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Ein zaubrisch Bild aus Schönheit, Lieb und Licht,
Ein holdes Spiel von Phantasie und Leben –
Ein wacher Traum – ein lebendes Gedicht –
Wie nenn' ich's nur? Vergebliches Bestreben!
Nur Worte gibt's! und Worte, ach, wie leer,
Wenn uns des Daseins Fülle ward gegeben.
Ich trat herein, herzklopfend fast; ein Meer
Von Kerzenglanz durchflutete das Zimmer,
So sieghaft hell, als wenn es Sonne wär.
Auf Tischen, Spiegel, Schrein und wo sonst immer
Ein Platz sich zeigte, festlich aufgestellt
Erglänzten Lichte; ihrem hellen Schimmer
Mit schlanken Gräsern schwesterlich gesellt
Erglühten rote Beeren, und die Wände
Bedeckten Zweige wie ein grün Gezelt.
Inmitten aber all des Lichts, als fände
Ich eine Märchenfee, in lichter Seide
Stand sie vor mir und reichte mir die Hände.
Kaum kannt ich sie! Von faltig weissem Kleide
Umflossen die Gestalt, das wunderbar
Die schlanken Glieder zeigte; breit Geschmeide
Um Hals und Nacken, Blumen in dem Haar
Und Blumen an der Brust; so stand sie da,
Wie ich sie nie gesehn. Ich aber war
Betäubt. Kaum weiss ich selber, was geschah,
Bis ich sie endlich fragte: ›Hexlein, sage,
Was treibst du hier?‹ Auf Zehen trat sie nah
Und flüstert mir ins Ohr: »An diesem Tage
Ward einst dein Lieb geboren.« ›Und du hast,
Du böse Liebste – –‹ »Ei, sieh an! nun klage
Noch, Undank, gar! Du bist bei mir zu Gast!
Und ist nicht alles festlich hergerichtet?
Schau doch umher! Glänzt's nicht wie im Palast?
Hast du schon selber je so hübsch gedichtet
Mit Licht und Blumen? Undankbarer Mann,
Was schiltst du noch? Du bist zu nichts verpflichtet,
Wenn dir mein Fest missfällt, und Beifall kann
Ich gern entbehren.« Also plaudernd kehrte
Sie mir den Rücken. Doch mich packt es an
Mit heisser Glut, und meinen Küssen wehrte
Der scheue Mund sich nicht. Dann sprach ich so:
›Wie bist du reich! Was ich auch je entbehrte,
Heut erst, heut bin ich arm! Kaum weiss ich, wo
Ich Worte finde, würdig dir zu sagen,
Wie du mich glücklich machst!‹ »Des bin ich froh,
Denn schrecklich, glaub mir, wär das zu ertragen.«
›So darf ich gar nichts geben?‹ »Nein, Dein Blut
Scheint viel zu hitzig! Doch – willst du es wagen,
So sag, dass du mich liebst, und dann ist's gut!«
›Die Zunge redet schlecht.‹ »So lass sie schweigen
Und sprich mir mit den Augen! Nein – die Glut
Versengt mein Herz! Du sollst mir gar nichts zeigen,
Sollst glauben, dass ich eine Königin,
Vor der du, Page, stumm dich hast zu neigen.«
›Doch mancher Page trug gar hohen Sinn!‹
»Dafür ward er bestraft.« ›Doch nach dem Lohn,
Den ihm die Königin gab!‹ »Ich aber bin
Die Königin nicht! Der Menge Spott und Hohn
Ertrüg ich leicht! Doch bitter muss sich's rächen,
Stösst man sein eignes bessres Selbst vom Thron.
Ach, dummes Zeug! Wir woll'n von andrem sprechen!«