SAINT-GERMAIN IN LEIPZIG UND DRESDEN (1776–1777)
I
Aus den Tagebüchern des Grafen Lehndorff[427]
2. Mai 1777.
Ich treibe mich in Leipzig viel auf der Messe herum und besuche den Kupferstecher Bause und den Maler Graff[428].
Von da begebe ich mich zu dem merkwürdigsten Mann im heutigen Europa, dem Grafen Saint-Germain, der unter diesem Namen seit 50 Jahren bekannt ist, gegenwärtig aber den Namen Welldone angenommen hat, was im Englischen Wohltäter bedeutet. Von diesem Menschen behauptet man, er habe schon zur Zeit Christi gelebt. Er selbst sagt das zwar nicht, er gibt aber zu verstehen, daß er schon lange gelebt habe und nicht glaube, sterben zu müssen, und daß die Menschen, wenn sie seiner Lebensweise folgen würden, zum mindesten ein hohes Alter frei von allen Gebrechen erreichen könnten. Es steht fest, daß er selbst eine strenge Diät befolgt. Er befleißigt sich großer Mäßigkeit, trinkt nur Wasser, niemals jungen Wein und nimmt nur einmal am Tage ein leichtes Mahl ein[429]. Seine Unterhaltung ist interessant. Er predigt immer die Tugend, die Mäßigung, die Wohltätigkeit und zeigt diese Eigenschaften an sich selbst. Man kann ihm nicht die geringste anstößige Handlung vorwerfen. Er soll nicht mehr so reich sein, wie es früher den Anschein hatte. In Frankreich, in England und in Venedig gab er jährlich 6000 Dukaten aus, ohne daß man wußte, woher das Geld kam. Hier in Leipzig, sagt man, mangele es ihm an Geld, ohne daß er jedoch jemand darum angegangen hätte; statt dessen soll er aber eine Menge Diamanten besitzen.
Sein Gesichtsausdruck ist außerordentlich geistvoll. Er spricht begeisternd und treffend, liebt aber Widerspruch nicht. Er behauptet, auf dem Gesicht lesen zu können, ob jemand befähigt sei, ihn zu verstehen oder nicht. Im letzteren Fall mag er die Person nicht wiedersehen.
Was mich anbetrifft, so habe ich ihm mit großem Vergnügen zugehört. Er schien mir viel Freundschaft entgegenzubringen, so daß ich ihn in 3 Tagen wohl 24 Stunden gesehen und gehört habe. Er ist sehr fesselnd.
Man dichtet ihm übrigens vieles an, was er gar nicht gesagt hat. Einige glauben, er sei ein portugiesischer Jude; andere schätzen sein Leben auf ein paar Jahrhunderte und nehmen an, er sei irgendein entthronter Fürst. Man beschuldigt ihn, daß er die Leute glauben machen wolle, er sei der dritte Sohn des Fürsten Rakoczy[430].
Er hält sich für einen großen Physiker. Vor allem ist er Arzt und spricht viel von seinem köstlichen Pulver, das man wie Tee trinke. Ich ließ mir eine Tasse davon geben. Es schmeckte nach Anis und führte etwas ab. Unaufhörlich predigt er vom richtigen Gleichgewicht zwischen Leib und Seele. Wenn man das genau beobachte, so könne, meint er, die Lebensmaschine niemals in Unordnung geraten.
Seit meiner frühesten Jugend hatte ich von dem Manne immer reden hören, und nun bin ich entzückt, ihn hier zu treffen. Vor mehr als 30 Jahren schon erzählte man mir, wie er bei der Aufführung der „Mariamne“ in Paris, der er mit mehreren Damen in einer Loge dort beiwohnte, sehr gerührt wurde und sagte: „Ich muß es sein; denn ich habe diese liebenswürdige Fürstin gut gekannt.“ Man unterbrach ihn mit der kurzen Frage: „Sie haben also auch Jesus Christus gekannt?“ — „Nur zu gut! ich war damals ein ganz junger Mensch, als er die Geschichte im Tempel hatte, und sagte ihm sogleich: „Lieber Freund, das wird schlecht ablaufen!“[431] Mir hat er dergleichen nicht vorgeschwatzt, doch schien er mir überzeugt zu sein, daß er nicht eines natürlichen Todes sterben werde.
II
Aus dem Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Prinz Heinrich, der Prinzessin Wilhelmine von Oranien und Alvensleben
Alvensleben[432] an König Friedrich
Dresden, 10. März 1777.
Der berüchtigte Saint-Germain, der in verschiedenen Ländern auch unter dem Namen eines Marquis von Belmar oder eines Herrn Castelane[433] aufgetreten ist, befindet sich seit Oktober unter dem Namen eines Herrn von Welldone in Leipzig. Was mich zur Erwähnung dieses Mannes bestimmt, ist, daß man öffentlich erzählt, er sei von E. M. mehrfach mit Briefen beehrt worden. Aus diesem Grunde dürfte der seltsame Mann, der für E. M. sonst wenig zu bedeuten hat, Ihre Aufmerksamkeit erregen.
König Friedrich an Alvensleben
Potsdam, 15. März 1777.
Versuchen Sie auch zu ermitteln und teilen Sie mir sofort mit, in welcher Absicht der von Ihnen erwähnte Saint-Germain nach Leipzig gekommen ist. Sie werden es leicht durch Kaufleute erfahren, die Beziehungen zu Leipzig haben.
König Friedrich an die Prinzessin Wilhelmine von Oranien[434]
Potsdam, 17. März 1777.
Man droht uns hier mit dem Erscheinen eines berühmten Abenteurers, eines gewissen Saint-Germain, der sich in Frankreich und England aufgehalten hat und von dem man Wunderdinge erzählt. Ich mag dies Volk nicht; es hinterläßt gewöhnlich unangenehme Spuren an der Stätte seines Wirkens. Indes, er ist noch nicht angekommen.
Alvensleben an König Friedrich
Dresden, 24. März 1777.
Der berüchtigte Saint-Germain ist noch immer unter dem Namen Welldone in Leipzig. Ich habe viele Tatsachen und Anekdoten über diesen seltsamen Mann gesammelt, aber das alles ist augenblicklich noch so unzusammenhängend, daß ich es E. M. nicht zu berichten wage, ohne mich lächerlich zu machen. Ich werde mir jedoch alle Mühe geben, Näheres über ihn zu erfahren, und ich verfolge ihn so genau, daß ich hoffe, E. M. Befehle bald erfüllen zu können. Sicher ist, daß er in engen Beziehungen zum Grafen Alexis Orlow steht, daß dieser ihm Briefe an seinen Bruder, den Fürsten[435], gegeben hat; denn damals beabsichtigte er, nach Rußland zu gehen. In diesen Briefen bat Orlow seinen Bruder, ihn wie seinen Busenfreund zu behandeln, da er ihn als einen der achtbarsten Menschen der Welt erkannt habe.
Bevor er nach Leipzig kam, hat er ein volles Jahr in Nürnberg, Schwabach und im Ansbachischen zugebracht[436]. Aus allem, was jetzt über ihn geredet wird, geht hervor, daß er ein äußerst geistvoller und kenntnisreicher Mann ist, der die Menschen kennt, mit denen er spricht, und der seine Reden dem Geist und der Auffassung eines jeden anzupassen versteht.
Der Zweck seines Aufenthaltes in Leipzig ist noch unbekannt; denn alles, was man sich darüber erzählt, ist mehr als unwahrscheinlich.
Dresden, 28. März 1777.
Der berüchtigte Saint-Germain weilt noch immer in Leipzig. Er wird sogar noch während der Messe dort bleiben, aber nicht hierher kommen, obgleich er mehrfach dazu aufgefordert ist. Er wollte dem Magistrat von Leipzig mehrere Projekte vorlegen, man ist aber nicht darauf eingegangen. Obgleich es ihm nicht eigentlich schlecht geht, wird ihm das Geld gegenwärtig knapp. Und doch: als Graf Marcolini eigens zu seinem Besuche nach Leipzig kam und ihm Belohnungen versprach, falls er dem Staate durch Mitteilung seiner Geheimmittel einen wesentlichen Dienst leistete, hat er ihm geantwortet, man irre sich sehr, wenn man dergleichen bei ihm annähme; sein einziges Ziel sei, die Menschheit zu beglücken, und gelänge ihm das, so fühle er sich hinreichend belohnt[437]. Wie man zugibt, hat er in Leipzig nichts getan, was diesen Grundsätzen widerspräche, allerdings auch nichts, was sie bestätigte.
König Friedrich an Alvensleben
Potsdam, 29. März 1777.
An Saint-Germain nehme ich aus bloßer Neugier Anteil. Nur aus diesem Grunde erwarte ich Ihren Bericht über das, was Sie noch von ihm erfahren sollten. Angesichts seiner alten Beziehungen zum Grafen Orlow wäre es wohl möglich, daß er auf den Einfall kommt, seinen Freund während der schönen Jahreszeit in Rußland zu besuchen.
König Friedrich an die Prinzessin Wilhelmine von Oranien
Potsdam, 30. März 1777.
Der Saint-Germain, von dem ich Dir neulich schrieb, ist noch in Leipzig. Wie ich höre, will er nach Petersburg. Wäre der alte Narr gescheit, er wartete in Florenz ruhig den Tod ab, statt sein altes Gerippe am Ufer des Eismeers spazieren zu führen.
Alvensleben an König Friedrich
Dresden, 25. Juni 1777.
Da ich erwartete, daß der unter dem Namen Saint-Germain bekannte Graf Welldone dies Land verlassen und nicht mehr von sich reden machen würde, habe ich ihn in meinen letzten Berichten nicht mehr erwähnt. Da er sich jedoch schon über fünf Wochen dauernd hier aufhält und die Absicht geäußert hat, nach Berlin zu reisen, habe ich erneut auf ihn achtgegeben und mich nach Kräften bemüht, ihn auszuforschen. Das ist mir um so lieber, als er mir vor einigen Tagen sagte, er wolle sich unmittelbar an E. M. wenden. Vielleicht wird er mir noch heute einen Brief für E. M. zusenden, in dem er sich auf Geheimmittel bezieht, die nach seiner Behauptung ans Wunderbare grenzen. Sein Plan und E. M. Wunsch, Näheres von ihm zu erfahren, entschuldigen mich vielleicht, wenn ich allzusehr auf Einzelheiten eingehe, um nach meiner schwachen Einsicht ein Charakterbild dieses angeblichen Wundermannes zu entwerfen.
Seine Äußerungen über seine Persönlichkeit, die ich selbst gehört habe, sind voller Eitelkeit und Hochmut. Verschiedene Unterhaltungen, die ich mit ihm hatte, seine Komplimente, die er urteilslos und wahllos an jeden verschwendet, und die lebhaften, ernstlichen Debatten, in die er sich leicht einläßt, bestimmen mich zu folgendem Urteil. Er ist ein hochbegabter Mann mit sehr regem Geiste, aber völlig urteilslos, und seinen eigenartigen Ruf hat er nur durch die niedrigste und gemeinste Schmeichelei erlangt, deren ein Mensch fähig ist, sowie durch seine hervorragende Redegabe, zumal wenn man sich durch den Eifer und die Begeisterung hinreißen läßt, mit der er sich auszudrücken versteht und die auf schwache Gemüter stets Eindruck macht. Dazu ist seine Redeweise mit allerlei oberflächlichen Kenntnissen und Tatsachen verbrämt, die er auf seinen Reisen gesammelt hat. Da sie aber in einem so wenig klaren Kopfe wie dem seinen schlecht geordnet sind, wird daraus ein dauerndes wirres Gerede, sobald er aus seinem Hohlkopf neue Gedanken entwickeln will. Maßlose Eitelkeit ist die Triebfeder, die den ganzen Mechanismus in Bewegung setzt, und diese Eitelkeit muß volle Befriedigung finden, wenn er von jüdischer Abstammung ist, wie die Leute behaupten, die ihn am besten zu kennen glauben. Denn es ist sicher erwiesen, daß er lediglich wegen seiner Gauklerkünste Eingang in die Häuser der Großen findet und von vielen mit stummer Bewunderung, die an Verehrung grenzt, als ein neuer Prophet angesehen wird.
Sein Alter — er ist nahezu 70 Jahre — und seine zahlreichen Reisen, die er in Europa, an den Küsten Afrikas, in Ägypten und Kleinasien gemacht haben will, haben seinen Kopf mit zahlreichen Anekdoten und vielen, vielleicht sehr oberflächlichen Handelsprojekten erfüllt. Dadurch ist er auch in Gesellschaft anregend und unterhaltend, solange er bloß erzählt. Sobald er aber eigene Gedanken entwickeln will, zeigt sich seine ganze Schwäche. Denn dann gerät er mit dem gesunden Verstand und mit den klar bewiesenen Grundbegriffen in Widerstreit. Aber wehe dem, der ihm zu widersprechen wagt! Dann kennt er keine Grenzen mehr, speit Feuer und Flamme und redet mit einer Begeisterung, daß man Angst bekommen könnte. Ja, dann geht er so weit, Bannflüche gegen jeden Zweifler an seinem System zu schleudern, obwohl dies System sich selbst widerlegt und in Widersprüche verwickelt. Wenn aber trotzdem jemand den Mut hat, ihm die Stirn zu bieten, nicht an seine Lehren zu glauben und sie mit Gründen zu bekämpfen, erwählt er das klügere Teil und schweigt still.
Wer ihn so reden hört, ist stets geneigt, sich für seinen engsten Vertrauten zu halten. Allerdings fühlt man sich etwas gedemütigt, wenn man bemerkt, daß die Zahl seiner Vertrauten mit der Zahl seiner Bekannten in gleichem Maße wächst. Seine Schmeichelei erschöpft alles, was die ausschweifendste Phantasie zu ersinnen vermag. Ich sah Leute darüber erröten, die sonst nicht gerade an Bescheidenheit leiden. Um E. M. nicht durch Wiederholung all seiner platten Schmeicheleien zu ermüden, will ich als einziges Beispiel dafür anführen, daß er mir vertraulich versichert hat, ich spräche wie eine Perle des Orients, ein Ausdruck, den er besonders betonte.
Er spricht fließend französisch, aber Kenner versichern, daß er dabei viele fremdartige Wendungen einfließen läßt. Auch beweisen zahlreiche Briefe, die er an hiesige Damen gerichtet hat, daß er die Gabe hat, Ausdrücke zu prägen, die der Französischen Akademie gewiß noch unbekannt sind.
Er nennt sich Fürst Rakoczy, und zum Beweise seines besonderen Vertrauens sagte er mir noch, er hätte zwei Brüder[438], die aber so niedrig dächten und so wenig hohen Sinn hätten, daß sie sich ihrem elenden Lose unterwürfen. Er dagegen habe zu einer gewissen Zeit den Namen Saint-Germain angenommen, das bedeute: „der Heilige der Brüder“.
Wie er sagt, hat er fünfzehn Jahre lang einen Franzosen namens Boissy in Indien und China auf seine Kosten gehalten, um sich durch ihn alle Stoffe und Kenntnisse zu verschaffen, deren er bedurfte.
Er verachtet alle Ärzte, Arzneien und Hausmittel; trotzdem vertreibt er ein Pulver, von dem er Wunderdinge erzählt, und er selbst duftet wie eine wandelnde Apotheke.
Er hat mir eine Liste seiner Geheimmittel[439] gezeigt, aber ich sah sie nur einen Augenblick. Sie umfaßt über zwanzig Punkte, läßt sich jedoch, wenn mein Gedächtnis mich nicht täuscht, auf folgende zusammenziehen:
1. Färben von Häuten in den kräftigsten Farben.
2. Herstellung aller möglichen Farben, besonders von Weiß, in vorzüglicher Art.
3. Veredlung der minderwertigsten Häute, selbst der Schaffelle, so daß sie dreißig Jahre lang als Hängeriemen für Kutschwagen zu brauchen sind.
4. Ein Ersatzstoff für Cochenillefarbe.
5. Bleichen der Leinwand in kürzester Zeit und besser als in den Niederlanden, doch ohne den Stoff anzugreifen.
6. Veredlung von Seidenstoffen und Färbung mit den schönsten Farben.
7. Herstellung eines Lebenselixiers.
Diese Geheimmittel bestimmt er für die russische Zarin[440], für die er eine ganz besondere Zuneigung hegt. Doch sollen sie nach seiner Behauptung als Grundlage für den Handelsverkehr zwischen Sachsen und Rußland und für ihre gegenseitige politische Verbindung dienen. Beide Länder sollen durch diese Erwerbung zu vollkommenem Glück und zum Überfluß gelangen, sodaß sie sich gegenseitig nicht mehr entbehren und ohne einander nicht glücklich werden können. Gegenwärtig ist er jedoch mit Sachsen und mit dem Empfang, den er hier gefunden hat, unzufrieden, und so scheint es, als ob die Staaten E. M. an Stelle von Sachsen treten sollen, nicht bloß, um ihr Glück zu begründen, sondern auch, um das bestehende Bündnis zwischen Preußen und Rußland[441] zur Notwendigkeit zu machen und auf ewig zu besiegeln. Ich nehme an, daß dies der Hauptinhalt seines Briefes und seines Planes ist, wenigstens nach einigen Äußerungen zu schließen, die er mir darüber gemacht hat. Er ist sogar fest entschlossen, Sachsen als zu kleinen Schauplatz für einen so großen Geist wie den seinen zu verlassen, aber trotzdem wird er einige Menschen glücklich machen, die ihm als getreue Apostel anhängen. Nach seiner Behauptung hat diese Fülle von Geheimmitteln ihm Millionen gekostet, doch soll das Land, das er mit diesen Gaben beschenkt, aus ihrem Gebrauch jährlich mindestens 12 Millionen netto gewinnen, wobei er hinzufügte: „Das habe ich mir nicht erst seit gestern ausgerechnet.“ Und da er über so große Reichtümer verfügt, könne kein Herrscher ihn belohnen noch ihm ein Los bereiten, das ihn zu reizen vermöge, da er selbst ein Fürst sei.
Ich wagte ihm drei Fragen zu stellen, mit denen ich ihn in die Enge zu treiben glaubte, aber er hat sich als geschickter Gaukler aus der Klemme gezogen. Zunächst fragte ich ihn, warum er seine Blicke gerade auf Rußland gerichtet habe, um es zu beglücken, da er mir doch früher gestanden habe, er besäße ein Buch, in das er fünf Herrscher und Fürsten eingetragen habe, die er bewundere und denen er besonders zugetan sei, nämlich E. M., die Zarin von Rußland, den Kaiser[442], den König von Sardinien[443] und den Markgrafen von Baden[444]. Zweitens, warum er so spät auf seine Weltbeglückungspläne käme, da er ja so hochherzige und menschenfreundliche Gesinnungen zur Schau trüge. Drittens, ob er sein langes Leben tatsächlich der Wirkung des Lebenselixiers verdanke.
Bei jeder dieser Fragen näherte er sich mir mit geheimnisvoller Miene und versicherte mir, er müsse mir ein großes Geheimnis enthüllen. Im Grunde sagte er mir aber weiter nichts als große Worte und schwatzte so unzusammenhängendes Zeug, daß es unmöglich wäre, den Inhalt kurz anzugeben noch zu begreifen, wieso ich daraus die erwünschten Erklärungen entnehmen sollte. Nur über die letzte Frage konnte ich einigen Aufschluß erlangen. Ich hatte nämlich betont, daß, wenn sein angebliches Geheimmittel dazu verleiten könnte, an die Berichte über sein hohes Alter zu glauben, mich eine Bemerkung von ihm, die er kurz vorher gemacht hatte, daran fast irremachen könne. Denn als ich an dem besonderen Vergnügen gezweifelt hatte, das er beim Lesen von Swifts[445] Werken empfände, wofern er nicht die kleinsten Einzelheiten jener Zeit kenne, da habe er mir erwidert, er kenne sie aus sehr ausführlichen zeitgenössischen Schilderungen, die er sich zu verschaffen gewußt habe. Das wäre doch unnütz gewesen, wenn er zu jener Zeit gelebt hätte. Darauf entgegnete er nur: Diese Bemerkung widerspräche seinem Geheimmittel nicht; denn es sei sehr möglich, daß er damals für zehn bis fünfzehn Jahre zurückgezogen in einem anderen Lande gelebt hätte, z. B. in Portugal; somit müsse er sich an die Berichte von anderen halten. Zudem wäre es öffentlich bekannt, daß er oft für Jahre verschwunden gewesen sei, ohne daß man seinen Wohnsitz gekannt hätte.
Aus diesen Antworten ersehen E. M., daß er zwar nicht unumwunden ja sagte, aber doch durchblicken ließ, daß er sein Alter auf Jahrhunderte berechnet.
Oft sagte er: „Ich halte die Natur in meinen Händen, und wie Gott die Welt geschaffen hat, kann auch ich alles, was ich will, aus dem Nichts hervorzaubern.“
Eines Tages, als ich mit ihm von dem Posten des Generalkontrolleurs[446] sprach, den er, wie man sagte, erhalten sollte, versicherte er mir, er hätte diese Stellung nicht ausschlagen können, da sie ihm nie angeboten worden sei. Allerdings hätte man im Kronrat offen gesagt, zum Generalkontrolleur wäre ein Kopf wie der seine nötig. Das träfe auch zu, obgleich er als Fürst weit entfernt sei, eine Stellung anzunehmen, die von Gesindel und von Habenichtsen bekleidet worden sei.
Außer den schon aufgeführten Geheimmitteln schreibt man ihm im Publikum noch die Kunst zu, Kapwein herzustellen und Metalle und Steine zu veredeln.
Da ich mich für verpflichtet hielt, den Charakter eines Mannes, der sich an E. M. persönlich wenden will, genau zu schildern, und mir dies nicht möglich schien, ohne auf Einzelheiten einzugehen, hoffe ich auf E. M. gnädige Nachsicht, wenn ich die Grenzen überschritten habe, die die kostbare Zeit E. M. mir sonst bei meinen Berichten ziehen muß.
Nachschrift I
In diesem Augenblick bringt Graf Welldone mir persönlich die genaue Aufstellung der Geheimmittel, über die er mit E. M. selbst zu reden wünscht, um sie darauf zum Wohl Ihrer Staaten ans Licht bringen zu können. Die beifolgende Aufstellung ist von seiner eigenen Hand. Er hat sie mir für E. M. übergeben, nebst einigen auf seine Geheimmittel bezüglichen Proben. Er hat keinen Brief geschrieben, wie ich annahm, denn er befürchtete, daß die Einzelheiten, auf die er eingehen müßte, zu lang wären, und er wollte lieber in einigen Tagen selbst nach Potsdam reisen, um E. M. seine Künste zu unterbreiten, obwohl ich ihm klarzumachen suchte, daß er besser täte, hier E. M. Antwort abzuwarten.
Das Geheimmittel, über das er keine Auskunft geben will[447], betrifft die Veredlung von Edelsteinen. Allein durch diesen Gewerbszweig will er stündlich Millionenverdienste herbeiführen. Ich wiederhole lediglich, was er gesagt hat.
Nachschrift II
Obgleich Graf Welldone mir keinen Brief an E. M. in Aussicht gestellt hat, sendet er mir eben das beifolgende Kuvert, das wie ein Brief aussieht[448].
Neue Physik in Anwendung auf mehrere Handelsartikel, die ebenso wichtig wie neu sind[449]
1. Verfahren, das allen Sorten von Häuten und Leder eine bisher unbekannte Festigkeit, Güte, Schönheit, Haltbarkeit usw. gibt und besonders den Schaffellen einen wirklichen, sehr beträchtlichen Wert verleiht.
2. Verfahren zur Veredlung von Wolle, durch das diese weit mehr Haltbarkeit, Feinheit, Güte usw. erhält.
3. Verfahren zur äußersten, vollständigen Bleichung von Leinwand, Hanf, Flachs und deren Gespinsten, durchaus besser als in Harlem in Holland, ein Verfahren, das die Stoffe nicht wie dort angreift und nur kurze Zeit beansprucht.
4. Verfahren zum Waschen von Seide, durch welche die italienische Seide den allerschönsten Seiden der Welt überlegen, glänzender und stärker wird.
5. Verfahren zur Veredlung von Angoraziegenfellen, so daß man aus ihnen vorzügliche, glänzende Kamelotts herstellen kann, die nicht reißen, wie die früheren, weil das Fell bei diesem Verfahren fast seidenweich wird.
6. Verfahren zur vollständigen Bleichung und größeren Haltbarkeit von Leinwand und Baumwollgespinsten.
7. Verfahren zum Färben von Häuten und Leder in Blau, Grün, Schwarz, echtem Purpurrot, echtem Violett und feinem Grau von ganz außerordentlicher Schönheit und Güte.
8. Herstellung von unveränderlichen Malfarben in Gelb, Rot, Blau, Grün, Purpur, Violett usw. von vollendeter Schönheit und Güte.
9. Herstellung von Deckweiß in einer alle Begriffe übersteigender Güte. Die Farbe, die man umsonst zu allen Zeiten gesucht hat, bleibt stets weiß, verbindet sich mit allen guten Farben, denen man sie beimischt, verschönert und erhält sie. Kurz, dies Weiß ist ein wahres Wunder.
10. Herstellung von schwarzem Leder mit sehr reiner und sehr schöner Farbe aus Russisch Blau ohne irgendeinen anderen Zusatz. Das ergibt ein unnachahmliches schwarzes Leder von hervorragender Schönheit und Güte.
11. Herstellung von Leinwand und Hanfgespinsten in unvergleichlich reinem und glänzendem Gelb, das sich mit Seifenwasser waschen läßt und in der Luft nicht verschießt, in mehreren Schattierungen.
12. Herstellung von Baumwolltuchen und Gespinsten von vorzüglichem Gelb in mehreren Schattierungen, gut waschbar und in der Luft nicht verschießend.
13. Herstellung von Leinwand in feinem Grau, mit Seifenwasser waschbar und nicht verschießend.
14. Herstellung von Baumwollstoffen und Gespinsten in feinem Grau, mit Seifenwasser waschbar und nicht verschießend.
15. Herstellung von Leinwand, Leinen- und Hanfgespinsten in echtem Purpur, echtem Violett, echtem Rot usw., gut waschbar und durchaus nicht verschießend, in mehreren Schattierungen.
16. Herstellung von sehr feinen, sehr schönen, sehr haltbaren und ganz neuen Seidengeweben.
17. Herstellung von bunter Leinwand in ganz neuen und feinen Farben, namentlich in Grau und Schattierungen, die weder durch Säuren, noch Luft, noch Seifenwasser ausbleichen.
18. Herstellung von Silbertressen, mindestens ein Drittel billiger und viel weißer, glänzender und dauerhafter als die schönsten Lyoner Tressen.
19. Verschiedene Verfahren bei Edelmetallen, d. h. ohne Gold und Silber, die von großem Nutzen und großer Ersparnis sind und sicherlich das Erstaunen jedes guten Chemikers bilden werden, auch die ungeheuren, verderblichen Luxusausgaben verringern.
20. Herstellung eines ganz neuen Metalls, dessen Eigenschaften höchst überraschend sind.
21. Verschiedene Verfahren bei kostbaren Gegenständen, die völlig unmöglich erscheinen und sämtlich auf Verringerung der ungeheuren Luxusausgaben hinauslaufen.
22. Herstellung von Papier, Federn, Elfenbein, Knochen und gefärbtem Holz in prachtvollen, feinen und sehr schönen Farben.
23. Gute und heilsame physikalische Verfahren bei verschiedenen Weinen.
24. Herstellung von Rossoli-Likör aus Fruchtkernen usw. von vortrefflicher Qualität und zu sehr billigem Preis.
25. Herstellung anderer nützlicher Dinge, über die ich schweige.
26. Vorbeugungsmittel gegen Krankheiten und Unpäßlichkeiten aller Art usw.
27. Richtige Purgiermittel, die dem Körper nur schädliche Stoffe entziehen. Nota bene.
28. Echte, sichere und wohltuende kosmetische Mittel.
29. Hochfeines Olivenöl, in 12 Stunden in Deutschland hergestellt.
Was die Landwirtschaft usw. betrifft, bleibt für später vorbehalten.
L. P. T. C. von Welldone.
Über einen weiteren Punkt kann hier aus mancherlei Gründen nichts gesagt werden. Er bleibt vorbehalten usw.
Die Ausführung dieses neuen Handelsplanes kann der Staatskunst zu höchstem Nutzen gereichen und eine ganz unlösliche Verbindung zwischen gewissen Großmächten herbeiführen.
von Welldone.
Schreiben Saint-Germains an Friedrich den Großen
Saint-Germain an König Friedrich[450]
Dresden, 25. Juni 1777.
Sire. Von sich selbst anders zu reden als durch Taten, ist durchaus unpassend, wenn man das Glück hat, sich an einen so großen König zu wenden. Eure Majestät werden mir also die Befehle schicken, mit denen Sie mich zu beehren geruhen.
Eurer Majestät
untertänigster und gehorsamster Diener
Graf von Welldone.
König Friedrich an Alvensleben
Potsdam, 30. Juni 1777.
Ich halte es nicht für angezeigt, dem Herrn Saint-Germain auf seinen Brief unmittelbar zu antworten. Ich ermächtige Sie daher, ihm von mir zu sagen, es stände ihm frei, hierher zu kommen, ihn aber zugleich darauf aufmerksam zu machen, man sei hier sehr ungläubig und glaubte im allgemeinen nur an Dinge, die sich handgreiflich beweisen lassen. Somit täte er gut, sich selbst zu fragen, ob er gewillt ist, seine Wissenschaft und seine Geheimmittel vorzuführen. Sonst würde er hier seine Zeit gewiß verlieren, während er sie anderswo vielleicht nützlicher anwenden könnte.
König Friedrich an die Prinzessin Wilhelmine von Oranien
(Potsdam) 30. Juni 1777.
Man droht uns mit dem Erscheinen eines Abenteurers namens Saint-Germain, der mit Projekten, alchimistischen Rezepten, medizinischen Geheimmitteln und Rezepten für den Stein der Weisen durch die Welt zieht. Ich bezweifle, daß er hier sein Glück macht.
König Friedrich an Prinz Heinrich[451]
(Potsdam) 2. Juli 1777.
Der berüchtigte Abenteurer Saint-Germain kommt hierher, um uns in seine Obhut zu nehmen. Er will unser Einkommen um 6 Millionen bereichern. Aber ich glaube, kein Mensch möchte sein Gehalt auf diese Einnahmequelle angewiesen sehen.
(Potsdam) 9. Juli 1777.
Saint-Germain ist noch nicht angelangt. Vielleicht besinnt er sich; denn ich habe ihn vor dem hier herrschenden Unglauben warnen lassen. Anbei eine Denkschrift über seine Kunstfertigkeiten, die er mir gesandt hat[452]. Könnte er Gold machen, so hätte er sich selbst damit versorgt, aber diesen alten Köder wagt er nicht auszuwerfen. Für uns besteht die einzige Kunst des Goldmachens in der Hebung von Landwirtschaft und Handel, aber auch damit kommt man nicht weit; denn die Ein- und Ausfuhrstoffe sind durch unsere Erzeugnisse und unseren Bedarf bedingt. Somit ist es klar, daß wir es bei den jetzigen Verhältnissen nicht so weit bringen werden wie Krösus und Montezuma. Man kann sehr glücklich sein, ohne von Gold zu strotzen; Seelenruhe und Frohsinn sind mehr wert als alle Schätze Perus.
Prinz Heinrich an König Friedrich
Rheinsberg, 15. Juli 1777.
Ich danke Dir, lieber Bruder, für die mir freundlich übersandte Denkschrift mit den Wundern, die Saint-Germain zu vollbringen weiß. Allerdings verheißt er viel; aber er weiß auch viel, muß umfassende Studien getrieben haben und hat stets für einen Wundermann gegolten. Daher ist wohl möglich, daß er das Geheimnis besitzt, gewisse Stoffe auszunutzen und zu vervollkommnen. Ein Versuch mit zwei bis drei von ihm vorgeschlagenen Gegenständen kann keine großen Kosten verursachen und würde, wenn er glückt, immerhin einen beträchtlichen Gewinn eintragen, zwar nicht die Schätze eines Krösus oder Montezuma, aber man kann reich, ja riesig reich sein, ohne sich mit ihnen vergleichen zu können. Den Maßstab für den Reichtum bilden die eigenen Bedürfnisse. Wer sein Genügen findet, büßt nichts von der Heiterkeit und dem Frieden seiner Seele ein, ja, er steigert sie noch, wenn er das Los der Unglücklichen und Bedürftigen zu erleichtern versteht.
III
Aus den Briefen des Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern (1727-1777)
Kurfürst Maximilian an seine Schwester, die Kurfürstin-Witwe Maria Antonia von Sachsen[453]
München, 27. März 1777.
Man sagt, bei Euch hielte sich ein Mensch auf, der 200 Jahre alt ist. Schreibe mir doch, was ist wahres daran.
München, 10. April 1777.
Wenn dieser Saint-Germain wirklich 200 Jahre zählt, ohne daß er danach aussieht, so ist er zweifellos ein Adept.
IV
Aus dem Briefwechsel des Prinzen Friedrich August von Braunschweig[454]
Dubosc[455] an Prinz Friedrich August
Leipzig, 15. März 1777.
Im Besitz des huldvollen Schreibens Eurer Hoheit[456] hatte ich nichts Eiligeres zu tun, als dem angeblichen Grafen Saint-Germain den Brief[456] zu senden, mit dessen Übermittlung Eure Hoheit mich beauftragt hatten. Ich habe der Sendung eine sehr dringende Aufforderung beigefügt, gemäß den Wünschen Eurer Hoheit seine Abreise nach Berlin nicht aufzuschieben. Ich hätte ihm das mündlich und nicht schriftlich sagen müssen, aber wir haben uns entzweit, weil ich ihm gegenüber Mißtrauen für angezeigt hielt.
Nachstehend eine kurze Darstellung unserer flüchtigen Beziehungen. Nach einem rätselhaften Aufenthalt von etwa drei Monaten kam der jetzige Graf Saint-Germain, der damals unter dem Namen Graf Welldone bekannt war und geflissentlich durchblicken ließ, daß dies nur ein Deckname für seinen wirklichen Namen Fürst Rakoczy sei, auf den Einfall, sich mit mir anzufreunden. Ich gestehe, daß ich aus Mißtrauen über diesen Annäherungsversuch nicht so geschmeichelt war, wie ich es hätte sein sollen. Wurde er doch von einem Manne von Stand gemacht, der angeblich das höchste Wissen besaß und nach seiner Versicherung nur zur Bereicherung und Beglückung der Menschheit lebte. Heftig kämpfte in mir meine Abneigung mit dem heißen Wunsche, meine Einsicht zu vergrößern und zu berichtigen.
Unsere erste Zusammenkunft begann mit Lobeserhebungen über seine Talente und gewaltigen Leistungen in der Chemie, über die große Rolle, die er in Rußland gespielt hätte, über seine Teilnahme am Krieg im Archipel[457] (den er aber gar nicht mitgemacht hat), über seinen Beruf der Menschheitsbeglückung, über die Millionen, die er für Wohltaten ausgegeben hätte. Schließlich wandte er sich meiner Person zu, rühmte meine Kenntnisse, meine Rechtschaffenheit und viele andere Vorzüge. Höchst sonderbar! Woher wußte er das wohl? Denn er kannte mich ja gar nicht, und ich selbst erkannte mich in diesem Charakterbild nicht wieder. Darauf zeigte er mir Seidenstoffe in allen möglichen Farben, gewöhnliches Leder, aus dem Maroquin oder feines Leder von verschiedener Farbe gemacht, grobes Leinen, das in spanische Leinwand umgearbeitet war. Er sprach von seinem Geheimverfahren zur Verbesserung von Edelsteinen und von anderen unwichtigeren Geheimmitteln.
Als ich ihn verließ, war ich überrascht von seiner Zungenfertigkeit und Überredungskunst, aber keineswegs überzeugt. Wir sahen uns noch mehrere Male; jede Sitzung dauerte sieben Stunden. Ich hatte Zeit genug, um meine Zweifel zu bestärken; ich überzeugte mich, daß er keineswegs ein Adept war. Ich sah in ihm nur einen geistvollen Mann, der viel gelesen, gesehen und versucht hat, einen Mann, der ein paar Geheimmittel und verschiedene chemische Kenntnisse besaß, ohne deswegen ein methodischer Forscher geworden zu sein, kurz einen Mann ohne festes System. Ich erkannte, daß er nichts weniger als Theosoph war, daß er weit entfernt war, das unendliche All in der Gesamtheit der einzelnen Teile zu sehen oder einen rechten Begriff von der schöpferischen Ursache aus der Analyse der Schöpfung zu gewinnen.
Es schien mir, daß ein Mann, der nur auf der Welt ist, um sie zu beglücken und Schätze auszuteilen, nicht in die Lage kommen kann noch darf, daß es ihm an allem fehlt und daß er keinen Groschen hat. Ich gebe zu, daß ein Adept in der bescheidensten Weise auftreten kann, aber er ist nie in dringender Notlage; er prahlt nie mit seiner Einsicht noch seiner Herkunft. Er ist, was er sein soll: schlicht, offen und ehrlich.
Mein Roman endete schließlich, wie ich es voraussah. Er borgte mich in Erwartung seiner Reichtümer an, ich hielt es aber nicht für angezeigt, ihm etwas zu leihen. Damit endeten unsere Beziehungen.
Ich stellte bei ihm mehrere Widersprüche fest und noch mehr Lügen. Jemand verlangte von ihm 4000 Gulden zurück, die er in Schwabach oder Umgegend aus der Zeit seines dortigen Aufenthaltes noch schuldig ist. Er machte ihm weis, daß er sie aus dem Erlös eines Wechselbriefes von 4000 Rubeln bezahlen würde, den er mir zum Verkauf übergeben hätte. Diese Lüge hat er sich in der Zeit geleistet, wo er mich beschwor, ihm durch ein Darlehen aus der Verlegenheit zu helfen.
Kann ein Weiser lügen? Gegenwärtig soll es mit seinen Finanzen besser stehen; er hat einen Leichtgläubigeren gefunden, mit dem er beim Goldmachen ist.
Ich hoffe, Eure Hoheit werden diese vielen Worte entschuldigen, aber ich glaubte, Ihnen meine Ansicht über diesen Sonderling nicht verhehlen zu sollen.
Nachschrift. Soeben übersendet mir Saint-Germain den beifolgenden Brief für Eure Hoheit[458].
Bischoffwerder[459] an Prinz Friedrich August
Elsterwerda, 25. März 1777.
Ich gestehe, daß ich zu wenig aufgeklärt bin, um ein Urteil über einen Mann wie Herrn von Saint-Germain zu haben. Aber ich will Ihnen gehorchen und Ihnen frei meine Gedanken über den Brief des Bruders Dubosc[460] und den des Grafen Welldone[458] aussprechen.
Obwohl man von jenem sagen kann: Ecce vere Israelita, in quo dolus non est[461], glaube ich doch (aus Erfahrung), daß er in seinem Urteil über sehr achtbare Personen recht vorschnell ist. Der Vorwurf einer Lüge bedarf stichhaltiger Beweise; zudem muß er wissen, daß die größten Kenntnisse mit Armut sehr wohl vereinbar, ja bisweilen (durch das Gesetz) von ihr nicht zu trennen sind. Man kann ungeheure Schätze austeilen und doch davor zurückscheuen, eine sehr mäßige Summe aus Laune auszugeben. Der Bruder Dubosc muß aus den Berichten aller, die Herrn von Saint-Germain seit lange kennen, doch wohl wissen, daß er oft in die Lage gekommen ist, sich Geld zu borgen, aber daß er es durch Anweisung beträchtlicher Summen stets ehrlich zurückgezahlt hat. Kurz, es macht den Eindruck, als ob der Bruder Dubosc durch das Darlehnsgesuch des Grafen von Welldone verblüfft worden ist und in diesem Augenblick alles in falschem Licht gesehen hat.
Andrerseits ist der Brief des Grafen Welldone nicht anders, als man von einem Kenner des T[462] erwarten kann. Ich sehe daher nicht die mindeste Gefahr darin, daß Sie seine Bekanntschaft machen, zumal wenn Sie, wie ich überzeugt bin, nichts verlangen, was mit der Moral und mit dem Berufe[463], zu dem er sich in seinem Briefe bekennt, nicht völlig im Einklang steht, und wenn Sie die Anknüpfung besonderer Beziehungen bis zu dem Zeitpunkt hinausschieben werden, den er Ihnen angibt und den die Guten zum Ruhm Gottes herbeiwünschen.
Frölich[464] an Prinz Friedrich August
Görlitz, 28. März 1777.
Von Saint-Germain werden Ihro Durchlaucht in der Maurerei keine Aufschlüsse bekommen. Dieser Mann ist in Leipzig eine geraume Zeit unter dem Namen Sieur Welldone gewesen. Ich habe bei Dubosc mit ihm gegessen. Ich kenne ihn sehr speziell. Dieser Sieur Welldone ist kein Maurer; er ist auch kein Magus, auch kein Theosoph. Seine Rolle wird in Leipzig traurig ablaufen, wenn er nicht einen gutherzigen Freund kürzlich gefunden, der ihm Geld vorschießt. Ich melde solches Ihrer Durchlaucht als Maurer, damit (er), wenn er nach Berlin kommt, sich nicht auf eben diese Weise zu remboursieren sucht.
Dubosc an Prinz Friedrich August
Leipzig, 2. April 1777.
Da Eure Hoheit anscheinend Interesse an dem angeblichen Grafen Saint-Germain nehmen und ihn sogar mit der Einladung nach Berlin beehrt haben, halte ich mich für verpflichtet, Eurer Hoheit zu berichten, was nach und nach über die Vorgeschichte dieses rätselhaften Mannes zutage kommt. Wie man sagt, ist er in Frankreich geboren, von niederer Herkunft und soll ein Handwerk gelernt haben. Folgendes weiß ich aber positiv von einem meiner Freunde, einem verdienstvollen Mann, einem Schweizer Offizier, Namens Hotz, der als Oberstleutnant in der Garde des russischen Großfürsten steht[465] und zur Zeit in Familienangelegenheiten hier weilt. Wie er mir versichert, hat er unseren Saint-Germain unterwegs in Rußland getroffen, wie er traurig zu Fuß des Weges zog. Wegen eines Fußschadens schleppte er sich nur mühsam weiter. Voll Mitleid ließ ihn der Offizier in seinen Wagen steigen. Er muß in Moskau oder Umgegend ein Fabrikunternehmen gehabt haben, das aber nicht gehen wollte. Er hatte das Glück, den Grafen Orlow[466] kennen zu lernen, mit dem er eine Weile chemische Versuche anstellte, aber schließlich hatte der Graf diese fruchtlose und kostspielige Arbeit satt und entließ ihn. Von den Wohltaten dieses Herrn hat er lange Zeit sein Leben gefristet. Seitdem hat er sich in mehreren Gegenden Deutschlands herumgetrieben, wie die Schulden beweisen, die er namentlich in der Gegend von Schwabach gemacht hat. Hier ging sogar ein von ihm ausgestellter und nicht bezahlter Wechselbrief eines Ansbacher Juden in Höhe von 20000 Gulden ein.
Gegenwärtig erfahre ich, daß er den Brief Eurer Hoheit[467] überall herumzeigt und zum Lesen gibt. Er erzählt jedermann, man bestürme ihn allerorten, zu kommen und der Welt seine erhabenen Kenntnisse nicht vorzuenthalten. So spielt er einen gegen den anderen aus. Verzeihen Eure Hoheit, daß ich solche Geschichten berichte. Aber sie tragen dazu bei, den Betrüger zu entlarven. Ich wollte schließen, vergaß aber noch eine bezeichnende Anekdote. Gestern war ich in einem Hause, in dem ein Ring gezeigt wurde, den er einem seiner hiesigen Beschützer geschenkt hat. Es war ein ziemlich großer gelber Stein, der Feuer besaß. Als er ihn verschenkte, betonte er, daß es ein gelber Diamant sei, und schätzte ihn auf mindestens 1000 Taler. Ein anwesender Juwelier und großer Kenner prüfte den Ring und sagte: „Ei gewiß, dieser Stein kann wohl acht Groschen wert sein.“ Das scheint mir ein recht charakteristischer Zug für ihn.
Bischoffwerder an Prinz Friedrich August
5. April 1777.
Alles, was ich bezüglich des Grafen Welldone hinzufügen kann, ist, daß er nicht P[rior] Cler[icorum] ist, und daß ich Ihnen trotz der Beweise seines Wissens nicht anraten möchte, ihm Briefe zu schreiben, die nicht öffentlich gezeigt werden können. Eine kurze Unterredung mit den Maurern, die ich in Leipzig antreffen werde, soll dies Geheimnis lichten.
Dubosc an Prinz Friedrich August
Leipzig, 12. April 1777.
Auf Befehl Eurer Hoheit will ich mit dem angeblichen Saint-Germain sprechen. Hoffentlich macht meine Vorhaltung mehr Eindruck, als ich erwarte. Der Mann weiß sich nicht besser ins Licht zu setzen, als dadurch, daß er mit geheimnisvoller Miene Briefe vorzeigt, deren Inhalt einen hohen Begriff von ihm geben kann. Derart gelingt es ihm, für einen Wundermann zu gelten.
Hat man recht viele Anekdoten aus seinem Leben gehört und vergleicht man sie miteinander, so kommt man allmählich hinter seine Schliche. Ich möchte jetzt wetten, daß er jüdischer Abstammung ist. Er ist eine Weile in einer Kattunfabrik in Moskau gewesen, weil er Farben herstellt, worin er nach seiner Behauptung große Kenntnisse besitzt. Da er sich dort nicht zu halten vermochte, scheint das Gegenteil bewiesen. Hält man diesen Umstand mit der Zeit seiner Reise nach Rußland zusammen, so ergibt sich, daß es derselbe Fremde ist, mit dem einer meiner Freunde[468], ein höchst kenntnisreicher Mann, die Reise nach Moskau teilweise gemacht hat. Das stimmt sowohl mit der Zeit, wie mit den Talenten, deren er sich rühmte, und der Schilderung, die mein Freund von ihm gemacht hat. Hier erzählt er immerfort, er sei am russischen Hofe wohlbekannt und sehr beliebt und habe dort eine große Rolle gespielt. Das alles beweist zum mindesten, daß er stark aufschneidet.
Gestern unterhielt ich mich sehr lange mit einem meiner Freunde, einem großen Steinschneider, der auf alles, was darauf Bezug hat, sehr erpicht ist. Er kennt unseren Sonderling gut, weiß über ihn Bescheid und hat sich nach seinem Geheimverfahren zur Herstellung wie zur Verbesserung von Edelsteinen erkundigt. Wie er mir beteuerte, kann Saint-Germain keine Edelsteine herstellen noch fehlerhafte Diamanten verbessern und vervollkommnen. Das Verfahren, dessen er sich rühmt, kann sich höchstens auf Topase oder Halbedelsteine beziehen; er hat einen Versuch mit braunen Topasen gemacht, und zwar mit Erfolg; sie sind ganz weiß geworden. Mein Freund hat den Versuch mit Diamanten mehrfach wiederholt, aber vergeblich; das Mittel blieb völlig wirkungslos.
Die einzigen Steine, die Saint-Germain besitzt und die er sehr hoch veranschlagt, stammen aus einem Bergwerk, das er in Rußland entdeckt hat und das er nach seiner Behauptung ausbeuten darf. Er macht erstaunlichen Lärm darüber und möchte den Leuten weismachen, daß sich daraus ein sehr ertragreicher Handelszweig machen ließe. Man hat ihm jedoch bewiesen, daß dazu keine Aussicht ist; denn diese Steine bestehen aus einer Kristallart, die zwar sehr hart ist, aber weit unter den Topasen steht, da sie weder deren Schönheit noch Glanz haben. Sie sind wie die Kieselsteine, die man bei uns und anderswo findet.
Es ist sehr wohl möglich, daß Herr von Sagramoso[469] ihn in Florenz, Pisa und Venedig gesehen hat, denn er hat sich tatsächlich in Italien herumgetrieben. Aber bei aller schuldigen Hochachtung vor der Einsicht des Herrn von Sagramoso kann ich nicht so günstig von ihm denken wie dieser. Sonst müßte er sich seither gewaltig verändert haben. Aber warum soll ein Mensch sich zum Schlechteren verändern? Auf diese Weise behauptet man weder seinen Ruf noch erwirbt man Anhänger. Ich bleibe also bei meiner Ansicht: Er ist einschmeichelnd, geschmeidig, er redet allen nach dem Munde, aber wehe dem, der auf ihn hereinfällt! Graf Orlow kann ein Lied davon singen[470]. Ob Saint-Germain schon einmal in Dresden war, bezweifle ich; niemand hat ihn dort gesehen. Er redet von so vielen Städten, aber von Dresden sagt er kein Wort. Auch hier muß ich mich über Herrn von Sagramoso wundern.
Saint-Germain ist noch hier; er hat sich nicht gerührt. Graf Marcolini, der eigens hergekommen ist, um mit ihm zu sprechen und ihn nach Dresden mitzunehmen[471], falls er mit ihm zufrieden wäre, ist schleunigst wieder abgereist und hat ihn hier gelassen. Das beweist nicht gerade, daß er befriedigt war. Trotzdem muß Herr von Sagramoso, der den Grafen Marcolini begleitete, von Saint-Germain eine hohe Meinung gehabt haben. Dieser lebt hier weiter im Dunkeln und macht einige Bekanntschaften, aber es dauert nie lange; man überwirft sich sehr bald mit ihm.
Herzog Karl von Kurland[472] an Prinz Friedrich August
Dresden, 22. April 1777.
Bruder B[ischoffwerder] ist diese Nacht nach Leipzig abgereist, wo er rechnet, die Bekanntschaft des seltsamen Mannes zu machen, der sich seit einigen Monaten in Leipzig aufhält und über dessen Kenntnisse wir noch im unklaren sind.
Bischoffwerder an Prinz Friedrich August
Dresden, 2. Mai 1777.
Eure Hoheit werden durch den Bruder Decker die Gründe erfahren haben, aus denen Graf Welldone Ihren Brief gezeigt hat[473].
Frölich an Prinz Friedrich August
Görlitz, 7. Mai 1777.
Saint-Germain befindet sich noch in Leipzig, und man ist immer weniger attent auf ihn, da alle Hoffnung wegfällt, daß er nur im geringsten in der Maurerei Kenntnis hat.
Saint-Germain an Prinz Friedrich August[474]
Leipzig, 8. Mai 1777.
Eure Hoheit wollen gestatten, daß ich Ihnen mein Herz öffne. Es blutet, seit der Herr Rat Dubosc mir in einer für mich peinlichen Form die Befehle zukommen ließ, mit denen Sie ihn seiner Angabe zufolge beehrt haben. Sie galten aber sicherlich nicht mir. Herr Baron von Wurmb[475] und Herr Baron von Bischoffwerder werden stets für mich rühmliches Zeugnis ablegen, daß mein Schritt voller Berechtigung und Redlichkeit war, daß meine Ehrerbietung und meine eifrige und treue Hingabe, die ich für alle Zeit Eurer Hoheit gelobt habe, ihn mir unumgänglich geboten, obwohl ich zunächst voll Zartgefühl meinen Beweggrund verschweigen wollte. Nach Möglichkeit will ich hier die Abwicklung meiner ebenso wichtigen wie unerläßlichen Geschäfte beschleunigen, um alsbald die unaussprechliche Freude zu haben, Ihnen meine Aufwartung zu machen. Unvergleichlicher Fürst, wenn ich erst die Ehre habe, Ihnen genau bekannt zu sein, verspreche ich mir von Ihrer Gerechtigkeit und Ihrem Scharfblick zuversichtlich alles, was mir zukommt und was mir, da von Ihnen kommend, lieb und wert sein wird. Ich bin aus Pflicht, Neigung und ehrerbietiger, treuer Hingebung Eurer Hoheit ehrerbietigster und gehorsamster Diener
Graf Welldone.
Schreiben Saint-Germains an Prinz Friedrich August von Braunschweig
Schreiben an Friedrich August von Braunschweig; linke Seite
Schreiben an Friedrich August von Braunschweig; rechte Seite
Minister von Wurmb[476] an Prinz Friedrich August
Dresden, 19. Mai 1777.
Ich habe meinen vierzehntägigen Aufenthalt in Leipzig benutzt, um dem berühmten Saint-Germain, der sich jetzt Graf Welldone nennt, den Puls zu fühlen. Auf meine Bitte ist er sogar auf einige Zeit hergekommen. Da er, wie ich weiß, es einigen nachträgt, daß sie ihn durchaus zum Wundermann machen wollten, habe ich das Gegenteil getan und ihn als gewöhnlichen Menschen behandelt, dessen chemische und physikalische Kenntnisse meine Neugier erregt haben.
Ich fand einen Mann von 60 bis 70 Jahren, sehr lebhaft für sein Alter. Er spottet über die, welche ihm ein außerordentliches Alter zuschreiben. Er macht zwar keineswegs den Eindruck eines Neugeborenen, hat aber bei seiner geregelten Lebensweise und den guten Medizinen, die er angeblich besitzt, starken Anspruch darauf, noch lange zu leben. Trotz alledem sieht er äußerlich nicht so aus, als ob er es noch lange triebe. Man kann nicht leugnen, daß er schöne Kenntnisse besitzt. Ich werde mit ihm an einigen Artikeln der Färberei und der Verarbeitung von Wolle und Leinen arbeiten, um zu sehen, ob sich für unsere Manufakturen etwas herausschlagen läßt. Was mir mißfällt, ist, daß er oft von Millionen spricht, während er weit entfernt ist, darüber zu verfügen, und anscheinend nicht einmal Gold zu machen versteht.
Nachdem ich sein Vertrauen gewonnen hatte, brachte ich das Gespräch auf die Freimaurerei. Ohne Eifer noch selbst besondere Aufmerksamkeit für die Sache gestand er mir, er sei im vierten Grade, entsänne sich aber der Zeichen nicht mehr. Daher konnte ich nicht näher mit ihm darauf eingehen; denn er bewies durch nichts irgendwelche Kenntnisse des Systems der strikten Observanz. Schließlich bekundete er selbst Neugier über die Angelegenheit Schrepfers[477], und als ich ihm so viel davon sagte, als ich sagen konnte, tischte er mir eine Geschichte auf, die ihm in Paris begegnet war. Dort hatten eine Gesellschaft von etwa 200 Personen, an deren Spitze der blöde Herzog von Bouillon stand, und ein paar Damen, die für das System des Grafen Gabalis[478] schwärmten, seine Bekanntschaft zu machen gesucht, weil sie ihn für einen Oberen hielten. Aus alledem glaube ich zu schließen, daß er entweder sich sehr verstellt oder keiner der Unsrigen ist. Letzteres halte ich für wahrscheinlicher, zumal er in Dingen der Religion und der Philosophie ein nackter Materialist ist.
Bischoffwerder an Prinz Friedrich August
Elsterwerda, 9. Juli 1777.
Graf Welldone ist tatsächlich keiner der Unsrigen. Aber wenn er wirkliche Geheimnisse besitzt, so bin ich im Besitz des wichtigsten. Obgleich es gegen alle Regeln der Wahrscheinlichkeit ist:
1. daß die Sache überhaupt möglich ist,
2. daß ich zum Träger eines so reichen Arkanums bestimmt bin,
3. daß ich es als Novize empfangen habe, will ich doch mein Urteil von heute ab auf 14 Tage hinausschieben, wo kein Zweifel über die Sache mehr möglich sein wird. Nur Ihnen vertraue ich es an und werde ich sagen, was daran ist. Wäre es wohl eine Prüfung neuer Art? Denn es scheint mir bedenklich, daß ein so kostbares Arkanum mir durch die Hand eines Laien, eines Atheisten, angeboten wird.
Elsterwerda, 16. September 1777.
Die Versuche, die ich mit den mir von Saint-Germain mitgeteilten Geheimverfahren angestellt habe, sind von erstaunlicher Wirkung. Stets unter der mindesten Bedingung meines Ehrenwortes, zu schweigen; ich begreife bis heute nicht, warum ich ihr Träger geworden bin.
SAINT-GERMAIN IN BERLIN[479]
I
Aus den „Erinnerungen“ Thiébaults[480]
Ein ungewöhnlicher Mann, in der Welt als Graf Saint-Germain bekannt, kam nach Berlin und blieb dort über ein Jahr. Der Abbé Pernety[481] besuchte ihn als Adept sofort und erzählte uns Wunderdinge von ihm.
Der Graf war ein Greis, dessen Alter und Heimat unbekannt war. Er war indes noch sehr rüstig, obgleich etwas beleibt. Wie man sagte, besaß er das Geheimnis, Gold zu machen, ja sogar Diamanten. Er lebte — was weit wichtiger ist — seit ich weiß nicht wieviel hundert Jahren. Er war der ewige Jude, etwas ganz Wunderbares, zumal er alle europäischen Sprachen beherrschte. Saint-Germain nahm ein paar Zimmer in einem der ersten Gasthöfe Berlins. Er lebte dort sehr zurückgezogen, hatte zwei Diener und einen Mietswagen, der den ganzen Tag vor der Tür stand. Er bezahlte ihn gut, benutzte ihn aber nie.
Der alte Freiherr von Knyphausen[482] besuchte ihn sogleich als alten Bekannten und lud ihn dringend ein, bei ihm zu speisen. „Gern,“ sagte Saint-Germain, „aber nur, wenn Sie mir Ihren Wagen schicken. Ich kann keine Mietswagen brauchen; sie hängen zu schlecht in den Riemen.“ Bemerkenswert ist, daß der Unbekannte den Freiherrn immer nur „mein Sohn“ anredete.
Die Prinzessin Amalie[483] wollte ihn sehen, und er stellte sich pünktlich ein. Sie fragte ihn, aus welchem Lande er sei.
„Ich bin aus einem Lande,“ entgegnete er, „das nie Ausländer zu Herrschern gehabt hat.“
In dieser geschickten, rätselhaften Art beantwortete er alle Fragen Ihrer Königlichen Hoheit, die zuletzt ganz sprachlos war und ihn verabschiedete, ohne etwas von ihm erfahren zu haben.
Auch Frau du Troussel[484] wollte ihn sehen. Der Abbé Pernety spielte den Vermittler bei dieser Staatsaktion, und eines Abends kam der Graf zu ihr und speiste bei ihr. Man brachte das Gespräch auf den Stein der Weisen. Er bemerkte jedoch nur, die, welche sich damit beschäftigten, begingen zumeist eine wunderliche Torheit, indem sie nur das Feuer als Hauptelement in Anwendung brächten. Sie bedächten aber nicht, daß das Feuer auflöst und zerteilt und daß es somit widersinnig sei, mit Feuer zu arbeiten, wo es sich um eine neue Zusammensetzung handle. Hierüber redete er lang und breit und ging dann zu alltäglicheren Dingen über.
Er hatte feine, durchgeistigte Züge; man sah ihm den Mann aus guter Familie und von guter Erziehung an. Er soll der Lehrmeister des berüchtigten Cagliostro gewesen sein[485], der bekanntlich in Paris den Kardinal von Rohan[486] und so viele andere zum besten gehabt hat. Aber der Schüler konnte sich in keiner Weise mit dem Lehrer messen. Hat sich dieser doch bis zu seinem Tode ohne irgendein peinliches Abenteuer behauptet, wogegen der dreistere Cagliostro oft alles aufs Spiel gesetzt und seine Laufbahn in den Kerkern der römischen Inquisition beschlossen hat, ein trauriges, aber viel zu mildes Schicksal.
Die Geschichte des Grafen Saint-Germain zeigt einen klügeren und vorsichtigeren Abenteurer und nichts, was gegen die Ehre im eigentlichen Sinne verstößt. Nichts ist unredlich, alles wunderbar, nirgends Niedertracht und Ärgernis. Wenn es wahr ist, daß er Damen, die bei dem Trauerspiel „Mariamne“ weinten, gesagt hat: „Wie wäre es erst, meine Damen, hätten Sie sie wie ich gekannt, hätten Sie gesehen, wie liebenswürdig, reizvoll und schön sie war[487]!“ — wenn es wahr ist, daß er vom Leiden Jesu Christi gesagt hat: „Es war seine eigene Schuld; ich hatte es ihm vorhergesagt, daß er ein schlimmes Ende nehmen würde, wenn er seine Ziele nicht änderte“, — so sind das lächerliche Redensarten, aber im Sinne der Gesellschaftsordnung keine Verbrechen.
Als jener seltsame Mann in Berlin weilte, wagte ich eines Tages, mit dem französischen Gesandten, Herrn von Pons Saint-Maurice[488], über ihn zu reden. Insbesondere drückte ich mein Erstaunen über seine besonderen, nahen Beziehungen zu hochstehenden Personen aus, z. B. zum Kardinal de Bernis[489], von dem er vertrauliche Briefe aus der Zeit haben sollte, wo dieser Minister des Auswärtigen war. Der Gesandte ließ sich darüber nicht aus, brachte dann aber Mutmaßungen vor, die recht wahrscheinlich klangen.
„Ich nehme an,“ sagte er zu mir, „daß ein wirklich eigenartiger Mensch den Entschluß faßt, sich ein außerordentliches Schicksal zu zimmern und in der Welt eine Rolle zu spielen, die Erstaunen und allgemeines Aufsehen erregt. Ich nehme an, daß dieser Mann, einzig von dieser Vorstellung beherrscht und sich ihr ganz widmend, Geist besitzt, Kenntnisse erwirbt, auf alle Umstände ein scharfes Augenmerk hat und noch mehr Beharrlichkeit in der Ausführung seines Planes zeigt. Ich nehme besonders an, daß er seine Absichten in den Schleier tiefster Verschwiegenheit zu hüllen versteht und daß es ihm im Bedarfsfalle nie an Geistesgegenwart und Geschmeidigkeit fehlt. Ich nehme schließlich an, daß er ein beträchtliches Vermögen geerbt oder erworben hat, etwa 20000 Franken festes Einkommen. Wie wird ein solcher Mann sich nun benehmen? Er wird weder von seinem Alter noch von seiner Heimat, Familie und Person offen sprechen; er wird sich in den tiefsten Schleier des Geheimnisses hüllen, seine Einkünfte für ein paar Jahre zurücklegen und dadurch ein Kapital erübrigen, das er sicheren und bekannten Bankhäusern anvertraut. Wenn er nach Berlin kommt, wird er seine Gelder z. B. in Leipzig haben. Ein Berliner Bankhaus wird den Auftrag erhalten, ihm 20000 Franken oder mehr auszuzahlen. Er wird sie abheben und sie an ein Bankhaus in Hamburg senden, das sie ihm dann zurückschickt. Das gleiche Spiel wird er mit einigen Frankfurter Bankhäusern und in anderen Städten spielen; aber es wird stets das gleiche Kapital sein, bei dem er nur einige Prozente verliert, und er wird seinen Zweck erreichen; denn man erfährt, daß er allwöchentlich beträchtliche Summen von überall erhält, und wird nicht erfahren, was er damit macht, zumal wenn er wenig ausgibt und sich auf keinerlei Geschäfte einläßt. Alle anderen Wunderdinge, die man von solchen rätselhaften Unbekannten erzählt, lassen sich ebenso leicht natürlich erklären, wie die Gelder, die der Graf Saint-Germain so häufig erhält, obwohl er so wenig ausgibt.“
II
Aus Zimmermanns „Fragmenten über Friedrich den Großen“[490]
Madame du Troussel[491] hatte Zufälle, die man in Berlin für unheilbar hielt; deswegen begab sie sich in die Kur des berühmten Grafen von Saint-Germain. Dieser heilte sie aus dem Grunde, und sie zeigte jedermann einen Stein von der Größe eines Hühnereies, der ihr von Saint-Germain abgetrieben sei. Dennoch war das Berlinische Publikum argwöhnisch genug, zu glauben, was auch höchstwahrscheinlich ist: Saint-Germain habe sie bloß von einem Nachlasse ihrer Liebe für den schändlichen Bischof von Breslau[492] geheilt. Zwei Jahre nachher starb diese nicht unberühmte Berlinische Dame an einem hitzigen Fieber.
III
Graf Saint-Germain[493]
Dieser vor zwei Jahren im Dänisch-Holsteinischen verstorbene Abenteurer war ein würdiges Gegenstück des verstorbenen Grafen Cagliostro[494]. Auch er fand Bewunderer und Anhänger in Menge, und in welchem Tone ward er bewundert! Eben itzt bekomme ich einen großen Kupferstich[495] zu Gesichte, worin er mit einer unbedeutenden vornehmen Hofmannsmiene in einem prachtvollen Pelzkleide zu sehen ist, und worunter höchst merkwürdige Verse stehen, die mir eine Anzeige zu verdienen scheinen, um die Denkungsart solcher Menschen bekannt zu machen, die sich nicht schämen, von Zeit zu Zeit dergleichen Dinge in die Welt zu streuen.
Ich habe sehr wohl gewußt, daß viele Hohe und Niedere sich von diesem Menschen betören ließen, der weder öffentliche noch geheime wahre Künste und Wissenschaften besaß, obgleich er das Geheimnis verstand, viele glaubend zu machen, daß er ein Wundertäter sei; ein Geheimnis, das itzt so öffentlich, und man kann hinzusetzen, so plump getrieben wird, daß man nachgerade einsieht, wie leicht es ist, sobald nämlich nur jemand mit seinem Gewissen fertig wird, um alle Mittel zu seinem Zwecke anzuwenden.
Dieser Mensch, der mancherlei, aber nicht das geringste gründlich verstand, den in Dresden und Berlin kein gescheiter Mann achtete, der nicht die gemeinste Kenntnis von dem, was große Gelehrte in den wichtigsten Fächern geleistet haben, besaß, der nie etwas wirklich Gutes oder Schönes zustande gebracht hat, der nichts ordentlich gelernt hatte, sondern statt des schweren Studierens die leichtere Mühe magischer Zauberworte anwenden wollte: dieser Mensch war dreist genug, zu verstehn zu geben, daß er alles wisse und alles könne. Und er fand, leider! selbst unter den deutschen Fürsten manche, die ihm glaubten. Er sollte nicht bloß ein großer Tonkünstler sein, sondern die Geige so spielen, als wenn man drei Geigen zugleich hörte[496], und er spielte seine eine höchst mittelmäßig. Er sollte nicht bloß Leder und Wolle verbessern, sondern auch Diamanten von ihren Flecken reinigen und sogar mehrere zusammenschmelzen können, obgleich alle, die ihm in den erstern leichtern Künsten trauten, mit ihrem Schaden seine eitlen Versprechungen erfahren haben und die letztern schwerern Stücke niemals ein Mensch gesehen hat. Er sollte Gold machen können; doch wer kann das anitzt nicht? Er verstand, verjüngende oder gar unsterblich machende Arzeneien, namentlich ein gewisses Salz, zu verfertigen, so daß erdigte Teile dem aus Erde gebaueten Menschen ein überirdisches Los zusicherten. Er kaufte Häuser und Landgüter, ohne sie zu bezahlen, und man bewunderte, wo er das Geld dazu herbekäme usw.
Alles dies weiß ich sehr wohl. Auch weiß ich, daß er sogar dann noch Glauben fand, wenn er teils durch andere sagen ließ, teils wie aus Übereilung selbst zu verstehen gab, teils geradezu erklärte: er sei ganz ungemein alt; welches aber, nach Beschaffenheit der Umstände, sehr verschieden angegeben ward. Bald hatte er nur mit Kaiser Leopold[497] noch Briefe gewechselt, bald schon mit dem Adepten aus der Gold- und Rosenkreuzergesellschaft, Federico Gualdo[498][*], von dessen Kindheit an in Freundschaft gelebt, bald gar unserem Herrn Christus allerlei Rat in Absicht seines Verhaltens gegeben[**]. Ich weiß sogar, daß manche itzt noch, da er gestorben ist, glauben: er lebe und werde bald lebendig hervorgehn! Da er doch wirklich mausetot ist und wahrscheinlich itzt schon fault und stinkt, wie ein ganz gemeiner Mensch, der keine Wunder verrichten kann, und den nie ein Prinz begrüßt hat, auch tun würde.
Obgleich ich alles dies wußte, so hatte ich doch nie glauben können, daß man die unsinnige Verehrung eines solchen Menschen so weit treiben könnte, als ich es auf dem erwähnten Kupferstiche fand. Hier ist die ganze lobpreisende Unterschrift desselben:
Graf Saint-Germain,
berühmter Alchimist.
Prometheus gleich raubt’ er vom Himmelszelt
Die Lebensflamme, die das All erhält;
Natur folgt seinem Wort, von ihm gemeistert;
Ist er nicht Gott, hat ihn ein Gott begeistert[499].
Wer hätte glauben sollen, daß in unseren Tagen der Name Alchimist ein im Ernst gegebener Ehrenname sein könnte! Übrigens verdient der freilich ein berühmter Alchimist zu heißen, dessen Stimme die Natur gehorcht und auf dessen Ruf sie sich bewegt. Die Natur! Weiß man, was man sagt, wenn man solche Worte gebraucht? Aber die letzte Zeile, die letzte Zeile!
„Ist er nicht Gott, hat ihn ein Gott begeistert!“
Der bedingende Ausdruck des Gedankens im Vordersatze nimmt denselben offenbar als vielleicht wirklich und als zuverlässig möglich an. Und welchen Gedanken!
Ich bin gewiß weder intolerant noch verketzernd, ich brauche nicht gern harte Worte und starke Beschuldigungen, wo noch lachender Spott hingehören kann; aber ich würde fürchten, mich des Namens eines Gottesverehrers unwürdig zu machen, wenn ich hier nicht ernsthaft und anklagend sagte: daß dieser schändliche Ausdruck eine der rasendsten Blasphemien enthält, deren sich je der verirrte menschliche Verstand schuldig gemacht hat. Gesetzt auch, dieser Mensch wäre so weise und einsichtsvoll gewesen, als er töricht und unwissend war, so edel, groß und bescheiden, als er kindisch, eitel und prahlerisch, so erhaben gesinnt, als er eigennützig, so offen und wahrhaft, als er ränkevoll und betrügerisch war usw. — so müßte doch jeder Mensch davor zurückbeben, diese Worte, die ich mich schäme, noch einmal hinzuschreiben, von ihm zu gebrauchen. Klarer, plumper Atheismus, der itzt wieder laut zu werden anfängt, ist minder schädlich und gefährlich als solch eine Menschenvergötterung. Traurig genug, wenn ich unter Mitbürgern leben sollte, die den erhabensten Gedanken nie gedacht hätten, die keinen Begriff von dem allgemeinen Vater der Natur und aller Menschen hätten, bei deren Moralität ich mich bloß auf ihr Gefühl oder die Furcht vor Strafen verlassen müßte! Aber tausendmal willkommen sei mir ihre Gesellschaft gegen solche Leute, die es für möglich, für denkbar halten können: daß ein schwacher Mensch, wie ich und sie, die ganze Natur regiere, daß ein beschränktes Wesen die Kraft in Händen habe, wodurch alles lebt und wodurch die Welt existiert, und daß dieser Mensch folglich den uneingeschränktesten Gehorsam, die unwiderstehlichste Befolgung in allen seinen Befehlen und wahre göttliche Verehrung verdiene! Ich schaudere, wenn ich mir vorstelle, wohin dies in Absicht der gesunden Vernunft, des Gewissens und der Regeln menschlicher Handlungen führen müßte.
Und wer braucht diesen Ausdruck? Nicht etwa barbarische Kamtschadalen, deren roher Verstand sich einen Gott gebildet hat, den der schmutzigste Erdensohn übertrifft, und die folglich einen Taschenspieler leicht vergöttern könnten. Nein, kultivierte Europäer tun es, deren Begriffe reiner sein müssen, und die wissen, daß der angestrengteste Verstand sich umsonst bemüht, einen Schatten von den großen Eigenschaften der Gottheit sich lebhaft zu denken, wenn er auch das Erhabenste, was seit Jahrtausenden die Welt kannte, in seiner Vorstellungskraft zusammensetzt. Noch mehr, die einzig fromm und rechtgläubig sein wollenden Christen tun es! Denn dieselben Menschen, die der Geisterseherei, der Goldmacherei und allen verworfenen Träumereien von geheimen Kräften der Natur und von itzigen Wundern anhängen, die den Vorspiegelungen eines Cagliostro, eines Saint-Germain, eines Schrepfer[500], eines Güldenfalk[501], eines Plumenoek[502] usw. Glauben beimessen, die im „Mystère de la Croix“ und im Buche „De l’erreur et de la vérité“[503] menschenbeglückende Weisheit suchen: eben diese sind es ja, die sich der höchsten Reinheit der Glaubenslehre rühmen und immer Frömmigkeit und echtes Christentum im Munde führen. Sie wissen ja so höhnend von Theologen nach der neuen Art, von Spöttern der Religion usw. zu reden, wenn denkende Köpfe die Kraft ihres Verstandes und ihren Untersuchungsgeist auch auf wahrhaft wichtige Dinge anwenden und dadurch zu Begriffen gelangen, die freilich von dem gerade itzt im Schwange gehenden System abweichen, die aber näher zur Sache zu treffen scheinen und schon von tausend frommen und rechtschaffenen Christen in mehreren Jahrhunderten auch gedacht wurden, wovon freilich diese Menschen von gestern her nichts wissen, deren Mangel an Sach- und Sprachkenntnis, Unwissenheit in der Geschichte, Bequemlichkeit im Nachbeten, Unvermögen im Selbstdenken und Aberglauben in williger Annehmung der abgeschmacktesten Behauptungen nur noch von ihrer hartherzigen Verdammungslust übertroffen wird. Diese sich selbst so nennende wahre reine Christen machen sich dann solcher Blasphemien schuldig, die den Grund aller Religion, aller Moralität und Tugend, alles Menschenverstandes und gesunder Vernunft untergraben! Dahin, dahin führt endlich der Weg dieser betrügerischen Heuchler, denen kein Deckmantel, auch der der christlichen Religion nicht, zu heilig ist!
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Der bekannte Berliner Schriftsteller und Verleger Friedrich Nicolai (1732-1811) schreibt ähnlich[504]:
„Saint-Germain ward für einen Gott ausgegeben und erregte die Aufmerksamkeit vieler Fürsten und anderer gar nicht geistloser Köpfe.“