Erstes Kapitel. — Menstruation oder monatliche Reinigung.

Ehe wir darüber reden, auf welche Weise Störungen in der Menstruation zu behandeln seien, sollten wir uns klar darüber werden. 1) Was man unter Menstruation versteht. 2) Durch welche Ursachen dieselbe erzeugt wird. 3) Welchen Zweck sie im weiblichen Organismus hat. Vielleicht wird keine körperliche Funktion von den Frauen weniger verstanden als diese. Sie können zwar angeben, wie oft die Menstruation eintritt und wie lange sie währt, aber über die Ursache sind die meisten im Unklaren, worüber man sich nicht zu wundern hat, wenn man bedenkt, daß selbst die Aerzte darüber in früherer Zeit im Dunkeln waren und erst neuerdings zum vollen Verständniß kamen. Seit Alters bis auf unsere Tage wurden zahllose Theorien aufgestellt; jede derselben aber mußte der in ihr enthaltenen Widersprüche wegen wieder aufgegeben werden; bis man zuletzt zu einer klaren, unzweifelhaften Anschauung gekommen ist. Unter den Alten herrschte bezüglich der Menstruation viel Aberglauben. Weil sie regelmäßig jeden Monat eintritt, so nahm man an, daß der Einfluß des Mondes dieselbe regulire. Daß diese Behauptung durchaus nicht stichhaltig ist, liegt auf der Hand, denn wäre auch nur einige Wahrheit daran, so müßten alle Frauen eines Erdtheils wenigstens zugleich menstruiren. Professor E. G. Meigs von Philadelphia hat sich um die Darstellung der Ursachen dieser eigenthümlichen Funktion große Verdienste erworben, und ihm sind wir für die in diesem Artikel niedergelegten Thatsachen und Beobachtungen zum Dank verpflichtet.

„Omne vivum ex ovo,“ (alles Lebendige entspringt aus einem Ei oder Keim), dies ist das allgemein gültige Zeugungsgesetz, welches sich sowohl in der Pflanzen- als Thierwelt bewährt. Die stämmige Eiche, die der Eichel entsprost, das Welschkorn, das aus dem Korn hervorwächst, das Rothkehlchen und der Elephant — alle entstehen aus Keimen und beweisen die Wahrheit des obigen Satzes. Jeder Same und jedes Ei enthält einen Keim, welcher, wenn auf die rechte Weise beeinflußt, seinesgleichen erzeugen wird. So klar diese Thatsache ist, frägt es sich nun, wo diese Keime ihren Ursprung haben. Es steht fest, daß jedes Thier und jede Pflanze mit einem Organ zur Erzeugung und Abwerfung dieser Zellen und Keime versehen ist. Dieses Organ ist bei den Frauen das Ovarium (Eierstock) und zwar gibt es derselben zwei. Es sind kleine, länglich-runde Körper, etwa einen Zoll lang, ein wenig über einen halben Zoll breit und einen drittel Zoll dick. Manchmal mag die Größe der Ovarien von der hier angegebenen abweichen, wird aber meistens zutreffen. Jeder dieser Eierstöcke ist etwa einen Zoll vom oberen Theil der Gebärmutter mittelst eines Bandes befestigt und die physiologische Funktion derselben ist, das Ei zu „reifen“ und alle achtundzwanzig Tage abzusondern, und zwar geschieht dies vom fünfzehnten bis fünfundvierzigsten Jahre und wird nur während der Schwangerschaft und des Säugens, und oft auch dann nicht, unterbrochen; denn in vielen Fällen haben Frauen, während sie schwanger waren, regelmäßig menstruirt, und bei einer großen Anzahl derselben wird durch Säugung die Menstruation gar nicht gestört. Während der Zeitigung oder dem Reifwerden des Eis bis zur Absonderung desselben in die Scheide (Tube), durch welche es in die Gebärmutter gelangt, sind die Geschlechtsorgane mehr oder weniger angeschwollen (congested) und haben das Ansehen, als ob sie entzündet seien. Diese Anhäufung (Congestion) wird endlich so bedeutend, daß ein Blutausfluß aus den Zeugungstheilen (Genitalia) dadurch entsteht. Sobald der Ausfluß beginnt, läßt die Hitze und das Jucken in der Nähe der Eierstöcke und das schwere Gefühl nach und verschwindet allmählig. Somit ist die Menstruation nichts anderes als die Zeitigung und Absonderung des Ei’s, welches, wenn es nicht geschwängert wird, durch den von den Gefäßen der Gebärmutter herrührenden Blutausfluß abgeführt wird. Hieraus geht auch hervor, daß eine Frau nur während oder nahe zur Zeit der Menstruation schwanger werden kann. Die Regelmäßigkeit, mit der diese Funktion vor sich geht, war immer Veranlassung zur Verwunderung. Aber weshalb? Um uns blickend gewahren wir, daß die Pflanzen- und Thierwelt festgesetzte Zeiten zur Keimerzeugung hat. Dies ist ein Naturgesetz, und weshalb sollte nicht auch das Weib dasselbe auszuführen haben? Da wir nun gezeigt haben, daß die Menstruation in der Zeitigung und Absonderung eines Eis besteht, wovon der Blutausfluß nur das äußerliche Zeichen ist, so ist es möglich, daß eine Frau regelmäßig jeden Monat menstruiren kann, ohne diese Kundgebung, nämlich den Blutausfluß. Dieses zu beweisen, können viele Fälle angeführt werden, wo Frauen geheirathet haben und schwanger wurden, ohne daß das geringste Zeichen des Blutausflusses sich bei ihnen gezeigt hätte; aber ihre Schwangerschaft wäre ohne Menstruation nicht möglich geworden. So mag eine sonst regelmäßig menstruirende Frau mehrere Kinder bekommen, ohne daß sich in der Zwischenzeit die monatliche Reinigung zeigt; was man dahin erklären kann, daß sie während der Säugung ihres ersten Kindes schwanger und nach der Geburt des zweiten wieder Mutter wurde, und so fort, bis sie nicht mehr geschwängert von nun an regelmäßig menstruirt. Wie schon oben bemerkt, tritt in diesem Lande die Menstruation im vierzehnten oder fünfzehnten Jahre ein; in wärmeren Ländern früher, in kälteren später. Menstruation, monatliche Reinigung, Regel, Katamenien, monatliche Periode und Unwohlsein, dies sind welche der zur Bezeichnung dieser Funktion gebräuchlichen Ausdrücke. Bei denjenigen Mädchen, die in Ueppigkeit aufwachsen und deren sittliche und körperliche Erziehung der Art ist und war, daß das Nervensystem dadurch empfindsam wird, tritt die „Monatsregel“ viel bälder ein, als bei denen, die an Hausmannskost und Arbeitsamkeit gewohnt sind. Zeigt sich die Menstruation vor dem vierzehnten Jahr, so wird dies als ein schlimmes Anzeichen betrachtet und deutet auf zu frühe Reife der Organe, während das Eintreten der monatlichen Reinigung nach dem sechzehnten Jahr von allgemeiner Schwäche oder von Störung in den Zeugungsorganen zeugt. Ist jedoch die betreffende Person gesund und alle ihre anderen Funktionen sind regelmäßig, ist sie froh, geistesmunter und nicht trüb- oder schwachsinnig, so sollte man nichts zur Herbeiführung der Menstruation unternehmen, indem durch angewandte Mittel unverbesserlicher Schaden herbeigeführt werden kann. Wenn die Monatsreinigung zum erstenmal eintritt, so zeigt sich dies gewöhnlich durch folgende Symptome an: Kopfweh, Gefühl von Schwere, Mattigkeit, Schmerz im Rücken und den Lenden und Unlust zur Arbeit. Die Hautfarbe ist eigenthümlich dunkel, namentlich unter den Augen, und zeitweilig verspürt die Betreffende ein Gefühl der Unruhe und des Verstopftseins im Halse. Die Ausdünstung hat einen kränkelnden Geruch und der Geruch des Athems ist eigenthümlich. Die Brüste sind erweitert, weich und empfindsam. Bezüglich der Speisen ist die Betreffende wählerisch und launig und die Verdauung ist gestört. Diese Symptome währen einen, zwei, drei Tage und verschwinden mit dem Eintreten der Menstruation. Die Monatsreinigung dauert drei, fünf oder sieben Tage, je nach der Körperorganisation der Frau. Ebenso ist die Quantität des ausgesonderten Blutes verschieden bei verschiedenen Frauen. Im Alter von etwa fünfundvierzig Jahren hört die Menstruation auf, und dies ist die Periode, vor welcher sich die Frauen gewöhnlich fürchten. Manchmal hält man die alsdann eintretenden Symptome, als da sind: Uebelkeit, launiger Appetit, Anschwellen und Schmerzen in den Brüsten für Anzeichen der Schwangerschaft. Die Veränderung tritt allmählig ein. Der Blutausfluß mag sich alle zwei bis drei Wochen einstellen, sodann zwei oder mehr Monate ausbleiben, darnach mehrere Monate so regelmäßig als je wiederkehren und endlich ganz aufhören. Während der Menstruation ist der Organismus, namentlich der jüngeren Personen, geistigen und physischen Einflüssen mehr zugänglich als sonst. Auf die regelmäßige und gesunde Verrichtung dieser Funktion kommt sehr viel an, denn ihr dankt die Frau ihre weibliche Schönheit und Vollkommenheit; deshalb sollte man sehr vorsichtig sein, daß die Menstruation nicht gestört wird. Eine plötzliche Unterdrückung derselben ist immer gefährlich, und unter den Ursachen, durch welche solche hervorgerufen wird, sind zu nennen: Plötzliche Furcht, Aerger, große Besorgniß und mächtige Gemütsbewegungen. Uebermäßige Anstrengung, lange Spaziergänge oder Fahrten, namentlich über rauhe Wege, Tanzen, vieles Stiegenauf- und ablaufen, veranlassen nicht blos vermehrten Ausfluß, sondern oft auch Vorfall der Gebärmutter. Patentmedizinen und Geheimmittel, die gegen Frauenkrankheiten empfohlen werden, Abführungs- und Brechmittel, sowie Liquöre mögen den Ausfluß vermehren oder demselben Einhalt thun. Ebenso schädlich sind während der „Periode“ kalte und warme Bäder, Fußbäder und Naßwerden der Füße, indem man dünnbesohlte Schuhe trägt. Eine junge Dame, die, weil sie gerne während ihres Unwohlseins auf den Ball gehen möchte, ein „Hüftbad“ nimmt, begeht eine wahnsinnige Handlung. Welch Elend kann angerichtet werden; wie viele Schmerzen bereiten sich solche Thörinnen! Behandlung ist während der Monatsreinigung nicht nöthig, es seien denn gewisse Störungen eingetreten, worüber wir uns in dem Folgenden aussprechen werden.


Zweites Kapitel.
Störungen der Menstruation.

Verzögerte und unterdrückte Menstruation.

Wenn die Monatsreinigung nicht zu rechter Zeit eintritt, so heißt man dies verzögerte oder unterdrückte Menstruation. Man hat jedoch die Entwicklung des betreffenden Mädchens in Anschlag zu bringen, auch wenn sie das Alter erreicht hat, wo das Auftreten dieser Funktion erwartet werden kann, denn die Körperentwicklung ist eine Bedingung der Monatsperiode. So lange das Mädchen nicht körperlich zugenommen hat, wenn sie über die Hüfte nicht weiter geworden, wenn ihre Brüste nicht weiter geworden, und sie keine dieser Periode vorangehenden Veränderungen wahrgenommen hat, wird es nur schädlich wirken, wenn man der Natur Gewalt anthut. In solchem Falle ist eine „allgemeine“ Behandlung nöthig. Man lasse die Betreffende sich viel in freier Luft bewegen, sie gehe frühzeitig zu Bett und stehe Morgens frühe auf. Geht sie noch zur Schule, so sollte man sie während der Zeit nicht in dieselbe senden. Ihre Kost muß nahrhaft aber nicht reich sein, sonst werden Magenstörungen entstehen. Ist sie jedoch vollkommen entwickelt, und leidet zeitweilig an Blutandrang im Kopf, in der Brust, oder im Unterleib, dann wird das Einschreiten nöthig. Folgende Symptome werden sich gewöhnlich in diesen Fällen einstellen.

Symptome. Kopfweh, Schwere, Vollheit, Pulsiren in der Mitte der Hirnschale und im Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte Füße und Hände, die zuweilen sehr heiß werden, trockene, rauhe Haut, langsamer Puls und nicht selten Fallsucht (Epilepsie).

Behandlung.

Homöopathisch. Einige Tage vor der Periode sollte die Patientin ein warmes Hüften- oder Fußbad nehmen, zweimal des Tages und Abends beim zu Bett Gehen mit warmem Wasser benetzte Tücher auf den Unterleib legen.

Ein sehr gutes Rezept wird von Prof. Cooke vom Hahnemannischen medizinischen Collegium in Chicago empfohlen, nämlich: Etwa zwei Wochen vor der Periode nehme eine Dosis Gelseminum jeden Abend, und eine Dose Belladonna jeden Morgen. Kurz vor Eintritt der Menstruation nehme diese zwei Heilmittel abwechselnd alle zwei oder vier Stunden.

Pulsatilla. — Wenn die Patientin melancholisch und traurig und zum Weinen geneigt ist; Blässe mit abwechselnder Hitze, Appetitlosigkeit mit Lust für saure Speisen, Uebelsein und Erbrechen.

Bryonia. — Blutandrang im Kopf, geröthetes Gesicht, häufiges Nasenbluten, Hartleibigkeit, Herzklopfen.

Lycopodium. — Anwendbar bei ähnlichen Symptomen.

Phosphorus. — Wenn die Patientin zu Lungenkrankheiten geneigt ist, schwache Brust, Husten, Brustschmerzen, Blutspeien.

Arsenicum. — Wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen oder der Füße oder anderer Gliedmaßen, blasse Gesichtsfarbe, gelbsüchtig.

Sulphur. — Wenn obige Heilmittel nicht wirken.

Verordnung der Heilmittel. Gebe eine Dosis (6 Kügelchen) alle Morgen von irgend einem dieser Mittel eine Woche oder zehn Tage lang. Wird die Patientin besser, so setze vier Tage lang aus und gebe eine Woche lang jeden Morgen Sulphur.

Allöopathisch. Hier wie in der homöopathischen Behandlung wird das Wasser in gleicher Weise gebraucht. Der Stuhlgang sollte durch ein mildes Reinigungsmittel, z. B. Castoröl und Aloepillen (Pill of aloes), regelmäßig erhalten werden. Fühlt die Patientin während oder vor dem Blutausflusse Schmerz und Vollheit im Kopfe, so gebrauche man folgendes:

Eisenhut- (Sturmhut) Blätter-Tinktur (Tincture of aconite leaves) 2 Drachmen.
Belladonna-Tinktur 1 Drachme.
Spanische Fliegen- (Cantharides) Tinktur 1
Morphium 3 Grane.
Syrup 4 Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Wenn die Schmerzen heftig sind, so mag alle zwei Stunden eine Dosis genommen werden.

Ist der Körper geschwächt, so mag zwischen den Perioden folgendes gebraucht werden:

Kohlensaurer Eisen-Niederschlag (Precip. carbonate of iron) 5 Drachmen.
Sturmhut- (Eisenhut) Extrakt (Extract of conium) 2
Peru-Balsam 1 Drachme.
Alcohol 4 Unzen.
Wintergrünöl (Oil wintergreen) 20 Tropfen.
Syrup 8 Unzen.

Dosis: Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.

Oder:

Orangenschalen-Syrup (Syrup of orange peel) 1 Unze.
Rosenwasser 7 Unzen.
Salzsaure Eisentinktur 1 Unze.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in ½ Glas voll Wasser dreimal des Tages.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn die Patientin robust ist, so gebe zeitweilige Dosen von zusammengesetztem Leptandrin-Pulver (Compound powder of leptandrin). Ist sie jedoch schwach und nervös, so erhalte den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem:

Pulverisirter Rhabarber Unze.
Doppeltkohlensaures Kali (Bi-carbonate of potassa) 1

Hiervon gebe man eine kleine Dosis dreimal des Tages, genügend um regelmäßige Oeffnung zu erhalten. Als ein Stärkemittel gebrauche man zusammengesetzten Wallwurzwein (Compound wine of comfrey). Zur selben Zeit verordne, wenn Kopfweh und Schmerzen im Kreuz und den Lenden vorhanden sind, warme Am. Ysop- (Penny royal), Rainfarn- (Tansy), schwarzen Schlangenwurzel- (Black cohosh) oder Raute- (Rue) Thee. Manchmal mildert ein warmer, aus Hopfen und Rainfarn zubereiteter und auf den Unterleib gelegter Umschlag die Schmerzen. Wenn, obgleich die Gesundheit durch obige Mittel besser geworden, die Menstruation noch nicht eingetreten ist, so verordne man:

Wiesenrauten-Stammblatt (Caulophyllin) 10 Grane.
Aletridin 8
Belladonna-Extrakt 1 Gran.

Mische dieses und bereite zehn Pillen daraus, von welchen eine dreimal des Tages zu nehmen ist.

Oder:

Kohlensaures Eisen (Carbonate of iron) 7 Grane.
Cimicifugin 3
Entenfuß (Podophyllin) 1 Gran.

Genügend weißen Terpentin, um aus dieser Masse Pillen zu bereiten. Man mache 4 Pillen und nehme eine dreimal des Tages.

Mit gutem Erfolg mag Sabenbaumöl (Oils of savin) und Rainfarn (Tansy), gleiche Theile von jedem, angewandt werden. Man gebe 5 oder 10 Tropfen der Mischung zweimal des Tages, und beginne damit eine Woche, ehe die Menstruation eintreten soll.

Die Bleichsucht (Chlorosis or Green Sickness).

Junge, unverheirathete, schwächliche Frauenzimmer sind es gewöhnlich, die von dieser Krankheit zu leiden haben. Sie stellt sich gewöhnlich zur Zeit der Mannbarkeit (Puberty) ein und äußert sich durch Appetitlosigkeit und Unverdaulichkeit. Die Menstruations-Blutung ist entweder gar nicht vorhanden, oder sehr gering.

Ursachen. Alles, was die Lebensfunktionen stört, z. B. unnahrhafte Speisen und Aufenthalt in feuchten, schlechtgelüfteten Zimmern; die Krankheit kann sich auch vererben, so daß alle Frauenzimmer derselben Familie damit behaftet sind. Diejenigen, die viel Thee, Kaffee, verdünnte Säuren und schlechte Weine trinken und sich sehr fest schnüren, sind dieser Krankheit leicht ausgesetzt. Unter anderen veranlassenden Ursachen mögen genannt werden: Störende Gemüthsbewegungen, unerwiederte Liebe, Heimweh, Trübsinn &c.

Symptome. Die Symptome, welche diese Krankheit kennzeichnen, äußern sich nicht alle zugleich, sondern treten nach und nach auf, so daß sich die Kranke deren kaum bewußt wird. Sie klagt gewöhnlich erst über Ermüdung und Widerwillen gegen geistige und körperliche Anstrengung. Die Hautfarbe ist eigenthümlich, nicht besonders weiß, aber blaß mit gelben und grünlichen Streifen. Die Lippen sind manchmal beinahe ganz weiß, die Augenlider bleifarbig und angeschwollen. Die Haut ist kalt. Der Gaumen wird weiß und die Haut ist gewöhnlich mit einer weißen Masse bedeckt und des Morgens fühlt die Kranke ein klebriges Gefühl im Munde. Der Athem ist übelriechend. Die Patientin ist sehr schwach und ermüdet bei jeder kleinen Anstrengung. Sie athmet schnell, nicht weil die Lungen krank sind, sondern weil sie nicht Kraft genug hat, die Brust gehörig zu erheben. Der Schlaf wird oft gestört und ist nicht stärkend. Hartleibigkeit ist vorhanden und zuweilen auch Uebelsein und Erbrechen. Der Puls ist schwach und schnell. Die Kranke ist traurig, weint oft plötzlich und ist gerne allein. Der Appetit ist verringert und dyspeptische Symptome, z. B. Sodbrennen, saurer Magen, Schmerz in demselben mit Nausea, zeigen sich. Sie begehrt unverdauliche Substanzen, wie Griffel, Kreide, Holzkohle &c. Auf außerordentliche Hartleibigkeit folgt Diarrhöe schlecht verdauter Substanzen. Mit dem Fortschreiten der Krankheit schwellen die untern Gliedmaßen an, hektischer Husten tritt ein, welcher manchmal von Blutspeien begleitet ist. Der Unterleib wird fest und schwillt und zwar oft so stark, daß man die Kranke für schwanger hält. Die Menstruations-Blutung, wenn sie überhaupt eingetreten, wird sehr schwach und schmerzhaft, hält nur kurze Zeit an, ist blaß, wässerig und hört endlich ganz auf. Manchmal fühlt die Kranke heftige Schmerzen in der linken Brust. In manchen Fällen äußern sich nervöse Symptome, z. B. hysterische Anfälle, Krämpfe &c. Man mag die Bleichsucht für Herzkrankheit oder Auszehrung halten, und ich habe deshalb eine genaue Beschreibung derselben gegeben, damit man sie gleich von Anfang an zu erkennen vermag. Jedoch treten an ein und derselben Person nicht alle hier angegebenen Symptome auf; jedoch wird man immer die Mehrzahl derselben finden.

Behandlung.

Allgemeine. Die Thatsache in Betracht ziehend, daß die Ursache „Blutverarmung“ ist, wird die Behandlung verhältnißmäßig nicht sehr schwierig werden. Die Kranke bewege sich viel in der frischen Luft, verwahre den Körper gegen Kälte vermittelst warmer Kleidung und halte sich in einem gut gelüfteten Zimmer auf. Die Kost sollte nahrhaft, nicht aber stimulirend sein. Regelmäßige Gewohnheiten in jeder Beziehung und Herbeiführung heiterer Gemüthsstimmung durch Gesellschaft und unschuldige Vergnügungen — dies ist bei der Behandlung sehr wichtig. Ehe man der Kranken Arznei giebt, müssen die veranlassenden Ursachen entfernt werden. Die Lebensweise der Patientin muß total verändert werden. Ging sie beständig zur Schule, so muß sie nun aus derselben bleiben, ist sie geneigt, immer zu Hause zu sein, so sende man sie aufs Land. Man stelle ihr die Gefahr vor, der sie sich aussetzt, wenn sie sich nicht im Freien bewegt, und verschaffe ihr alle mögliche Bewegung. Die Entfernung der sittlichen und geistigen Ursachen ist die schwierigste Aufgabe; aber auch in dieser Beziehung werden Luft- und Scenerieveränderung, neue Freundschaften u.s.w. eine gute Wirkung ausüben. Diejenigen, die in Fabriken arbeiten oder in ruhiger Körperstellung irgend einem Berufe nachgehen, müssen andere Beschäftigung aufsuchen. Ein lauwarmes Morgenbad, nach welchem der Körper tüchtig gerieben wird, ist von guten Diensten, ebenso das „Sitzbad“ oder das Abwaschen und Baden mittelst des Schwammes am Abend. Vor und nach dem Baden sollte die Patientin spaziren gehen oder sich mit Arbeit Bewegung verschaffen. Während der Menstruation muß alle Behandlung mittelst des Wassers eingestellt werden.

Allöopathisch. Die folgende Vorschrift wird von Dr. Pancoast von Philadelphia empfohlen. Man wechselt mit den Mischungen jeden Tag ab; das heißt, man nimmt No. 1 den einen und No. 2 den nächsten Tag u.s.w.

No. 1. — Kohlensaurer Eisen-Niederschlag (Precip. carbonate of iron) 5 Drachmen.
Sturmhut- (Conium) Extrakt 2
Peru Balsam 1 Drachme.
Zimmetöl 20 Tropfen.
Syrup 8 Unzen.
Pulverisirter Gummi Arabicum 2 Drachmen.

Mische. Dosis: 2 Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden andern Tag nach den Mahlzeiten. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.

No. 2. — Brechnuß-Tinktur (Tinct. of Nux Vomica) 1 Drachme.
Eisen-Iodide-Syrup (Syrup iodide of iron) 1 Unze.
Syrup 4 Unzen.

Mische dieses. Dosis: ein Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden andern Tag in Wasser nach den Mahlzeiten. Eine andere Behandlung:

Man reinige die Eingeweide mit der folgenden Mischung:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Salpetersaures Kali (Nitrate of potash) 10 Grane.
Lakritzen-Extrakt (Extract of liquorice) 1 Skrupel.
Zusammengesetzter Senna-Aufguß (Compound infusion of senna) Unzen.
Jalappen-Tinktur (Tinct. of jalap) 3 Drachmen.
Flüchtiger Salzgeist (Spirits of sal volatile) 1 Drachme.

Mische dieses. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll zu einer Zeit, mit Zwischenräumen von zwei Stunden, bis die Wirkung eintritt.

Auf dieses verordne man schwefelsaures Eisen 5 Grane, Enzian- (Gentian) Extrakt 10 Grane.

Bereite hieraus 3 Pillen und nehme 1 Pille zweimal des Tages mit zusammengesetzten Aloe- oder Rhabarber-Pillen jeden Abend.

Homöopathisch. Pulsatilla. — Für Frauen mit mildem, ruhigem Temperament, welche oft traurig sind und viel weinen, oder wenn Erkältung und Bloßstellung in der Witterung die Krankheit verursachten. Die folgenden Symptome deuten auf die Verordnung dieser Arznei hin: Fahle Farbe mit Röthe und Hitze abwechselnd, Herzklopfen, kalte Hände und Füße, Schwerathmen, mit einem Erstickungsgefühl nach jeder Anstrengung, öfterer Stuhlgang und Weichheit desselben, Uebelkeit und Erbrechen, Anschwellen der Füße, Frösteln, Ohrensausen und Gesichts-Neuralgie.

Bryonia. — Mag abwechselnd mit Pulsatilla gegeben werden, wenn Blutanhäufungen in der Brust vorkommen, Hartleibigkeit, Nasenbluten, Hitze abwechselnd mit Frösteln, Husten, wobei Klumpen schwarzen Blutes abgehen, Schmerzen im Kreuz.

Ferrum. — Bei großer Schwäche, Appetitlosigkeit, Uebelsein und hektischem Husten, wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen, Fahlheit der Haut, die Lippen sind beinahe blutlos, Schwierigkeit beim Athmen, Mangel an Lebenswärme.

Sulphur. — Gegen hartnäckige Fälle, namentlich wenn die obigen Heilmittel nicht wirkten. Klopfende Schmerzen im Kopf, Ohrensausen, saures Aufstoßen vom Magen, Hartleibigkeit mit harten Stuhlabgängen, große Bedrückung nach dem Sprechen, Schwierigkeit beim Athmen mit Druck in der Brust.

Calcarea Carbonica. — Kann nach Sulphur gebraucht werden, namentlich wenn die Abzehrung sehr bedeutend ist und die Patientin Schwierigkeit beim Athmen hat.

China und Carbo Vegetabilis. — Eine Dosis abwechselnd jeden Abend 5 oder 6 Wochen lang, wenn das Uebel nach einer heftigen Krankheit oder nach Hämorrhoiden eingetreten ist.

Verordnung der Heilmittel. Man verordne vom gewählten Heilmittel 5 oder 6 Kügelchen — trocken — einmal in 4 Stunden. Sobald Besserung eintritt, so gebe man die Arznei alle 12 Stunden oder alle 2 oder 3 Tage.

Kost. Diese sollte ganz einfach, aber nahrhaft sein. Man vermeide alle Stimulanten und hochreifen Früchte &c. Kaffee, grüner Thee und Liquöre dürfen nicht genossen werden.

Eclectische und Kräuterkur. Um den Stuhlgang regelmäßig zu erhalten, gebrauche man zusammengesetzte Leptandrin-Pillen (Compound pill of leptandrin), jeden Abend zu nehmen. Wirkt diese Dosis nicht, so füge zu jeder Pille 1⁄20 Gran Brechnuß (Nux Vomica) hinzu. Ist der Magen sauer, so gebe kohlensaures Natron (Carbonate of soda), oder kohlensaures Kali (Carbonate of potash), oder kohlensaure Magnesia (Carbonate of magnesia), mit Gelbwurz- oder Quassia-Thee. Zur Verbesserung des Blutes brauche folgendes:

Kohlensaures Eisen (Carbonate of iron) 5 Drachmen.
Assafötida Skrupel.
Entenfuß (Podophyllin) 8 Grane.

Mische dieses und bereite 24 Pulver daraus und verordne 1 Pulver dreimal des Tages.

Oder dieses:

Myrrhen-Tinktur, Aloe-Tinktur, von jedem 1½ Unzen, Blutwurzel- (Blood root) Tinktur, salzsaure Eisen-Tinktur (Muriated tinct. of iron), von jedem eine Unze. Mische dieses und verordne einen Theelöffel dreimal des Tages.

Oder die folgenden Pillen:

Schwefelsaures Eisen (Sulphate of iron), zu pulverisiren und an die Luft zu setzen, bis es trocken und weiß wird 1 Drachme.
Chinin (Quinine) 30 Grane.
Myrrhen (Gum Myrrh) 30
Entenfuß (Podophyllin) 20

Hiervon bereite man 60 Pillen mit Enzian-Extrakt (Extract of gentian) und nehme eine Pille Abends und Morgens.

Die zusammengesetzten Pillen von blausaurem Eisen (Compound pills of ferrocyanuret of iron) werden ebenfalls empfohlen. Man nehme dieselben Morgens und Abends. Man sollte eines dieser Präparate mehrere Wochen lang hinter einander nehmen und alsdann ein anderes.

Uebermäßige Menstruation (Profuse Menstruation — Menorrhagia).

Dies ist, wie der Name angiebt, ein übermäßiger Blutfluß während der Menstruation. Die Quantität Blut, die während der Monatsperiode ausfließt, ist bei verschiedenen Frauen verschieden, beträgt aber gewöhnlich zwischen vier und acht Unzen. Die Quantität mag an der Zahl der gebrauchten Tücher (Napkins) geschätzt werden. Jedes derselben enthält etwa ½ Unze oder einen Theelöffel voll, so daß 8 Napkins 4 Unzen enthalten würden, 20 zehn Unzen u.s.w. Bei manchen Frauen mag der Blutausfluß sehr reichlich sein, ohne daß dadurch die Gesundheit beeinträchtigt würde.

Ursachen. Dieses Uebel mag durch einen schwachen Zustand der Gebärmutter, durch vieles Kinderzeugen, Frühgeburten, üppiges Leben und zu langes und zu vieles Säugen, oder durch Gemüthsbewegungen, übermäßige Anstrengung, Tanzen, Fälle, schweres Heben, Erkältungen und geistige Aufregung erzeugt werden.

Symptome. Erschöpfung der Körperkräfte, Schwäche und Schmerz im Rücken, der sich bis zu den Hüften und über die Lenden zieht, fahles, eingesunkenes Gesicht, Kopfweh mit Klopfen in den Schläfen, Schmerz in der linken Seite, im Magen und in den Gedärmen, manchmal Diarrhöe mit großer Nervenschwäche.

Behandlung.

Allgemeine. Die Patientin muß sich auf ein hartes Lager niederlegen und keinerlei stimulirende Speisen und Getränke genießen. Das Zimmer sollte kühl und sie sollte mit leichten Decken bedeckt sein. Man bade die Füße in warmem Wasser, und wenn der Ausfluß sehr stark ist, so lege Tücher, gut mit Essig und Wasser getränkt, auf den Unterleib. Die Hüften müssen höher zu liegen kommen als der Kopf, und nur in den äußersten Fällen sollte man zum Verstopfen greifen. Muß es aber geschehen, so nehme man ein etwa 4 Zoll im Quadrat großes Stück Linnenzeug und bringe dasselbe in die Scheide, so daß diese angefüllt wird, worauf man eine Binde zwischen den Beinen befestigt. Kalte Hüftenbäder, sowie das Einspritzen von kaltem Wasser in die Scheide werden, falls die Blutung nicht heftig ist, dienlich sein.

Eclectische und Kräuterkur. Man nehme gleiche Theile pulverisirten Alaun, Geranium und Holzkohle, mische dieses und gebe davon 15 Grane alle 10–20 Minuten; oder je einen Theelöffel voll Salpeter und Alaun; mische dieses und vertheile die Masse in 6 Pulvern, von welchen eins alle 2–4 Stunden zu geben ist. Ein aus ganzem Zimmet (Cinnamon bark), oder ganzem Zimmet und den Blättern der rothen Himbeerstaude bereiteter Thee wird wohlthätig wirken, wenn die Patientin viel davon trinkt. Auch wird ein aus gleichen Theilen kurzblätterigem Dreiblattklee (Beth root), blauer Schlangenwurzel (Blue cohosh) und mehliger Aletris bereiteter Thee, von welchem je eine halbe Unze mit einem Pint kochenden Wasser vermischt wird, sehr empfohlen. Hiervon mag während eines Tages ein Pint getrunken werden. Zur selben Zeit nehme man alle Stunde oder 2 Stunden ein aus 5 Granen span. Pfeffer (Cayenne), ½ Gran Opium und 1 Gran Ipecacuanha (Ipecac) zusammengesetztes Pulver. Sind bedeutende Schmerzen vorhanden, so kann das folgende alle zwei oder drei Stunden verordnet werden: ½ Gran Morphium, 4 Grane spanischen Pfeffer, 4 Grane Harz (Rosin) in Brombeerensyrup zu geben. In manchen Fällen wird salzsaure Eisentinktur (Tincture of muriate of iron) in Dosen von 15 Tropfen alle halbe Stunde oder mehr, je nach Heftigkeit der Symptome, gute Dienste leisten. Zwischen den „Perioden“ gebe man zur Verhütung der Ueberblutung zusammengesetzten Wallwurzwein (Compound wine of comfrey) ein- oder zweimal des Tages und lasse die Patientin viel Thee von Brombeerwurzel oder kurzblätterigem Dreiblattklee trinken.

Homöopathisch. Ipecac. — Wenn der Ausfluß hellroth und die Menstruation zu oft eintritt. Man mag Sabina darauf folgen lassen.

Belladonna. — Wenn die Menstruation zu frühe wieder eintritt und die Patientin drückende Schmerzen mit heftigem Kopfweh empfindet, geröthetes Gesicht und kalte Gliedmaßen.

Orocus. — Ist ein wichtiges Heilmittel und ist zu gebrauchen, wenn der Ausfluß aus dunkeln Klumpen besteht.

Chamomilla. — Wenn der Ausfluß dunkelroth und verbunden ist mit kolikartigen Schmerzen, die den [Wehen] ähnlich sind, heftiger Durst, Kopfweh, mit geschwächtem Augenlicht und Ohrensausen.

Nux Vomica. — Wenn der Ausfluß plötzlich heftig ausströmt, eine Zeitlang aufhört und dann wieder beginnt. Unterleibskrämpfe, Uebelkeit, Erbrechen, Ohnmachten; ein Gefühl der Schwere und des Wundseins, als ob dasselbe von einer Quetschung herrühre.

Calcarea Carbonica — ist gegen hartnäckige Fälle sehr gut, wo der Ausfluß lange Zeit stattgefunden und bedeutende Störungen im Organismus veranlaßt hat. Geeignet für Personen mit schwachen, schlaffen Muskeln und skrophulösem Organismus.

Secale. — Bei sehr starkem Ausfluß mit heftigem Krampf, krampfhaftem Jucken in den Füßen und Kälte der äußeren Gliedmaßen.

Verordnung der Heilmittel. Löse von dem gewählten Heilmittel 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nehme alle halbe Stunde, oder jede Stunde oder zwei Stunden einen Theelöffel voll, je nach der Heftigkeit der Symptome.

Allöopathisch.

Essigsaures Blei (Acetate of lead) 10 Grane.
Pulverisirtes Opium 6

Bereite hieraus 10 Pillen und nehme eine Pille alle eine oder zwei Stunden, bis sich der Ausfluß vermindert. Das folgende wird sich als sehr wirksames Mittel erweisen:

Zimmetöl (Oil cinnamon) 2 Drachmen.
Berufskraut- (Can. Flöhkraut) Oel (Oil erigeron) 2
Pulverisirtes Gummi Arabicum 1 Drachme.
Wasser 4 Unzen.

Dosis: Einen oder zwei Theelöffel voll alle 1, 2 oder 3 Stunden in versüßtem Wasser.

Wenn die Patienten robust und alle anderen Funktionen in Ordnung sind, so werden Blutungen an den Lenden mittelst Blutegel gute Dienste leisten, dabei verordne das Folgende:

Galläpfel-Säure (Gallic acid) 20 Grane.
Rother Mohnsamen-Syrup (Syrup of red poppies) 2 Drachmen.
Gummi Arabicum-Schleim (Mucilage of gum arab.) 2
Wasser Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.

Zwischen den Monatsperioden muß man den Körper durch ein Eisenpräparat zu stärken suchen; eines der besten ist das folgende:

Kohlensaurer Eisenniederschlag (Prec. carb. of iron) 5 Drachmen.
Eisenhut-Extrakt (Extract conium) 2
Peruanischer Balsam (Balsam Peru) 1 Drachme.
Zimmetöl (Oil cinnamon) 20 Tropfen.
Syrup 8 Unzen.
Pulverisirtes Gummi Arabicum 2 Drachmen.

Dosis: Zwei Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages in Wasser. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.

Das folgende wird sehr geschätzt:

Ammoniakcitronensaures Eisen (Ammonia citrate of iron) 2 Drachmen.
Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (Compound tincture of cardamons) 2
Chirayta-Aufguß (Infusion of chiretta) Unzen.

Dosis: Einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Eine andere erfolgreiche Arznei wird von Prof. Meigs in Philadelphia empfohlen:

Pulverisirter Alaun (Pulv. Alum) 5 bis 20 Grane.
Geriebene Muskatnuß (Grated nutmeg) 2

Bereite hieraus ein Pulver und gebe dasselbe in aus weißem Zucker, den man kochen läßt, bereitetem Syrup alle Stunden.

Schwere Menstruation (Menstrual Colic, Painful Menstruation — Dysmenorrhœa).

Dieses Uebel ist durch den Namen gekennzeichnet, welcher eine mit Schwierigkeiten verknüpfte Monatsperiode bedeutet, mit vorhergehenden heftigen Schmerzen im Rücken und dem Unterleib.

Ursachen. Erkältungen, die sich Frauen während der Menstruation zuziehen, Erschrecken, heftige Geisteserregungen, hartnäckige Hartleibigkeit, sitzende Lebensweise, kleiner Mund und Hals der Gebärmutter. Frauen, welche mit diesem Uebel behaftet sind, werden gewöhnlich von demselben durch Heirath befreit.

Symptome. Heftige, drückende Schmerzen in der Gegend der Gebärmutter, wehenartige Schmerzen, Ruhelosigkeit, Frösteln abwechselnd mit Hitze, Kopfweh, Schmerz im Kreuz (Small Back) im Unterleib und den Lenden. Der Ausfluß ist gering und enthält Fasern und Blutklumpen.

Behandlung.

Allgemeine. Die Patientin sollte sogleich ins Bett gehen und sich warm zudecken. Sie darf keine stimulirenden Speisen und Getränke gebrauchen; soll aber warme Fußbäder, Sitzbäder und Aufschläge von Hopfen oder Tüchern, die in warmes Wasser getaucht wurden, anwenden.

Homöopathisch. Belladonna. — Wenn die Schmerzen im Unterleib derart sind, als ob die dortigen Theile fest umspannt wären, heftige Schmerzen im Rücken, drückende Schmerzen, als ob die Theile herausfallen wollten. Die Schmerzen treten vor dem Blutausfluß ein und sind mit Blutandrang nach dem Kopf und Kopfweh begleitet; erschreckende Visionen, rothes, aufgedunsenes Gesicht und heftiger Durst.

Pulsatilla. — Unterleibskrämpfe mit Abgang von Klumpen dunkeln oder blassen Blutes, drückende Schmerzen im Unterleib, im Kreuz und in den Seiten, Uebelkeit und Erbrechen, häufige Neigung zum Stuhlgang und Urinmachen.

Coffea. — Große Nervenaufregung, Zähneknirschen, Schreien, Kolik, Vollheit und Druck im Unterleib, Kälte des Körpers. Mag abwechselnd mit Pulsatilla verordnet werden.

Chamomilla. — Wehenartige Schmerzen, Menstruation zu stark, zu frühe und mit heftigen Unterleibskrämpfen verbunden.

Nux Vomica. — Gebärmutterkrämpfe, zerrende Schmerzen im Unterleib und Schmerzen im Rücken, als ob dieser gebrochen wäre, Uebelkeit und Neigung zum Urinmachen.

Secale Cornutum. — Schneidende, reißende Kolik mit starkem, lang anhaltendem Ausfluß, blasses Gesicht, kalte Gliedmaßen und kalter Schweiß.

Veratrum. — Kolik mit Uebelsein und Erbrechen, nervöses Kopfweh, Kälte der Füße, Nase und Hände, Ohnmachtanfälle.

Allöopathisch. Das folgende wird sehr empfohlen:

Sturmhutblätter-Tinktur (Tinct. of aconite leaves) 2 Drachmen.
Süßer Salpetergeist (Sweet spirits of nitre) 1 Unze.
Morphium 3 Grane.
Syrup 4 Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll alle halbe Stunde, bis Linderung eintritt.

Oder „Dover’s Pulver,“ 10 oder 15 Grane auf einmal zu geben und 5 Grane in einer Pille alle 3 bis 4 Stunden; nach jeder Pille gebe man eine Dosis der folgenden Mischung:

Essigsaure Ammoniak-Auflösung (Solution of acetate of ammonia) Unze.
Süßer Salpetergeist (Sweet spirits of nitre) 2 Drachmen.
Syrup 2
Kampher-Mischung (Camphor mixture) 4 Unzen.

Mische dies. Dosis: Den vierten Theil.

Zwischen den Perioden hat sich die Patientin viel Bewegung zu machen; ein warmes Hüftbad drei Abende in der Woche zu nehmen, wobei Wasser tief in die Scheide einzuspritzen ist. Man halte den Stuhlgang mit Aloe- oder Myrrhen-Pillen regelmäßig und nehme einen kleinen Theelöffel voll flüchtige Guajack-Tinktur (Volatile tincture of guaicum) dreimal des Tages in Wasser. Kurz vor der Zeit, da die Periode eintritt, nehme man folgendes am Abend:

Calomel (geläutertes Quecksilber) 3 Grane.
Opium 1 Gran.

Morgens nehme man eine Dosis Castoröl und beim Eintritt der Periode Dover’s Pulver und Mischung, wie oben angegeben. Diese Behandlung ist jedesmal zwischen den Perioden zu wiederholen, bis Besserung eintritt.

Das folgende sollte nach der Empfehlung von Prof. Meigs einige Tage vor dem Eintritt der Menstruation verordnet werden:

Säuerliche Zeitlosen-Tinktur (Acetous tincture of colchicum) 3 Drachmen.
Magnesia 1 Drachme.
Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 3 Drachmen.
Distillirtes Münz- oder Zimmet-Wasser 4 Unzen.

Mische dieses. Dosis: Ein kleines Weinglas voll alle zwei oder drei Stunden, bis die Medizin wirkt. Ehe man dieses Mittel einnimmt, sollte den Abend zuvor eine kleine Dosis Blaupillen (Blue pills) verordnet werden.

Eclectische und Kräuterkur. Schaffe Stuhlgang-Oeffnung durch folgendes:

Pulverisirte Aloe 30 Grane.
Gummigutt (Gamboge) 30
Entenfuß (Podophyllin) 20
Spanischer Pfeffer (Cayenne) 10

Bereite daraus mittelst Gummi Arabicum Schleim 30 Pillen, nehme 3 Pillen für eine Dosis alle 4–6 Stunden, bis sie wirken. Ein heißer Hopfen-, Rainfarn- (Tansy) oder Wasserdost- (Boneset) Umschlag mag auf den Unterleib gelegt werden. Zu gleicher Zeit nehme das folgende:

Pulverisirter Kampher } je 25 Grane.
Macrotin
Brechwurz } je 12
Spanischer Pfeffer
Opium

Bereite hieraus 25 Pillen mittelst Bilsenkraut- (Hyosciamus) Extrakt und nehme alle 2, 3 oder 4 Stunden eine Pille, je nach den Symptomen. Ein Dunstbad (Spirits vapor bath) leistet in manchen Fällen ausgezeichnete Dienste. Auch wird Gelsamin-Tinktur (Tinct. of Gelseminum) in Dosen von ½ Theelöffel voll alle Stunden oder öfters zu nehmen, empfohlen. Sind die Schmerzen sehr heftig, so füge man 5 Tropfen Sturmhut-Tinktur (Tinct. of Aconite) zu jeder Dosis. Zwischen den Perioden gebrauche folgendes:

Kampher Skrupel.
Schwefelsaures Chinin (Sulphate of Quinine) 35 Grane.
Stechapfel-Extrakt (Extract of Stramonium) 20

Bereite hieraus mittelst Aletridin 80 Pillen und nehme 1 Pille alle 4–5 Stunden.

Der zusammengesetzte Syrup der Mitchella (Partridge berry) wird für hartnäckige Fälle sehr empfohlen und muß lange Zeit damit fortgefahren werden.

Unterdrückte Menstruation (Supression of the Menses — Amenorrhœa).

Hierunter versteht man ein Ausbleiben der Monatsperiode, nachdem dieselbe bereits eingetreten, und mag dieses Uebel entweder acut oder chronisch sein.

Ursachen. Erkältungen, die sich die Betreffende während des Blutausflusses durch nasse Füße &c. zugezogen hat, Furcht, Erschrecken, Gemütsbewegungen, Angst, Fieber und andere acute Krankheiten. Chronische unterdrückte Menstruation kann entweder durch die acute herbeigeführt, oder durch geschwächten Körperzustand und Krankheiten des Eierstocks und der Gebärmutter verursacht werden. Auch mag dieses Uebel durch ein verschlossenes Hymen entstehen, in welchem Falle es von einem Arzte aufgeschnitten werden muß.

Symptome. Folgende Symptome zeigen sich bei solchen Frauen, deren Körper und Geschlechtsorgane vollkommen entwickelt sind: Kopfweh, Fieber, heiße Haut, schneller Puls, Durst, Schwere, Vollheit und Pochen im Mittel- und Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte Füße und Hände. Frauen, die nervös und von zartem Körperbau sind, haben hysterische Anfälle und selbst Epilepsie. Die Symptome der chronischen Periodenunterdrückung sind: Abnahme der Gesundheit, Appetitlosigkeit, Fahlheit der Haut, Schmerzen im Rücken und den Seiten, Hartleibigkeit und Kopfweh.

Behandlung.

Allgemeine. Ist die Periodenunterdrückung durch eine Krankheit verursacht, so muß diese gehoben werden, ehe die Menstruation wieder eintreten kann. Gegen plötzliche Unterdrückung gebrauche man warme Sitz- oder Fußbäder. Auf den Unterleib lege man in warmes Wasser getauchte Tücher und trinke viel warmes Wasser. Ist die Unterdrückung chronisch und die Patientin von zartem Körperbau, so gebrauche man zwischen den Perioden das Sturzbad oder den Badzuber (full bath) und verwende dazu kaltes oder lauwarmes Wasser und reibe den Körper mittelst eines rauhen Handtuchs tüchtig ab, namentlich am Unterleib, den Lenden und den Geschlechtstheilen.

Allöopathisch. Ein warmes Hüftbad wird den Blutausfluß gewöhnlich herbeiführen. Ist die Gebärmutter entzündet, so verordne das folgende:

Sturmhutblätter-Tinktur (Tinct. of Aconite leaves) 2 Drachmen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 1 Unze.
Syrup 3 Unzen.

Dosis: einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.

Kann der Ausfluß nicht herbeigeführt werden, so warte, bis die Zeit kommt, wo die nächste Periode eintreten sollte. Einige Tage vor derselben sollten die Eingeweide vollkommen geöffnet werden und in diesem losen Zustand bis zur Zeit bleiben, wo der Ausfluß beginnen sollte. Die Aloe- und Eisen- (Aloes and Iron) Pillen vom Vereinigten Staaten Dispensatorium sind hierfür eines der besten Mittel. Man verwende von 1 zu 3 Pillen täglich. Wenn keine Ursache für die Unterdrückung der Monatsregel — z. B. Schwangerschaft, Entzündung des Mutterhalses, und die Frau leidet durch die Unterdrückung, so verordne das folgende:

Caulophyllin (Wiesenrautenstammblatt) 1 Drachme.
Sturmhut-Extrakt 8 Grane.
Aloe 10
Schwefelsaures Eisen (Sulphate of iron) 10

Hieraus bereite 40 Pillen. Dosis: 2 oder 3 Pillen Morgens und Abends.

Oder dies:

Aloe 1 Drachme.
Myrrhen 1
Schwefelsaures Eisen (Sulphate of Iron) 1
Schwarzer Nieswurz-Extrakt (Extract black hellebore) 1
Sabinöl (Oil of savine) 1

Mache 30 Pillen daraus. Dosis: 1 Pille drei- bis sechsmal täglich.

Diese Mittel sollten immer einige Tage vor der Zeit, wo die Periode eintreten sollte, genommen werden. Ist die chronische Unterdrückung die Folge irgend einer acuten Krankheit, so muß immer die Gesundheit zuerst wieder hergestellt werden, denn bei geschwächtem, kränklichem Körperzustand die Menstruation mit Gewalt herbeizuführen, ist schädlich. Ist die Gesundheit wieder fest, so nehme man unmittelbar vor der Rückkehr der Periode ein warmes Hüftbad alle Abend, sechs Abende hinter einander, und eine der folgenden Pillen dreimal des Tages:

Frisch pulverisirtes Roggenmutterkorn (Fresh powd. ergot of rye) 50 Grane.
Barbadös Aloe 12
Wesentliches Wachholderbeerenöl (Essential oil of juniper) 12 Tropfen.

Mache mittelst Schleim oder Syrup hieraus 12 Pillen und verschlucke jede mit einer Theetasse voll am. Ysop-Thee (Pennyroyal).

Eclectische und Kräuterkur. Ist die Patientin hartleibig, so gebrauche das Jalappenpulver (Powder of jalap). Lege auf den Unterleib Umschläge von Hopfen oder Rainfarn (Tansy). Amerikanischer Ysop-, Rainfarn-, Ingwer- (Ginger) oder Mutterkraut- (Motherwort) Thee kann oft getrunken werden. Auch mag in kurzen Zwischenräumen die zusammengesetzte Tinktur von Virginischer Schlangenwurzel (Compound tincture of Virginia snake root) gegeben werden. Gegen Hartleibigkeit mögen die bei schwerer Menstruation empfohlenen Pillen aus Aloe, Gummigutt und Entenfuß gegeben werden. Einige Tage vor der Zeit der Periode ist dreimal des Tages eine halbe Theetasse voll Thee aus Eisenhand (auch Eisenkraut, englisch Vervine) zu trinken. Dies wird sehr empfohlen.

Homöopathisch. Aconitum. — Wenn die Unterdrückung durch Schreck oder Erkältung herbeigeführt worden, mit Blutandrang im Kopf und der Brust, geröthetes Gesicht, Uebelsein, Ohnmachtanfälle, Schwindel. Dies Mittel mag abwechselnd mit Bryonia gegeben werden. Bewirken die Arzneien nur theilweisen Erfolg, so gebe man Opium.

Belladonna. — Für robuste Patientinnen, bei denen alle andern Funktionen in Richtigkeit sind. Kopfweh und Pulsiren im Kopfe, geröthetes Gesicht, Blutandrang im Kopf und der Brust, großer Durst.

Bryonia. — Kopfweh und Schwindel, welche durch Bewegung, und wenn die Patientin mit der Bewegung aufhört, vermehrt werden, Schmerz im Magen, saures Aufstoßen, Hartleibigkeit, Nasenbluten.

Pulsatilla. — Dies ist gegen die Krankheit das wichtigste Heilmittel und wird angewandt, wenn die Unterdrückung durch Erkältung verursacht ist, heftiges Kopfweh, namentlich an einer oder der andern Seite des Kopfes, mit schießenden Schmerzen, die sich ins Gesicht, zu den Ohren und Zähnen ziehen; Schwindel mit Ohrensausen, Herzklopfen, kalte Hände und Füße, Hitze, Uebelsein und Erbrechen, Druck im Unterleib, Erstickungsgefühl bei der geringsten Anstrengung, häufige Neigung zum Urinlassen, weißer Fluß, Traurigkeit.

Sepia. — Nervöses Kopfweh mit abwechselndem Frösteln und Hitze, Kolik und Schmerzen in den Seiten, blasse Hautfarbe oder gelbe Flecken im Gesicht, Weinen, hysterische Störungen; namentlich dann anzuwenden, wenn weißer Fluß vorhanden ist.

Veratrum. — Nervöses Kopfweh, Uebelsein und Erbrechen, kalte Hände und Füße, Schwäche und Ohnmachtanfälle.

Sulphur. — Kopfweh, namentlich im Hinterkopf, Gefühl der Schwere und des Vollseins im Kopf, Pulsiren, fahle Gesichtsfarbe mit rothen Flecken im Gesicht, saurer Magen, Druck im Unterleib, Hartleibigkeit, unerfolgreiche Anstrengungen zum Stuhlgang, oder Diarrhöe mit schleimigem Abgang, Hämorrhoiden, weißer Fluß mit Jucken an den Geschlechtstheilen, Schmerzen in den Lenden, Schwerathmen, aufgeregter Gemüthszustand und Traurigkeit. Bei chronischen Fällen, wenn die Patientin sehr schwach ist, gebe entweder China, Graphites, Arsenicum oder Natrum Muriaticum.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe 1 Theelöffel voll alle 1 oder 2 Stunden, je nach den Symptomen. Wenn der Ausfluß sich nicht einstellt, wohl aber die Symptome gehoben sind, so höre mit der Medizin auf und beginne wieder einige Tage vor der nächsten Periode.

Aufhören der Menstruation oder Uebergangszeit (Cessation of the Menses — Change of Life).

Unter dem Ausdruck „Uebergangszeit oder kritische Periode“ versteht man das Aufhören der Menstruation. Dieses tritt gewöhnlich zwischen dem 40. und 50. Lebensjahre ein, obgleich es in einigen Fällen auch schon in den dreißiger und in anderen erst mit den sechziger Lebensjahren stattfinden mag. Gewöhnlich aber zeigt sich die Lebensveränderung um das 45. Lebensjahr. Die Symptome sind je nach der Körperorganisation der betreffenden Frau verschieden. Bei manchen äußert sich das Aufhören der Menstruation durch verringerte Menge des Blutausflusses, bei andern dadurch, daß es länger als gewöhnlich ansteht, bis die Periode wieder eintritt. Eine Frau mag in dieser Zeit weiter nichts fühlen als einen zeitweiligen Blutandrang nach dem Kopfe und Kopfweh. Bei andern aber zeigen sich ernstliche Symptome, welche die Behandlung eines geschickten Arztes erfordern. Den in dieser Lebensperiode sich äußernden körperlichen Uebelständen sollte gehörige Aufmerksamkeit geschenkt werden, und man darf sich nicht damit beruhigen, daß dieselben eben vom Aufhören der Menstruation herrühren und von selbst gehoben würden, sobald der kritische Zeitpunkt überstanden sei; denn in dieser Zeit mögen bedeutende Krankheiten verursacht werden, welche der Frau das Leben zur Zeit der Qual machen, während sie andernfalls sich eines glücklichen Alters hätte erfreuen können. Während der Uebergangszeit wird die Gesundheit der meisten Frauen mehr oder weniger gestört sein; aber zu sagen, was und wo das vorhandene Uebel sei, dies ist manchmal unmöglich, und man gewahrt eben nur Unwohlsein. Folgendes sind die Symptome, die zu Tage treten mögen:

Symptome. Kopfweh, Schwindel, Gallsucht, saurer Magen, Unverdaulichkeit, Diarrhöe, Hartleibigkeit, Hämorrhoiden, Jucken der Geschlechtsteile, Krämpfe und Kolik im Unterleib, Herzklopfen, Anschwellen der Gliedmaßen und des Unterleibes, Schmerz im Rücken, den Lenden, Blässe und Schwäche.

Behandlung.

Allgemeine. Man sei im Essen und Trinken mäßig und schlafe in geräumigen, gut ausgelüfteten Zimmern, genieße keine Stimulanten, bewege sich täglich in der frischen Luft, entweder durch Gehen oder Reiten, vermeide heftige Gemüthsbewegung und das sich nasser und stürmischer Witterung Aussetzen, nasse Füsse &c.

Eclectische und Kräuterkur. Gegen Schwindel und Kopfschmerz gebe das zusammengesetzte Jalappen-Pulver (Compound powder of jalap) oder das zusammengesetzte Leptandrin-Pulver (Compound powder of leptandrin).

Homöopathisch. Die am meisten zu benützenden Mittel sind Pulsatilla, Lachesis, Bryonia, Cocculus, Ignatia und Sulphur. Gewöhnlich kann die Behandlung mit Pulsatilla und Lachesis begonnen werden. Man verordne 1 Dosis (6 Kügelchen) von Pulsatilla vier Tage lang; sodann höre mit Medizingeben vier Tage lang auf und darnach gebe Lachesis in derselben Weise. Werden die Symptome schwächer, so gebe keine Medizin, so lange sich die Patientin auf der Besserung befindet. Bryonia giebt man, wenn Blutandrang nach dem Kopf, Schwindel &c. vorhanden sind, und Ignatia, wenn die Patientin erregt und nervös ist.

Allöopathisch. Halte den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem offen:

Mercurial-Pillen 1 Gran.
Brechwurz-Pulver (Ipecac powder) ½
Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (Compound rhubarb pill) 3 Grane.

Mische dieses und bereite eine Pille daraus und nimm solche jeden Abend.

Oder eine Unze Hicra Picra, oder pulverisirte Aloe und Castella mit einem Pint Wachholderbeeren-Branntwein (Gin) vermischt. Die Mischung sollte von 4 zu 5 Tagen stehen bleiben, worauf ein Eß-Löffel voll in ein Glas Wasser jeden Morgen oder alle andern Morgen, je nachdem, zu nehmen ist.

Ist die Patientin korpulent, feist und robust, so wird das folgende empfohlen:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) Unzen.
Zusammengesetzter Rosenaufguß 5
Zimmetwasser 1 Unze.

Mische dieses. Dosis: zwei Eßlöffel voll einmal täglich.

Sind nervöse Symptome vorhanden, so gebe:

Baldriansaures Zink (Valerianate of zinc) 8 Grane.
Baldrian-Tinktur (Tincture of Valerian) 2 Drachmen.
Orangenblumen-Wasser Unzen.
Rother Mohn-Syrup (Syrup of red poppies) 2 Drachmen.

Mische dieses. Dosis: ein Eßlöffel voll alle 6 Stunden.


Drittes Kapitel.

Vorfall der Gebärmutter (Falling of the Womb — Prolapsus Uteri).

Zum besseren Verständniß dieser Krankheit ist einige Kenntniß von dem Bau dieses Organs nöthig. Die Gebärmutter hat die Form einer Birne und ist zwei und einen halben bis drei Zoll lang, einen und dreiviertel Zoll weit und endigt nach unten in den Muttermund, oder Mutterhals, welcher etwa einen halben Zoll weit ist. Das Gewicht der Gebärmutter beträgt ungefähr 1½ Unze. Dieselbe liegt im unteren Theile des Unterleibs, im sogenannten Becken zwischen der Blase und dem Mastdarm. Gehalten wird die Gebärmutter theils dadurch, daß sie auf dem oberen Ende der Scheide ruht und nebstdem an vier Bändern befestigt ist. Die Bänder sind etwa 2½ Zoll lang und sie sind dazu vorhanden, um dieses Organ in richtiger Lage zu erhalten. Vorfall der Gebärmutter ist ein Sinken derselben und kann dieses so gering sein, daß es gar nicht bemerkt wird, oder so stark, daß sich das Organ durch die Oeffnung der Scheide zwischen die Beine drängt.

Ursachen. Es ist dies nicht sowohl eine Krankheit der Gebärmutter selbst, als vielmehr eine Krankheit der Theile, die sie zu stützen und in Lage zu erhalten haben. So lang als die Scheide ihre natürliche Größe beibehält und die Bänder nur 2½ Zoll lang sind, wird dieses Organ nicht aus seiner Lage verrückt werden. Alles, wodurch der Körperorganismus geschwächt und schlaff wird, mag dieses Uebel herbeiführen. Wenn z. B. die Muskeln des Unterleibs, welche die Eingeweide halten und stützen, aus irgend welcher Ursache erschlaffen, so werden die Eingeweide auf die Gebärmutter und deren Bänder Druck ausüben, welcher endlich ein Nachgeben derselben veranlaßt. Eine andere Ursache ist in zu früher Leibesbewegung nach dem Kindbett zu suchen. Ebenso wird starker Blutabfluß oder weißer Fluß, wenn diesen Uebeln kein Einhalt gethan wird, diese Krankheit erzeugen. Beständiges Stiegenauf- und absteigen von Seiten zartgebauter Frauen, enges Schnüren, Tanzen, Hüpfen und Springen, namentlich während der Monats-Periode, wo die Gebärmutter schwerer ist als sonst, weil sie mehr Blut enthält, sowie der Gebrauch solcher Medizinen, welche den „Stuhlgang öffnen“ und die von Vielen angewandt werden, sind die veranlassenden Ursachen von Gebärmutter-Vorfall.

Symptome. Die Symptome sind, je nachdem das Organ mehr oder weniger aus der Lage verrückt ist, verschieden. Jedoch wird die Patientin mehr oder weniger Druck im unteren Theil des Unterleibs, mit Schmerzen im Kreuz, sowie Druck in den Geschlechtstheilen verspüren, und zwar vermehren sich die Symptome durch körperliche Bewegung, oder wenn die Betreffende lange Zeit steht, und sie sind weniger heftig, wenn sie liegt. Auch in den Schamleisten und den Lenden werden Schmerzen gefühlt, die durch den Druck auf die Nerven entstehen; ebenso findet sich ein Geneigtsein zum Urinlassen, ohne daß die Patientin fähig wäre, so zu thun, es sei denn Tropfen bei Tropfen. Der Urin ist sehr heiß. Der Schmerz ist manchmal so bedeutend, daß sich die Kranke nach vorwärts krümmen oder sich dadurch unterstützen muß, daß sie die Hände gegen die Lenden stemmt, wenn sie geht. Diese Symptome verschwinden jedoch, sobald sie niederliegt, woraus man leicht auf die Natur der Krankheit schließen kann. Die Kranke hat Kopfweh, leidende Gesichtszüge, Dyspepsie, Herzklopfen und Schmerzen in der linken Seite.

Behandlung.

Allgemeine. Die meisten mit Gebärmuttervorfall behafteten Frauen meinen, es sei nöthig, daß sie einen Träger zur Stütze des Unterleibs nöthig hätten. Diese Träger (Supporters) richten jedoch viel Schaden an; denn da man sie eng um den Unterleib gebunden trägt, vermehren sie den Druck auf die Eingeweide und drücken so die Gebärmutter und deren Bänder immer weiter herab. Es ist blos nöthig, die Gebärmutter wieder in ihre natürliche Lage zu bringen und daselbst zu erhalten. Zu diesem Behufe gebraucht man ein Instrument — Mutterkranz (engl. Pessary, lat. Pessarium) genannt. Dasselbe ist ein aus Gold, Silber, Elfenbein, Holz oder Guttapercha verfertigter Ring und wird in der Scheide zur Unterstützung der Gebärmutter angebracht. Täglich sollte ein kaltes Hüftbad genommen werden, während man zu gleicher Zeit kaltes Wasser mittelst einer Spritze (Syringe) in die Scheide einspritzt. Die Patientin liege so viel als möglich und vermeide es, erschöpft zu werden. Auf den Unterleib lege beim Schlafengehen kalte Umschläge. Schnürleiber und schwere Röcke dürfen nicht getragen werden und die Kleider sollten los am Körper hinunterhängen. Allen diesen Vorschriften hat man genau nachzukommen und die Kost muß nahrhaft, einfach, aber nicht stimulirend sein.

Homöopathisch. Belladonna. — Wenn die Kranke im Unterleib ein Gefühl verspürt, als ob dessen Inhalt sich entleeren wollte, Schwere in den Lenden, mit krampfhaften Schmerzen im Unterleib, große Empfindlichkeit und Aufgeregtheit, weißer Fluß und starke Menstrualblutung.

Sepia. — Wenn die Monatsperiode zu früh eintritt, zu schwach oder unterdrückt ist, Schmerzen im Rücken und Unterleib, welche sich beim Gehen vermehren, öftere Geneigtheit zum Urinlassen, drückende Schmerzen im Unterleib, als ob der ganze Inhalt desselben sich entleeren wolle, Brennen, Jucken, weißer Fluß, mit gelblichem, röthlichem oder fauligem Ausfluß.

Nux Vomica. — Druck abwärts, namentlich während oder nach dem Gehen, Hitze und Schwere in den Gedärmen und in der Scheide, ziehende Schmerzen im Rücken, dem Unterleib und den Lenden. Während der Periode Kolik, Kopfweh; die Menstruation tritt zu frühe ein und ist zu stark, weißer Fluß mit gelbem stinkendem Abgang.

Calcarea Carbonica. — Ausgezeichnet für Personen mit schwachem Muskelsystem oder skrophulöser Anlage, und namentlich wenn die Monatsperioden die Körperkräfte sehr erschöpfen und dieselben zu starke Blutungen erzeugen und zu oft eintreten.

Man beginne die Behandlung mit einer Dosis Nux Vomica alle 4 Stunden und fahre damit eine Woche lang fort. Die folgende Woche setze aus und die dritte verordne eine Dosis Sepia Morgens und Abends. Deuten die Symptome auf den Gebrauch von Belladonna hin, so verordne dieses anstatt Nux Vomica.

Eclectische und Kräuterkur. Gebrauche einen Aufguß von Weißeichenrinde oder Geranium, oder eine Dosis Alaunauflösung im Verhältniß von einer Unze zu einem Pint Wasser. Die Entzündung der Gebärmutter muß geheilt werden, wenn diese Krankheit vorhanden ist, ehe der Mutterkranz angewandt werden kann. Man gebe Sturmhut-Tinktur (Tincture of aconite), zusammengesetzte Pulver von Brechwurz und Opium (Compound powder of Ipecac and Opium) mit Einspritzung von Lobelia- und Hopfen- oder von Belladonna-Aufguß.

Ein ausgezeichnetes Einspritzmittel läßt sich aus gleichen Theilen Pfirsichblätter, Smilacine (Solomon’s seal) und Hopfen bereiten. Ist Hitze und Schwierigkeit beim Urinlassen vorhanden, so trinke man einen aus Eibisch (Marsh mallow) und Münze (Spearmint) bereiteten Aufguß. Ist die Patientin schwach, so verordne man ein Eisenpräparat, z. B. citronensaures Eisen (Citrate of iron) und Chinin (Quinine), oder den zusammengesetzten Wallwurzwein (Compound wine of comfrey).

Allöopathisch. Gebrauche das folgende Stärkemittel (Tonic):

Schwefelsaures Chinin (Sulphate quinine) 25 Grane.
Citronensaures Eisen (Citrate of iron—soluble) 35

Bereite hieraus 24 Pulver und nehme eins derselben dreimal täglich nach jeder Mahlzeit in süßem Wein, oder gebrauche das schwefelsaure Eisenniederschlag-Präparat, welches unter „übermäßiger Menstruation“ angegeben ist.

Der weiße Fluß (Whites — Flour Albus — Leucorrhœa).

Der Name dieser Krankheit in den verschiedenen hier angegebenen Sprachen bezeichnet dieselbe. Sie besteht aus einem Ausfluß aus den Geschlechtsorganen, der manchmal weiß, gelb, hellgrün, hellroth oder auch bräunlich ist, und öfters dünnem Wasser ähnlich aber öfters auch dick und zäh ist. Manchmal ist die Quantität der Aussonderung nicht größer, als die bei gesunder Menstruation, oft aber auch vermehrt sie sich auf mehrere Unzen in 24 Stunden. Der weiße Fluß tritt gewöhnlich zwischen dem fünfzehnten und fünfundvierzigsten Jahre, selten aber in der Kindheit oder im Alter auf. Wenn junge, unentwickelte Mädchen davon befallen werden, so sind die Ursache nicht selten kleine Würmer, die vom Mastdarm in die Scheide gelangen, welche mittelst eines Stück Zeugs entfernt werden können.

Diese Krankheit kann acut oder chronisch auftreten. Die acute Form ist gewöhnlich die Folge einer Erkältung und nichts anderes als eine catarrhalische Entzündung der Scheideschleimhaut. Die chronische Form ist eine Fortsetzung der acuten und wird durch Vernachlässigung oder schlechte Behandlung des acuten weißen Flusses veranlaßt. Manchmal tritt Eiterung des Mutterhalses ein. Es gibt zwei Arten Leucorrhöa — die Scheide-Leucorrhöa, wenn der Ausfluß von der Scheide herrührt, und Mutterhals- (cervicale) Leucorrhöa, wenn der Abgang von dem Hals der Gebärmutter kommt.

Ursachen. Erkältungen, durch Sitzen auf kaltem Boden oder Bloßstellung des Nackens und der Schultern herbeigezogen, übermäßige geschlechtliche Aufregung und Geschlechtsgenuß, enges Schnüren, Hämorrhoiden, Fehlgeburten und Frühgeburten, Verrückung der Gebärmutter, Purganzen, untaugliche Kost, warme Einspritzungen oder Einspritzungen irgend welcher Art, spätes zu Bett Gehen u.s.w. Dieses Uebel kann sich auch vererben.

Symptome. Wo nur eine durch Erkältung herbeigeführte catarrhalische Entzündung ist, werden die Theile heiß und wund sein, mit einem Gefühl der Schwere oder abwärts drückenden Schmerzen und Ermüdung. Auch wird die Patientin leichtes Frösteln, Rückenschmerz und Durst verspüren. Der Puls ist schnell, der Urin dunkel. In diesem Stadium der Krankheit wird die Kur derselben wenig Schwierigkeit machen, wenn man eine zweckmäßige Behandlung einschlägt. Rührt der Ausfluß von der Gebärmutter her, so ist derselbe dick, ätzend, brennend und stinkend, und hat eine bräunliche oder grünliche Farbe und macht die Lippen der Scheide und die umliegende Haut wund. Die Verdauung wird geschwächt werden und die Kranke fühlt Uebelsein, Kopfweh, Schwindel, Schwäche und beständigen Rückenschmerz, der sich herunter bis zwischen die Lenden zieht, und ist appetitlos. Das Gesicht magert ab und ist blaß, die Augen sind eingesunken und mit dunklen Ringen umgeben.

Behandlung.

Allgemeine. Soll die Behandlung eine erfolgreiche sein, so muß man alles entfernen, was die Krankheit befördern könnte, z. B. unregelmäßige Lebensweise, späte Abendmahlzeiten u.s.w. Die Kost muß einfach und nahrhaft, aber nicht stimulirend sein und sollte ganz regelmäßig genossen werden. Bewegung, aber nicht bis zur Erschöpfung, wird sehr gute Dienste leisten. Die Kleider sollten warm sein und lose, namentlich um die Hüften herum getragen werden. Das Wasser ist gegen dieses Uebel von großer Wichtigkeit. Man mag das Sitzbad täglich gebrauchen und Einspritzungen von kaltem oder warmem Wasser sollten je nach der Heftigkeit des Anfalles drei- oder viermal des Tages vorgenommen werden. Gegen milde Anfälle wird eine Einspritzung mit grünem Thee, oder süßem Cider, oder einer schwachen Alaunauflösung gute Dienste leisten.

Eclectische und Kräuterkur. Das folgende wird sich als werthvoll erweisen, falls der Ausfluß und der Schmerz brennend sind:

Copaiva-Balsam 1 Unze.
Süßer Salpetergeist (Sweet spirits of nitre) 2 Unzen.
Süßes Mandelöl (Sweet almond oil) 2
Terpentingeist (Spirits of turpentine) 1
Pulverisirter Kampher 1 Skrupel.

Mische dieses in einem Achtel-Unzen Bottel. Dosis: Einen Theelöffel voll in einer halben Theetasse voll Ulmenthee (Slippery elm) drei- oder viermal täglich. Eines der besten Stärkemittel ist die salzsaure Eisentinktur (Muriated tincture of iron), von welcher 20 bis 25 Tropfen in einem halben Glas voll Wasser drei- oder viermal des Tages zu nehmen sind. Ein gutes Einspritzungsmittel wird von einem Pint Mohnsamenthee (Tea of poppy heads), wozu 1½ Unzen pulverisirter Borax beigefügt wird, bereitet. Ebenfalls sind 3 Drachmen Gerbersäure (Tannic acid) und 1 Unze Alaun (Alum), in einem Quart Wasser aufgelöst, ein treffliches Einspritzmittel. Man spritze ein Drittel dieser Mischung dreimal täglich ein. Die Stuhlöffnung sollte mittelst Rochelle- oder Bittersalz oder Seidlitzpulver regelmäßig erhalten werden. Sind die Organe sehr schwach, oder ist die Krankheit durch Erkältung, Schwangerschaft oder Frühgeburt u.s.w. entstanden, so wird sich das folgende als sehr wirksam beweisen:

Aloe-Tinktur 2 Unzen.
Salzsaure Eisentinktur (Muriated tincture of iron) 4 Drachmen.

Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen in Wasser dreimal täglich. Zur selben Zeit gebrauche das folgende Einspritzmittel:

Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc — White vitriol) 2 Drachmen.
Bleizucker (Sugar of lead) 2

Mische dieses in einem Quart Wasser und gebrauche ¼ der Mischung für eine Einspritzung.

In manchen Fällen wird das folgende gute Dienste leisten:

Sokotara Aloe-Tinktur (Tincture of socotrine aloes) 4 Unzen.
Salzsaure Eisen-Tinktur (Tincture of muriate of iron) 1

Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen dreimal täglich in Wasser. Zur selben Zeit gebrauche die obige Einspritzung.

Ein anderes ausgezeichnetes Einspritzmittel wird aus einer schwarzen Schlangenwurzel- (Black cohosh root) Abkochung, wozu Gerbersäure (Tannic acid) beigefügt wird, bereitet. Als innerliches Heilmittel mag das folgende manchmal verordnet werden: Gleiche Theile geriebene Muskatnuß (Grated nutmeg) und pulverisirten Alaun (Powd. alum). Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Molasses.

Allöopathisch. Das folgende Stärkemittel (Tonic) wird sehr empfohlen:

Schierling-Tinktur (Tincture conium) 1 Unze.
Sturmhutblätter-Tinktur (Tincture aconite leaves) 3 Drachmen.
Ammoniak-eisensaurer Alaun (Ammoniated iron alum) 3
Syrup 8 Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Wasser nach den Mahlzeiten. Kommt der weiße Fluß vom Gebärmutterhals oder der Gebärmutter her, so wird das folgende erfolgreich wirken:

Gerbersäure (Tannic acid) 1 Drachme.
Pulverisirter Alaun (Powd. alum) ½ Unze.
Wasser 1 Quart.

Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends in die Scheide ein.

Oder:

Alaun 1 Drachme.
Rosenhonig (Honey of roses) 1 Unze.
Wasser 3 Unzen.

Spritze einen Eßlöffel voll der Mischung mit einer Tasse voll Wasser vermischt zweimal des Tages ein.

Hat die Kranke heftige Schmerzen, so wird das folgende gute Dienste leisten:

Laudanum 2 Drachmen.
Essigsäuerliche Bleiauflösung (Solution sub-acetate of lead) 1 Drachme.
Wasser 1 Pint.

Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.

Rührt der weiße Fluß von der Scheide her, so werden kalte Wassereinspritzungen große Dienste leisten, namentlich wenn Vorfall der Gebärmutter vorhanden ist. Ebenso die folgende Einspritzung:

Doppeltkohlensaure Soda (Bi-carbonate of soda) ½ Unze.
Doppeltkohlensaures Kali (Bi-carbonate of potash) ½
Wasser 1 Quart.

Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein. Oder:

Essigsäuerliche Bleiauflösung (Solution sub-acetate of lead) 2 Drachmen.
Wasser 1 Quart.

Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.

Bringen diese Einspritzungen nicht die gewünschte Wirkung hervor, so gebrauche man die folgende innerliche Arznei:

Fowler’s Auflösung (Fowler’s solution) 2 Drachmen.
Schierling-Tinktur (Tincture conium) ½ Unze.
Sturmhutblätter-Tinktur (Tincture aconite leaves) 2 Drachmen.
Syrup 4 Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich jeden andern Tag.

Homöopathisch. Pulsatilla. — Wenn der Ausfluß dünn und scharf ist, so daß die Theile wund werden, mit geschwollener Vulva, oder wenn der Ausfluß rahmartig ist und die Ausscheidung desselben schneidende Schmerzen im Unterleib verursacht. Pulsatilla paßt am besten für Frauen mit sanftem Gemüthe und zartem Muskelbau, hellen Haaren und blasser Farbe.

Sepia. — Geeignet für empfindsame, zarte Frauen. Der Ausfluß ist gelblich oder grünlich, manchmal mit Materie und Blut vermischt, brennende Schmerzen in der Scheide und den andern Geschlechtstheilen, Gebärmuttervorfall.

Alumina. — Wenn der weiße Fluß nach der Menstruation eintritt, bedeutender Schleimabgang während des Tages, der Ausfluß ist so dick und zäh, daß er die Wäsche „steift,“ Brennen und Hitze, Wundheit und Jucken der Geschlechtstheile.

Calcarea Carbonica. — Wenn der weiße Fluß vor der Menstruation eintritt, mit Jucken, Brennen, in Zwischenräumen oder beim Urinlassen. Geeignet für Frauen von heller Hautfarbe, leichtem Muskelbau und träger Blutcirkulation.

Nitric Acid. — Gegen stinkenden, bräunlichen, grünlichen oder fleischfarbenen Ausfluß.

Mercurius. — Eiteriger Ausfluß mit Brennen.

Cocculus. — Wässeriger, blutiger Ausfluß während der Schwangerschaft. Geringe Menstrual-Blutungen mit Leucorrhöa zwischen den Perioden.

Sulphur. — Gegen hartnäckige Fälle, schleimige oder gelbliche, schmerzende und aufschärfende Leucorrhöa, welcher Kolik vorangeht.

Verordnung der Heilmittel. Man gebe von dem gewählten Heilmittel 6 Pillen Morgens und Abends 5 Tage lang. Wird die Patientin nicht besser, so gebe man eine Dosis Sulphur und setze 4 Tage lang aus, worauf mit dem vorhergehenden Heilmittel wie zuvor fortzusetzen ist. Tritt hierauf keine Besserung ein, so muß man eine andere Arznei wählen.


Viertes Kapitel.
Schwangerschaft.

Schwangerschaft ist derjenige Zustand, welcher mit der Empfängniß eintritt und bis zur Entbindung dauert. Sie kann erst nach dem ersten Auftreten der monatlichen Reinigung eintreten und hört auf mit dem Wechsel des Lebens, oder wenn das Weib aufhört zu menstruiren.

Während dieser Zeit müssen mancherlei Dinge, welche, wenn sie nicht gehörig überwacht werden, einen schädlichen Einfluß auf den Sprößling ausüben, im Auge behalten werden. Eine ruhige Gemüths-Stimmung ist von wesentlichem Einfluß, denn Jähzorn, Eifersucht und Schreck haben fast immer üble Folgen, und durch heftige geistige Erregungen wird nicht selten eine Fehlgeburt (Abortus) veranlaßt. Eine Frau von übler Laune, leidenschaftlichem Charakter und reizbarem Gemüthe kann kaum erwarten, daß sie einem Kinde von sanftem und gütigem Charakter das Leben schenken wird. Wir wissen alle, wie sehr sich die Sinnesart der Eltern auf die Kinder vererbt, und von welch’ großem Einfluß ist es dann, daß die Mutter ein sanftes und liebreiches Herz, eine gütige und nachsichtige Denkart pflegt, damit ihre Kinder zu ihrer Ehre und nicht zu einer Quelle des Unglückes und Elendes für sie heranwachsen. Die Gebärmutter hat einen bedeutenden Einfluß auf das Nervensystem des ganzen Körpers, so daß also, wenn sie den Keim eines menschlichen Wesens enthält, mehr oder weniger der gesammte Organismus des Weibes dadurch berührt werden muß. Die hierdurch verursachten Symptome sind die Zeichen der Schwangerschaft. Es gibt aber viele von jenen Merkmalen, welche auch bei anderen Zuständen gefunden werden, so daß keines dieser Zeichen verläßlich ist, und andererseits gibt es Frauen, deren Organismus nur wenig durch die Schwangerschaft gestört wird. Die erste Folge der Schwangerschaft ist gewöhnlich vermehrte Aufregung und Fieberhaftigkeit. Der Puls schlägt stärker und schneller, der Appetit wird gestört und die Haut ist bleich und öfters entfärbt. Die folgenden Kennzeichen sind die meist verläßlichen:

Zeichen der Schwangerschaft. Das erste Zeichen ist das Aufhören der monatlichen Reinigung. Dies kann aber auch von anderen Ursachen herrühren, so daß es an und für sich nicht als ein sicheres Zeichen betrachtet werden kann; wenn aber der Gesundheitszustand keine andere denkbare Ursache dafür gibt, mag es für ein starkes Anzeichen gehalten werden.

Uebelsein am Morgen. Dies — in Verbindung mit anderen Merkmalen — ist ein beachtenswerthes Symptom. In der Regel ist der Magen reizbar und die Frauen leiden an Uebelsein und Erbrechen, die sich besonders des Morgens einstellen. Es stellt sich bald nach der Empfängniß ein und hört nach dem dritten Monat wieder auf.

Anschwellen der Brüste. Ungefähr nach zwei Monaten wird die Aufmerksamkeit des Weibes auf den Zustand der Brüste gelenkt. Sie empfindet einen unbehaglichen Eindruck des Vollseins mit einem prickelnden und stechenden Schmerz im Innern und an den Warzen. Sie nehmen an Größe und Festigkeit zu und fühlen sich eigenthümlich und drüsenartig an. Die Areola oder Warzenring (ein gefärbter Kreis um die Warze) verdunkelt sich und nach einiger Zeit wird Milch abgesondert. Aber es muß erinnert werden, daß das Anschwellen der Brüste auch anderen Ursachen zugeschrieben werden kann; bei einigen Frauen ereignet es sich, daß sich bei jedesmaliger monatlichen Reinigung, wenn deren Verlauf unterbrochen oder sie sich ganz einstellt, zu solchen Zeiten eine milchige Flüssigkeit absondert (Churchill).

Anschwellen des Unterleibes. Dieses Kennzeichen, mit anderen vereinigt, befähigt uns, mit annähernder Sicherheit die Dauer der Schwangerschaft zur Zeit, wo wir diese Wahrnehmung machen, zu bestimmen. Während der ersten vier Monate bleibt die Gebärmutter in der Höhle des Beckens oder im tieferen Theile des Unterleibs, wird aber bald nachher über dem Schambein — am Rande des Beckens gefühlt. Im fünften Monat steigt sie in den Raum zwischen Schambein und Nabel bis zur Hälfte, im sechsten gleitet sie bis zum Nabel hinauf, den sie hervordrängt. Während des siebenten und achten Monats füllt sie den ganzen Unterleib bis zum Magen. Die Eingeweide sind über und hinter sie gedrängt.

Bewegungen des Kindes. Ungefähr gegen den fünften Monat nach der Empfängniß fühlt die Mutter die erste Regung des Kindes im Leibe. Einige fühlen es früher; Andere wieder nicht vor dem sechsten oder siebenten Monat. Manche meinen, daß das Kind bis zu dieser Zeit nicht am Leben sei, was aber eine ganz irrige Annahme ist, denn von dem Augenblick der Empfängniß ist es gerade ebenso ein lebendes Wesen, wie zu irgend einer Zeit nachher. Tritt diese Bewegung plötzlich ein, so sind die Schwangeren sehr zum Erbrechen geneigt, zuweilen Ohnmachten unterworfen. Die Lebens-Empfindung ist zuerst eine leichte, nimmt aber allmählig zu, bis die Bewegungen an den verschiedenen äußeren Theilen gefühlt werden können.

Es gibt noch manche andere Zeichen, welche den einzelnen Frauen eigenthümlich sind, und durch welche, in Verbindung mit anderen Zeichen, diese nach dem ersten Kindbett im Stande sind zu sagen, ob sie schwanger sind oder nicht. Hierher gehören die sogenannten Gerstenkörner an den Augenlidern, Zahnschmerzen, schwarze Flecken — gleich Sommersprossen — im Gesicht und Nacken, starke, hartnäckige Speichelabsonderung, ähnlich jener, die durch das Merkur (Quecksilber) hervorgerufen wird, nur mit dem Unterschied, daß hier die Schleimhäute vollkommen gesund sind. Es sind dies aber zufällige Zeichen, welche eben nur in vereinzelten Fällen gefunden werden.

Die Erhaltung der Gesundheit während der Schwangerschaft.

Die alten Römer hatten ein Gesetz, zufolge dessen alle schwangere Frauen weite, lose Kleider tragen mußten. Würde heutzutage ein derartiges Gesetz bestehen, es würden weit weniger Frühgeburten, Gebärmutter-Vorfall, wunde Brüste und andere derartige Krankheiten vorkommen. Kleider sollten warm, lose, leicht und in keinem Theile beengend sein. Schnürleiber müssen ganz bei Seite gelegt werden, und sogar der Gebrauch der Strumpfbänder sollte unterbleiben. Die Kleider müssen so zugerichtet sein, daß sie frei von den Schultern herabfallen, ohne daß sie um die Taille gebunden werden. Das Blut muß einen ungehinderten Umlauf haben, sonst werden sich früher oder später während der Schwangerschaft nachtheilige Folgen einstellen. Große Sorgfalt muß beobachtet werden, daß das Kleid um die Brüste lose sitzt, denn es kann sich leicht zutragen, daß die Brüste, wenn das Kind geboren wird, so flach werden, daß die Warzen nicht gefunden werden können. Pflegte die Schwangere vor der Empfängniß kalte oder warme Bäder zu nehmen, so mag sie dieselben fortsetzen, wenn nicht ein fühlbarer Nachtheil wahrgenommen wird.

Bewegung ist für die Erhaltung der Gesundheit sehr wichtig. Einige sind der Ansicht, daß sich schwangere Frauen keine Bewegung machen sollen, aber das ist ein Irrthum. Gerade dadurch bewahrt sie ihre Gesundheit und Stärke und erhält damit den gesunden Zustand des Kindes. Bewegung — sogar bis zur Ermüdung — kann viel leichter als geistige Aufregungen ertragen werden, und letztere sollten, da sie so sehr nachtheilig sind, so viel als möglich vermieden werden. Die Schwangere sollte täglich Bewegung haben, und zwar körperliche; sie muß gehen, nicht fahren, denn Fahren ist nicht hinlänglich. Die beste Bewegung ist die Verrichtung ihrer Haushaltungsgeschäfte, und sie sollte damit, so lange als sie fähig ist, fortfahren. Fühlt sie sich nicht wohl, oder steht eine Fehlgeburt zu befürchten, so muß sie alle Thätigkeit einstellen. Ueberhaupt müssen schnelle und heftige Bewegungen, wie das Heben schwerer Gegenstände, plötzliches Anspannen der Muskeln, Springen, Tanzen, sich Strecken, um einen entfernter liegenden Gegenstand zu erfassen, vermieden werden.

Die Nahrung. Die Kost sollte einfach und nahrhaft sein. Nicht selten stellt sich ein Verlangen nach Speisen ein, die nicht nur der Mutter, sondern auch dem Kinde schädlich sind. Die Frau muß am besten wissen, was sie essen kann, und es können durchaus keine besonderen Vorschriften zur Regelung der Kost gegeben werden. Stark gewürzte Speisen, Spirituosen, starker Thee und Kaffee sollten aber immer vermieden werden.

Krankheiten während der Schwangerschaft.

Uebelsein am Morgen. Dies ist ein sehr lästiges Unwohlsein und schwer einzuschränken. Es stellt sich in der Regel gleich bei Beginn der Schwangerschaft ein, und dauert bis zum dritten Monat. Die Anfälle kommen des Morgens und dauern nur eine kurze Zeit.

Behandlung.

Allgemeine. Es kann zuweilen dadurch vermieden werden, daß die Patientin im Bett, bevor sie des Morgens aufsteht, eine Tasse Kaffee und eine kleine geröstete Brodschnitte zu sich nimmt. Starkes Trinken von Champagner soll hin und wieder von wohlthätiger Wirkung sein. Ale, Limonade, Sardinen und geräucherte Häringe werden hie und da Erleichterung verschaffen.

Allöopathisch. Die folgende Mischung wird sehr wohlthuend wirken:

Doppeltkohlensaures Kali (Bi-carbonate of potash) 2 Drachmen.
Gewöhnlicher Syrup 2
Destillirtes Wasser 6 Unzen.

Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll, und zu jedem derselben einen Eßlöffel voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronensäure beigegeben, nachdem es in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst worden. Muß während des Aufbrausens getrunken werden.

Wenn keine Diarrhöe vorhanden, kann auch das Folgende mit Vortheil angewendet werden:

Schwefelsaures Magnesium (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Kohlensaures Magnesium (Carbonate of magnesia) 1 Drachme.
Pfeffermünz-Wasser (Peppermint water) 4 Unzen.
Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (Compound infusion of gentian) 4

Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal täglich.

Homöopathisch. Ipecacuanha. — Galliges Erbrechen; Uebelsein und Erbrechen mit Magenbeschwerden; Erbrechen unverdauter Speisen; schlaffe Eingeweide.

Tabacum. — Ein erfolgreiches Mittel, wo das Uebelsein mit Ohnmacht und tödtlicher Blässe des Gesichts verbunden ist; der Aufenthalt in frischer Luft zu empfehlen; Erbrechen von Wasser oder saurer Flüssigkeit und Schleim.

Arsenicum. — Außergewöhnliches Erbrechen nach dem Essen und Trinken, bei Ohnmacht und großen Schmerzen.

Nux Vomica. — Uebelsein und Erbrechen des Morgens; ein säuerlich bitterer Geschmack im Halse; Sodbrennen; Verstopfung.

Sepia. — Wenn das Uebelsein eine Zeitlang gedauert und in der Regel des Morgens erscheint, und wenn des Abends ein schmerzhaftes Gefühl von Leere im Magen mit Brennen und Stechen in der Herzgegend sich kund gibt.

Camphor. — Wenn ein kalter Schweiß bei heißem Kopf und kalten Füßen vorhanden.

Pulsatilla. — Falls Ipecacuanha und Nux Vomica sich unzureichend erwiesen haben, und besonders wenn sich Erbrechen am Abend oder in der Nacht einstellt; verdorbener Appetit; Sehnsucht nach Bier, Säuren, Wein &c.; Durchfall abwechselnd mit Verstopfung.

Eclectische und Kräuterkur. Ein Thee von hellrothem Hartriegel (engl.: Red rose willow bark, rose willow; lat.: Cornus sericea) verschafft zuweilen Erleichterung, oder eine Tasse Kamillen- oder Pfeffermünzthee, ungefähr eine Stunde vor Aufstehen des Morgens genossen. Wiederholen sich jene Uebelkeiten in Zwischenräumen am Tage, so sollte der folgende Trank mehrere Male des Tages genommen werden:

Calcinirtes (verkalktes) Magnesium 1 Drachme.
Aromatische Ratanhia-Tinktur (Aromatic tincture of rhatany) 1 Unze.
Reines Ammoniakwasser (Water of pure ammonia) 2 Drachmen.
Distillirtes Wasser 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll.

Schamjucken (Pruritis — Itching of the Private Parts).

Dies ist ein sehr peinliches Gefühl. In einigen Fällen tritt es so heftig auf, daß es alle Ruhe und Schlaf stört und geradezu unerträglich wird. Es ist sehr zweifelhaft, welcher Ursache es zuzuschreiben ist, möglicherweise einem ungesunden Ausfluß aus der Scheide, oder, wenn es von Hitze des Kopfes, Röthe, Trockenheit und Geschwulst begleitet ist, einer Art Ausschlag wie das [Mundschwämmchen] bei Neugeborenen. Die Theile müssen vollkommen rein gehalten werden, wozu warmes Wasser am besten zu verwenden ist.

Behandlung.

Homöopathisch. Das beste Mittel ist Conium, von welchem eine Dosis (6 Kügelchen) dreimal des Tages zu nehmen ist. Bleibt dies ohne Wirkung, so wende man eines der folgenden Mittel an (Dosis wie oben): Arsenicum, Bryonia, Rhus, Silicea, Pulsatilla, Sulphur, Lycopodium oder Graphitis. Als Umschlag benutze man eine Unze Borax in einem Pint Rosen- oder Regenwasser aufgelöst. Erstreckt sich der Kitzel bis in die Scheide, spritze ein wenig von der Auslösung ein. Ein schwacher Aufguß von grünem Thee, oder eine schwache Lösung von Alaun wird zuweilen von wohlthuendem Einfluß sein.

Eclectische und Kräuterkur. Das folgende wird empfohlen:

Pulverisirter Borax (Powd. borax) 2 Drachmen.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphia) 3 Grane.
Eine Abkochung der Gelbwurz (Golden seal) 4 Unzen.

Das Pulver soll in der Abkochung aufgelöst mehrere Male des Tages angewendet werden.

Allöopathisch.

Pulverisirter Borax ½ Unze.
Schwefelsaures Morphium 6 Grane.
Destillirtes Rosenwasser 6 Unzen.

Mische es. Mehrere Male des Tages anzuwenden.

Oder:

Bleiauflösung (Diacetate of lead — Goulard’s Extract) 2 Drachmen.
Wein-Spiritus 2
Mit so viel Wasser, daß das Ganze ein Pint macht.

Mische es.

Krampf-varicöse (unnatürlich erweiterte) Adern (Varicose Veins).

Verursacht durch den Druck der Gebärmutter auf die Adern im Unterleib, wodurch eine freie Rückkehr des Blutes zum Herzen verhindert wird. Das Anschwellen beginnt in der Regel am Knöchel und geht bis zum Schenkel aufwärts; hin und wieder geht es aber nicht über das Knie hinaus. Die Geschwulst verringert sich, sobald sich die Kranke niederlegt. Dieses Leiden verschwindet nach der Entbindung.

Behandlung.

Allgemeine. Ein freier Gebrauch des kalten Wassers oder verdünnter Alcohol verschafft beim Beginn Erleichterung. Werden die Adern groß und schmerzhaft, so muß ein Verband, an den Zehen beginnend, sorgfältig angelegt werden, oder es sollte ein Schnürstrumpf getragen werden. Der Verband muß von einem geschickten Arzte angelegt werden.

Allöopathisch. Klette- (Burdock) und Wegerich- (Plantain) Blätter um das Bein gebunden, leisten gute Dienste, sowie Blei- oder Alaunwasser und ein Aufguß von Weißeichenrinde.

Homöopathisch. Eine schwache Arnica- und Hamamelis-Auflösung wird gute Dienste thun, wenn man vor dem Schlafengehen die Beine von unten nach oben, immer aufwärts reibend, einreibt.

Nux Vomica. — Wenn nebst dieser Krankheit auch Hämorrhoiden vorhanden sind, Hartleibigkeit, häufige drückende Schmerzen und reizbare Gemüthsstimmung.

Pulsatilla. — Dies ist das Hauptmittel, namentlich wenn die Adern und die Beine bedeutend geschwollen und Schmerzen sowie Entzündung vorhanden sind.

Arsenicum. — Wenn die Anschwellung schwärzlich ist und bedeutende brennende Schmerzen verursacht. Wirkt dieses nicht, so gebe Carbo Vegetabilis.

Hämorrhoiden oder Goldader (Piles, or Hemorrhoids).

Dieser Krankheit sind schwangere Frauen vielfach ausgesetzt, und zwar wird dieselbe gewöhnlich durch Hartleibigkeit verursacht, weshalb es sehr wichtig ist, daß eine schwangere Frau ihren Stuhlgang regelmäßig erhält, so daß weder Hartleibigkeit noch Diarrhöe eintritt und gegen alle Störungen in dieser Hinsicht sogleich einschreitet.

Behandlung.

Allgemeine. Die oftmalige Anwendung des kalten Wassers wird sehr gute Dienste leisten, wenn es sogleich zu Anfang gebraucht wird. Es mag mittelst Sitzbäder, kalter Umschläge oder Einspritzungen in Anwendung kommen. Wenn die Hämorrhoiden bluten oder zu bluten aufhörten und sehr schmerzen, gebrauche warmes Wasser. Die Kost muß sorgsam regulirt werden und man darf nur sehr wenig Fleisch genießen. Wenn nach dem Stuhlgang der Darm oder eine kleine Beule zu Tage tritt, so müssen diese Theile wieder mit dem Finger eingedrückt werden. Viele Arznei einzunehmen, ist nicht rathsam, sondern man lebe in allen Stücken regelmäßig und schaffe sich regelmäßige Bewegung. Die Stuhlgangöffnung kann regelmäßig erhalten werden durch den Genuß von Roggenbrod, Roggenmehl und Molasses, Kartoffeln, reife Früchte, gekochte Pfirsiche und Pflaumen &c.

Homöopathisch. Nux Vomica und Sulphur sind die hauptsächlichsten Mittel. Nux Vomica, namentlich wenn nach jedem Stuhlgang helles Blut ausfließt und eine beständige Neigung zum Stuhlgang vorherrscht. Man gebe Nux Vomica Abends (eine Dosis) und Sulphur Morgens (eine Dosis). Tritt hierauf nach einigen Tage nicht Besserung ein, so kann man Ignatia geben, namentlich wenn heftige stechende Schmerzen vorhanden sind, oder nach jedem Stuhlgang schmerzliche Zusammenziehung und Wundheit eintritt. Ist die Hartleibigkeit sehr hartnäckig, so verordne Ignatia und Opium alle 2 oder 3 Stunden abwechselnd. Andere zu gebrauchende Heilmittel sind: Arsenicum, Belladonna, Carbo Vegetabilis, Hepar Sulphuris, Hamamelis, Virginica.

Eclectische und Kräuterkur. Um der Hartleibigkeit vorzubeugen, gebe einen Theelöffel voll Cremor Tartari mit Wasser oder Molasses vermischt, oder die zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (Compound rhubarb pill). Schmerzen die Knoten und sind diese entzündet, so wird ein Ulmenrinde- (Slippery elm bark) und Milch- oder Wasser-Umschlag gute Dienste leisten. Zu derselben Zeit gebrauche die folgende Salbe zum einreiben: Zwei Eßlöffel voll frische, ungesalzene Butter und vier Eßlöffel voll Terpentingeist (Spirits of turpentine). Dieses ist gut zu mischen und damit die betreffenden Theile zwei- oder dreimal täglich einzureiben. Auch das folgende wird gute Dienste leisten:

Stechapfel-Salbe (Stramonium ointment) 1 Unze.
Pulv. Alaun (Powd. alum) 2 Drachmen.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphia) 2

Mische dieses und reibe die Knoten (Tumors) mittelst eines Stücks Baumwollenzeug ein.

Allöopathisch. Ist Arznei nothwendig, so kann ein Theelöffel voll verzuckerte Senna (Confection of senna) oder eine kleine Dosis Castoröl manchmal eingenommen werden, oder das folgende:

Schwefel (Sulphur) ½ Unze.
Magnesia 2 Drachmen.
Cremor Tartari 2

Mische dieses. Gabe: einen Theelöffel voll in ein Glas voll Wasser. Siehe „[Hämorrhoiden],“ 12. Kapitel, erster Theil.

Anschwellen der Füße und Beine (Swelling of the Feet and Limbs).

Dieses wird durch den Druck der größer gewordenen Gebärmutter, den diese auf die lymphatischen Gefäße ausübt, verursacht.

Behandlung.

Homöopathisch. Bryonia und Opium — kann abwechselnd alle zwei Stunden gegeben werden. Dosis: 6 Kügelchen.

Findet sich ziemlich viel Fieber vor, so gebe Aconitum und Bryonia abwechselnd. Dosis: 6 Kügelchen.

Allöopathisch. Die Beine sollten mit einem in Wasser und Essig getauchten Schwamm tüchtig abgewaschen und das folgende kann mit Erfolg gegeben werden:

Fingerhut-Aufguß (Infusion of digitalis) 4 Unzen.
Essigsaures Kali (Acetate of potash) 2 Drachmen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 2
Zimmet-Wasser (Cinnamon water) Unzen.

Mische dieses. Dosis: 1 Eßlöffel voll alle vier oder fünf Stunden.

Eclectische und Kräuterkur. Wasserdost- auch Wiesenkönigin- (Queen of the meadow) und Haircap moss- oder Eibisch- (Marshmallow) Aufguß mag reichlich gebraucht werden.

Hartleibigkeit während der Schwangerschaft.

Einer der während der Schwangerschaft eintretenden unangenehmen Zustände ist die Unthätigkeit der Gedärme, was durch mancherlei Umstände herbeigeführt werden mag und wogegen man sich sorgsam verwahren muß. Gewöhnlich wird es nützlich sein, eine Diätveränderung vorzunehmen. Esse viel reise, süße Früchte, z. B. Aepfel, Pflaumen, Pfirsiche u.s.w. Man meide aber Kaffee und alle Stimulanten. Auch ist es nicht rathsam, heftig wirkende Abführmittel zu geben, da hierdurch leicht Fehlgeburt herbeigeführt werden kann.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Ein aus folgenden Substanzen bereitetes Einspritzmittel wird gut wirken: Bereite einen aus drei Theilen Wasserdost (Boneset) und zwei Theilen Senna bestehenden Aufguß. Zu einem Pint und einem halben dieses Aufgusses füge ein halbes Weinglas voll Castoröl. Die Hälfte dieser Mischung gebrauche man als Einspritzungsmittel, und wenn nöthig, so wiederhole dasselbe in etwa 25 bis 30 Minuten. Man wiederhole das Klystier so oft als es zur regelmäßigen Stuhlgangöffnung nöthig ist. Ist ein Abführmittel nothwendig, so gebe folgendes:

Pulverisirter Rhabarber 4 Unzen.
Doppeltkohlensaures Kali (Bi-carbonate of potassa) 2

Mische dieses und gebe eine kleine Dosis (1 Theelöffel voll) dreimal täglich.

Allöopathisch. Das folgende ist ein sehr angenehmes Mittel zur Erhaltung der Stuhlgangöffnung: Koche 1 Unze Senna-Extrakt in ein Pint Wasser zwei Stunden lang. Sodann seihe die Flüssigkeit, füge ein Pfund Pflaumen und eine Handvoll Stückzucker bei, bringe das ganze in eine Pfanne und lasse es kochen, bis die Pflaumen gut gekocht und weich sind. Esse täglich sechs oder acht Pflaumen.

Das folgende wird sehr gute Dienste leisten:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) Unzen.
Zusammengesetzter Rosenaufguß 5
Zimmetwasser 1 Unze.

Mische dieses. Dosis: zwei Eßlöffel voll dreimal täglich.

Oder:

Zusammengesetzter Coloquinthen-Extrakt (Compound ext. of colocynth) 2 Skrupel.
Bilsenkraut-Extrakt (Extract of Henbane) 1

Mische dieses, bereite 12 Pillen daraus und nehme eine Pille Morgens und Abends.

Homöopathisch. Nehme eine Dosis Nux Vomica jeden Abend und Morgen. Dieses Heilmittel mag abwechselnd mit Opium gegeben werden, wenn Nux Vomica nicht die gewünschte Wirkung erzeugt. Sind diese beiden Mittel erfolglos und hat die Hartleibigkeit schon lange gewährt, so mag Lycopodium oder Sulphur verordnet werden. Hat die Patientin Schmerzen im Unterleib so wird Bryonia und Ignatia oft gut wirken.

Siehe „[Hartleibigkeit],“ 12. Kapitel, erster Theil.

Diarrhöe während der Schwangerschaft

wird weniger häufig gefunden als Verstopfung, ist aber bei weitem gefährlicher, da sie ungemein schwächt, wenn sie nicht rechtzeitig eingehalten wird. Zuweilen ist es nur ein lockerer Stuhlgang, bei dem die Bewegungen häufiger als gewöhnlich gefühlt werden, allein der Appetit bleibt gut und der allgemeine Gesundheitszustand wird dadurch nicht berührt. In solchen Fällen kann durch eine einfache Regelung der Kost abgeholfen werden. Jene Diarrhöe, welche zu fürchten ist, ist die, bei welchen die Entleerungen dunkel gefärbt, schwarzgelb und höchst widrig sind; der Athem ist verdorben und der Geschmack unangenehm, bei wenig oder gar keinem Appetit.

Behandlung.

Allgemeine. Die Kost sollte sorgfältig geregelt werden und mag bestehen in Gerstenwasser, Gummi Arabicum-Wasser, Pfeilwurz (Arrow root), Sago, Tapioca, Isländischem oder Irischem Moose, Zwieback- (Toast) Wasser, gekochten Reis mit pulverisirtem Zimmet schmackhaft gemacht.

Allöopathisch. Folgendes mag mit gutem Erfolg angewendet werden:

Kreidemischung (Chalk mixture) Unzen.
Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (Compound tinct. of Cardamons) 3 Drachmen.
Katechu-Tinktur (Tincture of Catechu) 3
Laudanum 20 Tropfen.

Mische es. Dosis: alle 4 Stunden zwei oder drei Eßlöffel voll.

Folgende Salbe möge vermittelst warmen Flanells über den Magen und die Eingeweide gebracht werden:

Seifensalbe (Soap liniment) 6 Drachmen.
Zusammengesetzte Kamphersalbe (Compound camphor liniment) 6
Laudanum 4

Mische es.

Homöopathisch. Chamomilla. — Gegen heftige Kolik, gelblichem oder grünlichem Stuhl, oder ausgeschlagenen Eiern ähnelnd, Kollern in den Eingeweiden.

Pulsatilla. — Wenn die Stühle wässerig oder grünlich sind und Kolik mit schleimigem, bitterem Geschmack im Munde, Uebelkeit und Erbrechen vorhergeht.

Dulcamara. — Bei Diarrhöe in Folge von Erkältung, schlimmer des Nachts.

Nux Vomica. — Häufige Entleerungen, aber spärlich mit starkem, drängendem und nach unten ziehendem Schmerz im After.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes wird gut gefunden werden:

Zusammengesetzter Syrup von Rhabarber und Potasche (Compound syrup of rhubarb and potassa) 4 Unzen.
Pfeffermünz-Essenz (Essence of peppermint) Drachmen.
Paregoricum (Paregoric) 4

Mische es. Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll, bis sich das Aussehen des Stuhles ändert und dann alle 2, 3 oder 4 Stunden.

Ist Schmerz und Kneipen vorhanden, möge eine Einspritzung, bestehend aus zwei Eßlöffel voll Castoröl, Molasses und Wasser, von jedem einen Theetassenkopf voll, und 20 bis 60 Tropfen Laudanum angewendet werden. Mische und wiederhole es so oft als erforderlich.

Siehe den Abschnitt über [Diarrhöe], Kapitel 12.

Zahnschmerz.

Wegen dessen Behandlung suche man das 9. Kapitel auf.

Speichelfluß

tritt häufig ein und ist ein sehr lästiges Leiden.

Homöopathisch. Mercurius — ist das Hauptmittel, wenn nicht Mercurius die Ursache des Leidens ist; auch Lachesis, Acidum nitri, Hepar Sulphuris, Pulsatilla.

Von dem gewählten Mittel nimm jeden Abend eine Dosis (6 Kügelchen), bis Besserung eintritt.

Dyspepsie, Sodbrennen, saurer Magen.

Ein häufiges und belästigendes Symptom, gegen das Magnesia, Kreide oder Pfirsichkörner angewendet werden mögen.

Eclectische und Kräuterkur. Der zusammengesetzte Syrup von Rhabarber (Rhubarb) und Potasche (Potassa) wird sehr zuträglich gefunden werden.

Homöopathisch. Nux Vomica und Pulsatilla sind die Hauptmittel. Sie mögen entweder allein oder abwechselnd gegeben werden. Zuweilen wird ein Stück gezuckerte Citrone im Mund gehalten, oder ein Tropfen Acidum Sulphuricum in einem Glas voll Wasser Linderung verschaffen.

Hysterische Anfälle.

Das weibliche Geschlecht wird während der Schwangerschaft häufig von Gemütsbewegungen und hysterischen Anfällen heimgesucht.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Siehe die Behandlung der [Hysterie] in Kapitel 3, erster Theil.

Homöopathisch. Die Kranke sollte in die frische Luft gebracht und das Gesicht mit kaltem Wasser besprengt werden; Ammoniak halte man unter die Nase. Ist der Anfall vorüber, so gebe man eine Dosis Coffea oder Chamomilla. Rührt der Anfall von gestörter Verdauung her, so gebe man Nux Vomica oder Pulsatilla. Ist Aerger die Ursache: Chamomilla.

Verordnung der Heilmittel. Man gebe 6 Kügelchen auf eine Dosis und wiederhole diese alle 2, 3 oder 4 Stunden.

Herzklopfen.

Dies mag besonders für zarte Frauen sehr quälend werden.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes mag mit gutem Erfolg angewendet werden:

Schlangenwurzel-Tinktur (Tincture of black cohosh) 2 Unzen.
Schildkraut-Tinktur (Tincture of skull cap) 2

Mische es. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Allöopathisch. Zuweilen mögen stärkende Mittel wie das folgende gegeben werden:

Salzsaure Eisen-Tinktur (Muriated tinct. of iron) 1 Unze.
Orangenschalen-Syrup 1
Rosenwasser 6 Unzen.

Mische es. Einen Theelöffel voll in einem Bierglas voll Wasser nach jeder Mahlzeit.

Homöopathisch. Wenn in Folge von Aerger: Chamomilla; in Folge von Furcht: Veratrum; in Folge von Freude: Coffea; in Folge von plötzlichem Schreck: Opium.

Bei nervösen Personen: Ignatia, Coffea, Chamomilla.

Andere Mittel sind: Belladonna, Nux Moshata, Pulsatilla.

Verordnung der Heilmittel. Löse von dem gewählten Heilmittel 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nimm alle Stunde, auch öfter, wenn es die Strenge des Falles erfordert, einen Theelöffel voll.

Eclectische und Kräuterkur. Ein Theelöffel voll Castoröl-Tinktur (Tincture of castor oil) oder Stinkasant (Asafœtida) und zusammengesetztem Lavendel-Spiritus (Spirits of lavender) mit ein wenig Wasser wird selten verfehlen, zu lindern.

Kopfweh

ist etwas Gewöhnliches bei Schwangeren und eine beträchtliche nervöse Reizbarkeit ist in der Regel vorhanden.

Behandlung.

Homöopathisch. Mittel dagegen sind: Aconitum, Belladonna, Nux Vomica, Opium, Pulsatilla, Platina.

Bei Schlaflosigkeit: Coffea, Ignatia, Nux Vomica, Hyosciamus, Opium.

Bei Schlafsucht: Opium, Pulsatilla, Nux Vomica, Crocus.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Eclectische und Kräuterkur. Ein Aufguß von Schildkraut (Skull cap), oder Baldrian (Valerian) mag mit gutem Erfolg angewendet werden.

Auch die folgenden Pillen werden wohlthuend wirken:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 6 Grane.
Belladonna-Extrakt (Extract of Belladonna)
Schlangenwurzel-Alcohol-Extrakt (Alcoholic extract of black cohosh) 18

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages eine Pille.

Allöopathisch. Gebrauche folgendes:

Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphine) 2 Grane.
Potaschen-Cyanit (Cyanide of potassium) 4
Baldrian-Extrakt (Extract of valerian) 4

Mache 24 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages eine Pille.

Oder auch:

Chloroform 2 Unzen.
Zusammengesetzter Schwefeläther (Compound sulphuric ether) 2
Laudanum 2
Cayennepfeffer-Tinktur (Tincture of cayenne)
Verdünnte Hydrociansäure (Hydrocianic acid, diluted) ½ Unze.

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden einen Theelöffel voll, bis wirklicher Erfolg wahrgenommen wird.

Husten

kann zuweilen recht beschwerlich werden.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Je zwei Theile von der Tinktur von Schildkraut (Skull cap) und Hopfenmehl (Lupuline) mit einem Theil Bilsenkraut-Tinktur (Tincture of hyosciamus) mag in Dosen von einem Theelöffel voll gegeben werden, wenn immer der Husten lästig wird.

Allöopathisch. Folgendes kann mit Erfolg genommen werden:

Blausäure (Hydrocyanic acid) 6 Minims.
Bilsenkraut-Tinktur (Tincture of henbane) 60
Mandelkühltrank (Almond emulsion) 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Krämpfe

stellen sich häufig in den Waden, Hüften, Kreuz oder Unterleib ein und sind sehr lästig.

Behandlung.

Allöopathisch. Erstrecken sie sich auf den Magen, so nehme man folgendes:

Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (Compound tinct. of cardamon) 2 Unzen.
Zusammengesetzte Lavendel-Tinktur (Compound tinct. of lavender) 2
Zusammengesetzte Enzian-Tinktur (Compound tinct. of gentian) 2

Mische es. Dosis: So oft als erforderlich einen Theelöffel voll.

Homöopathisch. Gegen Krämpfe in den Gliedern: Veratrum, Nux Vomica, Colocynthis, Chamomilla.

Gegen Krämpfe im Unterleib und Magen: Nux Vomica, Colocynthis, Pulsatilla, Belladonna.

Gegen Krämpfe im Kreuz: Ignatia, Rhus.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Heilmittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe einen Theelöffel voll oder 6 Kügelchen als Dosis.

Eclectische und Kräuterkur. Reiben der Beine oder der davon befallenen Theile mit Kampher-Spiritus (Spirits of camphor) oder heißem Whiskey und Salz wird zuweilen sofortige Linderung verschaffen. Auch Opodeldoc (Opodildoc) ist gut.

Harnfluß (Incontinence of Urine — Enuresis)

besteht in einer theilweisen oder gänzlichen Unfähigkeit den Urin zu halten und ist eine große Plage.

Behandlung.

Homöopathisch. Die Hauptmittel dagegen sind: Pulsatilla, Sepia, Belladonna, Hyosciamus, Causticum.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel nehme man 6 Pillen einmal in 3 oder 4 Stunden.

Eclectische und Kräuterkur. Man lasse viel und oft Thee von Eibisch (Marsh mallow), Kürbiß, Wassermelonen-Körner oder Klebekraut (Cleavers) trinken.

Harnzwang (Difficult Urination — Stranguria).

Dies ist außerordentlich lästig und wird durch den Druck der Gebärmutter auf die Blase verursacht.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Ein Aufguß von Eibischwurzel (Marsh mallow root) und Grundstrauch (Trailing arbutus) oder ein Aufguß von Eibisch- und Pfirsichblättern mögen genommen werden. Zehn oder zwanzig Tropfen von süßem Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) können auch mit gutem Erfolg dem Aufguß beigefügt werden.

Homöopathisch. Pulsatilla ist das Hauptmittel. Gewährt dies keine Linderung, so gebe man Nux Vomica.

Andere Mittel sind: Belladonna, Cantharides, Cocculus, Acidum Phosphoricum.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel nehme man alle 2 Stunden 6 Kügelchen.

Uebermäßiger Geburtsfluß oder Lochien (Flooding, Hemorrhage).

Wegen dessen Behandlung [siehe Kapitel 5].

Fehlgeburt oder Abortus (Miscarriage or Abortion).

Unter Fehlgeburt oder Abortus verstehen wir die Ausstoßung der Frucht zu irgend einer Zeit vor dem sechsten Monat. Tritt dies während dem siebenten oder achten Monat ein, so wird es mit einer Frühgeburt bezeichnet und das Kind kann erhalten werden, während es, wenn die Geburt vor dem siebenten Monat erfolgt, nicht lebensfähig ist. Abortus tritt wahrscheinlicher vor dem dritten Monat und zur Zeit der monatlichen Reinigung ein und eine Frau, die bereits eine Fehlgeburt erfahren hat, ist der Wiederholung derselben mehr ausgesetzt als eine andere, bei der dies noch nicht der Fall war. Fehlgeburten erfolgen meistens zu derselben Zeit als früher stattgefundene, und eine Schwangere sollte daher um diese Zeit besonders achtsam sein. Sie muß zu weite Spaziergänge, Heben von schweren Gegenständen, Treppenauf- und Absteigen, spätes Aufbleiben und starke geistige Erregungen vermeiden. Ich spreche hier nur von dem zufälligen Abortus und setze voraus, daß diejenigen, die diese Zeilen lesen, sich nicht des schändlichen Verbrechens einer Abtreibung der Frucht schuldig gemacht haben, — eines Verbrechens, für das keine Entschuldigung gefunden werden kann und das nicht nur einem menschlichen Wesen das Leben nimmt, sondern auch den Gesundheitszustand der Mutter untergräbt, denn irgend eine Medizin, welche stark genug ist, einen Abortus herbeizuführen, muß den Organismus so vergiften, daß die Folgen davon nie wieder geheilt werden können.

Ursachen. Zu den gewöhnlichen Ursachen des Abortus gehören Schläge, wenn auch nur leicht, auf den Unterleib, heftige Erschütterungen, Fallen, Pressen, Heben von schweren Gegenständen, Auf- und Absteigen von Treppen, Reiten, Fahren über eine holperige Straße, starkes Husten, Aerger, Freude, Furcht, Tanzen, außergewöhnliche und plötzliche Anstrengungen, die Wirkung von Arzneimitteln, welche einige Frauen beständig nehmen, wie Brechmittel, Abführmittel und zwar solche, wie Aloe, Sennesblätter u.s.w., Kräuter-Thees, Patent-Medizinen, der Gebrauch von Blasen- und Senfpflaster u.s.w.

Symptome. Die ersten Symptome bestehen in der Regel in einem Gefühl von Müdigkeit und Unbehaglichkeit, mit Kreuzweh und nach unten ziehenden Schmerzen, die sich allmählig zu Geburtswehen steigern, Schneiden und Ziehen in den Lenden und in dem Unterleib, ein Ausfluß von rothem oder hellem Blute, mehr oder weniger stark.

Behandlung.

Allgemeine. Wo es möglich ist, sollte ein solcher Fall unter die Pflege eines geschickten Arztes gestellt werden, besonders wenn ein starker Fluß vorhanden ist. Vor allem ist es aber von Wichtigkeit, darauf zu sehen, daß die Kranke in die gehörige Lage gebracht wird. Sobald sich die Symptome zeigen, sollte sie sich niederlegen und vollkommen ruhig verhalten. Sie sollte sogleich zu Bett gehen, eine harte Matratze mit leichten Decken in einem luftigen Zimmer sind vorzuziehen. Oeffne Thüren und Fenster, selbst im strengsten Winter und selbst wenn der Schnee ins Zimmer hereinweht. Entferne alle Ursachen zur Aufregung, besonders die Masse von alten Weibern, die sich gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten einstellen; halte sie fern vom Hause. Als Getränk reiche man kühle Limonade, Zwieback- oder Eiswasser, und während des Darreichens gestatte man nicht, daß sich die Kranke aufrichtet; es ist von Wichtigkeit, daß eine horizontale Lage nicht verändert wird; man entferne alle Kissen unter dem Kopfe, und es mag nothwendig werden, durch das Unterlegen von Holzstücken unter die Beine das Fußende des Bettes zu erhöhen. Man mache Umschläge von Wasser und Essig auf den Unterleib, die Hüften und zwischen die Beine. Keine Reizmittel sollten gegeben werden, wenn nicht die Kranke durch Blutverlust sehr geschwächt ist, in welchem Falle ein wenig Wein oder Branntwein gegeben werden mag. Ist der Ausfluß zu stark und kann nicht durch Medizinen eingehalten werden, so ist die Gebärmutter zu verstopfen, was vermittelst Einschiebens eines seidenen Taschentuches, mit süßem Oel getränkt, in die Scheide, oder durch Einlegen von großen Stücken Tuch geschehen kann.

Homöopathisch. Arnica. — Wenn durch einen Fall, Schlag, Fehltritt, zu starkes Heben oder durch irgend eine andere große körperliche Anstrengung verursacht.

Cinnamonium. — Wenn Arnica nicht den gewünschten Erfolg hat.

Secale. — Besonders wenn schon Fehlgeburten stattgefunden haben, oder bei schwacher Constitution und großer Erschöpfung, auch bei dunklem Ausfluß, schwarzgelbem Blut und leichten Schmerzen.

China. — Abwechselnd mit Secale, wenn der Blutfluß beträchtlich ist und Schwache und Erschöpfung zunehmen, ein nach unten ziehendes Gefühl, Summen in den Ohren, Verdunkelung des Blickes, Ohnmachtsanwandlung bei Erheben von dem Kissen.

Hyosciamus. — Bei Krämpfen oder Verzuckungen des ganzen Körpers.

Ipecacuanha. — Abwechselnd mit Secale bei Magenschwäche, Krämpfen, Ausfluß eines hellrothen Blutes, Ohnmachten.

Belladonna. — Abwechselnd mit Platina bei starken Schmerzen in den Lenden und im Unterleib, starkem Drängen nach unten, gleichsam als ob die Eingeweide herausgepreßt würden, Schmerz im Kreuz, als ob dasselbe gebrochen wäre, Ausfluß von dickem, dunklem, geronnenem Blute.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe bei strengen Fällen alle 15 oder 20 Minuten und bei milderen jede Stunde oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll. Tritt innerhalb zwei oder drei Stunden keine Linderung ein, greife man zu einem anderen Mittel.

Eclectische und Kräuterkur. Sind Symptome eines annähernden Abortus vorhanden, so gebe man jede Stunde oder alle zwei Stunden 2 oder 3 Grane von dem zusammengesetzten Brechwurz- und Opiumpulver (Compound powder of Ipecac and Opium). Nehmen die Symptome dennoch zu, so lege man ein Senfpflaster auf den unteren Theil des Rückens. Bei beträchtlichem Ausfluß gebe man 10 oder 15 Tropfen Vitriol-Elixir in einem Weinglas voll Wasser alle 2 oder 3 Stunden und mache gleichzeitig Umschläge von Tüchern, mit Eiswasser getränkt, auf den unteren Theil des Unterleibes. Flöhkrautöl (Oil of fleabane) oder Oil of fireweed mag, wenn erforderlich, alle 10 bis 20 Minuten in Dosen von 5 bis 6 Tropfen auf Zucker gegeben werden. Ist der Fluß sehr stark, so gebe man 1½ Grane Bleizucker (Sugar of lead) in etwas Essig und Wasser. Wenn viel Schmerz vorhanden ist, gebe man 5 oder 6 Tropfen Laudanum. Die Scheide oder die Geburtsstätte mag mit Tüchern, in einer starken Alaun- (Alum) Auflösung oder einer Abkochung von Weißeichenrinde (Decoction of white oak bark) getränkt, verstopft werden.

Allöopathisch. Ist die Kranke vollblütig und es stellt sich ein Gefühl von Vollsein ein, so sollten 10 bis 12 Blutegel an den unteren Theil des Unterleibes und Rückens angesetzt und folgende Mischung gegeben werden:

Citronen-Säure (Citric acid) 1 Drachme.
Doppeltkohlensaure Potasche (Bi-carbonate of potash) 4 Skrupel.
Salpeter (Nitre) 2
Zimmetwasser 2 Unzen.
Wasser 4

Mische es. Dosis: Alle 4 Stunden ein Viertel davon. Oder:

Doppeltkohlensaure Potasche (Bi-carbonate of potash) 2 Drachmen.
Gewöhnlicher Syrup 2
Destillirtes Wasser (Distilled water) 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll; jeder Dosis füge einen Eßlöffel voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronen-Säure (Citric acid), zuvor in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst, bei. Während des Aufschäumens zu trinken. Wenn die Eingeweide verstopft sind, ist das folgende zu empfehlen:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) Unzen.
Zusammengesetzter Rosenaufguß (Compound infusion of roses) 5
Zimmetwasser (Cinnamon water) 1 Unze.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll.

Es ist besser, Blutentziehung und das Darreichen obiger Mischungen zu vermeiden und, wenn diese nicht angewendet werden, gebe man 35 bis 40 Tropfen Laudanum und wiederhole dies in Zwischenräumen in kleineren Dosen.

Wenn der Ausfluß sehr stark ist, müssen die folgenden Pillen gegeben werden:

Essigsaures Blei (Acetate of lead) 2 Grane.
Mohnkopf-Extrakt (Extract of poppies) 2

Mache es zu einer Pille, welche alle 3 oder 4 Stunden zu nehmen ist; oder mische 5 Grane pulverisirten Alaun (Alum) mit 3 Granen geriebener Muskatnuß (Nutmeg), in Honig oder Syrup gemischt, und gebe es alle halbe oder ganze Stunde, der Strenge der Symptome angemessen. Dies wird von Dr. C. D. Meigs in Philadelphia empfohlen.

Bemerkung. Kann der Abortus nicht verhindert werden, so muß man wie bei einer [natürlichen Geburt] vorgehen.

Falsche Wehen (False Pains).

Häufig einige Wochen oder Monate vor der Entbindung wird die Schwangere von sogenannten falschen Wehen belästigt. Diese ähneln den [ächten Wehen] sehr und verursachen häufig nutzlose Beunruhigung. Sie mögen daran erkannt werden, daß sie unregelmäßig in ihren Wiederholungen sind und sich gewöhnlich auf die Muskeln des Rückens und Unterleibs beschränken, sowie vom Rücken nach den Seiten ziehen.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn die Eingeweide verstopft sind, gebe man folgende Einspritzung:

Warmes Wasser 1 Pint.
Salz 2 Theelöffel voll.
Gewöhnlicher Molasses 2 Eßlöffel voll.

Nachdem Stuhlgang vorhanden ist, gebe man einen kleinen Theelöffel voll Paregoricum (Paregoric) und wiederhole dies alle zwei Stunden, wenn nicht früher Linderung eintritt.

Allöopathisch. Folgendes ist eine gute Salbe, welche über dem Sitz des Schmerzes eingerieben werden mag:

Ammoniak (Ammonia) 2 Unzen.
Opium-Tinktur (Tincture of opium) 2
Seifen-Salbe (Soap liniment) 1 Unze.

Schüttele es vor dem Gebrauch um.

Homöopathisch. Bryonia. — Wenn der Schmerz ziehend und sich in dem Unterleib und den Lenden befindet.

Pulsatilla. — Wenn die Schmerzen ähnlich den vorhergehenden, mit einem Gefühl von Steifheit oder Lahmsein verbunden sind.

Nux Vomica. — Wenn in der Gegend der Blase ein Schmerz, wie von einer Quetschung herrührend, und wenn die Wehen Folge von Verstopfung sind.

Aconitum. — Besonders bei vollblütigen Frauen; heißer Kopf, trockene Haut. Belladonna kann abwechselnd mit Aconitum gegeben werden.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Behandlung der Brüste (Preparation of the Breasts).

Nicht selten finden junge Mütter in Folge früherer Vernachlässigung beim Stillen ihrer Kinder Schwierigkeiten wegen der durch den Druck von zu engen Kleidern, Schnürbrüsten u.s.w. fast ganz verschwundenen Warzen. Die Brüste schwangerer Frauen sollten sorgfältig gegen Druck geschützt werden, da dies leicht üble Folgen nach sich ziehen kann. Wenn aber die Warzen nicht weit genug herausgezogen sind, so daß sie von dem Kinde mit Leichtigkeit gefaßt werden können, so mag dies vermittelst einer gewöhnlichen Brustpumpe geschehen, und nachdem die Pumpe entfernt ist, lege rings um die Warzen einen Ring von Bienenwachs oder einen Warzenschild (Nipple shield). Dies sollte beständig getragen werden. Wenn aber das Ausziehen der Brustwarzen einen Schmerz im Unterleib verursacht, so muß es eingestellt werden, da Abortus folgen kann.

Dr. Tracy empfiehlt folgendes zur Erhaltung der einmal herausgezogenen Warzen:

Jede Warze sollte mit einem Stück von einem wollenen Faden oder Garn an der Wurzel zwei- bis dreimal umwunden und mäßig fest gebunden werden, jedoch nicht so fest, daß dadurch der Blutumlauf gehemmt wird.

Die Warzen springen während oder nach der Schwangerschaft leicht auf und entzünden sich, was besonders, nachdem das Kind zu saugen beginnt, eintritt; daher sollten die Brüste mehrere Wochen vor der Entbindung in kaltem Wasser gebadet und mit groben Handtüchern abgerieben werden. Zuweilen ist auch das Baden der Brustwarzen mit Brandy zweimal des Tages mehrere Wochen hindurch vor der Entbindung sehr zuträglich gefunden worden. Ebenso die Anwendung einer Abkochung von grünem Thee, oder Eichenrinde, oder auch von Granatäpfeln (Pomegranate). Bei großer Empfindlichkeit oder Schmerzhaftigkeit bade die Warzen und Brüste häufig in einer scharfen Auflösung von Arnica.


Fünftes Kapitel.
Entbindung oder Kindbett.

Geburtswehen (Labor).

Unter Geburtswehen verstehen wir die Anstrengung der Natur, durch welche die Gebärmutter ihren Inhalt, bestehend in dem Kinde, der Nachgeburt, den Schleimhäuten und dem Wasser, ausstößt. Sie treten in der Regel zu Ende des neunten Monats nach der Empfängniß oder 280 Tage nach dem Beginn der Schwangerschaft ein. Zuweilen aber tritt es früher oder später ein.

Symptome. Die Symptome der annähernden Geburtswehen bestehen in einem Sinken der Gebärmutter, wodurch die Schwangere um Vieles erleichtert wird; sie fühlt sich leichter und ein Abgang von blutigem Schleim, „Blutanbrechen“ (show) genannt, stellt sich ein; sie ist bewegt und nervös; eine Reizbarkeit der Blase, sowie öfterer Drang zum Uriniren, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen und fliegende Schmerzen durch den Unterleib sind vorhanden.

Die Geburtswehen mögen in natürliche und unnatürliche eingetheilt werden. Sind die Wehen hinlänglich stark genug, den Inhalt der Gebärmutter in einer mäßigen Zeit ohne Gefahr für Mutter und Kind auszutreiben, so werden sie natürlich genannt. Wenn aber schwierig, lang anhaltend und Verzögerungen in Folge einer ungehörigen Lage des Kindes, Verzuckungen oder auch Blutflüsse eintreten, so werden sie widernatürliche genannt. Die Zeit, während welcher die natürlichen Wehen anhalten, beschränkt sich in der Regel auf 6 bis 8 Stunden.

Sobald die ersten Symptome eintreten, muß die Schwangere ihre Vorkehrungen für die bevorstehende Entbindung treffen. Das Bett sollte in einer harten Matratze bestehen (Federbetten sind nicht empfehlenswerth), und über die Matratze sollte, wenn ein Beschmutzen durch die Ausflüsse vermieden werden soll, ein Oeltuch oder eine Kautschuck-Decke, und darüber mehrere Betttücher gebreitet werden, die Decke muß leicht sein, damit die Entbindende dadurch nicht übermäßig erhitzt wird, und das Nachtkleid muß bis unter die Arme aufgestreift werden, so daß es nicht beschmutzt wird. Sie sollte sich auf die linke Seite legen, mit an den Körper gezogenen Knien, zwischen welche man ein zusammengelegtes Kissen bringt. Eine scharfe Scheere und zwei Stücke starke Schnur mögen zum Abschneiden und Verbinden der Nabelschnur des Kindes bereit gehalten werden.

Schmerzen bei den Geburtswehen (Labor Pains).

Die Schmerzen der Geburtswehen sind eigenthümlich und bestehen in einem Schneiden oder Schleifen, welches durch eine Zusammenziehung des Muskelgewebes der Gebärmutter über dem Kinde hervorgerufen wird. Während des ersten Stadiums der Geburtswehen geht gewöhnlich das Wasser ab. Letzteres ist die Ansammlung jener Flüssigkeit, welche das Kind umgiebt und das von der Schleimhaut eingeschlossen wird. Es dient zum Schutze des Kindes während der Schwangerschaft.

Das zweite Stadium der Wehen ist der Zeitraum von dem Ausfluß des Wassers bis zur Geburt des Kindes. Nach dem ersten Stadium ist die Entbindende gewöhnlich eine kurze Zeit von Schmerzen frei. Die Wehen des zweiten Stadiums unterscheiden sich von jenen des ersten und sind mehr nach unten drängend.

Entbindung.

Die heftigsten schneidenden Wehen treten unmittelbar vor der Entbindung ein und sind von kurzer Dauer, aber von solcher Art, daß, obgleich sie sehr schmerzhaft sind, sie dennoch die Entbindende zur äußersten Kraftanstrengung stärken. Möglicherweise bricht dieselbe in heftiges Wehklagen aus, was aber die Umgebung nicht beunruhigen sollte, denn es ist ein Zeichen, daß die Wehen unmittelbar darauf ihr Ende erreicht haben werden. Man ermuthige sie daher durch freundliche, tröstende Worte. In dem Augenblicke, wo das Kind erscheint, sollte die Wärterin ihre Hand zwischen die Beine der Entbindenden legen, um das Reißen der straff angespannten Haut an diesem Theile zu verhindern. Ist das Kind geboren, so sollte es fünf oder sechs Zoll von der Mutter entfernt und die Schnur mit den vorher erwähnten Fäden verbunden werden. Der erste Knoten sollte ungefähr zwei Zoll von des Kindes Nabel gemacht werden und der andere vier Zoll weiter, jeder durch einen doppelten Knoten gesichert; nachdem so die Schnur durch die Knoten gesichert ist, schneide man sie mit der Scheere zwischen den Knoten durch. Eins aber sollte beobachtet werden, ehe die Schnur gebunden wird, das ist, ob das Kind athmet oder schreit. Giebt das Kind kein Lebenszeichen, so sollte der Mund geöffnet werden, was die Ansammlung des Schleimes mindern wird, bleibt dies aber ohne Erfolg, so sollte die Schnur gebunden und abgeschnitten und das Kind in ein warmes Bad gebracht werden, wenn auch dieses nach einigen Minuten noch erfolglos ist, so nehme es aus dem Bade und hülle es in eine Flanelldecke. Dann versuche man künstliches Athmen, was auf folgende Weise geschieht:

Man lege Daumen und Zeigefinger so auf die Nasenlöcher, daß diese geschlossen sind, dann lege man den Mund auf den des Kindes und blase in die Lungen, die Brust sollte dabei gepreßt werden, so daß die eingeführte Luft wieder ausgestoßen werden muß. Dieses Verfahren sollte so lange fortgeführt werden, bis keine Hoffnung mehr auf die Belebung des Kindes vorhanden ist. Stellt sich aber allmählig Leben ein, so reibe das Kind mit Alcohol oder Whiskey, durch warmes Wasser verdünnt, ab. Zuweilen wird das Besprengen von Gesicht oder Brust des Kindes mit kaltem Wasser dasselbe erwecken.

Nach der Entbindung erfährt die Mutter große Erleichterung und ist eine Zeitlang gänzlich frei von Schmerzen, bis das dritte Stadium beginnt und die Nachgeburt oder Placenta kommt. Starkes Ziehen sollte zur Entfernung der Nachgeburt nicht angewendet werden, da Gefahr vorhanden ist, daß sich die Gebärmutter umdreht, in der Regel reichen einige Wehen hin, dieselbe auszustoßen.

Behandlung nach der Entbindung.

Ein Verband sollte um den Körper der Mutter gelegt werden, genügend fest, um den erschlafften Unterleib zu stützen. Ihre Bekleidung ist, wenn beschmutzt, zu wechseln, und sie selbst sollte in eine angenehmere Lage, in ein dunkles Zimmer gebracht und nicht von Besuchern gestört werden. Tücher sind lose unterzulegen, damit auf diese Weise die stattfindenden Ausflüsse aufgefangen werden.

Verbinden des Nabels (Dressing the Navel).

Es sollte vermieden werden, daß der Nabel mit der gesunden Haut in Berührung kommt. Um dies zu verhindern, mache man ein Loch, groß genug, daß die Schnur durchgezogen werden kann, in ein Stück Muslin oder Linnen ungefähr vier Zoll im Geviert, ziehe den Nabel durch und lasse das Stück Zeug auf des Kindes Bauch liegen, dann mache eine Binde um den Körper des Kindes, welche die Schnur auf den Bauch drückt.

Licht, Temperatur und Lüftung.

Das Zimmer der Wöchnerin sollte für die ersten zwei oder drei Tage nach der Entbindung verdunkelt werden; nach dieser Zeit gestatte man dem Licht ungehinderten Zutritt. Der Lüftung muß Aufmerksamkeit geschenkt werden, und indem man frische Luft zuläßt, vermeide man vorsichtig, die Wöchnerin der Zugluft auszusetzen. Die Temperatur des Zimmers muß dem Wohlbefinden der Wöchnerin angemessen und gewöhnlich zwischen fünfundsechzig und fünfundsiebzig Grad sein.

Nachwehen.

Nachdem das Kind geboren und die Nachgeburt erfolgt ist, verursacht das Zusammenziehen der Gebärmutter, das mit mehr oder weniger Kraft vor sich geht, beträchtliche Schmerzen. Sie beginnen gewöhnlich eine halbe Stunde nach der Entbindung und hören nach ein oder zwei Tagen auf, obgleich sie auch länger dauern mögen. Sie verkleinern die Gebärmutter und treiben deren Inhalt aus. Zuweilen sind sie sehr heftig und dauern länger als es wünschenswerth ist.

Behandlung.

Allöopathisch. Folgendes möge gegeben werden:

Eisenhut-Tinktur (Tincture of aconite) 30 Tropfen.
Kampherwasser (Camphor water) 1 Unze.
Laudanum 1 Drachme.
Gewöhnlicher Syrup 1 Unze.

Dosis: Alle Stunden einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll versüßten Wassers.

Homöopathisch. Chamomilla. — Mag gegeben werden bei Nervenschwäche und Erregtheit, dem man ungefähr eine Stunde darauf Nux Vomica folgen läßt. Wenn erforderlich, gebe man mehrere Dosen.

Coffea und Aconitum. — Abwechselnd, wenn die Schmerzen stark sind und Kälte des Körpers vorhanden ist.

Pulsatilla — möge gegeben werden, wenn die Schmerzen nicht zu häufig wiederkehren, aber mehrere Tage fortdauern.

Secale. — Passend bei solchen, die schon viele Kinder geboren haben.

Belladonna. — Wenn die Schmerzen nach unten ziehen, Blutandrang, Kopfhitze, geröthetes Gesicht, kalte Füße; abwechselnd mit Opium bei ungewöhnlicher Neigung zum Schlaf, mit schnarchendem Athem begleitet.

Eclectische und Kräuterkur. Umschläge einer Abbrühung von gleichen Theilen von Hopfen und Rainfarn (Tansy) mit ein wenig Whiskey oder anderem Spiritus über den Unterleib wird zuträglich gefunden werden. Dies sollte mehrere Male des Tages erneuert werden.

Blutfluß (Flooding — Hæmorrhage).

Dies ist eines der gefährlichsten Symptome, welche sich während der Wehen einstellen können. Sein Erscheinen kommt in der Regel ganz unerwartet und erfordert sofortige und kräftige Behandlung. Es erfolgt häufiger nach der Geburt des Kindes und ist zuweilen die Folge geistiger Bewegung, wie Freude oder Sorge.

Die Gegend über der Gebärmutter sollte mit der Hand gerieben werden, bis sich die Nachwehen einstellen, dann gebe die folgenden Mittel:

Belladonna. — Bei nach unten ziehenden Schmerzen, einem Gefühl, als ob etwas aus den Geschlechtstheilen fallen würde.

Chamomilla. — Wenn die Glieder kalt und den Wehen ähnliche Schmerzen vorhanden sind.

China. — Kann abwechselnd mit Ipecacuanha, wenn Schwindel und Bewußtlosigkeit, Ohnmacht, Gesichtsblässe, schneidende Schmerzen in dem Unterleib vorhanden sind, gegeben werden. Wird den schlimmsten Fällen entsprechen.

Pulsatilla. — Wenn der Ausfluß gerinnt und in Zwischenräumen erscheint, aufhört und wieder eintritt. Man lasse Crocus oder Sabina folgen.

Ein Tropfen der Zimmet-Tinktur in einem halben Bierglas voll Wasser und davon alle Minuten einen Theelöffel voll gegeben, wird sich in einigen Fällen sehr zuträglich erweisen. Tücher, in Eiswasser getaucht, oder Eis in Stückchen sollten auf den Unterleib und die Geschlechtsteile gelegt werden. Auch lasse man viel und oft kaltes Wasser trinken.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Heilmittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle 15 Minuten oder halbe Stunde einen Theelöffel voll; sobald sich Besserung zeigt, verlängere die Zwischenräume.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn sich der Blutfluß vor der Entfernung der Nachgeburt einstellt, sollten Mittel dagegen gegeben und um die Gebärmutter zur Zusammenziehung anzureizen, sollte fest über derselben gedrückt werden. Kaltwasser-Umschläge mache man äußerlich über den betreffenden Theil. Zimmet-Tinktur (Tincture of cinnamon) gebe man in Dosen von einem Theelöffel voll in einem Weinglas voll versüßten Wasser alle 5 bis 15 Minuten oder in längeren Zwischenräumen. Auch kann eine Mischung von gleichen Theilen von Ratanhia (Rhatany), Zimmet-Tinktur (Tincture of cinnamon) und Terpentin-Spiritus (Spirits of turpentine) mit Erfolg angewendet werden.

Allöopathisch. Folgende Pillen mögen genommen werden:

Essigsaures Blei (Acetate of lead) 2 Grane.
Mohnkopf-Extrakt (Extract of poppies) 2

Mache eine Pille daraus, wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden und lasse gleichzeitig Essig mit Wasser trinken.

Dauer des Kindbetts.

Es ist rathsam, sechs bis acht Tage nach der Entbindung im Bett zu verbleiben, doch hängt dies von Umständen ab. Viele Frauen sind schon am sechsten Tage besser auf den Füßen als andere nach drei Wochen. Ist die Entbundene schwach, der Gesundheitszustand nicht gut, so sollte die Zeit bis zur vollkommenen Genesung ausgedehnt werden. Nach den ersten acht oder neun Tagen lasse man sie täglich eine kurze Zeit in einem bequemen Stuhl sitzen, gestatte ihr aber nie vor dem zehnten bis fünfzehnten Tag zu gehen.

Diät und Regeln während des Kindbetts.

Durch das Ordnen der Kost kann viel Schlimmes vermieden werden. Man kann größtenteils den Wünschen der Wöchnerin in dieser Richtung Folge leisten, sollte ihr aber durchaus nichts von reizender Wirkung reichen. Auch ist es wichtig, daß die Wöchnerin gehörig rein gehalten wird; jene Theile, die gewaschen werden müssen, sollten mit warmem Wasser gereinigt werden und in den ersten Tagen sollte es immer nach einigen Stunden wiederholt werden. Man lasse sie schwarzen Thee, kaltes Wasser, entweder mit oder ohne Erdbeer- oder Himbeer-Syrup trinken. Cacao ist zuweilen erwünscht und Claret, mit Wasser verdünnt, gibt einen guten Trank.

Lochien oder Geburtsblutfluß.

Nachdem die Nachgeburt vorüber ist, tritt ein Blutfluß ein, der mehrere Tage anhält. Dieser Fluß kommt aus den Oeffnungen der Gefäße in der Gebärmutter, die nach der Entfernung der Nachgeburt blosgestellt sind; in den ersten drei oder vier Tagen ist er von einem rothen Blute und dann wässerig; nach Verlauf von sechs oder sieben Tagen wieder dick und gelblich. Bei Einigen hört er nach etlichen Tagen auf, während er bei Andern wieder Wochen lang anhält. Mit der Unterdrückung dieses Blutflusses ist beträchtliche Gefahr verbunden.

Unterdrückung der Lochien.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Man öffne die Eingeweide vermittelst eines gelinden Abführmittels, wie Castoröl oder Bittersalz (Epsom salts), und lasse einen starken Aufguß von Mutterkraut (Motherwort) so heiß als möglich und öfters wiederholt trinken. Sind Symptome von Fieber vorhanden, so mache man warme Umschläge von Hopfen und Rainfarn (Tansy) auf den Unterleib und gebe eine Mischung, zusammengesetzt aus zwei Theilen der Schlangenwurzel-Tinktur (Tincture of black cohosh) und einem Theil Eisenhutwurzel-Tinktur (Tincture of aconite root), 8 Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser als eine Dosis, alle Stunde oder zwei Stunden zu wiederholen.

Homöopathisch. Bryonia. — Kann gegeben werden bei Vollsein und Schwere des Kopfes, Druck in den Schläfen, klopfendem Kopfschmerz, Kreuzweh. Wenn starkes Fieber, Blutandrang nach dem Kopf und Delirien vorhanden sind, gebe man Aconitum und Belladonna abwechselnd.

Pulsatilla. — Wenn die Unterdrückung von geistigen Erregungen oder Erkältung herrührt, besonders bei Kopfschmerz, Fieber, Kälte der Füße und häufigem Verlangen zum Uriniren.

Dulcamara und Pulsatilla. — Abwechselnd wenn die Unterdrückung die Folge des Aussetzens der Feuchtigkeit und Kälte sein sollte.

Coffea und Chamomilla — gebe man abwechselnd, wenn die Patientin sehr erregt, unruhig und nervös ist, und es ist Diarrhöe und Kolik vorhanden. Warme Wasserumschläge sollten auf den Unterleib gemacht und warme Fuß- und Hüftenbäder genommen werden.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle Stunde, oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Uebermäßige und lange anhaltende Lochien.

Wenn die Lochien übermäßig stark sind oder zu lange anhalten, so wird die Kranke sehr leicht dadurch geschwächt.

Behandlung.

Homöopathisch. Crocus. — Wenn der Ausfluß dunkel gefärbt, schwarz und klebrig ist, mit einem Gefühl im Unterleib, als ob dort etwas Lebendiges wäre.

China und Ipecacuanha — kann abwechselnd gegeben werden, wenn der Ausfluß bei Krampfanfällen, Schwindel, Uebelkeit, Ohnmacht, Kälte der Endglieder, Blässe des Gesichts und Hinfälligkeit stattfindet.

Aconitum. — Wenn der Ausfluß von einer dunkelrothen Farbe ist. Zeigt sich Aconitum unzureichend, so gebe man Calcarea carbonica.

Rhus. — In Fällen, wo die Lochien zurückkehren, nachdem sie bereits aufgehört hatten.

Silicea. — Wenn sich die Lochien jedesmal dann einstellen, wenn das Kind an die Brust gelegt wird.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel nehme man 6 Kügelchen, alle 4 Stunden, bis es besser wird.

Eclectische und Kräuterkur. Ein Aufguß von Weißeichen-Rinde, Storchschnabel (Geranium) und Rüster-Rinde (Witch hazel bark) kann angewendet werden, wovon die Kranke oft und viel trinken sollte. Eine Mischung von Caulophyllin und Geranium, je ein Skrupel, mag alle Stunden in Dosen von 2 Granen gegeben werden. Bade die Theile oft in kühlem Wasser.

Milchfieber.

Ungefähr den dritten oder vierten Tag nach der Entbindung füllen sich die Brüste mit Milch und gleichzeitig stellt sich Frost ein, dem ein starkes Fieber und Kopfschmerz folgt, und dies wird das Milchfieber genannt. In der Regel wird das Fieber dadurch, daß man das Kind sobald als möglich an die Brust legt, verhindert. Sollte aber aus irgend einer Ursache das Fieber zunehmen und starker Kopfschmerz, Durst, schneller Puls und Klopfen der Schläfe vorhanden sein, so sollte etwas dagegen gethan werden.

Behandlung.

Allöopathisch. Man verschaffe vermittelst des folgenden Stuhlgang:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Salpetersaure Potasche (Nitrate of potash) 10 Grane.
Lakritzen-Extrakt (Ext. of Liquorice) 1 Skrupel.
Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern (Compound infusion of senna) Unzen.
Sennesblätter- und Jalappenwurzel-Tinktur (Tinct. of senna and jalap) 3 Drachmen.
Spiritus von flüchtigem Salz (Spirit of Sal volatile) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll, so oft als erforderlich.

Nachher gebe das folgende:

Schwefelsaure Magnesia (Sulphate of magnesia) 1 Unze.
Auflösung von essigsaurem Ammoniak (Solution of acetate of Ammonia) 3 Unzen.
Wasser 3
Laudanum ½ Drachme.

Mische es. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Eclectische und Kräuterkur. Man gebe zur Erhaltung des Stuhlganges Seidlitz-Pulver und mache warme Umschläge über die Brüste. In einigen Fällen kann das zusammengesetzte Pulver von Brechwurz (Ipecac) und Opium gegeben werden.

Homöopathisch. Aconitum. — Bei starkem Fieber, heißer Haut, Durst, Brust hart und knotig, Angst, Unruhe.

Bryonia. — Wenn die Symptome theilweise von Aconitum gelindert wurden, oder die Brüste von Milch angeschwollen sind; schmerzhafte Brust, Beklemmung.

Belladonna. — Kann nach Aconitum oder abwechselnd mit diesem oder Bryonia gegeben werden, wenn die Hauptsymptome, wie betäubender Kopfschmerz, funkelnde Augen, Delirium sehr heftig sind. Sind die Brüste gegen Berührung empfindlich und es ist Unruhe und Aufregung vorhanden, so gebe man Coffea und Chamomilla abwechselnd.

Pulsatilla. — Mag gegeben werden, wenn die Brüste stark angeschwollen sind, bei Wehsein und Schmerzen, die sich auf die Muskeln der Brust und Schultern erstrecken. Baden der Brüste in heißem Fett, dem ein wenig Arnika-Tinktur beigefügt wurde, wird in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden werden.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm jede Stunde oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Ausbleiben der Milch.

Die Absonderung der Milch kann sich aus verschiedenen Ursachen, wie durch das Aussetzen der Kälte und Feuchtigkeit, geistige Erregung, Diätfehler, plötzlich einstellen. Die Folgen einer solchen Unterdrückung können sehr ernst werden, und es ist daher gut, dieselbe, wenn irgend möglich, zu verhüten.

Behandlung.

Homöopathisch. Pulsatilla — wird in der Regel hinreichen, den Milchfluß wieder herzustellen, besonders wenn die Unterdrückung die Folge von Erkältung ist.

Belladonna und Bryonia — mag abwechselnd bei Blutandrang nach dem Kopf oder Lungen, Fieber und Gliederschmerzen gegeben werden.

Bei Unruhe, Fieber, Hitze, trockener Haut und Durst gebe man abwechselnd Aconitum und Coffea, besonders wenn geistige Erregungen Ursache der Unterdrückung waren.

Calcarea Carbonica. — Ist ein ausgezeichnetes Mittel, wenn leichte Veranlassungen die Unterdrückung herbeiführten.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle zwei oder vier Stunden zwei Theelöffel voll.

Uebermäßige Ansammlung der Milch.

Zuweilen tritt eine übermäßige Milchabsonderung ein, welche ein Anschwellen und eine Entzündung der Brüste verursacht; auch findet ein unfreiwilliges Abfließen der Milch statt, dem Schwäche, Kopfschmerz und andere Störungen des Nervensystems folgen.

Behandlung.

Homöopathisch. Calcarea Carbonica oder Phosphorus — wird gewöhnlich Linderung gewähren.

Aconitum und Belladonna — werden zuträglich gefunden werden, wenn Fieber oder Kopfschmerz, sowie andere Symptome von Blutandrang vorhanden sind.

China. — Bei unfreiwilligem Abfließen der Milch, oder wenn die Betreffende durch den Milchverlust geschwächt wird.

Verordnung der Heilmittel. Man löse 12 Kügelchen von dem gewählten Mittel in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll.

Die äußerliche Anwendung von Baumwolle (Cotton batting) ist sehr zu empfehlen.

Wunde Brustwarzen

kommen häufig vor und werden zu einer Plage, die durch eine gehörige Pflege der Brüste vor der Entbindung vermieden werden mag; in einigen Fällen aber wird dies von der geringfügigsten Ursache herbeigeführt. Häufiges Baden in kaltem Wasser, sowohl einfach als auch mit einigen Tropfen Arnica-Tinktur oder Branntwein gemischt, wird die Zartheit der Haut heben und dieselbe kräftigen. Dies sollte jedesmal, nachdem das Kind gesaugt hat, wiederholt werden. Ein Warzenschild wird häufig diese Beschwerde verhindern oder entfernen.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn die Entzündung beträchtlich ist, mache man Umschläge von Ulmenrinde (Elm bark) oder Ulmen und Hopfen. Zuweilen mag eine Auflösung von vier bis fünf Granen salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) auf eine Unze Wasser mit Vortheil angewendet werden. Nachdem die starke Entzündung nachgelassen hat, gebrauche man folgendes:

Schöpsenfett (Mutton tallow) ½ Unze.
Peruvianischer Balsam (Balsam of peru) ½ Drachme.
Glycerin ½
Honig ½

Zerlasse das Fett, seihe es durch und mische es dann mit den übrigen Bestandtheilen. Mache davon vier- bis fünfmal des Tages Umschläge auf die Brustwarzen.

Homöopathisch. In allen Fällen sollten die Warzen, nachdem das Kind die Brust verlassen hat, mit kaltem Wasser, dem einige Tropfen Arnica-Tinktur beigefügt sind, gewaschen, dann gehörig abgetrocknet, die Milch aus denselben gedrückt und mit pulverisirter Stärke bedeckt werden.

Dr. H. R. Stout von Chicago spricht günstig von pulverisirtem Gummi-Arabicum, der auf die wehe Warze nach jedesmaligem Stillen gestreut wird, ebenso von Benzoe- (Benzoin) oder Benjamin-Tinktur vermittelst eines Kameelhaarpinsels aufgetragen.

Dr. Herring von Philadelphia empfiehlt pulverisirten weißen Zucker als ein ausgezeichnetes Mittel. Borax in dem Schleim der schlüpferigen Ulme (Slippery elm) aufgelöst ist eine vorzügliche Waschung. Töpferthon (Potters clay) auf die Warzen gestreut, wird öfters zuträglich gefunden werden. Innerliche Heilmittel sind folgende:

Chamomilla. — Mag gegeben werden, wenn die Warzen geschwollen und entzündet sind. Gewährt dies keine Linderung, gebe folgende Mittel der Reihe nach, jeden Tag eine Dosis und zwar eine Woche hindurch:

Nux vomica, Mercurius, Sulphur, Silicea, Lycopodium, Graphites, Sepia, Calcarea Carbonica. Von Chamomilla mag alle vier oder sechs Stunden eine Dosis (6 Kügelchen) gegeben werden.

Allöopathisch. Folgende Waschungen werden zuträglich gefunden werden:

Löse entweder Alaun (Alum), Borax, schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) oder Kupfer in Rosenwasser auf, im Verhältniß von einem Gran auf eine Unze, und mache davon Umschläge auf die Warze. Auch eine Auflösung von Gerbersäure (Tannic acid) wird zuträglich gefunden werden.

Folgendes ist ein vortrefflicher Umschlag:

Glycerin 1 Drachme.
Tannin 1

Mische es.

Aufgebrochene Brüste (Broken Breast — Mastitis).

Entzündung der Brust wird häufig bei stillenden Müttern gefunden und wird in der Regel durch Erkältung oder auch zu starkes Ansammeln der Milch in den Brüsten, sowie durch Druck auf dieselben, örtliche Verletzungen u.s.w. verursacht.

Symptome. Gewöhnlich stellt sich anfänglich Frost ein, dem mehr oder weniger Fieber folgt, und leichte, spießende Schmerzen, die beim Druck zunehmen, werden gefühlt. Zuweilen dehnt sich der Schmerz bis zur Achselgrube aus, und wenn die Entzündung fortschreitet, schwillt die Brust an, wird hart, knotig und uneben, bis schließlich die Haut eine dunkle Farbe annimmt und sich Eiter bildet, die Kranke schwach und reizbar wird und abmagert. Zuweilen ist dies sehr hartnäckig.

Behandlung.

Homöopathisch. Das erste, was zu geschehen hat, ist das Ausziehen der Milch, was das Anschwellen vermindern und die Entzündung verhindern wird. Umschläge von Brod und Milch oder schlüpferiger Ulme sollten gemacht werden, was die Wärme erhält und dadurch das Anschwellen der Milchröhren vermindert. Ein Umschlag von gelben Rüben (Carrots) wird in allen Stadien dieser Krankheit gut gefunden werden. Flanelltücher, in heißem Branntwein ausgerungen, werden sich zuweilen zuträglich erweisen. Wenn die Brust anschwillt oder empfindlich wird, so sollte Belladonna und Bryonia entweder allein oder abwechselnd gegeben werden, besonders bei schießendem, zerreißendem Schmerz und beträchtlichem Kopfschmerz. Wenn, nachdem die Entzündung nachgelassen hat, noch Härte vorhanden ist, gebe man alle 6 Stunden eine Dosis Mercurius. Bleiben Knoten in der Brust zurück, so wird ein Pflaster von Bienenwachs und süßem Oel zuträglich gefunden werden. Wenn sich Eiter bildet, was an dem klopfenden Schmerz in der Brust erkannt werden kann, sollte Hepar sulphuris gegeben, bis er herausbricht, und Umschläge von Leinsamen gemacht werden. Bei Vorhandensein eines übermäßig starken Ausflusses von Eiter nehme man Phosphorus allein oder abwechselnd mit Hepar sulphuris. Silicea mag gegeben werden, wenn der Ausfluß wässerig ist, aus mehreren Oeffnungen herausbricht und langsam heilt.

Graphites oder Calcarea Carbonica kann besonders bei hartnäckigen Fällen angewendet werden.

Verordnung der Heilmittel. Zu Anfang, wenn Belladonna und Bryonia genommen werden, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nehme alle Stunde einen Theelöffel voll.

Andere Heilmittel nehme man alle 3 oder 6 Stunden.

Werden Sulphur oder Calcarea angewendet, so ist Morgens und Abends eine Dosis hinreichend.

Allöopathisch. Man halte die Brüste von Milch frei, entweder durch Anlegen des Kindes oder durch Anwendung der Brustpumpe. Folgendes mag zur äußerlichen Anwendung dienen:

Belladonna-Tinktur (Tinct. of belladonna) 1 Unze.
Kampher-Tinktur (Tinct. of camphor) 1

Mische es und befeuchte damit drei- oder viermal des Tages die Brust.

Weicht die Anschwellung nach diesem Mittel nicht, so möge man warmen Essig gebrauchen. Blutegel können unter die Brust gesetzt werden und zwar so, daß dadurch nicht die Anwendung des warmen Essigs verhindert wird. Dauert die Anschwellung und der Schmerz dennoch fort, so mache man warme Umschläge von Hopfen und nehme innerlich folgendes:

Eisenhut-Tinktur (Tinct. of aconitum) 2 Drachmen.
Essigsaures Morphium (Acetate of morphine) 2 Grane.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 1 Unze.
Wasser 3 Unzen.

Mische es. Dosis: alle Stunde einen Theelöffel voll, bis das Fieber nachläßt, dann alle 2 oder 3 Stunden. Die Brüste sollten durch Streifen von Heftpflaster unterhalb und ringsherum gestützt werden.

Kommt die Patientin von Kräften, so mag ihr Bier, Porter und Wein gegeben werden. Wenn sie skrophulös ist, gebrauche man folgendes:

Zusammengesetzter Talgbaum- (Stillingia) Syrup 8 Unzen.
Potaschen Jodid (Iodide of potash) 2 Drachmen.
Fowler’s Solution

Mische es. Dosis: 2 Theelöffel voll in Wasser dreimal des Tages.

Eclectische und Kräuterkur. In den ersten drei oder vier Tagen wasche die Brust dreimal des Tages mit einer Salbe, bestehend aus je einer Unze Kampher (Camphor), Sassafrasöl und Cajeput- (Cajeput) Oel. Nach jeder Waschung gebrauche folgendes:

Feingeschnittene spanische Seife (Castille soap) Unze.
Gelbes Bienenwachs ½
Schweinefett 1

Bei mäßigem Feuer geschmolzen, und wenn fast erkaltet, füge allmählig acht Drachmen Jamaica-Spiritus (Jamaica spirits), in dem zuvor 30 Grane Kampher aufgelöst waren, hinzu. Schneide ein Stück Leinen von der Größe der Brust, lasse in der Mitte für die Brustwarze ein Loch, streiche die Salbe auf und lege es so warm als es ertragen werden kann auf die Brust. Alle 4 bis 6 Stunden nehme man es herunter, wärme es von neuem, und nachdem man die genannte Waschung angewendet, lege man es wieder auf. Bildet sich Eiter, so mache man einen Umschlag von schlüpferiger Ulme (Slippery elm) oder von Brod und Milch. Frische Kermesbeere (Poke root) in Asche weich geröstet und zerdrückt, mit einer gleichen Menge pulverisirter Lobelia und heißem Wasser gemischt, wird zuträglich gefunden werden.