§. 72.

Ein Schertz der lebhaft seyn soll muß in einem hohen Grade klar seyn. Wenn er demnach dunckel ist, und gar nicht eingesehen wird, so hört er auf, ein Schertz zu seyn. Man kan also sagen, daß ein Schertz in so fern er dunckel ist, gar kein Schertz sey. Es ist ein Fehler eines Schertzes wenn er dunckel ist, und ohne Noten und Commentarius nicht verstanden werden kan. Ich sage nicht, daß ein Schertz von allen Leuten müsse verstanden werden, denn so müste er gewiß sehr frostig und abgeschmackt seyn, weil dieser allgemeine Begriff das Unglück hat, sehr abgeschmackte Köpfe unter sich zu begreiffen. Sondern ich behaupte, daß ein feuriger Schertz keinem witzigen Kopfe, der die Umstände weiß, in welchen er vorgetragen worden, dunckel seyn müsse. Es können dahin alle die Schertze gerechnet werden, die gar zu weit hergeholt sind, die gar zu sehr erzwungen werden, und bey denen man gar zu viel nachdencken muß, ehe man sie einsehen kan. Dieser Fehler hat mannigfaltige Ursachen. Wenn ein schertzhafter Kopf seine Schertze nicht nach der Gelegenheit einrichtet; wenn in den Umständen gar keiner, oder doch ein sehr unmercklicher, Grund zum Schertze vorhanden ist; wenn die Gedancken bey dem Schertze, aus welchen die übrigen leicht fliessen, verschwiegen werden, und diejenigen vorgetragen werden, aus welchen sehr schwer das übrige erkannt werden kan; wenn die Vergleichungsstücke sehr klein und unmercklich sind u. s. w. so wird er ausser dem Gesichtskreyse der allermehresten Zuhörer angetroffen werden. Ein glücklicher Schertz muß ungezwungen seyn, leicht eingesehen werden können, und das schertzhafte dergestalt entdecken, daß man dem Zuhörer, als der sich gerne belustigen will, nicht die Mühe macht, den Kopf zu sehr zu zerbrechen. Es sind manche Köpfe, die mitten in Gesellschaften doch allein sind. Sie haben ihre eigenen Reihen der Vorstellungen, und wenn ihnen alsdenn was schertzhaftes einfält, so tragen sie es ohne Bedencken vor, und wundern sich, wenn andere nicht mitlachen. Sie solten erst die Gütigkeit haben, und ihre vorhergehenden Vorstellungen vortragen, oder die Gefälligkeit gegen die Gesellschaft beweisen, und mit Leib und Seel unter ihr gegenwärtig seyn.