§. 39.
Ich kan mich hier nicht enthalten einen Fehler anzumercken den manche, die mit Gewalt, es koste was es wolle, lustige Gesellschafter seyn wollen, begehen. Sie samlen sich einen ziemlichen Vorrath kleiner poßirlichen Histörchen, die sie in allen Gesellschaften mit einer kützelnden Zufriedenheit erzehlen. Sie haben ihren eigenen Witz dergestalt verwöhnt, daß sie nicht lustig seyn können wenn sie diese Lappalien nicht vortragen. Und wer solche Leute kennt der pflegt, so bald sie den Faden ihrer Geschichte anfangen, zu sagen, ja ja! nun kommen die Historien, nun werden sie aufgeräumt. Ich will nicht sagen, daß es unverschämt gehandelt sey, eine gantze Gesellschaft mit Dingen zu unterhalten, die man ihnen wohl tausendmal gesagt hat. Ich sage nur, daß dis ein Zeichen eines sehr matten und frostigen Witzes sey, wenn man einerley schertzhafte Einfälle, so oft wiederholt. Wollen diese lebendigen Chronicken etwa einwenden, daß die Gesellschaft gleichwol lache, so bitte ich sie achtung zu geben, ob ein solches lachen nicht vielmehr eine erzwungene Höflichkeit sey, die man ihnen beweißt, weil man sich doch genöthiget sieht, mit ihnen umzugehen. Wenn sie sich die Mühe nehmen wollen diese Beobachtung zu machen, so werden sie gewahr werden, daß mancher über ihre Erzehlungen lacht, indem er mitten im Gähnen begriffen war. Doch kan es seyn daß sie sich in Gesellschaft mit Leuten von frostigen Witze und üblen Geschmack befinden, und alsdenn versichere ich ihnen, daß diese lachen werden, und wenn sie ihre Historien ihnen noch tausendmal vortragen solten.