Cholera Infantum.

Dies ist eine der gefährlichsten Krankheiten der Kindheit und tritt in der Regel während des ersten und zweiten Sommers ein. Die Zeit während des Zahnens ist besonders geneigt dazu, da der Organismus ungewöhnlich aufgeregt ist. Geringfügige Ursachen, wie Diätfehler, das Aussetzen der Nachtluft, Ermüdung, welche zu anderen Zeiten ohne alle Folgen bleiben, werden zu dieser Zeit verhängnißvoll. Die Hauptursache besteht in Diätfehlern. Es ist sehr gefährlich, während des Zahnens die Kost zu wechseln, das Kind zu entwöhnen und dagegen künstliche Nahrungsmittel zu geben. Dies sollte nur im äußersten Nothfalle geschehen.

Symptome. Die Krankheit kann plötzlich oder allmählig eintreten. Das Kind wird plötzlich von heftigem Erbrechen und Abführen befallen oder kann auch nur durch mehrere Tage hindurch eine leichte Diarrhöe gehabt haben. Der Magen wird so reizbar, daß er durchaus nichts annimmt. Die erbrochene Substanz besteht aus dem Inhalt des Magens, unverdauter Nahrung, mit Schleim und galligem Eiter gemischt, wenn alles ausgebrochen ist, wird sich ein starkes Würgen und erfolglose Anstrengung zum Erbrechen einstellen. Dies mag jedesmal nach dem Genuß von Nahrungsmitteln, oder auch nur zwei- oder dreimal des Tages eintreten. Diarrhöe ist eines der wichtigsten Symptome und die Entleerungen bestehen zuerst in unverdauter Nahrung und werden grünlich gestreift; zuweilen gleichen sie gehacktem Gemüse. Sie können gelblich, sehr wässerig sein und der Geruch ist schlecht und äußerst widerwärtig. Auch mögen starke Schmerzen, wie bei der [Ruhr], vorhanden sein, und die Entleerungen können Blut und Schleim enthalten. Beträchtliches Fieber ist vorhanden, ebenso schneller Puls, Mund heiß und trocken, großer Durst, Zunge schmutzigweiß oder gelblichweiß belegt, ausgenommen an den Rändern, welche roth sind, Endglieder kalt, Kopf heiß, Augen eingesunken, Nase zugespitzt, das Gesicht eingeschrumpft und vertrocknet wie bei alten Leuten, der Bauch geschwollen und zuweilen empfindlich gegen Berührung; das Fieber ist gewöhnlich während des Nachmittags und Abends schlimmer.

Behandlung.

Allgemeine. Da die Krankheit gewöhnlich während des Zahnens eintritt, so sollte stets vor allem nach dem Zahnfleisch gesehen werden. Ist es geschwollen, heiß, hart und roth, so schneide man es auf, was ebensowohl vermittelst eines scharfen Federmessers als mit der Lanzette geschehen kann. Da bei der Behandlung dieser Krankheit viel von der Diät abhängt, so sollte dieselbe sorgfältig geordnet werden. Womöglich sollte das Kind nicht vor dem zweiten Sommer entwöhnt werden, wenn es aber geschehen ist, so möge dann die Diät der Natur jedes einzelnen Kindes angemessen sein. Da in der Regel großer Durst vorhanden ist, so lasse man das Kind so viel Wasser, als es wünscht, haben. Frische Kuhmilch ist unzweifelhaft das beste, was gegeben werden kann. Folgendes Mittel wird vortrefflich gefunden werden: Löse einen Theelöffel voll Milchzucker in drei Tassenkopf Wasser, koche es auf zwei Tassenkopf ein, füge einen Tassenkopf frische Milch hinzu und lasse es das Kind, während es noch warm ist, essen. Wenn Milchzucker nicht zu haben ist, gebrauche man Stückzucker, der erstere ist jedoch bei Weitem besser. Reismehlschleim gibt eine gute Kost. Bereite es wie folgt zu: Man nehme je einen Theelöffel voll Reismehl und Milch, rühre es in einander, füge ein wenig Salz und nahezu ein Pint warmes Wasser hinzu, mische es gehörig und koche es 15 Minuten lang; wenn kalt hat es ungefähr die Dicke von Stärke und muß mit ein wenig Zucker versüßt werden. Ist der Magen sehr schwach, nehme man einen Theil Sahne auf fünf Theile Wasser und füge ein wenig Pfeilwurz (Arrow root), Sago oder Tapioca hinzu. Unter „Kost statt des Säugens“ befindet sich ein von Dr. Meigs empfohlenes Rezept, welches besser ist. Eine andere Sache von Wichtigkeit ist, daß das Kind möglichst viel frische Lust haben sollte. Wenn möglich, schaffe es auf das Land, und wenn dies nicht geschehen kann, lasse es in dem Hofraum, in Parkanlagen oder auf den Straßen herumtragen. Ist das Kind zu krank, trage es aus einem Kissen in ein geräumiges, gut ventilirtes Zimmer. Ein lauwarmes Bad, gelegentlich gegeben, wird zuträglich gefunden werden.

Eclectische und Kräuterkur. Das Hauptmittel bei dieser Krankheit ist der zusammengesetzte Syrup von Rhabarber und Potasche (Compound syrup of rhubarb and potassa) oder die Neutralizing mixture. Man gebe alle halbe Stunde einen Theelöffel voll, bis es auf die Eingeweide wirkt, sodann mögen die Zwischenräume auf drei bis vier Stunden verlängert werden. Es wird gut sein, hieraus einen oder zwei Tage später einen von den nachstehenden Thees folgen zu lassen, nämlich von Brombeerwurzel (Black berry root), Erdbeerblätter und Wurzel (Strawberry leaves and root), Kirschbaumrinde (Cherry tree bark), eine kleine Quantität Zimmet (Cinnamon) und Nelken (Cloves), mit weißem Zucker versüßt. Wenn das Erbrechen stark ist, gebe ein Senfpflaster auf das Rückgrat und über die Gegend des Magens. Bei starkem Erbrechen, Schmerz in den Eingeweiden, Durchfall und Kneipen, wird sich folgende Einspritzung wirksam erweisen: Schlüpfriges Ulmen- (Slippery elm) oder Stärkewasser eine flüssige Unze, zusammengesetzte Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (Compound tincture of Virginia snake root), fünf bis zehn Tropfen stachlige Eschbeeren-Tinktur (Tincture of prickly ash berries) zwei flüssige Drachmen. Nehme davon die Hälfte zu einer Einspritzung. Ist die Krankheit besonders hartnäckig und hält eine lange Zeit an, so nehme man Columbawurzel (Colombo), Stachlige Eschbeeren (Prickly ash bark), Swamp mill weed, von jedem, zerstoßen, eine halbe Unze, zwei Pints Branntwein; lasse es ungefähr 10 Tage stehen. Gebe alle 3 oder 4 Stunden einen halben Theelöffel voll in ein wenig versüßtem Wasser. Sind die Entleerungen mehr oder weniger mit Blut gemischt und sind nur schwach bei öfterer Wiederholung, so gebe man folgendes:

Entenfuß (Podophyllin) 2 Grane.
Leptandrin 3
Brechwurz (Ipecac) 3
Weißer Zucker 1 Skrupel.

Stoße alles zusammen in einem Mörser und mache 8 Pulver daraus, wovon alle 3 oder 4 Stunden eines zu geben ist. Nachdem diese auf die Eingeweide gewirkt haben, gebe man eine gelegentliche Dosis des zusammengesetzten Syrups von Rhabarber und Potasche (Compound syrup of rhubarb and potassa). Sicherlich bade das Kind ein- oder zweimal in warmem Saleratuswasser und trockne es mittelst einer sanften Reibung ab. Folgendes wird bei hartnäckigen Fällen empfohlen:

Ammoniak-Opium-Tinktur (Ammoniated tincture of opium) 2 Drachmen.
Extrakt von Blauholz (Extract of logwood) 3
Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (Compound spirits of lavender) 1
Catechu-Tinktur (Tincture of catechu) 2
Gewöhnlicher Syrup 4 Unzen.
Kochendes Wasser 4

Löse den Extrakt von Blauholz (Extract of logwood) in dem Wasser und füge dann die anderen Artikel hinzu. Gebe alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Als Trank gebe man Gummi Arabicum, oder schlüpfriges Ulmen- (Slippery elm) Wasser.

Allöopathisch. Wenn das Erbrechen stark und hartnäckig ist, gebe man folgendes:

Kampher (Camphor) 1 Drachme.
Schwefel-Aether (Sulphuric ether) 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden 10 Tropfen.

Wenn dies nicht einhält, gebe:

Bleizucker (Sugar of lead) 4 Grane.
Essig 6 Tropfen.
Stückzucker 4 Drachmen.
Weiches Wasser 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle ein oder zwei Stunden einen Theelöffel voll.

Zuweilen wird ein Gewürz- (Spice) Pflaster, auf den ganzen Unterleib gelegt, sofortige Linderung verschaffen.

Gegen die Diarrhöe gebe man den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche (Compound syrup of rhubarb and potassa). Wenn die Stühle sauer, dunkelgefärbt und höchst widrig sind, gebe man:

Pulverisirte Holzkohle (Powd. charcoal) Drachmen.
„Rhabarber (Powd. rhubarb) 35 Grane.
„Brechwurz (Powd. ipecac) 6
Bilsenkraut-Extrakt (Extract of hyosciamus) 10

Mische es, mache 12 Pulver daraus und gebe alle drei oder vier Stunden eins.

Oder:

Weinsteinsaures Eisen (Tartrate of iron) 35 Grane.
Weiches Wasser 2 Unzen.
Ingwer- (Ginger) Syrup ½ Unze.

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 20 bis 40 Tropfen. Diese zwei Mischungen mögen alle drei Stunden abwechselnd gegeben werden, wenn eins allein nicht den gewünschten Erfolg hat. Zuweilen wird Nachstehendes mit Erfolg angewandt:

Pulverisirter Rhabarber (Pulv. rhubarb) 20 Grane.
Leptandrin 10
Calcinirte Magnesia (Calcined magnesia) 35
Pulverisirter Zimmet (Pulv. cinnamon) 10

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 3 oder 4 Grane.

Homöopathisch. Ipecacuanha — ist gewöhnlich das wichtigste Mittel, und wird bei Uebelkeit, Erbrechen, Diarrhöe, grünen oder gegohrenen Stühlen mit weißen Flecken, belegte Zunge und großem Durst gegeben.

Veratrum. — Wo die Anfälle heftig waren, sowie bei großer Erschöpfung nach dem Erbrechen, oder wenn das Erbrechen krampfartig wird und nach der geringsten Bewegung eintritt; bräunliche oder wässerige Entleerungen, Kälte der Endglieder, blasses Gesicht, eingefallene Augen, großer Durst.

Chamomilla. — Schleimiges oder saures Erbrechen, die Entleerungen sehen aus wie ausgeschlagene Eier, oder sind grün oder schleimig mit kolikartigen Schmerzen, Fieber des Nachts. Angenehmer für Kinder, wenn sie in Folge des Zahnens wunderlich oder verdrießlich sind.

Mercurius. — Die Stühle sind von Kolik und Anstrengung begleitet; die Entleerungen grün, sauer und zuweilen mit Blut gemischt; das Kind riecht sauer. Rheum ist ebenfalls gut bei denselben Symptomen.

Podophyllum. — Krampfartige Schmerzen, Stühle schaumig, schleimig und höchst widrig; das Kind stöhnt im Schlafe und wirft den Kopf hin und her.

Carbo Vegetabilis. — Die Stühle haben einen fauligen Geruch sind sehr dünn und werden von einem brennenden Schmerz begleitet.

Arsenicum. — Bei großer Hinfälligkeit und Schwäche, Uebelkeit, Alles wird wieder erbrochen, Stühle braun, grün oder gelblich und höchst widrig, Haut trocken, oder kalt und klebrig; Lippen und Zunge schwarz und aufgesprungen, Stöhnen während des Schlafs, Unterleib hart und geschwollen.

Calcarea. — Bei Fällen von langer Dauer, bei großer Abmagerung und Schwäche, Unterleib hart und geschwollen; Stühle mollig und lehmfarben; Haut zusammengeschrumpft und trocken.

Sulphur. — Dieses Mittel ist ungefähr bei denselben Symptomen wie bei Calcarea angezeigt. Wenn die Krankheit den Kopf anzugreifen scheint: Aconitum, Helleborns, Belladonna oder Bryonia.

Verordnung der Heilmittel. Wo der Anfall plötzlich eintritt, löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten oder halbe Stunden, bis das Kind besser wird, einen Theelöffel voll. Wo der Fall längere Zeit anhält, gebe alle 2 oder 4 Stunden eine Dosis.