Verstopfung und Diarrhöe.

Diese können sehr gefährlich werden, besonders Diarrhöe, und sind einer gehörigen Behandlung zu unterziehen. Wegen deren Behandlung siehe [Kapitel 12, erster Theil].

Kindbettfieber (Childbed Fever — Puerperal Peritonitis).

Dies ist eine sehr gefährliche Krankheit, die nur von einem erfahrenen Arzte behandelt werden sollte. Sie besteht in einer Entzündung des Bauchfelles oder der Schleimhaut, welche den Magen einfaßt und die Eingeweide bedeckt.

Symptome. Wie bei den meisten Fiebern, geht Frösteln, Uebelkeit oder Erbrechen und Schmerz im Bauche voraus; letzterer ist zuweilen sehr ausgebreitet oder beschränkt sich auf einen Fleck; der Unterleib wird ebenso groß als vor der Entbindung und so empfindlich, daß kaum das Gewicht der Betttücher ertragen werden kann; die Schmerzen sind unerträglich, der Puls ist häufig klein und scharf, die Haut heiß, Zunge weiß und belegt oder rein, die Kranke ist durstig, erbricht sich öfters, Milch und Lochien sind zuweilen unterdrückt, das Athmen ist schwierig, zuweilen stellt sich Husten ein, die Eingeweide sind verstopft oder es ist Diarrhöe vorhanden. Nimmt die Krankheit eine schlimme Wendung, so nimmt das Anschwellen und die Ausdehnung des Bauches zu, das Erbrechen dauert fort, der Puls ist schnell und unregelmäßig, die Glieder werden kalt und plötzlich hört der Schmerz auf, was ein Zeichen des Endes ist.

Ursachen. Gewaltthätigkeit während der Entbindung, Erkältung, Diarrhöe, Unterdrückung der Milchabsonderung, heftige, geistige Erregungen.

Behandlung.

Allöopathisch. Der Kranken sollte beim Beginn zur Ader gelassen werden oder es sollten Blutegel an den Unterleib gesetzt werden; geschieht das Letztere, so sollte ein Umschlag von Leinsamen oder Indischem Mehl (Indian meal) folgen, werden keine Blutegel gesetzt, so lege man Flanell, in Terpentin-Spiritus (Spirits of turpentine) getränkt, über den Bauch. Kleine Dosen von Lobelia oder Brechwurz (Ipecac), hinreichend, Uebelkeit und eine Feuchtigkeit auf der Haut hervorzurufen, mögen zuerst gegeben werden, oder die Tinktur von Nießwurz (Veratrum Viride), in Dosen von 5 bis 10 Tropfen jede Stunde, was die Kranke häufig in einen starken Schweiß bringen wird. Der Stuhlgang sollte durch Einspritzungen von warmem Wasser oder durch andere gelinde Mittel hergestellt werden. Opium und Kalomel, im Verhältniß von einem halben Gran des Ersteren auf ein Gran des Letzteren, sollte alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, gegeben werden. Wird die Kranke schwach, so sollte man Chinin und Opium und ebenso Rindsthee, Wein, Branntwein oder Whiskey geben.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn die Krankheit mit Uebelkeit und Erbrechen beginnt, gebe man ein Brechmittel und lasse ein Abführmittel, wie nachstehendes, folgen:

Entenfuß (Podophyllin) 2 Grane.
Leptandrin 4
Cremor Tartari (Cream of tartar) 10

Eine Einspritzung von einem halben Eßlöffel voll der zusammengesetzten Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (Tinct. of Lobelia and Capsicum) in einer oder zwei Unzen warmem Wasserdost (Boneset), Sennesblätter oder Lobeliathee kann gegeben werden; auch wasche man den Unterleib häufig mit warmem Saleratus-Wasser. Nachdem das Abführmittel gewirkt hat, lasse man die Kranke viel und oft von einem Thee der Roßmünze-Tinktur (Tincture of horsemint), der Kamillenblüthen oder Hunde-Manilla (May weed) hinzugefügt sind, trinken. Die zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (Compound tincture of Virginia snake root) mag gegeben werden, um Schweiß hervorzurufen. Dosis: jede Stunde oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll in einem warmen Balsam-, Katzenmünze- (Catnip) oder Pleuresiewurzel-Thee. Nachdem sich der Schweiß eingestellt hat, sollte die Tinktur in kleineren Dosen und in längeren Zwischenräumen gegeben werden. In einigen Fällen werden sich 15 oder 20 Tropfen einer Mischung aus gleichen Theilen von Fingerhut (Digitalis) und Stechapfel (Stramonium) jede Stunde oder alle zwei Stunden zuträglich erweisen. Heiße Bähungen von Hopfen und Rainfarn (Tansy) mögen auf den Unterleib gemacht werden, die öfters zu erneuern sind. Stechapfel- (Stramonium) Blätter sind zu einem Umschlag auf den Unterleib sehr zu empfehlen; sie sollten zerquetscht, warm gemacht und als Bähungen verwendet werden. Ist die Zunge stark belegt und das Fieber hält an, so gebe man gleiche Theile von pulverisirter Blutwurzel (Blood root), Kalmus (Blue flag root) und Salpeter (Nitre) in Dosen von 15 Granen alle drei Stunden. Senfpflaster lege auf den Nacken, die Füße und auf die innere Seite der Lenden.

Homöopathisch. Aconitum — ist das erste Mittel, besonders wenn die Krankheit mit Frost beginnt, dem eine trockene, heiße Haut folgt, bei schnellem Puls.

Belladonna. — Bei sehr scharfen Schmerzen im Unterleibe, ziehendem Gefühl, klopfenden Schmerzen im Kopfe, geröthetem Gesicht, glasigem Blick, Harnverhaltung, außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes.

Bryonia. — Außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes, Verstopfung, schießenden Schmerzen im Unterleib. Kann abwechselnd mit Aconitum gegeben werden.

Pulsatilla. — Wo der Anfall gelinde auftritt; großer Druck nach unten, häufiges Verlangen nach Urinlassen.

Andere Mittel sind: Apis, Arnica, Arsenicum, Hyosciamus, Chamomilla, Rhus.

Verordnung der Heilmittel. Im Anfange ist es das beste, Aconitum und Belladonna abwechselnd alle eine, zwei, drei oder vier Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, zu geben. Man gebe 10 oder 12 Kügelchen auf eine Dosis. Andere Mittel sind in derselben Weise zu geben.

Die weiße Schenkelgeschwulst (Milk Leg, Phlegmasia Alba Dolens).

Man glaubte ehemals, daß diese Krankheit durch einen Fluß der Milch in den Schenkel verursacht würde, was aber selbstverständlich nicht möglich ist.

Symptome. Es tritt ein unangenehmes Gefühl oder Schmerz in den unteren Theil der Eingeweide, der sich bis auf die Hüften ausdehnt; zuweilen sind keine warnenden Symptome vorhanden, sondern die Krankheit beginnt mit einem heftigen Frost, dem Fieber folgt, welches ein starker Schmerz in der Lende begleitet. Nach ein oder zwei Tagen vermindert sich der Schmerz und eine Anschwellung stellt sich ein, die gewöhnlich in der Schamleiste anfängt und sich nach unten zieht. Hin und wieder kann sich aber auch die Anschwellung zuerst in den Waden einstellen und dann nach oben ziehen. Die Haut ist sehr glänzend und glatt, sowie auch hart und schmerzhaft gegen Berührung und das Bein ist schwer und steif. In Verbindung mit dem letzten ist schwacher und sehr schneller Puls, Durst, Schläfrigkeit u.s.w.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Die Eingeweide sollten mit dem zusammengesetzten Pulver der Jalappenwurzel (Compound powder of jalap), jede Dosis 10 oder 15 Grane Cremor Tartari beigefügt, gereinigt werden. Dies sollte alle zwei oder drei Tage während der Entzündung wiederholt werden. Das Bein wasche man mit einer Lösung von Salz, Essig und Wasser und gelegentlich mit einem Aufguß von Bitterkräutern wie Wasserdost (Boneset), Hopfen und Rainfarn (Tansy). Folgende Salbe mag mit Erfolg angewendet werden:

Süßes Oel 2 Unzen.
Kampher-Spiritus (Spirits of camphor) 2
Kreosot 1 Unze.
Laudanum 1

Mische es und mache zweimal des Tages einen Umschlag. Ein Aufguß von Hopfen und Essig kann als ein anderes Mittel in derselben Weise angewendet werden.

Thee von Flöhkraut (Smart weed) und Hundekamille (May weed) mag oft und viel getrunken werden, um dadurch Schweiß hervorzurufen. Wird die Krankheit chronisch, so sollte das Bein täglich mit einer Abkochung von Wasserdost (Boneset), Rainfarn (Tansy) und Hopfen gebäht (steamed) und die erstgenannte Salbe angewendet werden.

Homöopathisch. Aconitum. — Bei starkem Fieber, brennenden Schmerzen und Hitze.

Belladonna — ist für den Anfang in den meisten Fällen vielleicht das beste Mittel, besonders wenn die Schmerzen scharf und stechend sind, bei Schwere in den Lenden und in dem unteren Theile des Unterleibes, bei heftigem Fieber mit brennendem Durst.

Bryonia. — Wenn schießende und scharfe Schmerzen von der Hüfte nach dem Fuße zu vorhanden sind, bei Schwitzen, außerordentlicher Empfindlichkeit gegen Berührung oder Bewegung. Kann auch abwechselnd mit Rhus gegeben werden.

Pulsatilla. — Wenn nach Belladonna oder Bryonia keine Besserung eintritt.

Andere Mittel sind: Arsenicum, Sulphur, Nux Vomica.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel gebe 6 Kügelchen einmal in 2 Stunden.

Allöopathisch. Flanell in heißes Wasser und Essig getaucht sollte auf das Bein gelegt und öfters wiederholt werden.

Oertliche Waschungen mit einer Mischung von warmem süßen Oel, zwei Theile und Laudanum, einen Theil, dann mit Flanell bedeckt werden gut gefunden werden. Der Umschlag von heißem Wasser und Essig, sowie heißem Oel und Laudanum sollte alle 5 oder 6 Stunden abgewechselt werden. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man folgendes:

Pulverisirte Sennesblätter (Powd. Senna) ½ Drachme.
„Jalappenwurzel (Powd. Jalap) 10 Grane.
„Gewürznelken (Powd. Cloves) 10

Mische und nimm es als eine Dosis in versüßtem Wasser. Folgendes wird zuträglich sein:

Aufguß von Fingerhut (Digitalis) 4 Unzen.
Essigsaure Potasche (Acetate of potash) 2 Drachmen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 2
Zimmetwasser (Cinnamon water) Unze.

Mische es. Dosis: Alle 4 oder 5 Stunden einen Eß-Löffel voll.

Nießwurz-Tinktur (Tincture of veratrum viride) in Dosen, welche hinreichen, einen mäßigen Schweiß hervorzurufen, sollte während der Entzündung gegeben werden.

Der wunde Mund der Stillenden.

Stillende Mütter leiden hieran zuweilen sehr. Der ganze innere Mund wird sehr roth und so empfindlich, daß es der Leidenden Schwierigkeit macht, irgend welche feste Speise zu sich zu nehmen.

Ist das Leiden hartnäckig und die Patientin kommt dabei von Kräften, so wird es nothwendig, das Kind zu entwöhnen, zu welcher Zeit dann die Krankheit verschwindet.

Behandlung.

Homöopathisch. Mercurius — ist das wichtigste Mittel und mag abwechselnd mit Nux Vomica oder China, besonders mit China wenn große Schwäche und Erschöpfung vorhanden ist, gegeben werden.

Acidum Nitre — kann gegeben werden, wenn Mercurius keine Linderung gewährt. Borax und Sulphur sind auch vortreffliche Mittel dagegen.

Verordnung der Heilmittel. Man nehme alle 6 oder 8 Stunden oder auch öfter, wenn der Fall heftig ist, einmal 6 Kügelchen. Bei Sulphur wird eine Dosis Morgens und Abends hinreichen.

Allöopathisch. Die Verstopfung der Eingeweide zu beseitigen, nehme man folgendes:

Flüssiger Sennesblätter-Extrakt (Fluid extract of senna) 2 Drachmen.
Flüssiger Jalappenwurzel-Extrakt (Fluid extract of jalap) 2
Aufguß von Gewürznelken (Infusion of cloves) 2 Unzen.

Mische und nimm es als eine Dosis.

In einigen Fällen wird folgendes stärkende Mittel dienlich sein:

Weinsteinsaures Eisen (Tartrate of iron) 40 Grane.
Wasser 2 Unzen.
Ingwer- (Ginger) Syrup ½ Unze.

Mische es. Dosis: Zwanzig bis vierzig Tropfen alle drei Stunden.

Zum Gurgeln bediene man sich des folgenden:

Abkochung von Chinarinde (Decoction of Peruvian bark) 3 Unzen.
Orangenschalen-Syrup 1 Unze.
Chlorsaure Soda (Chloride of soda) 1

Mische es. Oder auch:

Chlorsaures Eisen (Chloride of iron) ¼ Unze.
Starke Hydrochlorsäure (Strong hydrochloric acid) 40 Tropfen.
Wasser 1 Pint.

Mische es.

Eclectische und Kräuterkur. Potaschen-Jodid (Iodide of potassa) ist ein ausgezeichnetes Mittel:

Man löse 2 Drachmen in 4 Unzen Wasser und nehme zweimal des Tages einen Theelöffel voll. Als Gurgelwasser wird eine Abkochung von Gägelrinde (Bay berry bark), Gelbwurz (Golden seal), Sumachbeeren (Shumac berries) und ein wenig gebrannter Alaun (Burned alum) oder Borax zuträglich gefunden werden.


Dritter Theil. — Kinderkrankheiten.