§. 88.
Wenn die lächerliche Gestalt eines Menschen ein blosser Naturfehler ist, so verdient er Mitleiden und Vergebung. Wer aber seinen Körper durch Fleiß und Uebung zu einen poßirlichen Werckzeuge, andere Leute zu belustigen, macht, verdient ohnfehlbar die Verachtung vernünftiger Leute. Schertze, die mit ungereimten und ausserordentlichen Verzuckungen der Gesichtszüge, und unmenschlichen Verdrehungen der Theile desselben, vorgetragen werden, gehören auf die Schaubühne, und auch da hat man sie schon weg gepeitscht. Eine Rede, die mit einem Fratzen-Gesichte vorgetragen wird, ist ein Schertz der für einen groben und pöbelhaften Geschmack gehört. Es ist zu bedauren, daß manche witzige Köpfe auf diese Ausschweiffung gerathen. Sie würden sonst nicht gantz unglücklich im Schertzen seyn. Weil sie aber die Narrheit begehen, und sich befleißigen, ihre Gesichter dergestalt zu verzucken,
Possent vt iuuenes visere fervidi
Multo non sine risu
Dilapsam in cineres faciem
Hor. Carm. L. IV. od. XV.
so sind sie nicht werth, daß man sie schertzhafte Leute nennt. Wer sich so weit erniedrigen kan, sich selbst mit Fleiß lächerlich zu machen, verdient nicht, ein vernünftiges Wesen zu heissen.