§. 40.

Noch ein Fehler ist zu bemercken, welcher der Schönheit eines Schertzes, so aus der Neuigkeit desselben entspringt, zu wieder ist. Es besteht derselbe darin, wenn man gar zu aufgeräumt ist, und in kurtzer Zeit gar zu viel Schertze hinter einander vorträgt. Cicero hat denselben auch bemerckt, im andern Buche vom Redner: Hoc opinor primum, ne, quotiescunque potuerit dictum dici, necesse habeamus dicere. Ein jeder dieser Schertze kan an sich sehr schön seyn, und, wenn er allein vorgetragen wird, alles das Feur besitzen, so zu einem angenehmen Schertze erfodert wird. Allein weil er unter einer gar zu grossen Menge anderer Schertze vorgetragen wird, so erkaltet er. Man wird des lachens auch müde. Unsere Seele liebt die Veränderungen, eine Belustigung die gar zu lange einträchtig bleibt, wird matt und verliehrt ihre Anmuth. Alle glückliche Schertze erwecken in der Seele ein ähnliches Vergnügen, ist es also nicht natürlich, daß, wenn in kurzer Zeit, gar zu viele Schertze auf einander folgen, die folgenden immer frostiger werden müssen, je weiter sie von dem ersten entfernt sind? Alle sinnliche Lust wenn sie aufs höchste getrieben worden, nimt von selbst natürlicher Weise wieder ab. Omnibus in rebus voluptatibus maximis fastidium est finitimum. Cicero im dritten Buch vom Redner. Es streitet wider die Natur der Seele, viele feurigen Schertze hinter einander, mit gleicher Lebhaftigkeit, zu fühlen, die letztern haben keine völlige Neuigkeit mehr, weil sie das Vergnügen, das die vorhergehenden erweckt haben, nur durch einen etwas veränderten Grund verursachen, oder vielmehr nur fortsetzen. Es ist demnach natürlich, daß uns das Schertzen endlich verdrießlich werden muß, wenn es in einem, durch eine geraume Zeit, fortgeht.

Quem bis terque bonum cum risu miror, & idem

Indignor.

Hor. de art. poet.

Sollen alle unsere Schertze glücklich seyn, so muß man nicht zu viel auf einmal, und kurtz hinter einander spassen. Es ist demnach eine Maxim die der Vollkommenheit der Schertze nachtheilig ist, wenn man annimt, daß ein Schertz, der an sich feurig ist, auch könne vorgetragen werden, ohne weitere Betrachtungen dabey anzustellen. Ein schertzhafter Kopf muß kein Verschwender, sondern ein sparsamer Haußhalter seyn, der für das künftige sorgt. Hat er in manchen Stunden einen gar zu starcken Zufluß von Schertzen, so bedencke er, daß theure Zeiten kommen können, da bey ihm die Schertze sehr rar seyn möchten. Die Leute, die manchmal gar zu lustige und aufgeräumte Stunden bekommen, besitzen einen Witz, der mir einem gewaltigen Strohme gleich zu seyn scheint, bey welchen, wenn er einmal seinen Dam durchbrochen, kein aufhalten ist. Es ist wahr, wir sind, wenn wir auch noch so feurige Köpfe wären, nicht immer zum spassen aufgelegt; aber man kan doch sagen, daß es möglich sey sich vor den Fehler zu hüten, den Horatz an den Sängern bemerckt hat. Satt. L. I. Sat. III.

Omnibus hoc vitium est cantoribus, inter amicos

Vt nunquam inducant animum cantare rogati.

Iniussi nunquam desistant.