§. 95.

Ein Mensch der mitten in seinem Schertze lacht, und denselben mit lachen vorträgt handelt poßirlich. Er verliehrt die angenehme Ernsthaftigkeit, die einen Schertz so schön macht. Er wird durch das lachen gehindert, seinen Schertz geschwind und hurtig vorzutragen, und dadurch die Zuhörer unvermuthet zu überfallen. Ehe noch der Schertz völlig vorgetragen wird, mercken es schon die Zuhörer, daß ein Schertz vorgetragen werden soll; er kan ihnen also unmöglich gantz neu seyn, wenn sie ihn hernach in seinem Umfange und völligen Ausdehnung erkennen. Der Schertz bekommt dadurch alle Häßlichkeiten eines vorhergesehenen Spasses. Der schertzende kan dadurch gehindert werden, seinen Schertz ordentlich und verständlich vorzutragen, und er kan wohl gar in den kindischen Fehler fallen, daß er den Vortrag unterbrechen muß, und die läppische Entschuldigung hinzu thun, daß er es vor lachen nicht sagen könne. Ja man kan sagen, daß das lachen in manchen Gesellschaften eine Sympathetische Kraft habe. Es darf nur einer lachen, so lacht die gantze Gesellschaft, ohne zu wissen warum. Es ist also vermuthlich, daß, wenn der schertzende seinen Schertz mit lachen vorträgt, seine Zuhörer ihm Gesellschaft leisten werden, und sie haben nicht nöthig über den Schertz selbst hernach zu lachen. Es kommt einem überhaupt poßirlich vor, wenn man einen Menschen lachen sieht, und man weiß nicht warum. Der schertzende macht sich also selbst lächerlich, wenn er mitten im schertzen lacht. Soll der Schertz nicht frostig werden so muß der schertzende weder vorher, noch mitten im Schertze lachen.