§. 74.
Meine Meinung von der Wahrheit der Schertze, die ich in dem vorhergehenden Absatze vorgetragen, widerspricht den Kunstrichtern nicht, welche den Unwahrheiten in den Schertzen einen Platz verstatten. Cicero gehört dahin, welcher im andern Buch vom Redner sagt: Perspicitis hoc genus quam sit facetum, quam elegans, quam oratorium, siue habeas vere quod narrare possis, quod tamen est mendaciunculis aspergendum, siue fingas. Diese Kunstrichter betrachten den Schertz auf eine gantz andere Art. Wenn man von Schertzen redet, so versteht man entweder die Dinge die man vergleicht, worüber man schertzet, und von denen man den Schertz entlehnt; oder man versteht den Gedancken selbst in welchen das schertzhafte besteht, die Vergleichung verschiedener Dinge. In der letzten Absicht muß, meines Erachtens, kein unrichtiger Gedancke, und wenn er auch ein mendaciunculum wäre, in dem Schertze vorkommen. In der ersten Absicht muß man anders urtheilen. Da können also die Dinge womit man schertzet, auch wahr seyn, oder sie sind falsch und erdichtet. Wenn diese Dinge auch wahr sind, so ist der Schertz durch und durch wahr, und enthält nicht den geringsten unrichtigen Gedancken, und diese Wahrheit nennet man die unbedingte Wahrheit eines Schertzes.