§. 51.

Die Ubereinstimmungsstücke sind entweder Aehnlichkeiten, oder Gleichheiten, oder beydes zusammen. Ein glücklicher Spaß muß demnach, viele und grosse Aehnlichkeiten und Gleichheiten entdecken. Es ist wahr, die blosse Aehnlichkeit kan manchmal zureichen, allein ich glaube doch, daß die Gleichheiten und Proportionen derselben, erst dem Schertze die rechte Schönheit auf dieser Seite geben. Die Aehnlichkeiten fallen eher in die Augen, können leichter entdeckt werden, und es ist weniger Scharfsinnigkeit zu ihrer Entdeckung nöthig. Allein die Vergleichungen der Grössen erfodern mehr durchdringenden Verstand. Man muß die Grössen ausmessen, und sie mit einander vergleichen. Kan nun das unsere Seele gleichsam im Augenblicke verrichten, so beweißt sie dadurch ihre Stärcke in ausnehmenden Grade. Die Entdeckungen der Aehnlichkeiten können viel unrichtige Gedancken verursachen, wenn sie nicht durch eine genaue Beobachtung der Proportion in ihren gehörigen Schrancken erhalten werden. Alle einzelne Theile eines Gesichts können schön seyn, haben sie aber nicht die gehörige Proportion, so wolte ich nicht sagen, daß das Gesicht reitzend sey. Man kan sagen, daß die Proportion der Grundriß der Schönheit überhaupt sey. Kan wohl die Schönheit eine Schönheit seyn, wenn der Plan, nach welchen sie aufgeführt worden, nichts taugt? Ich sage also, daß ein Schertz abgeschmackt werden müsse, ob er gleich viele und grosse Aehnlichkeiten vorstelt, wenn in denselben gar keine Proportion ist. Doch wird niemals erfodert, daß die Proportion, die ich zu einem Schertze erfodere, nach der strengsten Mathematik richtig sey. Ein wenig mehr oder weniger, thut hier nichts zur Sache. Die Schertze sind ja ohne dem undeutliche Vorstellungen. Wenn nur die Proportion, dem Ansehen nach, beobachtet wird, so entsteht die Schönheit, von der ich rede. Ist doch in der Baukunst nicht einmal diese Strenge nöthig. Die Proportion kan fehlerhaft seyn, wenn der Fehler nur nicht in die Sinne fält.