§. 50.
Durch diese Eigenschaft bekommt ein Schertz eine Schönheit, die ihm nichts anders zu geben vermag. Ein Schertz, der diese Beschaffenheit hat, gefält uns, so oft wir uns dessen wieder erinnern. So oft wir ihn von neuen überdencken, erblicken wir mehrere Vergleichungsstücke. Dadurch entsteht nicht nur ein neues Vergnügen, sondern wir sind auch mit uns selbst zufrieden, weil wir überzeugt werden, daß wir einen Schertz gebilliget, und darüber gelacht haben, der es vollkommen werth gewesen. Wir freuen uns heimlich über unsern guten Geschmack, und sind versichert, daß wir uns, durch das belachen dieses Spasses, keiner flüchtigen Leichtsinnigkeit verdächtig gemacht haben. Mit einem Wort, ein Schertz der diese Eigenschaft besitzt, hat diejenige Schönheit die Ovidius, Epist. ex pont. L. III. ep. V. an einer andern Sache rühmt.
Cumque nihil, toties lecta, e dulcedine perdant.
Viribus illa suis, non nouitate placent.
Ich widerspreche mir nicht. Ich habe zwar erwiesen, daß ein alter Schertz mat und frostig werde, das ist aber meinem jetzigen Gedancken nicht zu wieder. Es ist gantz ein anders, wenn man einen Schertz, als einen Schertz, sich oft muß vorsagen lassen, und wenn man eines Schertzes, den man von andern nur einmal gehört hat, sich oft wieder erinnert. Ich rede auch hier von einer andern Art des Vergnügens, so von dem gantz unterschieden ist, so aus der Neuigkeit entsteht. Ja man füge hinzu, wie ich niemals behauptet, daß die Neuigkeit eines Scherzes die einzige Schönheit desselben sey, und noch weniger, daß alles Vergnügen über einen Spaß, gantz allein aus dem neuen desselben entstehe. Noch einmal, ein guter Schertz muß ein Thema seyn, darüber ein witziger Kopf, einen sehr langen allegorischen und Emblematischen Vortrag halten könnte.