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Der erste Tag vorüber! Draussen rauscht

Der feuchte Nachtwind in den Lindenzweigen;

Am offnen Fenster hebt vom Wind gebauscht

Sich die Gardine und das nächt'ge Schweigen

Trägt fernen Laut des Meeres mir herüber

Ins Giebelstübchen, das seit heut mein eigen.

Ganz traulich ist's. Das Licht brennt freilich trüber

Als man gewohnt, und sonst auch, was sich zeigt,

Die kahlen, kalkgetünchten Wände, drüber

Die Balkendecke, etwas schief geneigt,

Und Schrank und Sofa, Tisch und Bettgestelle

Sind primitiv genug, wenn man's vergleicht –

Doch schaut es alles sauber, schmuck und helle,

Und – was entbehrt man nicht, blaut dieses Meer

Und kürzen uns die Stunden Strand und Welle.

Die ganze Zeit schon trieb ich mich umher,

Von mittags an, da ich vom Wagen sprang,

Durchstrich das Birkenwäldchen kreuz und quer,

Lag dann am Strande, als die Sonne sank,

Und eben noch, das nächt'ge Meer zu sehen,

Schritt ich ein Stündchen an der See entlang.

Nun bin ich müd und will zur Ruhe gehen.

Mein Gegenüber schlief wohl längst schon ein.

Vor ihrer Türe sah ich eben stehen

Die Schuhe, die sie trägt; sehr schmal und fein

Fast sagte ich, kokett –; zwar, das entspricht

Dem Bild des Wirtes wenig doch – mag sein,

Dass er geirrt – wer irrt in Frau'n sich nicht?