Häutige Bräune (Croup — Cynanche Trachealis).

Man theilt die Bräune in zwei Formen, die krampfartige und die häutige. Die erstere wird zuweilen auch die falsche und die letztere die wahre Bräune genannt. Kinder unter 5 Jahren haben mehr Neigung dazu als andere, obgleich auch ältere Personen, sogar Leute von 70 Jahren Anfälle gehabt haben. Sie ist wegen des plötzlichen Eintrittes und der Geschwindigkeit, mit der sie einen tödtlichen Verlauf nimmt, äußerst beunruhigend.

Ursachen. Sie ist am häufigsten in kalten, feuchten Gegenden und wird gewöhnlich durch plötzlichen und öfteren Witterungswechsel hervorgerufen. Von Einigen wird angenommen, daß sie erblich ist, Und sie scheint auch so zu sein, denn es ist eine Thatsache, daß die Kinder einiger Familien bei der geringsten Blosstellung dazu geneigt sind.

Symptome. In der Regel beginnt die Bräune mit Symptomen von Katarrh oder Schnupfen, trocknem Husten, heißer Haut, schnellem Puls, Durst, Rasseln im Hals und großer Unruhe des Nachts; das bestimmteste Symptom ist die Heiserkeit, da der Patient seine Stimme fast ganz verliert. Der Husten ist trocken und kurz. Diese Symptome mögen ein oder zwei Tage lang anhalten, dann ungefähr um Mitternacht wird das Kind durch einen heftigen Anfall von Husten erwachen, der Husten ist heiser und bellend, und wer ihn einmal gehört hat, wird ihn nimmer wieder vergessen. Das Athmen wird beschleunigt und zischend, das Gesicht geröthet, die Haut heiß und dichter Schweiß bricht aus, das Kind wirft sich wild von einer Seite auf die andere, die Hände sind eingekniffen und die Augäpfel treten hervor. Bei Annäherung des Morgens nehmen die Symptome ab und das Kind verfällt in Schlaf und scheint während des Tages, mit Ausnahme der Heiserkeit und etwas Fieber, wohl zu sein. Gegen Abend aber nimmt die Heiserkeit zu und der Patient fährt mit einem heftigeren Krampfanfall als an dem Abend zuvor aus dem Schlafe auf. Der Husten wird würgender und schwieriger, die Störung in der Luftröhre wächst, das Gesicht nimmt eine dunkle, bleierne Farbe an, der Puls ist schwach, die Stimme gebrochen und unterdrückt, der Kopf wird zurückgezogen, um das Athmen zu ermöglichen, und das Gesicht ist geschwollen. Die Muskeln des Nackens, der Brust und des Unterleibes sind außerordentlich thätig und das Athmen ist laut und zischend; das Kind wirft sich auf dem Bette herum und sucht vergeblich nach Linderung, sein ganzes Aussehen bekundet ungemeine Angst und Leiden, es greift nach dem Hals, als ob es dort die Ursache seiner Schmerzen entfernen könnte, Schläferigkeit tritt nach und nach ein, das Athmen wird unterbrochen, das Kind keucht convulsivisch und der Tod macht der fürchterlichen Scene ein Ende. Bräune oder Croup kann aber auch ganz plötzlich eintreten, das Kind geht ganz wohl zu Bette und wird des Nachts davon befallen. Diese Form ist, wenn nicht vernachlässigt, ohne Anstrengungen, sie einzuhalten, weniger gefährlich. Auch hier mag das Kind einen heiseren, croupartigen Husten durch mehrere Tage hindurch haben, und gerade zu einer Zeit, wo es die Eltern am wenigsten erwarten, stellt sich eine heftiger Anfall ein, der eine schlimme Wendung nehmen mag. Ein Anfall von Bräune kann 24 Stunden bis 15 Tage dauern. Wenn sie mit Luftröhrenentzündung oder Brustentzündung verbunden ist oder tritt sie nach Scharlachfieber, Masern oder Halsentzündung ein, so ist sie bei weitem gefährlicher.

Behandlung.

Allgemeine. Wenn bei dem Kinde Husten mit Heiserkeit und Stimmlosigkeit eintritt, so werden prompte Maßregeln den Anfall in diesem Stadium verhindern. Reinige die Eingeweide mit einer kleinen Dosis Kalomel und nach einer Stunde gebe eine Lösung von einem Gran Brechweinstein (Tartar emetic) in einer Unze Wasser, von welcher alle 15 Minuten ein Theelöffel voll gegeben werden sollte, bis Erbrechen eintritt. Senfpflaster oder heiße Kleie- (Bran) Umschläge sollten in den Nacken gelegt werden. Auch wird empfohlen, einen ziemlich großen Schwamm in Wasser getränkt, so heiß es ertragen werden kann, auf den Hals zu legen und dies, so bald der Schwamm kühl wird, zu erneuern. Fahre damit fort, bis die Haut sehr roth aussieht oder das Kind besser ist. Diese Mittel können aber nur beim Anfang der Krankheit angewendet werden. Schlägt es nicht an, so gebe man folgendes:

Dover’sche Pulver (Dover’s powder) 15 Grane.
Kalomel 5

Mische es. Mache 10 Pulver daraus und gebe alle 3 Stunden eines.

Der Hals mag mit kaltem Wasser gewaschen und folgende Salbe eingerieben werden:

Olivenöl 1 Unze.
Auflösung von Potasche (Solution of potassa) 2 Drachmen.
Merkurial-Salbe (Mercurial ointment) 1 Drachme.

Ein Brechmittel von Brechwurzwein (Wine of Ipecac) kann in Dosen von einem Theelöffel voll gegeben werden, bis Erbrechen eintritt. Der Dampf von heißem Wasser und Wollkrautblättern (Mullein leaves), von dem Kinde eingeathmet, wird gleichfalls gut sein.

Homöopathisch. Wenn die ersten Symptome, wie heiserer Husten mit Fieber erscheinen, gebe man alle Stunden abwechselnd Aconitum und Spongia. Wenn aber das Kind mit jenem bellenden Crouphusten aus dem Schlafe erwacht, gebe man alle 10 oder 15 Minuten Tartarus emeticus und Spongia. Wenn die Symptome heftig sind, so wird ein warmes Bad sehr zuträglich sein. Es sollte dies zuerst ungefähr 96 Grad sein und allmählig durch Hinzufügen von heißem Wasser warm gemacht werden. Aus dem Bade genommen, trockne man das Kind schnell und hülle es gut ein. Tücher in kaltem Wasser getränkt, auf den Hals gelegt und mit Flanell bedeckt, werden von gutem Erfolg sein. Gegen den bellenden, feuchten und lockeren Husten, welcher zurückbleibt, nachdem die Heftigkeit des Anfalles nachgelassen hat, gebe man Spongia und Hepar alle Stunden abwechselnd.

Wenn der Husten locker ist und es befindet sich ein Rasseln von Schleim im Hals und in der Brust und ein dicker Schleim wird ausgespuckt, so gebe man Tartarus emeticus mit Hepar Sulphuris abwechselnd eine halbe Stunde oder eine Stunde für sich. Gegen die nach einem Anfall zurückbleibende Heiserkeit, und um eine Wiederkehr für die nächste Nacht zu verhindern, gebe man Phosphorus oder Hepar Sulphuris, alle 2 oder 4 Stunden eine Dosis. Nachdem der Anfall sehr heftig geworden und die Bildung einer falschen Schleimhaut augenscheinlich ist, das Kind von Erstickung bedroht wird, gebe man Kali Bichromacum. Ein kleines Pulver sollte alle 3 oder 5 Minuten gegeben werden. Gewährt dies keine Linderung, so gebe Arsenicum und mache heiße Umschläge um den Hals. Ist das Athmen sehr mühsam, keuchend, rauher Husten, Schnappen nach Luft, bei großer Gefahr von Erstickung, so gebe man Bromine. Phosphorus allein oder abwechselnd mit Lachesis ist bei strengen Formen ein sehr schätzbares Mittel.

Verordnung der Heilmittel. Ist das Mittel in Kügelchen, so löse 12 in 12 Theelöffel voll Wasser, ist es in Pulvern, so gebe eine Portion von der Größe einer kleinen Erbse.

Die Kost — sollte in Hafermehlschleim, Gerstenwasser, Zwiebackwasser oder Milch bestehen.

Eclectisch. Das erste, was geschehen muß, ist, ein Brechmittel zu verordnen. Die Lobelia-Tinktur dürfte das beste sein. Man gebe davon alle 10 Minuten einen Theelöffel voll, bis Erbrechen eintritt. Ein anderes wirksames Mittel ist pulverisirter Alaun (Alum) in Molasses oder Honig alle 10 Minuten gegeben. Ein Thee aus Seneca- oder Blutwurzel (Seneca root, Blood root) ist ein gutes Mittel, die sich im Halse bildende Schleimhaut zu lösen. Sobald das Brechmittel zu wirken beginnt, gebe man einen starken Thee von Sumach und Gagel (Bayberry). Da, wo die Eingeweide verstopft sind, gebe gleiche Theile von Meerzwiebeln (Squills) und Castoröl alle Stunden in Theelöffeldosen, bis sie auf die Eingeweide wirken. Dies sollte nicht, während das Brechmittel gegeben wird, genommen werden. Geröstete Zwiebeln, geröstete Aepfel und Preiselbeeren (Cranberries) sind zu Umschlägen für den Hals empfohlen worden, das beste aber ist ein Pflaster aus Schnupftabak und Fett. Man mische einen Theelöffel voll Schnupftabak mit ein wenig Fett, streiche es auf ein Tuch und lege es auf Hals und Brust. Bienensyrup (Hive syrup) ist ein gutes Mittel und sollte immer vorräthig gehalten werden. Man gebe ihn alle 10 Minuten in Dosen von einem Theelöffel voll, bis das Erbrechen eintritt.

Bei Beginn der Krankheit wird sich Watte in gleiche Theile von Kampher und Essig oder Whiskey getränkt, warm gemacht und um den Hals gebunden, zuträglich erweisen. Wenn die Krankheit hartnäckig ist, so wird ein Umschlag um den Hals und auf die Brust von rothem Pfeffer (Red pepper), schlüpferiger Ulme (slippery Elm) und Lobelia, jedes pulverisirt, mit heißem Wasser, gewöhnlich Linderung verschaffen. Diese Umschläge sollten, sobald sie kühl sind, gewechselt werden. Eine Salbe, zusammengesetzt aus Hirschhorn-Spiritus (Hartshorn spirits) ½ Unze, Laudanum ¼ Unze, Terpentin (Turpentine) ½ Unze; süßes Oel ½ Unze. Mische es und mache einen Umschlag auf Hals und Brust. Bei kleinen Kindern wird ein Umschlag von Hopfen, in heißem Wasser gekocht, vorzüglich gefunden werden. Während des Tages, wenn die Symptome besser sind, sollte durch einen Aufguß von 3 Theilen Lobelia und einem Theil Blutwurzel (Blood root), einem Aufguß von Meerrettig in Essig, kleine Dosen von Brechwurzwein (Wine of ipecac) der Auswurf befördert werden.