Die Hebung der »Königsberger Hartungschen Zeitung«.

Die Schlacht bei Eylau hatte die Hoffnungen der Patrioten neu belebt, man erwartete nachdrückliche Hilfe von den Russen und wagte wieder der nächsten Zukunft mit klarer Überlegung ihrer Forderungen an die Staatsverwaltung entgegenzusehen. Hardenberg, der in Memel beim Könige weilte und am 26. April wieder als Minister die Staatsgeschäfte übernahm, hatte schon in einer Denkschrift vom 3. März »größere Rücksicht auf die öffentliche Meinung und Bearbeitung derselben durch zweckmäßige Publizistik« empfohlen. Er konnte dabei nur das Königsberger Blatt im Auge haben, und im Mai 1806 verhandelte er mit dem Oberpräsidenten, wie die Hartungsche Zeitung »durch interessantere und besser stilisierte Aufsätze« zu »heben« sei. In Auerswalds Antwort kommt der durch Fichtes Tätigkeit veranlaßte Zwist zwischen Zivil- und Militärgewalt zum deutlichsten Ausdruck. Die Zeitung, erklärte der Oberpräsident geradeheraus, sei nur dadurch so heruntergekommen, daß der Generalgouverneur darauf bestehe, daß alle von ihm gelieferten Kriegsnachrichten unverändert aufgenommen würden; ebenso schalte und walte er mit allen übrigen ihm vorgelegten Nachrichten ganz nach Belieben. Von der Adjutantur aber könne man weder »genaue historische Kritik« noch »sorgfältige Aufmerksamkeit auf richtigen Ausdruck und Stil« fordern; dazu hätten die dort beschäftigten Herren natürlich keine Zeit. Das dringende Bedürfnis, zuverlässige Kriegsberichte dem Publikum »in lesbaren Aufsätzen« zu bieten, liege allerdings vor. Dazu müsse man aber beim preußischen und beim russischen Armeekorps geschickte Berichterstatter (»Bulletinschreiber«) auswählen, die nur der Zensur des Hauptquartiers unterständen, nicht aber der »Einwirkung des Generalgouvernements«. Die örtliche Zensur möge man dann wieder Fichte anvertrauen, der besonders die Radamontaden der feindlichen Bulletinschreiber niedriger hängen und »die Stimmung des Volkes zur Ausdauer und Verstärkung der Vaterlandsliebe zu erheben« suchen solle. Heute, wo wir unter ähnlichen Verhältnissen leben und die großzügige Organisation der amtlichen militärischen Berichterstattung täglich wie ein zauberhaftes Uhrwerk ablaufen sehen, können wir erst ganz ermessen, in welcher Rat- und Hilflosigkeit man sich vor hundert Jahren diesem Problem gegenüber befand.