. K. Sachsen AH Dippoldiswalde.
Dorf-K. voll. 1596; 2sch. Hallenkirche von 3 Jochen, weiträumige Verhältnisse, Formen spätestgot., bmkw. die mannigfaltig gezierten Schlußsteine.
PÖSSNECK. Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
Stadt-K. spgot., Chor 1390, Lhs. 1454-88, jetzt der Gewölbe beraubt.
Rathaus. 1443, Erweiterungen 1449, 1531. Stattliche Anlage in eigentümlicher und reizvoller Mischung spätester Gotik und früher Renss. (A. 20. Jh. übel umgebaut). Hauptschmuck der Fassade die in glücklichem Wurf unsymmetrisch an die Seite geschobene Freitreppe; über den Treppenläufen offene Lauben, deren Verdachung in kleine Halbkreisgiebel, staffelförmig ansteigend, aufgelöst ist. Reich dekoriert auch die beiden großen Treppengiebel der Schmalseiten; es wechseln 4 Streifen von Fischblasen mit ebensoviel Reihen kleiner gardinenförmig geschlossener Blendbögen. Im Innern hat sich eine zweischiffig gewölbte Halle, sonst aber wenig von älteren Kunstformen erhalten.
Wohnhäuser. Haus Wohlfahrt am Markt mit schönem Portal von 1565 noch ganz im Sinne der oberitalienischen FrRenss.; andere Portale Haus Fischer am Kirchplatz; Steinweg Nr. 55; Krautgasse ao. 1564.
Marktbrunnen 1522 mit der Statue des hl. Mauritius.
Bmkw. Friedhof mit K. und vielen Denkmälern des 17. und 18. Jh.
POSTERSTEIN. Sachsen-Altenburg LA Altenburg.
Dorf-K. spgot. und 17. bis 18. Jh. — Bmkw. die reich geschnitzte Herrschaftsempore 1689 und der Altaraufbau aus derselben Zeit.
Schloß. Die höchst malerische Gebäudegruppe, wesentlich 16. Jh., umlagert einen großen ma. Turm.
PÖTEWITZ. Pr. Sachsen Kr. Weißenfels.
Dorf-K. Rom. Turm. Das Langhaus got. 3sch. umgebaut. — Bmkw. spgot. Schreinaltar.
POTTENSTEIN. OFranken BA Pegnitz.
Pfarr-K. Got. 2sch. Halle, »während der Chor sprom. (?) Formen erhielt«, Ausstattung bar. — Schloß.
PREDEL. Pr. Sachsen Kr. Zeitz.
Dorf-K. Chor spgot. 1507, Langhaus 1701, der sehr stattliche Turm Fr.Renss. — Schreinaltar um 1500.
PRESSECK. OFranken BA Stadtsteinach.
Pfarr-K. Chor got., Sch. bar.
PRETTIN. Pr. Sachsen Kr. Liebenwerda.
Stadt-K. Got. Backsteinrohbau. 3sch. kreuzf. Basilika von 3 Gewölbejochen. — Großer Schnitzaltar um 1500, nordwestdeutsch, oder niederländisch, 1614 von der Kurfürstin Hedwig, einer dänischen Prinzessin, geschenkt.
Runder got. Torturm in Backstein.
PRETZFELD. OFranken BA Ebermannstadt.
Kirche 18. Jh. unbedeutend.
Schloß 16. Jh. auf ma. Grundlage.
PRETZSCH. Pr. Sachsen Kr. Wittenberg.
Stadt-K. 1sch. flachgedeckt, spgot. und bar. — Altar 1652 von J. G. Kretschmer aus Dresden. Gemälde, Kreuzigung, von D. Heuer aus Leipzig. Grabmal der Königin Eberhardine. Arnimsche Epitaphe 18. Jh. Außen am Turm Rittergrabstein 14. Jh.
Schloß 1634.
PRICHSENSTADT. UFranken BA Gerolzhofen.
Ein altfränkisches Stadtbild, an dem man, wenn sich die Gelegenheit bietet, nicht vorübergehen sollte. Inmitten großer Weiher. Fast der ganze Mauergürtel des 15. bis 16. Jh. erhalten. Charaktervolle Torgruppe mit 2 runden Flankentürmen, in Franken ein seltener Typus. Mitten im Städtchen großer Turm mit spitzbogiger Durchfahrt und originellem sprenss. Dachwerk.
Kirche urspr. got., dann bar. überarbeitet und baulich ohne Interesse, doch enthält sie eine originelle bemalte Steinkanzel des 17. Jh.
PRIESSNITZ. K. Sachsen AH Borna.
Dorf-K. um 1500, 1616 durch Hans v. Einsiedel im Geschmack niederländischer SpRenss. glänzend ausgestattet, besonders die herrschaftlichen Betstuben. Die Gemälde von Johann de Perre aus Antwerpen, ansässig in Leipzig.
PRIETITZ. K.Sachsen AH Kamenz.
Dorf-K. 1881 fast ganz erneuert. — Altar, gute Tischlerarbeit von 1646. Denkmäler des 18. Jh., über die in der Lausitz recht gute Durchschnittsqualität noch hinausgehend.
Herrenhaus (v. Stammer) um 1770. Größere Porträtreihe, u. a. von Anton Graff und Chr. Leberecht Vogel.
PROBSTZELLA. Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.
Dorf-K. wesentlich 1755. — Altarwerk fränkisch um 1500.
PROFEN. Pr. Sachsen Kr. Zeitz.
Dorf-K. Rom. Turm. Schöner spgot. Chor 1495. — Ausstattung in guter Renss., desgl. Decke und Emporen in kräftiger Polychromie.
PRÖLSDORF. UFranken BA Haßfurt.
Pfarr-K. 1766. Eleganter Rok.Bau. In der Verbindung des WTurmes mit der Fassade Nachklang Neumannscher Anlagen. — Im Pfarrhof bmkw. Kaselkreuz 15. Jh.
PROSSELSHEIM. UFranken BA Kitzingen.
Pfarr-K. Posthum got. Neubau 1614. — Derb wirkungsvolle Ausstattung um 1700. — Dorfbrunnen unter einem von 6 tosk. Sll. getragenen Haubendach.
PROZELTEN siehe Stadtprozelten.
PULSNITZ. K. Sachsen AH Kamenz.
Pfarr-K. Über Resten einer got. Anlage ein Emporensaal aus M. 18. Jh. — Reicher Kelch 1487. Zahlreiche Denkmäler der Barockzeit.
Schloß (v. Maxen) 1718. Gute Inneneinrichtung aus verschiedenen Epochen des 18. Jh. Bildnisse. Glasscheiben.
Rathaus schlicht renss. Wohnhäuser 18. Jh.
PURSCHENSTEIN. K. Sachsen AH Freiberg.
Schloß aus Ma. und Renss. Abb. von 1755 zeigt eine bedeutende Anlage von 5 Türmen von hohen bar. Helmen gekrönt; davon jetzt nur einer erhalten; sonstige Kunstformen spärlich.
PUSCHENDORF. OFranken BA Höchstadt.
Pfarr-K. 1489. Chor, im Gr. 1+5/8, netzgewölbt. Im Langhaus Holztonne. Tüchtiger Quaderbau mit energisch profilierten Fenstern. Malerischer Innenraum. 3 Schnitzaltäre aus der Erbauungszeit. Gemalte Wappenscheiben nürnbergischer Familien.