Nach dort

Statt hin und her schreiben unsre Kaufleute jetzt in ihren Geschäftsbriefen nach dort und nach hier: kommen Sie nicht in den nächsten Wochen einmal nach hier? Wenn nicht, so komme ich vielleicht einmal nach dort. Auch die Zeitungen berichten: Herr M. ist als Bauinspektor nach hier versetzt worden. Und wenn ein paar Handlungsreisende bei kühlem Wetter in einem Biergarten sitzen, fragen sie sich sogar: Wollen wir uns nicht lieber nach drin setzen? Diese neumodische schöne Ortsbestimmung ist freilich nicht ohne Beispiel: schon längst hat man zur Bezeichnung einer Richtung, statt die auf die Frage wohin? antwortenden Ortsadverbien zu gebrauchen, die Präposition nach mit Ortsadverbien verbunden, die auf die Frage wo? antworten, z. B. nach vorn, nach hinten, nach oben, nach unten, statt: vor, hinter, hinauf, herunter. Auch Schiller sagt im Taucher: Doch es war mir zum Heil, er riß mich nach oben. Und ebenso hat man auf die Frage woher? geantwortet: von vorn, von hinten, von oben, von unten, sogar von hier, von dort. Nur nach hier, nach dort und nach drin hatte noch niemand zu sagen gewagt. Aber warum eigentlich nicht? Offenbar aus reiner Feigheit. Wir können also dem kaufmännischen Geschäftsstil für seinen sprachschöpferischen Mut nur dankbar sein. Schade, daß Goethe das Lied der Mignon nicht mehr ändern kann; das müßte doch nun auch am Schlusse heißen: nach dort, nach dort möcht’ ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn![120]