Das achte Capitel.
Courage hält sich in einer Occasion trefflich frisch, haut einem Soldaten den Kopf ab, bekommt einen Major gefangen und erfährt, daß ihr Leutenant als ein meineidiger Ueberlaufer gefangen und gehenket worden.
Also wurde ich nun zu einer Halbwittib, welcher Stand viel elender ist, als wann eine gar keinen Mann hat. Etliche argwohneten, ich würde ihm folgen und wir hätten unsere Flucht also mit einander angelegt. Da ich aber den Obristen um Rath und Befelch fragte, wie ich mich verhalten solte, sagte er, ich möchte bei dem Regiment verbleiben, so wolte er mich, so lang ich mich ehrlich hielte, wie andere Witweiber verpflegen lassen. Und damit benahme ich jederman den gedachten Argwohn. Ich muste mich ziemlich schmal behelfen, weil mein Baarschaft ausgeflogen und meine stattliche Soldatenpferd fort waren, auf denen ich auch manche stattliche Beut gemacht; doch ließe ich meine Armuth nicht merken, damit mir keine Verachtung zuwüchse. Meine beide Knechte, die Herrndienste versahen, hatte ich noch samt einem Jungen und noch etlichen Schindmären oder Bagagepferden; davon und von meiner Männerbagage versilberte ich, was Geld galte, und machte mich wieder trefflich beritten. Ich dorfte zwar als ein Weib auf keine Partei reiten, aber unter den Fouragierern fande sich nicht meines gleichen. Ich wünschte mir oft wieder eine Battalia wie vor Wimpfen, aber was halfs? Ich muste der Zeit erwarten, weil man mir zu Gefallen doch keine Schlacht gehalten, wann ichs gleich begehrt hätte. Damit ich aber gleichwol auch wiederum zu Geld kommen möchte, dessen es auf dem Fouragieren selten setzte, ließe ich, beides um solches zu verdienen und meinen Ausreißer um seine Untreu zu bezahlen, mich von denen treffen, die spendierten; und also brachte ich mich durch und dingte mir noch einen starken Jungen zum Knecht, der mir muste helfen stehlen, wann die andere beide musten wachen. Das trieb ich so fort, biß wir den Braunschweiger über den Mayn jagten und viel der Seinigen darin ersäuften, in welchem Treffen ich mich unter die Unserige mischte und in meines Obristen Gegenwart dergestalt erzeigte, daß er solche Tapferkeit von keinem Mannsbild geglaubt hätte; dann ich nahme in der Caracole[67] einen Major vom Gegentheil vor seinem Troupen hinweg, als er die Charge redoupliren wolte; und als ihn einer von den Seinigen zu erretten gedachte und mir zu solchem Ende eine Pistol an den Kopf losbrennete, daß mir Hut und Federn darvon stobe, bezahlte ich ihn dergestalt mit meinem Säbel, daß er noch etliche Schritte ohne Kopf mit mir ritte, welches beides verwunderlich und abscheulich anzusehen war. Nachdem nun dieselbe Esquadron getrennet und in die Flucht gewendet worden, mir auch der Major einen ziemlichen Stumpen Goldsorten samt einer güldenen Ketten und kostbarlichen Ring vor sein Leben gegeben hatte, ließe ich meinen Jungen das Pferd mit ihm vertauschen und lieferte ihn den Unserigen in Sicherheit, begab mich darauf an die zerbrochne Brucken, allwo es in dem Wasser an ein erbärmlichs Ersaufen und auf dem Land an ein grausams Niedermachen gieng; und alldieweil noch ein jeder bei seinem Troupen bleiben muste, so viel immer möglich, packte ich eine Gutsche mit sechs schönen Bräunen an, auf welcher weder Geld noch lebendige Personen, aber wol zwo Kisten mit kostbaren Kleidern und weißem Zeug sich befanden. Ich brachte sie mit meines Knechts oder Jungen Hülf dahin, wo ich den Major gelassen hatte, welcher sich schier zu Tod kränkte, daß er von einem solchen jungen Weib gefangen worden. Da er aber sahe, daß so wol in meinen Hosensäcken als in den Halftern Pistolen staken, die ich samt meinem Carbiner dort wieder lude und fertig machte, auch hörete, was ich hiebevor bei Wimpfen ausgerichtet, gab er sich wiederum etwas zufrieden und sagte, der Teufel möchte mit so einer Hexen etwas zu schaffen haben!
Ich gieng mit meinem Jungen, den ich eben so fest als mich und mein Pferd gemacht hatte, hin, noch mehr Beuten zu erschnappen, fande aber den Obristleutenant von unserem Regiment dort unter seinem Pferde liegen, der mich kante und um Hülf anschriee. Ich packte ihn auf meines Jungen Pferd und führte ihn zu den Unserigen in meine erst eroberte Gutsche, alda er meinem gefangnen Major Gesellschaft leisten muste. Es ist nicht zu glauben, wie ich nach dieser Schlacht so wol von meinen Neidern als meinen Gönnern gelobt wurde. Beide Theil sagten, ich wäre der Teufel selber; und eben damals war mein höchster Wunsch, daß ich nur kein Weibsbild wäre. Aber was wars drum? Es war null und verhümpelt[68]. Ich gedachte oft, mich vor einen Hermaphroditen auszugeben, ob ich vielleicht dardurch erlangen möchte, offentlich Hosen zu tragen und vor einen jungen Kerl zu passirn; hergegen hatte ich aber durch meine unmäßige Begierden so viel Kerl empfinden lassen, wer ich wäre, daß ich das Herz nicht hatte, ins Werk zu setzen, was ich gerne gewolt, dann so viel Zeugen würden sonst ein anders von mir gesagt und verursacht haben, daß es dahin kommen wäre, daß mich beides Medici und Hebammen beschauen müsten. Behalfe mich derowegen, wie ich konte, und wann man mir viel verweisen wolte, antwortet ich, es wären wol ehe Amazones gewesen, die so ritterlich als die Männer gegen ihren Feinden gefochten hätten. Damit ich nun des Obristen Gnad erhalten und von ihme wider meine Mißgönstige beschützt werden möchte, präsentirte ich ihm neben dem Gefangnen auch meine Gutsche mit samt den Pferden, darvor er mir 200 Reichsthaler verehrete, welches Geld ich samt dem, was ich sonst auf ein neues erschnappt und sonst verdienet hatte, abermal in einer namhaften Stadt verwahrte.
Indem wir nun Mannheim eingenommen und Frankenthal noch belagert hielten, und also den Meister in der Pfalz spielten, sihe, da schlugen Corduba und der von Anhalt abermal den Braunschweiger und Mannsfelder bei Floreack, in welchem Treffen mein ausgerissener Mann der Leutenant gefangen, von den Unserigen erkant und als ein meineidiger Ueberläufer mit seinem allerbesten Hals an einen Baum geknüpft worden, wordurch ich zwar wieder von meinem Mann erlöst und zu einer Wittib ward. Ich bekam aber so ein Haufen Feinde, die da sagten, die Strahlhex[69] hat den armen Teufel ums Leben gebracht, daß ich ihm das Leben gern länger gönnen und mich noch ein Weil mit ihm gedulden mögen, biß er gleichwol anderwärts ins Gras gebissen und einen ehrlichern Tod genommen, wann es nur hätte sein können.
Fußnoten:
[67] Caracole, Schwenkung einer Schwadron auf die linke oder rechte Seite.
[68] verhümpelt, verpfuscht.
[69] Strahlhexe, wie Blitzhexe, Wetterhexe.