10
Sie ahnt jetzt wohl, dass ich nicht so begehrlich,
Als sich ihr rascher Argwohn vorgestellt,
Und dass auch sonst ich ziemlich – ungefährlich.
Nur manchmal plötzlich, wenn sie spricht, gesellt
Ein etwas sich dazu – fast könnt's mich kränken,
Als ob sie doch mich nicht für sicher hält.
Sie pflegt zur Erde dann den Blick zu lenken,
Besieht den Fuss, die Hand, so sehr genau,
Dass man wohl merkt, sie hat noch ein Bedenken.
Jedoch, wenn ich ihr dann ins Antlitz schau,
Versucht sie eiligst alles zu kachieren
Und tut, als ob sie blindlings mir vertrau.
Wir gehen fast alltäglich jetzt spazieren,
In Feld und Wald, an Uferberg und Strand
Und wissen uns ganz gut zu amüsieren.
Ich tu recht förmlich, steif und unbekannt,
Kaum, dass ich manchmal nach den Füssen spähe
Und leicht im Schreiten streife ihr Gewand.
Auch wird sie immer offner, wie ich sehe,
Erprobend das Vertraun, das sie mir lieh.
So sprach sie neulich mir von ihrer Ehe.
Ihr Mann ist Arzt – weit älter schon als sie.
Sie sagt nicht viel von ihm, indess man kann
Wohl draus entnehmen, dass er kein Genie.
Auch sonst hört sich die Sache fast so an,
Als ob sie sonderlich nicht glücklich wäre …
Vielleicht ein stiller, gutmütiger Mann,
Und sie nervös! Dann hat man die Misere.