IX.

Als ich mich zum erstenmal erschlug, war ich achtzehn Jahre alt. Ich war mein Bruder aus Frankreich und hieß Pierre. Wie Kain den Abel habe ich mich erschlagen.

Freiwillig waren wir losmarschiert. Lichtscheu. Am Boden krochen wir. Kein Stacheldraht zerriß mein Herz. Hart gierig lag ich auf der Lauer.

Oh weh! Ihr tapfern Jäger, Ihr kühnen Helden! Ihr lauert dem kleinen Hasen auf. Dem gehetzten Häslein zerbrecht Ihr das Rückgrat und freut Euch hoch über seinem Blut.

Da schlug mein Herz voll Gier, als mein Bruder heran kam, mein französischer Bruder, mein kleiner Peter. Ganz dicht ging er an mir vorüber. Ich freute mich hoch über seinen wehrlosen Rücken. Und kroch ins Dunkle hinter meinem Bruder.

Da fuhr die höllische Leuchtkugel hoch. Da sah er mich an. Da hob er seine Hände. So unschuldig war das Brüderlein!

Ich aber warf die Granate. Ich warf die Granate, während das Brüderlein die Hände hob.

Da hatte ich viel Beifall. Da fuhren die Leuchtkugeln hoch. Da klatschten die Gewehre eifrig Beifall.

Da kroch ich zu dem Brüderlein. Derweil es noch lebte.

Um es zu pflegen, Ihr schönen Damen?

Um mich zu verbergen, Ihr Liebenswerten! Um mich zu verbergen vorm Beifall der Gewehre.

Da hat das Brüderlein mich sehr beschützt! Es weinte, das liebe Kind. „Camarade! Camarade!“ Da trafen ihn all die Kugeln, die mir galten. Da war er ganz still. „Camarade, camarade!“ Da schlugen die Kugeln noch in die Leiche.

X.

Sehr hübsch habe ich das erzählt. Nicht wahr, meine Lieben? So ein wenig poetisch und mit Gefühl. Ohne die werten Ohren zu verletzen? Die zarten Öhrchen, die sanften Seelen?

Bin nämlich Literat. Ein tüchtiges Handwerk! Es dichtet sich so köstlich über Leichen!

Die Mariandjei hat mir verboten zu schreiben. Aber ich weiß den Ort zu finden! Über Abgründen schreibe ich. Über Abgründen!