§. 93.

So gewiß es ist, daß zu einem geschickten Vortrage, auch die Uebereinstimmung aller Minen und Züge des Gesichts mit dem Vortrage, erfodert werde, so schwer ists, die Regeln zu entdecken, durch welche diese Einrichtung des Gesichts bestimmt wird. Zum guten Glück, pflegt die Natur in solchen Kleinigkeiten den Mangel unseres Fleisses zu ersetzen. Itaque imbuendus est is, qui iocose volet dicere, quasi natura quadam apta ad haec genera, & moribus, vt ad cuiusque modi genus ridiculi vultus etiam accommodetur. Cic. de Orat. L. II. Wer in seinem Vortrage ungezwungen ist, und nicht gar zu sehr künstelt, wer selbst einen lebhaften Eindruck von den Sachen hat, die er vorträgt, dessen Gesichtszüge werden um der natürlichen Uebereinstimmung des Körpers mit der Seele willen, seinem Vortrage am gemässesten seyn, wenn er am wenigsten drauf denckt. Man kan eben dieses von einem schertzenden sagen. Kan man ihm gleich nicht ausführlich vorschreiben, wie ers machen soll, daß er seinem Gesichte die gehörige Einrichtung beym spassen gebe, so kan man doch gar zu leicht die Regellosigkeit in diesem Stücke gewahr werden. Ich werde nur ein paar Fehler dieser Art berühren, weil sie der Schönheit eines Schertzes gar zu nachtheilig zu seyn scheinen. Der erste ist die Finsterniß des Gesichts. Ich habe zwar erwiesen, daß der schertzende ernsthaft seyn müsse, ein ernsthaftes Gesicht aber ist nicht saur und finster. Es ist wahr, der Schertz wird ungemein belacht, der mit einer runzlichten Stirne vorgetragen wird. Allein ich bin mit dem Cicero eines Sinnes: In moroso non sal sed natura ridetur. Man schließt aus der Finsterniß des Gesichts, auf einen murrischen Kopf, und es scheint uns wiedersprechend und ungereimt zu seyn, daß ein so murrischer und unaufgeräumter Kopf, so lustige und aufgeräumte Einfälle haben könne. Ueberdies hat es das Ansehen, als wenn die Natur bey einem solchen Menschen ihre Maximen vergessen. Sie pflegt gewöhnlicher Weise, die genaueste Uebereinstimmung zwischen Leib und Seele, zu erhalten. Ist es also nicht wiedersinnisch, daß sie die Seele eines Democritus in den Körper eines Cato gesteckt hat? der schertzende macht sich selbst lächerlich, wenn er nicht eine heitere, freudige und muntere Ernsthaftigkeit annimt, und ich habe oben erwiesen, daß ein Schertz viel von seinem Feuer verliehre, wenn sich der schertzende selbst lächerlich macht.