Friedrich des Großen oder Friedrichs des Großen?
Daß von Friedrich der Genitiv Friedrichs heißt, das weiß man allenfalls noch. Aber sobald eine Apposition zu dem Namen tritt, wissen sich die meisten nicht mehr zu helfen. Man frage einmal nach dem Genitiv von Friedrich der Große; die Hälfte aller Gefragten wird ihn Friedrich des Großen bilden. Fortwährend begegnet man jetzt so abscheulichen Genitiven wie: Heinrich des Erlauchten, Albrecht des Beherzten, Georg des Bärtigen. Es gibt Leute, die alles Ernstes glauben, solche Verbindungen seien eine Art von Formeln oder Sigeln, die nur am Ende dekliniert zu werden brauchten! Auch wenn die Apposition eine Ordinalzahl ist – der häufigste Fall –, wird kaum noch anders geschrieben als: die Urkunden Otto III., die Gegenreformation Rudolf II., die Gemahlin Heinrich VIII., die Regierungszeit Ludwig XIV. Wenn man das aussprechen will, so kann man doch gar nicht anders sagen als: Otto der dritte, Rudolf der zweite, Heinrich der achte. Denn wie kann der Schreibende erwarten, daß man die Zahl im Genitiv lese, wenn der Name, zu dem sie gehört, im Nominativ steht?[8]