§. 96.

Wenn man dem spaßhaften Kopfe ja erlauben will, über seinen Einfall zu lachen, so muß er es nicht eher thun als nachher, doch hüte er sich vor einer gar zu grossen Eilfertigkeit. Ist er der erste im lachen, so kommt mir dieses lachen vor, wie das plaudite bey einem Lustspiel. Man scheint die Zuhörer zum lachen aufzumuntern, man scheint zu befürchten, das lachen werde nicht erfolgen. Es ist überhaupt der nöthigen Ernsthaftigkeit beym schertzen zu wieder, und man erweckt den Verdacht, daß man selbst gar zu sehr für seinen Einfall eingenommen sey. Wenn aber der Schertz sehr feurig ist, und alles um uns herum lacht, so muß ein Mensch sehr viele Herrschaft über sich selbst besitzen, wenn er sich des lachens enthalten will. Ein lachen das alsdenn entsteht, kan als eine Schwachheits-Sünde entschuldiget werden. Ich nenne es eine Schwachheits-Sünde weil ich glaube, daß ein vollkommener Schertz eine freudige Ernsthaftigkeit vorher und nachher erfodert. Der schertzende beweißt die Stärcke seines Witzes auf eine ausnehmende Art, wenn er mitten unter vorhergehenden, begleitenden und nachfolgenden ernsthaften Gedancken schertzen kan. Und da wird er gewiß auch nachher nicht lachen. Der schertzende muß gleichsam im Vorbeygehen den Schertz anbringen. Er muß den Schein geben, daß es ihm selbst nicht viel darum zu thun sey, so beweißt er dadurch wie leicht es ihm sey, auf eine feurige Art zu schertzen. Ich will nicht einmal den Fehler berühren, wenn ein frostiger Kopf über seine eigene bejammernswürdige Einfälle lacht. Ich bin zweiffelhaft, ob ein solcher Mensch Mitleiden, oder Verachtung und Verspottung verdiene. Ein solcher alberner Possenreißer ist vernünftigen Leuten dergestalt entgegen gesetzt, daß er auch gantz verschiedenen Gemüthsbewegungen unterworffen ist,

Und wenn er selber lacht so möchten andre weinen.

Canitz.