Fünf Pfennig oder fünf Pfennige?

Wenn fünf einzelne Pfennige auf dem Tische liegen, so sind das unzweifelhaft fünf Pfennige; wenn ich aber mit diesen fünf Pfennigen (oder auch mit einem Nickelfünfer) eine Zigarre bezahle, kostet die dann fünf Pfennige oder, wie auf dem Nickelfünfer steht, fünf Pfennig? Schwierige Frage!

Bei Angaben von Preis, Gewicht, Maß, Zeit, Lebensalter usw. ist oft eine Pluralform üblich, die sich vom Singular nicht unterscheidet, wenigstens bei Wörtern männlichen und sächlichen Geschlechts,[20] wie bei Taler, Gulden, Groschen, Heller, Pfennig, Batzen, Pfund, Lot, Fuß, Zoll, Schuh, Faden, Faß, Glas (zwei Glas Bier), Maß, Ries, Buch (drei Buch Papier), Blatt,[21] Jahr, Monat, Mann (sechs Mann Wache), Schritt, Schuß (tausend Schuß), Stock (drei Stock hoch). Diese Formen sind natürlich keine wirklichen Singulare, sondern zum Teil sind es alte Pluralformen (vgl. [S. 20] Fach und Fächer), zum Teil Formen, die solchen unwillkürlich nachgebildet worden sind. Von einer Regel also, daß in allen solchen Fällen der Singular stehen müsse, kann keine Rede sein. Es ist ganz richtig, zu sagen: das Kind ist drei Monate alt, drei Jahre alt, wie denn auch jeder drei Taler, drei Gulden, drei Groschen sicherlich als Plural fühlen, folglich auch sagen wird: ich habe das Bild mit zehn Talern bezahlt (nicht mit zehn Taler!). Und so haben wir auch in Mitteldeutschland früher immer Pfennige gesagt so gut wie Könige, Käfige und Zeisige. (In dem alten Liede von der Seestadt Leipzig heißt es sogar: Und ein einzig Lot Kaffee kostet sechzehn Pfennigee.) Bis 1880 war auch auf unsern Briefmarken so gedruckt. Wahrscheinlich war das aber nicht „schneidig“ genug, und so hieß es von da an 3 Pfennig, 5 Pfennig, worauf 1889 die Abkürzung Pf. erschien, die jeder lesen konnte, wie er wollte, bis schließlich gar nur noch die Ziffer übrig blieb!