§. 78.
Das Vergnügen entsteht aus der anschauenden Erkenntniß einer Vollkommenheit. Das Vergnügen, so durch einen Schertz verursacht wird, entsteht demnach entweder aus dem Gefühl seiner formellen Schönheit, oder seiner Materiellen. Von dem ersten rede ich jetzo, und das scheint eine natürliche Frucht und Würckung eines feurigen Schertzes zu seyn. Wenn ein Schertz einen hohen Grad der Schönheit besitzt, wenn wir denselben dergestalt vortragen, daß der Zuhörer die gantze Schönheit des Schertzes begreift und fühlt, so muß er ihm gefallen und ein Vergnügen in ihm verursachen. Ein Schertz der kein Vergnügen verursacht, muß entweder nicht feurig genug seyn, oder von dem Zuhörer, aus seiner eigenen Schuld, nicht begriffen werden, oder der Zuhörer muß ein Klotz seyn. In dem ersten Falle ist die Mattigkeit des Schertzes eine Häßlichkeit desselben, und es ist daraus klar, daß ich mit Grunde fodere, daß ein feuriger Schertz nicht nur lebendig seyn, sondern auch keinen Verdruß zunächst verursachen müsse. Zu gleicher Zeit erhellet, daß ich nicht nöthig habe, besondere Regeln von dem Leben eines Schertzes zu geben, weil ein Schertz der sehr feurig ist und den Regeln, die ich bisher ausgeführt habe, gemäß ist, nothwendig reizend seyn muß. Ein Schertz der von einem lebhaften feurigen und muntern Kopfe, mit kaltem Blute kan angehöret werden, oder wol gar mit Widerwillen, muß sehr frostig seyn, wenn anders keine andere Ursach zum Verdrusse kan angegeben werden.
male si - - loqueris
Aut dormitabo, aut ridebo.
Hor. art. poet.