VII. Der Westerwald nebst dem Sieg- und Lahntale und das Siebengebirge.

Der Westerwald.

Mit dem Namen „Westerwald“ wird der Teil des Rheinischen Schiefergebirges bezeichnet, der im Südosten und Süden von der Lahn, im Westen vom Rhein und im Norden von der Sieg begrenzt ist. Der Name soll von Wister-Wald = weißer Wald herkommen und von den Bewohnern des tiefer gelegenen unteren Westerwald ursprünglich dem höchsten Teile des Gebirges, von dem der Schnee noch spät im Frühlinge weiß herabschimmert, beigelegt worden sein. Wenn diese Erklärung richtig ist, hat früher also nur ein Teil des Gebirges den jetzt für das ganze Gebiet geltenden Namen geführt, ähnlich wie es beim Hunsrück und der Eifel der Fall war.

Abb. 141. Königswinter und der Drachenfels.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 123] u. [142].)

Abb. 142. Schloß Drachenburg am Rhein, Südseite. (Zu [Seite 123] u. [143].)

In der Kroppacher Schweiz.

Für die Durchwanderung des Gebietes können wir verschiedene Routen wählen. Von Bonn, wo wir auf unserer Rheinfahrt halt machten, gelangen wir ostwärts über den Rhein fast unmittelbar in das Siegtal. In der Niederung, durch die die Sieg, zuletzt in sumpfigem Wiesengelände, zwischen Weidengebüsch dem Rheine zuströmt, grüßt uns die auf einer niedrigen Bergkuppe gelegene frühere Abtei Siegburg. Zu ihren Füßen liegt die gleichnamige Stadt. Eine Königliche Geschoßfabrik ist daselbst in Betrieb. Zur linken Hand, näher zum Rheine, ragen die qualmenden Schlote der Friedrich Wilhelms-Hütte hervor. Indem wir weiter nach Osten wandern, rücken bald die Berge von beiden Seiten näher zusammen, um ein freundliches Wiesental zu umfassen. Meist ist dieses nicht sehr enge, und die bewaldeten Abhänge steigen weniger schroff als in den anderen Tälern des Rheinischen Schiefergebirges empor. An die Stelle des Wilden und Großartigen tritt fast überall das Anmutige. Von steiler, etwas vorspringender Bergwand grüßt uns die Burgruine Blankenberg. Durch Weinpflanzungen, fast die einzigen an der Sieg, steigen wir zu den Burgtrümmern und dem gleichnamigen Örtchen hinan und lassen den Blick hinab in das Wiesental, durch das der Fluß in Schlangenbiegungen zieht, und fern zur Rheinniederung, wo, beleuchtet vom Abendglanze, die Abtei Siegburg noch einmal grüßt, schweifen. Gastlich ladet uns dann das hübsche Städtchen Eitorf zu längerem Verweilen in froher Gesellschaft zahlreicher Sommerfrischler ein. Aber das gesteckte Wanderziel lockt uns weiter. Das Siegtal behält weiter oberhalb seinen Charakter bei. Wir verlassen es deshalb bei dem Orte Wissen und biegen in ein spaltartig sich öffnendes Nebentälchen ein, durch das die Nister die Westerwaldgewässer der Sieg zuführt. In dem engen Tale war nicht einmal Raum für eine Straße. So folgen wir einem Pfade, der uns bald auf die eine, bald auf die andere Flußseite führt und uns über Steine den Weg durch den schnellfließenden, breiten Bach suchen läßt. In einer Wiesenau verlieren wir gar den Weg und wandern an verkehrter Stelle an der Talwand empor, bis ein Landmann uns zurechtweist. Das Tal wird noch immer romantischer, und die Bewohner erzählen uns mit Stolz von der Kroppacher Schweiz. Überall schauen Felsklippen aus den waldgeschmückten, steil und ziemlich hoch aufragenden Talwänden heraus. Das Dorf Kroppach lassen wir abseits liegen, und unser Weg führt uns durch zahlreiche kleine Ortschaften, die meist nur eine größere Häusergruppe bilden. Die Sonne brennt heiß, und uns quält nach dem vielen Hin- und Herwandern, Auf- und Niedersteigen der Durst. Aber vergebens fragen wir nach einem Wirtshause. So kommen wir wohl, vom Verlassen des Siegtales an gerechnet, durch zehn kleine Dörfer und sind froh, mit einem Trunk Wasser, den die Leute uns reichen, den stärksten Durst löschen zu können. Ein merkwürdiges deutsches Land, wo keine Wirtshäuser sind und dabei so nah dem rebenumkränzten Rhein! Nachdem wir nach solchen so lange vergebens gesucht und gefragt hatten, treten wir beherzt in eine alleinstehende Mühle ein und fragen nach Bier. Gern hätte uns die Müllerin einen solchen Labetrunk dargeboten, aber die letzte Flasche im Keller war schon von anderen durstigen Wanderern getrunken worden. So lassen wir uns einen dampfenden Kaffee brauen. An süßer Milch und guten Eiern fehlte es auch nicht, und in der blankgescheuerten Müllerstube saß es sich gut, besser als in manchem prächtigen Gasthause. Doch weit ist noch der Weg nach der Cistercienserabtei Marienstatt, und wir müssen weiter wandern. Durch prächtige Buchen- und Tannenwälder führt der Weg. Die Abtei Marienstatt ([Abb. 131]) liegt mit einer schönen gotischen Kirche bald in wald- und wiesengeschmückter Landschaft vor uns. Über Feld wandern wir dann nach dem Städtchen Hachenburg, das von einem alten, fürstlich Saynschen Schloß überragt wird. Dort besteigen wir die Eisenbahn zur Fahrt nach dem Städtchen Westerburg, über dem, auf einer Basaltkuppe ebenfalls eine Burg, das fürstlich Leiningensche Schloß thront ([Abb. 132]).

Abb. 143. Hochzeitszug eines Kölner Patriziers und einer englischen Fürstentochter, die Blüte des Kölner Handels versinnbildend.
Wandgemälde im Schloß Drachenburg am Rhein. (Zu [Seite 123] u. [143].)

Abb. 144. Ruine Drachenfels.
Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin. (Zu [Seite 143].)

Abb. 145. Honnef, vom Leiberg gesehen.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 146].)

Abb. 146. Der Sänger vom Drachenfels. (Zu [Seite 149].)

Im Westerwald.

In Westerburg befinden wir uns schon auf dem Hohen Westerwald, der nach Osten noch immer höher ansteigt und in dem kaum hervortretenden Fuchskauten (657 m) den höchsten Punkt erreicht; nach Westen aber senkt sich stufenmäßig zum Rheine hin der Untere Westerwald. Jener liegt durchschnittlich 580 m hoch, dieser erreicht eine mittlere Höhe von 430 m nicht mehr. Im Unteren Westerwald lohnt zwar noch der Ackerbau; seinen Hauptschmuck bilden aber die prächtigen Waldungen. Die eintönigen Hochflächen des Hohen Westerwaldes sind vom Wald ziemlich stark entblößt, und weithin dehnen sich neben Heide und Moor Wiesen oder Weiden, auf denen die kleinen Westerwälder Rinder grasen, aus. Der flüchtige Besucher des Landes hält jedoch auch manche Landstriche des Hohen Westerwaldes für waldreich. Überall erscheinen Nadelholzpartien, die er für große Wälder hält. Kommt er aber näher, so bemerkt er staunend, daß der vermeintliche Wald nur aus einigen langen Reihen Tannen besteht. Er sieht nur eine von den zahlreichen Schutzhecken vor sich, die fast überall angepflanzt sind, um die Ortschaften, die Äcker und die Wiesen vor den rauhen Winden zu schützen.

Abb. 147. Klosterruine Heisterbach. (Zu [Seite 151].)

Abb. 148. Daun in der Eifel.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 158].)

Der Wind ist das Charakteristischste an dem Klima des Hohen Westerwaldes. „Er weht dort,“ wie Tarnuzzer schreibt, „das ganze Jahr, fast zu jeder Stunde, selbst an den Tagen drückendster Sonnenschwüle, die man durch ihn im hohen Westerwald eigentlich nie kennen lernt. Leise bewegt zieht er zwischen Wäldern und Höhen kräuselnd und kühlend dahin. Vom Wald, diesen ‚Lungen des Landes‘, kommt seine Frische und Stärke, die ihn wirksam, ja gewaltig macht, fast wie den Wind von der See ... Unaussprechlich wohltuend und kühlend, allen Duft des Waldes und seine unvergleichliche Würze zu einem herübertragend, webt und webt er in aller Wärme der Sonne und macht dem Wanderer jeden Gang zum Labsal.“

Abb. 149. Schalkenmehrener Maar.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 158].)

Abb. 150. Abtei Laach und Laacher See.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 160].)

Dornburg und die Eislöcher.

Auf der Weiterfahrt durch den Westerwald von Westerburg nach Montabaur versäumen wir nicht, in Frickhofen, dessen Namen man von Freya ableiten will, auszusteigen, um die Dornburg zu besuchen. Nicht ein verwünschtes Schloß, in dem Dornröschen schläft, lockt uns dorthin, sondern eine merkwürdige Naturerscheinung, die berühmten Eislöcher, in denen sich selbst während der heißesten Sommerzeit Eis bildet. Sobald wir uns, nach einer Wanderung über eine heißdürre Heide, dem Berge nähern, weht uns schon ein kalter Lufthauch entgegen. Wirkliches Eis in heißer Sommerzeit sich bilden zu sehen, und zwar an einer Stelle, am Fuße einer aus losem Steingeröll bestehenden Schutthalde, auf die die Sonnenstrahlen beständig scheinen, kommt uns zuerst fast wie ein Naturwunder vor. Und doch ist die Erscheinung ganz natürlich zu erklären als Wirkung einer kalten Luftströmung, die unter dem lose den Abhang des Berges überlagernden Felsgeröll mit starkem Zuge herströmt. Sobald diese kalte Luft mit der warmen in Berührung kommt, verdunstet die mitgebrachte Feuchtigkeit sehr schnell, und die neue Kälte, die hierbei erzeugt wird, reicht zur Eisbildung vollständig hin.

Abb. 151. Kreuzgang der Abteikirche Laach.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 160].)

Lahnwanderung.

An dem freundlichen Städtchen Hadamar vorbei trägt uns die Bahn durch fruchtbares Hügelland und schöne Wälder hinab in das Lahntal zu der Stadt Limburg (10000 Einw.) ([Abb. 133]) mit dem prächtigen Dom, der mit seinen sieben Türmen malerisch einen Felsvorsprung hoch über dem Flusse krönt. In Limburg müssen wir Einkehr halten, weil dort die Bahnlinie, die durch den unteren Westerwald führt, beginnt. Zuerst wollen wir aber im Lahntal kurze Umschau halten. Die Stadt Limburg war im frühen Mittelalter Residenz der 1407 ausgestorbenen Grafen des Lahngaues. Sie fiel dann an Kurtrier. Der Dom ist eine ebenso prachtvolle als großartige Schöpfung des spätromanischen oder Übergangsstils. Von 1213 bis 1242 wurde an ihm gebaut ([Abb. 134]).

Abb. 152. Die Urft-Talsperre bei Gemünd. (Zu [Seite 164].)

Aufwärts leitet uns das Lahntal zu manchen landschaftlich schönen Punkten hin. Das Städtchen Runkel liegt in geringer Entfernung von Limburg malerisch auf beiden Seiten der Lahn und wird überragt von einem gegen das Ende des zwölften Jahrhunderts erbauten Schlosse der Grafen von Wied. Die weitere Fahrt wird durch die zahlreichen Flußübergänge und Tunnels sehr abwechslungsreich. Der letzte durchschneidet den Schloßberg des Städtchens Weilburg (etwa 4000 Einw.), das sich im Rahmen eines schönen Landschaftsbildes dem Blicke zeigt. Bis 1816 residierten die Fürsten (seit 1806 Herzöge) von Nassau-Weilburg daselbst. Das Schloß stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert, wurde aber 1721 bedeutend vergrößert und kann, auf steilem Felsen gelegen, zu den hervorragendsten Schönheiten des Lahntales gerechnet werden.

Der oberhalb Weilburg gelegene Teil des Lahntales fällt außerhalb des Rahmens dieser Schrift, und nur noch auf die reichen Erzschätze der Weilburger Gegend, wo besonders ausgedehnte Lager von Roteisenstein und Phosphorit vorkommen, sowie des Bezirks von Dillenburg und Herborn im östlichen Westerwald sei hingewiesen. Ihr Vorkommen ist an das zahlreiche Auftreten von Diabasen geknüpft. Diese brachen in der devonischen Zeit als glutflüssige Massen hervor, breiteten sich deckenartig auf dem alten Meeresgrunde aus und wurden später selbst wieder von andern Erdschichten bedeckt. Infolgedessen kommen sie meist linsen- oder lagerartig zwischen Grauwacken, Kalken und Schiefern vor. Auf die reichen Erzvorkommen des Westerwaldes, die auch die obere Sieggegend mit ihrem vorzüglichen Spateisenstein umfassen, und die auf dieselben sich gründenden Industrien hinweisend, sagt Riehl von dieser Gegend mit poetischem Schwunge: „Die Feuersäulen der Hochöfen gruppieren sich hier wie zu einem Strahlendiadem rings um den Saum der Hochflächen.“

Abb. 153. Gerolstein, von der Burg gesehen.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 164].)

An der untersten Strecke des Lahntales von Limburg bis zur Mündung des Flusses sind die landschaftlich schönsten Punkte das von dem früheren Schloß der Grafen von Nassau-Dillenburg überragte Städtchen Diez (4500 Einw.), die auf bewaldeter Basaltkuppe thronende Schauenburg, die Schloßruine Balduinstein, deren großartige Baureste sich aus enger Schlucht auf Kalk- und Porphyrfelsen erheben, Burg Nassau ([Abb. 135]) und Burg Stein, vor letzterer das im Jahre der Wiedererrichtung des Deutschen Reiches vollendete Denkmal des Freiherrn vom Stein ([Abb. 136]), das alte Städtchen Nassau, welches schon 790 als Nasonga erwähnt wird, und in dessen Schloß der eben genannte große Staatsmann das Licht der Welt erblickte und wohnte, und endlich Ems (rund 7000 Einw.), ([Abb. 138]). Bad Ems ist alljährlich das Ziel von Tausenden, und nicht immer sind es die Kranken und Schwachen, die dorthin pilgern, um vom Emser Krähnchen, vom Fürsten- oder vom Kaiserbrunnen zu trinken; auch herzensfrohe Menschen finden sich unter den Kurgästen, die eben nur eine Badereise machen wollen, denen es in den freundlichen Landhäusern zu gut gefällt, die von den Klängen der Kurkapelle gar zu gern sich locken lassen, die das Promenieren im Kurgarten ([Abb. 137]) lieben oder auch an den schönen Spaziergängen über die benachbarten, waldgeschmückten Höhen immer wieder neues Gefallen finden. Auch historische Erinnerungen knüpfen sich an Ems. Ein Marmorstandbild des Kaisers Wilhelm I. erinnert an die Zeit, in der der Monarch alljährlich zum Kurgebrauch nach Ems zurückkehrte, und man zeigt uns die Stelle, wo der greise König den allzu zudringlichen französischen Gesandten im Juli des Jahres 1870 abwies. Die Hauptbestandteile der Emser Quellen sind doppeltkohlensaures Natron und Chlornatrium. Ihr Kurgebrauch wird hauptsächlich bei Erkrankungen der Atmungsorgane, sowie bei Magen- und Darmkatarrhen verordnet.

Montabaur und Kannenbäckerland. Westerwalder Tonindustrie.

Nach diesen Streifzügen durch das Lahntal nach oben und nach unten sind wir wieder in Limburg angelangt. Zur Fahrt durch den untern Westerwald besteigen wir von neuem die Eisenbahn, die uns über ein hügeliges Land, in dem schöne Wälder mit fruchtbaren Äckern wechseln, zunächst nach Montabaur bringt. Das Städtchen ist der größte Ort des Westerwaldes, obschon es nur etwa 4000 Einwohner zählt. Es liegt in sehr waldreicher Gegend. Die im Besitze von Montabaur befindlichen Waldungen werfen z. B. einen jährlichen Ertrag von etwa 13000 Mark ab. Der Stolz des Städtchens ist das ehemalige kurfürstlich-trierische Schloß, das aus einem Walde von Hainbuchen auf einem abgestumpften Bergkegel emporsteigt. Schattige und felsgeschmückte Wege führen zu demselben hinan, und auf dem Schloßberge entfaltet sich eine prächtige, vielgerühmte Aussicht, namentlich auf das malerisch gelegene Städtchen selbst.

Abb. 154. Kyllburg im Kylltal.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 164].)

Westlich von Montabaur liegt das sogenannte Kannenbäckerland, wo eine alte, jetzt wieder frisch blühende Tonindustrie betrieben wird. Um nach den bedeutendsten Orten dieses Bezirks, nach Ransbach, Grenzhausen und schließlich nach Höhr, dem wichtigsten, wo eine Keramikschule besteht, zu gelangen, besteigen wir in Siershahn die Zweigbahn, die in westlicher Richtung nach Engers führt. Der tertiäre Ton in dieser Südwestecke des Westerwaldgebietes führt den Namen Pfeifenton oder Pfeifenerde, weil er früher hauptsächlich zur Verfertigung von Tonpfeifen benutzt wurde. Er ist wie alle Tonarten aus der Verwitterung von feldspatreichen Gesteinsarten (Granit, Trachyt, Porphyr usw.) entstanden und durch Wasserfluten von seiner ursprünglichen Lagerstätte weggeschwemmt worden. Er besteht aus 53,50% Kieselsäure, 29,63% Tonerde, 1 bis 3% Eisenoxyd und 1 bis 2% Magnesia. Der Eisengehalt und der Gehalt an Pflanzen- oder Tierresten geben dem Ton eine bestimmte Färbung, die bald weißgrau, bald gelblich oder rötlich, bald bläulich ist. Der Ton des Westerwaldes ist durchweg sehr fein und gleichartig. Seine Gewinnung oder Werbung geschieht mittels des Reifenschachtbetriebes. Auf den Ton wird durch die ihn überlagernden Lehm- und Sandschichten ein etwa 2 m breiter Schacht getrieben, der mit starken Holzreifen ausgekleidet wird. Sobald man die zähe Tonmasse erreicht, hört die Auskleidung mit Holz auf. Man sticht den Ton mit großen, messerartigen Werkzeugen ab und fördert ihn in Kübeln noch oben. Allmählich werden die Gruben trichterförmig erweitert. Der zähe Ton hält zwar eine Zeitlang stand. Allmählich aber rücken die Wände des Trichters, dem ungeheuren Druck nachgebend, zusammen: der Ton „wächst“. Die Arbeiter kennen diese Erscheinung ganz genau und verlassen den Schacht erst, wenn sie durch die Öffnung kaum noch hindurchschlüpfen können. Die Töpferkunst des Westerwaldes ist schon sehr alt. Sie ist bis ins vierzehnte Jahrhundert zu verfolgen. Besonders im sechzehnten Jahrhundert stand das Gewerbe in hoher Blüte. Es lieferte vielfach auch kunstvollendete Arbeiten, die durch eingeritzte Ornamente geschmackvoll verziert waren und sich durch eine seltene Schönheit der Färbung auszeichneten. Die Hauptfarben waren blau und violett (Blauwerk). Beim Niedergang der Töpferkunst war das Geheimnis der Farbenmischung verloren gegangen, bis es vor wenigen Jahren durch einen glücklichen Zufall wieder gefunden wurde. Das neue Aufblühen verdankt die Westerwalder Tonindustrie hauptsächlich dem guten Ruf der mit großem Geschick wieder nachgeahmten altdeutschen Ware, die nach der herrschenden Mode mit Vorliebe auch zur Ausstattung von altdeutschen Zimmereinrichtungen verwandt wurde. Die Tonpfeifenfabrikanten von Höhr haben fast den ganzen Handel mit Tonpfeifen in Händen. Namentlich nach Holland und Amerika findet eine bedeutende Ausfuhr statt.

Abb. 155. Ober- und Niederburg von Manderscheid.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 164].)

Wiedtal. Siebengebirge.

Nachdem wir auf der vorher erwähnten Bahnlinie bei Engers den Rhein erreicht haben, lockt es uns noch einmal hinein in die Waldespracht des Westerwaldes. Wir folgen dem tief eingeschnittenen, von waldgeschmückten Abhängen umrahmten Tale des Wiedbaches, grüßen Monrepos, das fürstlich Wiedsche Lustschloß, und wandern, nach herrlichem Rückblick auf das Rheintal, weiter nach Altwied, das von den efeuumrankten Trümmern der Stammburg ([Abb. 139]) der Grafen von Wied überragt wird. Wieder wandern wir dann zurück an den Rhein und, seinem Laufe folgend, dem schönsten Wanderziele entgegen, das Rheinland uns zu bieten vermag: zu den Sieben Bergen, die schon auf der Rheinfahrt in herrlichem Bilde vor uns erschienen.

Abb. 156. Burg Eltz.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 164].)

Das Siebengebirge ([Abb. 1] und [141]) wird als die siebengestaltige Krone in Rheinlands Schönheit gepriesen. Es ist in der Tat ein kleines Wunderland, in der Sage, Geschichte und Dichtung fast jeden Punkt verherrlicht haben. Überall ist die Schönheit des Siebengebirges eine andere. Anders ist sie dort, wo der Drachenfels mit seiner zerklüfteten Felsgestalt aus den Wogen des Rheines emportaucht, anders dort, wo sich die Löwenburg oder der Ölberg hoch über die Bergeskrone, hoch über die Hochflächen des Westerwaldes erheben. Wenigstens den schönsten und besuchtesten Berg, den Drachenfels, wollen wir besteigen und dabei den Sagen lauschen, die aus dem Born der grauen Vorzeit fließen.

Drachenburg und Drachenfels.

In Königswinter (4000 Einw.) ([Abb. 141]) landet uns das Dampfschiff. Wir gesellen uns gern dem frohen Wandervölkchen zu, das auf dem steilen Pfad, zwar etwas mühselig, aber doch in freudigster Stimmung zum Gipfel des Drachenfels pilgert. Die Zurückkehrenden sind in noch besserer Laune. Sie haben oben die Schönheit der Landschaft und wohl auch die Kraft des Weines in vollem Maße gekostet. So singen sie frohe Rhein- und Weinlieder, und Efeu- oder Eichenkränze zieren ihre Hüte. Andere reiten auf einem muntern Pferdchen oder sitzen, etwas bequemer, auf dem Rücken eines Langohrs, der zu einem roten Sessel eingerichtet ist. Des Tierrückens ungewohnt, machen die meisten eine possierliche Gestalt, so daß man sich des Lachens kaum enthalten kann. Aber was tut’s? Zum Lachen und Scherzen zog ja jeder hinaus. Es gehört zum frohen rheinischen Leben, zum Wandern am Rhein, und es macht das Herz wieder so jung und so neu.

Abb. 157. Hof der Burg Eltz.
Nach einer Photographie von Stengel & Co. in Berlin. (Zu [Seite 164].)

Abb. 158. Doppelkirche von Schwarzrheindorf.
Nach einer Photographie von C. Schaf in Bonn. (Zu [Seite 165].)

Geschichte des Drachenfels.

Wir steigen immer höher, anfangs durch Weinberge, später durch Wald oder zwischen zerklüfteten Felswänden. Schon liegen die Häuser, der Kirchturm der Stadt Königswinter tief unter uns; die Schiffe auf dem Rhein werden immer zwerghafter, und der Bergzug auf der andern Rheinseite scheint tiefer sich zu senken. An jeder Lichtung machen wir halt, um den herrlichen Blick hinab ins Tal zu genießen. Dann schreiten wir rüstig weiter. Links pustet die Zahnradbahn, die zum Gipfel des Drachenfels führt, an uns vorüber und rast zur Tiefe. Rechts begleitet uns jetzt das Gitter, das die Anlagen der neuen Drachenburg umschließt. Durch die Eisenstäbe hindurch gucken wir nach den Damhirschen aus, die in dem lichten Gehölz gewöhnlich sichtbar sind, zuweilen sogar an das Gitter kommen und aus der Hand des Wanderers ihr Futter nehmen. Den schönen Blick auf die Burg selbst genießen wir etwas höher. Wie stolz hebt sich der prächtige, turmreiche und zinnengekrönte Bau ([Abb. 118] und [142]) aus der hellen Wiesenmatte und aus den dunkeln Baumgruppen heraus! Gegen fünf Millionen Mark haben Grundstück und Bau gekostet. Nun steht sie auf halber Höhe des Drachenfels als ein stolzes Baudenkmal der Neuzeit da. Der jetzige Besitzer hat das prächtige, mit schönen Kunstwerken und Gemälden ([Abb. 143]) ausgeschmückte Schloß der öffentlichen Besichtigung gegen ein mäßiges Eintrittsgeld freigegeben. Hoch über uns erscheint der viereckige, halbzerfallene Turm der alten Drachenburg ([Abb. 144]), der von dieser fast allein noch übrig geblieben ist, als das berühmteste Denkzeichen der Landschaft des Siebengebirges. Was wäre der Drachenfels ohne seine Ruine! Er hätte schier kein Recht mehr, so trutzig aus den Fluten des Rheines emporzusteigen und sich als Wächter dort hinzustellen, so kühn und so stolz. Nun stehen wir vor der schwindelnden Höhe. Aus der fast senkrecht aufsteigenden Trachytwand wächst das Gemäuer des riesigen Turmes heraus. Bergwand und Mauer erscheinen zu einem Ganzen verwachsen. Kein mutiger Kletterer vermag da emporzusteigen. Unangreifbar! Welcher Wert in einstiger Zeit! Es schuf diese Burg, deren ersten Bau der Kölner Erzbischof Arnold I. zwischen 1137 und 1151 ausführen ließ. Als „Trachenfels“, „Drakinfels“ und „Mons draconis“ wird sie in den Lehns-Urkunden bezeichnet. Sie ging später in den Besitz des Bonner Cassius-Stifts über. Der Kölner Erzbischof und Kurfürst behielt aber das Recht der Besatzung für den Kriegsfall. Die Verwaltung der Burg wurde einem Burggrafen übertragen. Der erste Burggraf, den eine Urkunde aus dem Jahre 1176 nennt, war Gottfried von Drachenfels. Die Geschichte weiß uns noch manches von der Drachenburg und den Burggrafen von Drachenfels zu erzählen, deren rotes Wappenschild ein silberner geflügelter und flammenspeiender Drache schmückte. Der Ritter Godard erwarb auch die Pfandschaft am Schloß Wolkenburg, das die benachbarte Bergkuppe krönte. Später wurden noch andere Schlösser und Herrschaften durch Kauf oder Heirat erworben. So wuchs das Ansehen der Burggrafen von Drachenfels. Godards Sohn, Klaus von Drachenfels, wagte dem Kölner Erzbischof offene Fehde anzusagen; im Kampfe besiegt, mußte er das Land verlassen. Als er sich mit dem Erzbischof wieder ausgesöhnt hatte, verweigerten ihm seine Vettern den Eintritt in die väterliche Burg. Am untern Burgweg kam es zum blutigen Kampfe, und an der Stelle, wo jetzt der zweite Kucksteiner Hof am Wege zum Drachenfels liegt, ward Klaus von seinem Vetter Heinrich erschlagen. Um den Mörder zu bestrafen, belagerte der Kurfürst Hermann die beiden Festen Drachenfels und Wolkenburg, die sich ihm 1493 ergeben mußten. Aber Heinrich war geflohen. Der Geächtete wurde später begnadigt und als Burgherr anerkannt. Dem ermordeten Klaus mußte er in Heisterbach nachträglich ein standesgemäßes Begräbnis mit Geläut, Messen, Vigilien und Commendacien bereiten lassen, sowie an der Mordstelle ein ehrlich steinernes Kreuz errichten. Er selbst starb 1530 und fand, wie seine Vorgänger, in Heisterbach seine letzte Ruhestätte. Sein Grabstein wurde aber später an der Kapelle zu Rhöndorf am südlichen Fuße des Drachenfels eingemauert. Im truchsessischen Kriege, 1583 bis 1588, wurde die Drachenburg hart belagert. Aber sie hielt wacker stand, und ihr Verteidiger, Hauptmann Funk, schlug alle Angriffe des Pfalzgrafen Johann Kasimir auf den Drachenfels und Königswinter zurück. Im Dreißigjährigen Kriege eroberten 1633 die Schweden die Burg. Aber noch im selben Jahre wurden sie von den Spaniern vertrieben. Hiermit hören die Kriegsstürme für die Drachenburg auf. Der Kurfürst Ferdinand ließ sie nicht mehr von neuem in Verteidigungszustand setzen, sondern gab sie im Jahre 1642 als Ruine den Freiherrn Walbott von Bassenheim, Nachkommen von Klau’s Schwester, zu Lehen. Jetzt ist der Drachenfels Eigentum des preußischen Staates.

Abb. 159. Köln. (Zu [Seite 166].)

Abb. 160. Kölner Rheinbrücke. (Zu [Seite 166].)

Der Drachenfels.

Den Spuren der Geschichte, die uns dies alles erzählt, im Geiste nachfolgend, wandern wir weiter, vorüber an wild zerklüfteten Trachytwänden. Mächtige Teile des Berges haben einst sich gelöst, und die abgestürzten Felsmassen türmen sich auf der andern Seite des Pfades vor uns auf, der sich zu einem Felsentore zu schließen scheint. Dann öffnet sich das Gehölz, und nach wenigen Schritten stehen wir auf der ersten Platte des Drachenfels, auf der sich einst der Burggarten ausbreitete, jetzt das Gasthaus zum Drachenfels erbaut ist. Eine Gedenksäule erinnert an die Befreiungskriege von 1813 bis 1815. Sie waren ein Kampf um die deutsche Freiheit, zugleich ein Kampf um den Rhein, von dem Max von Schenkendorf in seinem schönen Lied vom Rhein klagend sang:

Sie hatten ihm geraubt

Der alten Würden Glanz,

Von seinem Königshaupt

Den grünen Rebenkranz.

In Fesseln war der Held geschlagen,

Sein Zürnen und sein stolzes Klagen,

Wir haben’s manche Nacht belauscht,

Von Geisterschauern hehr umrauscht.

Abb. 161. Rathaus in Köln. (Zu [Seite 166].)

Wenn eine Stelle im Rheinstrom uns sagt, um welch hohen Preis es sich bei diesen Kämpfen handelte, so ist es der Drachenfels. Zu unsern Füßen rauscht der herrliche Strom, von zahlreichen Schiffen, von stolzen Dampfern und schwer beladenen Schleppkähnen, die die Reichtümer des Landes bergen, belebt. An seinen freundlichen Ufern reiht sich Dorf an Dorf. Warmgebettet liegt Honnef, das rheinische Nizza ([Abb. 145]), vor uns. Dort im Strome schwimmen die beiden Inseln Nonnenwerth, auf dem ein altes Kloster liegt, und Grafenwerth, und von drüben winkt der Rolandsbogen. Auf der höchsten Spitze des Drachenfels, die wir in zwei Minuten erreichen, um unsern Fuß auf das Gemäuer der alten Drachenburg zu setzen, entfaltet sich der Blick noch herrlicher. Stromaufwärts sehen wir, wie der Rhein aus seinem engen Felsentale kommt, stromabwärts, wie er den freien Lauf durch die Ebene beginnt. An der zierlichen Burgruine Godesberg haftet der Blick, weiter trifft er das Häusermeer der Stadt Bonn, und dort in der nebeligen Ferne, zu der uns das schlangenartig gewundene Silberband des Stromes hinführt, tauchen bei klarem Wetter auch die beiden Türme des Kölner Domes auf. Ja herrlich ist dieses Land und wonnig, inmitten dieser Herrlichkeit zu leben!

Abb. 162. Der Kölner Dom, Westansicht.
Nach einer Photographie von Anselm Schmitz in Köln. (Zu [Seite 167].)

Drachenfelssagen.

Beim Anblick des alten Burggemäuers fängt unser Geist an nachzusinnen, und der Sage liebliche Laute klingen an unser Ohr. Sie erzählt uns von einem gewaltigen Recken, der aus den Niederlanden kam. Siegfried war sein Name. Er wollte ein Ritter werden. Um sich ein Schwert schmieden zu können, bat er den Waffenschmied Mimer, der in einer Waldschlucht des Siebengebirges wohnte, ihn als Gesellen anzunehmen. Und als man ihn verlachte, da er noch sehr jung war, ergriff er den Hammer und schwang ihn so gewaltig, daß der Amboß in den Grund sank und alles Eisen zersprang. Von der letzten Eisenstange jedoch machte er sich ein Schwert, gar lang und groß, und mit diesem erlegte er den Drachen, der in einer Höhle des Drachenfelsens hauste. Nach einer andern Erzählweise hat den Drachen, „welcher beid Menschen und Vieh ganz sehr schedtlich war, ertödtet ein stolzer Ritter bürtig aus Griechenland. Deshalben ihm seine menliche und kühne That wider vergolten ward und man gab ihm denselben Berg mit ein guten Theil daran gelegener Landtschafft und verheyrathete ihn an die Tochter des Veldöbersten der Quaden, die sich zu Oberwinter niedergeschlagen hatten“. In dieser Form wird die Sage anno 1609 von Matthis Quaden von Kinkelbach berichtet. Der Ritter, bürtig aus Griechenland, war Dietrich von Bern, der Gotenheld, der in der Wilkinasage und in Eckens Ausfahrt vorkommt. So mischen sich in der Drachensage der fränkische und der gotische Sagenkreis. Eine dritte Erzählweise derselben, von Kopisch aufgezeichnet, läßt dem Drachen durch eine christliche Jungfrau den Untergang bereiten. Sie sollte auf Geheiß des heidnischen Priesters, der wegen der gefangenen Jungfrau den Streit zwischen zwei Brüdern, Anführern eines heidnischen Stammes, befürchtete, dem Drachen geopfert werden. Schnaubend und Feuer und Schwefel aus dem furchtbaren Rachen blasend, naht sich das schreckliche Ungetüm dem angstgequälten Mädchen. In ihrer Herzensangst greift die Jungfrau zu einem Kreuze, das sie auf der Brust trug. Und siehe da! Der Drachen weicht entsetzt zurück und stürzt rücklings hinab in den tiefen Abgrund, wo er zerschmettert liegen bleibt. Indem die Sage weiter erzählt, daß die beiden Brüder mit ihren Stammesangehörigen Christen wurden, und daß die Jungfrau unten am Rhein ein Kloster gründete, gibt sie deutlich zu erkennen, daß ihre Entstehung mit der Bekehrung der Germanen zum Christentum in Zusammenhang zu bringen ist. Symbolisch ist auch eine vierte Form der Sage, die Simrock mitteilt. Der Drache, der am Drachenfels hauste, pflegte die Schiffer auf dem Strom anzufallen. Einst fuhr ein pulverbeladenes Schiff vorbei. Das dem Rachen des Ungeheuers entströmende Feuer entzündete das Pulver — und Drache und Schiff flogen in die Luft. Die Erfindung des Pulvers war es, die auch dem Raubrittertum ein Ende machte, denn sie gab das Mittel, um die Felsennester der Schnapphähne, die wie der Drache auf Raub lauerten, zu zerstören. Wie aber kam es, daß das Bild des Drachen gerade in der Gegend des Drachenfels in der Phantasie des Volkes so lebendig wurde? Es gibt noch eine zweite Gegend in Deutschland, wo die Drachensage Boden gefaßt hat, nämlich die Wormser Gegend. Vielleicht hat der Gedanke einige Berechtigung, daß die Auffindung von Knochenresten ausgestorbener Riesentiere, vor allem ungeheurer Schädelformen, in diesen Gegenden der Phantasie die erste Anregung zur Gestaltung des Drachentieres gegeben hat. Noch heute wird an der Südseite des Drachenfels das Loch gezeigt, in dem das Ungeheuer einst gehaust hat. Wer mit dem Schiff vorbeifährt, vermag den dunklen Punkt des Drachenloches in der hellgefärbten Felswand deutlich zu erkennen. Und wer es nicht sieht, dem wird noch vieles in der Poesie des Rheinlands verborgen bleiben.

Abb. 163. Inneres des Kölner Domes, Blick von Westen nach Osten.
Nach einer Photographie von Anselm Schmitz in Köln. (Zu [Seite 167].)

Der Drachenfels.

Auf dem Plateau des Drachenfels entfaltet sich während der Reisezeit des Jahres ein fröhliches Leben und Treiben. Zu den zahlreichen Besuchern, die Eisenbahn und Dampfschiff von den benachbarten Städten, besonders von Bonn und Köln, bringen, gesellen sich die Scharen der fremden Besucher. Nur wenige von diesen letzteren versäumen es, dem Drachenfels einen Besuch abzustatten. Für die von Norden Kommenden ist der Drachenfels und im weiteren Sinne das Siebengebirge der erste Punkt, der ihnen den vollen Glanz des Rheintales entfaltet, und für die in der umgekehrten Richtung Reisenden bildet er das Schlußstück der herrlichen Rheinreise, und nur mit Wehmut vermögen sie sich loszureißen von dem schönen Bilde, das das Auge von der Höhe des Drachenfels schaut. Doch wehmütige Stimmungen dauern am Rhein nicht lange. Im Kreise der vielhundert frohen Zecher, die an schönen Sommer- oder Herbsttagen auf dem Drachenfelsplateau beim Drachenblut oder einer würzigen Bowle sitzen, beim hellen Gläserklang und beim Sang des alten Barden ([Abb. 146]), der beliebte Rheinlieder vorträgt, vergessen wir die Wehmut, das Scheiden, und nur noch der Gedanke des Zurückkehrens nach diesem wonnigen Lande, nach diesem romantischen Fleckchen Erde liegt uns im Sinn.

Abb. 164. Köln im 16. Jahrhundert.
Nach Braun & Hohenberg. (Zu [Seite 171].)

Der Petersberg.

Noch zu vielen anderen genußreichen Wanderungen ladet das Siebengebirge ein. Es verbietet der Raum, sie alle auch nur in Kürze zu zeichnen. Vielbesucht ist auch der Petersberg, dessen breitgewölbte Kuppe in wuchtiger Gestalt nördlich von Königswinter und in etwas größerer Entfernung vom Rhein aus dem Rheintale aufsteigt. Seine Rheinaussicht steht zwar hinter der des Drachenfels weit zurück. Um so schöner ist der Blick, die sogenannte Gebirgsaussicht, der sich auf andere Kuppen des Siebengebirges öffnet. Während der Drachenfels aus dem hellfarbigen, besonders auf der West- und Südwestseite lebhaft herausleuchtenden Trachytgestein besteht, ist der Petersberg eine Basaltkuppe. Aber ein dichtes Waldkleid läßt das dunkle Basaltgestein nirgendwo landschaftlich zur Geltung kommen. So geht dem Petersberg die wilde Romantik seines bevorzugten Nebenbuhlers ab. Und wie seine Formen weicher und gerundeter sind, so ist er auch in der Geschichte weniger eine Kriegs- als vielmehr eine Kultusstätte gewesen. Schon im zwölften Jahrhundert gründete ein Klausner namens Walter auf dem Petersberg, der damals Stromberg hieß, eine klösterliche Gemeinschaft. Die Mönche verlegten aber bald ihren Sitz, und auch andere Mönchsorden hielten nicht aus. Doch fand, wie Caesarius von Heisterbach berichtet, noch zuweilen Gottesdienst auf dem Berge statt. Auch heute steht auf ihm ein Kirchlein, das im Jahre 1762 erbaut wurde, und am Peter- und Paulsfesttage pilgern viele Andächtige zu diesem hin. Der Petersberg ist, seitdem er ein prächtiges Hotel und eine Zahnradbahn erhalten hat, gleich dem Drachenfels, vor dem er den Vorzug schattiger Promenaden hat, ein vielbesuchter Punkt geworden. Vor dem Hotel fesseln gewaltige, gerundete Basaltblöcke unser Auge. Vier von ihnen, die übereinander liegen, scheinen von Menschenhand in diese Lage gebracht zu sein. Man hält sie deshalb für den Rest eines megalithischen Denkmals aus vorrömischer Zeit, das den Berg zugleich als eine uralte Kultusstätte kennzeichnen würde. Im Jahre 1879 wurde auf dem Petersberg auch ein noch gut erhaltener germanischer Ringwall festgestellt. Als Zufluchtsstätte bei Kriegszeiten war diese Kuppe des Siebengebirges, weil sie das größte Plateau besitzt, in der Tat am geeignetsten in der ganzen Gegend. Eine mittelalterliche Burg hat dagegen auf derselben nicht gestanden.

Heisterbach.

Am Nordfuße des Petersberges liegt in stiller Waldesruhe die Ruine Heisterbach ([Abb. 147]), der letzte Rest der herrlichen Abteikirche, die 1809 abgebrochen wurde. Wie wechselten um uns der Landschaft Bilder! Auf dem Drachenfels die alte Kriegsfeste, auf dem Petersberg ein Kirchlein, das nahe der großen Heerstraße des Lebens den Wanderer zu sich ladet, hier ein stilles, weltentlegenes Fleckchen Erde, das sich selbst genügen will und einst den frommen Mönchen auch die Welt war! Gleich jenem Mönch von Heisterbach, der, wie die Sage uns erzählt, nachgrübelnd sich in der Ewigkeit verlor, so ist es auch uns in dieser Waldeinsamkeit, als wenn die Weltenuhr stille uns stände. In dem prächtigen Buchenhochwald umfängt uns Dämmerung am hellen Tage, und des Mittags Hitze wird zu erquickender Kühle. So schwinden uns die Stunden-, die Zeitbegriffe.

Tausend Jahre sind ihm wie ein Tag,

Und ein Tag wie tausend Jahre!

Abb. 165. Ringstraße in Köln. (Zu [Seite 173].)

Die Erinnerung an den Mönch von Heisterbach, der, aus seinen Träumen aufwachend, eine neue, um tausend Jahre jüngere Welt um sich sieht und nur aus einer alten Chronik Kunde von sich selbst vernimmt, begleitet uns auf allen Schritten; denn der Sinn dieser Sage wurzelt in der Stimmung der Landschaft. Wer unter frohen Menschen weilen will, wandert hin zum Drachenfels, wer jedoch von des Lebens Hast und Unruhe genesen will, der sucht die Waldesstille von Heisterbach auf. Der Waldesodem haucht neue Kraft in Körper und Geist, und im stillen beginnen wir die klugen Mönche zu bewundern, die sich diese Waldesherrlichkeit im Tale wählten und den Rittern gern die luftige Bergeshöhe ließen. Die Bergeshöhe mit ihrem freien Blick in die Ferne und hinab auf das Leben und Treiben der geschäftigen Menschheit, das stille Tal mit seiner Einsamkeit und Ruhe, mit seinem Alleinsein und Alleinfühlen, das sind die beiden Gegensätze, die, wie in vielen anderen Berglandschaften, so auch im Siebengebirge zu unserer Empfindung kommen, und die uns in jeder Örtlichkeit ihren eigenen Zauber finden läßt, je nach dem Grade, in dem die eine oder die andere Stimmung auf uns wirkt. Die Idylle des Margaretenhofes am Fuße des Ölberges, sowie des Burghofes in Zweidrittelhöhe des Drachenfels und die Stille des Forsthauses an der Löwenburg stimmen unser Herz ähnlich wie die Waldesruhe von Heisterbach. Aber nicht so ganz ist die Stimme des Lebens dort verstummt, und wenn wir emporsteigen und auf den genannten Bergkuppen Umschau halten, so fühlen wir uns Städten und Dörfern, so fern sie auch liegen, den Menschen näher.

Abb. 166. Denkmal Kaiser Wilhelm I. in Köln.
Nach einer Photographie der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin-Steglitz. (Zu [Seite 173].)

Das Siebengebirge.

Es ist vorwiegend das Verdienst des eifrig tätigen Verschönerungsvereins für das Siebengebirge, daß jede Örtlichkeit in dieser herrlichen Landschaft bis heute ihre natürliche Eigenart erhalten hat. Es ist allzeit sein Streben gewesen, die Schönheit des Siebengebirges aufzuschließen, ohne die Naturstimmung der Landschaft irgendwie zu beeinträchtigen. Schöne Landstraßen, von denen die eine rings um das eigentliche Siebengebirge führt, die beiden anderen es vom Margaretenhof am Ölberg zum Rhein hin durchqueren, lassen alle schönen Punkte auch zu Wagen leicht erreichen. Aber der Fußgänger braucht nicht überall ihnen zu folgen. Wo sie schattigen Wald durchschneiden, zweigen sich wohlgepflegte Waldwege ab, auf denen es sich herrlich wandert, und der Wanderer fühlt dort sich näher der Natur, den Blumen und Gräsern, den Bäumen und Sträuchern, dem Kuckuck, dessen Ruf ertönt, und der Nachtigall, die dicht neben uns plötzlich ihren schmetternden Schlag anstimmt. Eine andere Sorge des Verschönerungsvereins war darauf gerichtet, den Betrieb der Steinbrüche, die tiefe Wunden in die Bergkuppen rissen und einigen die Schönheit völlig zu rauben drohten, einzuschränken oder durch Ankauf gänzlich zum Stillstand zu bringen. Durch Bewilligung einer Lotterie zur Erhaltung des Siebengebirges sind dem Verein die Mittel gewährt worden, seine gemeinnützigen Bestrebungen in größerem Umfange zu verwirklichen. Durch Ankauf von Gelände soll auch einer weiteren Besiedelung, besonders auch einer Bebauung mit Villen vorgebeugt werden. Denn ein verborgenes Heiligtum der Natur sei diese Landschaft, das nicht ein Opfer werde der menschlichen Habsucht und nicht entweiht vom Menschenhader. Drum Dank den Männern, die an der Rettung und Verschönerung des Siebengebirges, der Perle des Rheinlandes, mitgewirkt haben. Dank auch der preußischen Staatsbehörde, die durch Genehmigung der Siebengebirgs-Lotterie die Bestrebungen des Verschönerungsvereins so wirksam unterstützte und für die Erhaltung der wenigen Ruinen, die vom Kulturschmucke früherer Jahrhunderte in dieser Landschaft übriggeblieben sind, Sorge trug. Gewaltige Schutzmauern stützen den alten Bergfried auf dem Drachenfels, und demnächst sollen auch die geringen Burgreste auf der Löwenburg vor weiterem Verfall geschützt werden. Von anderen Burgen, so von der Wolkenburg, die einst, im zwölften Jahrhundert, den Juden bei einer Verfolgung als Zufluchtsstätte angewiesen wurde, ist kein Stein mehr vorhanden, und riesige Schutthalden, von früherem Steinbruchbetrieb herrührend, verunstalten den Berg dieses Namens. So führt derselbe abschreckend uns vor Augen, was frühere Zeiten gefrevelt haben am schönen Bilde der Natur, und mächtig hallt die Mahnung der Dichterin Fanny Stockhausen in uns wider:

Rheinland, steh’ auf! Laß keinen Stein

Dir mehr von deinen sieben Bergen brechen,

Und laß die kühle Prosa nicht hinein

Dir sprechen!

Rheinland steh’ auf und halte stand

Zum Schutze deiner siebenzack’gen Krone,

Daß sie des unbedachten Frevlers Hand

Verschone!

Und standst du auf, ihr Schutz zu sein,

Muß dir dein herrlich Rettungswerk gelingen;

Welch einen frohen Dank wird dir dein Rhein

Dann singen!

Entstehung des Siebengebirges. Das Siebengebirge zur Tertiärzeit.

Wie wir, versunken in die Schönheit des Siebengebirges, freudig dem plaudernden Quell der Sage und Geschichte lauschten, so wollen wir gerne auch dem forschenden Geiste folgen, der uns in das Werden dieses schönen Landes einweihen möchte. Nicht immer standen die sieben Berge so stolz und so schön. Verhältnismäßig jung ist ihr Alter. Als der Boden des Rheinischen Schiefergebirges längst gebildet und der größte Teil desselben emporgetaucht war aus den Wasserfluten des Meeres, auf dessen Grunde es sich abgelagert hatte, da wälzten sich über die Gegend des Siebengebirges mächtige Ströme. Große Massen von Ton, Quarzsand und Kieselgeröll lagerten sie ab, und in Buchten bildeten sich die Ablagerungen der Braunkohle. Nach dieser, für den menschlichen Haushalt so wichtig gewordenen Bildung bezeichnet man jene Ablagerung mit einem allgemein verständlichen Worte als Braunkohlenformation. Sie gehört der Tertiärzeit an. Im Siebengebirge ist sie besonders im Nordwesten verbreitet. Nördlich von Königswinter erstreckt sie sich ostwärts weit in dasselbe hinein, bis über den Wintermühlenhof hinaus reichend. In der Nähe dieses Hofes treffen wir namentlich Lager von weißlich gefärbtem Quarzit an. Beim Zerschlagen dieses etwas schiefrigen Gesteins kommen häufig Abdrücke von Blättern zum Vorschein, von Lorbeer, ferner von Palmen und Myrte. So sind uns die Spuren einer einst im Rheinland heimischen Pflanzenwelt erhalten, die heute nur noch in viel südlicheren Ländern vorkommt. Die Funde beweisen, daß im Rheingebiet zur Tertiärzeit ein wärmeres Klima herrschte.

Abb. 167. Madonna im Rosenhag.
Dem Meister Stephan von Köln zugeschriebenes Tafelgemälde im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln. (Zu [Seite 173].)

Gesteine des Siebengebirges.

In der Zeit, in der die Braunkohlenlager entstanden, oder etwas später begann auch die vulkanische Tätigkeit im Siebengebirge. Als die ältesten vulkanischen Auswurfsmassen sind die trachytischen Tuffe festgestellt worden, die man eine lange Zeit, weil sie die anderen überlagern, für die jüngsten hielt. Zwei Tatsachen haben bei der Beweisführung hauptsächlich die Entscheidung gebracht. In einer Schlucht im Siebengebirge, die den Namen Hölle führt, erblicken wir an mehreren Stellen in den senkrecht aufsteigenden, gelblich gefärbten Tuffwänden Adern einer anderen Gesteinsmasse. Eine von ihnen ist mit Basalt angefüllt, der von unten emporgequollen sein muß. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß letzteres erst nach Ablagerung des Tuffs geschehen sein kann. Dieser ist also älter als der Basalt. Ferner sehen wir in einer nördlichen Vorkuppe des Siebengebirges, in dem Großen Weilberg, der sich durch seine schönen Säulenbasalte auszeichnet, daß die Tuffhülle, in der der Basalt stecken blieb, an der Berührungszone mit diesem eine rötliche Färbung angenommen hat, eine Folge der Hitze, die der emporgequollene Basalt entwickelte. Wäre der Trachyttuff erst nach diesem, also auch nach dessen Erkaltung abgelagert worden, dann hätte die Feuerwirkung nicht stattfinden können. Hierdurch wird allerdings wiederum nur bewiesen, daß der Trachyttuff älter als der Basalt ist, das Altersverhältnis zu dem Trachyt, der im Siebengebirge ebenfalls sehr viel verbreitet ist, dagegen nicht berührt. Man nimmt an, daß aus Ausbruchsstellen, die heute nicht mehr nachgewiesen werden können, zuerst ein starker Auswurf von Trachyttuff stattfand, daß dann die Trachytgesteine und zuletzt die basaltischen Gesteine hervorquollen.

Der Trachyttuff bedeckte einst wohl das ganze Gebiet des Siebengebirges. In größerer Mächtigkeit lagert er jetzt noch bei der Hölle, die sich als eine echte Cañonschlucht durch die Tuffdecke gebildet hat und mit dem ebenfalls tief eingeschnittenen Nachtigallental zusammenstößt, ferner am Kühlsbrunnen und an der Ofenkaule. Der Quarzit am Wintermühlenhof wird vom Trachyttuff überlagert, ein Beweis, daß die vulkanische Tätigkeit im Siebengebirge erst nach seiner Ablagerung begann.

Abb. 168. Das Hahnentor in Köln. (Zu [Seite 173].)

Die Trachyte des Siebengebirges sind von verschiedener Beschaffenheit. Der Trachyt des Drachenfels hat keine Hornblende, dafür Feldspat, der auch in Form von schönen, großen Sanidinkristallen dem Gestein eingeschlossen ist. Diese Kristalle, deren Glitzern sofort auffällt, machen den Drachenfels-Trachyt als Baustein minderwertig. Am Kölner Dom, bei dessen Bau er verwendet wurde — der Domsteinbruch befand sich an der Südwestseite des Drachenfels — zeigte es sich, daß die Sanidinkristalle ausgewittert waren, wodurch besonders der Bildhauerschmuck sehr gelitten hatte. Infolgedessen wurde bei der Fortführung des Dombaues kein Trachyt mehr verwandt. Aus echtem Trachyt bestehen auch die Kuppen des Lohrberg, Schallenberg und Geisberg. Am Kühlsbrunnen im Rhöndorfer Tal kommt ein Trachyt vor, der fast nur aus Sanidin besteht, aber keine Sanidinkristalle ausschließt. Es ist dies die einzige Fundstelle eines solchen Trachyts in ganz Nordeuropa. Von ganz anderer Beschaffenheit ist das trachytische Gestein der Wolkenburg. Es ist ein Hornblende-Trachyt oder Andesit, benannt nach den Anden in Südamerika. Die Hornblende bildet oft schöne schwarze Kristalle. Aus Andesit bestehen außerdem noch die Breiberge, der Hirschberg, die Rosenau und der Stenzelberg.

Auch der im Siebengebirge vorkommende Basalt ist nicht gleichartig. Die mächtigsten und die höchsten Kuppen bestehen aus diesem Gestein, aus echtem Basalt der Ölberg, der Petersberg, der Nonnenstromberg und zahlreiche nördliche und südliche Vorberge, aus Dolerit, einer Abart des Basaltes, die Löwenburg.

Abb. 169. Hauptpostamt in Köln. (Zu [Seite 173].)

Es ist eine Eigenart des Siebengebirges, daß die Trachyt- und Basaltausbrüche nicht in Form von Lavaströmen, die in der Eifel so zahlreich sind, erfolgten. Nur auf der Oberkasseler Heide nördlich vom Weilberg wurden Lavaströme nachgewiesen. Im eigentlichen Siebengebirge dagegen blieben Trachyte und Basalte in der Devon- und Tuffdecke stecken. Von den schönen Formen der Bergkuppen war damals noch nichts zu sehen. Allmählich wurde die Tuffhülle von den Gewässern weggetragen. Es bildeten sich Talfurchen, und stolz traten die bloßgelegten Kuppen heraus, das Bild der Landschaft mit der Schönheit schmückend, die wir heute an ihm bewundern.

Das Siebengebirge.

Die Zahl der Kuppen ist nicht sieben, wie es der Name „Siebengebirge“ vermuten läßt, sondern viel größer. Die „Sieben Berge“, die man in der Kölner Gegend, in einer Reihe liegend, mit dem Drachenfels auf der einen und dem Großen Ölberg auf der anderen Flanke, sieht, und von denen das Gebirge, von dieser Gegend aus, seinen Namen erhielt, sind nicht einmal die sieben höchsten, wie folgende Zusammenstellung der bedeutendsten Kuppen, in der die „Sieben“ durch ein Sternchen bezeichnet sind, erkennen läßt:

*Großer Ölberg464m
*Löwenburg459
*Lohrberg440
*Nonnenstromberg337
*Petersberg334
Geisberg329
*Wolkenburg328
*Drachenfels325
Rosenau324
Großer Breiberg318
Hirschberg255

Wenn wir die Rangordnung nach der Höhe träfen, so würde also der Drachenfels nicht einmal zu den „Sieben Bergen“ gehören. Doch wenn wir ihn aus der stolzen Berggemeinschaft herausstoßen wollten, die Wogen des Rheins würden wild aufbrausen, und die Sage würde fliehen aus diesem Land, wo nicht der Prosa kaltes Licht, sondern das Farbenreich der Poesie das Gold der Berge malt.