Dritter Auftritt.
Nikolai Iwanowitsch und Maria Iwanowna.
Maria. Was kannst du mit solchem Menschen gemein haben? Weshalb steht er dir näher als deine Frau? Das ist einfach unverständlich. Wohin willst du jetzt?
Nikolai. Ich habe dir einen Brief hinterlassen. Ich wollte nicht mit dir sprechen; es wird mir zu schwer. Wenn du aber willst, werde ich dir alles sagen, so ruhig ich nur kann.
Maria. Nein, ich kann dich nicht verstehen. Weshalb haßt und folterst du dein Weib, das dir alles hingegeben hat. Sag: habe ich Bälle besucht, mich geputzt, kokettiert? Mein ganzes Leben gehörte der Familie. Alle Kinder habe ich selbst genährt, erzogen; im letzten Jahre lag die ganze Last der Erziehung und all die geschäftlichen Sorgen auf meinen Schultern …
Nikolai (sie unterbrechend). Das kam daher, weil du nicht so leben wolltest, wie ich dir vorschlug.
Maria. Ach, das ist ja unmöglich. Frag die ganze Welt. Wie kann ich die Kinder ohne jeden Unterricht lassen, wie deine Absicht ist, und selbst waschen und kochen.
Nikolai. Das habe ich nie gewollt.
Maria. Na, dann ungefähr so. Nein, du willst Christ sein, willst Gutes tun, sagst, du liebst die Menschen. Warum folterst du dann die Frau, die dir ihr ganzes Leben hingegeben hat?
Nikolai. Wieso foltere ich dich? Ich liebe dich, aber …
Maria. Ist das keine Tortur, wenn du mich verstößt und fortgehst? Was werden die Leute sagen? Eins von beiden ist nur möglich: entweder bin ich ein verworfenes Frauenzimmer, oder du bist verrückt.
Nikolai. Vielleicht bin ich verrückt; jedenfalls kann ich so nicht weiterleben.
Maria. Was ist denn Schreckliches dabei, daß ich den ganzen Winter ein einziges Mal – in ewiger Sorge, es könnte dir unangenehm sein – bei uns tanzen lasse! Frag Manja und Barbara Wassiljewna – alle haben mir gesagt, es ginge nicht anders, es sei unbedingt nötig. Und das soll nun ein Verbrechen sein, für das ich diese Schande auf mich nehmen muß! Ja, nicht nur Schande – das Schlimmste ist, daß du mich nicht mehr liebst; du liebst die ganze Welt, bis zu diesem betrunkenen Alexander Petrowitsch – – und dennoch liebe ich dich, kann nicht ohne dich leben. Warum das, warum? (Sie weint.)
Nikolai. Du willst mein Leben, mein geistiges Leben nicht verstehen.
Maria. Ich will es, kann es aber nicht. Ich sehe, daß dein Christentum bewirkt, daß du mich, deine Familie haßt. Wozu das nötig ist, begreife ich nicht.
Nikolai. Andere begreifen es.
Maria. Wer denn? Alexander Petrowitsch, der dich anbettelt?
Nikolai. Er und andere, wie Tonja und Wassili Nikanorowitsch. Aber darauf kommt es nicht an. Wenn niemand mich verstehen würde, würde das nichts ändern.
Maria. Wassili Nikanorowitsch hat Buße getan und sein Amt wieder angetreten. Tonja tanzt in diesem Augenblick und flirtet mit Stefan.
Nikolai. Das ist sehr traurig, kann aber nicht bewirken, daß Schwarz Weiß wird, und kann mein Leben nicht ändern. Mascha! Ich bin für dich nicht nötig. Laß mich gehen. Ich habe versucht, an eurem Leben teilzunehmen, in dieses Leben das hineinzutragen, was für mich alles bedeutet. Es ist unmöglich. Die Folge ist nur, daß ich euch und mich quäle. Mich nicht nur quäle, sondern das Werk, das ich vorhabe, zuschanden mache. Jeder Mensch, wie zum Beispiel dieser Alexander Petrowitsch, hat das Recht, mir zu sagen, ich sei ein Betrüger, der nicht so handelt, wie er spricht, der nach dem Evangelium Armut predigt, selbst aber in Luxus lebt unter dem Vorwande, alle Habe an seine Frau abgetreten zu haben.
Maria. Du schämst dich vor den Leuten? Kannst du dich darüber nicht erheben?
Nikolai. Ich schäme mich nicht – oder doch nur wenig – aber ich richte das Werk Gottes zugrunde.
Maria. Du hast selbst gesagt, daß dieses Werk auch dann geschieht, wenn wir uns ihm widersetzen. Doch darum handelt es sich nicht. Sag, was du von mir forderst.
Nikolai. Das habe ich schon gesagt.
Maria. Aber Nikolai, du weißt doch, daß das unmöglich ist. Bedenk doch, Ljuba soll jetzt heiraten. Wanja bezieht die Universität. Mischa und Katja besuchen die Schule – soll denn das alles unterbrochen werden?
Nikolai. Also was soll ich jetzt tun?
Maria. Was du selbst predigst: ausharren, uns lieben. Wird dir das so schwer? Ertrag nur unsere Gegenwart, entzieh dich uns nicht. Was quält dich denn so?
Wanja (kommt hereingelaufen).