Würmer.

Es gibt drei Hauptgattungen von Würmern, denen der Mensch ausgesetzt ist. Die Ascariden, Spring- und Madenwürmer; sie sind sehr klein und ähneln einem weißen Faden von einem halben bis ganzen Zoll der Länge nach. Die Zahl derselben ist zuweilen sehr groß und sie bilden sich zu Rollen und Ballen in den Eingeweiden. Sie kriechen hin und wieder in die Scheide oder Harnröhre und verursachen ein höchst lästiges Jucken.

Eine andere Gattung sind die Spulwürmer oder Ascarides lumbricoides, welche sehr lang und rund sind, ungefähr ⅛ Zoll dick und 3 bis 12 Zoll lang. Sie ähneln dem gewöhnlichen Regenwurm sehr und werden vorzugsweise in den großen Därmen und zuweilen im Magen gefunden; auch erscheinen sie nicht selten im Halse.

Die dritte Gattung ist der Bandwurm (Taenia solium); er besteht aus einer Menge an einander gereihter Glieder und ist in seiner Länge von einigen bis mehreren hundert Fuß verschieden. Er hält sich in den kleinen Eingeweiden auf und zehrt von dem Nahrungssaft, d. h. von jener Masse der Nahrung, welche bleibt, nachdem die Speisen den Magen verlassen haben, und verursacht in Folge dessen große Zehrung, Erschöpfung und Abnahme des Fleisches.

Symptome. Die Kennzeichen der Anwesenheit von Würmern sind sehr undeutlich, und es ist zuweilen unmöglich, sie zu hemmen, bevor nicht welche abgegangen sind.

Die Anwesenheit des Springwurms mag erkannt werden an dem unerträglichen Jucken im After oder Anus. Bei Kindern kündigen sich die Würmer durch Blässe, Jucken in der Nase und Knirschen der Zähne an; Auffahren aus dem Schlafe, unregelmäßigen Appetit, üblen Athem, geschwollenen Unterleib, starkes Anschwellen der Oberlippe, eine von den Wangen mehr oder weniger geröthet.

Der Bandwurm wird erkannt an einem nagenden Schmerz im Magen, unregelmäßigem, in der Regel aber sehr starkem Appetit; die Menge der zu sich genommenen Speisen entspricht der daraus erwachsenden Nahrung nicht, der Kranke magert ab und öfters ist ein harter Husten anwesend; ein Gefühl, als ob irgend etwas von der linken Seite plötzlich in den Hals hinaufstiege und wieder zurückfiele, Schwindel, besonders des Morgens vor dem Essen.

Behandlung.

Homöopathisch. Aconitum. — Zu geben beim Anfang der Behandlung gegen nervöse Reizbarkeit, welche in der Regel anwesend ist. Einige Dosen mögen gegeben und alle 2 Stunden wiederholt werden. Wirkt dies nicht, so gebe man Ignatia in derselben Weise.

Cina. — Dies ist das Hauptmittel, besonders bei Anwesenheit folgender Symptome: Bohren mit den Fingern in der Nase, das Kind ist nervös, schreit des Nachts im Schlafe, hat starke Anfälle von Kolik, Zupfen an den Lippen, Gesicht zuweilen blaß und kalt, dann wieder roth und heiß, sonderlicher Appetit, wunderlich und furchtsam, Gesicht aufgedunsen, Anschwellen und Schmerz im Unterleib, Verstopfung oder Diarrhöe, Knirschen mit den Zähnen.

Nux Vomica. — Wenn mit den andern Symptomen Verstopfung verbunden ist, starkes Jucken, brennendes und stechendes Gefühl im After.

Spigelia. — Bei strengen Fällen von Wurmkolik, wenn Fieber und Diarrhöe vorhanden sind, Heißhunger und Frösteln.

Silicea. — Besonders bei Kindern, die skrophulös sind.

Belladonna. — Kolik, welche durch Liegen auf dem Bauche gelindert wird. Auffahren aus dem Schlaf, Kopfweh.

Lycopodium. — Besonders bei starkem Jucken im After.

Teucrium — empfohlen von Freligh gegen den Reiz und das Jucken, welches von Würmern verursacht wird.

Santonin — ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen die verschiedenen Gattungen von Würmern.

Gegen den Bandwurm Kürbiskörner (Pumpkin seeds) wie untenstehend gegeben, ist ein ausgezeichnetes Mittel.

Man nehme 8 Unzen von den Körnern und esse davon zur Mahlzeit 4 Unzen bei leerem Magen, erweiche dann die übrigen 4 Unzen in heißem Wasser und trinke den Aufguß am Morgen. Bis Mittag sollte nichts gegessen werden. Dies wird gewöhnlich hinreichen, den Wurm abzutreiben; ist dies aber nicht der Fall, so wiederhole es die nächste Nacht.

Verordnung der Heilmittel. Man gebe von dem gewählten Mittel dreimal des Tages eine Dosis, wenn die Symptome nicht anders nothwendig machen, in welchem Falle dann alle zwei oder drei Stunden eine Dosis gegeben werden muß.

Bei chronischen Fällen sollten die Mittel durch eine lange Zeit hindurch einmal des Tages gegeben werden.

Kost. Der Kranke sollte alle schweren Nahrungsmittel vermeiden, wie gekochtes Gemüse, reiche Puddings und Kuchen; mag sich vielmehr mit Fleischsuppen, gebratenem oder gekochtem Fleisch und Milch begnügen.

Gegen sehr starkes Jucken, das bei einigen Fällen vorhanden ist, werden Einspritzungen von kaltem Wasser oder Wasser, dem ein wenig Salz oder Essig beigefügt ist, zuweilen von gutem Erfolg gefunden werden. Süßes Oel (Sweet oil) entspricht hin und wieder demselben Zwecke.

Allöopathisch. Folgendes ist ein gutes Mittel:

Spigelien-Wurzel (Pink root) ½ Unze.
Sennesblätter (Senna) ½
Doppeltweinsteinsaure Potasche (Bi-tartrate of potassa) 1 Drachme.
Pulverisirte Jalappenwurzel (Pulv. jalap) ½
Kardamon- (Cardamon) Samen ½
Lakritzen- (Liquorice) Extrakt 2 Drachmen.

Mische es, füge ein halbes Pint kochendes Wasser hinzu und lasse das Ganze eine Stunde durchweichen. Dosis: Ein oder zwei Eßlöffel voll gelegentlich bis die Würmer abgetrieben sind.

Eine Einspritzung von gewöhnlichem süßem Oel ist zuweilen hinreichend, um die Springwürmer abzutreiben. Das folgende kann zu demselben Zwecke gegeben werden:

Aloe (Aloes) 2 Skrupel.
Kohlensaure Potasche (Carbonate of potassa) 15 Grane.
Gersten- (Barley) Abkochung ½ Pint.

Mische und gebrauche es als eine Einspritzung.

Ein Aufguß von je einer Unze Sennesblätter (Senna), Spigelia (Spigelia) auf ein Pint Wasser kann in einigen Fällen angewendet werden. Erwachsenen gebe jeden Morgen vor dem Frühstück ein Weinglas voll.

Wurmsamenbitter (Santonin) ist ein ausgezeichnetes Mittel, aber es sollte vorsichtig angewendet werden. Bei Erwachsenen eine Dosis von 3 bis 6 Granen. Bei Kindern einen halben Gran ein- oder zweimal des Tages.

Gegen Bandwurm hat sich Terpentin- (Turpentine) Spiritus vorzüglich bewährt. Man gebe ihn in Dosen von einer halben Unze und lasse dieselbe Menge Castoröl folgen oder beides zu gleicher Zeit nehmen. Eine Abkochung von Kohlpalmenrinde (Cabbage tree bark) sowie auch Kürbißkörner (Pumpkin seed) wird gegen Bandwurm sehr empfohlen.

Eclectische und Kräuterkur. Wurmsamen mit Molasses gemischt mag Erwachsenen in Dosen von 1½ Theelöffel voll und Kindern in Dosen von 1 Theelöffel voll gegeben werden.

Walddost- (Thoroughwort) Thee oder Rainfarn- (Tansy) Thee ist auch gut; Kermesbeer (Poke root) und Sennesblätter (Senna) sind ein wirksames Mittel. Eine Unze von jedem sollte in heißem Wasser erweicht und ein Eßlöffel voll einmal des Tages gegeben werden. Folgendes ist bei manchen Fällen zu empfehlen:

Castoröl 1 Unze.
Wurmsamen- (Worm seed) Oel 1
Terpentin- (Turpentine) Oel ½
Anisöl ½

Dosis: Für ein Kind von 2 oder 3 Jahren 10 bis 20 Tropfen alle 3 oder 4 Stunden. Das folgende wird empfohlen:

Wurmsamenöl ½ Unze.
Rainfarn- (Tansy) Oel ½
Terpentin- (Turpentine) Oel ½
Crotonöl 2 Drachmen.
Castoröl 4 Unzen.

Mische es. Dosis: Für ein Kind von 1 bis 2 Jahren einen halben Theelöffel voll in ein wenig warmer Milch drei Tage hindurch. Dann sollte dasselbe drei Tage ausgesetzt und für die nächstfolgenden drei Tage wieder angewendet werden.

Gegen Bandwurm wird der Saft von blauem Kalmus (Blue flag) empfohlen, ebenso starke Portionen von Knoblauch (Garlic) mit Salz, und einen Tag um den andern ein Abführmittel von Alraunwurzel (Mandrake root). Wurzel von männlichem Farn (Root of male fern) ist erfolgreich zur Entfernung des Bandwurms angewendet worden.

Hartleibigkeit.

Dies ist eine der gewöhnlichsten Störungen, denen die Menschheit unterworfen ist. Unter Hartleibigkeit verstehen wir einen trägen Zustand der Eingeweide, durch welche der Koth eine längere Zeit zurückgehalten wird, als es die Erhaltung der Gesundheit bedingt. Stuhl ist seltener als in gesundem Zustande, hart und trocken, in kleinen Quantitäten und die Entleerung geht mit Schwierigkeit vor sich.

Symptome. Kopfschmerz, Schwindel, Mangel an Appetit, zuweilen Uebelkeit und Fiebersymptome, Schwere längs des unteren Theiles des Bauches.

Ursachen. Sitzende Lebensweise, besonders während der Geist beständig auf irgend einen Gegenstand gerichtet ist, zusammenziehende Medizinen, nervöse Krankheiten, Unachtsamkeit auf das Verlangen nach Entleerung der Eingeweide.

Behandlung.

Allgemeine. Die Kost sollte dieser Krankheit genau angemessen sein, alles von bindender Natur ist zu vermeiden, wie thierische Kost, besonders eingesalzene Fleische, Käse, reizende Getränke, Pasteten, stark gewürzte Speisen &c. Dagegen kann der Patient alle Sorten von Früchten, Gemüse, grobes Brod und Suppen essen. Gestoßener Weizen wird die Heilung der Hartleibigkeit befördern. Einspritzungen von kaltem Wasser, sowie starkes Trinken von kaltem Wasser, sollte angewendet werden. Jedermann muß den Mahnungen der Natur sofort und regelmäßig Folge leisten. Die beste Zeit diesem nachzukommen ist vielleicht am Morgen unmittelbar. Wenn man diesem Umstande zu einer gewissen Stunde des Tages Aufmerksamkeit schenkt, so wird dies mehr als irgend etwas anderes dazu beitragen, dieses zur Gewohnheit zu machen und die Eingeweide in Ordnung zu halten.

Allöopathisch. Eine Pille von Rhabarber (Rhubarb) und spanische Seife (Castile soap) von jedem ½ Gran sollen angewendet und davon des Abends 2 Pillen gegeben werden.

Zuweilen bewährt sich folgendes:

Entenfuß-Harz (Rosin of podophyllin) 2 Grane.
Flüssiger Rhabarber-Extrakt (Fluid extract of rhubarb) 1 Unze.
Flüssiger Sennesblätter-Extrakt (Fluid extract of senna) 1
Ingwer-Syrup (Syrup of ginger) ½ Unze.
Gewürznelkenöl 4 Tropfen.

Gummi Arabicum Schleim hinlänglich, um daraus 4 Unzen zu machen. Dosis: Für Erwachsene einen Eßlöffel voll und so oft zu wiederholen als erforderlich, um die Eingeweide zu öffnen.

Eine Abkochung von Walddost (Thoroughwort) täglich kalt getrunken war in einigen Fällen von gutem Erfolg. Einspritzungen von warmem oder kaltem Wasser sollten angewendet werden, da dieselben in der Regel hinreichen, ohne weitere abführende Medizinen, Abhülfe zu verschaffen. Eine Dosis von einem Aufguß von Sennesblättern mag sich hin und wieder bewähren.

Folgendes, unter „Mottauer’s Aperient“ bekannt, wird sehr empfohlen:

Pulverisirte Aloe (Pulv. Aloes) Unzen.
Doppeltkohlensaure Soda (Bi-carbonate of soda) 4
Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (Compound spirits of lavender) 2
Wasser 2 Quarts.

Mische es in einem Kruge, lasse es 2 Wochen lang stehen und schüttle es jeden Tag gehörig um, dann sollte die Mischung vom Bodensatze abgegossen werden. Dosis: ein halbes Weinglas voll ein- oder zweimal des Tages.

Eclectische und Kräuterkur. Eine gelegentliche Dosis von Rhabarber (Rhubarb) oder ein Seidlitz Pulver wird zuweilen alles sein, was nothwendig ist, um Abhülfe zu verschaffen; gleichzeitig ist der Kost Aufmerksamkeit zu widmen.

Eine Mischung von Rhabarber (Rhubarb) zwei Theile und doppeltkohlensaure Potasche (Bi-carbonate of potassa) einen Theil in Dosen von 6 Granen dreimal des Tages in ein wenig warmem Wasser, ungefähr eine Stunde vor jeder Mahlzeit genommen, wird empfohlen. Die Dosis sollte nicht mehr als zwei Stühle des Tages bewirken und es wird gut sein, wenn nicht mehr als einer darauf erfolgt. Auch das folgende ist empfehlenswerth:

Aletridin 20 Grane.
Brechnuß- (Nux Vomica) Extrakt
Entenfuß (Podophyllin) 5

Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: eine oder zwei jeden Abend. Eine Einspritzung von einem Aufguß Wasserdost (Boneset) mit ein wenig Molasses, ist zuweilen erfolgreich.

Homöopathisch. Das wichtigste Mittel ist Nux Vomica, wenn häufiger und erfolgloser Drang nach Stuhl vorhanden ist oder ein Gefühl, als ob der After geschlossen wäre; unangenehmer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit, Anschwellen des Unterleibes. Wenn Nux Vomica unzureichend ist, gebe eine gelegentliche Dosis von Bryonia, besonders wenn die Störung in warmem Wetter eintritt.

Opium. — Mag zuweilen abwechselnd mit Nux Vomica gegeben werden, besonders wenn große Trägheit der Eingeweide ohne irgend ein Verlangen nach Stuhl, Röthe des Gesichts, Schießen des Blutes nach dem Kopfe, Kopfschmerz vorhanden sind.

Platina. — Wenn der Koth in kleinen harten Stücken mit viel Schwierigkeit entleert wird, Schaudern, Gefühl von Schwäche im Unterleib.

Lycopodium. — Bei starkem Drängen mit starkem Druck nach unten, aber Unfähigkeit, die Eingeweide zu entleeren.

Antimonium Crudum. — Bei Fällen, wo Verstopfung und Diarrhöe abwechseln.

Sulphur. — Bei lang anhaltender Verstopfung, besonders, wenn der Patient mit Geschwüren belästigt ist. Auch wenn öfters Verlangen nach Stuhl ohne irgend welchen Erfolg vorhanden ist.

Plumbum. — Bei hartnäckiger Verstopfung, der Stuhlgang ist hart und Schwierig und der Koth geht in harten Stücken oder Bällen weg.

Bei Verstopfung von schwangeren Frauen gebe man Nux Vomica, Opium, Sepia. Frauen im Kindbett Bryonia, Nux Vomica, Opium, Sulphur.

Verordnung der Heilmittel. — Alle 2, 3 oder 4 Stunden gebe man eine Dosis von dem gewählten Mittel. Werden die Heilmittel trocken gegeben, so gebe man 3 bis 6 Pillen als eine Dosis. Wenn in Wasser gegeben, löse 6 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll. Einspritzungen von und Baden im kalten Wasser wird sehr zuträglich gefunden werden.

Diarrhöe oder Durchfall.

Diese Krankheit kommt sehr häufig vor, besonders in den heißen Monaten des Jahres. Die Symptome bestehen in mehr oder weniger flüssigen öfteren Entleerungen der Eingeweide, und jeder Entleerung folgt ein kollerndes Geräusch in den Eingeweiden, verbunden mit einem Gefühle von Schwere oder Gewicht, gewöhnlich auch stärkerem oder schwächerem Kneipen und zuweilen Uebelkeit und Erbrechen; finden die Entleerungen oft oder sehr stark statt, so tritt in Folge dessen nach kurzer Zeit große Schwäche ein.

Ursachen. Der Einfluß außergewöhnlicher Hitze und Kälte, Genuß von Säuren, unverdauliche oder reizende Nahrungsmittel, Ueberladen des Magens mit Speisen, heftige, geistige Erregung, wie Furcht, Zorn u. s. w. Es kann auch durch fortwährenden Aufenthalt in schlecht ventilirten Wohnungen, und bei Kindern durch das Zahnen verursacht werden.

Behandlung.

Allgemeine. Der Genuß von allen Speisen, die nicht ganz leicht verdaulich sind, ist zu untersagen, ebenso Säuren, Kaffee, stark gewürztes Gemüse, Früchte, frische Fleischsorten und Suppen aller Art. Die Kost des Patienten mag bestehen in Zwieback, Reis, gekochter Milch, Hafermehl, geschältes Korn, Pfeilwurz (Arrow root), Gerstenwasser, Sago, Tapioca, Gummi Arabicum Schleim, gekochtem Reis mit Zimmet gewürzt.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes wird die Thätigkeit der Leber wieder herstellen und Alles auf die Eingeweide reizbare entfernen:

Zusammengesetzter Syrup aus Rhabarber und Potasche (Compound syrup of rhubarb and Potassa) 4 Unzen.
Pfeffermünz- (Peppermint) Essenz 1 Drachme.
Paregoricum (Paregoric) 4 Drachmen.

Mische es. Dosis: alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll. Bevor dies indessen genommen wird, ist es gut, ein Brechmittel aus gleichen Theilen von pulverisirter Lobelia und Brechwurz (Ipecac) zu geben.

Folgender Syrup wird ausgezeichnet gefunden werden:

Brombeerwurzel (Black berry root) fein geschnitten und gestoßen 8 Unzen.
Gägel- (Bay berry) Rinde 4
Storchschnabel (Cranes Bill) 2
Myrrhenharz (Gum myrrh) 1
Zimmetrinde (Cinnamon bark) 2
Fenchelsamen (Fennel seed) ½ Unze.
Gewürznelken (Cloves) 1

Zerstoße es gehörig, gebe es in 6 Quart Wasser und lasse es 6 bis 8 Stunden langsam über dem Feuer bis zur Hälfte einkochen, dann seihe es durch und lasse es zu zwei Pint einkochen. Während es noch heiß ist, füge ein Pfund weißen Zucker bei und ist es abgekühlt noch ein Pint französischen Branntwein hinzu. Dosis für Erwachsene einen Eßlöffel voll. Dies wirkt als ein ausgezeichnetes Mittel gegen alle Arten Diarrhöe, Cholera und Cholera-Morbus. Eine Abkochung von je einer Handvoll Brombeerenwurzel (Black berry root) und weiße Eschenrinde (White oak bark) mit je einer halben Unze Gewürznelken (Cloves), Zimmet (Cinnamon) und Allspice mit Stückzucker oder Kandiszucker (Rock candy) versüßt, wird in einigen Fällen gut gefunden werden. Dosis: Mehrere Male des Tages einen Eßlöffel voll.

Bei Uebelkeit und Erbrechen kann ein Senfpflaster über den Magen gelegt werden. Auch ein Aufguß von Hafermehl-Kaffee mag zuweilen zuträglich gefunden werden. Das Hafermehl sollte mit Wasser vermischt, gebacken und mit Kaffee gebräunt werden, dann pulverisire man es und mache einen Aufguß daraus. Gegen den Schmerz oder das Kneipen wende man eine Einspritzung an, die wie folgt zusammengesetzt wird:

Castoröl 1 Gill.
Molasses ½ Pint.
Warmes Wasser ½ Pint.
Laudanum 20–60 Tropfen.

Folgendes wird als ein ausgezeichnetes Mittel empfohlen:

Röste ein halbes Pfund Reis, bis es braun ist, dann koche es und esse es langsam.

Pulverisirter Rhabarber (Rhubarb) zu Holzkohle gebrannt und pulverisirt, wird empfohlen. Ungefähr einen halben Theelöffel voll dreimal des Tages. Der Rhabarber mag in einem eisernen Gefäße zu schwarzer Asche verbrannt werden.

Chronische Diarrhöe wird in einigen Fällen durch einfaches Essen von Gummi Arabicum oder das öftere Trinken des Schleimes von Gummi Arabicum geheilt. Folgende Pillen werden gegen chronische Diarrhöe empfohlen:

Leptandrin 20 Grane.
Brechwurz (Ipecac) 20
Entenfuß (Podophyllin) 5
Pulverisirtes Opium 8

Mische es und mache 40 Pillen mit ein wenig Löwenzahn- (Dandelion-) Extrakt daraus. Dosis: Früh und Abends eine Pille. Während diese Pillen genommen werden, ist es gut, die ganze Oberfläche des Körpers einmal des Tages mit warmem Saleratuswasser zu waschen. Folgendes Mittel soll bei einigen der schlimmsten Falle geholfen haben:

Man nehme ein Stück gut geräucherten alten Speck, schneide ihn in Stücke und brate ein Pint Schmeer aus; während des Ausbratens schneide mehrere große Zwiebeln hinein. Gieße darauf die Flüssigkeit ab und nimm einen Theelöffel voll davon einmal des Tages.

Folgendes wird in einigen Fällen gut gefunden werden:

Pulverisirter Alaun (Alum) 2 Grane.
Pulverisirte Galläpfel (Galls) 2
Pulverisirter Kampher (Camphor) 1 Gran.

Mische und nimm es auf einmal. Nach jeder Mahlzeit zu wiederholen. Eine Abkochung von Kampescheholz (Logwood) ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen diese Krankheit. Ein halber Theebecher voll sollte davon dreimal des Tages genommen werden.

Homöopathisch. Dulcamara. — Gegen Diarrhöe, die von Erkältung herrührt, wenn die Stuhlgänge wässerig, grünlich oder gelblich und bei leichtem Schmerz schlimmer des Nachts sind. Man lasse Bryonia folgen.

Aloes. — Heftiger Stuhlgang, der ganze Körper wird während desselben heiß, bei einem Gefühl von Magenschwäche oder Schmerz in der Gegend der Leber; der Stuhl hat einen höchst fauligen Geruch und ist nicht übermäßig stark oder wässerig.

Ipecacuanha. — Stuhlgang von dünnem Schleim, oder schaumig, gegohren oder gelb, bei beträchtlichem Schmerz im Mastdarm, die Entleerungen sind mit einer weißen Substanz gemischt, Blässe des Gesichts, große Hinfälligkeit.

Chamomilla. — Gallige, wässerige oder schleimige Diarrhöe, der Stuhl ähnelt geschnittenem Stroh und riecht wie faule Eier, belegte Zunge, Anschwellen der Eingeweide, bitterer Geschmack im Munde. Besonders anwendbar gegen Diarrhöe in Folge von Erkältung, Furcht oder Zorn, und bei Kindern, wenn sie die Beine in die Höhe werfen, sich ärgern, quälen und getragen sein wollen.

Rheum. — Sauer riechender Stuhl bei krampfartiger Kolik in den Eingeweiden. Ein Schauder während des Stuhlganges; Diarrhöe in Folge von Magensäure; saurer Geruch, der von dem Kinde ausströmt und auch nicht durch Waschen gehoben wird. Besonders anwendbar bei Diarrhöe von Kindern und Frauen im Wochenbett. Wenn Rheum keine Linderung verschafft, so gebe man Chamomilla.

Mercurius. — Bei fast jeder Art von Diarrhöe anwendbar, besonders wenn mit Kneipen vor und Brennen im After nach dem Stuhlgange verbunden; große Hinfälligkeit, Zittern, Entleerungen gallig, schleimig, schaumig oder mit Blut gemischt, heftige Kolik, schlechter Athem. Nux Vomica wird zuweilen Linderung geben, wenn Mercurius angezeigt zu sein scheint, aber nicht den gewünschten Erfolg hat.

Colocynthis. — Gallige oder wässerige Diarrhöe mit starken krampfartigen Schmerzen.

Podophyllin. — Diarrhöe mit krampfartigen Schmerzen in den Eingeweiden, leicht gefärbtem widerwärtigem Stuhl, Entleerungen schaumig und schleimig.

Pulsatilla. — Diarrhöe in Folge von Unverdaulichkeit, bei wässerigen, widerwärtigen Entleerungen, besonders des Abends, bitterer Geschmack im Munde, faulige Zunge.

Bryonia. — Diarrhöe in Folge der Sonnenhitze.

Arsenicum. — Diarrhöe brennend, mit starken Kolikschmerzen. Mag abwechselnd mit Veratrum oder abwechselnd mit Carbo Vegetabilis gegeben werden, wenn die Diarrhöe faulig ist und aus unverdauten Nahrungsmitteln besteht, oder bei wässerigem, schleimigem, brennendem Stuhl.

Magnesia. — Aehnlich dem Schaum eines Froschteiches, grün und schaumig.

Nux Vomica. — Wenn häufige und spärliche Stuhlgänge einer wässerigen und grünlichen Masse erfolgen und Drängen und drückender Schmerz. Mag abwechselnd mit Mercurius gegeben werden.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe, ganze, 2 oder 3 Stunden, der Strenge des Schmerzes und der Häufigkeit der Stuhlgänge angemessen, einen Theelöffel voll. Werden die Pillen gebraucht, so gebe man 3 bis 4 als eine Dosis. Bei chronischen Fällen gebe man jeden Morgen und Abend eine Dosis.

Allöopathisch. Zusammengesetzter Syrup von Rhabarber (Rhubarb) und Potasche mag in Dosen von einem Eß-Löffel alle Stunden gegeben werden, bis die Magensäure bewältigt und der Reiz vermindert ist. Pfeffermünz- (Peppermint) und grüne Münze- (Spearmint) Essenz kann hin und wieder mit gutem Erfolg hinzugefügt werden. Bei Uebelkeit und Erbrechen mache Senfpflaster auf den Magen und gebe einige Tropfen Laudanum. Folgendes wird bei leichten Anfällen entsprechend gefunden werden:

Gewürzter Rhabarber-Syrup (Spiced syrup of rhubarb) ½ Unze.
Magnesia 15 Grane.
Zimmet- (Cinnamon) Wasser 2 Drachmen.
Kampherwasser 2

Mische es und nimm die Hälfte der Mischung als eine Dosis und wiederhole dies alle drei Stunden.

Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:

Verdünnte Schwefelsäure (Diluted sulphuric acid) 50 Tropfen.
Laudanum 15 Tropfen.
Pfeffermünz- (Peppermint) oder Zimmet- (Cinnamon) Wasser 3 Unzen.

Dosis: Alle 4 Stunden einen Eßlöffel voll.

Bei heftigem, kneipendem Schmerz gebe folgende Einspritzung:

Castoröl 2 Unzen.
Tinktur von stachliger Eschenrinde (Tinct. of prickly ash bark) ½ Unze.
Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (Comp. tincture of Virginia snake root) 2 Drachmen.
Laudanum 20 Tropfen.
Aufguß von Wasserdost (Infusion of boneset) ½ Pint.
Aufguß von Sennesblättern (Infusion of senna) ½ Pint.

Mische und gib es als eine Einspritzung.

Aehnelt die Diarrhöe der Ruhr (Dysentery), so sollten Einspritzungen von Stärke angewendet und gleichzeitig folgende Pillen gegeben werden:

Essigsaures Blei (Acetate of lead) 1 Gran.
Opium ½

Mache eine Pille daraus und wiederhole diese alle 3 oder 4 Stunden.

Bei chronischer Diarrhöe wird zuweilen ein Theelöffel voll Branntwein in ein wenig versüßtem Wasser mehrere Male des Tages gegeben, heilen. Es wird sehr zuträglich sein, bei Behandlung eines chronischen Falles von Diarrhöe ausgenommen Milch und Kalk- (Lime) Wasser, so wenig als möglich Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Bei beträchtlicher Schwäche mögen folgende Pillen gegeben werden.

Chinin (Quinine) ½ Drachme.
Pulverisirte Catechu 1
Pulverisirtes Opium 15 Grane.

Mische es und mache 32 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages 1 Pille.

Ruhr (Dysentery — Bloody Flux).

Dies ist eine Entzündung der Schleimhaut der großen Eingeweide.

Symptome. Die Krankheit beginnt in der Regel mit Appetitlosigkeit, Verstopfung, Frösteln, Hitze der Haut, außerordentlichem Durst &c. Hin und wieder beginnt sie mit Diarrhöe, die Stuhlgänge sind unbedeutend und häufig, sie sind mit Schleim vermischt und mit Blut gestreift, beständiges Dringen und Verlangen nach Stuhl, starkem Schmerz vor und nach jedem Stuhlgang, schmerzhaftes Grimmen des Afters, auch Tenesmus genannt.

Ursachen. Plötzlicher Wechsel von heißer zu kalter Witterung, unreife oder saure Früchte, verdorbenes Gemüse oder Fleisch, das Trinken von kaltem Wasser, wenn man erhitzt ist.

Behandlung.

Allgemeine. Es sollte dem Patienten nicht erlaubt sein, aufzubleiben, er muß sich vielmehr sehr ruhig verhalten. Als Nahrung nehme man Mehlsuppe, gehörig gekocht, Reiswasser, Pfeilwurz (Arrow root), Sago. Bei Besserwerden möge ein wenig Schöpsenfleischbrühe erlaubt werden.

Homöopathisch. Aconitum. — Schmerz in den Eingeweiden, gallige oder dünne, wässrige Entleerungen mit Schleim gemischt und zuweilen mit Blut gestreift, Schmerzen im Kopf, Nacken und Schultern, Puls stark und schnell.

Arsenicum. — Passend bei Fällen, wo die Stuhlgänge unfreiwillig erfolgen und einen fauligen Geruch haben, da, wo der Kranke sehr schwach ist, brennende Schmerzen in den Eingeweiden, Athem kalt. Kann allein oder abwechselnd mit Carbo Vegetabilis gegeben werden.

Belladonna. — Wenn Aconitum keine Minderung gewährt und wenn Trockenheit im Munde und Hals vorhanden ist, Empfindlichkeit der Eingeweide, Zunge belegt und an der Spitze roth.

Mercurius. — Dies ist das wichtigste Mittel bei Ruhr und ist in allen Stadien anwendbar, besonders wenn ein Drängen, als ob die Eingeweide herauskommen wollten, vor und nach dem Stuhle, vorhanden ist, eine Entleerung von hellem Blute, zuweilen mit Schleim gestreift oder von einer grünlichen Masse nach starkem Drängen, hin und wieder gleicht der Stuhl aufgeschlagenen Eiern, heftige Kolik, Uebelkeit, Frösteln, Erschöpfung, Zittern, kalter Schweiß auf dem Gesichte, Verschlimmerung des Schmerzes zur Nachtzeit. Kann abwechselnd mit Colocynth gegeben werden, wenn starke kneipende Kolik-Schmerzen vorhanden sind, oder abwechselnd mit Aconitum oder Belladonna, wenn Fieber damit verbunden ist.

Chamomilla. — Zuweilen nach Aconitum entsprechend, wenn noch Fieber mit Kopfschmerz, Uebelkeit und Durst vorhanden sind. Besonders nützlich, wenn der Anfall durch plötzliche Schweißunterdrückung verursacht wurde.

Colocynthis. — Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden und die Entleerungen mit einer grünen Masse gemischt, oder sie sind mit Schleim und Blut gemischt. Mag abwechselnd mit Mercurius gegeben werden.

Podophyllin. — Krampfartige Schmerzen in den Eingeweiden, Entleerungen hell gefärbt und höchst widrig, oder schaumig und schleimig.

Ipecacuanha. — Besonders zuträglich bei Eintreten der Krankheit im Herbste, oder wenn der Schleim oder schleimige Stuhlgänge später mit Blut gestreift sind. Mag mit Vortheil abwechselnd mit Petroleum gegeben werden.

Nux Vomica. — Schwache und häufige Entleerungen von blutigem Schleim, starke Hitze, großer Durst, brennender, schneidender Schmerz in der Gegend des Nabels. Kann abwechselnd mit Opium gegeben werden.

Sulphur. — Vortheilhaft gegen hartnäckige Fälle, gelegentlich eine Dosis.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Bessert sich der Kranke, so gebe man die Dosen in größeren Zwischenräumen. Bei chronischer Ruhr ist eine Dosis des betreffenden Mittels dreimal des Tages hinreichend.

Allöopathisch. Bei gelinden Fällen gebe man einen Theelöffel voll Castoröl und zwei Theelöffel voll Paregoricum (Paregoric) einmal des Tages; oder eine Dosis Castoröl mit 10 oder 15 Tropfen Laudanum, wenn das Mittel zu Anfang gegeben wird. Leinsamen oder schlüpfriger Ulmen- (Slippery elm) Thee kann als Getränk verwendet werden. Bei Schmerz in den Eingeweiden gebe ein Senfpflaster. Einspritzungen von Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum werden außerordentlich wohlthätig gefunden werden. Der zusammengesetzte Spiritus von Rhabarber (Rhubarb) und Potasche (Potassa) ist in einigen Fällen anwendbar und in Dosen von einem Theelöffel voll alle drei oder vier Stunden zu geben. Folgendes möge in dem ersten Stadium gegeben werden:

Blue Mass 18 Grane.
Brechwurz (Ipecac) 6
Kampher (Camphor) 12

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier Stunden eine Pille. Oder:

Kampher (Camphor) 18 Grane.
Brechwurz (Ipecac) 6
Opium 3 bis 6

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier Stunden eine Pille.

Bei chronischer Ruhr gebe man folgendes:

Orangenschalen-Syrup 1 Unze.
Essigsaures Morphium (Acetate of morphia) 2 Grane.
Zimmet- (Cinnamon) Tinktur 6 Drachmen.
Kardamon- (Cardamon) Tinktur 2

Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Bei chronischen Fällen von Ruhr von langer Dauer, wird folgende Einspritzung zuträglich gefunden werden:

Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 10 Grane.
Laudanum 40 Tropfen.
Leinsamenthee 4 Unzen.

Ein Aufguß von Gelbwurz (Golden seal) oder die Tinktur von stachligen Eschenbeeren (Prickly ash berries) werden als Einspritzungen gut gefunden werden.

Eclectische und Kräuterkur. Bei milden Fällen wird der unter Diarrhöe empfohlene pulverisirte gebrannte Rhabarber (Rhubarb), in Dosen von einem halben Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages gegeben, gut gefunden werden. Gebrannter Branntwein wird in einigen Fällen sofortige Linderung verschaffen. Ein Theelöffel voll Castoröl und ein und einen halben Theelöffel voll Paregoricum (Paregoric) gemischt und einmal des Tages genommen, reicht zuweilen hin. Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden mögen heiße Bähungen von Hopfen, oder von Hopfen und Stechapfel- (Stramonium) Blättern über den schmerzhaften Theil gemacht werden. Sind die Entleerungen häufig und schmerzhaft, so wende man Einspritzungen an von 3 Theilen Stärkewasser und einem Theil zusammengesetzter Tinktur von Virginischer Schlangenwurzel (Compound tincture of Virginia snake root) an; ungefähr eine halbe Unze sollte eingespritzt und nach jedem Stuhlgang wiederholt werden; der Patient halte es so lange als möglich zurück. Kann man die Tinktur nicht erhalten, so nehme man 10 bis 20 Tropfen Laudanum. Folgendes wird empfohlen:

Türkischer Rhabarber, gestoßen (Turkey rhubarb, bruised) 1 Unze.
Wilde Kirschbaumrinde (Wild cherry bark) 2 Unzen.
Ueber-kohlensaure Soda (Super-carbonate of soda) 1 Unze.
Zimmet- (Cinnamon) Rinde 1
Weißer Zucker ½ Pfund.

Lasse das Ganze eine Stunde lang in ein und einem halben Pint kochendem Wasser, dann seihe und drücke es aus. Dosis: einen Eßlöffel voll oder weniger, dem Alter angemessen, alle halbe, ganze oder zwei Stunden, im Verhältniß zu den Symptomen.

Folgendes wird bei einigen Fällen ausgezeichnet gefunden werden:

Reife Brombeeren (Ripe blackberries) 2 Quarts.
Stückzucker 1 Pint.
Cayennepfeffer (Cayenne) ½ Unze.
Zimmet ½
Gewürznelken (Cloves) ½
Allspice ½

Koche alles zusammen eine kurze Zeitlang; wenn kalt, seihe es durch und füge ein Pint von fourth proof Brandy hinzu. Dosis: dem Alter angemessen, ein Eßlöffel bis ein Weinglas voll. Zuweilen ist es gut, durch gehöriges Zudecken des Kranken im Bette und die Darreichung von warmen Getränken, bestehend in Leinsamen-, Balsam-, Salbei- (Sage) oder Katzenmünze- (Catnip) Thee Schweiß hervorzurufen.

Folgendes soll beim Beginn der Ruhr helfen:

Leptandrin 10 Grane.
Morphium (Morphia) 1 Gran.

Mische es und mache mit Gummi Arabicum Schleim 3 Pillen daraus und gebe alle 6 bis 12 Stunden, den Symptomen angemessen, eine Pille.

Nachstehendes ist eine gute Einspritzung, welche, nachdem die Krankheit mehrere Tage angehalten hat, angewendet werden kann.

Aufguß von Gelbwurz (Golden seal) 1 Unze.
Laudanum 10 bis 20 Tropfen.

Gebrauche es als eine Einspritzung.

Innerlich zu geben wird empfohlen:

Guajak (Guaiacum), fein pulverisirt 5 Drachmen.
Gummi Arabicum Schleim 3 Unzen.
Gewöhnlicher Syrup 3
Wasser 8

Mische es. Dosis: alle 4 Stunden ½ Weinglas voll.

Gegen chronische Ruhr gebrauche man folgendes:

Rhabarber (Rhubarb) 4 Unzen.
Schlangenwurzel (Black cohosh root) 2
Wilde Kirschbaumrinde (Wild cherry bark) 2
Storchschnabel (Geranium) 2

Mische es und gieße auf diese Bestandtheile 2 Pint Branntwein und 2 Pint Wasser. Lasse die Mischung 5 bis 6 Tage stehen, schüttle es häufig um und seihe es dann ab. Füge 4 Pint Wasser zu dem Bodensatze, koche es bis zu 2 Pint ein, seihe es ab, füge dies der bereits früher abgeseihten Tinktur bei und versüße das Ganze mit Stückzucker. Dosis: jede Stunde oder alle 2 bis 3 Stunden einen Eßlöffel voll.

Cholera Morbus (Brechdurchfall).

Dies ist eine Krankheit, die gewöhnlich in den wärmeren Gegenden vorkommt und sich durch Erbrechen, Abführen, heftiges Kneipen, Kälte und Krämpfe der Endglieder kennzeichnet.

Symptome. Der Anfall tritt ganz plötzlich mit Erbrechen und Abführen ein, wird von starken, kneipenden Schmerzen in den Eingeweiden und im Magen begleitet, dem große Angst folgt. Die Entleerungen der Eingeweide bestehen in Koth und später aus einer wässerigen, galligen Masse; jeder Entleerung gehen heftig kneipende und schneidende kolikartige Schmerzen, besonders in der Nabelgegend voraus und begleiten dieselbe; in den Zwischenräumen der Entleerungen ist Uebelkeit und Unbehagen des Magens und in der Regel großer Durst vorhanden; Flüssigkeiten, sobald sie der Patient zu sich genommen hat, werden wieder erbrochen. Wird der Krankheit nicht rechtzeitig Einhalt gethan, so dehnen sich die Krämpfe auf Arme und Hände aus, die Endglieder werden kalt, der Puls wird schwach, die Gesichtsfarbe bleich, die Augen fallen ein, kalter klebriger Schweiß bricht aus und der Tod tritt ein.

Ursachen. Sonnenhitze, besonders wenn die Tage heiß und die Abende kühl sind, plötzlicher Wechsel der Luft, ungehörige Substanzen im Magen, wie unreife Früchte, Säuren, Hummern (Lobsters), Melonen, Gurken, Jähzorn.

Behandlung.

Allöopathisch. Man mache ein großes Senfpflaster über der Gegend des Magens und der Leber und gebrauche gleichzeitig folgende Mischung:

Ammoniak (Ammonia) 1 Drachme.
Magnesia 1
Pfeffermünz- (Peppermint) Wasser 4 Unzen.

Wenn die Diarrhöe sehr stark ist oder der Zustand hat schon eine Zeitlang angehalten, füge dem Obigen noch zwei Drachmen Paregoricum (Paregoric) bei. Dosis: Alle 20 Minuten einen Theelöffel voll; bei jedesmaligem Einnehmen schüttele man die Mischung gehörig um.

Flanelle, in einer heißen Abkochung von Mohnköpfen (Poppies) und Kamillenblüthen (Chamomile flowers) getränkt und über den Magen und die Eingeweide gelegt, wird in einigen Fällen entsprechen.

Das aus Rhabarber (Rhubarb) und Potasche (Potassa) zusammengesetzte Pulver kann in Dosen von einem Theelöffel voll alle halbe Stunden, bis sich Uebelkeit und Erbrechen einstellen, gegeben werden; ist es nothwendig, füge jeder Dosis noch 5 bis 10 Tropfen Laudanum bei. Der Patient sollte viel und öfters warmes Wasser und Leinsamenthee trinken, was den Magen und die Eingeweide gehörig auswäscht. Ein Umschlag aus Gewürznelken (Cloves) und Zimmet, von jedem einen Theelöffel voll, Mehl mit Branntwein angefeuchtet, einen Eßlöffel voll, bestehend, wird in einigen Fällen dienlich gefunden werden.

Auch entspricht zuweilen folgendes:

Morphium (Morphine) 1 Gran.
Doppeltkohlensaure Soda (Bi-carbonate of soda) 30 Grane.
Versüßte Rhabarber- (Rhubarb) Tinktur 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.

Eclectische und Kräuterkur. Ein gutes Mittel, sowohl den Magen in Ordnung zu bringen als auch den Durchfall einzuhalten, besteht in

Gemahlenem schwarzem Pfeffer (Ground black pepper) 1 Eßlöffel voll.
Tischsalz 1
Warmem Wasser ½ Bierglas voll.
Cideressig ½

Dosis: Nimm nach einigen Minuten einen Eßlöffel voll. Rühre es um und mische es gehörig, bis das Ganze genommen ist.

Warme Thees von Katzenmünze (Catnip), oder Wasserdost (Boneset) mögen hin und wieder angewendet werden, um Erbrechen hervorzubringen; nachdem das Erbrechen eine Zeitlang angehalten hat, lege man ein großes Senfpflaster über den Magen und die Eingeweide und gebe den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche (Compound syrup of rhubarb and potassa) alle halbe Stunden in Dosen von einem Eßlöffel voll. Hierauf mag in einigen Fällen Paregoricum (Paregoric), Pfeffermünz- (Peppermint) Essenz und Kampher-Spiritus (Spirits of camphor), von jedem einen Eßlöffel voll, Rhabarber- (Rhubarb) Tinktur ein halbes Pint, angewendet werden. Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Eßlöffel voll bis Erbrechen und Durchfall aufgehört haben. Pfeffermünz- (Peppermint) Thee mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus wird den Magen hin und wieder beruhigen.

Füße und Arme sollten in warmem Saleratuswasser gebadet und eine warme Bähung von Hopfen und Essig auf die Eingeweide gemacht werden. Nachdem die Kraft der Symptome gebrochen, mag eine starke Abkochung von gebranntem Korn mit Vortheil verwendet werden. Ebenso ist auch eine starke Abkochung von Brombeerwurzel (Black berry root) mit Gewürznelken (Cloves) und Zimmet (Cinnamon) gut. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages einen Theetassenkopf voll. Auch gebrannter Rhabarber ist ein ausgezeichnetes Mittel.

Homöopathisch. Ipecacuanha. — Besonders bei heftigem Erbrechen kann zu Anfang eines Anfalles abwechselnd mit Veratrum gegeben werden. Wenn bei heftigem Schmerz in den Eingeweiden häufige und schwache Entleerungen mit Drängen nach Unten stattfinden, gebe man Nux Vomica abwechselnd mit Ipecacuanha.

Arsenicum. — Heftige Diarrhöe einer wässerigen, galligen, schleimigen, grünlichen oder schwärzlichen Masse, große Hinfälligkeit, kalte Endglieder, heftiger Durst; Zunge und Lippen trocken, aufgesprungen, bräunlich; ein brennendes Gefühl in der Magengrube. Kann abwechselnd mit Veratrum gegeben werden.

Veratrum. — Bei denselben Symptome wie Arsenicum, verbunden mit Wadenkrämpfen, blasse Gesichtsfarbe, große Hinfälligkeit, Zusammenschrumpfen der Haut.

Colocynthis. — Heftige Kolik, gleichsam als ob die Eingeweide zwischen zwei Steine eingeklemmt wären, Erbrechen einer grünlichen Masse, krampfartiger Schmerz, Zusammenziehen der Eingeweide mit schneidenden Schmerzen, wie von einem Messer herrührend.

Cuprum. — Wenn starke Gliederkrämpfe, Krämpfe in den Fingern und Zehen vorhanden sind.

China. — Wenn der Anfall die Folge von Unverdaulichkeit; ebenso gegen die Schwäche nach einem starken Anfall.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen von den gewählten Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 30 Minuten, der Strenge des Anfalles angemessen, einen Theelöffel voll. Wenn nach mehreren Dosen noch keine Linderung verspürt wird, wähle man ein anderes Heilmittel. Die Zwischenräume zwischen den Dosen sollten mit dem Besserwerden des Kranken verlängert werden. Die Kost möge aus Stoffen wie Haferschleim bestehen und kaltes Wasser verwende man zum Trinken. Vorsichtig müssen alle Gemüse sowie alle Stoffe, die nicht mit dem Zustande des Magens übereinstimmen, vermieden werden.

Asiatische Cholera (Cholera Asiatica)

ist eine der gefährlichsten Krankheiten.

Symptome. Erstes Stadium. In den ersten Anfällen treten in der Regel Verdauungsstörungen, Kollern in den Eingeweiden, Schmerz im Kopf, den Knien und Gelenken, Durst und leichte Diarrhöe ein. Diese Symptome können sich mehrere Stunden oder auch einige Tage hinziehen; häufig tritt sie aber auch urplötzlich ohne irgend welche Vorzeichen ein.

Zweites Stadium. Dieses Stadium kennzeichnet sich mehr oder weniger durch ein beständiges Erbrechen und Abführen einer dünnen, farblosen, dem Reiswasser ähnelnden Flüssigkeit, Krämpfe in den Beinen, die sich bald auf den Magen und die Eingeweide erstrecken; sie sind heftig und äußerst schmerzhaft, ziehen die Muskeln in feste Knoten zusammen und dehnen sich schließlich auf alle Muskeln des Körpers aus. Schreitet dieses Stadium vor, so wird die Zunge blaß und feucht, der Puls schwach, der Athem fliegend, Beängstigung im Herzen, ein Gefühl von innerlicher Wärme, das Leiden spiegelt sich auf dem Gesicht, großer Durst ist vorhanden.

Das dritte Stadium oder der Höhepunkt der Krankheit kennzeichnet sich durch große Hinfälligkeit, der Puls wird kaum fühlbar, die Haut kalt und klebrig, das Gesicht nimmt eine tiefblaue und purpurne Farbe an, die Augen fallen ein, Hände und Füße färben sich dunkel, ähnlich den Händen einer Waschfrau, und haben ein teigiges, todtenartiges Gefühl, die Stimme ist schwach, trocken und beinahe ganz verloren, Athem kurz und mühsam, der Kranke schreit unaufhörlich nach Luft, kaltem Wasser oder Eis, oder er liegt in einer Erstarrung, der Koth kann entweder aufhören oder er geht ohne Wissen des Kranken ab. Der Patient mag sich in einem solchen Zustande 1 oder 2 bis 24 Stunden befinden, aber die Genesung eines Falles in diesem Stadium zählt zu den Seltenheiten.

Ursachen. Die Ursache der Cholera ist noch immer unbekannt, wir wissen, daß sie von einem besonderen Zustande der Luft abhängt, welcher Zustand es aber ist, ist noch nicht ermittelt. Uebervölkerte Plätze, niedrige, feuchte Wohnungen werden von der Seuche besonders heimgesucht, und Personen, welche durch Unmäßigkeit oder andere Krankheiten geschwächt sind, sowie Unreinliche und ärmlich Genährte sind derselben vor allen Andern ausgesetzt. Das Zusichnehmen ungehöriger Nahrung, berauschende Getränke, kalte, feuchte oder Nachtluft, spätes Aufbleiben und Furcht mögen zu den Ursachen gezählt werden. Letztere ist eine der häufigsten Ursachen, der tausende von Menschenleben zum Opfer gefallen sind.

Behandlung.

Homöopathisch. Stellen sich die Anzeichen ein, so sollte sich der Kranke sofort zu Bett begeben, gehörig zudecken und vollkommen ruhig verhalten. Kampher ist hierbei das wichtigste Mittel und wird in folgender Weise angewendet:

Einen Tropfen Kampher-Tinktur auf ein kleines Stück Zucker alle 2, 3 oder 5 Minuten, auch, wenn der Magen etwas annimmt, alle 15 bis 20 Minuten etwas Branntwein mit Wasser. Sobald der Kranke zu schwitzen beginnt, verlängere man die Zwischenräume zwischen den Dosen und lasse ihn 8 bis 10 Stunden im Schweiße. Tritt aber die Krankheit in das zweite Stadium, stellen sich Krämpfe ein, so sollte Veratrum und Cuprum abwechselnd wie folgt gegeben werden:

Man löse 12 oder 15 Kügelchen von jedem Mittel in 4 Eßlöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten einen Theelöffel voll; sobald sich die Symptome bessern, verlängere man die Zwischenräume.

Arsenicum. — Bei heftig brennenden Schmerzen im Magen und den Eingeweiden, schlimmer nach Erbrechen mit krampfartigem Schmerz im Unterleib, heftiger Durst, schwieriges Athem, Heiserkeit, schwacher, unregelmäßiger Puls, kalte, klebrige Haut, Blausein des Gesichts und der Lippen, Erbrechen und Abführen unmittelbar nach Essen und Trinken sogar des Geringfügigsten. Arsenicum und Veratrum können abwechselnd mit Erfolg gegeben werden.

Cuprum — sollte gegeben werden, wenn Erbrechen und reiswasserartige Entleerungen stattfinden, Haut kalt und schwarzgelb, Kolik, Augen eingefallen, Haut eingeschrumpft, Krämpfe in den Waden, Stimmlosigkeit, kalte, klebrige Schweiße. Bei heftigem Stechen in der Seite, großer Angst und Furcht gebe Cuprum und Acidum hydrocyanicum abwechselnd, alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel voll.

Tritt die Krankheit in das dritte Stadium, so gebe man Carbo vegetabilis, einen Theelöffel voll alle halbe oder ganze Stunden. Verbleibt noch ein heftiges Brennen im Magen, so gebe man Arsenicum abwechselnd mit Carbo vegetabilis.

Secale Cornutum. — Besonders bei alten Personen, wenn außerordentliche Hinfälligkeit eintritt, heftiger Durst, Zunge kalt und trocken, eingeschrumpfte Haut.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Heilmittel löse 12 oder 15 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 5, 15, 20 oder 30 Minuten, der Strenge der Symptome angemessen, eine Dosis; je nach Besserwerden vermindere die Zahl der Dosen. Die Hitze des Körpers sollte durch heiße Ziegelsteine oder Flaschen mit heißem Wasser um den Körper des Kranken gelegt, erhalten werden. Reiben mit der Hand oder mit einem Stück Flanell wird die Wärme wieder herstellen und zugleich die Krämpfe in den Muskeln lindern. Kleine Stücke Eis oder Eiswasser mögen zur Stillung des starken Durstes gegeben werden. Einspritzung von kaltem Wasser lindert zuweilen die Kolik und die Krämpfe in den Eingeweiden.

Schutzmittel.

Als ein solches mag Kampher-Tinktur ein- oder zweimal innerhalb 24 Stunden in Tropfen-Dosen gegeben werden. Dr. Herring von Philadelphia empfiehlt Sulphur, und zwar in der Weise, daß man einen halben Theelöffel voll Schwefelblüthe (Flowers of sulphur) in jeden Strumpf schüttet und es so beständig trägt.

Allöopathisch. Im ersten Stadium gebe man 5 bis 10 Tropfen Laudanum alle 3 Stunden, bis die Diarrhöe eingestellt wird. Dr. Henry Hartshorn empfiehlt folgendes:

Chloroform ½ Drachme.
Opium-Tinktur (Tinct. of Opium) ½
Kampher-Spiritus (Spirits of Camphor) ½
Aromatischer Ammoniak-Spiritus (Aromatic spirits of ammonia) ½
Kreosot (Creosote) 3 Tropfen.
Zimmetöl (Oil of cinnamon) 8
Spirits of Gallic wine 2 Drachmen.

Mische und löse einen Theelöffel voll davon in einem Weinglas voll Eiswasser auf und gebe von der Mischung alle fünf Minuten zwei Eßlöffel voll und lasse jedesmal ein Stück Eis folgen. Ein Eßlöffel voll Branntwein sollte jede Stunde oder alle zwei Stunden gegeben werden.

Im zweiten Stadium möge folgendes zur Stärkung der sinkenden Kräfte gegeben werden:

Kampher (Camphor) 2 Drachmen.
Chloroform 1 Drachme.
Ein Eidotter.

Mische und reibe es in einander, dann füge hinzu:

Opium-Tinktur (Tinct. of Opium) 1 Unze.
Aromatischer Ammoniak-Spiritus (Aromatic spirits of ammonia) 1

Mische es. Dosis: alle Stunden einen Theelöffel voll bis Besserung eintritt.

Im dritten Stadium empfiehlt Professor Chapman von Philadelphia die Anwendung des Eises in Säckchen längs des Rückgrats, beharrlich fortgesetzt. Die obige Behandlung sollte in diesem Stadium mit mehr Kraft angewendet werden.

Eclectische und Kräuterkur. Im ersten Stadium wird von Dr. John King folgendes empfohlen:

Zusammengesetzter Spiritus von Rhabarber (Rhubarb) und Potasche (Potassa) 4 Unzen.
Stachlige Eschenbeeren-Tinktur (Tinct. of prickly ash berries) 1 Unze.
Pfeffermünz- (Peppermint) Essenz 1 Drachme.
Paregoricum- (Paregoric) Elixir 4 Drachmen.

Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll, bis es auf die Eingeweide wirkt, dann gebe drei- oder viermal täglich einen Eßlöffel voll.

Folgendes wird empfohlen, wenn das vorhergehende die Diarrhöe nicht einstellt:

Guajacaharz (Gum Guajacum) ¼ Unze.
Gemahlene Nelken (Ground cloves) ¼
Gemahlener Zimmet (Ground cinnamon) ¼
Branntwein 1 Pint.

Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle halbe Stunden, bis die Diarrhöe aufhört.

Um das Erbrechen zu verhindern, gebe man im zweiten Stadium folgendes:

Kampher- (Camphor) Wasser 1 Unze.
Pfeffermünz- (Peppermint) Wasser 1
Grüne Münz- (Spearmint) Wasser 1
Paregoricum- (Paregoric) Elixir 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle 5, 10 oder 15 Minuten. Stopft dies das Erbrechen nicht, so gebe:

Salz 1 Drachme.
Schwarzer Pfeffer 1
Essig 5 Drachmen.
Heißes Wasser 4 Unzen.

Um die Entleerungen einzuhalten, möge Folgendes gegeben werden:

Kampher (Camphor) 1 Gran.
Kino-Gummi (Kino) 1
Gerbersäure (Tannic acid) 1
Opium ½

Gieb es als eine Dosis alle halbe Stunden und verlängere die Zwischenräume, nachdem der Patient besser wird. Finden häufige Entleerungen statt so sollte die Medizin nach einer jeden gegeben werden.

Um den Krampf der Glieder zu unterdrücken, sollten dieselben heftig mit der Hand und warmem Flanell gerieben werden. Die spanische Pfeffertinktur (Tincture of capsicum) mag längs des Rückgrats eingerieben werden, worauf ein Senfpflaster ausgelegt werden sollte.

Im dritten Stadium hülle man den Kranken in Decken, mit heißem Wasser getränkt, ein und gebe gleichzeitig einen Theil Kampher-Tinktur (Tincture of camphor) und drei Theile von der stachligen Eschenbeere (Prickly ash berries).

Dosis: alle 10 oder 20 Minuten einen Theelöffel bis zu einem Eßlöffel voll in Wasser. Dosen von Branntwein sind von gutem Erfolg.

Folgendes ist die berühmte Behandlung von Rev. Dr. Hamlin, eines Missionärs in der Türkei:

Man nehme gleiche Theile von Laudanum, Kampher-Spiritus und Rhabarber- (Rhubarb) Tinktur, mische es und gebe 30 Tropfen auf einem Stückchen Zucker, was gewöhnlich die Diarrhöe stopft. Deren Rückkehr zu verhindern, sollten alle 4 Stunden Dosen von 10 bis 20 Tropfen gegeben werden. Wirkt die erste Dosis von 30 Tropfen nicht, so erhöhe man dieselbe auf 40, 45 bis 60 Tropfen bei jeder Bewegung der Eingeweide. Sobald aber die Diarrhöe aufhört, müssen die Dosen verringert werden. Bei fortschreitender Diarrhöe sollte eine Einspritzung von gekochter Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum gegeben werden. Bei jeder Bewegung der Eingeweide verordne man ein Drittel.

Zu gleicher Zeit wendet er präparirte Kreide (prepared chalk) in Dosen von 10 Granen, mit ein paar Tropfen von Laudanum und Kampher auf je eine Dosis, an. Senfpflaster sollten über die Magengrube gelegt werden. Wenn das Erbrechen und Abführen sehr stark, sowie Krämpfe und Kolikschmerzen vorhanden sind, mögen gleiche Theile von Laudanum, spanische Pfeffer- (Capsicum) Tinktur, Ingwer- (Ginger) Tinktur, Kardamonsamen- (Cardamon seeds) Tinktur angewendet werden. Dosis: 30 bis 40 Tropfen oder einen halben Theelöffel voll in ein wenig Wasser und mehr, der Strenge des Falles angemessen. Wenn die erste Dosis erbrochen wurde, so sollte gleich nach dem Erbrechen die zweite gegeben werden.

Im dritten Stadium füge man der zweiten Mischung noch halbstündliche Dosen von einem Eßlöffel voll Branntwein hinzu, erwärme den Kranken vermittelst Flaschen mit heißem Wasser und reibe Glieder und Körper gehörig.

Hämorrhoiden (Piles),

ein sehr verbreitetes Leiden, besteht in Vollblütigkeit und einem matten Blutumlauf in dem unteren Theile des Mastdarms. Sie werden äußerliche Hämorrhoiden genannt, wenn sie äußerlich erscheinen, und innerliche, wenn sie innerhalb der Eingeweide bleiben, fließende bei Blutentleerungen und blinde da, wo keine Blutentleerung stattfindet.

Symptome. Dem Anfalle geht in der Regel ein Gefühl von Schwere in dem unteren Theile des Unterleibes mit einem schmerzhaften Jucken am After oder der Oeffnung voraus. Beim Stuhlgang wird ein starker stechender oder brennender Schmerz gefühlt und mehr oder weniger Drängen oder nach Untenziehen ist vorhanden. Bei Blutflüssen ist der Schmerz weniger heftig als da, wo dieselben fehlen.

Ursachen. Alles, was die Unterleibseingeweide reizt, verursacht eine Zusammenziehung des Blutes dort; lang anhaltende Verstopfung, Stuhlzwang, Reiten, üppige Lebensweise, stark gewürzte Speisen, beengende Kleidung, sitzende Lebensweise. Das weibliche Geschlecht ist während der Schwangerschaft durch den Druck der Gebärmutter auf die Adern des Beckens besonders dazu geneigt.

Behandlung.

Allöopathisch. Gehöriger Stuhlgang ist nothwendig und zu diesem Behufe wende man folgendes an:

Sennesblätter-Zucker (Confection of senna) 2 Unzen.
Cremor Tartari (Cream of Tartar) 1
Schwefel (Sulphur) 1

Hinreichend Ingwer- (Ginger) Syrup, um eine steife Paste zu machen.

Mische es. Dosis: ein Stück von der Größe einer Muskatnuß reicht hin, um täglich einen Stuhlgang hervorzubringen. Ein Umschlag von Fett, Talg oder kalter Sahne auf die Hämorrhoiden mildert zuweilen den Reiz. Folgendes ist eine gute Salbe:

Wallrathsalbe (Ointment of spermaceti) 1 Unze.
Salbe von Rosenwasser oder Glycerin 1
Opium 10 Grane.

Mische und wende es so oft als erforderlich an.

Oder auch:

Belladonna-Extrakt 1 Drachme.
Wallrathsalbe (Ointment of spermaceti) 1 Unze.

Mische es. Anwendbar gegen schmerzhafte Hämorrhoiden.

Waschen mit kaltem Wasser oder ein kühles Sitzbad lindern sie zuweilen.

Ist der Blutfluß stark, so mögen Einspritzungen von kaltem Wasser oder eine schwache Auflösung von Alaun gemacht werden. Eine Salbe zusammengesetzt aus

Fett 2 Unzen.
Schwefel 1 Drachme.

Gemischt und zwischen zwei Bleitellern, bis es gehörig schwarz geworden ist, gerieben, soll sich sowohl gegen die fließenden als auch blinden Hämorrhoiden bewährt haben. Bei starker Entzündung kann ein Umschlag, zusammengesetzt aus Schwefel (Sulphur), schlüpfriger Ulmenrinde (Slippery elm bark) und Stechapfel- (Stramonium) Blättern gemacht werden.

Die Kost sollte einfach sein, wie Kornbrod, reife Früchte, Brod aus ungesiebtem Weizenmehl, Brühen &c.

Eclectische und Kräuterkur. Cremor Tartari (Cream of tartar) in Dosen von einem Theelöffel voll in Molasses oder Syrup genommen, ist ein ausgezeichnetes Mittel. Gleiche Theile von Schwefelblüthe (Flowers of sulphur) und Cremor Tartari in Dosen von einem Theelöffel voll in Molasses oder Syrup gegeben, ist in einigen Fällen von Erfolg. Gleichzeitig sollte der Patient einen Thee aus gleichen Theilen von Flieder (Elder) und Wollkraut (Mullen) trinken. Bei blinden Hämorrhoiden, wenn beträchtliche Entzündung vorhanden ist, wird ein Umschlag von Kermesbeer- (Poke) Blättern als sehr wirksam empfohlen; oder gleiche Theile von Ulmenrinde (Elm bark) und Lobeliablättern. Zuweilen wird eine Bähung vermittelst einer Abkochung von bitteren Kräutern wie Rainfarn (Tansy), Hopfen und Kermesbeer- (Poke) Blättern sehr zuträglich gefunden werden. Folgendes wird in einigen Fällen mit Erfolg angewendet:

Man nehme ein halb Dutzend Buckeyes oder wilde Kastanien (Horse chestnuts) wenn frisch, schäle und schneide sie fein, lege sie in einen Blechnapf mit hinreichend Fett, um sie zu bedecken, lasse sie eine Stunde lang am Feuer stehen und seihe dann das Fett durch. Wenn kalt, ist es anwendbar. Schmiere damit die Geschwulst zweimal des Tages. Frische Butter, Salz, Terpentin-Spiritus (Spirits of turpentine), im Verhältniß von einem Theelöffel des Vorhergehenden auf zwei Theelöffel des Letzteren zusammen gemischt und damit mehrere Male des Tages sowohl Innen als Außen den After eingeschmiert, ist ein ausgezeichnetes Mittel.

Dr. Bodenhammer’s Salbe wird aus gestoßenen Stechapfel- (Stramonium) Blättern oder Jamestown Unkraut zubereitet, welches man in frischer Butter oder Schweinefett, dem ein wenig Laudanum beigefügt ist, langsam kochen läßt. Es sollten dann öfters Umschlage auf die angegriffenen Theile gemacht werden.

Homöopathisch. Das Hauptmittel ist Nux vomica, das bei allen Arten dieser Krankheit anwendbar ist. Abwechselnd mit Sulphur, besonders bei chronischen Fällen zu geben. Eine Dosis des Nachts von Nux Vomica, des Morgens von Sulphur. Entsprechen diese Mittel nicht, so gebe man Ignatia, Sepia, Belladonna, Colocynthis, Carbo Vegetabilis, Hepar Sulphuris. Jedes mag mehrere Tage gegeben werden, bevor zu einem anderen gegriffen wird, weil das vorhergehende keinen Erfolg hatte.

Hamamelis — ist mit Erfolg bei dieser Krankheit angewendet worden; man gebe entweder die Tinktur oder Ponds Extrakt und zwar 6 Tropfen in einem Bierglas voll Wasser. Alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Gleichzeitig gebrauche das Mittel, mit einer gleichen Menge Wasser verdünnt, äußerlich. Die Anwendung des Wassers ist sehr zuträglich.

Der Patient sollte häufig kalte Sitzbäder nehmen und Einspritzungen von kaltem Wasser machen.

Mastdarmvorfall (Prolapsus Ani)

ist ein Leiden, bei welchem der Mastdarm aus dem After tritt, und wird häufiger bei Kindern und alten Leuten gefunden.

Ursachen. Stuhlzwang, heftiges Husten, der Gebrauch von starken Abführmitteln, Würmer, Hämorrhoiden, Diarrhöe &c.

Behandlung.

Allgemeine. Trifft das Leiden ein kleines Kind, so sollte dasselbe auf den Rücken, mit den Hüften erhöht, gelegt werden, und die Wärterin mag mit eingeölten Fingern sorgfältig und allmählig den Darm zurückdrängen. Wenn nothwendig, mache man eine Binde aus mehrfach zusammengelegtem Muslin, und zwar in der Form von einem T, was dadurch geschieht, daß man eine Binde über den Hüften ringsum den Leib legt und eine andere zwischen den Beinen durchlaufend vorn und hinten an der Gürtelbinde befestigt.

Eclectische und Kräuterkur. Eine starke Abkochung von Eichenrinde (Oak bark), oder eine Abkochung aus gleichen Theilen von Solomons Siegel (Solomon’s seal) und Gelbwurz (Golden seal) mag eingespritzt und so lange als möglich angehalten werden. Irgend eine gute Hämorrhoiden-Salbe, der eine Drachme Tannin beigefügt wurde, kann mit Vortheil verwendet werden. Folgende Einspritzung ist bei einigen Fällen empfehlenswerth:

Stachelige Eschenbeeren-Tinktur (Tincture of prickly ash bark) 4 Unzen.
Nux Vomica-Tinktur 3 Drachmen.

Spritze einen Theelöffel voll in den Mastdarm und halte es so lange als möglich zurück. Drei- oder viermal des Tages zu wiederholen.

Homöopathisch. Ignatia — ist das Hauptmittel. Es mag einmal alle 24 Stunden, eine Woche hindurch oder länger, gegeben werden; dann setze einige Tage aus und gebe eine Woche lang jeden zweiten Abend eine Dosis Sulphur.

Nux Vomica. — Bei beträchtlichem Schmerz und Stuhlzwang, besonders bei kleinen Kindern.

Mercurius. — In einigen Fallen anwendbar, besonders wenn der heraustretende Darm angeschwollen oder bläulich ist und beim Stuhlgang blutet.

Calcarea. — Vorzugsweise gut bei hartnäckigen chronischen Fällen, wo andere Mittel erfolglos blieben. Häufige Waschungen mit kaltem Wasser werden zuträglich gefunden werden. Obige Mittel sind wie Ignatia zu geben.

Allöopathisch. Folgendes mag zu einer örtlichen Waschung dienen:

Weiße Eichenrinde (White oak bark) 1 Unze.
Wasser 1 Pint.

Siede es zu einem Viertel ein, seihe es durch, füge ein Skrupel Alaun (Alum) hinzu und trage es vermittelst eines weichen Schwammes auf.

Reife Früchte, in Molasses gedämpft, oder Hasty puddings und Molasses mögen als Kost dienen; es wirkt dies stärkend auf die Eingeweide.

Brüche (Hernia).

Unter Bruch ist ein Hervortreten der Eingeweide aus deren Höhlen zu verstehen und wird häufig bei Arbeitern gefunden, die sich dieselben durch starkes Heben oder Pressen zuziehen. Auch Reiten oder irgend etwas, was die Leistengegend schwächt, kann die Veranlassung dazu werden.

Die Brüche werden ihrer Oertlichkeit gemäß in verschiedene Arten getheilt.

Nabelbruch ist das Hervortreten der Eingeweide in der Gegend des Nabels und tritt häufig bei Kindern bald nach der Geburt ein.

Leistenbruch — befindet sich am Schambug.

Hodensackbruch. — Wenn der Darm in den Hodensack sinkt.

Bauchbruch. — Wenn der Bruch sich an irgend einem Theile des Körpers einstellt, wo keine andere Form vorkommt.

Schenkelbruch — befindet sich in dem oberen vorderen Theile der Lenden.

Der Bruch kann zurückführbar, unzurückführbar und eingeklemmt sein. Er ist zurückführbar, wenn er in die Höhle, aus welcher er getreten ist, zurückgedrängt werden kann. Unzurückführbar, wenn der Darm nicht in den Bauch zurückgedrängt werden kann. Eingeklemmt, wenn der Darm an dem Punkte, wo er aus dem Unterleib tritt, so gepreßt ist, daß der Inhalt nicht durchdringen kann.

Symptome. Ein Anschwellen oder eine weiche Geschwulst zeigt sich an irgend einer Stelle des Bauches, nimmt an Größe zu, wenn der Patient aufrecht steht, und nimmt ab, sobald er sich niederlegt.

Behandlung.

Wenn Jemand eine Anschwellung an irgend einem der erwähnten Theile entdeckt, wende er sich sogleich an einen Chirurgen. Ein gut passendes Bruchband sollte Tag und Nacht getragen werden; unter keinen Umständen sollte dies der Patient unterlassen, besonders wenn er aufrecht steht. Beharrliches, monatelanges Tragen eines Bruchbandes mag eine Heilung bewirken, besonders wenn der Patient noch jung ist. Personen, die damit behaftet sind, sollten sehr vorsichtig sein und nicht hartleibig werden, sie sollten dem Rufe der Natur regelmäßig Folge leisten.

Gegen Nabelbruch bei Säuglingen wird ein Mittel von Dr. H. R. Stout in Chicago angewendet, erfolgreich gefunden werden.

Lege auf den Bruch, nachdem der Darm zurückgedrängt worden ist, ein Kupferstück hinreichend groß, um denselben zu bedecken, ziehe von beiden Seiten die Haut über dasselbe und verbinde diese durch Heftpflasterstreifen. Es ist dem Kinde unmöglich, diesen Verband zu entfernen, und eine Heilung muß daher schneller und erfolgreicher sein. Es sollte getragen werden, bis die Kur beendet ist.

Ist der Bruch eingeklemmt, so sollte der Kranke in ein warmes Bad gebracht und Anstrengungen gemacht werden, denselben zurückzubringen. Solche Fälle sollten aber nur von einem erfahrenen Arzte behandelt werden.

Personen, die ein Bruchband tragen, sollten immer zwei von derselben Sorte haben, so daß, wenn eins in Unordnung geräth, das andere, während das erstere reparirt wird, getragen werden kann; denn der Schaden, der dem Patienten daraus erwächst, wenn er das Bruchband auch nur für eine Stunde ablegt, kann vielleicht erst nach Monaten, ja nach Jahren, wieder gut gemacht werden.

Unterleibswassersucht (Ascites).

Dies ist eine Ansammlung von Wasser in der Höhle des Unterleibes.

Symptome. Eine Anschwellung des Unterleibes mit einem Gefühl von Spannung und Schwere, begleitet von Appetitlosigkeit, Brustbeklemmung und Verstopfung, tritt ein. Ist die Ansammlung des Wassers bedeutend, so wird das Athmen kurz und schwierig. Das Vorhandensein der Flüssigkeit kann erkannt werden, wenn man die Hand an die eine Seite des Unterleibs legt und an die andere Seite schlägt, wodurch das Wasser nach der ruhenden Hand fließt und so gefühlt wird.

Ursachen. Die Wassersucht kann durch Krankheiten der Leber oder Milz, Krankheiten des Herzens und ebenso chronische Entzündung der Schleimhaut des Unterleibes oder Brustfelles hervorgerufen werden.

Behandlung.

Homöopathisch. Apis Mellifica — hat wunderbare Kuren bewirkt und ist besonders gut, wenn folgende Symptome anwesend sind: Ein Gefühl von Vollsein, oder Erstickung in der Brust, schwieriges Athmen, Schmerz und Empfindlichkeit des Unterleibes.

Arsenicum. — Gesichtsfarbe bleich und wachsartig, Wangen, Lippen und Augenlider bläulich und geschwulstig, Mund und Zunge trocken, Urin spärlich, dunkel und trübe oder schleimig, große Hinfälligkeit, Ohnmacht, Herzklopfen, schwieriges Athmen, Appetitlosigkeit, Schwere und Steifheit der Glieder und des Körpers.

Digitalis. — Besonders wenn die Wassersucht durch Herzkrankheit verursacht wird, auch bei Gesichtsblässe, Anschwellen der Augenlider, Unregelmäßigkeit der Eingeweide, scharfes Stechen in der Gegend des Herzens.

Apocynum — ist bei allen Formen der Wassersucht ein außerordentlich schätzbares Mittel.

Andere Heilmittel sind: Asparagus, Cantharides, Mercurius, Cannabis Indica, China.

Verordnung der Heilmittel. Man gebe bei harten Fällen alle 3 oder 4 Stunden eine Dosis von dem gewählten Mittel; bei chronischen Fällen nur ein- bis zweimal des Tages. Werden die Kügelchen gebraucht, so gebe man 6 auf eine Dosis. Bei Anwendung der Auflösung löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.

Allöopathisch. Folgendes kann mit großem Vortheil angewendet werden:

Aufguß von Fingerhut (Digitalis) 4 Unzen.
Essigsaure Potasche (Acetate of potash) 2 Drachmen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) 2
Zimmet- (Cinnamon) Wasser Unzen.

Mische es. Dosis: Alle 4 bis 5 Stunden einen Eßlöffel voll.

Als Trank kann man einen Aufguß aus 2 Theilen Haarmoos (Haircap moss) und je einen Theil Wachholderbeeren (Juniper berries) und Attichrinde (Dwarf elder bark) nehmen.

Folgendes ist sehr empfohlen:

Pulverisirtes Gummi (Pulv. gamboge) 12 Grane.
Pulverisirtes Windenharz (Pulv. scammony) 12
Springgurke (Elaterium) 2
Krotonöl (Croton oil) 8 Tropfen.
Stechapfel-Extrakt (Extract of stramonium) 3 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunden, bis es wirkt, eine Pille.

Schwefelsaure Potasche wird in Dosen von einer Drachme in einem Aufguß von geschabtem Meerrettig (Horse-radish), Wachholderbeeren (Juniper berries), und Senfkörnern (Mustard seed), gestoßen, eine halbe Unze von jedem in 1½ Pint kochenden Wassers empfohlen. Die Mischung sollte 2 Stunden lang stehen und dann abgeseiht werden. Ein Viertel davon als eine Dosis zu nehmen.

Einreiben des Unterleibes mit der Salbe von Potaschen-Iodide (Ointment of Iodide of potassium) wird empfohlen, während des Tages nehme man folgende Mischung:

Anderthalbkohlensaures Ammoniak (Sesqui-carbonate of ammonia) ½ Drachme.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) ½ Unze.
Fingerhut-Tinktur (Tincture of digitalis) ½ Drachme.

Kampher-Mischung hinreichend, um 6 Unzen zu machen.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Cremor Tartari (Cream of tartar) täglich in großen Dosen genommen, wird zuweilen wohlthätig sein.

Eclectische und Kräuterkur. Löwenzahn- (Dandelion) Thee wird bei diesem Leiden sehr empfohlen. Er kann folgendermaßen zubereitet werden:

Man schneide die Wurzel in Stücke, gieße kochendes Wasser darüber und lasse es eine bis zwei Stunden am Feuer ziehen. Man nehme 2 oder 3 Becher voll während des Tages.

Ein Aufguß von Petersilie (Parsley) mag zuweilen mit gutem Erfolge angewendet werden.

Es ist gut, zwei- oder dreimal des Tages die Eingeweide mit der Hand zu reiben und zu kneten; bleibt irgend welche Empfindlichkeit nach dem Reiben zurück, so gebrauche folgende Salbe vor der Wirkung:

Wachholderöl (Oil of juniper), Sassafrasöl (Oil of sassafras), Cajeputöl (Oil of cajeput), grünes Münzöl (Oil of spearmint), von jedem eine halbe Unze. Mische es.

Dr. Gunn empfiehlt die Rinde von gewöhnlichen Weintrauben. Sie sollte zu Asche gebrannt und in Dosen von einem Theelöffel bis zu einem halben Eßlöffel voll in einem Glas Catawbawein dreimal des Tages gegeben werden. Gehöriger Stuhlgang sollte stets durch Salz, das zusammengesetzte Pulver von Jalappenwurzel oder irgend ein anderes mildes Abführmittel erhalten werden.


Dreizehntes Kapitel.
Krankheiten der Harn- oder Urin- und Geschlechtsorgane.

Nierenentzündung (Inflammation of the Kidneys — Nephritis).

Diese Krankheit ist eine Entzündung sowohl der Nierenmasse als auch der sie einfassenden Schleimhaut, und wird gewöhnlich in Begleitung von Krankheiten der Blase und Urin-Werkzeuge gefunden.

Symptome. Der Krankheit gehen in der Regel die gewöhnlichen Symptome des Fiebers, wie Frost, besonders im Rücken und den Lenden, voraus, dem Fieber folgt. Darauf folgt ein tiefsitzender Schmerz in den Lenden, der sich bis zur Blase erstreckt und durch den Druck und bei Bewegung erhöht wird; gewöhnlich ist Uebelkeit und zuweilen Erbrechen vorhanden, ebenso eine Erstarrung des Schenkels der angegriffenen Seite, der Schmerz zieht sich bis zur Schamleiste, die Hode auf der kranken Seite wird nicht selten in die Höhe gezogen, der Urin ist spärlich, stark gefärbt und öfters blutig beim Beginne der Krankheit und kann nur tropfenweise abgelassen werden. Sind beide Nieren angegriffen, so kann der Urin ganz unterdrückt werden, Betäubung stellt sich ein und der Tod folgt sehr schnell; die Eingeweide sind verstopft.

Nierenkrankheit kann vom Hüftweh (Lumbago) dadurch unterschieden werden, daß sich der Schmerz auf eine Seite beschränkt und durch die Bewegung der Glieder erhöht wird und ebenso dadurch, daß bei Hüftweh kein Schmerz im Hodensack, kein Fieber und keine Erstarrung des Schenkels vorhanden ist.

Ursachen. Erkältung, Anwendung von spanischen Fliegen (Cantharides), Terpentinöl und andern harntreibenden Mitteln (Diuretics), heftige Bewegung, das Uebertragen von Rheumatismus oder der Gicht, Bildung von Gries in den Nieren oder dem Harnweg (die Röhren, welche von den Nieren nach der Blase führen).

Bei chronischer Entzündung der Nieren ist in der Regel in der Nachbarschaft der Nieren ein dumpfer schwerer Schmerz und eine Schwäche im Rückgrat vorhanden. Der Urin geht öfters spärlich ab und ist zuweilen weiß und milchig.

Behandlung.

Homöopathisch. Camphor — sollte gegeben werden, wenn die Krankheit die Folge der Anwendung der spanischen Fliegen (Cantharides), oder wenn der Urin nur spärlich fließt, bei Brennen in der Blase und Penis, oder bei Unterdrückung des Urin. Man gebe einen oder zwei Tropfen Camphor auf einem Stück Zucker alle Stunde oder alle zwei Stunden, bis es besser wird.

Aconitum — sollte zuerst entweder allein oder abwechselnd mit anderen Mitteln gegeben werden. Heilt zuweilen ohne irgend eine andere Medizin.

Cantharis — ist das Hauptmittel bei schießenden, rasenden, schneidenden Schmerzen, der Urin geht langsam, tropfenweise ab; großer Schmerz ist vorhanden; der Urin ist zuweilen mit Blut gemischt.

Belladonna. — Wenn die Schmerzen zuweilen schlimmer sind und von den Nieren hinab in die Blase schießen, bei Kolikschmerzen. Hepar Sulphuris kann Belladonna folgen.

Pulsatilla. — Bei zarten Frauen, wo sich die monatliche Reinigung eingestellt hat oder sehr spärlich ist, oder wenig Urin abgelassen wird.

Nux Vomica. — Bei Spannung, Druck und Gewicht in der Leber, Congestion des Unterleibes; oder da, wo die Krankheit von der Unterdrückung der Hämorrhoiden herrührt.

Arnica — sollte gegeben und äußerlich angewendet werden, wenn äußerliche Verletzungen die Krankheit herbeiführten.

Man lasse die obigen Mittel Arnica folgen, wenn sie angezeigt erscheinen.

Andere Mittel sind: Cannabis, Terebinth, Balsamus Copaivae.

Wurde die Entzündung durch das Passiren der Steine durch den Harngang verursacht, so mache man warme Bähungen von Hopfen mit Tabaksblättern gemischt über den Sitz der Krankheit und gebe die oben erwähnten Heilmittel.

Verordnung der Heilmittel. Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Ein Sitzbad von lauwarmem Wasser, häufig wiederholt, wird wohlthun.

Allöopathisch. Es sollte ein heißes Senffußbad gemacht oder Senfpflaster auf die Füße und das Rückgrat gelegt werden, dem man heiße Bähungen von Stechapfel- (Stramonium) Blättern und Hopfen, oder Stechapfel und Wermuth (Wormwood) oder Rainfarn (Tansy) folgen läßt. Hin und wieder, wenn Reizbarkeit des Magens vorhanden und der Schmerz sehr heftig ist, ist es gut, Kalomel und Opium, im Verhältniß von drei oder vier Granen Kalomel auf ein Gran Opium, alle zwei Stunden, bis drei Dosen genommen sind, zu geben, wenn der Kranke sich nicht früher bessert. Kann im Magen nichts zurückbehalten werden, so werden Getränke von Gummi Arabicum Wasser, Flachssamen-Thee oder Gerstenwasser u. s. w. von wohlthuendem Einflusse sein, dadurch, daß sie den Urin verdünnen und dessen Reizbarkeit vermindern. Es ist gut, den Kranken in Schweiß zu bringen, was durch Dosen von 5 bis 10 Tropfen Nießwurz- (Veratrum viride) Tinktur oder durch die zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (Virginia snake root) in halbstündlichen Dosen von einem Theelöffel voll geschehen kann. Bei Verstopfung gebe man Bittersalz (Epsom salts), Cremor Tartari (Cream of tartar) oder Einspritzungen von warmem Wasser.

Ist der Gries die Ursache der Krankheit, so wird öfteres Trinken von Leinsamen- oder Hochland Preiselbeer- (Upland cranberry) Thee mit 20 Tropfen Potaschen-Liquor (Liquor of potassa) empfohlen.

Gegen chronische Entzündung der Nieren kann mit Vortheil ein Aufguß von Pipsissewa, Bärentraube (Uva Ursi), Grundstrauch (Trailing Arbutus), Buchublättern, wilden Mohrrüben (Wild carrot), Fingerhut (Fox glove) angewendet werden.

In einigen Fällen werden Senfpflaster zwei- oder dreimal in der Woche oder Einreiben mit einigen Tropfen von Krotonöl hinreichen, um einen Ausschlag hervorzurufen, zuträglich gefunden werden.

Eclectische und Kräuterkur. Um Schweiß hervorzurufen, gebe man ein Brechmittel von Lobelia, dann wende man heiße Bähungen von Hopfen, Wermuth (Wormwood) und Rainfarn (Tansy), mit Essig und Wasser gemischt, in der Gegend über der Leber an. Folgendes gebe man gleichzeitig:

Süßer Salpeterspiritus (Sweet spirits of nitre) 2 Unzen.
Süßes Mandelöl (Oil of sweet almonds) 2
Terpentin-Spiritus (Spirits of turpentine) 1 Unze.

Mische es und gebe davon alle drei oder vier Stunden einen Theelöffel voll in warmem grünem Münzthee (Spearmint tea). Der Kranke trinke öfters und viel Thee von Eibisch- und Wollkraut- (Mullen) Blättern, oder Aufguß von Frauenhaar (Maiden hair) oder Haarmoos (Haircap moss). Bei starkem Schmerz gebe Eisenhut- (Aconite) Wurzel-Tinktur in Dosen von zwei bis fünf Tropfen mit Jasmin-Tinktur (Tincture of gelsemium), in Dosen von einem halben Theelöffel voll alle halbe Stunden. Die Eisenhut-Tinktur kann mit der Jasmin-Tinktur gemischt werden.

Bei chronischer Entzündung der Nieren sollten die Eingeweide durch ein gelindes Abführmittel, wie zwei Theile pulverisirter Rhabarber (Rhubarb) und ein Theil doppelt kohlensaure Potasche (Bi-carbonate of potassa) offen gehalten werden, man gebe davon 3 bis 10 Grane, so oft als zu diesem Zwecke nothwendig.

Acute Nierenentzündung sollte stets nur von einem Arzte, wenn ein solcher zu haben ist, behandelt werden.

Blasenentzündung (Inflammation of the Bladder — Cystitis).

Diese Krankheit befällt die Schleimhaut der Blase, zuweilen auf deren Muskel-Substanz, oder sie kann auch verschiedene Theile der Blase befallen. Entweder ist sie acut oder chronisch.

Symptome. Brennender, durchdringender Schmerz in der Gegend der Blase, welcher durch einen örtlichen Druck erhöht wird. Der Schmerz zieht sich bis zwischen die Beine hinab, zuweilen bis zu den Hoden und Schenkeln, bei beständigem Verlangen zum Urinablassen, der Urin geht mit großer Schwierigkeit und starkem Schmerze ab, zuweilen nur tropfenweise, oder er stellt sich ganz ein, wodurch ein Anschwellen der Blase und große Noth verursacht wird. Der Urin enthält hin und wieder Schleim, auch Uebelkeit und Erbrechen, Verstopfung, großer Durst und heiße, trockene Haut sind vorhanden.

Chronische Blasenentzündung

kann allmählig eintreten und in der Regel ist das erste Symptom Schleim im Urin, welcher erst, nachdem der Urin eine Zeit lang gestanden hat, bemerkt wird; ein leichter Schmerz, mit einem Gefühl von Hitze in der Blase, Empfindlichkeit zwischen den Beinen und häufiges Verlangen, das Wasser abzulassen, sind vorhanden. Der Appetit ist gestört und in einigen Fällen ist ein leichtes Fieber, belegte Zunge, Unruhe u.s.w. vorhanden.

Ursachen. Blasenentzündung kann verursacht werden durch die Anwendung von spanischen Fliegen (Cantharides) und Terpentin, durch säuerliche Substanzen, vermittelst einer Spritze in die Blase gebracht, Steine in der Blase, äußerliche Verletzungen, Reiten, Tripper, Erkältung der Füße.

Behandlung.

Allöopathisch. Wird der Urin zurückgehalten, so muß er so bald als möglich vermittelst eines Katheters abgelassen werden, was aber nur von einem Arzte gethan werden sollte. Man setze über den unteren Theil der Eingeweide und zwischen die Beine Blutegel an und mache, nachdem dieselben entfernt sind, warme Umschläge. Einspritzungen von warmem Wasser, mit einigen Tropfen von Arnica-Tinktur, sind in einzelnen Fällen sehr zuträglich. Durch Nießwurz- (Veratrum viride) Tinktur, in Dosen von 5 bis 10 Tropfen, oder die zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (Virginia snake root) rufe man Schweiß hervor. Getränke von Leinsamenthee oder Eibisch- (Marsh mallow) und Pfirsichblättern mögen genommen werden.

Gegen die chronische Blasenentzündung gebe man jeden Abend ein Senfpflaster oder Krotonöl. Zu Getränken diene Aufguß von Buchu, Grundstrauch (Trailing arbutus), Bärentraube (Uva Ursi).

Folgendes mag in einigen Fällen gut sein:

Pulverisirtes Gummi Arabicum 1 Skrupel.
Wasser 2 Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) ½ Unze.
Nießwurz- (Veratrum viride) Tinktur 20 Tropfen.

Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll.

Einspritzungen von Kalkwasser und Glycerin oder einer schwachen Auslösung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) mag in einigen Fällen gut sein.

Homöopathisch. Die unter Nierenentzündung empfohlenen Heilmittel mögen auch gegen dieses Leiden angewendet werden. Ferner kann auch folgendes gegeben werden: Hyosciamus, bei Krämpfen im Blasenhalse. Wenn Cantharides das Brennen während des Urinablasses nicht mindert, gebe man Arsenicum und Carbo vegetabilis abwechselnd. Sulphur und Calcarea mögen bei der chronischen Form gegeben werden.

Wegen Verordnung der Heilmittel siehe [Nierenentzündung].

Harnverhaltung (Retention of Urine — Ischuria).

Bei dieser Krankheit wird der Harn in Folge der Unfähigkeit, denselben abzulassen, in der Blase zurückgehalten, in der Regel bei Vollsein des unteren Theiles des Unterleibes, welcher schmerzhaft beim Druck ist; der Schmerz erstreckt sich bis zu den Lenden und Schenkeln und die Blase fühlt sich hart und angeschwollen an, zuweilen, nach heftigem Drängen zum Wasserablassen, werden nur einige Tropfen abgehen. Schreitet die Krankheit vor, so werden die Eingeweide hart, das Gesicht geröthet und die Haut heiß. Kann keine Linderung verschafft werden, so ist Gefahr vorhanden, daß die Blase springt oder Entzündung des Bauchfelles eintritt.

Ursachen — mögen eine Lähmung der Blase, Verletzungen derselben, Entzündung des Blasenhalses, Drüsenanschwellung zuzuschreiben sein.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes soll in den meisten Fällen wirksam sein:

Man mache ein Pint starken grünen Münz- (Spearmint) Thee, füge eine halbe Gill holländischen Wachholder-Branntwein (Holland gin) und eine Unze Salpeter-Spiritus (Spirits of nitre) hinzu. Der Kranke sollte das Ganze innerhalb einer Stunde auf verschiedene Male trinken. Ist die erste Dosis nicht hinreichend, so sollte es innerhalb der nächsten 2 Stunden wiederholt werden.

Wenn die Harnverhaltung der Entzündung des Blasenhalses zuzuschreiben ist, so bringe man den Kranken in ein warmes Bad, lasse ihn dort 15 bis 20 Minuten verbleiben und wende nach diesem eine Bähung von gleichen Theilen von Hopfen- und Lobelia-Blättern zwischen den Beinen an.

Ein Thee von Wassermelonen- oder Kürbis- und Gurkenkörnern öfters getrunken ist hin und wieder zuträglich. Bei starkem Schmerz gebe man alle halbe Stunden 20 Tropfen Laudanum.

Ist eine Blasenlähmung Ursache der Harnverhaltung, so wende man folgendes an:

Strychnin 1⁄16 Gran.
Spanische Fliegen (Cantharides)
Pulverisirte Arnicablätter (Powdered arnica leaves) 3 bis 5 Grane.

Mische es zu einer Dosis. Drei von diesen Pulvern gebe man im Verlauf von 24 Stunden.

Uebt das Strychnin eine unangenehme Wirkung auf den Patienten aus, so sollte diese Medizin eingestellt werden.

Wenn kein anderes Mittel erfolgreich ist, so muß der Urin vermittelst des Katheters entzogen werden. Man lasse den Fall nicht lange anstehen, ehe dieses gethan wird.

Homöopathisch. Ist der Gebrauch von spanischen Fliegen (Cantharides) Ursache der Harnverhaltung, so gebe man Camphor, Pulsatilla, Apis und Aconitum.

Wenn durch Erkältung zugezogen: Nux Vomica, Mercurius, Dulcamara, Pulsatilla, Belladonna, Apis.

Wenn die Folge von Schreck: Aconitum.

Nach einem Fall oder Schlag: Arnica.

Bei krampfartiger Harnverhaltung: Chamomilla, Belladonna, Nux Vomica, Opium, Hyosciamus.

Gegen Blasenlähmung: Agnus Castus, Nux Vomica, Hyosciamus, Arsenicum, Dulcamara.

Wenn in Folge von Blasenentzündung: Aconitum, Cantharides, Belladonna, Nux Vomica, Pulsatilla. (Siehe [Blasenentzündung].)

Tritt sie bei schwangeren Frauen ein: Pulsatilla, Nux Vomica, Cocculus.

Verordnung der Heilmittel. Dieselbe wie bei [Nierenentzündung].

Das Trinken von vielem kalten Wasser oder Gummi Arabicum Wasser, ebenso Bäder von warmem oder kaltem Wasser wird zuträglich gefunden werden.

Der Harnfluß (Incontinence of Urine — Enuresis)

wird meistens bei Kindern gefunden und besteht in einem Unvermögen, den Harn zu halten, der in der Regel während der Nacht im Bette abfließt. Auch bei alten Leuten wird dieser Zustand häufig gefunden.

Ursachen. Lähmung der Blase, Verletzung der Rückgratsnerven, welche mit der Blase in Verbindung stehen, Schwäche des Nervensystems, Würmer, Hämorrhoiden, Gries oder Steine in der Blase.

Behandlung.

Homöopathisch. Von Silicea kann jeden Abend eine Dosis gegeben werden. Wenn innerhalb zwei Wochen nicht besser, gebe Sepia in derselben Weise.

Sulphur, Arsenicum und Carbo Vegetabilis können abwechselnd gegeben werden, wenn die obigen Mittel nicht anschlagen.

Andere Heilmittel sind: Belladonna, Hyosciamus, Cantharides, Nux Vomica, Ignatia, Pulsatilla, Rhus, Mercurius, Cina.

Ist die Entzündung Folge der Lähmung: Cantharides, Nux Vomica, Rhus, Uva Ursi.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel gebe Morgens und Abends eine Dosis. Werden die Kügelchen gebraucht, gebe 4 bis 6 auf eine Dosis.

Allöopathisch. Man gestatte dem Kind das Wassertrinken vor dem zu Bett Gehen nicht, und nehme es des Nachts mehrere Male auf, damit es den Urin abläßt.

Folgendes kann mit Vortheil angewendet werden:

Benzoesäure (Benzoic acid) 2 Drachmen.
Zimmetwasser (Cinnamon water) 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes kann mit gutem Erfolg angewendet werden:

Salzsaure Eisen-Tinktur (Muriated tincture of iron) 1 Unze.
Spanische Fliegen-Tinktur (Tincture of cantharides) ½

Mische es und gib dem Kinde drei Tropfen für jedes Jahr seines Alters dreimal des Tages.

Man lasse öfters und viel kalten Thee von Kirschbaumrinde (Cherry tree bark) oder Löwenzahn- (Dandelion) Wurzel trinken.

Folgendes mag angewendet und wird bei Kindern von Erfolg gefunden werden:

Man nehme Hausenblase (Isinglass) eine Rolle, koche sie in einem Pint Wasser, bis sie aufgelöst ist, füge ein Pint süße Milch hinzu, stelle es zum Feuer bis es leicht kocht, versüße es dann mit Stückzucker und reibe Muskatnuß (Nutmeg) darauf. Wenn es ordentlich gemacht ist, ähnelt es Eierrahm (Custard). Einem Erwachsenen mag dreimal täglich ein Bierglas voll gegeben werden, Kindern weniger. Spanische Fliegen- (Cantharides) Tinktur gebe man einem Erwachsenen zweimal täglich in Dosen von 15 Tropfen; Kindern verhältnißmäßig weniger.

Harnträufeln, auch Harnruhr (Diabetes)

ist eine Krankheit, bei welcher große Quantitäten von Urin abgehen, zuweilen bis zu mehreren Gallonen innerhalb 24 Stunden.

Symptome. Der Appetit ist außerordentlich stark, bei großem Durst, trockener Haut, Verdauung gestört, Zahnfleisch geschwollen und entzündet, trockener und aufgesprungener Mund, Abzehren des Fleisches, Hinfälligkeit, Schmerz und Schwäche in den Lenden, ohne allen Geschlechtstrieb, häufige Anfälle von Schwindel und Schmerz im Kopfe, der Urin enthält eine große Masse Zuckerstoff, was mehrfach bestätigt worden ist.

Ursachen. Dieselben mögen in irgend etwas bestehen, was die Verdauung stört, Unmäßigkeit, große Ermüdung, beständiger Gebrauch von säuerlichen Getränken, Anwendung des Quecksilbers (Mercury), Erkältung.

Behandlung.

Allöopathisch. Alaun (Alum) in Dosen von 3 Granen dreimal täglich wird zuträglich gefunden werden, ebenso Kreosot in Dosen von 1 bis 2 Tropfen dreimal täglich.

Auch spanische Fliegen-Tinktur (Tincture of cantharides) kann angewendet werden. Folgendes wird für einige Fälle empfohlen:

Chinarinde (Peruvian bark) 1 Skrupel.
Wilde Preiselbeerblätter (Wild cranberry bark) 1
Opium ½ Gran.

Mische und nimm es dreimal des Tages.

Man lasse den Patienten nichts essen, was Zucker- oder Stärkestoff enthält, wie Kartoffeln, rothe Rüben (Beets), Pastinaken (Parsnips) und anderes Gemüse.

Eclectische und Kräuterkur. Die Eingeweide sollten vermittelst kleinen Dosen von Rhabarber (Rhubarb) dreimal des Tages oder durch andere gelinde Abführmittel in Ordnung gehalten werden.

Ein Aufguß aus gleichen Theilen von Unicorn root und Wasserandorn (Bugle weed) mag öfters und viel getrunken von gutem Erfolg sein. Folgende Zusammensetzung kann als ein stärkendes Mittel angewendet werden:

Kurzblätteriges Dreiblatt (Beth root) 4 Unzen.
Schlangenwurzel (Black cohosh root) 4
Storchschnabel- (Geranium-) Wurzel 4
Kirschbaumrinde (Cherry tree bark) 4

Pulverisire das Ganze und mische es; nehme dann eine halbe Unze der Mischung und gieße ein Pint kochendes Wasser darauf, wenn kalt trinke das Ganze und wiederhole es mehrere Male während des Tages.

Folgende Pillen wirken auf die Leber und Absonderungen:

Entenfuß (Podophyllin) 10 Grane.
Blutwurzel (Sanguinarin) 10
Cayennepfeffer (Cayenne) 40
Brechwurz (Ipecac) 20

Mache mit Löwenzahn- (Dandelion) Extrakt 40 Pillen daraus und nimm Morgens und Abends eine.

Homöopathisch. Die Hauptmittel sind: Acidum Phosphoricum, Carbo Vegetabilis, Conium, Acidum Muriaticum, Mercurius, Belladonna, Rhus, Opium.

Werden Mercurius und Sulphur gegeben, so gebe man sie abwechselnd.

Verordnung der Heilmittel. Von den gewählten Heilmitteln gebe man Morgens und Abends eine Dosis und fahre damit eine Woche lang fort, bevor zu einem anderen Heilmittel gegriffen wird.

Werden die Kügelchen angewendet, so gebe man 6 auf eine Dosis. Oefteres Waschen des Körpers mit kaltem oder lauwarmem Wasser wird zuträglich gefunden werden.

Blasenpolyp, auch Blasenstein (Gravel, or Stone in the Bladder — Calculus).

Diese Krankheit wird durch eine Ansammlung von Sand, sowie die Bildung von Gries oder Stein in den Nieren oder der Blase verursacht.

Symptome. Plötzliche Anfälle von Schmerz von acuter und heftiger Natur in der Gegend der Nieren, derselbe zieht sich in die Schenkel hinab und verursacht eine Erstarrung der angegriffenen Seite, ein in die Höheziehen der Hode, häufiges Verlangen zum Urin lassen; befindet sich der Stein in der Blase, so ist ein Schmerz am Ende des Penis vorhanden, begleitet von mehr oder weniger Entzündung und Schwierigkeit des Harnlassens, während des Letzteren wird dasselbe plötzlich abbrechen und ein heftiger Schmerz wird gefühlt werden, der durch den Stein, welcher sich über den Blasenmund geschoben hat, hervorgerufen wird; ein Wechsel der Stellung verschafft zuweilen Linderung.

Behandlung.

Diese Krankheit ist zu wichtig und zu gefährlich, als daß sie nach einem Buche behandelt werden könnte, der Fall sollte dahingegen in die Hände eines geschickten Arztes gelegt werden.

Sarsaparilla in Dosen von einem Tropfen auf ein Stück Zucker alle Abend wird zuweilen Anfälle lindern.

Blutharnen (Blood with the Urine — Hæmaturia)

meint einen Blutfluß oder eine Blutung aus der Harnröhre, ob nun aus der Blase, den Nieren, dem Harnweg oder der Harnröhre.

Symptome. Dem Blutfluß geht gewöhnlich Schmerz in der Blase oder den Nieren und Schwäche voraus, in der Regel große Empfindlichkeit gegen Druck auf die Gegend über den Nieren oder der Blase; kommt das Blut aus den Nieren, so ähnelt der Urin Blutwasser oder dunklem Biere; kommt es aus dem Harnweg (dem Canal, welcher von den Nieren nach der Blase führt), so wird beträchtlicher Schmerz vorhanden sein; der abgehende Urin wird jenem von der Blase ähneln, nur werden die Fasern länger sein; kommt es aus der Blase, so ist es nicht mit dem Urin gemischt, sondern in der Form von kleinen, faserartigen Klümpchen; fließt es aus der Harnröhre (der Ausgang, welcher von der Blase führt), so kommt es tropfenweise und mischt sich nicht mit dem Urin; zuweilen wird Eiter oder eine faulige Masse im Urin gefunden, was den Beweis liefert, daß irgendwo eine Eiterung stattfindet.

Ursachen. Verletzungen in Folge von Fallen, Schlägen, Heben oder Springen, auch kann es durch Steine in der Blase oder Entzündung dieses Organs, sowie die Anwendung von Terpentin- (Turpentine) Spiritus oder spanische Fliegen (Cantharides) verursacht werden.

Behandlung.

Eclectische und Kräuterkur. Man lasse den Kranken öfters und viel von einer Eibisch- (Marsh mallow) Abkochung, oder auch von gleichen Theilen Queen of the meadow und Pfirsichblättern trinken. Ist der Schmerz heftig, so mache man eine Bähung von Hopfen oder Stechapfel- (Stramonium) Blättern über den Sitz der Krankheit; ein Aufguß von Grundstrauch (Trailing arbutus) mag zuweilen mit Vortheil angewendet werden.

Homöopathisch. Arsenicum ist in einigen Fällen zuträglich, besonders wenn Symptome von Wassersucht vorhanden sind.

Andere Heilmittel sind China, Ipecacuanha, Pulsatilla, Arnica, Lycopodium.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel gebe alle Stunde, alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, eine Dosis (6 Kügelchen).

Allöopathisch. Blutegel mögen in der Gegend über dem Magen mit Vortheil angesetzt werden.

Folgendes wird als äußerst zuträglich empfohlen:

Bleizucker (Sugar of lead) 24 Grane.
Essig 1 Drachme.
Mohnsyrup (Syrup of poppies) 1 Unze.
Rosenwasser 3 Unzen.
Weiches Wasser 4

Mische es. Dosis: alle 2 Stunden, bis 5 oder 6 Dosen genommen sind, ein bis zwei Eß-Löffel voll. Galläpfel-Säure (Gallic acid) soll bei dieser Krankheit eine große Kraft besitzen. Sie kann in Dosen von 5 Granen mit 10 Tropfen Bilsenkraut-Tinktur (Tincture of henbane) in einem Theelöffel voll Gummi Arabicum Schleim gegeben werden.

Selbstbefleckung, Onanie (Masturbation — Onanism).

Dies ist eine sehr erniedrigende und schädliche Gewohnheit, welcher sich die Jugend beiderlei Geschlechts ergiebt. Es giebt wohl kaum ein Laster, welches für Geist und Körper schädlicher ist und gefährlichere Folgen hat, als dieses. Gewöhnlich wird damit sehr frühzeitig begonnen, ehe noch dessen übler Einfluß wahrgenommen wird, und ist schließlich so eingewurzelt, daß der Betreffende nur mit großer Schwierigkeit mit dieser Gewohnheit brechen kann.

Symptome, welche dieses Laster zeigen, sind zahlreich. Beginnt die Gewohnheit in der frühen Jugend, so wird dadurch das Wachsthum verzögert, die geistigen Fähigkeiten vermindert und das Opfer verfällt in einen beklagenswerthen Zustand. Die damit gequälte Person sucht die Einsamkeit und wünscht nicht an der Gesellschaft seiner Freunde Theil zu nehmen, ist mit Kopfschmerzen geplagt, Schlaflosigkeit und Unruhe des Nachts, Schmerz in verschiedenen Theilen des Körpers, Trägheit, Tiefsinn, Verlust des Gedächtnisses, Schwäche im Kreuz und den Geschlechtsorganen, veränderlicher Appetit, Feigheit, Unfähigkeit Jemandem ins Gesicht zu schauen, Mangel an Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten.

Wird das Laster mehrere Jahre hindurch getrieben, so tritt ein reizbarer Zustand des Organismus ein, Hitze fliegt plötzlich über das Gesicht, das Gesicht wird blaß und klebrig, der Blick ist stumpf und blöde, das Haar wird locker und spaltet sich an den Enden; zuweilen tritt Schmerz in der Gegend des Herzens ein, Kurzathmigkeit, Herzklopfen, Symptome von Verdauungsschwäche (Dyspepsia) zeigen sich, der Schlaf wird unruhig, Verstopfung, Husten, Halsentzündung sind vorhanden, bis schließlich der Mensch physisch, moralisch und geistig als Wrack dasteht.

Einige von den Folgen der Selbstbefleckung sind Epilepsie, [Schlagfluß], Lähmung, frühzeitiges Altern, unfreiwillige Samenentleerungen, welche in der Regel währen des Schlafens oder nach dem Urinablassen, auch während des Stuhlganges stattfinden. Bei dem weiblichen Geschlechte finden wir außerdem in Folge dessen noch Hysterie, Starrsucht, Störung der monatlichen Reinigung und starke nervöse Symptome.

Behandlung.

Allgemeine. Zuerst muß die Gewohnheit aufgegeben werden, denn ohne dies kann nichts gethan werden, ohne dies bleibt jede andere Behandlung erfolglos. Alles muß geschehen, um das sittliche Gefühl des Kranken zu stärken und die Selbstachtung zu heben. Er sollte die Gesellschaft tugendhafter und geistreicher Frauen aufsuchen und alles von schlüpferigem Charakter vermeiden. Sein Geist sollte einer Beschäftigung oder Unterhaltung, die seine ganze Aufmerksamkeit ohne Ermüdung in Anspruch nimmt, zugewandt werden, die Einsamkeit ist zu vermeiden und der Patient ist nicht mehr als eben unbedingt nothwendig allein zu lassen, und vor allem lasse man ihn nicht allein schlafen. Eine Matratze, mit leichter Decke zum Zudecken, ist am geeignetsten. Häufige Bäder und Waschungen der Geschlechtstheile, ebensowohl Sitzbäder als Baden des ganzen Körpers sind sehr zuträglich. Die Behandlung sollte nur von einem geschickten Arzt geleitet werden.

Homöopathisch. Mercurius, Phosphorus, Aurum, Nux vomica, Cuprum, Cantharides, Conium, Cannabis sind Hauptmittel gegen dieses Leiden.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel nehme man Morgens und Abends eine Dosis (6 Kügelchen).

Allöopathisch. Stärkende Mittel sind anzuwenden und wird zu diesem Behufe folgendes empfohlen:

Verdünnte Salpetersäure (Diluted nitric acid) 4 Drachmen.
Verdünnte Salzsäure (Diluted muriatic acid) 4
Orangenschalen-Syrup 1 Drachme.
Wasser Unzen.

Mische es. Dosis einen Theelöffel voll in einem Weinglas mit Wasser vor jeder Mahlzeit.

Oder auch:

Schwefelsaures Chinin (Sulphate of quinine) 15 Grane.
Verdünnte Schwefelsäure (Diluted sulphuric acid) 15 Tropfen.
Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (Compound tinct. of cardamon) 3 Drachmen.
Hopfen-Tinktur (Tinct. of hops) 3
Zusammengesetzter Rosenaufguß (Compound infusion of roses) 6 Unzen.

Mische es. Dosis einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.

Oder:

Salzsaure Eisen-Tinktur (Muriated tincture of iron) 1 Unze.
Rosen-Wasser 6 Unzen.
Orangenschalen-Syrup 1 Unze.

Mische es. Dosis: für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll in einem Weinglas mit Wasser nach jeder Mahlzeit.

Hypophosphites-Syrup wird empfohlen und sollte eine beträchtliche Zeit genommen werden.

Eclectische und Kräuterkur. Folgendes stärkende Mittel mag, wenn nur wenig Schwäche vorhanden ist, genommen werden:

Rothe Chinarinde (Red peruvian bark) 2 Unzen.
Kamillenblüthe (Chamomile flowers) 1 Unze.
Portwein 1 Quart.

Mische und lasse es, bei öfterem Umschütteln einige Tage stehen. Dosis: drei- oder viermal des Tages ein Weinglas voll.

Bei Hinfälligkeit, Nervenschwäche, Verstopfung, Niedergeschlagenheit möge folgendes gegeben werden:

Chloroform ½ Unze.
Ingwer- (Ginger) Tinktur ½
Aromatischer Ammoniak-Spiritus (Aromatic spirits of ammonia) 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: 25 Tropfen in einem Weinglas mit Milch dreimal des Tages.

Bei Spermatorrhöa oder Samenfluß werden folgende Pillen gut gefunden werden:

Kampher (Camphor) 24 Grane.
Belladonna-Extrakt 4
Cubeben- (Cubebs) Oel 20 Tropfen.

Mische es in eine Masse von gleichen Theilen Magnesia und Gummi Arabicum und theile es in 24 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine Pille.

Lustseuche, Venerie (Pox — Syphilis).

Dies ist eine lästige Krankheit und entsteht in Folge unreinen geschlechtlichen Verkehrs. Sie kennzeichnet sich durch das Erscheinen von einer Finne, von einer leichten Entzündung eingefaßt, und die Bildung eines Eiters oder des Schankers. Die Eiterung tritt in der Regel nach dem fünften bis vierzehnten Tage nach der Ansteckung ein.

Es giebt verschiedene Gattungen von Schanker, die sehr störend auf den Organismus einwirken, gewöhnlich begleitet ihn ein Anschwellen — Bubo genannt — in den Lenden, welcher einige Tage nach den Eiterbeulen eintreten und fortdauern kann, bis sich Eiter bildet und derselbe aufbricht oder geöffnet werden muß.

Greift die Syphilis den Organismus an, so wird sie secundäre genannt, und tertiäre, wenn sich Ausschläge, böser Hals und Eiterbeulen an verschiedenen Stellen des Körpers bilden.

Der Ausschlag erscheint gewöhnlich auf der Stirn, dem Rücken, den Beinen und Armen, er ist kupferfarben und von leichtem Jucken begleitet, auch füllt sich die Pustel zuweilen mit einer blassen Flüssigkeit. Sind Mund und Hals angegriffen, so schwellen sie an, werden böse, roth und mit einer weißen Schleimhaut bedeckt, auch kann ein blaßgelber Eiter des Halses oder der Mandeln oder auch ein schwarzgelber und morastartiger Eiter vorhanden sein, welcher sich auf verschiedene Stellen des Halses und der Nase erstreckt und die Knochen des Gesichts zerstört.

Behandlung.

Allöopathisch. Sobald sich Eiter am Penis zeigt, sollte derselbe sogleich aufgeätzt werden. Zu diesem Behufe bediene man sich des schwefelsauren Silbers (Nitrate of silver), Salpetersäure (Nitric acid), Aetz-Potasche (Caustic potassa), Zink-Chlorid (Chloride of zinc). Schwefelsaures Silber (Nitrate of silver) wird in der Regel angewandt und die Finne sollte damit gehörig gebrannt werden. Nachdem das Geschwür weggebeizt ist, befeuchte man Charpie in einer Auflösung von Opium, im Verhältniß von einer Drachme Opium auf 4 Unzen Wasser, lege es auf, wickle den Penis in ein Stück Leinwand und bedecke ihn mit eingeölter Seide.

Anstatt des Opiums kann auch folgende Auflösung angewendet werden:

Schwefelsaures Kupfer (Sulphate of copper) 1 Gran.
Wasser 1 Unze.

Dies sollte öfters angewendet und die Theile zweimal des Tages mit spanischer Seife (Castile soap) und Wasser gewaschen werden.

Folgendes ist für den innerlichen Gebrauch:

Protiodide of mercury 12 Grane.
Rosenkonserve (Conserve of roses) 1 Skrupel.

Theile es in 12 oder 24 Pillen und nimm zweimal des Tages eine.

Folgendes wird in einigen Fällen von gutem Erfolg sein:

Blaue Pillen (Blue pill) ½ Drachme.
Bilsenkraut-Extrakt (Extract of henbane) 1 Skrupel.

Mache 10 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille des Nachts. Oder:

Aetzsublimate (Corrosive sublimate) 4 Grane.
Opium-Extrakt (Extract of opium) 5

Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: Morgens und Abends eine Pille.

Diese Quecksilber-Präparate sollten nicht länger als fünf Tage hinter einander gebraucht werden, da Gefahr vorhanden ist, dadurch Speichelfluß hervorzurufen. Ist das letztere der Fall, gebrauche man folgendes:

Chlorinirte Soda (Chlorinated soda) 1 Unze.
Wasser 2 Unzen.

Mische es. Der Mund sollte damit mehrere Male des Tages ausgespült werden, aber man vermeide vorsichtig etwas davon zu verschlucken.

Ricord empfiehlt im Verhältniß von einem Theile weinsteinsaure Eisen-Potasche (Potassio-tartrate of iron) auf sechs Theile Wasser. Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages zu geben. Dasselbe Präparat ist auch gegen das Geschwür angewendet worden. Der Bubo, die Anschwellung in der Lende, sollte mit einem Verbande versehen werden. Wenn sich aber Eiter bildet, so sollte das Geschwür geöffnet und Umschläge gemacht werden. Im Falle eines Ausschlags auf der Haut, oder wenn sich die Krankheit im Halse oder an irgend einem anderen Theile des Körpers zeigt, mag Potaschen-Jodid wie folgt gegeben werden:

Zusammengesetzter Sassaparillen-Aufguß (Compound Infusion of sarsaparilla) 1 Pint.
Potaschen-Jodid (Iodide of potassium) ½ Unze.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll nach jeder Mahlzeit.

Das Präparat, unter „Donovan’s solution“ bekannt, mag dazwischen in Dosen von 3 bis 5 Tropfen gegeben werden.

Die Kost muß genau geordnet werden, der Patient darf weder reizende Nahrungsmittel zu sich nehmen, noch Spirituosen trinken.

Eclectische und Kräuterkur. Das Geschwür sollte mit salpetersaurem Silber (Nitrate of silver) oder einigen Tropfen von Salpeter- oder Salzsäure betupft werden. Darauf kann man vermittelst Charpies salzsaures Eisen (Muriate of iron) auflegen. Behufs Erhaltung eines gehörigen Stuhlgangs diene folgendes:

Blue Mass 60 Grane.
Entenfuß (Podophyllin) 20

Mache 20 Pillen daraus und nimm Morgens und Abends eine. Zeigt sich die Wirkung auf die Eingeweide, so nimm jeden Tag eine.

Erscheint ein Bubo, so verbinde ihn mit Tüchern, welche mit folgendem angefeuchtet sind:

Jod (Iodine) 1 Skrupel.
Potaschen-Jodid (Iodide of potassium) 2
Wasser 1 Unze.

Zweimal täglich anzuwenden. Kermesbeer- (Poke root) Umschläge sollten gleichzeitig angewendet werden, indem man die frische Wurzel in heißer Asche erweicht und dann zerdrückt. Bildet sich Eiter, so ist es am besten, den Bubo durch Aetzmittel zu öffnen, da es weit besser heilt, als wenn derselbe vermittelst eines Messers geöffnet wurde. Reinige ihn einmal des Tages mit spanischem Seifenwasser (Castile soap suts) und spritze ihn ebenso damit aus.

Dr. King empfiehlt folgendes als ein ausgezeichnetes Mittel gegen Syphilis in allen Formen:

Zusammengesetzter Stillingia-Syrup (Compound syrup of stillingia) 4 Unzen.
Saturirte Kermesbeer-Tinktur (Saturated tincture of poke root) 4
Saturirte Schafampfer-Tinktur (Saturated tincture of sheep sorrel) 4

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel bis einen halben Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Gegen constitutionelle Syphilis bei Eiterungen im Halse mag eine starke Abkochung von Weißeichenrinde (White oak bark) mit ein wenig Borax und Alaun (Alum) gegeben werden; bei innerem Gebrauche gebe man dasselbe ohne Borax zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Wenn Hautausschläge vorhanden sind, so sollte der Körper ein- oder zweimal des Tages mit einer Mischung von Salpeter- oder Salzsäure, je ein Theelöffel voll auf zwei Quart warmes Wasser, gewaschen werden. Folgendes möge als Thee dienen:

Entenfußwurzel (May apple), Kalmuswurzel (Blue flag root), Kermesbeere (Poke root), Ampferwurzel (Yellow dock root), Sassafras, Stillingia, Sassaparilla, Bitterwurzel (Bitter root). Eine Abkochung kann von einem oder dem andern hiervon oder von allen gemacht werden, und zu jedem Pint einer solchen Abkochung füge man eine Drachme Potaschen-Jodid (Iodide of potassa) hinzu. Der zusammengesetzte Stillingia-Spiritus mag in einigen Fällen angewendet werden.

Die Eiterbeulen, welche sich an dem Körper zeigen, mögen mit der salzsauren Eisentinktur (Tincture of the muriate of iron) und Umschlägen von pulverisirtem Alaun (Powdered alum) und Kermesbeere (Poke root), während des Nachts ausgelegt, behandelt werden.

Schmerzen in den Knochen mögen durch die folgenden Pillen gelindert werden:

Inspissirter Brechwurz-Saft (Inspissated juice of Ipecac) 1 oder 2 Drachmen.
Stechapfel- (Stramonium) Extrakt ¼ oder ½ Gran.

Man mache daraus eine Pille und wiederhole es zwei- bis dreimal des Tages.

Schwefelsaures Kupfer (Sulphate of copper) diene zu Waschungen des Halses. 30 Grane Kupfer kommen auf eine bis zwei Unzen Wasser; wasche damit vermittelst eines Stückchen Schwammes zwei- oder dreimal des Tages den Hals.

Homöopathisch. Sobald das Geschwür erscheint, ätze man es mit salpetersaurem Silber (Nitrate of silver), Salpetersäure (Nitric acid), oder rothem Präcipitat (Red precipitate). Innerlich gebe man: Mercurius, Hydriodate of Potassa, Mercur. precipit. ruber, Sulphur, Silicea, Aurum, Mezerium.

Bei sekundärer Syphilis, wo Schmerzhaftigkeit und Eiterung des Halses vorhanden ist, möge vermittelst eines Kameelhaarpinsels Benzoe-Tinktur immer nach einigen Tagen angewendet werden. Die Mittel, welche zu geben sind, sind Biniodide of Mercury, Kali Hydriodicum. Eine Woche kann Mercurius und die nächste Woche Kali — und so abwechselnd fort — gegeben werden.

Andere Mittel sind: Acidum Sulphuris, Lachesis, Phosphorus, Hepar Sulphuris, Borax.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden eine Dosis. Ist das Mittel in Kügelchen, gebe 6 auf eine Dosis, wenn in Pulvern, 2 Grane. Bei constitutioneller Syphilis gebe dreimal des Tages eine Dosis.

Samenfluß, Tripper (Gonorrhœa — Clap or Gleet)

ist eine Entzündung der Schleimhaut des Harnwegs, begleitet von einem Ausfluß und rührt von unreinem geschlechtlichem Verkehr her.

Symptome. Der Tripper stellt sich in der Regel am dritten oder achten Tag nach der Ansteckung ein. Er beginnt mit einem unangenehmen Gefühle am Ende des Penis und ist gewöhnlich von etwas Röthe und Schwierigkeit des Wasserablassens begleitet; nach ein oder zwei Tagen nimmt der Ausfluß von Eiter zu, wird dünner und von einer grünlichen oder gelblichen Farbe, zuweilen mit Blut gestreift. Die Eichel ist roth und entzündet und der Urin verursacht einen brennenden Schmerz. Dehnt sich die Entzündung auf die Blase aus, so tritt ein quälendes Verlangen, das Wasser abzulassen, mit einem beständigen, unangenehmen Gefühle in der Gegend der Hoden und zwischen den Beinen, ein. Wenn die Entzündung stark ist, so tritt die sogenannte chorda venerea, während welcher der Penis steif und nach unten gekrümmt ist, hinzu, verursacht heftigen Schmerz und befällt den Patienten in der Regel im warmen Bette. In Folge der Entzündung kann Phimosis entstehen, bei welcher die Vorhaut hart und geschwollen ist und nicht zurückgezogen werden kann; oder wenn die Anschwellung hinter der Eichel eintritt, kann sie nicht vorgezogen werden und wird paraphimosis genannt. Die Drüsen der Lenden und ebenso die Hoden schwellen an und entzünden sich zuweilen.

Tripper ist die Folge der Gonorrhœa und nimmt eine chronische Form an, nachdem die Entzündung nachgelassen hat. Hin und wieder ist er sehr hartnäckig. Eine andere Folge des Trippers sind Stricturen, welche die Harnröhre oder den von der Blase führenden Harnweg theilweise schließen, was an dem platten oder gedrehten Wasserstrahl, ähnlich einem Bohrer, oder gabelförmig, erkannt werden kann.

Behandlung.

Allgemeine. Der Patient sollte sich der Reinlichkeit befleißigen und die Theile öfters waschen. Die Kost muß einfach und nahrhaft sein und Spirituosen, fettes Fleisch, Pasteten &c. müssen vermieden werden.

Eclectische und Kräuterkur. Wenn zu Anfang genommen, mag die Krankheit kurz abgeschnitten werden, indem 20 Grane salpetersaures Silber (Nitrate of silver) in einer Unze Wasser und davon 2 Theelöffel voll in den Penis eingespritzt und dort ungefähr eine halbe Minute zurückgehalten wird, was zwei- oder dreimal des Tages zu wiederholen ist. Hierzu bediene man sich einer sogenannten P. P. Spritze (Syringe). Gleichzeitig nehme man 3 bis 4 Grane Entenfuß (Podophyllin) mit einem Theelöffel voll Cremor Tartari (Cream of tartar) oder eine Dosis Salz. Eine andere Einspritzung ist folgende:

Zinkchlorid (Chloride of zinc) 1 bis 3 Grane.
Destillirtes Wasser (Distilled water) 1 Unze.

Mische es und spritze davon alle 6 bis 8 Stunden einen Theelöffel voll ein.

Oder:

Abkochung von Gelbwurz (Decoction of golden seal) 1 Unze.
Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 3 Grane.

Mische und gebrauche wie das vorhergehende.

Die Einspritzungen sollten stets nach dem Uriniren gegeben werden und der Patient sollte nicht vor wenigstens einer halben Stunde darauf den Urin ablassen.

Bei dem weiblichen Geschlechte muß die Scheide mit einem von den obigen Präparaten drei- oder viermal des Tages gebadet und Einspritzungen von demselben gemacht werden.

Folgendes wird mit ausgezeichnetem Erfolge innerlich angewendet:

Canadischer Balsam (Canada balsam) 1 Unze.
Süßer Salpeter-Spiritus (Spirits of sweet nitre) 4 Unzen.
Terpentinöl (Oil of turpentine) 2 Drachmen.
Pulverisirter Kampher (Powdered camphor) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Wenn die Entzündung nachgelassen, so füge dem obigen noch eine Drachme pulverisirten Kino bei. Gleichzeitig mag der Patient einen Aufguß von Eibisch (Marshmallow) und Klette (Burdock root) trinken.

Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:

Cubebenöl (Oil of Cubebs) 1 Unze.
Anisöl (Oil of anise) 1
Copaiva-Balsam (Balsam of copaiva) 1
Laudanum 1
Salzsaure Eisen-Tinktur (Tinct. of muriate of iron) 1

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Bei Eintreten der Chorda venerea des Nachts nehme 30 oder 40 Tropfen Laudanum beim Zubettgehen oder folgendes:

Pulverisirtes Opium (Powdered opium) Grane.
Kampher (Camphor) 10

Mische und nimm es als eine Dosis.

Wird die Krankheit chronisch oder nimmt sie die Form eines Samenflusses an, so bediene man sich einer Einspritzung von gewöhnlichem grünem Thee mit je 5 oder 6 Tropfen Bleizucker (Sugar of lead) und schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc) auf jede Einspritzung. Gleichzeitig nehme man folgendes:

Gehärteter Copaiva-Balsam (Solidified balsam of copaiva) 1 Drachme.
Venetianischer Terpentin (Venice turpentine) 30 Grane.
Entenfuß (Podophyllin) 10

Mische es, bringe soviel als möglich pulverisirten Rhabarber (Pulverized rhubarb) hinein und theile es in 30 Pillen. Dosis: zwei oder drei Pillen zweimal des Tages, bis sie auf die Eingeweide wirken, dann täglich zweimal eine Pille.

Homöopathisch. Während des ersten Stadiums wird salpetersaures Silber (Nitrate of silver), im Verhältniß von zwei oder drei Granen auf eine Unze Wasser, oder schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc), im Verhältniß von vier Granen auf eine Unze Wasser, als Einspritzung gebraucht, einen Anfall kurz abschneiden. Der Patient muß während dieser Zeit große Mäßigkeit beobachten und Ruhe pflegen. Aconitum kann zu derselben Zeit, alle zwei oder drei Stunden eine Dosis, gegeben werden.

Cantharides oder Cannabis gebe man abwechselnd mit Aconitum.

Aufguß von Hydrastis Canadensis wird als Einspritzung empfohlen und zwar im Verhältniß von einer Unze der pulverisirten Wurzel auf ein Pint Wasser. Sollte jeden Abend in die Harnröhre gespritzt werden.

Cantharis mag gegeben werden, wenn sich die Entzündung auf die Blase ausdehnt und ein Brennen längs der Harnröhre, sowie ein häufiges Drängen zum Urinlassen vorhanden ist. Kann abwechselnd mit Aconitum gegeben werden.

Chlorsaure Potasche (Chlorate of potash) wird als Einspritzung empfohlen. Löse eine Drachme in einer Unze Wasser und gebe während 12 Stunden jede Stunde eine Einspritzung. Dies wird in den meisten Fällen erfolgreich sein.

Andere innerliche Mittel sind: Mercurius, Nux Vomica, Cubebae, Pulsatilla, Copaiva, Sulphur.

Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6 Kügelchen.

Allöopathisch. Zu Anfang der Krankheit gebe man eine Einspritzung von salpetersaurem Silber (Nitrate of silver), im Verhältniß von 5 bis 10 Granen auf eine Unze Wasser. Dies wird gewöhnlich hinreichen. Zur Erhaltung eines gehörigen Stuhlganges sollte Bittersalz (Epsom salts) genommen und Leinsamenthee getrunken werden. Wenn die Krankheit dennoch weiterschreitet, möge folgendes angewendet werden:

Balsam Copaiva 1 Unze.
Cubebenöl (Oil of cubebs) 2 Drachmen.
Laudanum 1 Drachme.
Gummi Arabicum Schleim (Mucilage of Gum Arabic) 2 Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (Sweet spirits of nitre) ½ Unze.
Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (Compound spirits of lavender) 3 Drachmen.
Kampherwasser 4 Unzen.
Weißer Zucker 2 Drachmen.
Mitchellöl (Oil of partridge berry) 5 Tropfen.

Mische es. Dosis: drei- oder viermal des Tages einen Eßlöffel voll.

Die folgende Einspritzung ist gut:

Balsam Copaiva 5 Drachmen.
Gummi-Extrakt von Opium (Gum of ext. of opium) 1 Gran.
Wasser 7 Unzen.
Ein Eidotter.

Mische und wende es mehrere Male des Tages an.

Gegen die Chorda venerea nehme beim Zubettgehen eine Pille von Kampher und Belladonna, im Verhältniß von 5 Granen des ersteren auf ein Gran des letzteren.

Bei Samenfluß bediene man sich folgender Einspritzung:

Salpetersaures Silber (Nitrate of silver) 1 bis 4 Grane.
Wasser 1 Unze.
Schwefelsaures Zink (Sulphate of zinc) 8 Grane.
Gerbersäure (Tannin) 1 Skrupel.
Wasser 5 Unzen.

Mische es.


Zweiter Theil. — Frauenkrankheiten.