§. 92.

Bey dem Vortrage unserer Gedancken muß man auf zwey Stücke sehen. Auf die Worte, und auf das Betragen des gantzen Körpers, nebst andern Veränderungen, die mit dem Vortrage eine nothwendige Verbindung haben. Ich bin nicht willens alle die Regeln auszuführen, die zu einem geschickten Vortrage eines Schertzes erfodert werden. Sie sind mit den Regeln der Redekunst den wesentlichen Stücken nach einerley. Ich werde mich begnügen, einige Fehler im Vortrage der Spasse zu bemercken wodurch das Feuer derselben verdunckelt wird. Die Worte wodurch der Schertz vorgetragen wird sollen die Zeichen desselben seyn. Wenn sie demnach dergestalt beschaffen sind, daß der Zuhörer aus denselben den gantzen Schertz, nebst allen Schönheiten desselben, erkennen kan, so sind sie ohne Tadel. Der Schertzende muß seinen Vortrag dergestalt einrichten, daß keine Schönheit verborgen bleibt oder verdunckelt wird. Hat er einen feurigen Spaß erdacht, kan er reden, ist er der Sprache mächtig, und weiß er was vor Töne, Erhöhungen und Erniedrigungen der Stimme, zu einem jedem Gedancken sich schicken, so kan es ihm an einem geschickten Vortrage nicht fehlen.

Verbaque provisam rem non invita sequentur.

Hor. art. poet.

Der Vortrag eines Schertzes ist ohne Tadel, in welchen sich der Schertz in seiner ganzen Pracht und vollem Lichte zeigt. Ich thue noch das einige hinzu, daß der Vortrag des Schertzes geschwind seyn müsse. Ist man gar zu langsam, zählt man gleichsam die Worte, so kan man den Zuhörer nicht unvermuthet genug überfallen, und es wird der Schertz nicht lebhaft genug werden. Dem Zuhörer wird die Zeit lang, und man läßt ihm gar zu viel Raum zur Ueberlegung und zum Nachdencken. Ueberdies würde ein gar zu langsamer Vortrag, ein untrügliches Zeichen der Langsamkeit unseres Witzes seyn. Nein, die bedachtsame Munterkeit und Hitze des Geistes, belebt auch den Körper, und zwingt ihn, in allen seinen Handlungen und Worten, eine Hurtigkeit zu beobachten, die nicht übereilt und schläfrig ist.