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Zu ihren Füssen lag ich heut am Strand:

Wir waren rasch ein gutes Stück gegangen,

Nun sassen wir, uns auszuruhn im Sand.

Wie Kinder plauderten wir unbefangen

Von allerlei; sehr neues war es nicht,

Wir blieben gleich beim ersten besten hangen.

Auf einmal ward sie still. Das Angesicht

Ganz steil emporgerichtet, war's als spähe

Sie weissen Wölkchen nach, die einsam licht

Am blauen Himmel schwammen, gleich als sähe

Sie Dinge dort, so schön wie unbekannt.

So sass sie lang, vergessend meiner Nähe,

Derweil mechanisch ihre linke Hand

Im Sande spielte. Endlich hob sie an,

So leis', dass ich sie anfangs kaum verstand.

»Wie man in Menschen sich doch täuschen kann!

Ich hatte Sie, da ich Sie nur gesehen,

Ganz anders mir gedacht! Als einen Mann,

Den niemals mir gelänge zu verstehen.

Mir schien, uns sei bestimmt, uns abzustossen,

Im besten Falle – uns vorbeizugehen.«

Ich wiederholte halblaut: ›Abzustossen?‹

Sie lächelte. ›Gewisslich‹ fuhr ich fort,

›Gewiss bin ich noch keiner von den Grossen,

Und bilde mir, soviel ich weiss – mein Wort! –

Nichts Sonderliches auf mich selber ein.

Doch scheint's, verzeihn Sie, mir ein eigner Sport,

Den Unbekannten gleich von vornherein,

Eh' man noch kaum von ihm Notiz genommen,

Verdammen wollen, für uns tot zu sein.‹

Sie, was sie sagte wohl zu meinem Frommen

Bedenkend, sass noch eine Weile stumm,

Allmählich sah ich ihr ein Lächeln kommen,

Kokett fast wandte sie zu mir sich um

Und sagte munter: »Ja! ich kann's auch sagen.

Ich dachte mir, Sie sei'n – weiss Gott, warum! –

Ein Sonntagskind! Die konnt' ich nie vertragen.«

›Weshalb?‹ »Vielleicht, weil mir das Glück zuwider,

Das sie so mühlos in der Welt erjagen.«

Nun brach sie ab. Ich rührte nicht die Glieder,

Nur leise fragt ich endlich nebenbei

Und beugte mich recht tief zur Erde nieder:

›Und – denken Sie jetzt besser?‹ Gleich als sei

Die Antwort ihr nicht lieb, sass still sie da.

Dann sah sie auf und lächelte dabei

Und nickte leicht mir zu: »Ein wenig – ja!«