II.

Ich werde in den Wald gehen, in den Sterbewald. Zwischen den Büschen unsichtbar verschwinden. Ich werde mich beeilen, zu verschwinden, zu verschweigen. Ich werde mich verschweigen im Wald. In den Büschen will ich mich verzweigen. Pst! Bitte nicht darüber zu reden!

Als er in den Wald gekommen war, fing die Nacht an! Als die Nacht gekommen war, fing der Mond an. Hörten die Sterne auf zu singen und die Schlange sprach: „Du hast mir noch immer nicht den Kopf zertreten. Aber ich habe Dich in die Ferse gestochen.“

III.

Werde nun sogleich mit der Erzählung beginnen. Werde mich vorstellen, mit Verlaub:

Mein Name ist: Tot.

Überlegen Sie wohl die Bedeutung dieses Namens! Ich bin tot. Ich habe mich erschlagen.

Glauben Sie, daß es Gelächter erregt? Ich denke: Man wird darüber reden. Leicht möglich, daß ich auf diese Weise Eingang fände. In Kreise vielleicht, in Zirkel, Klubs, Geselligkeit?

Allerdings, meine Hände! Sind leider wohl nicht rein genug? Zwar leer. Ich habe leere Hände. Habe immer darauf Wert gelegt. Aber nicht rein! Habe wohl verabsäumt, sie zu waschen.

Hier wäscht sich alles fein und säuberlich. Eine Hand wäscht hier die andere. Mit Geld und guten Worten und so weiter.

Ich habe statt dessen einen seltenen Namen. „Tot.“ Herr von Tot.

Aber, um immer ehrlich zu bleiben: Mein eigentlicher Name ist das nicht. Vom Wind verweht. In die Sterne gestreut.

Namenlos bin ich genannt.

Namenlos irr ich von Land zu Land.

Namenlos elend.

Namenlos tot.

Einmal hatte ich einen Namen. Wie lange ist das her?

Weiß Gott! Wie oft bin ich seit dem gestorben!

IV.

Ich gebe mir alle Mühe, mich zu ordnen, meine Verwirrung zu ordnen, meine Verirrung. Hören wir also den Tatbestand!

„Zwei Uhr dreißig Schleichpatrouille. Die neunte Kompagnie stellt hierzu einen Unteroffizier, vier Mann. Freiwillige vor!“ Freiwillig! Ein sehr kühnes Wort. Bitte, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten! Aus eigenem Antrieb, könnte man sagen. Freiwillig, wie Gott die Welt erschuf! Freiwillig trat ich vor.

Weshalb blieb ich nicht freiwillig stehen? Wie gemütlich war doch der Unterstand! Wir hatten Kerzen an jenem Tag. Wir hatten Feuer. Wir hatten geheizt. Wir krochen so mollig in unsere Betten. Nebeneinander. Warm und geborgen. Die kleine Kerze hätte geschienen. Flacker-Schatten hätten sich bewegt. Die stämmigen Stämme, die Balken der Decke! So eng, so niedrig alles, traulich und warm. Viele Frühlingstage wären gefolgt!

Was trieb mich an? Weshalb nur mußte ich alles verlassen?

Und wenn nun ich fein nicht gegangen wäre?

Ein anderer für mich. Ganz einfach! Ein anderer hätte alles erlebt. Was zu erleben war, fertig wie eine Uniform. Fertig waren die Gänge da, die Schritte, das Stolpern, offen lagen die Gräben, die Löcher. Schon hingen die Granaten über uns. Alles bereit. So ging ich hinein.

Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. So ging ich in mein Himmelreich.

„Jeder empfängt zehn Handgranaten. Sie gehen Birkenwaldweg! Sie Märchenwald! Sie Adjutantenweg!“ Wie hübsch das klingt: „Sie Adjutantenweg!“

Schon klirren die Glocken des Drahtverhaues. Ein Stern steigt zum Himmel und fällt. Ein fernes Maschinengewehr klatscht Beifall. Etwas verfrüht.

Die Beine sind uns vom Winter geschwollen. — Und der Bauch von Läusebissen. Oh nicht sehr repräsentabel stellen wir uns zu diesem Stelldichein. Lichtscheu. Wir kriechen am Boden. Und des Menschen Sohn zertritt uns den Kopf.

Die Leuchtkugeln haben die Sterne verdunkelt. Zwei Uhr dreißig. Wir sind da.