Bis

Viel Nachlässigkeiten und Dummheiten werden in den Zeitangaben begangen. Ein Ausdruck wie: vom 16. bis 18. Oktober soll dabei noch nicht einmal angefochten werden, wiewohl, wer sorgfältig schreiben will, hinter bis die Präposition nie weglassen, sondern schreiben wird: bis zum 18. Oktober. Denn bis ist zwar selbst eine Präposition, es ist aber auch eine Konjunktion, es ist ein Mittelding zwischen beiden, und bei Ortsbestimmungen verlangt es noch ein an, auf, in, zu, nach, nur vor Städte- und Ländernamen kann es allein stehen, aber doch auch nur dann, wenn eine Strecke, eine Ausdehnung, aber nicht, wenn ein Ziel angegeben wird. Man kann also wohl sagen: bis morgen, bis Montag, bis Ostern, sogar: bis nächste Woche, auch bis Berlin, aber nicht: bis Haus, bis Tür. Nur wer in den Straßenbahnwagen gestiegen ist, antwortet maulfaul auf die Frage des Schaffners: wie weit? Bis Kirche. Eine ganz unzweifelhafte Nachlässigkeit aber ist es, zu schreiben: von Nikolaus I. bis Gregor VII. Denn wie soll man das lesen? Bis Gregor den Siebenten? bis den? Wenn das richtig wäre, dann könnte man auch sagen: wenn wir vom Großvater noch weiter zurückgehen bis den Urgroßvater. Ebenso nachlässig ist es, zu schreiben: Ausgewählte Texte des 4. bis 15. Jahrhunderts, deutsche Liederdichter des 12. bis 14. Jahrhunderts oder mit einem Strich, den man bis lesen soll: des 12.-14. Jahrhunderts,[121] Flugschriften des 16. bis 18. Jahrhunderts, Kulturbilder aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Da hört man erst den Singular des, dem, und dann kommen drei oder vier Jahrhunderte hinterher. Wie kann denn ein Jahrhundert das 4. bis 15. sein! Und doch muß man den Fehler täglich lesen, oft gleich auf Titelblättern neuer Bücher. Wer sorgfältig schreiben will, wird schreiben: Flugschriften des 16., des 17. und des 18. Jahrhunderts – oder wenigstens: des 16., 17. und 18. Jahrhunderts – oder: aus der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Das ist zwar etwas umständlich, aber es geht nicht anders. Wir schrecken ja sonst vor umständlicher Ausdrucksweise nicht zurück, können uns oft gar nicht breit und umständlich genug ausdrücken. Warum denn gerade da, wo sie einmal angebracht ist?