22. Kapitel.

Vor der schmalen Eingangstür des Pulverturmes, mit dem Rücken gegen das Mauerwerk, standen in dunkler Nacht zwei Schildwachen in eifrigem Gespräch. Der eine der Männer mochte fünfundvierzig Jahre zählen und war hochgewachsen und breitschulterig. Sein verwettertes Gesicht mit den klugen und ausdrucksvollen Zügen erhielt durch den den Mund vollständig bedeckenden, buschigen Schnauzbart, dessen lange Spitzen wie die Kiele starker Rabenfedern von der Oberlippe abstanden, einen Stich ins Martialische. Wie selten auf einem Antlitz, war auf diesem die stärkste Charaktereigenschaft seines Trägers scharf ausgeprägt, denn die blitzenden Augen und die scharfgekrümmte, starke Adlernase verrieten eine außergewöhnliche Kühnheit. Er trug die Uniform der Alten Garde, und seine Brust war mit zahlreichen Kriegsmedaillen und Kreuzen geschmückt.

Der andere der beiden Männer war ein blutjunges, schmächtiges Bürschlein mit bleichem und schmalem Gesicht.

»Ich sage Dir,« sprach mit tiefer Stimme der alte Gardist, »Du hast ein Leben begonnen, das reich an Ehren ist. Der Ruhm, der sich an den Flug der Kaiserlichen Adler heftet, berauscht alle bis auf den letzten Soldaten seiner Armee und bewirkt, daß sich Alter und Jugend, Vornehm und Niedrig willig ihm beugen. Das Schicksal hat uns wunderbar zusammengeführt: ihn, den Kriegsgott und uns, die Söhne der großen Nation! Ein bedeutsamer Sieg steht uns bevor; die Kanonen, die Du heute hörtest, verkündeten aufs neue seine Unsterblichkeit. Leipzig müssen wir gewinnen, mein Sohn, und wenn den altersschwachen Gott der Christen des Kaisers Arme selbst herunterreißen müßten!«

»Sagt mir doch,« klang zögernd die mädchenhafte Stimme des jungen Soldaten, »warum seid denn Ihr nicht bei Euerm Regiment?«

»Ach,« versetzte der Gardist mißmutig und verzog das Gesicht, als wenn er Essig im Munde habe, so daß der gewaltige Schnurrbart in heftige Bewegung geriet »Bei Lützen sprang mir ein Granatsplitter ins Bein, daß ich kampfunfähig wurde und mehrere Monate im Spital zubringen mußte. Vor wenigen Tagen erst gab man mich frei, und ich schloß mich diesem Munitionstransport an, denn ich brannte vor Begierde, wieder zu meinem Regimente zu stoßen. Von den elf Blessuren, die ich bisher erlitt, ist es die letzte gewesen, während deren Heilung ich vor Ungeduld bald gestorben bin.«

»Man sagt,« begann der Jüngling von neuem, »daß der Kaiser sich seine Generale selbst heranbilde, und daß der Lehrer keinem seiner Schüler einen starken Einfluß auf die Heranführung der Armeen zum Kampfe einräume.«

»Das ist wahr,« antwortete der Gardist und zwirbelte seinen Schnurrbart. »Die Pläne zu allen großen Schlachten sind in dem Hirn unseres genialen Meisters erdacht worden. Deshalb gebührt auch ihm der größte Teil von dem Ruhme seiner Siege. Seine Marschälle sind nichts anderes als Ausübende seiner Befehle. Vielfach früher gemeine Soldaten, sind sie aus der hohen Schule des großen Kaisers hervorgegangen. Der wahre Meister lehret die Gehilfen selbst. Und wen einmal der Korse für vollgewichtig fand, der zählt in Zukunft zu des Imperators Paladinen!«

»Ihr habt den Kaiser recht sehr in Euer Herz geschlossen, merke ich,« sprach der Jüngling. »Ihr müßt doch eine gewaltig hohe Meinung von ihm haben.«

Der alte Soldat wandte sich um, daß er dem andern den Anblick seiner breiten Brust bot und ließ seine blitzenden Augen spöttisch auf dem Milchgesicht ruhen.

»Junger Kamerad,« versetzte er endlich, »Du kommst mir vor, wie ein frisch dem Mutterleibe entstiegenes Böcklein, das in den wärmenden Sonnenstrahlen seine possierlichen Sprünge macht. Deine Worte klingen wie das Lallen eines Kindes. Noch ganz andere Männer als ich huldigen unserm großen Kaiser, dem die Meinung der Menschen nichts an seinem Ruhme schmälern oder hinzufügen kann. Seine welterschütternden Taten fordern bei Freund und Feind hohe Ehrfurcht heraus. Sie sind in dem Buche der Geschichte auf ewig unvergänglich eingegraben, und noch in den spätesten Tagen wird man mit Bewunderung seinen Namen nennen. Er ist der Erste, aller Zeiten Ersten, vor seinem Stirnerunzeln zittert eine Welt, und wie das Schicksal von Europas Völkern in seiner Faust er hält, brächt’ er im Rasen selbst den morschen Erdenball zum bersten.«

»Vergebt,« begann nach einer geraumen Weile Stillschweigens der junge Soldat schüchtern, »wenn ich Euern Unmut herausforderte. Ich bin ja, wie Ihr wißt, keiner Eurer Landsleute, zudem bin ich jung und unerfahren, und in unser stilles Schwarzwaldtal ist zum Glück nur wenig von dem Kriegslärmen gedrungen. Ich kann Eure blinde Anbetung des Kaisers nicht recht verstehen, aber Eure Rede flößt mir Achtung vor ihm ein. Und wenn ihr sagt, »der Kaiser!«, so sprecht Ihr diese Worte in einem Tone, den ich bisher noch nicht vernommen habe, und jedesmal ist es mir dabei den Rücken hinabgerieselt. Zugegeben, Napoleon ist ein großer Kriegsmann, der bei jedem Menschen ein starkes Gefühl herausfordert, sei dies nun Liebe, Bewunderung oder Haß. Sagt mir aber doch, bitt’ ich Euch, welche Bewandnis es damit hat, wenn Ihr sagt »der Kaiser!«.«

Das Gewehr an die Schulter gelehnt, griff der alte Gardist mit beiden Händen langsam an den Schnurrbart und richtete, ihn wiederholt blitzschnell durch die Finger drehend, eine wahre Revolution in den beiden Haarbüscheln an. Aber nur eine Sekunde dauerte diese Verwirrung, dann glätteten, drehten und strichen die zerstörenden Finger das stolze Symbol seiner Männlichkeit in eine noch ansehnlichere Form als der Bart vorher besessen hatte, und ein paar letzte Striche verliehen den Büscheln einen kühnen Schwung, und die dicken Enden ragten aufs neue spitzig in die Luft. Mit dem Gesichtsausdruck des Geschmeichelten blickte der Franzose einen Augenblick sinnend ins Leere. Dann warf er seine nachlässige Haltung ab, richtete sich auf und begann die folgende kleine Erzählung:

»Es war bei Austerlitz. Die Schlacht war im vollen Gange, und die Russen und Österreicher boten alle Kraft auf, dem gewaltigen Stoße unserer Sturmkolonnen standzuhalten. Die Alte Garde stand mit Gewehr bei Fuß rückwärts auf einer Anhöhe, jedes Winks gewärtig, um etwa einem bedrohten Flügel zu Hilfe zu kommen. Wir Auserlesenen der großen Armee kennen schon dieses Verweilen in der Reserve, denn wir sind gewöhnt, in den Augenblicken, wo die Schlachten ihren Höhepunkt erreichen, einzugreifen und aufs neue mit dem Lorbeer des Sieges unsere Adler zu schmücken. Von unserm Platze aus konnten wir das ganze Schlachtengefilde überblicken.

Die ungeheure Fläche war ein einziges Schneefeld, auf das die Wintersonne herniederglänzte. Millionen von Eiskrystallen glitzerten in den goldenen Sonnenstrahlen, und der Donner der ersten Kanonenschüsse der Russen zerriß die Luft und rollte majestätisch zu uns herüber, die erhabene Ruhe der Natur jäh erschreckend.

In kurzer Zeit aber wurde das Bild lebendiger.

In weitem Halbkreise bot sich dem Auge der Anblick der Dörfer dar, aus deren Häusern hier und da schon die Flammen schlugen. Verhaue waren zu sehen, Hecken, hinter denen es wie in einem Ameisenhaufen kribbelte, langgedehnte Feuerlinien, von Rauch fast verhüllt, anstürmende Regimenter und sich zur Schlacht entwickelnde Divisionen.

Eins bemerkten wir schlachtenkundigen Veteranen des Krieges sehr bald: das Ringen war zum Stillstand gekommen. Zudem war es bekannt, daß wir uns in der Minderzahl befanden. Also konnte es wohl einem Neuling etwas bänglich zu Mute werden, zumal sich unser Aufenthalt auf der sanft in das Tal hinabführenden Lehne immer ungünstiger gestaltete. Denn nicht nur eine ganze Anzahl verirrter Flintenkugeln schlug mitten in unsere Reihen ein, sondern es schwirrten auch Granaten dicht über unsere Köpfe hinweg, mit denen sich die russische Artillerie auf uns einzuschießen begann. Wir aber standen schweigend und ohne mit den Wimpern zu zucken und betrachteten scheinbar gleichgültig das weite Schlachtfeld. Aber in der Brust eines Jeden von uns stieg eine quälende Unruhe herauf und das wilde Verlangen, anstatt in dieser Totenstarre, zu der wir verurteilt waren, auszuharren, vorwärts zu stürmen.

Dicht vor unserem Bataillon hielt zu Pferd der Marschall mit seinen Adjutanten. Wie aus Stein gemeißelt saß er auf dem Pferde und blickte unausgesetzt nach einem großen Reiterhaufen in geraumer Entfernung vor uns, von dem unaufhörlich einzelne Reiter ab und zu ritten. Auch unsere Blicke wurden auf diese Stelle hingezogen, von der eine magnetische Kraft auszugehen schien. Und je länger wir untätig standen, je lauter der Schlachtenlärm heraufdrang, und je gefahrvoller unsere Stellung wurde, um so sehnsüchtiger hingen unsere Augen an diesen Reitern. Die Unruhe in unserer Brust war auf das höchste gestiegen.

Da löste sich mit einem Male wieder ein Reiter von dem großen Haufen und stürmte in verwegenem Galopp über die Hecken und Gräben hinweg auf unsere Stellung zu. Ein Aufatmen ging durch die Reihen! Wie eine Windsbraut fegte der Reiter die Anhöhe herauf. Es war, wie man beim Näherkommen erkennen konnte, ein Major vom Großen Hauptquartier, ein noch junger Mann mit vornehmen Gesichtszügen und hohen Auszeichnungen auf der Brust. Dicht vor dem Marschall riß er mitten in der Karriere so gewaltig in die Zügel, daß das feurige Roß fast auf die Hinterhufe niederbrach. Dann legte er mit edelm Anstand die Hand an die Mütze und sprach langsam und mit laut vernehmbarer Stimme:

»Befehl des Kaisers! Die Kaiserliche Garde soll das Dorf im Zentrum der Schlachtlinie nehmen und um jeden Preis halten!«

Bei diesen Worten streckte der Offizier den Arm aus und bezeichnete ein fast gänzlich zusammengeschossenes, langgestrecktes Dorf, aus dessen Häusern dichte Rauchwolken drangen und von dem soeben stark gelichtete französische Kolonnen zurückfluteten, die vom Dorfe aus mit heftigem Gewehrfeuer verfolgt wurden.

Hierauf salutierte der kaiserliche Adjutant von neuem, riß das Pferd herum und stürmte, wie er gekommen, wieder die Anhöhe hinab. Kaum war er aber hundert Schritte weit geritten, da bäumte plötzlich der prächtige Rappe hochauf und begrub, sich überschlagend, den Reiter unter seinem Leibe. Infolge der Heftigkeit des Sturzes rollte das Pferd über den Offizier hinweg, stieß, auf dem Rücken liegend, die im Krampf gekrümmten Beine ein paarmal heftig in die Luft und fiel dann langsam auf die Seite neben seinen Reiter, der unbeweglich auf dem gefrorenen Schnee lag.

Da wandte der Marschall sein Pferd herum, und durch unsere Reihen scholl ein unterdrücktes Jauchzen. Sein Gesicht war dunkelrot, und seine Augen glühten vor innerm Feuer. Die Kommandeure sprengten auf ihn zu, ritten wieder zurück, und wenige Minuten später erschollen die Kommandos, und die Bataillone setzten sich stumm in Marsch. Alles dies geschah ruhig und ohne Aufregung, wie daheim auf den Übungsplätzen.

Mit beflügelten Schritten eilten wir abwärts, an dem auf dem Rücken lang ausgestreckten Adjutanten vorbei, dessen gebrochener Blick nach oben gerichtet war, und erreichten bald die Stelle, wo der bewegliche Reiterschwarm hielt. Hier waren Offiziere jeden Ranges und aller Waffen. An der Spitze des Haufens sah man die Uniform des Kaiserlichen Stabes und etwa fünfzig Schritte vor ihnen befanden sich zu Fuß drei oder vier einzelne Offiziere, unter ihnen der Kaiser.

Der Gewaltige hielt ein großes Fernrohr vor die Augen und blickte aufmerksam auf das Schlachtfeld. Nach einer kurzen Weile nahm er das Glas herunter und beugte sich über einige Karten, die auf einem am Boden liegenden Baumstamm ausgebreitet waren. In diesem Augenblick ritt ein Regiment Grenadiere zu Pferde in leichtem Trabe vorüber. Ein hundertstimmiges Vivat brauste durch die Luft; der Kaiser rührte sich nicht. Da erhoben sich die Stimmen noch lauter, und die Soldaten riefen: Nun werden wir den Petersburger Damen wieder eine Gelegenheit zum weinen geben. Der Kaiser blieb unbeweglich. Er richtete sich nicht für einen Augenblick auf, sondern blieb über die Karten gebeugt, und es schien, als wenn er den tosenden Beifall, der den betäubenden Lärm der Schlacht fast übertönte, garnicht vernehme.

In gleichmäßigem Takte, die Zunge im Bann, schritten wir vorüber. Denn die Kaiserliche Garde pflegt ihre Pflicht stumm zu tun!

Schnell nährten wir uns dem brennenden Dorfe. Ohne einen Schuß abzugeben, marschierten wir vorwärts, in den infernalischen Hagel von Blei hinein. Das Etagenfeuer, womit wir empfangen wurden, wütete fürchterlich in unsern Reihen und riß gewaltige Lücken in die dichten Sturmkolonnen. Aber unsern Mut konnten die Verluste nicht erschüttern. Die Reihen schlossen sich fester zusammen, und die Plätze der Gefallenen wurden im Augenblick ausgefüllt. Plötzlich schien es, als wenn die Verteidiger Verstärkung erhielten, denn das Feuer nahm an Heftigkeit zu. Man konnte nicht mehr das Knattern der einzelnen Schüsse unterscheiden. Grollendem Donner gleich hallte es herüber, und das Pfeifen und Zischen der Kugeln wuchs zur sinneraubenden Musik an: wir bissen die Zähne zusammen und marschierten weiter. Da schlugen plötzlich von halblinks her Kartätschen in uns ein und rissen ganze Reihen nieder: – wir senkten den Blick zu Boden und marschierten weiter. Eins nur war jetzt die Losung: Vorwärts! Jedes Halten oder gar Zurückweichen war gleichbedeutend mit Vernichtung.

An den weißen Uniformen hinter den Mauern erkannten wir, daß es Österreicher waren. Nun, wir nahmen uns vor, mit ihnen fürchterlich abzurechnen!

Noch immer bewegten wir uns beim Schlage der Trommeln im Schritt vorwärts, die Adler voran, wie eine granitne Mauer, ein Wald von Bajonetten. Da ertönten plötzlich die Hornsignale. Wir durcheilten die kurze Entfernung bis zum Dorfe laufend und warfen uns auf die feindlichen Schützen, die im letzten Augenblick das Schießen eingestellt hatten und uns mit erhobenen Gewehren erwarteten. Mit lautem Schlachtruf stießen wir aufeinander; hüben wie drüben herrschte fürchterliche Erbitterung.

Die braven Weißjacken mußten natürlich schon in der Entfernung die Uniform der Alten Garde erkannt haben und hatten sich daraufhin auf einen verzweifelten Kampf gefaßt gemacht. So standen sie denn auch wie eine Felswand und wehrten sich wie Rasende. Aber diesem Ansturm war ihre Kraft nicht gewachsen!«

Der alte Gardist räusperte sich und hielt einen Augenblick inne. Dann fuhr er mit großem Nachdruck fort:

»Junger Kamerad! Ich habe in achtundzwanzig Schlachten gestanden und weiß, mit welcher Erbitterung zuweilen gestritten wird. Noch niemals, außer vielleicht bei Eylau gegen die Preußen, habe ich es aber wieder erlebt, daß mit solcher Wut gefochten wurde, wie wir und die österreichischen Regimenter bei Austerlitz kämpften. Kolben und Bajonett wüteten furchtbar in ihren Reihen, und die weißen Koller färbten sich in kurzer Zeit blutigrot. Sie schienen in den Erdboden gewurzelt, und es genügte nicht, ihnen den Tod zu geben; jeder Erschlagene mußte noch umgeworfen werden, und der Gesichtsausdruck der Toten war ein grimmes Bedauern, daß sie nicht wieder aufstehen und weiterkämpfen konnten.

Unterdessen hatte die Schlacht weitergetobt und auf der ganzen Linie hatten unsere Regimenter den Angriff erfolgreich vorwärts getragen. Das alle Kriegskundigen überstrahlende Genie des Kaisers feierte an diesem Tage einen seiner glänzendsten Triumphe! Er wußte, daß er sich auf sich selbst und auf seine Truppen verlassen konnte. Deshalb hatte er den rechten Flügel der Aufstellung nur schwach besetzt. Die Verbündeten trauten einem Napoleon wirklich den Fehler zu, daß er seine Rückzugslinie nicht genügend decken würde. So liefen die Russen wie Mäuse in die Falle und schickten große Massen auf diesen sumpfigen Teil des Schlachtfeldes, bis ihre Regimenter zwischen zwei große Seen und dem wasserreichen Goldbach eingekeilt waren.

In diesem Augenblick wurden sie von den Truppen des Herzogs von Auerstädt angegriffen. Kaum hatte der Kaiser die durch den Marschall Davout gefährdete Lage der Russen und Österreicher erkannt, als er die ganze Garde und die Regimenter des Marschalls Soult von der Hochfläche herab in den Rücken des Feindes warf. Von der furchtbaren Blutarbeit, die zu dieser Minute begann, habe ich Dir, junger Kamerad, soeben erzählt. Die feindlichen Truppen entzogen sich zuletzt dem Gemetzel und ergriffen die Flucht. Ein Teil von ihnen geriet in die Sümpfe, der andere gedachte auf der Fläche zwischen den beiden Seen zu entkommen. Hier brachen aber unsere Reiterregimenter in ihre Flanke und hieben schonungslos auf die Fliehenden ein.

Wir hatten unterdessen unsere Arbeit getan. Ausruhend standen wir nun auf einem Hügel seitwärts des in rauchenden Trümmern liegenden Dorfes und wischten mit den Fingern das tropfende Blut von den Bajonetten. Da sahen wir, wie einige Tausend Russen über den großen, zugefrorenen See flüchteten. Gerade als sie die Mitte erreicht hatten, ließ der Kaiser durch die Gardeartillerie das Eis einschießen. Unter gewaltigem Krachen barst die Eisdecke des Sees, und mit gellenden Hilferufen versanken Tausende von Flüchtigen mit Pferden, Wagen und Geschützen langsam in der eisigen Flut.

Die darauffolgende Nacht wurde bei grimmiger Kälte im Freien zugebracht.

Am andern Tage stand die Alte Garde schon frühzeitig auf den Biwakplätzen bereit, den Kaiser zu erwarten, – die Adler vor den Bataillonen. Eine Stunde verstrich in fieberhafter Ungeduld, denn wir ahnten, daß sich heute für uns Bedeutendes ereignen würde. Keine Blutarbeit wie gestern, aber doch würde es ein großer Tag sein. Endlich sahen wir von der Ferne her den bekannten großen Reiterschwarm langsam auf uns zu reiten. Der Marschall gab das Zeichen zum Präsentieren, und einige Sekunden später nährte sich der Kaiser, von nur wenigen Generalen begleitet, im Galopp unserm Bataillon, während der große Haufen in respektvoller Entfernung zurückblieb.

Als der Kaiser vor unserer Mitte angekommen war, hielt er das Pferd an und ließ die Augen eine Weile stumm auf uns ruhen. In diesem Schweigen standen die alten, schlachtenerprobten Soldaten vor ihrem Kaiser. Kein Laut wurde vernommen, aber Tausende von Herzen schlugen hörbar in der Brust, und Männer, von denen die meisten in ebensoviel mörderischen Schlachten, wie Du Milchbart Jahre zählst, dem Tod gleichgültig ins Gesicht gesehen hatten, zitterten in diesem Augenblicke wie Knaben.

Da erhob sich der Kaiser, der uns zu dieser Stunde wie ein Gott erschien, in den Bügeln und begann mit weithin schallender Stimme zu sprechen. Er nannte uns die Männer der Pyramiden, Granitkolonnen von Marengo, er erinnerte sich unserer Tapferkeit bei Hohenlinden und sprach sein blindes Vertrauen zu seiner Alten Garde aus, bis er seine zündende Ansprache mit den Worten schloß: Grenadiere der Alten Garde, ich bin zufrieden mit Euch!

Darauf ritt er zu dem nächsten Adler, schlang den Arm um den Schaft und küßte den alten Sergeanten, der das Siegeszeichen trug, auf die Wange.

Bei diesem Beginnen vergaßen die Truppen die eiserne Disziplin; die Größe des Augenblicks riß alle hin. Tränen entstürzten den Augen der Männer, und der vieltausendstimmige Ruf zerriß das große Schweigen: Es lebe der Kaiser.

Mit diesem Jubel können die Huldigungen, die treue Untertanen ihrem Fürsten, Soldaten anderer Nationen ihrem Führer darbringen, nicht verglichen werden; er entlud sich mit elementarer Kraft und einem Donnerton, gleich dem furchtbaren Ausbruch eines Vulkans. Jeder der Soldaten wußte, daß er diesem Manne ganz gehörte und daß er sich willig für ihn in Stücke hauen lassen würde. Denn dieser geheimnisvolle Seelenzwinger galt uns alles: Heimat, Familie, – Gott!

Einen Augenblick noch sah der Kaiser mit Wohlgefallen auf die immer wieder in laute Rufe ausbrechenden Bataillone. Dann wandte er langsam das Pferd und sprengte, von dem Donnerrollen der nicht endenwollenden Huldigungen begleitet, hinüber zu den Vierecken der jungen Garde.

Siehst Du, mein junger Freund,« schloß der alte Gardist mit gehobener Stimme, »das ist der Kaiser!«

Eine lange Weile verstrich, der Jüngling stand noch immer sprachlos. Das eben Gehörte hatte ihn so mächtig ergriffen, daß er die Herrschaft über seine Gefühle noch nicht wiedererlangt hatte. Endlich riß er sich von den vor seine Seele gezauberten Bildern mit einem gewaltigen Ruck los und rief erregt aus, während sein schlanker Körper bebte:

»Pfui, wie ich ihn hasse, Euern Kaiser!«

Mit einem lauten Zeichen des Unwillens und großen Erstaunens sah der Gardist offenen Mundes auf den Kameraden. Dann schüttelte er den Kopf und sprach mißbilligend:

»Mäßige Dich, Knabe, Du sprichst im Fieber!«

»Nein,« rief der Jüngling leidenschaftlich, »nein und abermals nein, ich rede nicht im Fieber, denn meine Gedanken sind klar wie die Eurigen. Aber ich wiederhole es, ich hasse Napoleon!«

»Du bist noch ein halbes Kind,« versetzte der Gardist, »und hast das Schürzenband Deiner Mutter zu zeitig losgelassen. Ein anstürmendes Bataillon ist etwas Anderes als ein Schwarm augenklappernder Betschwestern, und der Krieg ist kein lustiger Zeitvertreib für großgewachsene Knaben, sondern ein ernstes Geschäft für Männer. Dem Feldherrn gebührt Ehre und Bewunderung! Schiltst Du Gott, daß er täglich Zwietracht unter die Menschen sät und sie erbittert gegen einander wüten läßt? Das, was einem Geisel dünkt, empfindet der Andere als Wohltat. Der Kaiser kämpft für die Herrlichkeit, für die Größe und für den Ruhm Frankreichs!«

»Ihr seid verblendet,« antwortete der Jüngling ruhiger aber mit edelm Feuer. »Was Ihr bei ihm für hohe Ziele haltet, ist nichts weiter als Blutdurst und maßloser Ehrgeiz. O, welch furchtbares Verbrechen ist doch der Krieg! Die härteste Geisel, die über der Menschheit geschwungen werden kann, viel entsetzlicher als verheerende Hungersnot und Pest. Alles was göttlich ist im Menschen wird erstickt, und die bösen Leidenschaften kommen allein zur Entfaltung. Das Land ist verwüstet, zertreten die Frucht der Felder, niedergebrannt die Wohnungen der Bürger und Landbewohner, und in die Brust der Menschen ist herzzerreißender Jammer eingezogen. Die obersten Gesetze der Gottheit werden mit Füßen getreten, und mit ihrer gütigen Langmut treibt man frevelndes Spiel. Und wie segensreich, wie herrlich ist doch der Frieden! Heiter schreitet der Bauer, der Städter zum gedeihlichen Tagewerk. In bunter Pracht liegen die Fluren, die Schätze des Ackerbodens, und die Früchte des Baumes reifen im goldenen Sonnenstrahl. Stillfrohlockend betrachtet der Landmann die sich herabneigenden, körnerreichen Ähren, die wohlgenährten, glänzenden Tiere. Unter fröhlichem Scherzen und Singen rollen die hochaufgetürmten, schwankenden Wagen langsam auf den heimischen Hof, und die Scheunen und Keller vermögen den Segen kaum zu bergen.

Und wenn dann nach getanem Tagewerk im Glanze der rötlich untergehenden Sonne der Gatte, der Vater um sich schaut, und die Blicke auf seinem fröhlichen, liebevollem Weib inmitten ihrer blühenden Kinder ruhen, da sieht er in ihren Augen ein wundersames Leuchten. Und während die Mutter in überquellender Liebe und Glückseligkeit die Kleinen an den Busen drückt, hebt in seinem Innern ein geheimnisvolles Jauchzen und Klingen an: – der Gotteslohn für ein Leben weiser Mäßigung und unverdrossener Arbeit im Schutze des Friedens!«

Der alte Gardist hatte den warmen Worten des Jünglings mit Andacht gelauscht. Als dieser geendet, sah er zu Boden und sprach mit einem Anflug von Weichheit:

»Du hast die empfindsamste Saite in meinem Herzen berührt, Knabe. Denn wisse, auch ich habe ein liebes Weib und zwei herzige Kinder zu Hause. Sie sind mein Stolz und meine Freude und sollen mir einstmals Licht und Trost sein, wenn der Schnee des Alters meine Schläfen bedeckt und ich ihnen von dem großen Kaiser und unsern Ruhmestaten getreulich berichten werde. Das Bild des Friedens aber, das Du mir in gleißenden Farbentönen gemalt hast, ist so berückend schön, daß ich die Augen schließen muß, um es nicht mehr zu sehen, – – es möchte mir die Freude am Kriege vergällen! Das eine aber sage mir, Du wunderlicher Tropf: wie kommst Du in die Gemeinschaft des rauhen Kriegsmannes, wenn der Krieg Dir ein Greuel ist?«

Der Jüngling sah bei dieser Frage hinauf zum Nachthimmel, wo kleine dunkle Wolkenfetzen noch immer über den Mond hinwegjagten, und er seufzte tief auf.

Mit einem Klange voll Schmerz vermischt mit Wehmut sprach er:

»Ja, darüber bin ich Euch nach meinen voraufgegangenen Worten Rechenschaft schuldig, und Ihr sollt sie mit wenigen Sätzen haben.

Meine Heimat ist Baden. In einem tief eingeschnittenen Tale, dessen Hänge mit düsteren Tannen bewachsen sind, von der Kinzig durchbraust, weilt mein Liebstes auf Erden. Die Eltern sind mir frühzeitig gestorben. Dafür hat mir des Allmächtigen Güte ein anderes treues Herz geschenkt: ein seelenvolles Mädchen, das ich meine Braut nenne. Sie bewohnt zusammen mit ihrer Mutter ein kleines Häuschen, und die beiden Frauen ernähren sich rechtschaffen mit dem Flechten von Stroh. Erst im vorigen Jahre starb der Vater; er war Holzfäller und wurde von einem stürzenden Baume erschlagen. Unsern Herzen viel zu früh ist er dahingegangen, leider aber auch zu früh für die äußern Lebensbedingungen der Frauen, denn auf dem Häuschen lag noch eine Schuld von achtzig Talern, auf deren Rückzahlung der herzlose Gläubiger mit drohenden Worten drängte. Anstelle des friedlichen Gleichmaßes der Tage von früher, herrschte schwere Sorge in dem kleinen Hause, denn man sah voraus, daß der Unhold die Frauen aus ihrem lieben Besitz treiben würde. Die Mutter hätte das nicht überlebt! Ich selbst war arm und verdiente mit meiner Hände Arbeit nur das Notdürftigste. Helle Verzweiflung hatte sich meiner bemächtigt; da sandte Gott Hilfe.

Der Lärm der Kriegstrommel hallte bis in unser stilles Tal. Dreihundert Franken zahlt der Franzosenkaiser jedem Freiwilligen, war in dem Aufruf zu lesen, der an der Tür des Gemeindehauses angeschlagen war. Im Nu war mein Plan gefaßt. So hoch war gerade die Summe, die der böse Gläubiger erhalten mußte. Die beiden Frauen weinten heftig und beschworen mich, von diesem Gedanken abzustehen, aber ich blieb fest. Ich ließ mich anwerben, und das Häuschen gehörte ihnen. Heimlich bei Nacht und Nebel verließ ich das Dorf, um ihnen den Abschied nicht allzuschwer zu machen. Vor wenigen Tagen erhielt ich die ersten Zeilen der Geliebten woraus ihr gutes und treues Herz zu mir spricht.

Seht, so bin ich hierher gekommen. Ich verabscheue den Krieg, aber ich durfte ihn nicht meiden. Gott wollte es so!«

Während der letzten Worte des Jünglings hatte sich auf dem schmalen Wege, der zum Turm führte, den Schildwachen ein Mann genähert, der ganz plötzlich aus dem Dunkel der Nacht aufgetaucht war. Jetzt stand er vor ihnen.

»Die Wagen sollen beladen werden. Wenn die Wolken den Mond etwas frei lassen, fahren wir ab.«

»Wer seid Ihr,« fragte der Gardist, den Mann mit argwöhnischen Augen betrachtend.

»Kennt Ihr mich denn nicht?« antwortete dieser, »ich bin ja einer der Fuhrleute. Dort der Kräutlein ist mein Vater.«

»Der Kräutlein?« versetzte der Gardist erstaunt. »Ich kenne doch den Kräutlein schon länger als zehn Jahre, aber nie habe ich gehört, daß er einen Sohn besitze.«

»Laurentius Kräutlein aus Niederstopfenheim im Bayrischen ist wahrhaftig mein Vater,« wiederholte der Sprecher. Und wie er sah, daß der Gardist ihn noch immer ungläubig betrachtete, fügte er mit angstgepreßter Stimme hinzu: »Das schwöre ich Euch, so wahr ich selig werden will und bei dem Andenken an meine – unglückliche Mutter!«

»Es ist gut,« sagte der Gardist, »tut was Euers Amtes ist.« Bei diesen Worten streifte er den Lederriemen ab, an dem der Schlüssel um seinen Hals hing und übergab ihn dem Fremden. Dieser ergriff hastig den schweren Schlüssel, drehte ihn im Schloß um, öffnete die Tür ein Stück und tat einen Schritt vorwärts.

In diesem Augenblick senkte der Gardist das Bajonett und forderte die Parole.

Keiner der beiden Soldaten ahnte, was für einen unbeschreiblichen Sturm diese Aufforderung in der Seele des Burschen blitzschnell entfesselt hatte. Er verstand nicht, was die Schildwache von ihm verlangte, seine Klugheit gebot ihm aber, nicht darnach zu fragen, denn mit solchem Wort mußte er sich sofort verraten. Als Spion würde man ihn packen und am nächsten Morgen vor der erstbesten Gartenmauer niederknallen, – das wußte er. Aber, wennschon, das war ja nicht das Schlimmste. Doch sein Plan, sein wunderschöner Plan, den er bisher so vortrefflich hatte ausführen können; sollte er in der letzten Sekunde, einen Schritt vom Ziel entfernt, noch scheitern? Das Blut staute in seinem Hirn, und sein Schädel drohte zu zerspringen.

Da huschte eine Erinnerung an seiner Seele vorüber: als vorhin in der Dunkelheit Schritte ertönten, hatte da die Schildwache an der Straße nicht dasselbe gefragt? Parole? Ja, beim Himmel, so hatte es geklungen! Und was hatte der Unbekannte darauf geantwortet? Ein neuer, siedendheißer Strom schoß ihm zu Kopfe, und vor seinen Augen begann es zu flimmern.

Dieser ganze Vorgang hatte sich in dem Hirn des Burschen so blitzschnell abgespielt, daß die Schildwachen noch keine Veranlassung hatten, Verdacht zu schöpfen. Jetzt stieß der Zögernde die schwere Bohlentür heftig auf, sagte mit heiserer Stimme »Jena!« und stolperte, als das Gewehr des Gardisten den Eingang freigab, in die schwarze, gähnende Finsternis hinein.

Der junge Soldat war durch das Erscheinen des Fremden aus seinen lieben Erinnerungen herausgerissen worden. Jetzt versenkte er sich von neuem darein.

»Gebe Gott,« seufzte er, »daß der Krieg recht bald endige, mein Lieb daheim bekommt vor Angst und Gram blasse Wangen.«

»Mein junger Freund,« versetzte der Gardist mahnend, »wie aber dann, wenn Ihr nicht wieder heimkommt? Im Kriege ist einem ein plötzlicher Tod ja weit näher als in Friedenszeiten.«

Der Jüngling fuhr verstört auf und blickte den alten Soldaten mit angstvollen Augen an:

»Geht,« stieß er hervor, »seid nicht so grausam. Ihr habt mir da einen schönen Schreck eingejagt. Nein, wie könnte ich denn sterben? Ich will ja noch Hochzeit feiern und glücklich sein. Ihr dürft nicht so garstig sprechen!«

»Nun, nun,« beschwichtigte jener gutmütig, dem die Unruhe des Jünglings nicht entgangen war, »freilich sollt ihr noch lange leben. Ich will es doch auch, denn ich muß ja noch meinen Enkeln von den Taten des großen Kaisers künden.«

Über den Köpfen der beiden Schildwachen hatte in diesem Augenblick ein gespenstisches Rauschen und Flattern begonnen. Allerlei Nachtgevögel war durch eine unbekannte Ursache aufgeschreckt worden. Die Tiere hatten ihre Löcher im Mauerwerk verlassen und flogen mit hastigen Flügelschlägen am Turm auf und nieder. Nur ein Käuzchen saß noch in seinem Spalt und rief durchdringend zweimal rasch nacheinander: Kommit, Kommit!

Der alte Gardist hob den Kopf, um nach dem Mahner zu sehen und sagte mit belegter Stimme:

»Das ist der Totenvogel!«

Da konnte der Jüngling aber seine Erregung nicht mehr meistern. Er griff hastig in die Tasche seines Uniformrocks und brachte ein zerknittertes Blatt Papier hervor. Mühsam las er dann im Mondenlicht mit lauter Stimme:

»– – – ich flehe allabendlich die heilige Jungfrau für Dich an. Mein Gebet dringt bis zu den Stufen des Allerhöchsten. Er wird Dich beschützen. Glaube mir das, Geliebter meines Herzens – – –!«

»Hört Ihr,« jubelte der Jüngling, »ich werde wohlbehalten zu ihr zurückkehren – –«

In diesem Augenblick trat ein Ereignis ein, durch das die Menschen weit in der Runde erschreckt wurden: an der östlichen Seite des Schlosses sprühten Myriaden von Funken hochauf, und aus Nebel und undurchdringlichem Rauch stieg eine riesengroße Feuergarbe kerzengleich zum Himmel empor, begleitet von einem gräßlichen Donnerschlage. Der Boden erzitterte wie bei einem Erdbeben, und Steine und Erdschollen wurden mit solcher Kraft in die Höhe geworfen, als wenn der weite Himmelsbogen gesprengt werden solle. Unter gewaltigem Getöse fielen die aufgewirbelten Steinmassen wieder zu Boden. Dann war es totenstill wie zuvor. Nur ein Regen von Staub und Asche rieselte langsam auf die Erde herab, und die Luft erfüllte starker Schwefelgeruch.

Unten aber, am Fuße der Bodensenkung, wo die Schar der Fuhrleute schlief, wurde es lebendig. Laute Rufe erschollen. Sie rissen die brennenden Scheite aus dem Feuer, eilten die Anhöhe hinan und beleuchteten den Platz. Aber sie fanden sich nicht zurecht, es war alles ganz anders als vor ihrem Schlafe. Der dicke, steinerne Turm, der ihr Pulver barg, war verschwunden, der Fuhrmann, der hier oben die Wache gehalten hatte, das Feuer, die Wagen, die beiden Schildwachen, – – alles war verschwunden. Die hohen Bäume, die in der Nähe gestanden hatten, waren dicht über dem Erdboden abgeknickt und weit fortgeführt. Nur hier und da lag ein weißer Sandsteinquader aus dem Gefüge des Turmes. Sonst war nichts zu sehen.

Es war, als wenn ein Gigant aufgestanden wäre, der mit einem eisernen Besen alles hinweggefegt hätte.