§. 46.
Keine Dinge sind so verschieden als die einander entgegen gesetzt sind. In so fern sie entgegen gesetzt sind, haben sie gar nichts mit einander gemein. Man begreift also mit leichter Mühe, daß die Vollkommenheit eines Schertzes, von der ich bisher rede, nicht besser erhalten werden kan, als durch die Verbindung und Vergleichung wiederwärtiger Dinge. Und o! was entdeckt sich hier für eine fruchtbare Quelle der Schertze! Ich begnüge mich dieselbe bloß angezeigt zu haben. Exempel trift man in grosser Menge in den Satirischen Schriften an, welchen die Ironie die Stacheln gibt. Die Quelle der Ironie ist eben das entgegengesetzte desjenigen, worüber man spotten will. Und wenn sonst alles seine Richtigkeit hat, so müssen die Schertze, die daher genommen werden nothwendig gerathen. Es sind demnach alle sinnreichen Einfälle matte Schertze, wenn sie keine grosse Verschiedenheit der Dinge, womit man schertzet, zum Grunde haben. Sie können sonst alle Schönheiten eines sinreichen Einfals haben, und in dieser Absicht angenehm seyn, nur muß man ihnen den Namen der Schertze nicht beylegen, denn zu diesen wird auch Scharfsinnigkeit erfodert.