Das siebente Capitel.

Courage schreitet zur dritten Ehe und wird aus einer Hauptmännin eine Leutenantin, triffts aber nicht so wol als vorhero, schlägt sich mit ihrem Leutenant um die Hosen mit Prügeln und gewinnet solche durch ihre tapfere Resolution und Courage; darauf sich ihr Mann unsichtbar macht und sie sitzen läßt.

Mein Mann war kaum kalt und begraben, da hatte ich schon wiederum ein ganz Dutzend Freier und die Wahl darunter, welchen ich aus ihnen nehmen wolte, dann ich war nicht allein schön und jung, sondern hatte auch schöne Pferd und ziemlich viel alt Geld, und ob ich mich gleich vernehmen ließe, daß ich meinem Hauptmann sel. zu Ehren noch ein halb Jahr trauren wolte, so konte ich jedoch die importune Hummeln, die um mich wie um einen fetten Honighafen, der keinen Deckel hat, herum schwärmten, nicht abtreiben. Der Obriste versprach mir bei dem Regiment Unterhalt und Quartier, biß ich mein Gelegenheit anders anstellte; hingegen ließe ich zween von meinen Knechten Herrendienste versehen, und wann es Gelegenheit gab, bei deren ich vor mein Person vom Feind etwas zu erschnappen getraute, so sparte ich meine Haut so wenig als ein Soldat, allermaßen ich in dem anmuthigen und fast lustigen Treffen bei Wimpfen einen Leutenant und im Nachhauen unweit Heilbrunn einen Cornet samt seiner Standart gefangen bekommen. Meine beide Knechte aber haben bei Plünderung der Wägen ziemliche Beuten an baarem Geld gemacht, welche sie unserem Accord gemäß mit mir theilen musten. Nach dieser Schlacht bekam ich mehr Liebhaber als zuvor, und demnach ich bei meinem vorigen Mann mehr gute Täge als gute Nächte gehabt, zumalen wider meinen Willen seit seinem Tod gefastet, sihe, so gedachte ich, durch meine Wahl alle solche Versaumnus wieder einzubringen, und versprach mich einem Leutenant, der meinem Bedunken nach alle seine Mitbuhler beides an Schönheit, Jugend, Verstand und Tapferkeit übertraf. Dieser war von Geburt ein Italianer und zwar schwarz von Haaren, aber weiß von Haut und in meinen Augen so schön, daß ihn kein Maler hätte schöner malen können. Er bewiese gegen mir fast eine Hundsdemuth, biß er mich erlöffelt, und da er das Jawort hinweg hatte, stellte er sich so Freuden voll, als wann Gott die ganze Welt beraubt und ihn allein beseligt hätte. Wir wurden in der Pfalz copuliert und hatten die Ehre, daß der Obriste selbst neben den meisten hohen Officiern des Regiments bei der Hochzeit erschienen, die uns alle vergeblich viel Glück in eine langwürige Ehe wünschten.

Dann nachdem wir nach der ersten Nacht bei Aufgang der Sonnen beisammen lagen, zu faulenzen, und uns mit allerhand liebreichem und freundlichem Gespräch unterhielten, ich auch eben aufzustehen vermeinte, da rufte mein Leutenant seinem Jungen zu sich vors Bette und befahl ihm, daß er zween starke Prügel herbei bringen solte. Er war gehorsam, und ich bildete mir ein, der arme Schelm würde dieselbe am allerersten versuchen müssen, unterließe derowegen nicht, vor den Jungen zu bitten, biß er beide Prügel brachte und auf empfangenen Befelch auf den Tisch zum Nachtzeug legte. Als nun der Jung wieder hinweg war, sagte mein Hochzeiter zu mir: »Ja, Liebste, ihr wißt, daß jederman davor gehalten und geglaubt, ihr hättet bei euers vorigen Manns Lebzeiten die Hosen getragen, welches ihme dann bei ehrlichen Gesellschaften zu nicht geringer Beschimpfung nachgeredet worden. Weil ich dann nicht unbillich zu besorgen habe, ihr möchtet in solcher Gewohnheit verharren und auch die meinige tragen wollen, welches mir aber zu leiden unmüglich oder doch sonst schwer fallen würde, sehet, so liegen sie dorten auf dem Tische und jene zween Prügel zu dem Ende darbei, damit wir beide uns, wann ihr sie etwan wie vor diesem euch zuschreiben und behaupten woltet, zuvor darum schlagen könten; sintemal mein Schatz selbst erachten kan, daß es besser gethan ist, sie fallen gleich jetzt im Anfang dem einen oder andern Theil zu, als wann wir hernach in stehender Ehe täglich darum kriegen.«

Ich antwortete: »Mein Liebster!« — und damit gab ich ihm gar einen herzlichen Kuß — »ich hätte vermeint gehabt, diejenige Schlacht, so wir einander vor dißmal zu liefern, seie allbereit gehalten. So hab ich auch niemalen in Sinn genommen, euere Hosen zu prätendirn; sondern, gleich wie ich wol weiß, daß das Weib nicht aus des Manns Haupt, aber wol aus seiner Seiten genommen worden, also habe ich gehofft, meinem Herzliebsten werde solches auch bekant sein, und er werde derowegen sich meines Herkommens erinnern und mich nicht, als wann ich von seinen Fußsohlen genommen worden wäre, vor sein Fußtuch, sondern vor sein Ehegemahl halten, vornehmlich, wann ich mich auch nicht unterstünde, ihme auf den Kopf zu sitzen, sondern mich an seiner Seiten behülfe, mit demüthiger Bitte, er wolte diese abenteurliche Fechtschul einstellen.«

»Ha ha«, sagte er, »das sein die rechte Weibergriffe, die Herrschaft zu sich zu reißen, ehe mans gewahr wird. Aber es muß zuvor darum gefochten sein, damit ich wisse, wer dem anderen künftig zu gehorsamen schuldig.«

Und damit warfe er sich aus meinen Armen wie ein anderer Narr. Ich aber sprang aus dem Bette und legte mein Hemd und Schlafhosen an, erwischte den kürzsten, aber doch den stärksten Prügel und sagte: »Weil ihr mir je zu fechten befehlet und dem obsiegenden Theil die Oberherrlichkeit, an die ich doch keine Ansprach zu haben begehrt, über den Ueberwundenen zusprecht, so wäre ich wol närrisch, wann ich eine Gelegenheit aus Händen ließe, etwas zu erhalten, daran ich sonst nicht gedenken dörfte.«

Er hingegen auch nicht faul, dann nachdem ich also seiner wartete und er sein Hosen auch angelegt, ertappete er den andern Prügel und gedachte mich beim Kopf zu fassen, um mir alsdann den Buckel fein mit guter Muße abzuraumen. Aber ich war ihm viel zu geschwind, dann ehe er sichs versahe, hatte er eins am Kopf, davon er hinaus dürmelte[62], wie ein Ochs, dem ein Streich worden. Ich raffte die zween Stecken zusammen, sie zur Thür hinaus zu werfen, und da ich solche öffnete, stunden etliche Officier darvor, die unserem Handel zugehöret und zum Theil durch einen Spalt zugesehen hatten. Diese ließe ich lachen, so lang sie mochten, schlug die Thür vor ihnen wieder zu, warf meinen Rock um mich und brachte meinen Tropfen, meinen Hochzeiter wolte ich sagen, mit Wasser aus einem Lavor[63] wieder zu sich selbst. Und da ich ihn zum Tische gesetzt und mich ein wenig angekleidet hatte, ließe ich die Officier vor der Thür auch zu uns ins Zimmer kommen.

Wie wir einander allerseits angesehen, mag jeder bei sich selbst erachten. Ich merkte wol, daß mein Hochzeiter diese Officier veranlaßt, daß sie sich um diese Zeit vorn Zimmer einstellen und seiner Thorheit Zeugen sein solten; dann als sie den Hegel[64] gefoppet, er würde mir die Hosen lassen müssen, hatte er sich gegen ihnen gerühmt, daß er einen sonderbaren Vortheil[65] wisse, welchen er den ersten Morgen ins Werk setzen und mich dardurch so geschmeidig machen wolte, daß ich zittern würde, wann er mich nur schel ansehe. Aber der gute Mensch hätte es gegen einer anderen als der Courage probirn mögen; gegen mir hat er so viel ausgerichtet, daß er jedermans Gespött worden, und ich hätte nicht mit ihm gehauset, wann mirs nicht von Höheren befohlen und auferlegt worden wäre. Wie wir aber miteinander gelebet, kan sich jeder leicht einbilden, nämlich wie Hund und Katzen. Als er sich nun anderer Gestalt an mir nicht revangirn und auch das Gespött der Leute nicht mehr gedulden konte, rappelte er einsmals alle meine Baarschaft zusammen und gieng mit den dreien besten Pferden und einem Knecht zum Gegentheil[66]


Fußnoten:

[62] dürmeln, türmeln, taumeln.

[63] Lavor, lavoir, Waschbecken.

[64] Hegel, Hag, Zuchtstier.

[65] Vortheil, List.

[66] Gegentheil, Gegenpartei, Feind.