V.
Wie mir doch alles unter den Händen zerfließt! Alles läuft mir so leicht davon, so leichtlich läuft es mir aus der Feder. Als hätte ich meine Freude dran!
So will ich denn ehrlich berichten, wie ich gesündigt habe. Meine Zunge ist so schnell, schnell geworden vom vielen Lügen. Meine Feder gleitet so gleißnerisch. Ich war Literat. Man muß das gestehen. Dagegen scheint kein Kraut gewachsen? Dagegen scheint der Tod nicht viel zu helfen. Diese Gewohnheiten scheinen sich nicht zu verlieren im Tod. Ein Brandmal! Ein Schandmal! Ein Schandmaul! stehe ich da.
HERR v. TOT
Literat.
Ich spielte mit Worten. Ich dichtete umher. So fröhlich gaukelten wir durch die Welt!
Auf Seidenbetten saßen wir gern. Tranken. Musik. Und süßen Wein. Da klingelte oft die Gartentür! „Herein, Ihr liebenswerten Gäste!“ Der Bettler mag vorüber schleichen! Seine verhungerten Tiere im Arm.
Da dichtete es sich süß. Da war es Wollust, zu vergehen. Da schrieben wir auf zärtlichem Papier:
Du goldene Melatyle!
Verwirrter Silberfinkenstrom!
Die schwankenden Gefühle
Entgeistern in den Dom.
Die lieben Nebelfalter
Umschmeicheln meinen Schmeichelsinn.
Bald kommen Tod und Alter.
Welt, nimm mich hin!
Recht gefällig diese Melodie, nicht wahr? Zu gutem Essen und etwas Wein!