W

WABERN. RB Cassel Kr. Fritzlar.

Lustschloß 1704, im Innern umgebaut ca. 1770 von S. L. Du Ry (jetzt Strafanstalt). 3 Gebäude in Hufeisenstellung, durch Galerien verbunden.

WACHAU. K. Sachsen Dresden-N.

Dorf-K. ma. Ursprungs, 1689 umgestaltet.

Schloß seit 1730 für Graf Schönfeld. Großartige Vestibül- und Treppenanlage, sonst von der alten Innendekoration nichts erhalten.

WACHSENBURG. Sachsen-Gotha LA. Gotha.

Burg (eine der »drei Gleichen«). Nach 1710 zur Festung eingerichtet. [pg 410] Die ma. Teile (gekuppeltes rom. Fenster) sehr entstellt.

WÄCHTERSBACH. RB Cassel Kr. Gelnhausen.

Stadt-K. mit WTurm von 1519.

Isenburgisches Schloß, bedeutende ehem. Wasserburg mit 4 Ecktürmen, von denen 2 erhalten. Aus der 2. Bauperiode um 1525 die zierlichen Erker am WTurm. Dritter Umbau um 1650.

WAHLHAUSEN. Pr. Sachsen Kr. Heiligenstadt.

Dorf-K. Umbau von 1718. Kanzelaltar und umfängliche Emporen machen den evangel. Charakter in dem sonst kathol. Kreise sofort kenntlich. Die Decke und alle Holzteile 1775 von dem Schullehrer geschickt ausgemalt. Grabsteine der Herren von Hanstein.

WAHREN. K. Sachsen AH Leipzig.

Dorf-K., frgot. Kernbau. Taufstein aus 13. Jh. Hübsches geschnitztes Lesepult E. 15. Jh. Beschläge der Türflügel, naive dörfliche Kunst, könnte ins 13. Jh. hinaufreichen.

WAEHRSDORF. K. Sachsen AH Zittau.

Dorf-K. 1713. Orgel mit reizendem Rokokoschnitzwerk 1766, stimmungsvolles Grabmal 1798.

WAISCHENFELD. OFranken BA Ebermannstadt.

Pfarr-K. um 1450. Der Chor 1550 got. erneuert, 1750 die ganze Kirche überarbeitet.

WAITZENBACH. UFranken BA Hammelburg.

Schloß. Malerische Wasseranlage. Hauptbau 1570, die Kuppeltürme an den Ecken um 1680.

WALBECK. Pr. Sachsen Mansfelder Gebirgskreis.

Kloster gegr. 992. Die Kirche fast spurlos verschwunden, ihr Material wahrscheinlich in das jetzige Schloß verbaut, in dem der alte Klosterkreuzgang noch erkennbar. Rittergrabstein mit eingeritzter Fig. um 1300.

WALDAU. Pr. Sachsen Kr. Schleusingen.

Dorf-K. 1601 wie Hinternah.

WALDAU. RB Cassel Kr. Cassel.

Kirchturm spgot. 16. Jh. Der 8eck. hölzerne Helm von 4 ausgekragten Ecktürmchen umgeben.

WALDBÜTTELBRUNN. UFranken BA Würzburg.

Dorf-K. bar. — Krönung Mariä, Holzgruppe, um 1500, nicht aus der Werkstatt Riemenschneiders, doch ihr verwandt.

WALDENBURG. K. Sachsen AH Glauchau.

Stadt-K. spgot. ursp. 1sch., dann ein zweites Schiff im S angebaut. — Wandgrab des Hugo v. Schönburg † 1566, vom Dresdner Bildhauer Chr. Walther, das bedeutendste Werk [pg 411] dieser Gattung in Sachsen vor dem Auftreten Nossenis (vgl. auch Penig).

WALDHEIM. K. Sachsen AH Döbeln.

Schloß-K. E. 16. Jh. Rck. mit polyg. Schluß. Reiches Netzgwb. Die Strebepfll. als Halbzylinder ausgebildet. Fenster rundbg. mit got. Maßwerk. — Altar 1594 von Joh. Maria Nosseni, 1716 umgestaltet.

WALDKIRCHEN. K. Sachsen AH Auerbach.

Dorf-K. mit rom. Portal, alte Beschläge.

WALDSTEIN. OFranken BA Münchberg.

Burgruine.

WALLDORF. Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.

Dorf-K. Kirchhofsbefestigung mit 5 Türmen. Der größte ist Bergfried der ehem. Burg. Kirche E. 16. Jh. Bildnisstein der Marschalk v. Ostheim.

Synagoge, aus einer Scheune umgebaut, Ausstattung 1789. — Mehrere sehr ansehnliche Fachwerkhäuser: Schmiede 1592, das »rote Haus« um 1600, Gasthaus zum freien Ritter (Herrenhaus v. Marschall) 1697.

WALLENBURG s. Auwallenburg.

WALLENSTEIN. RB Cassel Kr. Homberg.

Burgruine mit hohem Rundturm und erheblichen Resten der Ringmauer.

WALLRODA. K. Sachsen AH Dresden-N.

Dorf-K. ohne Interesse. — Schnitzaltar A. 16. Jh. Taufbecken aus Sandstein feine renss. Arbeit um 1650. Die Orgel das erste Werk J. G. Silbermanns.

WALSDORF. OFranken BA Bayreuth.

Kirche. Schönes Denkmal des Vizekanzlers Reuß 1599.

WALTERSHAUSEN. Sachsen-Gotha Amtsstadt.

Stadt-K. 1723, zentral abgeecktes Quadrat, Emporen über Pfll. in ellipt. Grundstellung. Turm 1458. Schnitzaltar A. 16. Jh.

WALTERSHAUSEN. UFranken BA Königshofen.

Schloß. Erb. um 1540, verändert 1720. Aus 16. Jh. ein Saal mit bemalter (allegor. Figg.) Holzdecke.

WANDERSLEBEN. Pr. Sachsen Kr. Erfurt.

Dorf-K. Erweiterung eines rom. Baus. — Spgot. Schnitzaltar.

Gasthaus. Fachwerkbau aus 16. oder 17. Jh. — Gehöft mit Jahreszahlen 1541-1605. — Burg Gleichen, ausgedehnte Ruine mit rom. Kapelle.

WANFRIED. RB Cassel Kr. Eschwege.

Rathaus, früher Landgräfl. Rotenburgsches Schlößchen aus [pg 412] dem E. d. 17. Jh. Oberstock — reicher Fachwerkbau; Innenräume noch mit alten Tapeten usw.

Gasthaus zum Schwan mit reich skulptiertem, jedoch z. T. zerstörtem großem Steinportal aus dem A. des 17. Jh.

WANGENHEIM. Sachsen-Gotha LA Waltershausen.

Dorf-K. spgot.; 9 Grabsteine der Familie v. W. (vgl. Sonneborn).

WARTBURG b. Eisenach Sachsen Weimar.

Gegr. höchst wahrscheinlich von Ludwig d. Springer um 1070. Die ältesten erhaltenen Baulichkeiten stammen erst aus dem Ende der rom. Epoche. Im 13. und 14. Jh. war die Wartburg Residenz der Landgrafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen. Im 15. Jh. in Verfall. M. des 16. und A. des 17. Jh. zu Wohnzwecken whgest. Seit Beginn des 18. Jh. wieder dem Verfall überlassen. Im Verlaufe des 18. Jh. wurden alle alten Gebäude abgetragen mit Ausnahme des Landgrafenhauses und des hinteren Bergfrieds in der Hauptburg, des Ritterhauses und der Vogtei samt den überdeckten Mauergängen in der Vorburg. 1838-1867 umfangreiche Restaurierung der erhaltenen und völlige Neuerbauung vieler der früher abgetragenen Baulichkeiten unter Großherzog Carl Alexander von Weimar durch Prof. Hugo v. Ritgen aus Gießen. Als Ziel schwebte bei der Wiederherstellung vor, die Wartburg in der Erscheinung wiedererstehen zu lassen, die sie im 12. Jh. gehabt hatte.

Mittelalterliche Bauten: 1. Das Landgrafenhaus, Palas, großes dreigeschossiges Wohngebäude aus Sandstein. Berühmt als besterhaltener rom. Palasbau auf deutschem Boden, aber in wesentlichen Teilen und nicht durchweg richtig restauriert. Die Außenwand steht auf der Ringmauer. Die Hofseite als Schauseite reich geziert durch Arkadengalerien, deren Sll. und Kapitelle zu etwa einem Drittel die ursprünglichen sind. Treppenaufgang modern und falsch rekonstruiert. Über der Tür rom. Relief, früher in der Vorburg. Die Gestaltung des Gurtgesimses zwischen 2. und 3. Geschoß läßt vermuten, daß es ursprünglich Dachgesims war, mithin das 3. Geschoß etwas später hinzugefügt ist. Die SSeite des Palas im oberen Teile erneuert, mit einem modernen Balkon. Die OSeite, ursprünglich durchaus nicht als Schauseite gedacht, bei der Restaurierung wesentlich »verschönert«. Der NGiebel, das Dach und zwei der großen Rauchschlote erneuert. — Das Innere: Im Kellergeschoß einfache, im wesentlichen unveränderte Räume ohne Zierformen. Im Erdgeschoß 3 Wohnräume, der mittlere mit Balkendecke, die durch eine aus Eisenach übertragene rom. Steinsäule gestützt wird, die beiden anderen mit je 4 rom. Kreuzgewölben überspannt, die [pg 413] durch reich verzierte Mittelsäulen getragen werden. Fenster— und Türöffnungen in diesen Räumen meist die ursprünglichen. Einer derselben, die sog. Kemnate der hl. Elisabeth, neuerdings mit byzantinisierenden Mosaiken ausgekleidet. — Wohl erhaltene Innentreppe, die zum mittleren Geschoß emporführt. Hier das Landgrafenzimmer mit erneuerter Holzdecke und erneuerten Arkadenfenstern. Reich verzierte rom. Stützsäule. Wandgemälde von M. v. Schwind. Der Sängersaal mit Holzdecke und zwei alten Stützsäulen. Wandgemälde von Schwind, den sagenhaften Sängerkrieg darstellend. Anstoßend die Sängerlaube, zu der Stufen hinanführen, erneuert. Kapelle, nicht im ursprünglichen Bauplan vorgesehen, wahrscheinlich von Landgr. Ludwig für seine Gemahlin Elisabeth eingebaut. Eine reich verzierte rom. Mittelsäule, trägt die Kreuzgewölbe. Fenster der SSeite mit skulptierten Kaptt. alt. — Holzkanzel von 1628. Got. Chorstuhl. Viele kleinere ma. Ausstattungsstücke. — Elisabethgalerie mit Wandgemälden von M. v. Schwind. Wendeltreppe aus dem 19. Jh. führt zum Obergeschoß, das einen einzigen großen Saal enthält, dessen Ausstattung durchweg neu ist. Die Arkaden der Zwischenwand sind sämtlich alt, die der W- und NWand zum Teil. Decke und Dach nach Ritgens Entwurf rekonstruiert.

2. Der hintere Bergfried im Hofe der Hauptburg, got. Sein hohes Dach wurde 1803 abgetragen und durch einen Zinnenkranz ersetzt.

3. Ringmauer der Hauptburg gegen S und W im Unterbau alt, in den oberen Teilen meist erneuert.

4. Zisterne im Hofe der Hauptburg, jetzt ohne Überdeckung und mit einem ganz irreführenden Zinnenkranze aus dem 19. Jh. umgeben.

5. Torturm in der Vorburg, Unterbau rom., Oberbau im 16. Jh. abgetragen bis zur Dachhöhe des aus got. Zeit stammenden

6. Ritterhauses, das aber bei der Restaurierung im 19. Jh. durch romanisierende Arkadenfenster entstellt wurde. Im Erdgeschoß Wachstube mit got. eisenbeschlagener Tür. Im 1. Obergeschoß reizvolle Eingangshalle mit spgot. Deckenbemalung. Gegen S stößt an das Ritterhaus

7. die Vogtei, das massive Erdgeschoß aus 15. und 16. Jh., der Oberstock aus Fachwerk, mehrfach erneuert. Hier eingebaut das got. geschnitzte »Pirckheimerstübchen« aus Nürnberg und die Lutherstube mit got. und Renss. Möbeln, Bildern von Cranach usw. An der SSeite der Vogtei got. Holzerker aus Nürnberg angebaut. 8. Der Margarethengang, ein überdeckter Verbindungsgang [pg 414] auf der westlichen Ringmauer der Vorburg.

9. Der Elisabethengang, überdeckter Verbindungsgang mit angebautem Schützenerker auf der östlichen durchweg wohlerhaltenen Ringmauer der Vorburg.

Bauten aus der Zeit der Restauration (1838-1867): Das an der SSeite des Palas angebaute, massive, in rom. Stile gehaltene Badehaus an der Stelle eines früheren Fachwerkbaues. An der WSeite das Gadem (Gästehaus) in Fachwerkstil. (Der Keller unter diesem Gebäude ist noch mittelalterlich.) Nördlich an den Palas anstoßend die in rom. Stil ganz massiv erbaute neue Kemenate mit Wohnräumen für den Hof (Keller mittelalterlich,), auf drei Seiten um den Hauptturm herumgebaut, der ungefähr auf den Fundamenten des alten, ebenfalls quadratisch gewesenen, im 18. Jh.. abgetragenen Hauptturmes neu errichtet ist. Torfahrtshaus, das Haupt- und Vorburg scheidet, in rom. Stile gehalten, darüber ein länglicher Wohnraum, die sog. Dirnitzlaube; endlich an der WSeite, teils in der Haupt-, teils in der Vorburg stehend, die Dirnitz, massiv in got. Stil erbaut. Unterbauten z. T. noch mittelalterlich. Im Erdgeschoß der reichhaltige Rüstsaal, in den oberen Geschossen Wohnräume für Gäste. Reich geschnitztes »Schweizerzimmer«, aus dem Schlosse der Herren v. Salis-Soglio bei Chur, treffliche SpRenss.-Arbeit. An der N Seite außen rom. Steinrelief: Simson mit dem Löwen.

WARZA. Sachsen-Gotha LA Gotha.

Dorf-K. 1520 und 1554, in den Zierformen nicht uninteressant.

WASEWITZ. K. Sachsen AH Grimma.

Dorf-K. kleiner, gut erhaltener rom. Bau wohl noch 12. Jh.

WASSERLOSEN. UFranken BA Hammelburg.

Kirche. Zwei virtuose Rokokoaltäre mit Altarblättern von Nic. Treu. 1762.

WÄSSERNDORF. UFranken BA Kitzingen.

Pfarr-K. Einheitlich spgot. 1496. — Madonna, Holz, um 1480. 5 Epitaphe der Schwarzenberg und Seinsheim. Das älteste und beste Stück die betende Profilfigur des Kilian v. Seinsheim † 1502, sehr feiner Porträtkopf, die untere Hälfte der Platte zerschlagen.

Schloß (nach dem Aussterben der Linie Seinsheim-W. im 16. Jh. an die Schwarzenberg). Neubau 1555. 4flügeliger Wohnbau, Ringmauer mit Türmen. Formen einfachst. Im Innern eine Reihe von Zimmern im Zustande des 16. Jh. Fachwerkwände mit farbiger Bemalung.

WASUNGEN. Sachsen-Meiningen. Kr. Meiningen.

Stadt-K. 1584, im Charakter einer größeren Dorf-K., 1sch. mit 3/8 Schluß, spitzbg. maßwerklose Fenster. Inneneinrichtung [pg 415] mit Holztonne und hübsch geschnitzten Emporen E. 17. Jh.

An und in der ganz einfachen Friedhofs-Kap. (mit rom. Mauerresten) zahlreiche, durchweg bescheidene Grabsteine.

Rathaus 1533, einer der ältesten und tüchtigsten Fachwerkbauten des Gebiets. (Einige Veränderungen 1904).

Amtshaus 1606. Auf hohem steinernem Erdgeschoß ein Fachwerk-Obergeschoß mit Giebel. Alte Inneneinrichtung. Stattliches Hoftor in origineller Rustika, bez. 1611.

Mehrere Höfe ritterlicher Familien. Zweifelshof 1576. Marschalksches Damenstift 1596, im Innern Stuckdecken. Weyenhof 1630, auch hier Stuckdecken in Quadraturwerk. — Bürgerhäuser des 17. Jh. in guter Fachwerkarchitektur. — Reste der Stadtmauer.

Burgruine Maienluft. Hoher 4eck. Bergfried in Buckelquadern, Abschluß rest.

WATZENDORF. Sachsen-Coburg LA Coburg.

Kirche 1729, an der Flachdecke Gemälde, Chor spgot. rck. mit rippenlosem Kreuzgwb.

WECHSELBURG. K. Sachsen AH Rochlitz.

Schloß-K. (früher K. des Augustiner-Klst. Zschillen). Gegr. 1168 von den Wettinern. Das Weihedatum 1184 nicht maßgebend; die einheitliche Formengebung weist auf das 2. bis 3. Jahrzehnt des 13. Jh. — Eine der spätesten Flachdeckbasiliken, in der Erscheinung klar und frei. Normaler kreuzf. Gr., 54,3 m l. Mauern Gneisbruchstein, für die Gliederungen harter Rochlitzer Sandstein. Im Lhs. 6 Achsen. Die Pfll., auch die der Vierung mit Ecksäulchen. Aus späteren Zeiten keine Veränderungen als die spgot. Einwölbung des Lhs. im 15. und die des Qsch. im 14. Jh. Die WTürme schließen eine nach dem Schiff sich öffnende Empore ein. Die WWand ohne Eingang; derselbe ist an die NSeite verlegt; Doppelportal mit 3seitig offener Vorhalle; die reichen und zierlichen Details enthalten Erinnerungen an den sog. Königslutterer Stil und noch mehr an Kreuzgang und Choreingang des Magdeburger Doms. Das Äußere durchgehend mit fein profilierten Lisenen und reichen Bogenfriesen belebt; an den Mauerecken feine Rundstäbe; die Fenster des Chors mit Säulchen im Gewände; über dem Apsidendach am OGiebel ein Vierpaßfenster. An den Giebeln des Qsch. Erneuerung der Dächer noch in sprom. Zeit zu erkennen. Die WTürme nur bis zur Höhe des Schiffs ausgeführt; nach dem Kirchenmodell auf dem Grabe des Stifters zu schließen, wäre auch ein Vierungsturm beabsichtigt gewesen. — Das Innere birgt Bildhauerwerke, die unter den edelsten Kleinoden deutscher Kunst zu nennen sind. Einheitlich [pg 416] nach Vollendung der K., also um 1230-35, leider nicht mehr in ursprünglicher Anordnung. Bis zu den eingreifenden Veränderungen im J. 1666 lag der Fußboden des Chors, veranlaßt durch die Krypta, 2,5 m höher als jetzt; zu ersehen aus der Höhenlage der Arkatur in der Apsis und der Basen der Ecksäulchen an den Triumphbogenträgern. Gegen das Qsch. war der Chor durch einen Lettner abgeschlossen. Jetzt ist derselbe hinter den Altar, an die Grenze der Apsis, zurückgeschoben und bei dieser Operation auch in seiner Zusammensetzung verändert. (In einem Wirtschaftsraum des Schlosses befinden sich formierte Trümmer, die über die ursp. Gestalt Aufschluß geben könnten.) Der jetzige Altartisch vor dem Mittelbogen ist modern. Es liegt nahe, zu glauben, daß sich unter ihm die Eingangstreppe zur Krypta befand, während die seitlichen Arkaden zu den Chortreppen führten. Seine Laubdekoration ist die ursprüngliche; die in den Zwickeln befindlichen Halbfiguren von Kain und Abel haben diesen Platz erst bei der letzten Rest. erhalten; vorher gehörten sie zur Kanzel (Abb. bei Puttrich). Die zweite Höhenabteilung enthielt unter dem großen Mittelbogen, jetzt mit modernem Relief ausgestattet, wahrscheinlich die Kanzel; zu deren beiden Seiten in Wandnischen 4 Gestalten des Alten Testaments (Daniel und David, Absalom und ein ungewisser Prophet). Die Gegenstände der Kanzelreliefs sind: an der Front Christus in der Glorie umgeben von den Evangelistenzeichen und begleitet von Maria und Johannes d. T. (»Dusis«); an der linken Schmalseite die eherne Schlange, an der rechten Isaaks Opferung; die oben genannten Halbfiguren Abels und Kains sowie zwei Halbfiguren von Engeln werden schicklich auf die Zwickel der Bögen verteilt, von denen man die Kanzel getragen denken muß. Die Kanzelbrüstung hatte ursp. polyg. Gr., so daß die Seitenfelder mit Maria und Johannes in stumpfem Winkel zurücksprangen. Mithin Anordnung der 5 Relieftafeln [**Illustration:]. Endlich die Krönung des ganzen Aufbaues, die kolossale Kreuzigungsgruppe; die starke Ausbiegung der Hüfte (byzantinisch) und die Durchbohrung der Füße mit einem einzigen Nagel eines der frühesten Beispiele; zu Häupten Christi im Dreipaß der Kreuzesendigung die Halbfigur des Vaters mit der Taube; zunächst den ausgestreckten Armen, wieder in Dreipässen (vgl. Halberstadt), zwei über Betrachtung der Wundmale in Jammer ausbrechende Engel; zu den Füßen Marias eine gekrönte weibliche Gestalt, zu den Füßen Johannes eine desgl. männliche, auf die überwundenen Mächte des Judentums und Heidentums gedeutet; zu den Füßen Christi Adam, der [pg 417] in einem Kelche das erlösende Blut auffängt. Die Gesamtkomposition also eine Darstellung der im alten Bunde verheißenen und antitypisch vorgebildeten, im neuen vollzogenen Welterlösung. — An ihrem ursp. Platz zwei als Melchisedek und Abraham (als Heerführer) vermutete Freistatuen. — Die Kreuzigungsgruppe aus Eichenholz, in den Figuren etwas mehr als lebensgroß; alles übrige Bildwerk aus dem grobkörnigen und harten Rochlitzer Stein; Bemalungsspuren bis zur letzten Rest. gut sichtbar. Der Stil eine freie Verarbeitung byzantinischer Anregungen, den Freiberger Skulpturen in den Voraussetzungen verwandt, aber ohne direkte Beziehung zu ihnen. In der Ausführung am vollkommensten ist die Kreuzigungsgruppe; feierliche Ruhe der Linien, Reinheit des Formgefühls, Mäßigung und Verinnerlichung des Pathos und im Zusammenklang aller dieser Eigenschaften eine Monumentalität, die für die deutsche Kunst damals eine neue Offenbarung war. In der Behandlung erinnert noch einiges an die Traditionen der Kleinkunst; es weist zurück auf das, was zu überwinden nötig gewesen war. Von anderer Hand die in Stein ausgeführten Stücke; besonders die Kanzelreliefs mehr realistisch, voll Größe, schwierigen Aufgaben der Verkürzung gewachsen. — Ungefähr derselben Zeit, doch in der Qualität nicht auf gleicher Höhe das Grab der Stifter, des Grafen Dedo von Wettin und seiner Gemahlin Mechthildis; lebensgroße Gestalten, auf der Tumba ruhend.

WECHTERSWINKEL. UFranken BA Mellrichstadt.

Ehem. Cisterc. Nonnen-Klst.

Kirche. Gew. 1179, z. T. abgebrochen 1895. Ursp. 3sch. rom. Basilika, nur ein Teil des Lhs. und die Apsis erhalten, auch der Nonnenchor abgerissen. Breite 19,7, Länge 18,3 m. 4 Arkaden auf einfachen rom. Pfll. und glatten Rundbgg. Soweit im Stil zu 1179 passend. Jünger das einfache WPortal mit Rundbogentür und kleinem rom. Crucifixus. — Barockaltar aus Kloster Bildhausen. Kleine Predella mit Bild einer Äbtissin 1558.

Propstei von 1792. Mit schönem Treppenhaus.

WEESENSTEIN. K. Sachsen AH Pirna.

Schloß auf hohem Felsen über der Müglitz. Erste Anlage angeblich von König Heinrich I. Von A. 15. bis E. 18. Jh. im Besitz der Bünau. Aufbau, dem Felsen folgend, in 8 Stockwerken, die unteren die jüngsten, so daß die Kellereien im 5., die Ställe im 3. Stockwerk liegen. Die Vorburg auf einem durch Brücke verbundenen zweiten Felsplateau. Im sog. Mönchsboden Wandmalereien der frühesten Renss. Einrichtung der Schloßkirche 1738-41. Der »steinerne Saal« [pg 418] 16. Jh. Schmuckreiches Hauptportal 1575. Aus A. 18. Jh. Stuckdecken, Ledertapeten, bmkw. Möbel. Im Gartenflügel gute klassizist. Ausstattung. Porträts von Rotari, Mengs, Graff, Vogel, Leypoldt, Torelli. — Oben im Walde Jagdschlößchen mit prachtvollen Rok.-Öfen.

WEHNDE. Pr. Sachsen Kr. Worbis.

Dorf-K. 1670 gotisierender Barock.

WEHRDA. RB Cassel Kr. Hünfeld.

Dorf-K. An den got. OTurm 1567 ein rck. Schiff angebaut, der Turm wehrbar. Viele Grabsteine 16-18. Jh.

WEHRDA. RB Cassel Kr. Marburg.

Dorf-K. mit wehrbarem WTurm (ca. 1490) auf befestigtem Kirchhof. — Spgot. Schnitzaltar.

WEHRSHAUSEN. RB Cassel Kr. Marburg.

Marien-K. OHälfte 1475, WHälfte jünger. Rck. mit 6 Kreuzgwbb. auf Laubkragsteinen, polyg. Schluß. Hübscher Dachreiter.

WEIDA. Sachsen-Weimar Kr. Neustadt a. d. O.

Stadt-K. (ehem. Franziskaner); 1sch. got. Bau mit 3/8 Schluß; im 16. Jh. ein südl. Ssch. angebaut; turmlos; das WPortal in einfachen frgot. Formen. — Kanzel und andere Ausstattungsstücke 1646 ff. Tüchtiges lebensgroßes Kruzifix 1680.

Friedhof. Portal 1580. Kanzel, interessanter kleiner Freibau von 1608.

Peters-K. Ruine mit großem rom. Turm.

Wieden-K. Ruine; Lhs. und doppeltürmiger WBau rom. Um M. 14. Jh. begonnen mit dem Chor ein Neubau, der nicht beendet wurde; ausgezeichnete Leistung der in diesem Teile Deutschlands wenig vertretenen Hochgotik. Der Chor schließt mit 5 Seiten des 8Ecks, Maßwerk und Laubwerk von bester Zeichnung. — In der WVorhalle Spuren von Wandmalerei (13. Jh.?).

Nonnenklst.-K., aus E. 12. Jh. und E. 14. Jh., sehr verbaut, später städt. Kornhaus.

Rathaus 1580, rest. nach Brand 1687, denen zu Altenburg und Gera verwandt.

Schloß Osterburg; eine noch immer bedeutende Baugruppe, wenn auch nicht mehr so reich wie auf der Ansicht Merians. Großer runder Bergfried; der erste, ca. 30 m hohe Absatz 2. H. 12. Jh.; der zweite Absatz, 22 m hoch, von kleinerem Radius, und die beiden Zinnenkränze aus dem späten Ma. Die Wohngebäude im 16. und 17. Jh. um- und ausgebaut, ihrer Zwerchhäuser und sonstigen Schmuckes großenteils beraubt. In der Kap. rom. Bündelpfll., ähnlich denen im Klst. Mildenfurt.

WEIDELSBURG. RB Cassel Kr. Wolfhagen.

Burgruine. Noch ziemlich viel erhalten, 14.-16. Jh. 2 große Wohngebäude, umgeben von Mauern mit 9 halbrunden Türmen und tiefem Graben.

WEIKERSGRÜBEN. UFranken BA Gemünden.

Pfarr-K. Guter spgot. Flügelaltar um 1490. — Holzfigur St. Nikolaus, würzburgisch um 1500.

WEILAR. Sachsen-Weimar VB Eisenach.

Dorf-K. Einheitlich 1740. — Hübscher Rok.Kanzelaltar, mit der Orgelempore verbunden. Im Herrschaftsstand mehrere Flügelgemälde E. 15. Jh. (in diesem Gebiet selten).

Schloß (v. Boineburg) M. 18. Jh. Ausstattung aus dieser und der Folgezeit. Gemälde- und Waffensammlung.

Auf dem Beyer vorgeschichtliche Wallburg.

WEIMAR. Kr. Cassel-Land.

Dorf-K. Mauern im W frrom., nach O sprom. erweitert, Gwbb. spgot. — Steinkanzel spgot., Empore renss.

WEIMAR. Hauptstadt von Sachsen-Weimar.

Haupt- und Stadt-K. Spgot. Halle. Beg. 1498, umgebaut 1735. — Großer Reichtum an Grabmälern (im Inv. werden ihrer 49 beschrieben). Darunter 6 große Wandgräber: 1) für Herzog Joh. Wilhelm † 1573; Triumphbogen in den Formen italienischer Hochrenss. mit einzelnen nordisch-barocken Zügen; — 2) für Herzog Johann III. † 1605 und Gemahlin von L. Tüttich und H. Hünefeld aus Leipzig; die Triumphbogenform klar durchgeführt, die Einzelheiten sehr barock; in der Hauptnische die Ölbergsgruppe; — 3) für die Kurfürstin Agnes † 1555, reliefierte Wandtafel auf hohem Fuß; — 4) für Friedrich Wilhelm I. † 1602; der Herzog und die Herzogin Freifiguren, kniend vor dem Kruzifix; dieses Hauptfeld flankiert von gekuppelten korinth. Sll. mit verkröpftem Gebälk; an dem hohen Sockel und der Attika Relieftafeln; — 5) für Johann Friedrich III. † 1565; das Motiv ähnlich dem Epitaph der Kurfürstin Agnes; — 6) für die Herzogin Dorothea Susanna, Witwe Joh. Wilhelms, † 1592; geteilt durch 4 jonische Pilaster, vor welchen 4 jonische Freisäulen; die Verstorbene dreimal, als Kind, Braut und Witwe (oder mit zwei Töchtern?); Alabaster, roter Marmor und Schiefer. Unter den Grabplatten am meisten bmkw.: 7) Kurfürstin Margarethe † 1521; Bronzeguß aus der Werkstatt P. Vischers, flaches Bildnisrelief, Umrahmung durch einen Kleeblattbg. mit leichter Andeutung von Maßwerk; am Rande der Platte die Umschrift in got. Minuskeln mit einer schmalen Bordüre von renss. Ornament; — 8) Lucas Cranach »pictor celerrimus [pg 420] et consul Witebergensis« † 1553; Sandstein; die Porträtfigur künstlerisch von mäßigem Wert; — 9) Herzog Wilhelm d. Tapfere † 1482; Bronze; die Zeichnung in kühnen derben Umrissen vertieft geschnitten; der Herzog im freien Raume stehend, halb links gewendet; — 10) Joh. Friedrich d. Großmütige und Gemahlin, beide † 1554; zwei Tafeln aus Bronze auf steinernem Sockel; nur mit Wappen und Inschriften; Umschließung durch ein schönes eisernes Gitter; Entwurf des Ganzen vom Maler Peter [Gothland], die Bronzeplatten vom Bildhauer Hermann in Erfurt und dem Büchsengießer Jacob Schlaf in Eisleben; — 11) Kurfürstin Agnes † 1555 (zusammengehörig mit dem Epitaph No. 3); Bronzeplatte, bloß ornamental behandelt, in der Mitte das große Wappen in stärkerem Relief. — Altartriptychon von L. Cranach; des Meisters letztes Werk, in dem seine lange verwahrloste Kunst sich noch einmal hebt; bez. 1552, ein Jahr vor seinem Tode, vollendet von seinem Sohn 1555; auf dem Hauptbilde in der Mitte Christus am Kreuz; links der Auferstandene als Sieger über Tod und Teufel; rechts die Porträtgestalten Luthers und Cranachs, von Johannes dem Täufer auf das Kreuz hingewiesen; auf den Flügeln Porträts der kurfürstlichen Familie; auf den Außenseiten Christi Taufe und Himmelfahrt. — Drei Lutherbildnisse zu einem Triptychon zusammengestellt, das linke bmkw. Original von Veit Thim, die beiden anderen Kopien nach Cranach.

Residenzschloß. Die seit 1651 von Moritz Richter erbaute Wilhelmsburg hatte einen ähnlich unbewegt mäßigen und düsteren Charakter wie der Friedenstein in Gotha. Nach Brand 1774 unter Goethes Leitung Um- und Neubau (bis 1803). Architekten: Steiner, Ahrens, Thouret, Genz. Drei Flügel umgeben einen rck. Hof, der an der vierten Seite frei bleibt; mäßig gegliedert; Formen nüchtern neuklassisch. Vor der SWEcke einige von dem älteren Schloß gerettete Baulichkeiten: der Schloßturm, im Unterbau von 1439, in den Obergeschossen E. 18. Jh.; die »Bastille« mit großem renss. Tor um 1550, Säulenhalle an der Parkseite aus 17. Jh.

Rotes Schloß, 1574 als Witwensitz der Herzogin Susanna erbaut; der Erker beraubt und sonst einfach.

Gelbes Schloß, im selben Gebäudekomplex wie das vorige; 1702.

Grünes Schloß (jetzt Bibliothek), in ursp. reicher, an den Schauseiten durchaus bemalter Renss.; 1760 und 1803 das Äußere vereinfachend umgebaut, das Innere rok.

Wittumspalais, erb. nach 1750 in bescheidenen Formen.

Stadthaus 1526-1547. — Haus der Familie v. Lützelburg [pg 421] (jetzt Staatsanwaltschaft) 1568. — Cranachhaus am Markt (von C. bewohnt 1552-53), wesentlich E. 16. Jh. — Haus Herderplatz No. 16, ehemals dem Deutschorden gehörig, 1566, Renss. strengerer Richtung. — Das Goethe- und das Schillerhaus; neben ihrem Erinnerungswert als Typen des vornehmeren und des bescheideneren mitteldeutschen Bürgerhauses am E. 18. Jh. nicht uninteressant. — Ein ähnliches Doppelinteresse bietet der Park mit seinen Ziergebäuden aus Goethes Zeit.

WEISCHWITZ. Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld.

Dorf-K. wesentlich 1792. — Drei Figuren von einem Altarwerk um 1500 »zu den vorzüglichsten Erzeugnissen der Saalfelder Werkstatt zu rechnen«.

WEISMAIN. OFranken BA Lichtenfels.

Pfarr-K. Spgot. Alt nur der Chor; das Lhs. (Halle) erneuert; genauere Anhaltspunkte für die ursp. Gestalt waren nicht mehr zu finden.

Rathaus 1634. — Gut erhaltenes Torhaus mit Turm.

WEISSENBERG. K. Sachsen AH Löbau.

Stadt-K. Stattlicher Altar 1666. — Lange Reihe v. Gersdorfscher Grabsteine 16.-18. Jh.

Rathaus nach Brand 1787, ältere Teile benützend.

WEISSENBORN. K. Sachsen AH Freiberg.

Dorf-K. ohne ausgeprägten Stil. — Stattliches Epitaph des Adolf v. Hartitzsch bez. 1612, in der Art der gleichzeitigen Arbeiten in Sayda und Lauenstein. — 3 ikon. Grabsteine derselben Familie 1557, 1632, 1664. — Schloßruine.

WEISSENBORN. K. Sachsen AH Zwickau.

Dorf-K. 14. Jh., umgearbeitet 1430 und 1552. — Selbdritt, gutes Schnitzwerk um 1500. Glocke 14. Jh., mit 1489 und 1538.

WEISSENBRUNN AM WALD. Sachsen-Coburg LA Coburg.

Kirche 1508 (Inschr. über der NTür), umgebaut 1753. Schloß 1556.

WEISSENFELS. Pr. Sachsen Kreisstadt.

Stadt-K. S. Marien. Sandsteinquaderbau. Am WTurm Inschrift 1303; das übrige nach Brand 1429 erneuert bis 1480, doch wohl mit Benutzung der alten Grundmauern. Die Schmalseite des Ssch. spricht für ehemalige Basilika. Jetzt die drei Schiffe von gleicher Höhe, das Gwb. des Msch. nicht ausgeführt (Balkendecke), in den Ssch. Netzgwbb. Die Fensterachsen der SSeite entsprechen nicht den Arkaden. Die Ssch. schließen sonderbarerweise mit 2 Polygonalseiten, der in Breite des Msch. vorgebaute Chor hat 2 Joche und 5/10 Schluß. Seine Fenster und Strebepfll. sind sehr reich dekoriert, ungefähr in [pg 422] der Art der Schloß-K. zu Altenburg, während das Lhs. sparsam gehalten ist. — Hochaltar 1524, sonstige Ausstattung 1670-84.

Ehem. Klst. S. Clara (profaniert und ruinös). Im wesentlichen der Gründungsbau von 1285. Sehr langgestreckt (9,9 : 52,9), der Chor nicht abgesetzt, aber durch (spätere) Gwbb. vom flachgedeckten Lhs. unterschieden. Er schließt 3/8. Im W. 2jochige Nonnenempore. Die schlanken Fenster 2teilig, als Maßwerk einfacher Kreis über 2 Spitzbgg. — Die spgot, Kanzel aus der Stadt-K. versetzt. — Die als Magazine vernutzten Klst.Gebäude in der Anlage noch zu erkennen.

Schloß Neu-Augustusburg. 1664-90 von Erhard Lindner; der Entwurf wohl von Moritz Richter, ähnlichen Charakters wie die Schlösser von Weimar und Gotha. Imposanter Massenbau in schlichtesten Einzelformen. 3 Flügel in Triklinienstellung. Je 21 Fensterachsen in 3 Geschossen. Keine Giebel. Einziger Akzent der breite turmartige Aufsatz auf dem Mittelflügel. Die innere Ausstattung durch Umwandlung zur Kaserne zerstört. Von namhaftem Interesse die von Leonhard Sturm, dem Theoretiker des protestantischen Kirchenbaus, gerühmte Kap. Saalbau mit Emporen nach dem durch das Schloß von Torgau vorbildlich gewordenen Typus. Sehr reiche »täppisch-überzierliche« Dekoration in weißem Stuck auf rosa und apfelgrünem Grunde.

Rathaus 1670, Turm 1690 von Chr. Richter. — Bürgerhäuser renss. und bar.

WEISSENOHE. OFranken BA Forchheim.

Ehem. Benedikt. Klst.-K. gegr. im 11. Jh., neu erbaut und ausgestattet 17.-18. Jh., ohne künstlerische Bedeutung.

WEISSENSEE. RB Erfurt Kreisstadt.

Nikolai-K. (jetzt Remise). Einfacher 1sch. rom. Bau mit got. Veränderungen.

Petri-Paul-K. Der gestreckte got. Chor, 3 Joch und 5/8 Schluß nach 1331, das 1sch. flachgedeckte Gemeindehaus jünger. 2 Schnitzaltäre um 1500.

Landgrafenburg. Die rom. Anlage vollständig erhalten, ähnlich dem Landgrafenhause der Wartburg und wahrscheinlich von demselben Meister erbaut. Fenster vermauert. Im Erdgeschoß des Turms rom. Sll. Erhalten auch das rom. Außentor.

WEISTROPP. K. Sachsen AH Meißen.

Dorf-K. 1499. Stark verändert. Im großen WTurm Vorhangsbögen. — Schloß ohne Interesse. Porträts von Graff und Tischbein.

WEITERSHAUSEN. RB Cassel Kr. Marburg.

Dorf-K. Roher 1sch. Gwbbau im rom.got. Übergangs-Stil, 1700 rest.

WELKERS. RB Cassel Kr. Fulda.

Dorf-K. neu. Flandrisches Altarwerk mit geschnitzter Kreuzigung in 23 Figuren, E. 15. Jh.

WENDELSTEIN. Pr. Sachsen Kr. Querfurt.

Burg. Seit M. 14. Jh. Besitz der Witzleben, im 16. Jh. als fürstengleicher Edelsitz eingerichtet, im 30jähr. Kriege zerstört; jetzt größeren Teils Ruine, einige Gebäude notdürftig unter Dach. Das 1596 für Wolf Dietrich v. Witzleben von Friedrich Fuss errichtete »Neue Schloß« zeigt im Hauptportal Hochrenss. in vornehm behandelter jon. Ordnung; an der Tür des Treppenturms Elemente des Florisstils.

WENIGENJENA, Vorstadt von Jena. Sachsen-Weimar.

Dorf-K. Urspr. als langgestreckte Klst.-K. geplant. Unvollendet. Chor mit 5/8 Schluß hochgot., die Gewölbe 1902 ergänzt. Dürftiges kleines 1sch. Lhs. aus A. 16. Jh. Außen an der SSeite reich angelegtes und sorgfältig ausgeführtes, aber unvollendet gebliebenes Portal aus der ersten Bauzeit. — Sakramentsnische, auf der Grenze von Hoch- und Spgot. — Gedenktafeln aus 17. und 18. Jh. — Im Chor Wandmalereien des 14. Jh., Jüngstes Gericht, Passion und Heiligenlegende.

WENKBACH. RB Cassel Kr. Marburg.

Dorf-K. Rom. 12. Jh. Der breite OTurm bildet mit seinem Erdgeschoß den Chor. Abgewalmtes Satteldach mit 4 Erkern. Am flachged. Sch. nur die SMauer rom.

WERDAU. K. Sachsen AH Zwickau.

Stadt-K. 1760 vom Dresdener Baudirektor S. Locke. Hallenbau mit Emporen. Stuckierung von A. Vogel. Reicher Kelch M. 15. Jh.

WERKEL. RB Cassel Kr. Fritzlar.

Kirchturm, spgot. von 1508 mit hohem, schlankem Holzhelm, woran 4 Ecktürmchen.

WERLESHAUSEN. Pr. Sachsen Kr. Heiligenstadt.

Ansehnlicher Edelsitz der Herren v. Harstein 1565, steinerner Unterbau, 2 hohe Fachwerkgeschosse, Treppenturm und Erker.

WERNBURG. Pr. Sachsen Kr. Ziegenrück.

Dorf-K. Chor rom., Sch. jünger. Ausstattung von einigem Interesse.

Kap. S. Veit. Kleiner malerischer spgot. Bau. Am Chorgiebel reiche Maßwerkblenden.

Schloß 1580. Stattlicher Renss.Bau. Im Erdgeschoß große gewölbte Halle.

WERNECK. UFranken BA Schweinfurt.

Sommerschloß des Fürstbischofs Karl Friedrich von Schönborn, [pg 424] 1731 bis 1747 von B. Neumann. Mit den sich anschließenden Stallungen und Ökonomiegebäuden eine große, komplizierte Anlage; im Hauptbau 2 Säle und 100 Zimmer. Die glänzende innere Einrichtung 1806-14 durch Großherzog Ferdinand völlig verändert, jedoch in der Kapelle noch die Stuckdekoration aus der Erbauungszeit. Weitere Zerstörungen bei der Einrichtung als Irrenanstalt. Prachtvolle Gittertore von Oegg in der Art jener des Würzburger Schlosses. Der ausgedehnte Park anglisiert.

WERNSTEIN. OFranken BA Kulmbach.

Schloß. Über Buckelquaderfundamenten des 13. Jh. kleiner Renss.-Bau 1567. Befestigung mit reicher Tordekoration 1576, anscheinend von Caspar Vischer. Im Vorwerk großer Festsaal 1580-93, Porträtmedaillons und Ornament im Charakter der Plassenburg.

WESTENFELD. Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.

Dorf-K. 1579, verändert 1731.

WESTHAUSEN. Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen.

Dorf-K. rom. Anlage mit OTurm, in spgot. Zeit gründlich umgebaut.

WETTER. RB Cassel Kr. Marburg.

K. des 1015 gegr. adligen Jungfrauenstifts. Baudaten fehlen. Möglicherweise etwas vor der Elisabethkirche in Marburg begonnen, ist sie doch wesentlich unter deren Einfluß ausgeführt, mit Neigung zu etwas altertümlicherer Prägung der Einzelformen. Gr. und System gleichen, bei bedeutend kleineren Abmessungen, ganz dem Marburger, mit dem Unterschied, daß die Kreuzarme nicht polygonal, sondern in gewöhnlicher Weise gerade schließen. Das Qsch. enthält also außer der quadr. Vierung je 2 rck. Gewölbefelder. Das Lhs. 5 Joche. Ganze innere L. 40 m. Von Marburg abweichende Züge sind sonst noch: die Schaftringe an den Diensten der OTeile; die schlichten runden Sockel; die fast zur Hälfte nach innen gezogenen Strebepfll.; die primitive Bildung des Maßwerks durch Ausschnitt aus Steinplatten; die Walmdächer auf den Kreuzflügeln (die jetzigen Dachgiebel eine willkürliche Zutat von G. G. Ungewitter). Das Hauptdach aus 15. Jh.; vorher über dem Msch. ein gesondertes Satteldach und quergestellte Dächer über jedem Joch der Sschiffe. Ursp. geplant wahrscheinlich 2 W-Türme. Jetzt ein einzelner großer von 1506. Die spgot. Bemalung des Innern von C. Schäfer beseitigt und nach vorgefundenen frgot. Resten erneuert; ob für das Ganze zutreffend, ist natürlich zweifelhaft. Auch am Äußeren des Chors Spuren eines gemalten Frieses. — Stifterdenkmal der Almudis und Dinkmudis. Schöner Celebrantenstuhl [pg 425] 1466. Taufstein frgot., 6 auf Löwen ruhende Säulen stützen das halbkugelige Becken. — Altar mit Retabelgemälde, 7 Passionsszenen, 13. (??) Jh. — Wandmalereien im Chor spgot.

Von dem alten Stiftsgebäude geringe Reste.

Von der Stadtbefestigung Teile mit Wehrgang erhalten.

WETTESINGEN. RB Cassel Kr. Wolfhagen.

Dorf-K. sprom. mit 2 rippenlosen Kreuzgwbb. WTurm wehrhaft, ohne Tür. Bemalte Steinkanzel und Taufstein aus 13. Jh.

WETTIN. Pr. Sachsen Saalkreis.

Stadt-K. spgot. unbedeutend.

Burg, malerisches Landschaftsbild, architektonisch ohne Interesse.

WETTRINGEN. UFranken BA Hofheim.

Pfarr-K. Wesentlich 1775. Sehr ansehnlicher Hochaltar, die Figg. in der Richtung P. Wagners, ebenso die vortrefflichen Kruzifixe auf den Seitenaltären. Pietas A. 16. Jh. — Mehrere Bildstöcke.

WETZHAUSEN. UFranken BA Hofheim.

Ev. Pfarr-K. Einheitlich 1707, ebenso die Ausstattung. — Bmkw. durch Vollständigkeit und z. T. auch durch Qualität die lange mit 1460 beginnende Reihe von Grabmälern der Truchsessen v. Wetzhausen, 31 an der Zahl. — Bmkw. Kelch 14. Jh.

Schloß. Großer 4flügeliger, 4geschoßiger Bau des 16. Jh., Einzelheiten got. und renss.

WEYER. UFranken BA Schweinfurt.

Dorf-K. Got. OTurm mit Chor 1. Hälfte des 15. Jh. Der übrige Bau nebst Stuckaturen um 1730.

Pfarrhaus. Unter Abt Baumann von Ebrach (1703-14) erbaut. Gute Stuckdecken um 1730.

Malerischer Gemeindebrunnen auf zehn steinernen Säulen. Erneuert 1840.

Bildstock der Kreuzigung mit Stifter von 1623.

WICKERSHAIN. K. Sachsen AH Borna.

Marien-K. (früher Wallfahrts-K.). Durch wiederholte Um- und Anbauten hat die ursp. rom. Anlage (von welcher der turmtragende quadr. Vorchor und die WWand) eine sehr unregelmäßige Gestalt erhalten; der Chor von 1424 von eigentümlicher Verschiebung des polyg. Gr.

WIEDERAU. K. Sachsen AH Rochlitz.

Dorf-K. Von der rom. Anlage erhalten der Chor und das schöne Südportal.

WIEDERAU. K. Sachsen AH Borna.

Schloß (Gf. Hennicke) 1705, schmuckloser Putzbau von vornehmen [pg 426] Verhältnissen. Bmkw. die unveränderte Ausstattung des durch 2 Geschosse gehenden Saales. — Porträts von Graff, Venusstatue bez. Balth. Permoser 1724, von demselben die Jahreszeiten.

WIEDERKUNFT, FRÖHLICHE. Sachs.-Altenb. LA Roda.

Jagdschloß Joh. Friedrichs des Großmütigen beg. 1547. Inmitten eines von Waldbächen gebildeten Teiches. Nach vielen Beschädigungen im 19. Jh. sehr willkürlich rest. Urspr. ein großer, von Gräben, niedrigen Mauern und Ecktürmen mit Zwiebeldächern umgebener Hof; im Innern freistehend der Wohnbau aus Fachwerk; mit vielen Erkern und Türmen. — Die jetzige Ausstattung mit renss. Möbeln verschiedenen, meist fremden Ursprungs. 4 Gemälde aus der Schule Cranachs schildern das Leben Joh. Friedrichs. Relief-Brustbild desselben aus Papierteig und bemalt, eine damals in Thüringen beliebte Technik.

WIEDERSBACH. Pr. Sachsen Kr. Schleusingen.

Dorf-K. 1601, wie Hinternah.

WIESENBRONN. UFranken BA Kitzingen.

Pfarr-K. Turm (W) um 1300, Lhs. 1603. — Altar A. 17. Jh. mit bmkw. Gemälde von Hans Heunisch. — Grabmal des brandenbg. Geh. Rats Joh. Buttner † 1605 und seiner Frau, 2 Tafeln in schönem Bronzeguß von Joh. Weinmann.

WIESENFELD. RB Cassel Kr. Frankenberg.

K. einer um 1200 gestifteten Johanniter-Kommende. Frgot. 1260. Rck. mit Schluß aus 6Eck, im Sch. 4 oblonge Kreuzgwbb. An der NSeite großer 5geschossiger Turm ohne Tür, nur mit Leiter ersteigbar, also zu Verteidigungszwecken errichtet (rest. 1903).

Johanniterhaus. 1587, unbedeutend und verwahrlost.

WIESENFELD. Pr. Sachsen Kr. Heiligenstadt.

Dorf-K. 1768. Gutes Beispiel des ansehnlichen Eichsfelder Bar.-Typus (vgl. Geisleden, Rengelrode, Reinholtsroda, Volkerode, Wüstheuterode).

WIESENTHAU. OFranken BA Forchheim.

Dorf-K. spgot., stark rest. — Altäre 17.-18. Jh. Kanzel bar. mit spgot. Figg. Reich geschnitzter Beichtstuhl 18. Jh. Epitaphe der Familie v. Wiesenthau 1581, 1590, 1605.

Schloß, stattlicher Renss.-Bau mit Rundtürmen, Schneckenstiegen, Rittersaal. Im Bauernkriege zerstört, neu gebaut 1566.

WIESENTHEID. UFranken BA Gerolzhofen.

Pfarr-K. 1727-32 von Balth. Neumann; Bauführer der oft von Neumann verwendete und später im Kurfürstentum [pg 427] Trier selbständig auftretende J. G. Seiz. In ihr gibt der große Künstler seine Idee einer Landkirche, freilich mit ungewöhnlich reichlichen Mitteln, die ihm der vornehme Bauherr (Schönborn) zur Verfügung stellte, ausgeführt. Die Raumdisposition ganz einfach: hoher klarer Saalbau mit flacher Spiegeldecke, eingezogener Chor. Außen Verputzbau mit Sandsteingliederung. Mansarddach. Im Detail neben spezifischen Rokokoformen (Fenster) Elemente des dorischen Stils (Pilaster und Fries). Der Turm wächst hinter dem Fassadengiebel aus dem Dach; ein interessanter, indes kaum geglückt zu nennender Versuch. Die Innendekoration nachneumannisch; gemalte Scheinarchitektur an Wand und Decke, gut verbunden mit den prächtigen Stuckmarmoraltären. Auf dem Hochaltar bmkw. gut die Statue des h. Mauritius.

Kreuzigungsgruppe vor der K. 1766; groß, virtuos, enorm theatralisch.

Schloß der Grafen v. Schönborn; weitläufiger Komplex um einen quadr. Binnenhof, Ausführung 16.-18. Jh. im ganzen schlicht. Geschmackvoll eingerichtete Rok.Zimmer.

Gräfl. Gruftkapelle, ca. 1730. Im Innern Scheinarchitektur von dem Maler der Kirche (eine einstürzende Kuppel darstellend).

Rathaus in behäbigem fränkischem Fr.Rok.

WILDBURG. UFranken BA Königshofen.

Burgruine. Von der ehem. Stammburg des Dynastengeschlechtes Wildburg-Henneberg nur unbedeutende Reste erhalten.

WILDENBERG. UFranken BA Miltenberg.

Burgruine ca. 1170-1250. Eine der schönsten, die sich aus rom. Zeit erhalten haben; Gelnhausen und Münzenberg nicht nachstehend (die Inschriften jetzt im gräfl. Erbachischen Schloß Eulbach nicht einwandfrei). Die Anlage klar und regelmäßig. Ungewöhnlicher Aufwand an Kunstformen: rom. die Torhalle, darüber Kap. mit ausgekragtem Altarerker; der Palas rom. und frgot., ganz glänzende Fensterarchitektur.

WILDENFELS. OFranken BA Forchheim.

Burgruine bedeutend.

WILDPRECHTSRODA. Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.

Kirche 1683.

Schloß (v. Butlar). Der einzige ansehnliche Renss.Bau der Gegend, 17. Jh.

WILHELMSBAD bei Hanau RB Cassel.

Badanlage 1779, Brunnentempel, Logierhaus, Theater, Karussell; im Park künstliche Ruine, Insel mit Pyramide, Eremitage.

WILHELMSHAUSEN. RB Cassel Kr. Hofgeismar.

K. des ehem. Cisterc. Nonnen-Klst. Wahlshausen. Rom. 12. Jh. Flachgedeckte Basilika auf kreuzf. Gr., Apsiden am Chor und Qsch., im Lhs. 4 Arkaden mit Stützenwechsel. An den Sll. attische Basen mit Eckblättern, Würfelknäufe mit Pflanzenornament. Eine Tür am südl. Kreuzflügel umrahmt mit dem Profil der attischen Basis, im Tympanon Agnus Dei. (Nebenapsiden und Sschiffe jetzt zerstört.) 1892 rest. und vielfach verändert.

WILHELMSHAUSEN. Kr. Cassel-Land.

Ehem. Nonnen-Klst.-K. Im 13. Jh. Cisterc.-Nonnen. Die Bauformen der Kirche weisen auf 12. Jh. Im 30jährigen Kriege halb zerstört, 1891 rest. — Kleine kreuzf. Basilika (28 m l.). Der Gr. des Qsch. und Chors zeigt genau dieselben Abweichungen vom quadr. Schema wie Kaufungen. Hauptapsis alt. Im Lhs. 4 Arkaden mit Stützenwechsel. Wuchtige Sll. mit kurzem, stark verjüngtem Schaft, an den Flächen der Würfelkaptt. eingetiefte Palmette. WFassade turmlos. Rom. (?) Taufstein.

WILHELMSHÖHE bei Cassel.

Ein im 12. Jh. gegr. Nonnenklst. 1527 aufgehoben. Bescheidenes landgräfl. Schloß. Im 17. Jh. vergrößert. A. 18. Jh. unter Landgraf Karl Neubau (Entwurf von de la Fosse 1710) mit großartiger Parkanlage geplant. Nur die letztere wurde unter Karl wirklich begonnen, von seinen Nachfolgern fortgesetzt. Den Schloßbau verwirklichte erst Wilhelm IX. (Abbruch des alten Schlosses Weißenstein 1786-90). Der erste Entwurf von Wailly 1785 wurde abgelehnt; desgl., wegen zu großer Ausdehnung, der unter dem Einfluß Palladios entstandene, künstlerisch sehr bedeutende Entwurf von H. Chr. Jussow 1786. Den Auftrag erhielt Salomon Louis Du Ry (aus der in Cassel, s. dort, in mehreren Generationen tätigen Hugenottenfamilie). Die vorgeschlagenen Lösungen sehr verschiedenartig, übereinstimmend jedoch in der Stilfrage. Der in seiner Jugend bei Blondel in Paris gebildete Künstler hatte sich unumwunden dem Klassizismus englischer Färbung zugekehrt. Der Bau des nördl. Flügels begann 1788, der Mittelbau 1792, die Innenarbeiten 1803 vollendet. — Die Anlage modifiziert mit interessanter Wirkung, zumal in Anpassung an das bewegte Gelände und die ansteigenden Baummassen des Parkes, den traditionellen Hufeisengrundriß in der Weise, daß dessen 3 Flügel in 3 selbständige Gebäude aufgelöst, dann aber durch segmentförmige Zwischenbauten wieder verbunden werden, und zwar so, daß die Achsen der Nebengebäude zu dem Hauptgebäude in stumpfem Winkel anlaufen.

Nicht befriedigend ist das Höhenverhältnis der Zwischenbauten; sie waren auch ursp. auf das Erdgeschoß beschränkt; die Obergeschosse teils unter Jerôme, teils erst 1829 hinzugefügt. Wie sehr die apsidialen Schlüsse der Hauptbauten und überhaupt der ganze Rhythmus durch sie gestört wird, leuchtet ohne weiteres ein. — Das Schloß von Wilhelmshöhe vertritt zusammen mit dem von Koblenz am bedeutendsten die dem Empire vorangehende Phase des Klassizismus. Der Nuancenunterschied der beiden Gebäude ist bezeichnend für den Unterschied der strengeren, großzügigeren englischen (von den Zeitgenossen oft »römisch« genannten) und der weicheren französischen Richtung. In der inneren Einrichtung drängt sich der französische Geschmack wieder vor, doch schon im Gepräge des eigentlichen Empire. Ein Verzeichnis der Gemälde von 1790 gibt 45 Nummern, zu denen später noch manches hinzukam, vieles wieder beseitigt wurde. Unter den Gegenständen überwiegt die römische Geschichte, auch ein Zyklus aus Tasso war vorhanden. Die Künstler großenteils Deutsche. Die bekanntesten Namen F. H. Tischbein, Hackert und Nahl.

Der Park. Beg. bald nach 1700 unter Landgraf Karl in Erinnerung an die Gärten in Rom und Frascati durch den römischen Architekten Giov. Fr. Guernieri — vielleicht das grandioseste, was irgendwo der Barockstil in der Verbindung von Architektur und Landschaft gewagt hat. Diese Anlage, die, wo nicht ganz, so doch in bedeutenden Teilen, tatsächlich zur Ausführung gekommen war, wich seit 1786 dem noch bestehenden Naturpark im englischen Geschmack. Bei Guernieri war das Hauptmotiv die mit reichem architektonischem Beiwerk ausgebildete Kaskadenfolge, die sich von der Höhe des Habichtswaldes bis zum Schloß Weißenstein hinzog, 3500 Fuß rhein. l., die Mittelbahn 6,5 m br., zweimal durch Absätze mit Rundmotiven und eine breite Querallee mit vielen Becken und Springbrunnen durchbrochen. Davon hat sich nur der oberste Abschnitt erhalten, endend in das phantastisch-kolossalische Oktogon mit dem Herkules (der »kleine Herkules« aus einer älteren Anlage des 17. Jh.). Auch der englische Park wollte auf Mitwirkung der Architektur nicht verzichten. Doch in einem grundsätzlich anderen Sinn, als das Barock. Nicht um architektonische Durchbildung des Geländes und Pflanzenwuchses handelte es sich, sondern um Anlage zerstreuter Einzelarchitekturen, die in der (scheinbar) freien Natur malerische Zentren bilden und durch ihre gegenständliche Bedeutung Stimmung machen sollten. Künstliche Ruinen u. a. wurden beliebt. Im ersten Projekt Du Rys sollte sogar das Schloß selbst einen Ruinenflügel erhalten. [pg 430] Im Charakter einer imaginären Urkunst das »Grab der Vögel«. Römisch die »Sibyllengrotte« und die kleine Nachbildung der Cestiuspyramide. Inzwischen kam aus England die romantische Schwärmerei für die Gotik. So entstand (erster Plan 1790) die Löwenburg, anfangs als Ruine beabsichtigt. Auf Verlangen des Landgrafen ein vollständiges, wohnbares, allerdings im Maßstab der einzelnen Bauteile klein gegriffenes Bergschloß — kulturhistorisch merkwürdig als eine der frühesten Schöpfungen sentimentaler Neugotik in Deutschland. Entwurf von Jussow. Für die dem Schloße näher liegenden Zierbauten kehrte derselbe mit gutem Takt wieder zu klassischen Formen zurück: Säulenhalle und Tempel am Bowlingreen und reizvoller Entwurf (nicht ausgeführt) zum Philosophentale. — Eine chinesische Galerie, eine Moschee und eine Eremitage des Plato sind seither wieder verschwunden. — Unter den Nebengebäuden des Schlosses das wichtigste das Theater von 1808 (jetzt mit starker Veränderung Tennishalle) und das Pflanzenhaus.

WILHELMSTAL bei Cassel.

Schloß. Es gehört nicht zu den größeren, aber zu den reizvollsten unter den Rok.Schlössern Deutschlands. Erb. von Mitgliedern der aus Frankreich stammenden, in mehreren Generationen in Cassel ansässigen Architektenfamilie Du Ry. Drei Flügel in aufgelöster Triklinienstellung. Anlage des Ganzen und Ausführung der Kavaliershäuser von Karl D. Sein Sohn Simon Ludwig D. war schon 1749 in Paris mit der Durcharbeitung des Entwurfs für den Mittelbau (corps de logis) unter den Augen Blondels beschäftigt (ausgeführt erst nach dem 7jährigen Kriege). Die bei großer Feinheit der Sandsteinarbeit etwas kraftlose Fassade zeigt schon eine leise Tendenz zum Klassizismus; das Innere ist reines Rokoko, allerdings nicht in jener ekstatischen Prachtlust, der vor allem die geistlichen Fürsten des katholischen Deutschlands huldigten, auch in ihren Schlössern, sondern leichter in der Haltung, feiner und anheimelnder; wie denn auch der Gr. und die Abmessungen in erster Linie auf Wohnlichkeit ausgehen. — Zur Seite standen Du Ry der Bildhauer J. A. Nahl und der Maler J. H. Tischbein. — Die kleinen Wachthäuser um 1770 in derjenigen Abwandlung des Rok., die man »Zopf« zu nennen pflegt.

WILHELMSTAL bei Eisenach Sachsen-Weimar.

Großherzogl. Schloß. Malerische Gruppe von niedrigen schlicht bar. Einzelhäusern, zwei Reihen in einer Längsachse geordnet. Am NEnde ellipt. Festsaal A, 18. Jh. Umgestaltung [pg 431] der beiden NHäuser unter Goethes Leitung 1790. Aus derselben Zeit der Brunnen in der Querachse. Weitere verbindende Zutaten 1850.

WILLERSHAUSEN. RB Cassel Kr. Eschwege.

Pfarr-K. Spgot. Hallenkirche mit älterem quadr. Chor. Im Schiff je 4 schlanke Rundpfll., mit spiralisch um den Schaft sich windenden Ansätzen.

Schloß, meist Fachwerkbau, ohne Bedeutung.

WILLMERSREUTH. OFranken BA Kulmbach.

Pfarr-K. Sprom. Chor im OTurm, Kreuzrippengwb. Lhs. 1753 umgebaut. — Holzfigg. Reste eines Altars von ca. 1520. Bmkw. Taufstein 2. H. 16. Jh.

WILSDORF. Pr. Sachsen Kr. Querfurt.

Dorf-K. Die rom. Anlage unverändert. Rck, OTurm in gleicher Br. mit dem Schiff. Türrahmen der NSeite aus 3 rom. Grabsteinen.

WILSDRUFF. K. Sachsen AH Meißen.

Pfarr-K. S. Nikolai neu; aus der alten das hübsche Portal aus ziemlich früher got. Zeit; Kanzel 17. Jh.; Epitaph 1731.

WIMMELBURG. Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.

Benediktiner-Klst. gegr. ca. 1060. Stattliche Kirche im Stil der 2. H. 12. Jh. Jetzt Ruine; leidlich erhalten nur Teile des Chors und Qschiffs (lichte Länge des Qsch. 22 m). Ausgebildeter Hirsauer Gr. mit 5 Apsiden. Nebenchöre (gewölbt) und Hauptchor (flachgedeckt) kommunizieren durch je zwei niedrige Arkaden (also ähnlich Konradsburg, doch ohne den dortigen Blendbg.); Pfll. mit Ecksäulchen in der Art des Meisters von Königslutter. Der Bogenfries der Apsis bildet eine Wellenlinie (wie in Klst. Mansfeld).

WINDECKEN. RB Cassel Kr. Hanau.

Stadt-K. 1455-96, 3sch.

Schloß (Amtsgericht) 16.-17. Jh.

Rathaus, spgot. Massivbau mit Staffelgiebeln. Bmkw. Inneneinrichtung.

Stadtmauer mit Wehrgang und Scharten.

WINDHAUSEN. Kr. Cassel-Land.

Herrenhaus, anspruchslos behaglicher Bau von 1789. Die Anlagen des Ministers von Schlieffen (von 1781 ab) ein charakteristisches Beispiel des sentimentalen Naturparks und seiner Requisiten: Einsiedelei, Freundschaftsdenkmal, Altar, Arminiusgrab, gotische Ruine, Teufelsbrücke.

WINDEHAUSEN. Pr. Sachsen Kr. Sangerhausen.

Pfarr-K. Im platt geschlossenen Chor frgot. Drei-Fenster-Gruppe, am Gewände Ringsäulen.

WINDHEIM. UFranken BA Hammelburg.

Pfarr-K. 1766. Guter Bau der Neumannschule, wahrscheinlich von Hauptmann Fischer (vgl. Fuchsstadt). Stattlicher Hochaltar von 1696, ehem. in Hammelburg.

WINDISCH-HOLZHAUSEN. Pr. Sachsen Kr. Erfurt.

Dorf-K. mit wohlerhaltenem rom. OTurm und Apsis.

WINDISCHLEUBA. Sachsen-Altenburg LA Altenburg.

Ansehnliche spgot. Dorf-K. mit Netzgwb., WTurm rom. 12. Jh.

Schloß; bedeutende Anlage; E. 14. Jh. verständnisvoll hergestellt. Ringmauern und Ecktürme ma., Hauptwohngebäude (SFlügel) im 1. und 2. Geschoß um 1450, das Obergeschoß und die sehr stattlichen Giebel und Zwerchhäuser 1532. Auch die anderen Gebäude enthalten bmkw. Einzelheiten. Rok.Saal. Wertvolle Sammlung von ma. Kleinkunstwerken.

WINTERHAUSEN. UFranken BA Ochsenfurt.

Hübsches Gesamtbild mit manchen der Aufmerksamkeit werten Einzelheiten. Pfarr-K. 1497 und 1573 umgebaut. Der Chorturm hat 3 sprom. Geschosse. Bar. Hochaltar mit bmkw. spgot. Schnitzbildern; im Hauptfeld Kreuzigung, in der Predella Abendmahl. Starke Kirchhofsbefestigung aus sp. Ma.

Mauritius-K. (prof.). In der Anlage fast genaue Wiederholung der Lambert-K. in Tückelhausen, 1sch. mit eingezogenem quadr. Chor., Stilformen frgot. um 1300.

Rathaus 1738, gefälliger Bau des Würzburger fr. Rok.

WIPFELD. UFranken BA Schweinfurt.

Dorf-K. um 1780-90, aufwändige klassizist. Ausstattung der Würzburger Schule.

WIPPRA. Pr. Sachsen. Mansfelder Gebirgskreis.

Burgruine. Sehr verfallen.

WIRSBERG. OFranken BA Kulmbach.

Pfarr-K. 1. H. 18. Jh. Gutes Beispiel einer Landkirche im sog. Markgrafenstil. Kanzelaltar (sächsisch-thüringischer Einfluß).

WIRTHEIM. RB Cassel Kr. Gelnhausen.

Dorf-K. spgot., in allen Teilen flachgedeckt, auch in dem 1/2 8eck. Chor; sorgfältiges Maßwerk.

WITTENBERG. Pr. Sachsen Kreisstadt.

Stadt-K. Unscheinbare Hallenkirche von gedrückten Verhältnissen. Chor und WBau mit 2 Türmen um 1300, Lhs. A. 15. Jh. Die 3 Sch. schließen platt in gleicher Flucht, das nördl. ist verbreitert, daher die Unregelmäßigkeiten des Schlusses. Errichtung von Emporen zu 1516 und 1540 gemeldet. Die jetzigen neugot. Der Predigtstuhl M. Luthers [pg 433] (1543) in der Lutherhalle, das Altarwerk L. Cranachs d. Ä. modern verunstaltet. An der nördl. Chorwand Gemälde von L. Cranach d. J., die Bekehrung Pauli, des Meisters letztes Werk, 1586. Taufbecken in Rotguß von Hermann Vischer 1457, 8eck., auf Löwen ruhend, am Kessel Reliefs von Heiligen. Einfacher ikon. Grabstein Bugenhagens. Großes Epitaph für Matth. v. Schulenburg 1S69 von G. Schröter. Das ausgezeichnete Alabasterrelief, Grablegung, am Grabmal L. Cranachs d. J. † 1586 von S. W. (Sebastian Walther in Dresden). Tafel für Kaspar Lindemann von Ulrich Gretel in Leipzig. — Außen an der NSeite Relief, Christus als Weltenrichter 1310; am WPortal Maria mit Heiligen aus derselben Zeit; am Chor Judensau.

Schloß-(Universitäts)-K. ca. 1490-1500, rest. seit 1885. Das Äußere entspricht ungefähr dem alten Zustande, das Innere durchaus rest. Rck. von 6 Achsen mit 3/8 Schluß. Zwischen den nach innen gezogenen Pfll. eine ringsumlaufende, von Stichbögen getragene Empore, dem entsprechend ein niedriges unteres und ein hohes oberes Fenstergeschoß. — Große Bronzegrabplatten für Friedrich den Weisen und Johann den Beständigen; jene bez. Peter Fischer (sic) Norimbergensis A. 1527; diese, eine fast genaue Nachahmung, H V (Hans Vischer). Außerdem dieselben beiden Kurfürsten in lebensgroßen knienden Marmorstatuen. Die Bronzetafel auf dem Grabe Luthers moderne Kopie des Exemplars in Jena. Bronze-Gedächtnistafel des Juristen Henning Goeden von P. Vischer 1521 (Wiederholung im Dom zu Erfurt).

Schloß erb. von Friedrich dem Weisen 1490-99. Sehr entstellt. Bmkw. die beiden Treppenhäuser, die sich nach dem Hof in Lauben öffnen. Über dem Portal schön gemeißelte Wappen. 2 runde Türme an den Ecken. Urspr. Zustand auf dem Titelbilde des Wittenberger Heiligtumbuchs.

Rathaus spgot. und renss. An der langen Marktseite außer dem (modernisierten) Erdgeschoß 2 Geschosse zu 13 Achsen, Vorhangbögen; später hinzugefügt ein Renss.-Portal mit Altan und 4 Renss. Zwerchhäusern. — Apotheke L. Cranachs. Straßenseite durch neuen Verputz entstellt, besser erhalten der Hof, darin ein nicht sicher zu deutendes Relief eines Geharnischten. Häuser Melanchthons und Bugenhagens. Das Lutherhaus (urspr. Augustiner-Klst.) hat durch die Rest. 1840 einen gänzlich falschen Charakter erhalten; unberührt das 1540 in Pirna gefertigte Portal und im ganzen auch Luthers Wohnstube.

Alter Friedhof vor dem Elstertor; renss. Portal ca. 1560 mit [pg 434] Relief des Weltenrichters. Die Grabsteine von Luthers Tochter Elisabeth und Melanchthons Nichte Magdalene haben nur Inschriften.

WITTGENDORF. K. Sachsen AH Zittau.

Dorf-K. 1754. Gute Grabmäler E. 17. Jh.

WITZELRODA. Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen.

Dorf-K. E. 16. Jh. Charakteristische Inneneinrichtung um 1702.

WITZENHAUSEN. RB Cassel Kr. Witzenhausen.

Stadt-K. Angeblich 1404. Lhs. 3sch. mit überhöhtem, fensterlosem Msch. Jetzt Bretterdecken. Der gewölbte Chor höher. — Grabmal der Familie v. Bodenhausen 1575; mehrere lebensgroße Rundfigg. knien auf einer von Sll. getragenen Plattform, darüber Relief mit der Auferstehung Christi.

Wilhelmiter-Klst. 2 Säle (jetzt Schafstall); der kleine mit 4Gwbb. auf 1 Mittelpfl.; der größere durch 4 achteckige Schafte, aus deren Kanten die Rippen herauswachsen, in 10 Gwb.Felder geteilt; Ähnlichkeit mit dem Rittersaal des Marburger Schlosses. Die Klostergebäude jetzt zur Kolonialschule eingerichtet.

Klus-Kap. am rechten Werraufer. Alle Fenster mit rom. Profilen.

Hospitals-Kap. S. Michael. Einfacher spgot. Bruchsteinbau um 1392. Der sonst schmucklose kleine WTurm trägt einen bmkw. Aufbau; 4 Sll., durch Eselsrücken verbunden, die Öffnungen mit Maßwerk gefüllt, Krönung mit steinernem Helm.

Rathaus. Einfacher Renss.Steinbau, 1819 durch Restauration nach einem Brande zur Unkenntlichkeit entstellt.

Wohnhäuser in Fachwerk.

Reste der Stadtbefestigung.

WITZLEBEN. Schwarzburg-Sondershausen LA Arnstadt.

Dorf-K. mit rom. Resten.

WOFFLEBEN. RB Erfurt Kr. Hohenstein.

Dorf-K. 1751. Der eigentümliche Gr. erklärt sich aus den Experimenten des protestantischen Kirchenbaues.

WOLFERSTEDT. Sachsen-Weimar VB Apolda.

Dorf-K. mit romanischen Details, darunter bmkw. Portal.

WOLFHAGEN. RB Cassel Kreisstadt.

Pfarr-K. S. Anna. 2. H. 13. Jh. Niedrige Hallenkirche in schlichten, kräftigen Formen. Chor aus 8Eck. WTurm 1303 (Inschr.), das bmkw. Dach 1501.

Vor der Stadt Kapelle in vorzüglichen hochgot. Formen.

WOLFMANNSHAUSEN. Sachs.-Mein. Kr. Hildburghausen.

Dorf-K. Im Sch. schöne Felderdecke aus 17. Jh., östl. Chorturm im Erdgeschoß rom. Hübsche Ausstattung um 1730.

WOLFSMÜNSTER. UFranken BA Gemünden.

Pfarr-K. Turm A. 14. Jh., das geräumige Langhaus 1734 mit urspr. guter gleichzeitiger Ausstattung (stark rest.). Glocken 1412, 1786.

Schloß Wolfsmünster. Malerische Anlage von 1584 mit Treppengiebeln.

WOLKENBURG. K. Sachsen AH Rochlitz.

Dorf-K. 1794 nach Entwurf von J. A. Giese in der Richtung von C. G. Langhans. Die das Schiff von 3 Seiten umgebende Empore von dor. Säulen getragen; der Altartisch ohne Aufsatz; hinter ihm in der Nische Gemälde von A. F. Oeser und H. V. Schnorr v. Carolsfeld.

Die ältere K. (um 1400) jetzt Erbbegräbnis der Grafen Einsiedel. Altarwerk aus farbigem Marmor 1657, ausgezeichnete Arbeit von J. H. Böhm. Schöne Gedenktafel des bei Kaiserslautern gefallenen Gf. Friedrich v. E., Eisenguß aus Lauchhammer.

Schloß (Gf. Einsiedel). Got. Formen im SBau. Sonst alles gründlich umgebaut. Die klassizistische Saalausstattung vom Besten. Familienbildnisse u. a. von Mengs, Graff und Grassi. Großer Park, englisch umgearbeitet.

WOLKENSTEIN. K. Sachsen AH Marienburg.

Stadt-K. nach Brand 1689, einfacher 1sch. Bau. — Altarwerk aus mehrfarbigem Gestein 16S2 von Joh. Böhme.

Burg, in jetziger Gestalt ohne Interesse.

WOLKRAMSHAUSEN. RB Erfurt Kr. Hohenstein.

Dorf-K. Sprom. WTurm, got. Sch. mit 1/2 Achteckschluß.

WOLKSHAUSEN. UFranken BA Ochsenfurt.

Pfarr-K. Erb. 1616, nach W verlängert 1778. Die vortrefflich in das Architekturbild eingegliederten Altäre von Auwera und Steuerwald (letzterer ein Lokalmeister in Kitzingen).

Sebastians-Kap. 1771. Stuckatur und Altäre gleichzeitig. Ein älterer Altaraufsatz um 1650 an der NWand. Hinter der Kap. bmkw. Bildstock um 1400.

Im Dorf lebensgroße Standfig. des hl. Michael 1743.

WOLMIRSTADT. Pr. Sachsen Kr. Eckartsberga.

Dorf-K. spgot., 1sch., mit Netzgwb.

WOMMEN. RB Cassel Kr. Eschwege.

Gutshaus, Portal Frührenaissance 1535.

WONFURT. UFranken BA Haßfurt.

Pfarr-K. Zentralbau von 1824. Altäre und Kanzel um 1700.

Friedhofs-Kap. Bmkw. Grabsteine des sp. 16. und des 17. Jh. Gute Kreuzigungsgruppe um 1750.

Schloß. E. 16. Jh., einige Veränderungen 1695.

WONSEES. OFranken BA Ebermannstadt.

Pfarr-K. 18. Jh. — Epit. Guttenberg 1541, Giech 1601.

WORBIS. Pr. Sachsen RB Erfurt. Kreisstadt.

Stadt-K. 1756, im 19. Jh. rom. (!) rest.

Klst.-K., bar. Im Sch. 6, im Chor 2 Joche, Kreuzgwbb.

Hardtkap. 1749. Großer Schnitzaltar 15. Jh.

Amtsgericht, schöner Fachwerkbau mit Erker, 16. und 17. Jh.

WORMSLEBEN. Pr. Sachsen Mansfelder Seekreis.

Kirche. Angeblich älteste des Gebietes. — Jetzt stillos bis auf ein primitiv aussehendes rom. Tympanon.

WÜLFERSHAUSEN. UFranken BA Königshofen.

Pfarr-K. 1607. Charakteristisches Beispiel der von Bischof Julius begünstigten Nachgotik.

WÜLFERSHAUSEN. UFranken BA Karlstadt.

Dorf-K. aus der Juliuszeit, im 18. Jh. überarbeitet. Die guten Rok.-Mobilien in Würzburg gearbeitet.

WUNSIEDEL. OFranken BAmtsstadt.

Pfarr-K., spgot. Anlage, Lhs. und Turm 1730 umgebaut.

Spital-K., spgot., unbedeutend. — Gottesacker-K. 1672.

WÜRDENHAIN. Pr. Sachsen Kr. Liebenwerda.

Dorf-K. 1577 und 1747. — Spgot. Flügelaltar, zusammengesetzt aus einem größeren und kleineren. Die Figuren nicht übel.

WÜRZBURG. UFranken B Amtsstadt.

Dom S. Kiliani. Urbau unter B. Arno (855-93). Rest. unter B. Burkard (931-41). Neubau unter B. Bruno 1042ff. Ferner noch, in rom. Zeit bedeutende Bautätigkeit unter B. Embricho (1125-47) und B. Hermann (1225-54); Veränderungen 1606 bis 1607 und 1701-03. Heute wirkt der Dom im Äußeren wesentlich als romanischer, im Innern als Barockbau. — Die Baugeschichte macht Schwierigkeiten. Die Hauptfrage ist: hat Embricho, auf dessen Zeit alles formale Detail am Langhaus hinweist, dieses auf dem unveränderten Grundriß Brunos wiederhergestellt? oder hat er einen völligen Neubau in vergrößertem Maßstabe begonnen? Für die erstere Alternative kann die Ähnlichkeit des mehrere ungewöhnliche Eigenschaften zeigenden Grundrisses mit einem anderen Bau des 11. Jh., der Klst.-K. in Hersfeld (beg. nach 1037), geltend gemacht werden. Dann aber müßte der WBau mit seinen Doppeltürmen, da er auf schmälere Schiffe hinweist[4], auf eine noch ältere Zeit zurückgehen, was aber nicht wohl möglich ist, weil die Anlage westlicher Doppeltürme mit Eingangshalle nicht vor 2. Viertel 11. Jh. (zuerst in Straßburg) nachgewiesen [pg 437] werden kann. Zwischen den beiden oben genannten Möglichkeiten blieb dann nur noch eine dritte, rein hypothetische: Veränderung des Maßstabes schon unter Bruno. — Der Ostbau hat das volle Gepräge schon des 13. Jh. — Der Gr. ist kreuzförmig, die Vierung genau quadr., die Flügel des Qsch. sowohl als der Chor gestreckt rechteckig (einzige aber genaue Analogie die Kloster-K. Hersfeld); Hauptapsis und 2 kleinere Apsiden an der OWand des Qsch.; im Chorwinkel 2 quadr. Türme. Im Lhs. 10 Ark.; die rom. Kämpferprofile der Pfll. noch sichtbar. Wie die allgemeine Disposition, so sind auch die Abmessungen denen von Hersfold sehr nahe: ganze lichte L. ohne Turmhalle 97 (Hersfeld 95), Lhs. 57 : 31 (Hersfeld 55 : 30), Qsch. 58 (Hersfeld 57), H. des Msch. 24 (Hersfeld 23). Der Chor 1749 tiefer gelegt unter Opferung der alten Krypta.

Inneres. Das Raumbild ist noch das alte romanische geblieben und von mächtiger Wirkung. Rom. Einzelformen nur an den Pfll. sichtbar. Sie zeigen eine ungewöhnliche, nur mit einigen thüringischen Bauten vergleichbare Form; Halbsäulenvorlagen unter der Bogenleibung. Die Gewölbe des Hauptchors und der Sschiffe um 1500 eingezogen. Bischof Julius beabsichtigte A. 17. Jh. eingreifende Umwandlung im Charakter der von ihm bevorzugten posthumen Gotik. Zur Ausführung kamen nur die Gewölbe des Hochschiffes durch Lazzaro Agostino. Die ausgezeichnet schöne Stuckdekoration 1701 von Pietro Magni.

Äußeres. Die Fassade stammt aus verschiedenen rom. Epochen; durch die glättende und gleichmachende Rest. 1880 hat sie ihren historischen Charakter verloren; das Portal neu erfunden; bis 1644 stand vor dem Erdgeschoß eine Paradieshalle. — Die oberen Turmabschlüsse 1418. — Die Langseiten aus 1. H. 12. Jh. mit der üblichen Lisenen- und Bogenfriesgliederung, die jedoch einen eigentümlich flauen Charakter hat; vielleicht ist der Grund durch Verputz erhöht. — Die Osttürme im Erdgeschoß mit dem Chor gleichzeitig, in den oberen Teilen 1225-50. Die Überführung vom Quadrat zum 8Eck sehr eigentümlich; fast möchte man glauben, daß hier eine blasse Erinnerung an die Türme von Laon vorliegt, vielleicht vermittelt durch Bamberg. Zu beachten die polychromen Wirkungen durch Wechsel im Sandstein.

Ausstattung. Chor. [Von den 1701ff. beseitigten Kunstwerken waren die wichtigsten gewesen: Hochaltar mit dem Standbild des Salvators unter einem von 4 Sll. getragenen Ciborium aus Salzburger Marmor, auf der Retabelwand ein Marmorsarkophag mit Reliquien, 1510 von Riemenschneider; von demselben 1494 ein bis zum Gewölbe reichendes [pg 438] Sakramentshäuschen. Ehernes Singpult von Hans Wurzelbauer aus Nürnberg jetzt in der Sepultur.] Die jetzigen Altäre gute Durchschnittsleistungen der Barockzeit. Sie enthalten Gemälde von Oswald Onghers (Enthauptung Johannis), Sandrart (Kreuzabnahme), Bueler (Grablegung), Merian (Drei Könige). Die Altäre des Langhauses an den Pfeilern aufgestellt; sie erhielten 1793 einheitliche Umrahmung. — Chorstühle von Jakob van der Auwera 1749 mit den Wappen der damals amtierenden Domherren. — Eisengitter von Gattinger. — Spgot. Bischofsstuhl jetzt in der Sakristei. — Im Langhaus Taufkessel, Erzguß, bez. Eckart von Worms 1279. — Kanzel von Mich. Kern 1609.

Grabdenkmäler. Neben denen des Mainzer Doms die großartigste Reihe, die Deutschland besitzt. Sie wurden im 18. Jh. an Wänden und Pfeilern aufgestellt. Die älteren bildeten Deckplatten von Tumben, die jüngeren sind Bildnisepitaphe; die zu den letzteren gehörigen Bodenplatten (über der wirklichen Grabstelle) sind teils untergegangen, teils an den Seitenschiffswänden aufgestellt. Im 16. Jh. kam das Ädikulaepitaph mit Reliefbild auf.

Im Querschiff: I. NFlügel. a) OWand. Über der kleinen, zur Krypta führenden Tür Epitaph des Dechanten J. C. Kottwitz v. Aulenbach † 1610; B. Konrad v. Bibra † 1544 im Stil des Peter Dell d. Ä. b) WWand. Grabstein des Grafen Bernhard v. Solms † 1553 im Stil des P. Dell d. J.; Grabstein des B. Gerhard von Schwarzburg † 1400, überlebensgroß, die Gewandung dekorativ sehr wirksam, dabei ist es wichtig, daß mit ihr auch das gesagt wird, was eigentlich Sache der Figur wäre; im Kopf könnte man ein fein gestimmtes Porträt zu sehen glauben, trüge nicht der von demselben Meister gefertigte Konrad von Weinsberg in Mainz auch ganz dieselben Züge. Epitaph des Dompropstes F. L. Faust v. Stromberg † 1673. Unter dem Durchgangsbogen zum nördl. Ssch. Erzplatten des Kottwitz v. Aulenbach (vgl. Epitaph oben) und des Erasmus Neustetter. — II. SFlügel. a) WWand: Ehernes Epitaph des C. F. v. Thüngen 1629. b) SWand: Kenotaph des B. Moritz v. Hutten † 1552 von Martin Hering, c) OWand: Epit. des B. Konrad v.Thüngen 1540 von Loy Hering aus Eichstätt; Kenotaph des Dompropstes Niedhard v. Thüngen, B. v. Bamberg, 1598.

Im Langhaus. — Nördliche Reihe. 1. Pfl. NSeite: B. Gottfried III. v. Hohenlohe † 1322 (mit neuer falscher Inschrift), das Schwert führen die Würzburger Bischöfe als Herzöge von Franken; trotzdem die Rechte zum Segnen erhoben. [pg 439] SSeite: B. Otto v. Wolfskeel † 1345, ausgezeichnetes Beispiel für den Stil des 14. Jahrhunderts; die große Schleppfalte von der linken Hüfte zum rechten Fuß im Schema der Apostel des Kölner Doms. Rundfigur. — 2. Pfl. NSeite: Domdechant Peter v. Aufseß † 1522, flacher Erzguß, wohl aus der Vischerschen Hütte. OSeite: B. Albert v. Hohenlohe † 1372, die Sförmige Schwingung so trefflich in die Charakteristik einbezogen, daß sie kaum noch als konventionell wirkt. — 3. Pfl. NSeite: Epit. des Erasmus Neustetter 1594 (Grabplatte s. oben). — 4. Pfl. O. Seite: B. Johann v. Eglofstein 1411, Standbild unter Baldachin, Porträtkopf. B. Wolfram v. Grumbach-Wolfskehl † 1333. Kein Kissen mehr, die Auffassung als Standfigur zum ersten Male konsequent durchgeführt, überhaupt bedeutende Arbeit. — 5. Pfl. NSeite: Dompropst v. Frankenstein 1789 vom Bamberger Mutschelle. OSeite: B. Johann v. Grumbach 1466, Standbild unter Baldachin, fein, vornehm, geschmackvoll; vom Würzburger Meister Leonhard Strohmeier. — 7. Pfl. OSeite: B. Adam Friedrich v. Seinsheim 1779 von J. P. Wagner nach dem Entwurf des Hofmalers Christoph Fesel. — 8. Pfl. SSeite: B. Philipp Adolf v. Ehrenberg † 1631, ausgeführt 1664. — Südliche Reihe. 1. Pfl. NSeite: B. Mangold v. Neuenburg † 1303. Keinesfalls wesentlich jünger, wichtig für den Übergang vom Stil des 13. Jh. zu dem des 14. Jh. (Pinder glaubt an einen in Sachsen geschulten fränkischen Künstler); der merkwürdig individuelle Kopf im 18. Jh. übergangen. SSeite: B. Gottfried v. Spitzenberg † 1190 auf dem Kreuzzug; der Stein, trotz der jüngeren Inschrift, gleichzeitig, ältestes Zeugnis der Monumentalplastik in Würzburg, — 3. Pfl. NSeite, neben der Kanzel: B. Gottfried Schenk v. Limburg 1455. — 4. Pfl. OSeite: B. Johann v. Brunn 1440; die Gesichtszüge sind individuell, verraten aber nicht einen 80jährigen Greis. NSeite: B. Rudolf v. Scherenberg 1493 von Riemenschneider, dessen Stil von seiner besten Seite zeigend. — 5. Pfl. NSeite: B. Lorenz v. Bibra 1519; bei Lebzeiten bestellt; das Beiwerk zeigt, wie sich der alternde Meister Riemenschneider mit den eindringenden Renss.-Formen auseinandersetzte; vielleicht jedoch unter Mitwirkung eines jüngeren Gehilfen; die Putten haben auch in den Köpfen mit dem bekannten Engeltypus Riemenschneiders nichts gemein; übrigens ist das Verhältnis der Figur zur tektonischen Umgebung vorzüglich abgewogen und die Verbindung verschiedenfarbiger Steine mit zartem Geschmack durchgeführt. — 6. Pfl. NSeite: B. Melchior Zobel zu Gutenberg, ermordet 1558, Hauptwerk des vielbeschäftigten aber unerfreulichen P. Dell d. J. — 7. Pfl. NSeite: B. Friedrich v. Wirsberg [pg 440] 1573 von W. Sarder aus Eichstätt. OSeite: B. Franz Ludwig v. Ertal 1795. — 8. Pfl. NSeite: B. Julius Echter v. Mespelbrunn 1617 von M. Kern; Architektur gut, Figur nicht bedeutend. SSeite: Ritter Sebastian Echter, des Bischofs Bruder, 1577. OSeite: das umgestürzte Wappen des letzten Echter † 1665. — 9. Pfl. NSeite: B. Joh. Gottfr. v. Aschhausen † 1622. — Die Form des Renss.Epitaphes, Ädikula mit Relief. An der südl. Sschiffswand eine Reihe bronzener Grabplatten, ehemals in der Nähe der entsprechenden Epitaphe zu denken. Von ihnen gehören der Gießhütte Peter Vischers: Dompropst Georg v. Giech † 1501, Dompropst Albert v. Bibra † 1511, B. Lorenz v. Bibra † 1519, letztere vielleicht nach Riemenschneiders Entwurf in Nürnberg gegossen.

Sonstige Skulpturen. — Vom Triumphbogen herabhängend überlebensgroßes Holzkruzifix von 1478. — Auf 3 Pfll. der NSeite verstreut Maria und die h.h. drei Könige, interessante, stark bewegte Standbilder aus A.14.Jh., durch moderne Rest, und Bemalung entstellt; ähnliche Pfl. Aufstellung in der Lorenz-K. in Nürnberg; trotzdem vielleicht ursp. für ein Portal gedacht, wie in Freiburg. Zu Beginn des Lhs. Taufkessel, Erzguß, bez. Eckart v. Worms 1279; die zu dieser Zeit in Süddeutschland wenig geläufige Technik erklärt die Roheit der Formen. — Kanzel von Mich. Kern 1609. — In einer Kap. am WEnde des südl. Ssch. große Gruppe des Marientodes, um 1470-80, hervorragend durch Wahrheit und Stärke des Ausdrucks; am Eingang in die Kap. ein Diakon mit Lesepult in einem zugleich an Riemenschneider und Backofen erinnernden Stil, dann die 2 Säulen »Booz« und »Jachim« vom ehemaligen Paradies. — Die spgot. Standbilder an den ersten Pfll. des Lhs, von den Strebepfll. der Marienkap., wo sie zu verwittern drohten, hierher geborgen. — In der Vorhalle Madonna um 1420.

Epitaphe am Äußeren. Meist sehr beschädigt. Historisch interessant dasjenige Tilman Riemenschneiders, wohl von seinem Sohne Jörg.

Schönborn-Kap. am nördl. Qsch. 1721-36 von J. B. Neumann. Kreisrunder Kuppelraum mit elliptischen Exedren nach O und W, Eingang N, Hauptaltar S. Vier Grabmäler von Kirchenfürsten aus der Familie Schönborn. Das Innere, als Grabkap. in grauem und schwarzem Marmor, kommt infolge nicht glücklicher Lichtführung nicht nach seinem Werte zur Geltung; das Äußere zeigt Neumanns Formensprache in aller Vollendung.

Kreuzgang. NFlügel 1424-28, SFlügel 1428-31, WFlügel nach 1431, OFlügel 1449-53. Die 3rippige Wölbung, [pg 441] deren mit Wappen geschmückte Schlußsteine im Gr. eine Zickzacklinie bilden, wohl später. Stattliche Abmessungen, etwa 35 : 50 m bei 4 m Tiefe der Gänge. Die im O liegende Sepultur 1461. 2sch. Halle von 35 : 11 m, an der OWand 8 Kapp., deren Öffnungen in den Pfeilerachsen liegen, eine ]L: 5] Konsequenz der sternförmigen Teilung des Gwb. Das Erdgeschoß diente als Sepultur des Kapitels. Unter den überaus zahlreichen Denkmälern im Kreuzgang seien hervorgehoben: Heinrich v. Seinsheim † 1360, schlanke Ritterfigur in engem Lederpanzer; Paul Fuchs † 1540 wohl von Peter Dell; Martin v. Wiesenthau † 1554, bez. T K (Thomas Kistner), Dompropst Markgraf Friedrich v. Brandenburg † 1536; Oberst Baur v. Eisenberg, bez. Mich. Kern 1623. In der Sepultur Bronzeepitaph Alb. Schenk v. Limpurg, bez. Jörg Straubinger (Nürnberg) 1680.

S. Burkard. K. des 751 gegr. Benedikt.-Klst. Neubau 1033, eingreifende Rest. 1168, Erweiterung der östl. Teile 1494-97. — Kleine flachged. Basilika ohne Qsch. An den östl. Enden der Ssch. quadr. Türme, aus deren Mauermasse rundbg. Altarnischen ausgespart sind; jetzt durch neue Einbauten verdeckt. Der Hauptchor setzte sich zwischen den Türmen fort und schloß voraussetzlich mit rundbg. Apsis. Außerdem waren WTürme vorhanden, die 1677 abgetragen wurden; damals auch die WEmpore eingebaut. 6 Arkaden mit regelmäßigem Stützenwechsel. Sll. mit Würfelkaptt. und eckblattlosen att. Basen. — Äußeres ganz schmucklos, der Gesimse beraubt. Interessant nur das Portal an der NSeite mit geschlossener Vorhalle; dieselbe hat den Eingang im O und eine Altarnische im W, an der NWand 2 gekuppelte große Lichtöffnungen. Das Portal (nachträglich) durch seitwärts vorgeblendete Säulengruppen geschmückt; reiche und originelle tektonische Gliederung bei fast völligem Mangel an Ornament. Die Türme quadr. bis zur Firsthöhe des Msch., dann ins 8Eck umsetzend; diese Teile 1241 in anmutig ernsten frgot. Formen. — Der spgot. OBau in erheblich größerem Maßstab; das Qsch. so breit, daß zwischen Vierung und Flügeln je eine Stütze eingeschoben; ursp. flachgedeckt; modernes Netzgwb. im Monniersystem. — Chorstüle 1693 aus got. und bar. Teilen zusammengesetzt. — Im nördl. Qsch. bmkw. Opferstock mit Reliefs E. 13. Jh. — Votivrelief aus dem Leprosenhaus, Kreuzigung ca. 1370. — Großer Flügelaltar, noch in got. Anordnung, 1589-91; die Gemälde vom Würzburger Bürger Alexander Müller (die von demselben ausgeführte Wand- und Deckenbemalung zerstört). — Grabsteine der Äbte Hermann Lesch † 1408, Eberhard Lesen † 1436, Johann [pg 442] v. Waldenfels † 1427. — An der Wand Gemälde der Grablegung von Osw. Onghers 1676. — In der Pfarrei Holzmadonna von Riemenschneider aus seiner Frühzeit.

[Augustiner-Klst. Gew. 1302. Abgebrochen 1824. Interessante Reste von dekorativer Plastik, oberrheinischen Schulzusammenhang bekundend, im Museum.]

Franziskaner-K. Erste Ordensniederlassung 1221. Die gegenwärtige K. eine ursp. flachgedeckte got. Basilika aus 2. H. 13. Jh. Der gewölbte Chor, größer als der erste, gegen 1289 hinzugefügt. Veränderungen unter Bischof Julius: Einziehung von Gwbb. (in Netzform) 1611-14, alle 3 Schiffe unter ein gemeinschaftliches Dach gebracht, die Fenster (mit Ausnahme derer am O- und WSchluß) verändert. Vom frgot. Bau geblieben: der Gr. (das 3sch. Lhs. 35 m l., der 1sch. Chor 22,5 m l), das Mauerwerk und die (6) Arkaden des Msch. Sie zeigen die got. Formen in der für die Bettelorden charakteristischen äußersten Vereinfachung: gemauerte Rundsll., 8eck. Sockel, glatte Kelchkaptt., 4eck. Deckplatten, Bogenleibungen glatt bis auf die Abfasung der Ranken, die Oberfenster kreisrund mit Vierpaß. — Traurige Rest. 1882. — Der geräumige Kreuzgang um 1300 bereits in reicherer Behandlung. — Die beträchtliche relative Höhe der Ssch. schon im ursp. Querschnitt. — Die Valentins-Kap. an der SSeite, eine sehr alte Gründung, von Bischof Julius nachgot. umgebaut. Über ihr ein reich stuckierter Prunksaal, der vor der Erbauung der Universität den akademischen Festlichkeiten als Aula diente. — An der steinernen Mensa des Hochaltars Metallplatten mit frgot. Schmelzarbeit, meist Tierbilder nach dem Physiologus. Auf einem Seitenaltar eine Pietas von Riemenschneider (?). — Bmkw. Meßgeräte 18. Jh. — Grabmäler: Bildnisplatte des Weihbischofs Georg Antworter † 1499, keine von den guten Arbeiten der Zeit. Im Schiff die Frau des Schultheißen Zingel † 1407. Dann im guten Würzburger Durchschnittscharakter mehrere Rittergrabsteine: Balthasar v. Zingel † 1493; Truchseß v. Wetzhausen † 1513, Hans v. Grumbach † 1529, Peter v. Randersacker † 1540. Schönes kleines Kinderepitaph 1582 für eine Echter v. Mespelbrunn. Großes prachtvolles Wandgrab des Heinrich Zobel v. Giebelstadt † 1589 mit Frau und 11 Kindern. Ein ähnliches für die Familie v. Thüngen 1625 v. Mich. Kern. — Außen an der K. Ölberg von Georg Riemenschneider.

Deutschhaus-K. (Militärmagazin). Der früheste got. Bau in Würzburg (an Stelle einer staufischen curia regia, zu welcher der erhaltene rom. WTurm in Beziehung steht), beg. nicht lange vor 1280, die WTeile nach 1296. — 1sch. Anlage von 7 [pg 443] Jochen mit polyg. Schluß. Am 4. Joch tritt ein Wechsel der Formen ein. Der ältere Teil mit Wimpfen, der jüngere mit Oppenheim verwandt. Reiche Schlußsteine, Blattmasken und Figürliches, das letztere von sehr guter Hand. Dagegen das Portal (S) ohne Plastik, nur in eleganten Architekturformen.

Dominikaner (Augustiner)-K. Erste Niederlassung 1228. Der jetzige Bau ein Neubau von Balthasar Neumann 1744, bei dem der got. Chor (von 1308) beibehalten, nur dekorativ umgestaltet wurde. Das Lhs., eine hochstrebende Pfl.Basilika, hat für das Bar. ungewöhnliche Proportion; Neumann selbst erklärt: »Die Kirche, daß sie so hoch muß werden, obliegiert der schöne alte, gut gewölbte Chor«. Es ist möglich, daß Neumann auch den got. Gr. vollständig beibehalten hat. Die Dekoration ist einfach; es wird hauptsächlich, und zwar stark, durch die Altäre gewirkt, deren einer auf jeden Pfl. des Lhs. Die Skizzen dazu von Neumann selbst. Der architektonische Apparat des Barockaltars ist aufgegeben, diese hier wollen nur Bilderrahmen sein, allerdings sehr prächtige und umfängliche. Die prunkvollere Dekoration des Mönchschors hinter dem Hochaltar nachneumannisch. Gemälde des Hochaltars von Treu aus Bamberg, Deckengemälde von G. A. Urlaub (Chor) und Ermeltraut (Lhs.).

S. Gertraud in der Pleichach. Vor 1133 von Meister Enzelin, der später am Dom tätig. 1600-1613 völlig umgestaltet.

Stifts-K. Haug. Ehemals rom. Sl.Basilika mit WTürmen und Dreiapsidenschluß. 1665 wegen der Festung niedergelegt. Tympanon mit thronender Muttergottes und den beiden Johannes, nach 1200, jetzt im Luitpold-Mus. — Neubau 1670 bis 1691 von Antonio Petrini. Die Anlage nach dem Typus des Gesù in Rom; als selbständige Elemente treten hinzu die starke Ausladung der Qsch.Arme, welche auch das Lhs.System der seitlichen Altarnischen fortsetzen, und die Doppeltürme der Fassade. Die Einzelformen schwer und ernst, von starker Ausladung. In allen Nischen mächtige Barockaltäre italienischen Gepräges (Gemälde Onghers). Im übrigen ist der Binnenraum farblos. — Am meisten weicht von den italienischen Vorbildern das Äußere ab. Es hat Strebepfll. und hohe Dächer, welche die Fenster des hohen Kuppelanbaues teilweise überschneiden. Immerhin wirkt die Kuppel sehr bedeutend. Die Fassade hat durch die seitliche Stellung der Türme eine mächtige Ausdehnung erlangt. Des rhythmischen Lebens, das sonst an Barockfassaden so stark zu sein pflegt, entbehrt sie. Schwere Gurtgesimse, einfache Lisenen (nicht antike Ordnungen!) und Statuennischen ergeben vielfältige, aber monotone Gliederung. — Prächtige Kanzel.

S. Jakob. K. des ehem. Schottenklst. Beg. nach 1134, voll. 1146. Flachgedeckte Pfl.Basilika ohne Qsch., schließend mit 3 parallelen Apsiden. Auf 31 m L. 10 Ark. Die beiden letzten Ssch. Joche mit stumpf grätigen Kreuzgwbb. zwischen breiten Gurten (in urspr. Form nur im südl. Ssch.). Die quadr. Pfll. und alle übrigen Formen die einfachsten. Die rundbg. Friese ähnlich denen des Doms. Die westl. Vorhalle E. 17. Jh. abgebrochen. Die OTürme, von denen der südl. rom., der nördl. einfachst got. Nach M. 13. Jh. wurde der Chor umgestaltet: über der im Unterbau beibehaltenen rundbg. Hauptapsis ein hoher polygonaler Chor. — An den Pfeilern Malereien des Augsburgers Leonhard Beck 1504. — Die K. jetzt Militärspeicher, das Klst. Militärkrankenhaus.

[Johanniter-K. A. 14. Jh., 1815 zerstört. Die Grabsteine im Münchener Nationalmuseum.]

Karmeliter-K. 1662-1669 von Antonio Petrini. Der erste italisierende Barockbau in Franken. Der Gr. zeigt die typische von den Jesuiten ausgebildete Form. Die Haltung derb und schlicht. — Altarbilder aus der Erbauungszeit von den Rubensschülern Diepenbeck und de Rul. — Im Klst. ein Holzkruzifix aus 13. Jh.

Liebfrauen-Kap. auf der Feste Marienberg. Der Kernbau wahrscheinlich identisch mit der A. 8. Jh. unter Karlmann genannten cappella in honorem S. Mariae constructa, also der älteste kirchliche Steinbau im Frankenland. Rotunde Das Erdgeschoß hat 11,67 m im Lichten bei 4,07 m Mauerstärke; im Innern durch 6 Rundnischen und 2 Durchgänge im W und O gegliedert. Im 12. Jh. ein Obergeschoß von nur 0,75 m Wandstärke, daher in der Außenansicht rückspringend. Der Bau des 12. Jh. kann nicht gewölbt gewesen sein; für den des 8 Jh., der alt christlichen Anlagen durchaus ähnlich sieht, ist Wölbung vorauszusetzen. — Renss.-Portal vom Herstellungsbau nach Brand 1600. — Stuckdekoration 1699 ff. — Bmkw. spgot. Reliquiar bez. 1519.

Marien-Kap. auf dem Markt. Nach der Judenverfolgung 1348 zur christl. K. eingerichtet: Neubau 1377 ff.; Chor gew. 1392; die Ausschmückung setzte sich bis nach 1470 fort. — Hallenkirche von 5 Jochen, 1sch. Chor von 4 Jochen und 5/8 Schluß. Das Innere 1713 barockisiert, 1856 in got. Sinne hergestellt. Hallen von extremen Höhenverhältnissen. Noch bezeichnender für die Zeit das in allem Schmuckreichtum etwas dürr bleibende, in schematisch eleganten Formen durchgebildete Äußere, an dem namentlich die Streben ein ungemein glänzendes dekoratives Beiwerk erhalten haben. Eigentümlich die Art, wie die Dachbalustrade um den WGiebel [pg 445] herumgeführt ist. Im S, W und N 3 sehr prächtige Portale. — Der Turm steht nördl. neben der Fassade, mit 3 Pfll. frei; bis zur Gesimshöhe der K. ganz einfach, dann noch ein mit Stab- und Maßwerkrelief besetztes quadr. Geschoß, endlich ein hohes Oktogon; alles in reichsten Formen; diese Teile 1441-60 von Eberhard Friedeberger aus Frankfurt. (Der durchbrochene Steinhelm modern, vorher Bleidach.)

Skulpturen. Am WPortal Madonna um 1440. Die Bogenfelder der 3 Portale, am nördl. Verkündigung, am südl. Marienkrönung, am westl. Jüngstes Gericht, das Verkündigungsrelief ausgezeichnet in der Füllung der Bildfläche, der leichten Beweglichkeit der Gewänder, der Anmut der Typen. Entstehung um 1430-40 (Pinder: 1415-20). — Riemenschneiders Adam und Eva am NPortal, künstlerisch von größter Bedeutung, wurden in jüngster Zeit entfernt (Histor. Verein) und durch Gewandstatuen ersetzt. Ebenfalls von Riemenschneider, 1500-1506, die Statuen Christi, des Täufers und der zwölf Apostel an den Strebepfll., durch moderne Rest. verdorben (die beiden Johannes neu, Originale im Dom).

Im Innern: südl. Ssch. zwei Reliefs um 1400; Marientod, feierliche zarte Stimmung, feinfühlig flaches Relief, die Komposition altertümlich bis auf das perspektivisch schräg gestellte Bett; von anderer Hand und in kräftigerem Pathos die Kreuzgruppe, der kniende Donator vielleicht Graf Günther v. Schwarzburg † 1410. Am Chorbg. Dorothea und Margaretha von Riemenschneider, ca. 1510. Grabsteine: Martin v. Seinsheim † 1434; Konrad v. Schaumburg † 1499, Werkstatt Riemenschneiders; Ritter Schrimpf von Peter Dell d. J. 1556, Valentin v. Münster von demselben, 1558. Bürgerliche Grabmäler in Epitaphform 1566, 1624, 1648.

S.Michaels-K. An Stelle einer nicht bedeutenden rom. K. Neubau 1766 Valèntin v. Münstèr 1858ff. von J. P. Geigel und Joh. Fischer als Ordens-K. der Jesuiten. Das Äußere nüchtern, das Innere von bedeutender Raumwirkung, aber in der Behandlung unsicheren Wollens zwischen barockem Grundgefühl und modernistischem Klassizismus. (Weitaus unerfreulicher als die die gleiche Übergangsstufe hochbedeutend repräsentierende Klst.-K. zu Wiblingen bei Ulm). Die Deckengemälde, reich an theologischen Finesen, 1770 vom Mainzer Hofmaler Joseph Appiani, fortgesetzt vom Würzburger Chr. Fesel. Stuckaturen von Materno Bossi, Hochaltar von Gärtner 1798.

Neubau-K. s. Universität.

Neumünster-K. Erb. unter B. Heinrich (995-1018), vgl. den Stein am Chor mit der Inschr. »Henricus me fecit«; schon [pg 446] in rom. Zeit wiederholte Bauveränderungen, überliefert für die Zeit B. Adalberos (1045-1085), ferner Ablässe 1223-47. Rest. des Innern und westl. Anbau 1711ff. Der Barock-Umbau nach derselben Methode, wie am Dom, d. h. der rom. Mauer- und Pfeilerkörper wurde beibehalten, aber im Innern ganz mit Barockformen umkleidet, außen die romanischen belassen. — Urspr. flachgedeckte Basilika mit Doppelchor. Die OKrypta erstreckt sich bis unter die Vierung; ihre rom. Wandsll. erhalten; in der westl. Hälfte Würfelkaptt. und an den Basen primitive Eckblätter, in der östl. reiche sprom. Laubkaptt. Die WKrypta gänzlich umgebaut. — Der im NW stehende Turm dürfte mit dem abgebrochenen WChor in Verbindung gestanden haben; schlanker 8Eckbau mit reicher, stark bewegter Gliederung, in der Bewegung der Bogenfriese an die OTeile der Stifts-K. von Gelnhausen erinnernd; der Stil paßt zeitlich zu den Ablässen 1223ff. — Umbau in den 30er Jahren des 18. Jh. Die dabei genannten Würzburger Namen geben nur die Bauführer, der Plan von nicht sicher nachzuweisenden auswärtigen Künstlern; u. a. Gabrieli in Ansbach zu Rate gezogen. Der rom. WChor durch einen Kuppelbau von mächtiger Wirkung ersetzt. Die Fassade auf stark bewegtem Grundriß, gut in den Proportionen und reich, auch mit Figuren in Schmuck gesetzt, mag die beste der Zeit im Frankenlande sein. Sie war besonders geschickt auf einen engen Platz (Kürschnerhof) komponiert. Die neuerliche Freilegung hat ein gutes Teil der Wirkung zerstört. — Das Innere enthält bmkw. ältere Kunstwerke. Im nördl. Qsch. eine der schönsten Madonnenstatuen von Riemenschneider bez. 1493, Sandstein, neu bemalt. — Grabstein des Abtes Joh. Trithemius † 1516 von Riemenschneider. In der WKrypta bmkw. rom. Altarmensa und die in Holz geschnitzten Brustbilder der drei Frankenapostel von Riemenschneider, Reste des Domtabernakels. In der OKrypta merkwürdiger Crucifixus um 1340, Selbdritt bez. 1417. Vier bedeutende Tafelbilder A. 16. Jh., Schulherkunft nicht festgestellt. [Ein Flügel des reichen rom. Kreuzgangs jetzt im Garten des städtischen Museums.]

Wallfahrts-K. auf dem S. Nikolausberge (»Käppele«) 1747 bis 1750 von B. Neumann neben der älteren Gnadenkap. Großer, zentraler Kuppelraum mit 3 elliptischen Apsiden, Eingangshalle und 2 Fassadentürmen. Die innere Dekoration z.T. aus nachneumannscher Zeit. — Die Deckenfresken, sehr farbig, bez. M. Günther 1752. — Eine ausgezeichnete Komposition der große, den Berg hinanführende Treppenweg; [pg 447] die 14 Stationsbilder (Sandsteingruppen) von Joh. Peter und Simon Wagner um 1775.

Peters-K. Umbau einer ma. K. 1717ff. durch Greising und Pezzani (beide wohl nur Ausführer der Idee eines Dritten). Der rom. Turm, der got. Chor und Mauerteile des Langhauses sollten wiederverwendet werden. Im Verhältnis zu diesen Schwierigkeiten die Lösung geschickt: weiträumige Hallen-K. mit Emporen in den Abseiten. Hohe 3geschossige Fassade, im Mittelstück flach polygonal vorspringend; der Statuenschmuck klassizistisch. Von der inneren Ausstattung hervorzuheben die rok. Kanzel von Ant. Bossi, in Brillanz und Grazie unübertroffen.

S. Stephans-K. Von der rom. Basilika die Krypta und der untere Teil der Türme erhalten. Im übrigen 1789 von Geigel (Kleinholz nur Maurermeister) vollständig umgestaltet als weiträumiger, ungeteilter Saal ohne Emporen. Die dekorative Ausstattung durch den Bildhauer Georg Winterstein, eine der besten in dieser Zeit in Deutschland entstandenen, gibt die Klärung der klassizistischen Bewegung, deren erste Regungen an der Michaels-K. zu beobachten sind. Die Wände ausschliesslich in Weiß und Gold; Gestühl und Kanzel in natürlicher Holzfarbe. Stuckierung von Materno Bossi. Deckengemälde von K. Huber von Weißensee.

Schloß Marienberg. Seit 1250 ständiger Sitz der Bischof-Herzöge. Große Erweiterungen 1468-1495. Umfassende Neugestaltung, doch mit Benutzung der alten Teile (starker runder rom. Bergfried) durch B. Julius nach Bränden 1572 und 1600. Es wurde tunlichst für Regelmäßigkeit des Gr. gesorgt, der ein langgestrecktes Viereck darstellt. Einheitliche Fassadenbildung fehlt, geschmücktere Formen nur an einzelnen Zwerchgiebeln, Türmen und Portalen, wovon seither vieles wieder verschwunden. Eine interessante Folge von Stiltypen geben die nach den Erbauern benannten Festungstore: Scherenbergertor 1482, Echtertor 1606, Neutor 1657, Guttenbergtor 1684.

Rathaus. Den ältesten Teil bildet der »Graf-Eckhardturm«. Entstanden aus einem rom. Wehrbau (Sitz der Würzburger Burggrafen), doch schon im sp. Ma. umgebaut. Am östl. Ende der jetzigen Straßenfront ein breites rom. Tor mit spgot. Einbau. Sonst bildete das Erdgeschoß ursp. eine ungegliederte Masse. Der Erker und Doppelfenster mit Vorhangbg. M. 16. Jh. Die Obergeschosse, der WGiebel und der Turm 1615. Die Uhr 1455 von Hans Klein aus Haßfurt. Im Mittelgeschoß ein Saal; eine prächtige Sl. trägt über 2 Rundbgg. 4 spitzbg. Kreuzgwbb. Die Ausmalung in Teppichmustern [pg 448] und mit zahlreichen Wappen der Reichsfürsten, vermutlich 1397 für den Besuch König Wenzels. — Das neue Rathaus 1659. Die Komposition der hohen Giebelfassade, wie der malerisch gruppierten Treppen und Vorsäle steht noch ganz auf dem Boden der deutschen Kunst vor dem großen Kriege, wenn auch mit einem Zusatz schweren Ernstes; Rustikabau fast ohne Ornament.

Universität. 1582-91 unter B. Julius Echter u. a. Man kann keinen bestimmten Baumeister nennen; Kompromiß, bei dem viele mitgesprochen haben. Der erste Entwurf war von Robin in Mainz (vgl. Bd. III u. Bd. IV.). — 4 Flügel von gleicher Höhe umgeben einen großen quadr. Hof; der südl. enthält die Kirche und hat sein eigenes System; der östl. und westl. entsprechen sich genau. Im Erdgeschoß Pfeilerhallen (von Petrini geschlossen und als Bibliothekssaal umgebaut) in reicher diamantierter Rustika mit dorischem Fries. Die 3 Obergeschosse geben eine verputzte Fläche ohne jede andere Gliederung als durch die breiten Fenster; Teilungspfosten; gotisierende Gewände. In der Mitte unbedeutende Zwerchgiebel. Wendeltreppen kommen nicht mehr vor, sondern nur solche mit gerade gebrochenem Lauf. Die Einfahrt hat ein völlig got. Netzgwb. Als äußere Schauseite hat die Front nach der Schulstraße zu gelten; sie besitzt 3 Portale, unorganische Vorsatzstücke in harten antikisierenden Formen. Dem Gesamteindruck fehlt das Heitere und Behagliche, das der deutschen Renss. des 16. Jh. eigen gewesen war; man ahnt schon den strengen und finsteren Geist der Epoche des Religionskrieges. Die Kirche. In ihr scheint noch am meisten vom Robinschen Plan beibehalten zu sein. Einer der wenigen bedeutenden Kirchenbauten der deutschen Renss. In Deutschland galt es, mit der protestantischen Predigt in Wettbewerb zu treten, daher Ähnlichkeit mit dem Typus der protestantischen Schloßkirchen. Die Ausstattung der rundbg. Fenster mit Maßwerk (sehr grob) ist ein Zugeständnis an den noch immer für vorzugsweise sakral geltenden got. Stil. Drei Ränge Galerien begleiten beiderseits ein hohes, langgestrecktes Msch. Pfeiler- und Bogenstellungen mit vorgesetzten antiken Ordnungen; Kreuzgwbb. Der groß gedachten Anlage sind die Einzelformen und die Proportionen nicht ebenbürtig: sie entbehren der feineren Belebung. Auch war die Konstruktion fehlerhaft; 1617 stürzte das Hauptgwb. ein und zerstörte das Juliusdenkmal Robins und die übrige reiche Ausstattung. Wiederherstellung 1696. Der vorspringende WTurm in den unteren Teilen vom Juliusbau erhalten, in den oberen von Petrini; eine bedeutende Kunstleistung; die Lösung wesentlich [pg 449] anders und besser, als an den Türmen, die Petrini vorher an der Hauger K. errichtet hatte; der innerlich widerstrebende antike Formenapparat ist der nordischen Turmidee merkwürdig glücklich dienstbar gemacht.

Juliusspital. Von dem 1580 voll. Stiftungsbau des Bischofs Julius hat sich nichts erhalten. Brand 1699 und danach völliger Umbau durch Petrini; nach neuem Brande 1745 von Neumann instand gesetzt, erweitert 1791 von Ickelsheimer (Straßenfront).

Hofspital. Die K. aus einer got. E. 18. Jh. von A. S. Fischer klassizistisch umgebaut. Schönes Holzrelief mit den 14 Nothelfern A. 16. Jh. (nicht von Riemenschneider). Grabstein des Ritters Christoph von Köln 1564 von P. Dell d. J.

Josephsspital (»Hueberspflege«), gegr. 1794 durch Erweiterung des v. Zobelschen Hofs in der Kapuzinergasse. Großes Relief von B. H. Nickel, zur Erinnerung an die Stiftung; von ansprechender, entfernt an die Tendenzen Schadows erinnernder Natürlichkeit.

Bürgerspital. Gegr. 1319 vom reichen Bürger Johann vom Stern (Johannes De Ariete). Madonna um 1420. Zwei ausgezeichnete Bildnisgrabsteine: Johann v. Stern † 1329, Ekro v. Stern † 1343; man beachte den Stilwechsel im Standmotiv. Außen Sternsches Familienepitaph ca. 1330. — [Der schöne Portalstein im Museum.]

Klerikalseminar (früher Jesuitenkollegium) als Werk Jos. Greisings gesichert, 1716 f. Ernst und tüchtig, der Formengeist in der Mitte zwischen der düsteren Schwerfälligkeit des 17. Jh. und der neuen Vornehmheit Neumanns. Die Portalskulpturen von Jakob v. d. Auwera aus Mecheln (nur die krönende Nischenstatue des h. Ignatius nach Aufhebung des Ordens durch guten Hirten ergänzt).

Rückermaingebäude (früher Amtshaus des Ritterstifts S. Burkard) 1715-22 v. J. Greising; derselbe knüpft, im Gegensatz zu dem Hauptmeister der unmittelbar vorangehenden Zeit, Ant. Petrini, an die Traditionen des deutschen Frühbarok an. Im Innern bmkw. Stuckdecken.

Zuchthaus in der Burkharderstraße. Erb. A. 19. Jh. als Kaserne der fürstbischöfl. Leibgarde von Späth, in kräftiger und origineller Verbindung von Rustika mit dor. Sll.

Deutschordenskomturei, mit dem Wappen des Komturs v. Ow 1694, Richtung Petrinis.

Residenzschloß. Erb. 1719-44 (innere Einrichtung fortgesetzt bis in die 70er Jahre) von den beiden Fürstbischöfen aus dem durch großartigen Bausinn hervorragenden Geschlecht der Schönborn (vgl. Pommersfelden, Werneck, Wiesentheid, [pg 450] Heusenstamm, Bruchsal, Worms, Mainz, Koblenz, Trier). Fürstbischof Johann Philipp wählte zum Baumeister den noch jungen und erst an einem einzigen Kunstbau (Ebrach 1716) bewährten Artillerie- und Geniehauptmann Joh. Balthasar Neumann (1687-1753). Nach der Sitte der Zeit wurde der Plan von auswärtigen Architekten (M. v. Welsch und L. v. Hildenbrand), vermittelt durch Joh. Philipps Verwandte, den Kurfürsten von Mainz und den Reichsvizekanzler in Wien, begutachtet, ohne jedoch ihn irgend nennenswert zu verändern. Erst als Neumann nach Paris geschickt wurde, mußte er sich durch den nüchternen Akademiker Boffrand eine Verschlechtbesserung seines Treppenhauses gefallen lassen; nützlicher könnten die auf die Zimmereinteilung bezüglichen Ratschläge Robert de Cottes gewesen sein. 1729 ging N. nach Wien, wo L. v. Hildebrand diesmal größeren Einfluß gewann; die Gartenfassade bezeugt ihn. — Das Schloß von Würzburg ist eines der größten architektonischen Kunstwerke, die Deutschland besitzt, auch in seinem inneren Wesen deutscher, als die landläufige Meinung annimmt. Der französische Geschmack beeinflußt nur, und auch nur teilweise, die Innendekoration. Den italienischen Bar. kannte N. nur mittelbar durch die Wiener Schule. Der Stil seines Werkes ist wesentlich persönlich auf Grund der international gewordenen allgemeinen Barocküberlieferung. — Der Grundriß erweitert das herkömmliche Triklinienschema zu einem Gruppenbau. In der Mitte ein 53 m tiefer und 60 m breiter Ehrenhof (ehemals durch ein prachtvolles Gitter abgeschlossen), in den Flügeln je zwei Binnenhöfe, die gerade Gartenfront 160 m l., die Seitenfronten 90 m. Der Aufbau ist 2teilig, da das 2. und 4. Geschoß sich als Mezzanine völlig unterordnen. Von Risaliten wird maßvoller Gebrauch gemacht, auch die Dachlinien sind nicht sehr bewegt, im ganzen sollen die Horizontalen herrschen. Die Einzelheiten vorzüglich im Grad des Reliefs und in der Präzision der Zeichnung, barocke Üppigkeit nur in der Krönung des Mittelbaus. Das berühmte Treppenhaus bietet nur die Hälfte von Neumanns ursp. Plan; die symmetrisch dazu gedachte zweite Treppe wurde ihm von Boffrand gestrichen; ausgeführt wäre es weitaus die großartigste Treppenanlage der Welt geworden. — Die Stuckdekoration ist von N. bis ins einzelne vorgezeichnet. Seine erste Manier im rechten Flügel, voll. 1737, das meiste A. 19. Jh. umgeändert. Im Spiegelsaal und Thronsaal beginnt eine gewisse Hinneigung zum französischen Louis XV., stärker wird sie in der Salle des gardes. In der 1743 gew. Kapelle verliert Neumann die frühere Klarheit seiner Kunstsprache, [pg 451] eine eigentümlich »schwüle, überhitzte« Stimmung tritt ein. Die Gwbb. und ihre Widerspiegelung im Gr. geben die Durchschneidung mehrerer Ellipsen. In den jüngeren Räumen allmähliche Wandelung des Stils. Die letzten 1805 ff. durch N. A. de Salins umgestalteten verkünden den Sieg des Neuklassizismus. — 1750-53 führten G. B. Tiepolo und sein Sohn Domenico die weltberühmten Deckengemälde im Treppenhaus und Kaisersaal aus; die übrigen Maler waren durchweg Deutsche. (Das Riesenbild des Treppenhauses, eine Huldigung für den Fürstbischof Karl Philipp v. Greifenklau, zu der der ganze Olymp und alle vier Weltteile aufgeboten werden; im Kaisersaal Geschichte Friedrich Barbarossas, dem das Bistum die Belehnung mit dem Herzogtum Franken verdankt.) Kurz vor Tiepolo hatte Joh. Zick die Decke des Gartensaales gemalt, 1750. Unter den Bildhauern und Stuckateuren bemerkt man neben den Deutschen (der beste war Balthasar Esterbauer) mehrere Italiener, die Niederländer Jakob und Wolfgang v. d. Auwera, nur einen Franzosen, Curé. Die unvergleichlich prachtvollen Schmiedearbeiten sind vom Tiroler J. G. Oegg. Die ältesten Stuckaturen im Ingelheimer Zimmer von Castelli 1724-28. Kaisersaal, Weißer Saal und andere Paradezimmer der Ostfront von Anton Bossi, das Grüne Zimmer von Materno Bossi 1770, ebenso der schon zum Klassizismus übergehende Fürstensaal. — 1765-70 die Abrundung des Residenzplatzes durch die Arkaden und den »Gesandtenbau« von J. Geigel; der korrespondierende »Rosenbachsche Hof« auf der NSeite ist älter (vielleicht von Greising). Die dekorative Plastik im Treppenhaus und später die im Garten von J. P. Wagner.

Wohnbauten. Aus Ma. wohl manche Mauerreste, aber keine sich augenfällig machende Formen; gut, wenn auch nicht zahlreich vertreten die Renss. des 16. und 17. Jh., ganz hervorragend das 18. Jh.

Adelshöfe der Renss.: Curia Tannenberg am Paradeplatz 1575. Das jetzige bischöfl. Palais, früher Echterscher Hof, A. 17. Jh., gegen Herrengasse 8 reicher Erker, in der Hauskapelle Alabasteraltar von Mich. Kern. Von demselben Meister der Kressenhof, jetzt Wittelsbacher Hof, Marktplatz 1. Der Sandhof, nach 1595 (jetzt stark verändert), reizvoll, namentlich die Hofarchitektur; die Stuckdecke mit St. Georg nur Teil einer einst umfassenden Dekoration [Stücke im Nat.-Mus. München]. Ehrmannsches Haus Augustinerstr. 1, im Hof Fachwerk mit ausgezeichnet schönen Schnitzereien 1547. Ein anderes reiches Fachwerkhaus, in den Schnitzereien stark unter Einfluß von Steinformen, das Bachmannsche Haus von 1634, Neubaustr. 2. Seebachhof Domerschulgasse 3 mit [pg 452] got. Kapelle. Heidecker Hof ebenda 1 von 1626. Hof zum Kalb, Ebrachergasse 2. Hotel zum Schwan; Hof zum wilden Schweinskopf, Paradeplatz 2; Martinsgasse 1 mit schönem Eckerker aus dem 17. Jh.

Barock. Seit E. 17. Jh. Von Petrini oder unter seinem Einfluß: Marktplatz 2, ao. 1685, Musikschule 1680-90, Pleicherschulhaus 1695. Von Greising mehrere Häuser der Neubaustraße, no 6, 8, 10, 12 von 1716, no 14 verändert 1736, im Innern stattliche Treppen mit geschütztem Geländer und Stuckdecken. Curia Großburkstadt 1716 in der Heinestr. 5, daneben 7 und 9 ao. 1721. Glockengasse 5 ao. 1718.

Rokoko. Von Neumann oder unter seinem Einfluß: sein eigenes Haus (Hof Oberfrankfurt) in der Franziskanergasse; Haus des Hofkanzlers v. Fühler, Bronnbachergasse 8, anno 1724. Huttenschlößchen 1725, in der Sanderglacisstr. wiederaufgerichtet. Hof Marmelstein Domerschulstr. 2 ao. 1747. Damenstiftshaus (jetzt Stadttheater) 1750. Hotel de Russie. Jagdzeughaus Zellerstr. 40. Eine ganze Reihe von Häusern in der Theaterstr. (2, 3, 4, 6, 8, 10) 1738-50. Dagegen hat das Haus zum Falken (Marktplatz 9) mit Neumann nichts zu tun; stuckierte Fassadendekoration von glänzender Munterkeit, echt deutsche Fassung des Rokoko.

Im Übergang zum Klassizismus: Domstr. 19. Bahnhofstr. 11.

Votivstatuen und Reliefs an Privathäusern noch in großer Menge erhalten; keine andere Stadt Deutschlands (außer Mainz) kann sich darin mit Würzburg messen; gute got. Exemplare Augustinergasse 13, ca. 1390, Eichhornstr. und Johanniterstr. ca. 1410; die große Masse bar. und rok., die besten von jüngeren Mitgliedern der Familie v. d. Auwera.

Brunnen auffallenderweise erst aus 18. Jh. Der größte der Vierröhren-Br. 1766 von Lucas v. d. Auwera, recht »zopfig«. In anmutiger Maskereinatürlichkeit der Fischer-Brunnen am Fischmarkt und der Bäcker-Br. in der Semmelgasse, beide von Michael Daniel Köhler † 1778. Dreikronen-Br. 1779. Ceres-Br. um 1790, von Nickel.

Luitpold-Museum mit wichtigen Resten Würzburger Plastik.

Universitäts-Bibliothek. Frühromanische Elfenbeinreliefs, Bilderhandschriften, Skizzenbuch Balthasar Neumanns.

Universitäts-Sammlungen, wichtig für fränkische Plastik und Malerei.

WURZEN. K Sachsen AH Grimma.

»Dom«. Den ältesten Teil der langgestreckten Anlage (63 m) bildet im W eine sprom. Pfeilerbasilika von 3 spitzbg. Arkaden, urspr. flachgedeckt, im ganzen ähnlich der Frauen-K. [pg 453] zu Grimma. Erweiterungen 13., 14., 16. Jh., neugot rest. 1817. — Steinstatuen, zum Chorbau von 1513 gehörig, jetzt im Lhs.

Schloß 1491.

WÜSTHEUTERODE. Pr. Sachsen Kr. Heiligenstadt.

Dorf-K. (kath.) 1804. Gewölbter Quaderbau, noch ganz in dem herkömmlichen Eichsfelder Bar. Typus.

WYHRA. K. Sachsen AH Borna.

Dorf-K. Einheitlicher Bau von 1494; die auch für das Lhs. (1sch. 3jochig) beabsichtigten Gewölbe nur im Chor (eingezogen 2 Joche und 5/8 Schluß) zur Ausführung gelangt.