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»Man kann so oft von schlechten Frauen lesen,
Die ihrem Gatten, den sie einst geliebt,
Treulos aus Leichtsinn, Eitelkeit gewesen.
Auch glaub ich gerne, dass es manche gibt,
Die früh gezwängt in unwillkommne Ehe
Nach schwerem Kampfe doch Verrat geübt.
Ich kann noch fassen, wenn ich's auch nicht sehe –
Es steht in Büchern so, den vielgeduld'gen! –
Dass sich's für manches Herz von selbst verstehe.
Zwar mag ich nicht der leichten Ansicht huld'gen
(Weit eher läge mir die strengre nah) –
Doch kann die Tat allein ich wohl entschuld'gen.
Nur eines steht mir wie ein Rätsel da:
Wie solche Frau, noch die gestohlne Stunde
In Kopf und Herz, dem Mann ins Antlitz sah,
Wie sie hohnsprechend dem geweihten Bunde
Noch ihm gehört, noch täglich zu ihm kam
Mit frecher Stirn und lügenhaftem Munde!
Wenn unter seinen Blicken sie vor Scham
Nicht niedersinkt, fürwahr, ich möchte glauben,
Dass jede Dirne zarter sich benahm.« –
›Es liegt mir fern, dein Fühlen dir zu rauben.
Allein mir scheint, du bist im Widerspruch,
Du willst zugleich verbieten und erlauben.‹
»Ganz oder gar nicht! Wagte ich den Bruch,
So sei er ganz gewagt: es muss gelingen!«
›Und wenn doch nicht? – Es ist der Sünde Fluch,
Dass sich unlöslich tausend Fäden schlingen.‹
»Nein! eine Lösung gibt es stets – den Tod!«
›Doch wär's nicht stolzer, mit dem Schicksal ringen?‹
»Wie lang? Bis man vielleicht in Schmach und Not
Am Boden liegt? Durch List, Gewalt, Verrat
Als Sieger sieht – dem man die Stirne bot?
Sieg oder Sterben steht auf jede Tat,
Die, folgend nur dem eigenen Gewissen,
Der Menschheit alt Gesetz zu Boden trat.
Das aber ist kein Sieg, wenn ich den Bissen,
Der selber mir mein gutes Recht erscheint,
Erbetteln muss von tausend Hindernissen.
Und dann – was will ich noch? Die Welt verneint,
Was ich begehr': nun wohl, ich kann's verstehen,
Dass man sich's nimmt – und geht. Jedoch vereint
Mit dem, den man bestahl, durchs Leben gehen,
Das trüg ich nicht! eh' brächt' ich selbst mich um! –
Doch es wird dunkel und das ew'ge Wehen
Benimmt den Kopf. Ich denk, wir kehren um.«