Zweiter Auftritt.

Fürstin. Maria Iwanowna.

Fürstin. Ich weiß nicht, liebe Maria Iwanowna, aber es kommt mir vor, als wenn Sie sich das alles zu sehr zu Herzen nehmen. Ich verstehe ihn recht gut. Er befindet sich in gehobener Stimmung. Was ist schließlich dabei, wenn er auch den Armen etwas zukommen läßt? Wir denken sowieso zu viel an uns.

Maria. Wenn es dabei sein Bewenden hätte; aber Sie kennen ihn nicht, wissen nicht alles. Das ist keine Armenunterstützung mehr, sondern völlige Umwälzung, Vernichtung alles Bestehenden.

Fürstin. Ich möchte mich nicht in Ihr Familienleben mischen, wenn Sie aber gestatten …

Maria. Bitte sehr. Ich rechne Sie zur Familie, besonders jetzt.

Fürstin. Dann möchte ich Ihnen raten, offen und ehrlich Ihre Forderungen auszusprechen und sich mit ihm zu einigen, bis zu welcher Grenze …

Maria (erregt). Da gibt es keine Grenzen! Alles will er fortgeben! Verlangt, daß ich in meinen Jahren Köchin, Wäscherin werde.

Fürstin. Nicht möglich! Das ist allerdings erstaunlich!

Maria (zieht einen Brief aus der Tasche). Wir sind allein und ich freue mich, daß ich Ihnen alles sagen kann. Gestern hat er mir diesen Brief geschrieben. Ich will ihn Ihnen vorlesen.

Fürstin. Was? Er lebt mit Ihnen unter einem Dach und schreibt Ihnen Briefe? Sonderbar.

Maria. Nein, das verstehe ich schon. Er regt sich beim Reden immer so sehr auf. Ich fürchte nächstens für seine Gesundheit.

Fürstin. Was schreibt er denn?

Maria. Also: (Liest.) »Du machst mir den Vorwurf, ich zerstörte unser früheres Leben, setzte aber nichts Neues an die Stelle, und sagte nicht, wie ich mit der Familie zurechtkommen wollte. Wenn wir das mündlich erörtern, regen wir uns zu sehr auf – deswegen schreibe ich dir. Warum ich nicht so weiterleben kann, wie bisher, habe ich schon oft gesagt; dich überzeugen, daß man so nicht leben darf, sondern christlich leben muß – vermag ich brieflich nicht. Dir steht eins von beiden frei: entweder glaubst du der Wahrheit und gehst aus freien Stücken mit mir, oder du vertraust mir und folgst mir nach.« (Sie unterbricht die Lektüre.) Ich kann weder das eine noch das andere. Ich glaube nicht an die Notwendigkeit: so zu leben, wie er will; die Kinder tun mir leid, ich kann ihm hierin nicht vertrauen. (Sie liest weiter.) »Mein Plan ist folgender: Wir geben all unser Land den Bauern und behalten nur fünfzig Morgen, den Garten, das Gemüseland und die Rieselwiesen. Dann wollen wir sehen, daß wir das Land selbst bestellen, ohne uns oder den Kindern Zwang anzutun. Das Land, das wir behalten, kann uns immerhin fünfhundert Rubel abwerfen.«

Fürstin. Eine Familie mit sieben Kindern soll von fünfhundert Rubeln leben? Das ist unmöglich.

Maria. Dann folgt hier der ganze Plan. Das Haus soll als Schule dienen, wir selbst wohnen im Gärtnerhäuschen in zwei Zimmern.

Fürstin. Ich glaube nachgerade wirklich, daß die Sache krankhaft ist. Was haben Sie ihm erwidert?

Maria. Ich sagte, ich brächte das nicht fertig. Allein würde ich ihm überallhin folgen, aber mit den Kindern … Bedenken Sie doch nur: der Kleine bekommt ja noch die Brust. Ich sagte ihm: ich kann doch nicht alles so hinwerfen. Habe ich denn dazu geheiratet? Ich bin schwach und alt. Neun Kinder gebären und aufziehen ist doch keine Kleinigkeit.

Fürstin. Ich hätte nie geglaubt, daß die Sache schon so weit gekommen ist.

Maria. So liegen die Dinge. Ich weiß nicht, was nun wird. Gestern hat er den Bauern aus Dmitrowka den Pachtzins erlassen und will ihnen das Land ganz und gar übergeben.

Fürstin. Meiner Meinung nach dürfen Sie das nicht zulassen. Sie haben die Pflicht, Ihre Kinder sicherzustellen. Wenn er sein Besitztum nicht mehr verwalten kann, soll er es Ihnen abtreten.

Maria. Das will ich nicht.

Fürstin. Sie sind es den Kindern schuldig. Die Besitzung kann ja auf Ihren Namen eingetragen werden.

Maria. Das hat meine Schwester Sascha ihm schon gesagt. Er erwiderte darauf, er hätte kein Recht dazu; das Land gehöre denen, die es bearbeiteten; er sei verpflichtet, es den Bauern abzutreten.

Fürstin. Ja, jetzt begreife ich, daß die Sache weit ernster ist, als ich glaubte.

Maria. Und der Priester, der Priester ist auf seiner Seite!

Fürstin. Ja, das habe ich gestern bemerkt.

Maria. Deshalb ist auch meine Schwester nach Moskau gefahren, um mit dem Notar zu sprechen und hauptsächlich, um Pater Gerassim mitzubringen, der ihn überzeugen soll.

Fürstin. Ja, ich denke auch, das Christentum besteht nicht darin, seine Familie ins Unglück zu stürzen.

Maria. Leider glaubt er auch dem Pater nicht. Er ist so bestimmt in allem, und wenn er spricht, kann ich ihm nichts erwidern. Das ist ja das Schreckliche, daß es mir stets vorkommt, als hätte er recht.

Fürstin. Das kommt daher, daß Sie ihn lieben.

Maria. Ich weiß nicht, woher es kommt; jedenfalls ist es schrecklich. Auf diese Weise bleibt alles unentschieden. Das soll nun Christentum sein.

Wärterin (tritt ein).