§. 45.
Die andere Art der Verschiedenheit ist die Ungleichheit, die Verschiedenheit der Grösse. Ich bin überzeugt daß nichts lächerlicher und thörichter könne gedacht werden, als wenn sich kleine Dinge grossen gleichschätzen wollen. Die belachenswürdige Thorheit eitler und hochmüthiger Menschen, besteht ja eben darin, daß sie sich über sich selbst ausdehnen wollen, und dem Frosche in der Fabel ähnlich sind, der gerne so groß seyn wolte als ein Ochse. Meines Erachtens kan also kein Schertz stärcker zum lachen reitzen, als derjenige, welcher Dinge vergleicht, die der Grösse nach unendlich verschieden sind. Ich sage nicht, daß man die grossen Dinge denen kleinen gleich schätzen solle, das könnte nicht nur manchmal eine Frucht der Dumheit, Unwissenheit, Grobheit und Unverschämtheit seyn, sondern es würde auch in vielen Fällen nicht lächerlich seyn, weil alle grossen Dinge, der Wahrheit gemäß, den kleinen gleich sind, wenn man von ihnen dasjenige absondert, wodurch sie die kleinen übertreffen. Meinem Bedüncken nach, ist das eigentlich lächerlich, wenn man kleine Dinge denen grossen gleich schätzt. Das Grosse bleibt dabey in seinen Würden und Vorzuge, und man hütet sich vor den Verdacht der Leichtsinnigkeit. Der Wiederspruch ist dabey so mercklich, daß es nothwendig lächerlich seyn muß. Wird man nicht starck zum Lachen gereitzt wenn man beym Ausonius, Epigr. XCV. die Begebenheit des Faustulus ließt? Faustulus ritte auf einer Ameise. Da diese den Koller bekam, warf sie den unglückseeligen Faustulus herunter, schlug hinten aus, und versetzte ihm einen dergestalt tödtlichen Stoß, daß er in seiner Todesstunde nur noch zu seinem Troste sagen konnte: Er habe eben so einen schweren Fall gethan als Phaeton.
Faustulus insidens formicae, vt magno elephanto
Decidit, & terrae terga supina dedit.
Moxque idem est ad mortem multatus calcibus eius
Perditus vt posset vix retinere animam.
Vix tamen est fatus: quid rides improbe livor?
Quod cecidi? cecidit non aliter Phaëton.
Ein feuriger Spaß muß also unter Dingen, die der Grösse nach fast unendlich verschieden sind, eine Verhältniß, eine Gleichheit entdecken. Ich will eben nicht sagen, daß dis zu allen feurigen Schertzen nöthig sey. Manchmal kan man zwey Dinge der Grösse nach nicht mit einander vergleichen, weil man nur auf ihre Aehnlichkeit sieht. Doch ist unleugbar, daß ein Schertz um so viel feuriger seyn müsse, je ungleicher die Dinge sind, die mit einander verglichen werden.