§. 77.

Das Leben der Erkenntniß besteht in dem Vergnügen oder Verdrusse, so damit verbunden ist. Soll also ein Schertz lebendig genug seyn, so muß er entweder Vergnügen, oder Verdruß bey den Zuhörern erwecken. Das letzte wolte ich eben nicht sagen. Ich will balde erweisen, daß das Lachen über einen feurigen Schertz aus Vergnügen entstehen müsse. Ich gebe zu, daß die Personen über die man schertzt verdrieslich werden können, wenn sie lächerlich gemacht werden. Es kan auch seyn, daß durch unsern Schertz, mittelbar ein Verdruß verursacht wird, wenn wir zu dem Ende etwas durch unsern Schertz lächerlich gemacht haben, damit es unsere Zuhörer verabscheuen sollen. Dem sey wie ihm wolle, so nehme ich an, daß das Lachen, welches wir zunächst durch unsern Schertz hervorzubringen suchen, mit Vergnügen verbunden seyn müsse.

Non satis est pulcra esse poemata: dulcia sunto

Et quocunque volent, animum auditoris agunto.

Hor. art. poet.

Ich sage eben das von einem feurigen Schertze. Erweckt er in unsern Zuhörern Vergnügen und Lust, so hören sie uns gerne zu, wir machen sie uns geneigt, und sie sind uns Danck schuldig, daß wir ihnen so was vergnügtes vorgesagt haben. Je mehr Vergnügen ein Schertz also verursacht, je mehr angenehme Gemüthsbewegungen dadurch erregt werden, desto feuriger ist er.